< Sprichwörter >

Das Zufällig-Wirkliche, an dem wir weder ein Gesetz der Natur noch der Freiheit für den Augenblick entdecken, nennen wir das Gemeine.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 103

Das zufriedene Herz gilt mehr als alles Gold der Welt.
Friaul
fr] Coeur content, grand talent.

Das Zugreifen ist doch der natürlichste Trieb der Menschheit. Greifen die Kinder nicht nach allem, was ihnen in den Sinn fällt?
Goethe (1749-1832), Werther 2. Buch, 30. Oktober

Das Zuhause geht nirgendhin verloren.
Estland

Das Zuhause ist da, wo die Säcke niedergelegt werden.
Estland

Das Zuhause ist ja kein Frosch, dass es davonspringt.
Estland

Das Zuhause ist ja kein Hase, dass es davonläuft.
Estland

Das Zuhause ist ja kein Zicklein, dass es entflieht.
Estland

Das Zuhause läuft ja nicht davon.
Estland

Das Zuhause-Bleiben macht die Sklavin nicht schwanger.
Afrika

Das zuhlt si aus.
Steiermark
info] Ironisch, das ist auch der Mühe wert

Das Zuhören ist leichter als das Tun.

Das Zuhören und Zugucken hat man frei, aber vor dem Mitsprechen soll man sich hüten.

Das Zukünftige ist ungewiss.

Das Zünglein an der Waage bilden
en] to tip the scales
fr] faire pencher la balance
it] essere determinante (o. decisivo)

Das Zünglein an der Waage wird oft von scharfen Zähnen bewacht.
Fliegende Blätter

Das Zunicken eines Herrn ist für den Narren ein Frühstück.
England

Das Zurückführen der Wirkung auf die Ursache ist bloß ein historisches; zum Beispiel die Wirkung, dass ein Mensch getötet worden, auf die Ursache der losgefeuerten Büchse.
Goethe (1749-1832), Riemer, 20.1.1811

Das Zusammenleben mit einem Mann, der seine Frau weder achtet, noch ihr vertraut, ist so, als führe man bei lebendigem Leib das Leben von Toten.
George Sand, Briefe

Das Zusammensein mit ihr zu Hause fällt mir schwer.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1863, nach wenigen Monaten Ehe)

Das Zusammentreffen ist der Trennung Anfang.

Das Zuschneiden thuts nicht, man muss auch wissen zusammen zu nähen.
bm] Ač nehezky skrojen, ale peonĕ usit.

Das Zutrauen ist wie die Freundschaft keine Kunst zurzeit, wenn alles gelingt und glückt.
Goethe (1749-1832), An die Herzogin Amalia, 25. 9. 1792

Das Zuviel ist ein Bruder des Zuwenig.
Arabien

Das Zuviel zersprengt den Topf und den Deckel.

Das Zwangsläufige hat mich immer mehr interessiert als das Notwendige, und es ist mir immer so vorgekommen, als könne man aus dem, was sich täglich wiederholt, mehr Erkenntnis schöpfen als aus dem, was nie mehr wiederkehrt.
André Gide, Tagebuch 1889 - 1939 II, 406, Blätter

Das zweien gerecht ist, ist einem zu eng, dreien zu weit.
info] In Bezug auf Geheimnisse.
ho] Waar meer dan twee personen 't weten, komt een geheim hoast in 't licht.

Das Zweitbeste nach keiner Frau ist eine gute Frau.

Das zweite Ich
la] alter ego
la] alter idem

Das zweite Weib hat einen goldenen Arsch.

Das zweite Weib ist wie eine Märzsonne: Sie gibt nicht warm, sie gibt nicht kalt.
Jiddisch

Das zweite, dem allgemeinen Bemerken sich aufdringende Werk, waren Baldes Gedichte, welche nach Herders Übersetzung, jedoch mit Verheimlichung des eigentlichen Autors, ans Licht kamen und sich der schönsten Wirkung erfreuten. Von reichem Zeitgehalt, mit deutschen Gesinnungen ausgesprochen, wären sie immer willkommen gewesen, kriegerisch verworrene Zeitläufe aber, die sich in allen Jahrhunderten gleichen, fanden in diesem dichterischen Spiegel ihr Bild wieder, und man empfand als wie von gestern, was unsere Urvorfahren gequält und geängstigt hatte.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1795

Das Zwielicht ist der Raum des Dichters und der Kunst überhaupt. Wo die Vernunft an die Sinnlichkeit und die Sinnlichkeit an die Vernunft grenzt, ist der Mensch in seinem schönsten Spiele.
Johann Gottfried Seume, Apokryphen

Das, das gibt erst dem Menschen seine ganze Jugend, dass er Fesseln zerreisst.
Friedrich Hölderlin (1770-1843), Hyperion

Das, was anfangs der Leidenschaft schmeichelte, wird von der Zeit zu spät als Irrtum erkannt.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das, was den Künstler groß und eigentümlich macht, kann er nur aus sich selbst schaffen.
Goethe (1749-1832), J. Ch. Lobe, 8.11.1821

Das, was der Mensch lernt, das weiß er auch.

Das, was der Selbstheit eines jeden oder seiner Natur am meisten eigen und gemäß ist, das ist auch für jeden das Würdigste und Angenehmste.
Aristoteles, Ethik

Das, was die Bande zweiter Ehe flicht,
Ist schnöde Sucht nach Vorteil, Liebe nicht.
Es tötet noch einmal den toten Gatten,
Dem zweiten die Umarmung zu gestatten.
Shakespeare (1564-1616), Hamlet, III, 2 (Königin)

Das, was die Menschen den Kampf ums Dasein nennen, ist also nichts andres als der Kampf um den Aufstieg. Und wenn sie sich auf diesen Kampf einlassen, fürchten sie nicht etwa, dass es am nächsten Morgen nicht zum Frühstück für sie reiche, sondern dass es ihnen nicht glückt, ihren lieben Nächsten zu übertrumpfen.
Bertrand Russell, The Conquest of Happiness

Das, was die Musik ausspricht, ist ewig, unendlich und ideal; sie spricht nicht die Leidenschaften, die Liebe, die Sehnsucht dieses oder jenes Individuums in dieser oder jener Lage aus, sondern die Leidenschaft, die Liebe, die Sehnsucht selbst.
Richard Wagner

Das, was die Welt nicht kennt, nicht nennt, war glücklich
Und gut; denn das Gewöhnliche, das Alte,
Uralte, wie die Blumen und der Mond,
Die ewig gleich sehn, ist das Best' und Schönste.
L. Schefer, Laienbrevier

Das, was die Zeit nicht erschüttert, macht sie stärker.
Frankreich

Das, was du dem anderen sagen willst, sag vorher dir selbst.
Estland

Das, was ein Landtag ist, schließt sich in diesen Reim: Versammelt euch, schafft Geld und packt euch wieder heim.
info] Auf Landtagen, antwortete Feuerbacher 1525, der Sprecher der aufgestandenen schwäbischen Bauern, den Regierungsdeputirten, 'man nitz als dass man Geld geben müsse; und die Bauern meynten, man habe schon Landtage genug und übergenug gehalten; und wenn man nun ängstlich die Abgeordneten nach ihrer Rückkehr gfragt habe, was sie Guts mitbrächten, so hätten sie nie etwas anders gesagt, als man müsse von neuem Geld geben.
König, Bauernaufruhr in Deutschland, 1525

Das, was eine Nase zur Nase macht, ist bei allen dasselbe; und doch hat ein jeder seine eigene, wir irren allesamt, nur jeder irrt anders.
Weber, Demokritos

Das, was ich lehre, scheint so leicht,
Und fast unmöglich zu erfüllen:
'Nachgiebigkeit bei großem Willen.'
Goethe (1749-1832), Epimenides A II Sz 10 (Einigkeit) Vs 915f.

Das, was ich von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit meinem ganzen Wesen liebe, kann mir nicht gleichgültig sein..
Belinski, 'Die Taten Peters des Großen'

Das, was Ihnen in Ihrem eigenen Inneren schlecht erscheint, wird schon allein dadurch, dass Sie es in sich bemerken, geläutert.
Fjodor M. Dostojewski, Die Brüder Karamasow

Das, was jemand braucht, um seinen Weg wählen zu können, ist Wissen. Was kommt dabei heraus, wenn man einen Mann, der weder Notenlesen noch Klavierspielen lernen durfte, vor ein Klavier stellt und ihm die freie Wahl über die Tasten läßt?
Brecht, Freie Wahlen

Das, was jemand von sich selbst denkt, bestimmt sein Schicksal.
Mark Twain

Das, was Kinder im Umgange beachten müssen, ist, einem jeden durch Beobachtung des Zeremoniells und der Aufmerksamkeiten, die ihm nach den Gesetzen der Höflichkeit gebühren, die gehörige Ehrerbietung, Achtung und Zuneigung zu beweisen. Dies zu tun, ohne sich der Schmeichelei, Verstellung oder Niederträchtigkeit verdächtig zu machen, ist eine große Kunst, welche man sich bloß durch gesunden Verstand und in guter Gesellschaft erwerben kann.
Locke, Gedanken über Erziehung

Das, was man «laxe Moral» nennt, ist dann und wann nur eine behagliche, gutmütige Teilnahme an der Komödie auf der Bühne der Menschheit.
Raabe

Das, was man für die Menschen tut, ist nicht genug, das, was man für sie getan hat, ist nichts: die ganze Existenz, die man ihnen geschaffen hat, nehmen sie von Gottes Gnaden, und so ist man, als wenn man nicht wäre, nicht gewesen wäre.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1320

Das, was man gedacht, die Bilder, die man gesehn, lassen sich in dem Verstand und in der Einbildungskraft wieder hervorrufen, aber das Herz ist nicht so gefällig, es wiederholt uns nicht die schönen Gefühle, und am wenigsten sind wir vermögend, uns enthusiastische Momente wieder zu vergegenwärtigen, man wird unvorbereitet davon überfallen und überläßt sich ihnen unbewußt.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,14

Das, was man gesehen, geht über die Augen, was man getan, (geht) über das Herz.
Estland

Das, was man 'laxe Moral' nennt, ist dann und wann nur eine behagliche, gutmütige Teilnahme an der Komödie auf der Bühne der Menschheit.
Raabe

Das, was man liebt, kritisiert man oft am heftigsten.
Leonard Bernstein, Freude an der Musik

Das, was man mit Maß nicht tut,
Nimmer kann es werden gut.

Das, was man sonst den schönsten Teil, die reinsten Freuden des Lebens nennen möchte, eben auch nur, weil es uns aus dem realen Dasein heraushebt und uns in anteilslose Zuschauer desselben verwandelt, also das reine Erkennen, dem alles Wollen fremd bleibt, der Genuss des Schönen, die echte Freude an der Kunst, dies ist, weil es schon seltene Anlagen erfordert, nur höchst wenigen und auch diesen nur als ein vorübergehender Traum vergönnt.
Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung

Das, was man wahr empfindet, auch wahr auszudrücken, d. h. mit jenen kleinen Beglaubigungszeugen der Selbstempfindung, macht eigentlich den großen Schriftsteller.
Lichtenberg, Bemerkungen vermischten Inhalts

Das, was mir wichtig scheint, hältst du für Kleinigkeiten.
Das was mich ärgert, hat bei dir nichts zu bedeuten.
Goethe (1749-1832), Laune des Verliebten Sz 3 (Eridon)

Das, was uns antastet und angreift, ist unser Heil; es bewahrt uns vor Erstarrung.
Ricarda Huch (1864 - 1947)

Das, was uns umgibt, erhält dadurch dass wir der Geber und der Veranlassung gedenken ein Leben, wir sehen es in geistiger, liebevoller, genetischer Verknüpfung und durch das Vergegenwärtigen vergangener Zustände wird das augenblickliche Dasein erhöht und bereichert..
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,10

Das, was uns unglücklich macht, sind nur unsere Begierden und der Müßiggang.
France, Die rote Lilie

Das, was unsere Gedanken erfassen können, ist im Verhältnis zu dem, was sie nicht erfassen können, kaum ein Punkt, fast nichts.
Locke, Untersuchung über den menschlichen Verstand

Das, was wir bös nennen, ist nur die andre Seite vom Guten, die so notwendig zu seiner Existenz und in das Ganze gehört, als Zona torrida brennen und Lappland einfrieren muss, dass es einen gemäßigten Himmelsstrich gebe.
Goethe (1749-1832), Zum Schäkespears Tag

Das, was wir ein böses Gewissen nennen, ist immer ein gutes Gewissen. Es ist das Gute, was sich in uns erhebt und uns bei uns selber verklagt.
Fontane

Das, was wir von uns selber wissen und im Gedächtnis haben, ist für das Glück unseres Lebens nicht so entscheidend, wie man glaubt. Eines Tages stürzt Das, was Andere.i> von uns wissen (oder zu wissen meinen) über uns her - und jetzt erkennen wir, dass es das Mächtigere ist. Man wird mit seinem schlechten Gewissen leichter fertig, als mit seinem schlechten Rufe.
Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Das, was zwischen gleich und gleich eine Beleidigung heißt, wird, vom Größeren zum Kleineren, als Gewalt bezeichnet.
Spanien

Das, wodurch alle Wesen verschieden sind, ist das Leben; das, worin sie gleich sind, ist der Tod.
Yang Chu

Das, wonach viele trachten, muss man scharf beachten.
la] Difficile custoditur, quod multis placet.

Das, woran sich freut die Masse, gewährt dünne und oberflächliche Freude, und welche Freude immer nicht von Herzen stammt, ermangelt der Grundlage.
Lucius Annaeus Seneca (??-65 n. Chr.), Briefe über Ethik

Das, wovor wir am meisten Angst haben, ist häufig das, worauf wir am meisten hoffen.
Fliegende Blätter

Das'Christentum hat die Moral einen großen Schritt vorangebracht. Das zu leugnen wäre ungerecht und sinnlos. Man muß aber mit dem gleichen guten Glauben anerkennen, daß seine Herrschaft zu Ende ist und die Zeit, in der es von Nutzen war, schon lange hinter uns liegt. Das Zeitalter der positiven Ideen beginnt.
Saint-Simon, Die Industrie

Da-Sein heißt: Hineingehaltenheit in das Nichts.
Martin Heidegger

Dasein ist Pflicht, und wärs ein Augenblick.
Goethe (1749-1832), Faust II A III, Innerer Burghof (Faust) Vs 9418

Daseinszweck des Kindes ist es, sein eigenes Leben zu leben.
Alexander S. Neill, Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung

Dasitten as 'ne Ûle in Stierwensnäen.
info] Wie eine Eule in Sterbensnöten

Dasitzen wie die Braut im Winkel.
Oberösterreich
info] So sagt man von jemand, der an einer einsamen Tischecke sitzt. In manchen Gegenden soll die Braut während des Mahles 'im Winkel sitzen', wie dies Baumgarten aus Oberösterreich bemerkt

Dasitzen wie ein Klotz.
z] Ar soss dou wie ej Kloutz und rührt sich nie, jo maiche Menschen sein wie de Klötzer.

Dasitzen wie ein Scheffel Unglück.

Dasitzen, als wollt' er alle Tritt Feuer ausspeien und Kohlen fressen.
z] Wenn einer bei ehrlichen Zechen und Gastereien, so Lusts halber sind angestellet, sitzet da als wollt er u.s.w. fressen, redet gar nichts, viel weniger lachet er einmal, darum, dass die Gäste sagen sollen: ach, wie ist das ein ernsthafter Mensch, wie sinnet er stäts so tief u.s.w.

Dasjenige, was sich nicht durch eigene Kraft erhalten kann, hat auch kein Recht zu existieren.
Heine, Reisebilder, I: Norderney

Dasjenige, wodurch die Menschen am meisten zu Fehlern veranlaßt werden, ist, dass sie sich meistens mit vagen Vorstellungen begnügen und sich nicht die Mühe geben, sich klare Ideen über die Dinge zu machen.
Friedrich der Große

Dass aber auch der Mensch eine Art Lüsternheit nach dem Übel und eine dunkle Sehnsucht nach dem Genusse des Schmerzens habe, ist schwerer zu bemerken, mit anderen Gefühlen verwandt, unter anderen Symptomen verhüllt..
Goethe (1749-1832), Theatralische Sendung II,5

Dass aber der Wein von Ewigkeit sei
Daran zweifl ich nicht,
Oder dass er vor den Engeln geschaffen sei
Ist vielleicht auch kein Gedicht.
Der Trinkende, wie es auch immer sei,
Blickt Gott frischer ins Angesicht.
Goethe (1749-1832), Divan - Schenkenbuch - Ob der Koran..

Dass aber ein Mathematiker, aus dem Hexengewirre seiner Formeln heraus, zur Anschauung der Natur käme und Sinn und Verstand, unabhängig wie ein gesunder Mensch, brauchte, werd ich wohl nicht erleben.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 17.5.1829

Dass abgesonderte Kenntnisse durch Vergleichung leichter gewonnen und festgehalten werden..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Propyläen, Einleitung

Dass alle einsehen, der Notwendigkeit müsse man gehorchen.
Cicero (103-43 v. Chr.), Von den Pflichten

Dass alle geistig wie körperlich durchaus naturkräftig ausgestatteten Menschen in der Regel die bescheidensten sind, dagegen alle besonders geistig Verfehlten weit eher einbilderischer Art.
Goethe (1749-1832). Eckermann, 3.4.1830

Dass alle großen weltgeschichtlichen Begebenheiten, alle großen Weltentdeckungen und Erfindungen, endlich die großen Männer meist nach der zweiten Hälfte oder zum Schlusse eines Jahrhunderts gekommen wären.
Goethe (1749-1832), A. E. Odyniec, 25.8.1829

Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel.
Immanuel Kant

Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel.
Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft

Dass alle Verhältnisse unzerstörlich sind, die das Schicksal beschlossen hat.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,18

Dass alles auf das Prinzip ankommt, woraus man etwas tut.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 21.8.1799

Dass alles eitel sei. Niemand entsetzt sich vor diesem falschen, ja gotteslästerlichen Spruch, ja man glaubt etwas Weises und Unwiderlegliches gesagt zu haben.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit IV, 16

Dass alles in der Welt ankommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluss.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,6

Dass alles vergeht, weiß man schon in der Jugend, aber wie schnell alles vergeht, erfährt man erst im Alter.
Marie von Ebner-Eschenbach

Dass alles, was ist oder scheint, dauert oder vorübergeht, nicht ganz isoliert, nicht ganz nackt gedacht werden dürfe, eines wird immer noch von einem anderen durchdrungen, begleitet, umkleidet, umhüllt, es verursacht und erleidet Einwirkungen..
Goethe (1749-1832), Versuch einer Witterungslehre

Dass alles, was uns von Jugend auf umgab, jedoch nur oberflächlich bekannt war und blieb, stets etwas Gemeines und Triviales für uns behält, das wir als gleichgültig neben uns bestehend ansehen, worüber zu denken wir gewissermaßen unfähig werden.
Goethe (1749-1832), Geschichte meines botanischen Studiums

Dass andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr leicht natürlich, dass wir selbst keines haben, immer unfassbar.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Dass anderer Menschen Gedanken solchen Einfluss auf uns haben!
Goethe (1749-1832), Egmont A II, Egmonts Wohnung (Egmont)

Dass angeborene Kraft und Eigenheit mehr als alles Übrige des Menschen Schicksal bestimme.
Goethe (1749-1832) über seine Gedichte - Urworte - Orphisch - Dämon

Daß Arglist des Verkäufers dem gutgläubigen Käufer nicht schaden darf, ist Rechtens. [RSpW]
la] Dolum auctoris bona fide emptori non nocere certi iuris est.

Dass Arm' und Reiche sind, das macht mir keine Pein;
Doch warum muss denn ich just grad der Arme sein?

Dass auch Objekte mit der Bezeichnung ?Geld? erfaßt werden, ist unbestritten. [RSpW]
la] Corpora quoque pecuniae appellatione contineri nemo est, qui ambiget.

Dass auf Inhalt, Gehalt und Tüchtigkeit eines zuerst aufgestellten Grundsatzes und auf der Reinheit des Vorsatzes alles in den Wissenschaften beruhe. Auch wir sind überzeugt, dass dieses große Erfordernis nicht bloß in mathematischen Fällen, sondern überall in Wissenschaften, Künsten, wie im Leben stattfinden müsse.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Naturphilosophie

Dass auf jedem andern Weg der Mensch
Sich zeugte seinesgleichen, und es keine Fraun
Auf Erden gäbe: glücklich wäre rings die Welt!
Euripides, Medeia

Dass Autoren und Publikum durch eine ungeheure Kluft getrennt sind, wovon sie, zu ihrem Glück, beiderseits keinen Begriff haben.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III, 13

Dass bayerisch Bier auch Helden nährt, das haben die Bayern in Frankreich gelehrt.

Dass bei einer wahren Harmonie der Gemüter man einander immer wieder begegnet, wenn man noch so weit auseinander zu gehen scheint.
Goethe (1749-1832), An Herzog Karl August, 25.1.1788

Dass bei gegeneinander stehenden Meinungen es immer gleichgültig ist, welche befolgt wird.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III,11

Dass bei Gott allein das Sein und daher alles Sein nur das Sein Gottes ist, diesen Gedanken lässt sich weder die Vernunft noch das Gefühl rauben. Er ist der Gedanke, dem allein alle Herzen schlagen.
Schelling

Dass bei solchem Unglück, welches der Mensch dem Menschen bereitet, wie bei dem, was die Natur um zuschickt, einzelne Fälle vorkommen, die auf eine Schickung, eine günstige Vorsehung hinzudeuten scheinen.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich, 3.9.1792

Dass beim Theater immer nur vom Augenblick die Rede ist und die wunderliche, bunte, zufällige Abwechslung desselben sich zu einem geschichtlichen Vortrage kaum bequemen mag.
Goethe (1749-1832), An J.L.Tieck, 2.2.1820

Dass Bescheidenheit die größte Zierde des Kunstnovizen sei.
Goethe (1749-1832), G. Moltke, 30.4.1830

Dass Böses aus Gutem entstehen kann, ist begreiflich, wie aber Gutes aus Bösem?
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Dass Böss muss doch zuletzt gestraft werden.

Dass Bücher nicht die Erfahrung und Gelehrsamkeit nicht das Genie ersetzt, sind zwei verwandte Phänomene: ihr gemeinsamer Grund ist, dass das Abstrakte nie das Anschauliche ersetzen kann.
Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung

Dass das absurde eigentlich die Welt erfülle.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III, 15

Dass das Berliner Theater das einzige in Deutschland ist, auf welchem sich eine allgemeine deutsche Sprache ausgebildet hat, so dass - ich spreche natürlich von den gebildeten Schauspielern - der Berliner, zumal in dem höheren Drama und Trauerspiel, auf jeder Bühne in Deutschland auftreten kann.
Goethe (1749-1832), F. Förster, (25.) 8.1831

Dass das eigentliche Talent nichts sein kann als die Sprache des Genies.
Goethe (1749-1832), An Lavater, 24.7.1780

Dass das eine Auge das andre nicht sieht.
info] Arbeitete er, oder schlief er
z] Er warf sich aufs Lager und schlief so wacker, dass ein Auge das andre nicht sah.

Dass das Fleisch noch im Topf steckt, kann auch einfach daher kommen, dass keine Katze in der Nähe ist.

Dass das Gehirn ein bloßer Arbeiter im Dienste des Bauches sei, ist freilich das gemeinsame Los fast aller derer, die nicht von der Arbeit ihrer Hände leben, und sie wissen sich recht gut darein zu finden. Aber für die großen Köpfe, d. h. für die, deren zerebrale Kräfte über das zum Dienste des Willens erforderliche Maß hinausgehn, ist es eine Sache zum Verzweifeln. Daher wird ein solcher es vorziehn, nötigenfalls in der beschränktesten Lage zu leben, wenn sie ihm den freien Gebrauch seiner Zeit zur Entwicklung und Anwendung seiner Kräfte, also die für ihn unschätzbare Muße,gewähren.
Schopenhauer (1788-1860), Parerga und Paralipomena

Dass das Gewahrwerden großer produktiver Naturmaximen uns durchaus nötigt, unsre Untersuchungen bis ins Allereinzelnste fortzusetzen, wie ja die Verzweigungen der Arterien mit ihren verschwisterten Venen ganz am Ende der Fingerspitzen zusammentreffen.
Goethe (1749-1832), An W. v. Humboldt (1767-1835), 1.12.1831

Dass das Größte und Herrlichste vergehe, liegt in der Natur der Zeit und der gegeneinander unbedingt wirkenden sittlichen und physischen Elemente.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise III, Dezember 1787 - Bericht

Dass das Kalb ein Bulle geworden ist, weiß man in der Koppel.
Äthiopien

Dass das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen.
Goethe (1749-1832), Werther 1. Buch, 22. Mai

Dass das Lesen eine Kunst ist, dazu muss man nicht nur die Leser, sondern auch die Schriftsteller, auch sich selber erziehen.
Becher, Das poetische Prinzip

Dass das Natürliche und Einfache immer seine Freunde findet, auch wenn der allgemeine Geschmack gänzlich verdorben ist.
Goethe (1749-1832), Soret, 27.2.1832

Dass das Sterben kost't kein Geld, ist das Best' in dieser Welt, sonst müsste mancher arme Gesell für einen Reichen in die Höll'.

Dass das unschätzbare Glück der Freiheit nicht darin besteht, dass man alles tut, was man tun mag, und wozu uns die Umstände einladen, sondern dass man das ohne Hindernis und Rückhalt, auf dem geraden Wege tun kann, was man für recht und schicklich hält..
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Dass das Urteil der Menge, welches immer einer hohen reinen Leitung bedarf..
Goethe (1749-1832), Rameaus Neffe, Nachträgliches

Dass das Weib das Gebärende in der Natur ist, zeigt die höhere Stufe, auf der es steht. Das Weib eigentlich ist die letzte Grenze der Erde, und der Mann steht durchaus eine Stufe niedriger.
Johann Wilhelm Ritter, Fragmente

Dass das Weib sinnlicher ist als der Mann, zeigt schon die Bildung ihres Leibes.
Sören Kierkegaard

Dass das Weib, seiner Natur nach, zum Gehorchen bestimmt sei, gibt sich daran zu erkennen, dass eine jede, welche in die ihr naturwidrige Lage gänzlicher Unabhängigkeit versetzt wird, alsbald sich irgendeinem Mann anschließt, von dem sie sich lenken und beherrschen lässt; weil sie eines Herrn bedarf. Ist sie jung, so ist es ein Liebhaber; ist sie alt, ein Beichtvater.
Schopenhauer (1788-1860), Parerga und Paralipomena, II, 27

Dass das Zeitalter so viel über Erziehung schreibt, setzt gleich sehr ihren Verlust und das Gefühl ihrer Wichtigkeit voraus.
Jean Paul, Levana

Dass dasjenige, was einmal ins Leben berufen ist, auch ohne weitere Sorge fern so gut als nah gedeihen mag ..
Goethe (1749-1832), An Kronprinz Ludwig v. Bayern, 6.7.1825

Dass dein Freund gestorben ist, glaube, nicht aber, dass er reich geworden ist.
Aramäisch
info] Schlechte Nachrichten sind häufiger als gute

Dass dein Leben Gestalt, dein Gedanke Leben gewinne,
Laß die belebende Kraft stets auch die bildende sein.
Goethe (1749-1832), Tabulae votivae 38 - Dichtungskraft

Dass dem echten Dichter die Kenntnis der Welt angeboren sei und dass er zu ihrer Darstellung keineswegs vieler Erfahrung und einer großen Empirie bedürfe.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 26.2.1824

Dass dem Menschen in seinem zerbrechlichen Kahn eben deshalb das Ruder in die Hand gegeben ist, damit er nicht der Willkür der Wellen, sondern dem Willen seiner Einsicht Folge leiste.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 477

Dass dem Menschen zur höchsten Ehre gereiche, im Unglück sich zu fassen, den Schmerz mit Gleichmut und Anstand zu ertragen, um höchlich geschätzt, verehrt und als Muster aufgestellt zu werden.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,18

Dass dem wohldenkenden Menschen nur dann etwas skandalös vorkomme, wenn er Bosheit, Übermut, Lust zu schaden, Widerwillen zu helfen bemerkt, dass er davon sein Auge wegwendet.
Goethe (1749-1832), Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Dass den Willen des Sohns, den heftigen, gerne die Mutter
Allzu gelind begünstigt, und jeder Nachbar Partei nimmt,
Wenn es über den Vater nur hergeht oder den Ehmann.
Goethe (1749-1832), Hermann und Dorothea 5. Gesang Vs 112

Dass der Autor einen großen Reichtum von Motiven der Pastoralwelt auf eine höchst geschickte Weise zusammengefunden und besonders das Hauptmotiv der Retardation in der größten Mannigfaltigkeit zu benutzen gewußt.
Goethe (1749-1832), Tagebuch, 22.7.1807

Dass der Autor, wenn er einigermaßen vom Geiste begünstigt ist, seine Sachen selbst bringen und reproduzieren solle.
Goethe (1749-1832), An F. A. Wolf, 16.12.1807

Dass der Dichter, besonders der moderne, der lebende, Anspruch an die Neigung des Lesers, des Beurteilers machen und voraussetzen darf, dass man konstruktiv mit ihm verfahre..
Goethe (1749-1832), An H. K. Eichstädt, 15.9.1804

Dass der eigentliche Dichter die Herrlichkeit der Welt in sich aufzunehmen berufen ist und deshalb immer eher zu loben als zu tadeln geneigt sein wird.
Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen - Dschelat-eddin Rumi

Dass der eigentliche Trost nur von dem Leidenden, die Fassung nur von dem Beschädigten ausgehen könne.
Goethe (1749-1832), An Ch. G. v. Voigt, 26.7.1813

Dass der Geist des Menschen ein eignes Ganzes ausmache, das sich mit einem anderen nie vereinigen, wohl aber an mehr oder wenigem Punkten sich berühren könnte.
Goethe (1749-1832), Theatralische SendungII,2

Dass der gerechte Mensch wächst wie ein Palmenbaum,
Verwunder ich mich nicht: nur dass er noch find't Raum.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Dass der große Geist sich hauptsächlich vom kleinen darin unterscheidet, dass sein Werk selbständig ist, dass es ohne Rücksicht auf das, was andre getan haben, mit seiner Bestimmung von Ewigkeit her zu koexistieren scheine, da der kleine Kopf, durch übel angebrachte Nachahmung, seine Armut und seine Eingeschränktheit auf einmal manifestiert.
Goethe (1749-1832), An J. G. Röderer, 21.9.1771

Dass der größte Teil der Geschichte nichts weiter als ein Klatsch sei. [Bei Gelegenheit von Plutarchs Schrift: De malignitate Herodoti.)
Goethe (1749-1832), Riemer, zeitlich unbestimmt

Dass der Hund nicht zur Hochzeit kommt, das macht der Prügel hinter der Tür.

Dass der Kitsch oft besser gemacht ist als die Kunst, das ist keine Eigenart des Filmes. Von jeher und überall hat sich der Unwert in Szene zu setzen verstanden.
Victor, Wir wollen nicht nur Illusionen

Dass der Kopf im Raume sei, hält ihn nicht ab, einzusehn, dass der Raum doch nur im Kopfe ist.
Arthur Schopenhauer (1788-1860), Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken

Dass der liebenswürdigste Brief, nicht das hundertste Teil von dem Reiz der Unterredung enthält.
Goethe (1749-1832), An Friederike Oeser, 13.2.1769

Dass der Mensch aller geistigen Organe bedürfe, wenn er sich an das Ungeheuere wagt, gestehen wir gern. Der Philosoph, der Mathematiker, der Chemiker, der Physiker, dürfen da wohl gemeinschaftlich handeln..
Goethe, An J. S. Schweigger, 25.4.1814

Dass der Mensch das Gute, das ihm widerfährt, wie einen glücklichen Raub dahinnehmen und sich weder um rechts noch links, viel weniger um das Glück und Unglück eines Ganzen bekümmern soll.
Goethe (1749-1832), An Charlotte v. Stein, 25.1.1787

Dass der Mensch das Ziel in seiner Jugend so nahe glaubt! Es ist die schönste aller Täuschungen, womit die Natur der Schwachheit unsers Wesens aufhilft.
Friedrich Hölderlin (1770-1843), Hyperion

Dass der Mensch den Wert einer klaren Wirklichkeit gegen ein trübes Phantom seiner düstern Einbildungskraft von sich ablehnt.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich - Duisburg, November 1792

Dass der Mensch der Veränderung nicht widersteht, welche die Zeit hervorbringt.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre I,12

Dass der Mensch die Kraft habe, das Gute zu wollen und zu vollbringen..
Goethe (1749-1832), Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Dass der Mensch die Rede eigentlich für die höchste Handlung hält, so wie man vieles tun darf, was man nicht sagen soll.
Goethe (1749-1832), Reise in die Schweiz 1797, Schaffhausen, 19.9.

Dass der Mensch eigentlich nur berufen ist, in der Gegenwart zu wirken.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,10

Dass der Mensch in der Gegenwart, ja vielmehr noch in der Erinnerung die Außenwelt nach seinen Eigenheiten bildend modele.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1811

Dass der Mensch in seiner Jugend das Ziel so nahe glaubt! Es ist die schönste aller Täuschungen, womit die Natur der Schwachheit unseres Wesens aufhilft.
Hölderlin (1770-1843), Hyperion

Dass der Mensch ins Unvermeidliche sich füge, darauf dringen alle Religionen, jede sucht auf ihre Weise mit dieser Aufgabe fertig zu werden. Die christliche hilft durch Glaube, Liebe, Hoffnung gar anmutig nach, daraus entsteht denn die Geduld, ein süßes Gefühl, welch eine schätzbare Gabe das Dasein bleibe, auch wenn ihm, anstatt des gewünschten Genusses, das widerwärtigste Leiden aufgebürdet wird.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III, 11

Dass der Mensch nur in Gesellschaft Gleicher oder Ähnlicher wirken könne.
Goethe (1749-1832), F. Grillparzer, 2.10.1826

Dass der Mensch zuletzt Epitomator von sich selbst wird! Und dahin zu gelangen ist schon Glück genug.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 995

Dass der Mensch zum Menschen werde,
Stift er einen ew'gen Bund
Gläubig mit der frommen Erde,
Seinem mütterlichen Grund;
Ehre das Gesetz der Zeiten
Und der Monde heil'gen Gang,
Welche still gemessen schreiten
Im melodischen Gesang.
Schiller, Das Eleusische Fest

Dass der Mensch, der das Gute will, sich ebenso tätig und rührig gegen andere verhalten müsse, als der Eigennützige, der Kleine, der Böse. Einsehen lässt sich's gut, es ist aber schwer in diesem Sinne handeln.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise I, 23.11.1786

Dass der Mensch, selbst ein Produkt der Evolution, nur Partikel in einem gewaltigen, nichtumkehrbaren Prozess ist, scheint als Erkenntnis so kränkend, dass man offenbar außerstande ist, das anzunehmen.
Hark Bohm

Dass der Mensch, so gern er sich auszeichnet, sich auch ebenso gern unter seinesgleichen verlieren mag.
Goethe (1749-1832), Entwurfeiner Farbenlehre 6.Abt. 842

Dass der Mensch, trotz aller Dummheiten und Verwirrungen, von einer höhern Hand geleitet, doch zum glücklichen Ziele gelange.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 18.1.1825

Dass der Mensch, um frei zu sein, sich selbst beherrschen müsse.
Goethe (1749-1832), Benvenuto Cellini, Anhang

Dass der Mensch, zu Behauptung seiner Freiheit, den Gegensatz des Gegebenen selbst hervorruft, diese Erscheinung zeigt sich auch im Physischen, wo das Auge den Gegensatz einer gegebenen Farbe selbst hervorbringt, und mit dem Gegebenen und dem selbst Hervorgebrachten die Totalität abschließt.
Goethe (1749-1832), Riemer, 26. 11. 1806

Dass der Moment alles ist und dass nur der Vorzug eines vernünftigen Menschen darin bestehe, sich so zu betragen, dass sein Leben, insofern es von ihm abhängt, die möglichste Masse von vernünftigen, glücklichen Momenten enthalte.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise III, 27.10.1787

Dass der Mond zu- und abnimmt, ist der Lauf der Welt.
Japan

Dass der Neid, welcher andere so gern von der Ehre einer Entdeckung ausschließen möchte, dass die unmäßige Begierde, etwas Entdecktes nur nach seiner Art zu behandeln und auszuarbeiten, dem Forscher selbst das größte Hindernis sei.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt

Dass der Schöffen sieben sind, ist gut.

Dass der Sinn es redlich meine, haben wir ein fein Gemerke:
Wenn nicht Worte bleiben Worte, sondern Worte werden Werke.
Logau

Dass der Teufel ihr nicht käm' ins Haus, lausete jene Nonne eine Maus.
info] Denn Müßiggang ist aller Laster Anfang.

Dass der Übersetzer nicht nur für seine Nation allein arbeitet, sondern auch für die, aus deren Sprache er das Werk übernommen hat..
Goethe (1749-1832), An Th. Carlyle, 15.6.1828

Dass der unpoetische, in seinem bürgerlichen Behagen bequeme Kunstfreund gewöhnlich da einen Anstoß nimmt, wo der Dichter ein Problem aufzulösen, zu beschönigen oder zu verstecken gesucht hat.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise III, Dezember 1787 - Bericht

Dass der ursprüngliche Wert einer jeden Religion erst nach Verlauf von Jahrhunderten aus ihren Folgen beurteilt werden kann.
Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen - Mahmud und Gasna

Dass der Vater ein Dreck getan, so stinkt doch der Sohn nicht danach.

Dass der Verleger jederzeit genau weiß, was ihm und seiner Familie frommt, der Autor dagegen völlig darüber im dunkeln ist. Denn wo sollte er in dem völlig gesetzlosen Zustande des deutschen Buchhandels Kenntnis nehmen, was darinnen Rechtens ist, was Herkommens und was nach sonstiger Konvenienz Buchhändler sich einander verzeihen und gegen die Autoren erlauben.
Goethe (1749-1832), An S. Boisserée, 12.1.1826

Dass der vorzüglichste Mensch auch nur vom Tage lebt und nur kümmerlichen Unterhalt genießt, wenn er sich zu sehr auf sich selbst zurückwirft und in die Fülle der äußeren Welt zu greifen versäumt, wo er allein Nahrung für sein Wachstum und zugleich einen Maßstab desselben finden kann.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,10

Dass der Windhund einen langen Start (Stärt, Steert), das kommt von seiner Art.
info] Alles hat und behält seine eigne Natur.
ho] Dat de windt-hondt een langen steert heeft, komt hem van sijn geslachte.

Dass der winter sey grimm und kalt, vernimmt man auch von ferne balt.
la] Longe clarescit, quae hyems algore rigescit.

Dass der Zufall [in Roman und Drama] wohl pathetische, niemals aber tragische Situationen hervorbringen dürfe..
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,7

Dass der, der nötig zu haben glaubt, vom sogenannten Pöbel sich zu entfernen, um den Respekt zu erhalten, ebenso tadelhaft ist als ein Feiger, der sich vor seinem Feinde verbirgt, weil er zu unterliegen fürchtet.
Goethe (1749-1832), Werther 1. Buch, 15. Mai

Dass der, dessen Werk es ist, ein großes Ganze zu übersehen, zu regieren, zu erhalten, sich keinen Vorwurf zu machen braucht, geringe Verhältnisse vernachlässiget, Kleinigkeiten dem Wohl des Ganzen aufgeopfert zu haben.
Goethe (1749-1832), Clavigos Wohnung (Carlos)

Dass dich alles Unglück bestehe!
info] Alter und veralteter sprichwörtlicher Fluch.
ho] Dat hem alle ongeluk besta.

Dass dich d' Ente vertrette (o. vertrapple).

Dass dich das Geschwür (= Lustseuche) ankomme!

Dass dich das heilige Feuer verzehre.
fr] Que le feu Saint-Antoine vous arde.

Dass dich das hellische feuer verbrenne!

Dass dich das herzeleid bestehe!
nl] Harteleed is de diepste pajn.

Dass dich das Herzleid ankomme, sagte der Teufel zum Schelm, und gab ihm eine Maultasche, dass er ihn eingeladen, den Hintern zu küssen und dann ein Kreuz davorgemacht.

Dass dich das Kreuzdonnerwetter in den Boden 'nein schlüg.
Nürtingen

Dass dich das Mäuschen (er-)beisse!

Dass dich das Mäuslein beißt.

Dass dich das parle ruere (angehe)!
Agricola
info] Auch Barle, Parlay, Parlin, Parlys (Paralysis), Parlysucht, Parleysucht, Perle, Perli, Perlin, Perlis. Drückt den Fluch aus: dass du lahm werdest. Das Übel wird auch durch Tropf (apoplexia) bezeichnet.
z] Tropff auf eyner seiten, so nur dz halb theyl des leibs lamm ist, hemiplexia.
z] Das perli macht ein menschen schlottern, stettig, hinter sich gon, vnempfintlich, weich, irrig.
z] gut fuir Siechthum der Nieren und Beschwärung der gelider, das Parlay, fuir Gicht und Tropffen.

Dass dich das wetter angehe!

Dass dich de ritz scende (schände).
info] Dass dich das Fieber verderbe.

Dass dich der Bock nicht stoße.
info] Das slavische bog, bedeutet entweder Gott oder Teufel, je nachdem dabei an den beli-bog, den weißen, lichten, guten Gott, oder an den czernibog, den schwarzen Gott oder Teufel gedacht wird. 'Bokleichnam', ein Ausruf bei Hans Sachs, heißt so viel als Fronleichnam, corpus domini. 'Durch Boks Tod lauf, trink', bedeutet, um Christi Todes, um Jesu Christi willen, lauf, trink. - Dagegen (auch bei Hans Sachs) 'Beltzenbok' meint den Beelzebub, den Teufel. Ins Bokshorn jagen, heißt, zum Teufel jagen, dass dich der Bok nit stoß (in verschiedenen Wendungen bei Hans Sachs u.a.) bedeutet, dass dich der Teufel nicht hole. - Bok ist in diesem Sinne, in dem es nicht das Tier bezeichnet, das slavische Bog.

Dass dich der Deutscher!

Dass dich der Donner erschlage.
info] Der Donner schlage dich! oder älter: Der Hammer schlage dich! steht in Beziehung zu Donar, und den Begriffen von Tod und Teufel. Diese Redensart gehört zu den Fluch- und dergleichen Formeln, die für das eigentlich Gedachte oder Gemeinte eine mildernde Verkleidung setzen. Dazu dient hier auch das Wort Donner, das aber auch in sein vielen Formen eigentlich oder durch Stellvertretung eines Dinges, das donnert, in anderen sprichwörtlichen Redensarten oder bloßen Ausdrücken in diesem Sinne angewandt wird. Aus dem Elsaß: Bîm Dunder! Bîm Dunder! Dass dich e Bumm (Bombe) platz! Dass dich der Duender! D'r Duener! D'r Dunder au! Potz Dunder! D'r Dontel! Potz Wetter! Zuem Dunner! Zuem Dunder! Potz Dunner unn Wetter! Dunnerwetter! Dunderwetter! Kritzdunnerwetter! Potz Hiehnerwetter! Dunnerschla! Ei ze schla dich ..! Dunderschiess (Donnerschoss)! Potz Dunderschiess! Zuem Dunderschiess! Dunderkeil (Donar's Keule, Keil, Hammer, Donnerkeile nennt man die Luftsteine, Aërolithen)! Donnerstrahl! (Fischart, Gargant., Kap. 34.) Dunnerwille! Dunderwischbele! Noch mehr verhüllend stehen folgende Wörter für Donner: Potz Plunder! Botz hundert! Botz hunderttausend Elen und Enden.

Dass dich der Donnerstag!
ndt] Bîm Dungsti! Zuem Dungsti! Elsaß
ndt] Bim Dumstig! Hessen

Dass dich der Einhorn in diesem Jahre nicht stoße und in vielen Jahren nicht.
info] Dass dich der Tod nicht berühre

Dass dich der Geier schände!

Dass dich der Gruzl.
Kärnten (Der Teufel)

Dass dich der Hahn hacke im Strohsacke.
info] Eine in dem früheren Niedersächsischen gebräuchliche Redensart, die einen sehr bösen Wunsch enthält. Nach den alten Gesetzen wurden früher die Kindesmörderinnen und die, welche ihre Eltern umgebracht hatten, mit einem Hunde, einem Huhne, einer Schlange und einem Affen (in dessen Ermangelung mit einer Katze) in einen Sack gesteckt und ersäuft.

Dass dich der Has!

Dass dich der Henker.

Dass dich der Hitzel!
Schlesien (Für: Teufel)

Dass dich der Kuckuck gemacht! Meiningen
info] Ausruf beim Missraten der Arbeit.

Dass dich der Neidhard schänd.
info] Eine Schimpf- oder Fluchformel.

Dass dich der Rangen anstoße!

Dass dich der Ritten schütt'.
info] In dem alten, dem 13. Jahrhundert angehörenden Fabelbuche: Der Edelstein von Boner, handelt die 48. Fabel von der Ritte. Der Ritten (jetzt in Ein- und Mehrzahl Ritten) ist das altdeutsche Wort für Fieber. Man nahm an, dass es mit ridt, reiten, rütteln zusammenhänge. Das Wort kommt in den Schriften jener Zeit in den verschiedensten Schreibweisen vor. Man findet: Ritt, Ritte, Ritten, Rieden, Rito, Rötschit; Garritt, Jaritt, Janritt, Jaritten, Jhachritten, Herzjaritten, Järitten, Gäritten. Es scheint darunter ein im 14., 15. und 16. Jahrhundert besonders sehr verbreitetes, pestartiges Fieber gemeint zu sein, das die Leute schnell (jäh) ergriff und hinraffte; daher Jaritten, Jähritten (wie Jähzorn) genannt, nicht, wie es irrigerweise geschehen ist, als ein Fieber, das ein Jahr dauert (febris quae annum durat.) Es hatte zwei Hauptstadien und begann gewöhnlich mit Frost, Rittenfrost. In der elsassischen Mundart heißt rîdere: zittern, und heißt der Ritt wohl ursprünglich das Zittern und dann das Fieber. Man nennt es dann auch das Kaltwee.
z] 'Ein fraw, die das kaltwee hat.' Aus der Legenda Sanktorum ad 2. Kal. Jun. erfahren wir, dass die heilige Petronilla dagegen angerufen wurde: 'Man eret sie gerne fuir den ritten, wan unser herre tůt vil zeichen durch ihren willen.' 'Do sties in (den Kaiser Leo IV.) eine rötte an das er starb.' 'Das dich der rit schit!' 'Das im got den ritten geb.' 'Und ob dich die pestrlentz anstoßet in dem stat, in des ritten namen, worumb bistu gehasset.' 'Sie haben das fieber oder ritschit.' 'Eine fraw, die das kaltwee hat, und den ritten, an dem tantz so bliget sie wie ein ross und meint der war sie sei huibsch.' 'Das Gott dem kargen schelmen den ritten gebe.' 'Nach dem essen stieß jm ein kleiner ritten an, ein klein fieber.' 'Ich zitter als mich der ritten schit.' 'Er hat den ritten in den hut.' 'Wolt Got, das sie der ritte schit.' 'Das dich der einfeltig ritten schit, als kündstu nit ganz drü erzelen.' 'Hyn lüss man dich den ritten han.' 'Schweig, dass dich der ritten schitt.' 'Das in der Herziar ritenschit.' 'Das dich der Herz jar ritten schitt.' 'Ich muss den Herz iarritten schweren.' 'Dass dich der Ritt schitt; du Bösswicht!' 'Ich ließ die Schul haben den Rieden.' 'Und dass dich der ritt muss schütten.' 'Ey, das schütt dich der ja ritt.' 'Geht hin, dass euch der Riet schüttelt.' 'Schütt dich der ritt, du junger Lapp.' 'Ey, das vergelt der Jar ritt dir!' 'Dass dich der ritt wasch.' 'Das sie der jarritt schütt.' 'Der herzewige ritt gange sie an!' 'Der Garritt gehe dich an.'

Dass dich der Schwede!

Dass dich der Teufel hole.
ndt] Dat di de Düwel hâl!

Dass dich der Teufel schände!
info] Verderbe, verführe, unglücklich mache.

Dass dich der Teuker!
info] Verhüllend für Teufel.
z] Viele, bloß schwarzgekleidete Kardinäle schwören nur: 'dass dich', etwas kühner: 'dass dich der Teuker', oder nur: 'dass dich der Tausend!' einer meiner Bekannten nur: 'Sadrach', weil er aus Daniel 1, 7 weiß, dass dies auch ein Fürst der Finsternis bedeutet. Andere halten auch 'Satan' für unbedeutender. So schwören die Neugriechen, die sich ungemein vor dem Teufel fürchten: 'Der soll dich holen, der draußen und weit von uns ist'; und nur in der Kirche getrauen sie sich, das Kind beim rechten Namen zu nennen, weil man dort sicher ist; dafür schwören wieder fromme Seelen bloß 'meiner Sex', ohne zu wissen, dass es sagen will: bei meinem Schwert (sass) und ohne zu überlegen, dass sie oft nichts weiter bei sich haben, als ein schlechtes Taschenmesser.

Dass dich der tropf schlage!
info] Sprichwörtlicher Fluch, der wünscht, dass der Betreffende gelähmt werden möge.
z] Dass ein yglicher mensch ynn seinem gehirn drey tropffen habe, einer zur lincken, einer zur rechten seytten und einer mitten. Wenn nun der zur lincken fellt, so wirt die lincke, fellt aber der zur rechten, so wirt die rechte seytten lam, wo er aber mitten fellt, so muss der mensche ynn vier und zwentzig stunden sterben, wo nicht ehe.

Dass dich die Franzosen ankomen!
info] Franzosen = Lustseuche
z] Dieser fluch ist new, und bei Keyser Maximilians zeytten auff kommen. Denn vor diser zeyt war diese kranckheyt und plattern vngehoret ynn deutschen landen. Da aber Maximilian kriegte mit dem Ludouico Gibboso, Konig ynn reich, und mit den Venedigern, brachten die vnseren dise platern aus Lombardien ynn Deutsche land, davon sie auch noch heuttigs tages den namen haben und heyssen Frantzosen.

Dass dich die höllische Darr' ankomme.

Dass dich die Mäuse fressen.

Dass dich die pestilenz ankomm.
ndt] Dat du de Pestelenz kriggst. Pommern
info] Sprichwörtlicher Fluch.

Dass dich die Plag bestehe!
z] Die plage ist das falbel, das fallend vbel, die große krankheyt.

Dass dich die raben fressen!
info] Sprichwörtlicher Fluch.
ho] Dat u de raven picken (schenden, vreten, beschijten).
la] Ad corvos.

Dass dich die schwere Not!
info] Gleichbedeutend mit der Verwünschungsformel: Dass dich die Kränk oder die Fallsucht (Epilepsie) heimsuche.

Dass dich die Soldaten hätten!

Dass dich die Sucht erschlage.

Dass dich die Todesgöttin erwürge!
lit] Kad tawe Gittinę nusmanztu.

Dass dich die vier bottschafft ankommen.
info] Ein sprichwörtlicher Fluch, wodurch man jemand die vier Übel wünschte, welche nach dem Heiligenglauben die vier Heiligen: Sanct- Antonius, Sanct-Ruprecht, Sanct-Valentin und Sanct-Cornelius heilten.

Dass dich die vier haken schenden, daran der Himmel hengt.

Dass dich die Wache nicht kriegt.

Dass dich ein böss jahr ankomme!
z] Das dich ein bös jar an gehe und alles übel!
info] Ein alter sprichwörtlicher Fluch, in dem man wünscht, dass jemand keine gute Stunde haben möge!
ho] Dat hem een boos jaar aankome.
ho] Dat u het goede jaar hale!

Dass dich Gott schände!
info] Verdammt seist du!
info] Agricola hat die sprichwörtlichen Redensarten, die zu seiner Zeit als Verwünschungsformeln im Brauch waren, in seiner Sammlung der 750 Sprichwörter aufgenommen: Dass dich das blaw, das vor dem donner herlauffet, ankom. Dass dich die vier botschaff ten ankommen. Dass dich der donder erschlag. Die Druess gehe dich an. Dass dich das hellische fewer verbrenne. Dass dich die frantzosen ankomen. Das falbel gehe dich an. Dass dich Gotts dufft und lufft schende. Dass dich Gotts funf Wunden schenden. Dass dich Gotts kraft (macht) schende. Dass dich Gotts leichnam schende. Dass dich Gotts marter schende. Dass dich Gott schende. Dass dich Gottes Sacrament schenden. Dass dich das hertzleyd bestehe. Dass dich ein boss iar ankomme. Dass dich die plag bestehe. Dass dich Sanct-Quirin ankom. Der ia ritten gehe dich an. Die sucht gehe dich an. Dass dich der Tropff schlage. Dat dick negen Tüffel ynnet hole liff faren. Der Teuffel fuere dich über den Osterrode hynweg. Dass dich der Teuffel schende. Dass du müssest toll, rasent und vnsinnig werden. Dass dich alles Unglück bestehe. Dass dich Sanct-Veitstantz ankom. Dass dich Sanct-Vrbans plag bestehe. Dass dich Sanct-Veltin ankom. Dass dich dass Wetter angehe. Dass dich die Pestilenz ankom. Dass dich das Parle (Paralysis) ruere. Dass dich Sanct-Anthoni ankom. Dass dir nymmer guts geschehe.

Dass dich Gotts angst schände.
info] Eine zu Agricola's Zeit sehr gewöhnliche Verwünschungsformel vom Leiden Jesu hergenommen. Der angeführte Schriftsteller sagt: 'Fast jedes Kind braucht dies Wort zu allen leichtfertigen Sachen, als wäre die Angst Christi ein Spott.'

Dass dich Gotts Dufft und lufft schende.
info] Sogar die Luft soll dir zum Verderben gereichen

Dass dich Gotts funff wunden schenden.

Dass dich Gotts krafft, Gotts macht schende.

Dass dich Gotts leichnam schende.

Dass dich Gotts Lung schendt.
z] Gotslästerer und gotsschwerer (nennen) Gots hirn, lung, leber, kröss, wunden onmacht.

Dass dich Gotts marter schende.

Dass dich Gotts sacrament schenden.

Dass dich Hasehart verzehr'!
info] In einem ungedruckten Gedichte Rüdigers von Meure. Jakob Grimm, sagt darüber: 'Ein seltener mittelhochdeutscher Ausdruck, der erst im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts vorkommt und sichtbar dem französischen hasart, hazart nachgeahmt, seiner Wurzel nach also undeutsch ist.' Er erklärt es als Würfelspiel auf Grund angeführter Quellen.

Dass dich potz Valtin schendt.
z] Valten, Valthin, kommt vom fallen und ist das fallend übel; darzu S. Valtin (ist anderst yrgent ein heilig ym Hymel, der also heysst) apoteckerknecht ist.

Dass dich S. veits tanz ankomme.
info] Eine in jener Zeit sehr übliche Verwünschungsformel.
z] Ynn Deutschen landen sind der plagen vil gewesen, als do der Teufel die leutte besessen hat und aussgerichtet was er gewolt hat .. Vnd eben daselbs wurden etliche leutte geplagt, dass sie tantzen musten oft tag an eynander, oft zwen tag, drey tag und nacht.
info] Der Sankt- Veitstanz ist eine Krankheit, deren Entstehung früher dem Teufel zugeschrieben wurde, und die in Krämpfen der willkürlichen Muskeln besteht, die sich unter Fortdauer des vollen Bewusstseins durch unwillkürliche Bewegung des Rumpfes, Kopfes und Gesichts kundgibt. Man unterscheidet kleinen und großen Veitstanz. Bei dem letztern können sich die krampfhaften Zuckungen, das Hüpfen, Tanzen, Herumlaufen im Kreise, bis zu einer Art Geisteskrankheit steigern, deren Ausgang Blödsinn oder Fallsucht sein kann. Die Krankheit kommt in den ältern Schriften unter verschiedenen Namen, als Sankt-Veltiensplag, Sankt-Veltens Siechtag, Sankt-Valentin's Siechtag Veltenstanz, Sankt- Veltes Krisem, Fallentübel, Sankt-Verden bluot, vor. Nach einigen kommen bei einzelnen Einsiedlern und Mönchen schon im 5. Jahrhundert Spuren von Sankt-Veitstanz vor. Allgemeiner zeigte sich die Plage zu Erfurt im Jahre 1237, wo am 15. Juni plötzlich tausend Knaben und Mädchen so von der Tanzwuth ergriffen wurden, dass sie vier Stunden weit von der Stadt unaufhaltsam forttanzten und den folgenden Tag von den Eltern auf Wagen zurückgebracht werden mussten. Im Jahre 1374 brach die Krankheit in den Niederlanden aus und zeigte sich 1417-18 am Rhein, besonders im Elsass. Die Ergriffenen waren in diesem Zustande gegen allen Schmerz, der durch Stechen, Zwicken u.s.w. hervorgebracht werden sollte, unempfindlich. In Strassburg wurden besonders Frauen von der Krankheit ergriffen, sie geriethen in krampfhafte Zuckungen, sprangen und tanzten so lange, bis sie erschöpft zu Boden fielen. Eine handschriftliche strassburger Chronik enthält, das Jahr 1418 betreffend, den Vers: 'Viel hundert fingen zu Strassburg an zu tanzten und springen, Frau und Mann, am offnen Marck, Gassen und Straßen, Tag und Nacht ihrer vil nicht assen, bis in das Wüten wieder gelag. Sankt Vits Tantz ward genannt die Plag.'
z] Also gat es denen die Sankt-Veltins Siechtagen hond, wen sie die Siechtagen leiden, so entpffinden sie nit, waz man inen anthut.

Dass dich S. Velten ankomme odder schende.
info] Böser Wunsch. Velten (volksmundliche Zusammenziehung aus Valentin) ist hier bloßes Wortspiel, entstanden aus Valthin = fallt hin für Fallsucht. Valentin war aber Schutzheiliger gegen Pest und Epilepsie. Man glaubt, dass der heilige Valentin, der zu Rom im 3. Jahrhundert den Märtyrertod erlitt, von dem Volke irrtümlich in das Heidenthum versetzt und dadurch unter die Teufel geraten sei, weil an seinem Gedenktage (21.5.) die schon aus Shakspeare und Walter Scott bekannten, mit allerhand abergläubischen Gebräuchen verbundenen Festlichkeiten der heirathslustigen Jugend stattfanden. Richtiger wird wohl aber der Namen Velten auf Valant zurückgeführt, der im Volksglauben den Teufel vorstellt. Der Ausdruck kommt im Volksmunde häufig und früher noch mehr als jetzt vor. Man gebraucht ihn meist in Ausrufe- und Fragesätzen, um Unwillen oder Verwunderung auszudrücken: 'Wie zum Velten hatte ich mir einbilden können. Was zum Velten, Sie wissen nicht, dass Julchen meine Nichte ist. Was Velten hatte sie im Koffer zu kramen? Ei, zum Velten, der bin ich nun wohl nicht. Wo, zum Velten, soll ich mein Schiff herkriegen. Wie, zum Velten, ist das Kätzchen heraufgekommen?' Häufig wird es auch mit Potz verbunden und steht dann für Gottsteufel, als: Potz Velten, und wie heißen Sie. Potz Velten, böse müssen Sie nicht sein. Potz Velten, jetzt fällt mir's ein. Potz Velten, was heißt das wieder? Ei, zum Velten und seiner Schwiegermutter. Die letztere Redensart erinnert an den Teufel und seine Großmutter. 'Das euch S. felten, hätte schier geflucht.'

Dass dich Sankt Antoni ankomme!
info] Im 11. und 12. Jahrhundert wütete eine Krankheit, welche das Feuer des heiligen Antonius, auch Wildfeuer (ignie infernatis, gehennalis) genannt wurde. Was für ein Übel es gewesen, ist nicht genau bekannt. Die Glieder der Kranken wurden schwarz wie verbrannt und faulten zuletzt gänzlich ab. Noch im Jahre 1533 wallfahrteten über l0.000 Italiener und ganze Scharen von Deutschen und Ungarn zum Grabe des heiligen Antonius in der Dauphiné. Bekannt ist auch, dass die Antonitermönche die Kranken christlich pflegten, die an dieser Krankheit litten. Auf diese Krankheit bezieht sich das obige, in alten Sprichwörtersammlungen vorkommende Fluchsprichwort.

Dass dich Sankt Kurin ankomme!
info] Sprichwörtliche aber veraltete Fluchformel. Der heilige Quirin soll die Macht haben, die Leute vor Krankheiten, Seuchen und allerlei Plagen zu bewahren, weshalb er in diesen Angelegenheiten angerufen wird. Wem er zum Bedürfnis wird, der muss sich in einem der genannten Zustände befinden.
z] Man hat auch ynn seinen namen ein botschafft aussgefertiget.

Dass dich Sankt Urbans (25.5.) plag bestehe.
z] Sankt Vrban wirt von den Franken dafür gehalten, als die Heyden etwan Bacchum hielten, der des weins warte. S. Vrbans plag ist eine Deutsch plage, nemlich, dass sich einer voll saufe und mache ein sewmal.
info] Unsere Vorfahren setzten unsere Alten an die Stelle des Bacchus zum Pflegen des Weins.
la] Sanktus Urbanus largitor vini.
la] Urbani plaga est ebrietas.

Dass dich Sant Veltens arbeit besteh.

Dass dich Sant Veltes Krisem anstoss.
info] In dem Liede auf die Schlacht bei Drakenburg heißt es: 'Dat perdt mach wohl hir stan unde mach sunten Veltens lyden han.

Dass dich St. Urbans Plag (oder Feuer) angehe!
info] Ein hitziges Fieber, auch das durch unmäßiges Trinken bewirkte Podogra.
z] Er dunckt sich weiß und wolgelehrt, die Noten wirfft er wieder die Erd, dasselb eine halbe stund wohl wehrt. Er machets so krumm und spricht kurtzumb, wer kehrt mirs Pultpret um. Er singet Noten Klaffterlang.
z] Ja mir ist ein Schuldner entrunnen ..Ich wolt, er het St. Vrbans blag.
z] Behüt mich got vor sant Vrbans plag.

Dass dich St. Urbansfeuer greife.
z] Mein lieber Nachbaur halt dein Frauen, schau wie tun jr die augen glitzen, wie tut jr Angesicht sie anspitzen, schau wie grissgramt sie mit den Zenen, sieh wie bibend mit den henden, schaw wie sie mit den Füßen stampff, als ob sie hab den Esels Krampff. Ich fürcht sie sei wütig und wünnig oder villeicht toll und unsinnig. Lass inn ein finster Kammer sperren.' Worauf der Mann erwidert: 'Was wilt du mich doch immer herren. Siehst nit, sie hat sanct Vrbans plag.

Dass die Anmaßung sich mit dem Elend verbindet, ist eine außerordentliche Ungerechtigkeit.
Pascal, Gedanken

Dass die Ansichten der Menschen viel zu mannigfaltig sind, als dass sie, selbst durch die vernünftigsten Vorstellungen auf Einen Punkt versammelt werden könnten.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften (1808-1809) I, 3

Dass die Antizipation sich überall nur soweit erstrecke, als die Gegenstände dem Talent analog seien [.. allein hätte ich nicht die Welt durch Antizipation bereits in mir getragen, ich wäre mit sehenden Augen blind geblieben, und alle Erforschung und Erfahrung wäre nichts gewesen als ein ganz totes, vergebliches Bemühen.
Goethe (1749-1832), zu Eckermann, 26. Febr. 1824

Dass die äußere Erscheinung der Juden mächtig beiträgt, im deutschen Volk das Bewußtsein zu erhalten, in den Juden Ausländern gegenüber zu stehn, ist ein großes Unglück.
Lagarde, Deutsche Schriften, Deutsche Frömmigkeit

Dass die Besserung der Toren durchs Lächerliche kein fruchtloses Unternehmen sei.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,7

Daß die Bibel keine Spur von Humor enthält, ist eine der merkwürdigsten Tatsachen der ganzen Literatur.
Alfred North Whitehead (1861 - 1947)

Dass die christliche Religion, da sie einmal erschienen ist, nicht wieder verschwinden kann, da sie sich einmal göttlich verkörpert hat, nicht wieder aufgelöst werden mag.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre II,1

Dass die Dornen werden geacht, das haben allein die Rosen gemacht.

Dass die echten Menschen aller Zeiten einander voraus verkünden, aufeinander hinweisen, einander vorarbeiten.
Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre 5. Abt. Kepler

Dass die Eltern vor den Kindern sterben, ist in der Ordnung, unnatürlich aber ist, wenn der Sohn vor dem Vater abgefordert wird.
Goethe (1749-1832), K. Vogel, Ende 1830

Dass die Erfahrung uns überzeuge, dass unsere besten Gedanken, Wünsche und Vorsätze unerreichbar seien und dass man denjenigen, welcher dergleichen Grillen hegte und sie mit Lebhaftigkeit äußere, vornehmlich für einen unerfahrenen Menschen hält.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,7

Dass die Erfahrung, wie in allem, was der Mensch unternimmt, so auch in der Naturlehre, [..] den größten Einfluss habe und haben solle, wird niemand leugnen, so wenig als man den Seelenkräften, in welchen diese Erfahrungen aufgefaßt, zusammengenommen, geordnet und ausgebildet werden, ihre hohe und gleichsam schöpferisch unabhängige Kraft absprechen wird.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt

Dass die Farbe der Haut und Haare auf einen Unterschied der Charaktere deute, ist wohl keine Frage, wie wir ja schon einen bedeutenden Unterschied an blonden und braunen Menschen gewahr werden..
Goethe (1749-1832), Entwurf einer Farbenlehre 3. Abt. 671

Dass die flüchtigsten Bilder oft die glücklichsten Gedanken haben [..] dass die ausgeführtesten Bilder der niederländischen Schule, bei allem großen Reichtum womit sie ausgestattet sind, doch manchmal etwas an geistreicher Erfindung zu wünschen übrig lassen.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1806

Dass die Franzosen aus der Pedanterie zu einer freieren Art in der Poesie hervorgehen, ist nicht zu verwundern. Diderot und ihm ähnliche Geister haben schon vor der Revolution diese Bahn zu brechen gesucht.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 4.1.1827

Dass die französische Poesie, so wie die französische Literatur sich nicht einen Augenblick von Leben und Leidenschaft der ganzen Nationalität abtrennt..
Goethe (1749-1832), An J. E. Hitzig, 11.11.1829

Dass die Französische Revolution auch für mich eine Revolution war, kannst du denken.
Goethe (1749-1832), An F. H. Jacobi, 3.3.1790

Dass die gegenseitige Neigung der Beteiligten der alles andre überwiegende Grund des Eheschlusses sein sollte, das war in der Praxis der herrschenden Klassen unerhört geblieben von Anfang an; so etwas kam vor höchstens in der Romantik oder - bei den unterdrückten Klassen, die nicht zählten.
Engels, Der Ursprung der Familie

Dass die Grenze meines Ichs die Haut sei gemeinster aller Gedanken.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes. Aphorismen aus seinen Notizbüchern

Dass die großen Dramen und Tragödien in alter wie in neuerer und neuester Zeit nur durch die Vorstellungen auf der Bühne zu allgemeinem Verständnis und allgemeiner Anerkennung gelangt wären.
Goethe (1749-1832), F. Förster, 25.8.1831

Dass die Handschrift auf den Charakter des Schreibenden und seine jedesmaligen Zustände entschieden hinweise, wenn man auch mehr durch Ahnung als durch klaren Begriff sich und anderen davon Rechenschaft geben könne..
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1809

Dass die Handschrift des Menschen Bezug auf dessen Sinnesweise und Charakter habe und dass man davon wenigstens eine Ahnung von seiner Art, zu sein und zu handeln, empfinden könne, ist wohl kein Zweifel..
Goethe (1749-1832), An K. B. Preusker, 3.4.1820

Dass die hochbegabten Naturen gehorchen lernen, ist schwer; denn nur höher begabten und vollkommeneren Naturen gehorchen sie; aber wie, wenn es diese nicht gibt?
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Dass die Kälber sterben, daran sind die Hunde nicht schuld.
nl] Het komt bij het huilen der honden niet toe, dat de kalveren afsterven.

Dass die Katzen mausen, das sagen sie selbst.
info] Die Rede verrät den Menschen.

Dass die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelahrten Schul- und Hofmeister einig; dass aber auch Erwachsene, gleich Kindern, auf diesem Erdboden herumtaumeln und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen, ebenso wenig nach wahren Zwecken handeln, ebenso durch Biskuit und Kuchen und Birkenreiser regiert werden: das will niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit Händen greifen.
Goethe (1749-1832), Werther 1. Buch, 22. Mai

Dass die Kompositionen von Liedern und sonst, genau besehen, oft nur ein qui pro quo geben, selten ist der Dichter durchdrungen, und man lernt dabei nur etwa den Kunstcharakter und die Stimmung der Komponisten kennen.
Goethe (1749-1832), An Marianne v. Willemer, 12.7.1821

Dass die Kuh nicht spricht, ist nicht weil sie keine Zunge hat.
Jamaika

Dass die Kultur durch Kunst ihren eignen Gang gehen muss, dass sie keiner anderen subordiniert sein kann, dass sie sich an alle übrige so bequem anschließt und so weiter, was doch so leicht zu begreifen wäre, weil das Faktum so klar am Tage liegt.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 12.8.1797

Dass die Kunst aus dem Inneren des Menschen hervorgehen muss, ja von seinem sittlich-religiösen Wert abhängt, ist manchen ein töricht Ding.
Caspar David Friedrich, Äußerung bei Betrachtung einer Sammlung von Gemälden

Dass die Kunst, wie sie sich im höchsten Künstler darstellt, eine so gewaltsam lebendige Form erschafft, dass sie jeden Stoff veredelt und verwandelt.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 15.1.1813

Dass die Männer altern, und die Frauen sich verändern.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,14

Dass die Männer zum Dienen, die Weiber zu Müttern gezogen werden müssten.
Goethe (1749-1832), Riemer, 13.8.1809

Dass die Menschen den beharrenden Willen über alles zu schätzen wissen und um so mehr schätzen, als sie sämtlich in Parteien geteilt ihre eigene Sicherheit und Dauer beständig im Auge haben.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Winkelmann und sein Jahrhundert - Katholizismus

Dass die Menschen lieber durch eine allgemeine theoretische Ansicht, durch irgendeine Erklärungsart die Phänomene beiseite bringen, anstatt sich die Mühe zu geben, das Einzelne kennen zu lernen und ein Ganzes zu erbauen.
Goethe (1749-1832), Entwurfeiner Farbenlehre - Einleitung

Dass die Menschen so oft falsche Urteile fällen, rührt gewiß nicht allein aus einem Mangel an Einsicht und Ideen, sondern hauptsächlich davon her, dass sie nicht jeden Punkt im Satze unter das Mikroskop bringen und bedenken.
Lichtenberg, Aphorismen

Dass die Mode des Denkens sich wie die Mode der Kleidung ändert und dass es schwer, wenn nicht unmöglich für die meisten ist, anders zu denken als nach der Mode ihrer eigenen Epoche.
Shaw (1856-1950), Die heilige Johanna, Vorwort, Moderne Verdrehungen der Geschichte Johannes

Dass die Natur eines Menschen nicht schlimmer verschoben werden kann, als wenn er sich einer zufälligen Leidenschaft für niedrige Gegenstände überläßt, wenn er einer dunkeln Anhänglichkeit an eine Gesellschaft, deren Glieder nicht von der Art seines Wesens sind, nachgibt, und dadurch der Sklave eines Zustandes wird, in welchem die Treue, die schönste und menschlichste Eigenschaft, ihn nur zur Qual und zum Verderben feste hält.
Goethe (1749-1832), Theatralische Sendung V,1

Dass die Natur kein Geheimnis habe, was sie nicht irgendwo dem aufmerksamen Beobachter nackt vor die Augen stellt.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1790

Dass die Natur uns antwortet, wenn wir fragen, dass sie ein Echo unserer Sprache wird, das ist eben ein Beweis einerlei Ursprungs, einerlei Schicksals, einerlei Hoffnung.
Wilh. Steinhausen, Aus meinem Leben

Dass die Natur, die uns zu schaffen macht, gar keine Natur mehr ist, sondern ein ganz anderes Wesen als dasjenige, womit sich die Griechen beschäftigten.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1364

Dass die Phantasie ihre eigenen Gesetze hat, denen der Verstand nicht beikommen kann und soll. Wenn durch die Phantasie nicht Dinge entständen, die für den Verstand ewig problematisch bleiben, so wäre überhaupt zu der Phantasie nicht viel. Dies ist es, wodurch sich die Poesie von der Prosa unterscheidet, bei welcher der Verstand immer zu Hause ist und sein mag und soll.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 5.7.1827

Dass die Reihe von Glück und Unglück im Leben ineinander gekettet ist wie Schlaf und Wachen, keins ohne das andre, und eins um des anderen willen, dass alle Freude in der Welt nur geborgt ist..
Goethe (1749-1832), An Anna Margaretha Textor, Februar 1771

Dass die Religion selbst Kriege veranlasst hat, ist abscheulich.
Lichtenberg

Dass die römische Sprache nach dem Begriff strebt und, was oft im Deutschen sich unschuldig verschleiert, zu einer Art von Sentenz wird, die, wenn sie sich auch vom Gefühl entfernt, dem Geiste doch wohltut.
Goethe (1749-1832), An Ch. L. F. Schultz, 8.7.1823

Dass die Rückkehr in einen friedlichen und häuslichen Zustand nicht mit neuem bürgerlichen Krieg, Haß und Rache müsse verunreinigt werden, weil sich das Unglück ja sonst verewige.
Goethe (1749-1832), Belagerung von Mainz, 23.7.1793

Dass die Säue werden geschlacht, das hat ihr Mutwille gemacht.

Dass die schönsten Entdeckungen nicht sowohl durch Menschen als durch die Zeit gemacht worden, wie denn eben sehr wichtige Dinge zu gleicher Zeit von zweien oder wohl gar mehreren geübten Denkern gemacht worden.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt

Dass die Schurken so mächtig heute,
Wollt ihr wissen, warum?
Es kommt daher, dass die ehrlichen Leute
Entsetzlich dumm.
Grillparzer, Einfälle und Inschriften

Dass die schwarzen Hühner auch weiße Eier legen, sagte die Nonne, da sie sich wunderte, dass ihr Knäblein kein schwarzes Benedictinerlein sei.

Dass die serbischen Lieder sich in deutscher Sprache besonders glücklich ausnehmen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur -Serbische Lieder

Dass die Sprache schon an und für sich produktiv ist, und zwar insofern sie dem Gedanken entgegenkommt, rednerisch, insofern sie der Einbildungskraft zusagt, poetisch.
Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen - Orientalischer Poesie Urelemente

Dass die spracherfindenden Urvölker, bei Benamung der Naturerscheinungen und deren Verehrung als waltender Gottheiten, mehr durch das Furchtbare als durch das Erfreuliche derselben aufgeregt worden..
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1820

Dass die Trauervögel über deinen Kopf fliegen, kannst du nicht verhindern, wohl aber, dass sie in deinem Haare nisten.

Dass die Vernunft eine Feindin jeder Größe ist, ist eine Erkenntnis, die man nicht wichtig genug nehmen kann.
Giacomo Leopardi, Gedanken aus dem Zibaldone

Dass die Verse den poetischen Sinn steigerten oder wohl gar hervorlockten.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 25.10.1823

Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupte fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen.

Dass die Vögel über den Kopf fliegen, kann man nicht hindern, aber man kann ihnen wehren, Nester in den Haaren zu bauen.
info] Vom Aufsteigen und Bekämpfen böser Begierden.

Dass die Vorahndung des Guten bei allen Menschen mit dem Wunsche es zu besitzen verbunden sei, ist natürlich..
Goethe (1749-1832), Theatralische Sendung II,5

Dass die Wahrheit wohl einem Diamant zu vergleichen wäre, dessen Strahlen nicht nach einer Seite gehen, sondern nach vielen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 11.3.1828

Dass die Wahrheit wohl einem Diamant zu vergleichen, dessen Strahlen nicht nach einer Seite gehen, sondern nach vielen.
Goethe, Eckermann

Dass die Weiber schön bleiben, ist ein gut rezept, wenn sie alls Unglück und sorgen vnter den knien zusammen binden, das sie nicht zu Herzen steigen, und jhm ein runtzelt gesicht machen.

Dass die Weiber, die in der Jugend Charakter haben, wenn die Liebhaber sich verlieren, Schälke werden, an Beispielen nachgewiesen.
Goethe (1749-1832), Riemer, 27.4.1814

Dass die Weisheit nach der Anmut strebt
Hat man auf Erden oft erlebt,
Doch dass die Anmut gern ihr Ohr
Der Weisheit leiht, kommt seltener vor.
Friedrich von Bodenstedt, Mirza Schaffy

Dass die Welt genügend mit schwachen Köpfen und kleinen Geistern versehen ist, ich brauche sie nicht in den Hospitälern zu suchen.
Goethe (1749-1832), Soret, 17.3.1830

Dass die Welt im ganzen immer zum Besseren fortschreitet, dieses anzunehmen berechtigt den Menschen keine Theorie, wohl aber die reine praktische Vernunft, welche nach einer solchen Hypothese zu handeln dogmatisch gebietet.
Kant, Über die Fortschritte der Metaphysik

Dass die Welt jede Siegeszeichen verachtet, die ein kleiner Geist erschleichend sich aufrichtet.
Goethe (1749-1832), Egmont A V, Gefängnis (Egmont)

Dass die Welt uns nichts gebe, dass man sich in sich selbst zurückziehen, dass man in einem innern, beschränkten Kreise um Zeit und Ewigkeit besorgt sein müsse.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich Münster, November 1792

Dass die Weltgeschichte von Zeit zu Zeit umgeschrieben werden müsse, darüber ist in unsern Tagen wohl kein Zweifel übrig geblieben. Eine solche Notwendigkeit entsteht aber nicht etwa daher, weil viel Geschehenes nachentdeckt worden, sondern weil neue Ansichten gegeben werden, weil der Genosse einer fortschreitenden Zeit auf Standpunkte geführt wird, von welchen sich das Vergangene auf eine neue Weise überschauen und beurteilen lässt. Ebenso ist es in den Wissenschaften.
Goethe (1749-1832), Geschichte der Farbenlehre 4. Abt. - Bacon

Dass die Wesen, insofern sie körperlich sind, nach dem Zentrum, insofern sie geistig sind, nach der Peripherie streben..
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III,15

Dass die Wölfe nach Freiheit schreien, ist begreiflich, wenn aber die Schafe in ihr Geschrei einstimmen, so beweisen sie damit nur, dass sie Schafe sind.
Fliegende Blätter

Dass die Zeit alle Wunden heile, stimmt nicht. Wunden vernarben zwar, aber plötzlich beginnen sie wieder zu schmerzen. Sie sterben erst mit dem Menschen.
Ehrenburg, Memoiren

Dass die Zerstörung einer Illusion noch keine Wahrheit ergiebt, sondern nur ein Stück Unwissenheit mehr.
Friedr. Nietzsche, Nachgelassene Fragmente

Dass diejenige Kultur, welche die Mathematik dem Geiste gibt, äußerst einseitig und beschränkt ist.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 28.2.1811

Dass diejenigen die Glücklichsten sind, die gleich den Kindern in den Tag hinein leben, ihre Puppen herumschleppen, aus- und anziehen und mit großem Respekt um die Schublade umherschleichen, wo Mama das Zuckerbrot hineingeschlossen hat, und wenn sie das Gewünschte endlich erhaschen, es mit vollen Backen verzehren und rufen: Mehr!
Goethe (1749-1832), Werther 1. Buch, 22. Mai

Dass dieser Augenblick in unserm Leben Epoche mache, können wir nicht verhindern, aber dass sie unser wert sei, hängt von uns ab.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,12

Dass dieses Haus aus Not und nicht aus Lust gebauet, weiss der, der voriges hat ehmals angeschauet.

Dass Dilettanten zum Vorteil der Wissenschaft vieles beitragen. Und zwar ist dieses ganz natürlich: Männer vom Fach müssen sich um Vollständigkeit bemühen und deshalb den weiten Kreis in seiner Breite durchforschen, dem Liebhaber dagegen ist darum zu tun, durch das Einzelne durchzukommen und einen Hochpunkt zu erreichen, von woher ihm eine Übersicht, wo nicht des Ganzen, doch des Meisten gelingen könnte.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Naturwissenschaft - Geschichte meines botanischen Studiums

Dass dir d' Laus nöt 'n Katarrh kriege.
Oberösterreich
info] Spottend zu dem, der aus Weichlichkeit oder Unhöfkeit die Mütze nicht lüften will.

Daß dir dein Schicksal oft schwer aufliegt, das glaub ich dir gerne, liebes Herz! Sei ein Mann und siege.
Johann Christian Friedrich Hölderlin

Dass dir der Hagel ins Loch schlag!
Grimmelshausen, Das wunderliche Vogelnest

Dass dir der Teufel die Zähn' ausschlag' und dir dafür in die Lücke mach', las der Bauer in dem Zettel, den er von dem Kapuziner gegen Zahnweh kaufte.

Dass dir der Wuchs nicht vergeht.

Dass dir drei (neue) Teufel in den hohlen Leib fahren.

Dass dir Gott einen goldenen Esel beschere, so hast du ein Jahr am Schwanz zu zehren.
z] Es wirdt aber der guldine Esel genannt das Gebürg an Böhaim, darauf herrlich Gold Bergwerck wirdt gebawt.

Dass dir Gott Licht und Kerze beschere!

Dass dir Gott selten hilft, da hast du zuzuschaun,
So stark du glaubst, so stark ist seiner Hand zu traun.

Daß dir im Sonnesehn vergehet das Gesicht,
Sind deine Augen schuld und nicht das große Licht.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Dass dir ne's Sahnäderla zerspringt.
Hirschberg
info] Wenn die Kinder etwas Gutes essen sehen, so gibt man ihnen wohl etwas zu kosten mit der Bemerkung: Hier hast du etwas zu kosten, dass dir nicht die Sehnader, das Sehnäderchen zerspringt.
fr] Le désir de l'homme n'est jamais assouuy.
la] Hominis desiderium flagrat vaque in summum.

Dass dir nimmermehr kein gut geschehe.

Dass dir Sankt Asmus Haspel die Därme verwirr'.

Dass dir's der Geier gesegne!
info] In den Redensarten: Zum Geier! Dass dich der Geier! u.m.a. steht Geier verhüllend für Teufel.

Dass doch am Ende jedes Buch nur für Teilnehmer, für Freunde, für Liebhaber des Verfassers geschrieben sei.
Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen - Künftiger Divan

Dass doch die Einfalt immer recht behält.
Lessing, Nathan der Weise, I, 5 (Der Tempelherr)

Dass doch die Jugend immer zwischen den Extremen schwankt!
Goethe (1749-1832), Wilhelm Meisters Lehrjahre

Dass doch ein jeder, er sei auch wer er wolle, seine Befugnis prüfen und sich fragen möge: was leistest du denn eigentlich an deiner Stelle und wozu bist du berufen?
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Vorschlag zur Güte

Dass du auf dem Blocksberge wärest!
info] In Lichtenberg's Schriften findet sich über diese Redensart die Abhandlung: Ein Traum. Der Verfasser bemerkt in einer Note: 'Diese Verwünschung verträgt sich wirklich mehr als irgendeine mit christlicher Liebe, sie thut nämlich durch Affect Genüge und hebt die Wiederkehr des Verwünschten nicht auf, wodurch sie sich sehr von anderen unterscheidet, die man, im christlichen Deutschland wenigstens, blos mit Anfangsbuchstaben und Punkten druckt.
In der Altmark: Ick woll, du werst upp'n Blocksberg. Damit in der Walpurgisnacht die nach dem Blocksberge ziehenden Hexen der Stadt u.s.w. oder den einzelnen Häusern keinen Schaden zufügen, bezeichnen in der Altmark die Knaben die Hausthüren und die Mittelsteine des Pflasters mit Kreidekreuzen. Auch spotten die Kinder über einen Kutscher, der anspannt durch den Gesang: 'Johann, spann' an, drê Katten voran, drê Müs' vöörupp, nao'n Blocksberg 'rupp.' - Elze, Unbekannte Fremdlinge in Ueber Land und Meer, 28. Bd. Nr. 30, vermuthet, dass der Blocksberg den Sagen nach ursprünglich ein 'Boksberg' gewesen zu sein scheine, wie Sliwenza in Krain und der Block in Kroatien, von dem slavischen Bog (Czerny-Bog), Teufel, was ja auch den deutschen Blocksbergsagen entspricht.

Dass du beim Teufel (Kuckuck, Schinder, Dreihenker u.s.w.) wärst.

Dass du brennst in der Hölle!

Dass du d' Kränk kriegest.
info] Besonders die Fallsucht (Epilepsie) in Franken, auch ehemals die Pest. Elsässische Verwünschungsformel.

Dass du deine Schafe zählst, hält den Wolf nicht fern.
Lettland

Dass du den Mann zufrieden machest, sei nicht träg, den Tisch zu decken.

Dass du den Selbstmord, wovon jetzt die Rede ist, mit großen Handlungen vergleichst: da man es doch für nichts anders als eine Schwäche halten kann.
Goethe (1749-1832), Werther 1. Buch, 12. August

Dass du die drüss müssest haben.
info] Im 15. bis 17. Jahrhundert wurde das Wort Drüse in Ausrufungen und Verwünschungen häufig angewandt. In diesen Redensarten, zu denen auch die beiden hier aufgeführten gehören, wird gewöhnlich die Pestbeule verstanden. Wird das Wort persönlich genommen, in welchem Fall es männlich gebraucht wird, so denkt man dabei an einen bösen Geist, den Teufel, z.B.: Dass dich der Druss bestehe, verderbe.

Dass du die gute Sache liebst,
Das ist nicht zu vermeiden,
Doch von der schlimmsten ist sie nicht
Bis jetzt zu unterscheiden.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien IX

Dass du die Nase im Gesicht behältst.
info] Bei Überraschungen, wenn etwas Unerwartetes geschieht.

Dass du die Pest kriegst!

Dass du ein dutzend Cholera im Leibe hättest!
info] Im August 1854 sagte auf dem Mühlhauser Markte eine Frau zu einer Verkäuferin, von welcher sie sich überfordert glaubte: 'Wenn Ihr nur zwölf Cholera im Leibe hättet!'

Dass du erkennest im Herzen und anderen auch es verkündest,
Wie viel besser es sei, gerecht als böse zu handeln.
Homer, Odyssee

Dass du harig werdest!

Dass du ihn völlig durchschautest, das hat dir noch keiner verziehen, er mag noch so gut dabei weggekommen sein.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Dass du mich liebst, ganz leise sollst du's sagen;
Denn eilig ist das Wort und wundervoll.
In meines Herzens Tempel will ich's tragen,
Dass es als Licht am Altar leuchten soll.
Ernst Zahn, Dass du mich liebst

Dass du mir die Hühner nicht erschrickst und keinen Weiher anzündest.

Dass du mussest toll, rasend und unsinnig werden!
info] Alter und veralteter sprichwörtlicher Fluch.

Dass du nicht enden kannst, das macht dich groß,
Und dass du nie beginnst, das ist dein Los.
Dein Lied ist drehend wie das Sterngewölbe,
Anfang und Ende immerfort dasselbe,
Und was die Mitte bringt ist offenbar
Das was zu Ende bleibt und anfangs war.
Goethe (1749-1832), Divan - Buch Hafis - Unbegrenzt

Daß du nicht Menschen liebst, das tust du recht und wohl,
Die Menschheit ists, die man im Menschen lieben soll.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Dass du sie liebtest, das war natürlich, dass du ihr die Ehe versprachst, war eine Narrheit, und wenn du Wort gehalten hättest, wär's gar Raserei gewesen.
Goethe (1749-1832), Clavigo A I, Clavigos Wohnung (Carlos)

Dass eben ganz leichtsinnige und der Besserung unfähige Menschen sich oft am lebhaftesten anklagen, ihre Fehler mit großer Freimütigkeit bekennen und bereuen, ob sie gleich nicht die mindeste Kraft in sich haben, von dem Wege zurück zu treten, auf den eine übermächtige Natur sie hinreisst.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre III,10

Dass eigentlich die innigsten Verbindungen nur aus dem Entgegengesetzten folgen.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,14

Dass eigentlich jeder Mensch sowohl sich selbst Enthaltsamkeit als anderen Gehorsam geloben sollte, nicht um sie immer, sondern um sie zur rechten Zeit auszuüben.
Goethe (1749-1832), Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Dass ein Abgeschmacktes gewiss auf ein anderes hindeutet ..
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1805

Dass ein Autor, der in der Lage ist, seine neusten Werke nicht vortragen oder darüber reden zu dürfen, sich so peinlich fühlen muss wie ein Komponist, der seine neusten Melodien zu wiederholen sich gehindert fühlte.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich, Pempelfort, Nov. 1792

Dass ein Frauenzimmer sein Wissen heimlicher halten müsse als der Calvinist seinen Glauben im katholischen Lande..
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Dass ein Fürst vor seinem Kammerdiener viel verliert, kommt daher, weil kein Mensch groß ist.
Kant, Fragmente aus dem Nachlaß

Dass ein Fürst, der lange regiere, so vieles sich von selbst wiederherstellen sehe, dass notwendig dadurch eine mindere Regsamkeit bei Abwendung drohender Übel entstehe.
Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 22.5.1822

Dass ein glückliches, die ersten Bedürfnisse reichlich anbietendes Land auch Menschen von glücklichem Naturell erzeugt.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise II, 12.3.1787

Dass ein Großer wohl Freunde haben, aber nicht Freund sein könne.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre IV, 2

Dass ein inneres Behagen sich bei dir hervortut, worauf denn alles ankommt, damit wir den Tag schätzen und genießen lernen.
Goethe (1749-1832), An August v. Goethe, 5. 7. 1830

Dass ein Leben voll Tätigkeit und Übung kaum hinreicht, unsre Kenntnis auf den höchsten Punkt der Reinheit zu bringen.
Goethe (1749-1832), An Herzogin Louise, 23.12.1786

Dass ein liebevoll beschäftigtes Gemüt das dringende Bedürfnis hat sich zu äußern, das was in ihm vergeht, vor einem Freunde auszuschütten..
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,18

Dass ein Mann seine Geliebte prügelt - das ist eine Selbstverstümmelung, aber dass er seine Frau schlägt - das ist Selbstmord.
Honoré de Balzae, Physiologie der Ehe

Dass ein Mensch einen Menschen, ohne ihm zu zürnen, ohne' ihn zu fürchten, nur aus Lust, an seiner Qual sich zu weiden, tötet!
Seneca (??-65 n. Chr.), Briefe an Lucilius

Dass ein Mensch über die Menschheit emporrage, kommt den andern gar teuer zu stehen.
Montesquieu, Dialog zwischen Sulla und Eukrates

Dass ein Ordensmann muss lügen können, Herr Abt, das hab' ich nicht gewusst, sagte der Ritter.

Dass ein Schauspieler, der sich selbst kennt und seine Natur mit der geforderten Rolle nicht ganz in Einstimmung findet, sie auf eine kluge Weise beugt und zurechtrückt, damit sie ihm passe, dergestalt, dass das Surrogat gleichsam als ein neues und brillantes Bildwerk uns für die verständige Fiktion entschädigt und unerwartet Genussreiche Vergleichungen gewährt.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Tiecks Dramaturgische Blätter

Dass ein solcher Mensch (Schopenhauer) geschrieben hat, dadurch ist wahrlich die Lust, auf dieser Erde zu leben, vermehrt worden.
Nietzsche, Schopenhauer als Erzieher

Dass ein Toter, wenn überhaupt, nur von hinten her zum Hause zurückkehren kann, und auch dadurch ihm das Finden des Einganges unmöglich wird, wird so erreicht, dass der Sarg, falls er nicht gar durch die Hintertür hinausgeführt wird, vor der Haustüre nach verschiedenen Seiten kreuzweise gewendet wird, so dass die Richtung verwirrt wird.

Dass ein verfehlter Text der Musik und Darstellung insgeheim den Untergang vorbereite.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1811

Dass ein Vermittler überall willkommen ist.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich, 13/17.9.1792

Dass ein Wort durch Gebrauchsfolge einen ganz entgegengesetzten Sinn annehmen kann..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Klassiker und Romantiker in Italien..

Dass Eindrücke bei mir sehr lange im stillen wirken müssen, bis sie zum poetischen Gebrauche sich willig finden lassen.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 6. 1. 1798

Dass eine Armee nicht auffällt, ist das Beste, was man von ihr sagen kann.
Fliegende Blätter

Dass eine Dirne dich liebt oder ein Gastwirt frei dich hält, ist ganz unmöglich oder kostet viel Geld!
es] Amor de puta y convite de mesonero no puede ser sino te cuesta dinero.

Dass eine Eigenheit an sich, wo nicht lobenswert, doch wenigstens duldbar sein könne, indem sie eine Art zu sein ausdrückt, welche man als Bezeichnung irgendeines Teils des Mannigfaltigen gar wohl müsste gelten lassen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Irrtümer und Wahrheiten 14,3

Dass eine einzige fehlgeschlagene Hoffnung uns gegen die Welt so unversöhnlich macht?
Lessing, Emilia Galotti (Prinz)

Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht, sie soll sich still verhalten.
Neues Testament, Paulus ( 1 Timotheus 2, 11)

Dass eine Frau, die das Hauswesen recht zusammen halte, ihrem Manne jede kleine Phantasie nachsehen und von seiner Rückkehr jederzeit gewiss sein könne.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VII,6

Dass eine gewisse humoristische Anmut aus der Verbindung des Unmöglichen mit dem Gemeinen, des Unerhörten mit dem Gewöhnlichen entspringen könne, davon hat der Verfasser [E. Th. A. Hoffmann der neuen Melusine ein Zeugnis zu geben getrachtet.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - The foreign Quarterly Review 1

Dass eine Kirche ist, ist ein Artikel des Glaubens. Wir müssen sie also mit dem Glauben erfassen, nicht mit Augen sehen.
Martin Luther, Tischreden

Dass eine Kopeke sich in einen Rubel verwandelt, ist ein Werk der Zeit.
Russland

Daß eine Mücke sollt' husten wie ein Pferd, das ist unmöglich.

Dass eine Mücke sollte husten wie ein Pferd, das ist unmöglich.

Dass eine Pflanze, ja ein Baum, die uns doch als Individuum erscheinen, aus lauter Einzelheiten bestehn, die sich untereinander und dem Ganzen gleich und ähnlich sind, daran ist wohl kein Zweifel.
Goethe (1749-1832), Bildung und Umbildung organischer Naturen - Die Absicht eingeleitet

Dass einer ein ehrlicher und verständiger Mann sein kann, wenn er gleich den nächsten besten Weg zum Heile seiner Seele verfehlt hat.
Goethe (1749-1832), Egmont A I, Palast der Regentin (Regentin)

Dass einer ein großer Geist sein könne, ohne etwas davon zu merken, ist eine Absurdität, welche nur die trostlose Unfähigkeit sich einreden kann, damit sich das Gefühl der eigenen Nichtigkeit auch für Bescheidenheit halten könne.
Schopenhauer (1788-1860),Welt als Wille und Vorstellung, II, 3, Kap. 37, Zur Ästhetik der Dichtkunst

Dass einer freien Stadt ein freier Sinn gezieme und dass man bei einem erneuten Dasein, um die Spuren ungeheurer Übel auszulöschen, sich vor allen Dingen von veralteten Vorurteilen zu befreien habe.
Goethe (1749-1832), Am Rhein, Main und Neckar 1814/15 - Kunst und Altertum - Frankfurt

Dass einer geboren wird, ist der Gang der Natur, Sterben aber ist Übereinstimmung mit dem Grad seiner individuellen Bestimmung.

Dass einer sich aufs Reiten versteht, genügt nicht, er muss auch richtig abzustürzen wissen.
Mexiko

Dass er [der Mensch] sich selbst für das Beste halten darf, was Gott und Natur hervorgebracht haben..
Goethe (1749-1832), Wanderjahre II,1

Dass er des jähen Todes stürbe!

Dass er im Werther nie die Absicht gehabt, den Selbstmord als interessant hinzustellen, dass er ihn vielmehr als ein sittliches Vergehen beurteile.
Goethe (1749-1832), Smirnow, Mai 1821

Dass er mehr davon wisse als Gott selbst, der sich um solchen Dreck nicht bekümmere.
Goethe (1749-1832), Riemer, 13.11.1809

Dass er müsst Gebratenes fressen auf 'nem hölzern Teller.

Dass er nicht rauchte, musst er büßen,
Als er des Glückes Ende sah;
Der Boden raucht ihm untern Füßen,
Drum ging er nach Sankt Helena.
Spruch auf einer Tabakspfeife mit dem Bilde Napoleons I.

Dass erst eine große Fülle von Gegenständen vor uns liegen müsse, ehe man darüber denken könne, dass man erst selbst etwas leisten, ja dass man fehlen müsse, um seine eignen Fähigkeiten und die der anderen kennen zu lernen.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,12

Dass erst schulrecht soll man niemand verachten.

Dass es besser schien, stillschweigend das mannigfaltige Gute zu verehren, als die reinen heiligen Empfindungen des Dankes durch Wiederholung zu erschöpfen oder abzustumpfen.
Goethe (1749-1832), Rede bei der Feierlichkeit der Stiftung des weißen Falkenordens

Dass es dagegen dem freien Bürger, der sich nicht leicht von jemand will meistern lassen, gar wohl anstehe, an sich selbst gesellige Tugenden auszubilden..
Goethe (1749-1832), Am Rhein, Main und Neckar 1814/15 - Kunst und Altertum - Frankfurt

Dass es dem Menschen selten gegeben ist, in dem einzelnen Falle das Gesetz zu erkennen. Und doch, wenn er es immer [?] in Tausenden erkennt, muss er es ja wieder in jedem einzelnen finden. Die großen Umwege [?] erspart sich der Geist.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1374

Dass es der Weg nicht sei, sich mit den Menschen zu verbinden, wenn wir uns die Eigenschaften exagerieren, durch welche sie von uns allenfalls getrennt erscheinen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Der Sammler und die Seinigen - 3. Brief

Dass es die Art aller der Menschen sei, denen an ihrer innern Bildung viel gelegen ist, dass sie die äußeren Verhältnisse ganz und gar vernachlässigen.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VII,8

Dass es die Eigenheit des Menschen sei, von vorn anfangen zu wollen.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre I, 11

Dass es doch immer seinesgleichen für Spaß erklären, wenn man ihnen die Wahrheit sagt.
Lessing, Minna von Barnhelm, III, 4 (Werner)

Dass es eigentlich der römischen Kirche am besten gelungen sei, die Religion populär zu machen, indem sie solche nicht sowohl mit den Begriffen der Menge als mit den Gesinnungen der Menge zu vereinigen gewußt hat.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Über Italien - Volksgesang

Dass es eigentlich geistlose Menschen sind, welche auf die Sprachreinigung mit so großem Eifer dringen: denn da sie den Wert eines Ausdrucks nicht zu schätzen wissen, so finden sie gar leicht ein Surrogat, welches ihnen ebenso bedeutend scheint, und in Absicht auf Urteil haben sie doch etwas zu erwähnen und an den vorzüglichsten Schriftstellern etwas auszusetzen, wie es Halbkenner vor gebildeten Kunstwerken zu tun pflegen, die irgendeine Verzeichnung, einen Fehler der Perspektive mit Recht oder Unrecht rügen, ob sie gleich von den Verdiensten des Werkes nicht das Geringste anzugeben wissen.
Goethe (1749-1832), An Riemer, 30.6.1813

Dass es eigentlich keine ununterbrochene Korrespondenz gibt, wenn man nicht klatscht..
Goethe (1749-1832), An Zelter, 11.3.1816

Dass es eine größere Tugend als die Frömmigkeit für das Menschengeschlecht gebe, wird uns keiner jemals überreden.
Platon, Epinomis

Dass es Männer aus uns ziehe,
Drängt uns das Schicksal.
Freiligrath, Victor Hugo: Aus den Oden und vermischten Gedichten

Dass es nicht darauf ankommt, ob etwas wahr ist, sondern wie es wirkt -: absoluter Mangel an intellektueller Rechtschaffenheit. Alles ist gut, die Lüge, die Verleumdung, die unverschämteste Zurechtmachung, wenn es dient, jenen Wärmegrad zu erhöhen, - bis man 'glaubt'.
Nietzsche, Wille zur Wahrheit

Daß es recht sei, zwei Pfründe zu haben, verstehen nur die nicht, welche bloß eine haben.

Dass es schwerer sei, gebildeten Menschen bei sittlichen Verworrenheiten zu Hülfe zu kommen, als ungebildeten.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,18

Dass es sehr viele Fälle gebe, in welchen die Gesetze schweigen und dem einzelnen nicht zu Hilfe kommen, der dann sehen mag, wie er sich aus der Sache zieht.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit I,4

Dass es vielen schlecht geht, ist nur für die Dummen ein Trost.
es] Mal de muchos, consuelo de tontos.

Dass etwas so Sichtbares wie die Eitelkeit der Welt so wenig erkannt wird, dass es sonderbar und überraschend wirken kann, wenn man erkennt, wie töricht es ist, nach Größe zu trachten: das ist wunderbar.
Pascal, Gedanken

Dass euch Pock schent!
info] Poch, Pocken (postulae, variolae).
z] Mit Ehren ich wohl bei euch bleib, seidt selb ein dieb, das euch Pock schent!
info] Die obige Redensart gehört zu den vornehmlich im 16. Jahrhundert üblichen Verwünschungsformeln, die sich auf Krankheiten beziehen. Einen ähnlichen Wunsch sprach im August 1854 auf dem Mühlhauser Markte eine Frau zu einer Verkäuferin, von welcher sie sich überfordert glaubt, aus, indem sie sagte: 'Wenn Ihr nur zwölf Cholera im Lîb hätte!'

Dass Europa kommt, kann als Gewissheit gelten. Unsere Sache ist es, dafür zu sorgen, dass es nicht in totalitärer Form, sondern in humanistischer, demokratischer Gestalt ersteht, und auch dafür zu sorgen, dass es nicht in atheistischerGottferne, sondern würdig der christlichen Kultur des Abendlandes erwächst.
Dr. H. v. Brentano, Vorsitzender der E. P. U.

Dass ewig Freud uns auferwachs
Nach dem Elend, das wünscht Hans Sachs.
H. Sachs

Dass Freiheit und Gleichheit nur in dem Taumel des Wahnsinns genossen werden können..
Goethe (1749-1832), Italienische Reise III, 1788 - Das römische Karneval

Dass Friedrich der Große aber gar nichts von ihnen wissen wollte, das verdroß die Deutschen doch, und sie taten das Möglichste, als Etwas vor ihm zu erscheinen.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 766

Dass für einen Mann in gewissen Jahren das sicherste kosmetische Mittel sei, sich des schönen Geschlechts zu enthalten und einer löblichen bequemen Freiheit zu genießen.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre II,5

Dass Gegenwart eines Baumeisters Baulust errege.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1798

Dass Genie diejenige Kraft des Menschen sei, welche, durch Handeln und Tun, Gesetz und Regel gibt.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit IV,19

Dass gerade das kühne persönliche Hingeben von jeher den Sieg errang und die Herrschaft behauptete.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich, 28.8.1792

Dass geschrei ist ein falscher Spiegel, der oft ein ding recht, oft gantz falsch zeigt.

Dass Gesind (und Diener) soll man nehren, nicht mesten, sonst verschleicht sich die Narung.

Dass Gewerbstätigkeit mit Liebe zu Wissenschaft und Kunst, wie vor alters so auch in unsern Tagen, recht wohl vereinbar sei..
Goethe (1749-1832), Am Rhein, Main und Neckar - Kunst und Altertum - Frankfurt

Dass gewiss kan man mit ungewissen nit vernichten.

Dass gewisse Leute im Guten nicht so weit gehen, wie sie könnten, liegt an ihrer schlechten Erziehung.
Jean de La Bruyère. Die Charaktere

Dass Glück ihm günstig sei,
Was hilfts dem Stöffel?
Denn regnets Brei,
Fehlt ihm der Löffel.
Goethe (1749-1832), Sprichwörtlich

Daß Gott allmächtig sei, das glaubet jener nicht,
Der mir Vollkommenheit, wie Gott begehrt, abspricht.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Dass Gott dem kargen schelmen den ritten gebe.

Dass Gott den Teufel heimsuche, sagte der kranke Bauer, als der Pfaff mit den Worten zu ihm eintrat: Gott sucht den Kranken heim.

Dass Gott erbarm'! Sieben Suppen und keine warm.

Daß Gott erbarm'!
Sieben Suppen und keine warm.

Dass Gott erbarm, sieben Suppen - und keine warm.

Dass Gott erbarm.
info] Gotteserbärmlioh, gottesjämmerlich

Daß Gott so selig ist und lebet, ohn Verlangen,
Hat er sowohl von mir, als ich von ihm empfangen.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Dass große Leute nur in der Ferne schimmern und dass ein Fürst vor seinem Kammerdiener viel verliert, kommt daher, weil kein Mensch groß ist.
Kant, Bruchstücke aus dem Nachlaß

Dass Güte nicht Schwäche sein könne, behauptet niemand; dass sie es sei, nur ein Tor.
Christian Morgenstern, Stufen: Lebensweisheit-Ethisches

Dass Güte, ja Vermögen selbst, nur Reizungen sind, denen sich ein Frauenzimmer mit Vorbedacht hingibt, die jedoch unwirksam bleiben, sobald Liebe sich mit den Reizen und in Begleitung der Jugend zeigt.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre I,5

Dass guter Wille klar und scharf sieht, indem er das, was geleistet worden, willig anerkennt, und es nicht allein für das, was es gelten kann, gelten lässt, sondern ihm noch aus eigener holder Fruchtbarkeit höhere Bedeutung und kräftigere Wirkung verleiht.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Geneigte Teilnahme an den Wanderjahren

Dass ich auf diesen Vogel so dürste, sagte der Schwab, als er einen Kapaun für einen Spatz gegessen hatte.

Dass ich behauptete, eine abgesonderte Philosophie sei nicht nötig, indem sie schon in der Religion und Poesie vollkommen enthalten sei.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,6

Dass ich bezahle,
Um zu verführen,
Das gilt in Westen,
Das gilt in Osten.
Dass ich bezahle,
Um zu verlieren,
Das sind, ich dächte,
Sehr falsche Kosten.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VIII

Dass ich bissweilen red Latein, kün machet mich der küle wein; ich hab auch on end Disputier, nachdem ich ausstrinck zweymal vier.
la] Post sumptum vinum loquitur mea lingua latinum, et bibo cum bis ter, sum quaelibet arte magister.

Dass ich den Schlaf nicht forttrage.
Nürtingen
info] Wenn man beim ersten Besuche in einem Hause sich setzt.

Dass ich diesen Winter durch entschiedenste Einsamkeit und durch diäteste Schonung mich besser befunden als seit vielen Jahren..
Goethe (1749-1832), An A. v. Humboldt, 16.5.1821

Dass ich dir's mit einem Worte sage, mich selbst, ganz wie ich da bin, auszubilden, das war dunkel von Jugend auf mein Wunsch und meine Absicht.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,3

Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Goethe (1749-1832), Faust, I (Faust)

Dass ich etwas Gutes nicht habe, was ich habe besitzen können, schmerzt lange nicht so sehr, als dass ich etwas nicht mehr besitze, was ich gehabt habe.
Kant, Reflexionen zur kritischen Philosophie

Dass ich kein Narr bin!
info] So etwas Nachteiliges einzugehen.

Dass ich Komplimente mache, ist nicht meine Sache.

Dass ich lebe, ist nicht notwendig, wohl aber, dass ich tätig bin.
Friedrich der Große, Briefe

Dass ich mich noch täglich nach den besten Überlieferungen und nach der immer lebendigen Naturwahrheit zu bilden strebe und dass ich mich von Versuch zu Versuch leiten lasse, demjenigen, was vor allen unsern Seelen als das Höchste schwebt, ob wir es gleich nie gesehen haben und nicht nennen können, handelnd und schreibend und lesend immer näher zu kommen.
Goethe (1749-1832), An Jenny v. Voigts, 21. 6. 1781

Dass ich mich verheirate, soll kein Grund sein, dass ich nichts werde.
Paula Modersohn-Becker, Briefe

Dass ich nur die Hälfte Wein trinke, ist mir sehr nützlich, seit ich den Kaffee gelassen, die heilsamste Diät.
Goethe (1749-1832), Tagebuch, 13.1.1779

Dass ich nur schreibe mit Verstand, betete jener, führ' du mir, Christe, selbst die Hand.
info] Ein frommer Mann, dem das Beten leichter als das Denken war, pflegte, wenn er sich zum Schreiben niedersetzte, zu flehen: 'Herr führe du mir die Hand, dass ich nichts niederschreibe, was deiner unwürdig wäre. Ne scribam vanum, duc mihi, Christe manum.'

Dass ich selbst pflege, das zeihe ich einem andern allwege.

Dass ich Sizilien gesehen habe, ist mir ein unzerstörlicher Schatz auf mein ganzes Leben.
Goethe (1749-1832), An Herzog Karl August, 27./29.5.1787

Dass ich vor keiner Demütigung zurückschrecke, kann ebenso gut Hoffnungslosigkeit bedeuten als Hoffnung geben.
Franz Kafka, Tagebücher (1914)

Dass ich zeichne und die Kunst studiere, hilft dem Dichtungsvermögen auf, statt es zu hindern, denn schreiben muss man nur wenig, zeichnen viel.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise III, 21.12.1787

Dass ihm der Teufel den Balg walke.
info] Für durchprügeln.

Dass ihm der Teufel mit einem Messer in den Leib krieche, das Fett von den Gedärmen schäle.

Dass ihm Gott seinen Leib schände.

Dass ihn das viertägige Fieber ankomme!
fr] La fièvre quartaine le puisse serrer.

Dass ihn der Bock (d.i. der Teufel) schände (stoße)!
info] Hat mythische Bedeutung, da der Teufel in Bocksgestalt und gehörnt gedacht wurde

Dass ihn der Geier hole!

Dass ihn der Valant reiten soll!
info] Verhüllungsform für Teufel. Das Wort kommt von valen, välen = irren, irreführen, seducere, wonach Valant so viel bedeutet als seductor diabolus.

Dass ihn die Läus' erwürgen!

Dass ihr etwas habt sagen hören (die Autorität), soll keineswegs die Richtschnur eures Glaubens sein; im Gegenteil: ihr dürft nichts glauben, ohne euch in die Lage zu versetzen, als hättet ihr es nie gehört.
Pascal, Gedanken

Dass ihr Menschen, um von einer Sache zu reden, gleich sprechen müßt: das ist töricht, das ist klug, das ist gut, das ist bös! Und was will das alles heißen? Habt ihr deswegen die innern Verhältnisse einer Handlung erforscht? Wisst ihr mit Bestimmtheit die Ursachen zu entwickeln, warum sie geschah, warum sie geschehen musste? Hättet ihr das, ihr würdet nicht so eilfertig mit euren Urteilen sein.
Goethe (1749-1832), Werther 1. Buch, 12. August

Dass im allgemeinen ein rein poetischer Stoff einem politischen so sehr voranstehe als die reine, ewige Naturwahrheit der Parteiansicht.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 4.5.1827

Dass im Leben das Zufällige jeder Art, und so auch in Verbindungen, das Allerbeste bewirken könne..
Goethe (1749-1832), Wanderjahre I,8

Dass im Wissenschaftlichen überhaupt eine entschiedene lakonische Terminologie, wodurch die Gegenstände gestempelt werden, zum größten Vorteil gereiche.
Goethe (1749-1832), Wolkengestalt nach Howard

Dass in allen wichtigen politischen Fällen immer diejenigen Zuschauer am besten dran sind, welche Partei nehmen, was ihnen wahrhaft günstig ist, ergreifen sie mit Freuden, das Ungünstige ignorieren sie, lehnen's ab oder legen's wohl gar zu ihren, Vorteil aus.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich - Minister, November 1792

Dass in den Menschen so viele geistige Anlagen sind, die sie im Leben nicht entwickeln können, die auf eine bessere Zukunft, auf ein harmonisches Dasein deuten, darin sind wir einig, mein Freund ..
Goethe (1749-1832), Briefe aus der Schweiz, erste Abteilung

Dass in der Bibel sich Widersprüche finden, wird jetzt niemand in Abrede sein.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,12

Dass in der Kunst, wie im Leben, kein Abgeschlossenes beharre, sondern ein Unendliches in Bewegung sei.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Winkelmann und sein Jahrhundert - Glücksfälle

Dass in diesem Falle wie in so manchem anderen der Leser sich vom Zuschauer und Zuhörer trennen müsse, jeder hat seine Rechte, und keiner darf sie dem anderen verkümmern.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Über das deutsche Theater

Dass in hohen Jahren, wo man mit der Zeit so haushältig umgehen muss, man über sich und andere wegen vergeudeter Tage höchst ärgerlich wird.
Goethe (1749-1832), An Caroline v. Wolzogen, 29.9.1829

Dass in jeder Lage des Lebens eine bestimmte Tätigkeit von uns gefordert wird und dass wir nur insofern für etwas gelten, als wir den Bedürfnissen anderer auf eine regelmäßige und zuverlässige Weise entgegenkommen.
Goethe (1749-1832), An Riemer, 19.5.1809

Dass in unserem Hirn die Meinungen anderer auf und ab wogen, macht uns keinen Deut klüger, mögen sie auch zufällig wahr sein.
Locke, Über den menschlichen Verstand

Dass Instinkt unter allen Arten von Intelligenz, welche bisher entdeckt wurden, die interlligenteste ist.
Friedr. Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse

Dass ist ein böser Falck (falke), der etwas zu fahen ausgeflohen und nicht widerkompt.

Dass ist ein böss bröcklein mit sorgen, daran ein mensch muss erworgen.
la] Qua suffocatur quisquam, mala mica putatur.

Dass ist ein fauler hausshalter, der gekaufft Fleisch in Schornstein hengt.

Dass ist ein guter Betrug, dar durch men dem schendlichen betrug den Hals kan abstechen.
la] Bonus dolus est quo malus pellitur.

Dass ist ein guter will, der ein Ding tut, so gut er kan, wenn er nicht tun kan, wie er will.

Dass ist ein kühne Maus, die der Katz darff ein nest ins Ohr machen.

Dass ist ein nichtswertiges Weib, die in ihres Mannes Weyer fremde Fisch lest setzen.

Dass ist gut, dessen einer sich erfrewt, wenn ers hat.

Dass jeder nur darum bekümmert sein solle, in seiner speziellen Sphäre, groß oder klein, recht treu und mit Liebe fortzuwirken, so werde der allgemeine Segen auch unter keiner Regierungsform ausbleiben.
Goethe (1749-1832), Fürst Pückler, 15.9.1826

Dass jeder so lange die Welt stehen wird, um gesellig zu sein, wenigstens äußerlich sich wird beherrschen müssen.
Goethe (1749-1832), Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (Baronesse)

Dass jeder vielmehr über das, was er tut, auch fähig sein solle zu denken, Grundsätze aufzustellen, und die Ursachen, warum dieses oder jenes zu tun sei, sich selbst und anderen deutlich zu machen.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VIII,7

Dass jeder, der auf einigen Nachruhm Anspruch macht, seine Zeitgenossen zwingen soll, alles, was sie gegen ihn in petto haben, von sich zu geben..
Goethe (1749-1832), An Schiller, 7.12.1796

Dass jeder, der von Jugend an seine Bildung den Griechen und Römern verdankt, nie ein gewisses antikes Herkommen verleugnen, vielmehr jederzeit dankbar anerkennen wird, was er abgeschiedenen Lehrern schuldig ist..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Klassiker und Romantiker in Italien

Dass jedermann leidet, das macht der Neid.

Dass jedermann nach Wohlbefinden im Leben und nach Glück strebt, ist klar, ebenso aber, dass nur ein Teil der Menschen die Möglichkeit dazu hat, ein anderer nicht, teils infolge zufälliger Umstände, teils infolge ihrer Naturanlage.
Aristoteles, Älteste Politik

Dass jedes Individuum, jeder engere Kreis das Maß der Freiheit besitzt, welches überhaupt mit der Ordnung des Gesamtstaatswesens verträglich ist: das zu erreichen, diesem Zweck möglichst nahe zu kommen, halte ich für die Aufgabe jeder vernünftigen Staatskunst.
Bismarck

Dass junge Leute nichts mehr aufmuntern und anregen könne, als wenn man selbst schon in gewissen Jahren sich wieder zum Schüler erklärte, und in einem Alter, worin man sehr schwer neue Fertigkeiten erlangt, dennoch durch Eifer und Anhaltsamkeit, Jüngern von der Natur mehr Begünstigten den Rang abzulaufen suche.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit I,4

Dass keine Lehre uns von Vorurteilen reinigt, als die vorher unsern Stolz zu erniedrigen weiß..
Goethe (1749-1832), Brief des Pastors

Dass Kinder wohl geraten, ist nicht in unserer, sondern Gottes Gewalt und Macht; wo er nicht mit im Schiff ist, da fährt man nimmer wohl.
Luther, Deutsche Schriften

Dass Lessing, Winckelmann und Kant älter waren als ich, und die beiden erstern auf meine Jugend, der letztere auf mein Alter wirkte, war für mich von großer Bedeutung.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 12.5.1825

Dass Leute von Genie auch essen, trinken, wohnen müssen und sogar dafür bezahlen müssen, ist ein zu prosaischer Gedanke für diese biedern Deutschen, als dass sie ihn nur haben könnten, es käme fast einer Beleidigung gleich.
Engels, an Marx, 8. 4. 1863

Dass man an Rosen glaubt, das bringt sie zum Blühen.
Frankreich

Dass man auch dem Wolkenzuge durch häufige und genaue Beobachtung in verschiedenen Ländern etwas abgewinnen könne..
Goethe (1749-1832), J. S. Grüner, 20.8.1823

Dass man bei allen einigermaßen gewagten Unternehmungen auf die Negativen nicht achten soll..
Goethe (1749-1832), An J. H. Meyer, 28.4.1797

Dass man das Vortreffliche nur in dem Maße kennen lernt, insofern man das Mangelhafte einzusehen imstande ist.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Propyläen, Einleitung

Dass man dem Boten der Hiobspost immer etwas von der Schuld des Unglücks, das er erzählt, anzurechnen pflegt.
Belagerung von Mainz, 29.6.1793

Dass man dem Zufall im Roman gar wohl sein Spiel erlauben könne, dass er aber immer durch die Gesinnungen der Personen gelenkt und geleitet werden müsse, dass hingegen das Schicksal, das die Menschen, ohne ihr Zutun, durch unzusammenhängende äußere Umstände zu einer unvorhergesehenen Katastrophe hindrängt, nur im Drama statt habe..
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,7

Dass man den alten Käse achtet ungesund, hat bei Gesunden keinen Grund.

Dass man den farbigen Edelsteinen Heilkräfte zuschrieb, mag aus dem tiefen Gefühl dieses unaussprechlichen Behagens [an den Farben] entstanden sein.
Goethe (1749-1832), Entwurf einer Farbenlehre 6. Abt. 759

Dass man der Dornen acht, haben die Rosen gemacht.

Dass man der Dornen acht', haben die Rosen gemacht.

Daß man der Dornen acht',
Haben die Rosen gemacht.

Dass man die Speisen nicht trinken kann, sagte Durst, ist ein Fehler im Schöpfungsplan.

Dass man eben alsdann sich am ersten entschließt abzuwarten, was uns die Zukunft lehren wird, wenn man gerade nicht sagen kann, was aus einer Sache werden soll.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,16

Dass man eigentlich alles wagen kann, sobald man mit Genie, Geist und Überlegung wirkt.
Goethe (1749-1832), An W. v. Humboldt (1767-1835), 26.5.1799

Dass man eigentlich nur von fremden Ländern, wo man mit niemand in Verhältnis steht, eine leidliche Reisebeschreibung schreiben könnte.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 9.8.1797

Dass man eigentlich um der Zukunft willen das Gegenwärtige hintansetze und verliere.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit IV, 17

Dass man ein Fasten durchführt, muss aus dem Innern kommen, das Abbrechen kommt von außen.
China

Dass man eine jede Nation, sodann aber auch die bedeutenden Arbeiten eines jeden Individuums derselben aus und an ihnen selbst zu erkennen, auch, was noch mehr ist, nach ihnen selbst zu beurteilen habe.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Lietratur - Ouvres dramatiques de Goethe

Dass man einen Dieb beschenkt,
Dass man einen anderen henkt,
Ist gelegen an der Art,
Drinnen einer Meister ward.
Friedrich von Logau, Sinngedichte

Dass man einen guten Haushälter hauptsächlich daran erkenne, wenn er sich auch des Widerwärtigen vorteilhaft zu bedienen wisse.
Goethe (1749-1832), Biographische Einzelnheiten - Kotzebue

Dass man einen Vorsatz nicht sicherer abstumpfen kann, als wenn man ihn öfters durchspricht.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,2

Dass man falsch gewicht brauchen thar, das machet scheel augen fürwar.
la] Lances dissimiles, faciunt oculos mihi tristes.

Dass man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! dass man sie nicht hinterdrein im Stiche lässt! - Der Gewissensbiss ist unanständig.
Nietzsche, Götzendämmerung, Sprüche und Pfeile

Dass man gerade nur denkt, wenn man das, worüber man denkt, nicht ausdenken kann!
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 939

Dass man immer auf innern und äußern Krieg gerüstet sein muss.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 29.10.1815

Dass man in eine andere Haut schlüpft, hilft nicht in Himmel.

Daß man in eine andre Haut schlüpfe, hilft nicht in den Himmel.

Dass man junge Männer praktisch bilde, fordert die neuste Zeit.
Goethe (1749-1832), Am Rhein, Main und Neckar. Kunst und Altertum Frankfurt

Dass man keinen Zustand, der länger dauern, ja der eigentlich ein Beruf, eine Lebensweise werden soll, mit einer Feierlichkeit anfangen dürfe.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,13

Dass man Menschen, die sich durch Ehrlichkeit, Uneigennützigkeit und Redlichkeit auszeichnen, so überschwänglich preist, gereicht weniger ihnen zum Lob als dem Menschengeschlecht zur Schande.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Dass man mit allem Äußeren mäßig verfahren, hingegen das Innere, Geistige so hoch als möglich steigern müsse.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1804

Dass man mit Nachbarn und Nachbarinnen im besten Vernehmen und immer in einem ewigen Gefälligkeitswechsel stehen müsse.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VIII,10

Dass man mit Worten nicht viel gegen eine entschiedene Leidenschaft zu wirken vermag.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,17

Dass man mitunter Gesichter verwechselt, hat seinen Grund darin, dass das wirkliche Bild verdunkelt wird von dem geistigen Bild, das ihm entspringt.
Charles Baudelaire (1821-1867), Tagebücher

Dass man nämlich teils erhalten, teils wieder hervorheben solle, was uns das Theater der Vorzeit anbietet. Dieses kann nur geschehen, wenn man die Gegenwart wohl bedenkt und sich nach ihrem Sinn und ihren Forderungen richtet.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Proserpina

Dass man nicht deutlicher sehen könne, wie ungebildet in jedem Sinne die Menschen seien, als in solchen Augenblicken allgemeiner Verwirrung und Not.
Goethe (1749-1832), Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Dass man nicht wohl tut, der sittlichen Bildung, einsam, in sich selbst verschlossen nachzuhängen, vielmehr wird man finden, dass derjenige, dessen Geist nach einer moralischen Kultur strebt, alle Ursache hat, seine feinere Sinnlichkeit zugleich mit auszubilden, damit er nicht in Gefahr komme, von seiner moralischen Höhe herab zu gleiten, indem er sich den Lockungen einer regellosen Phantasie übergibt, und in den Fall kommt, seine edlere Natur durch Vergnügen an geschmacklosen Tändeleien, wo nicht an etwas Schlimmerem herab zu würdigen.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Dass man nun die jungen Leute nicht bloß zur Unterhaltung erziehen darf, ist ja klar: denn das Lernen ist kein Spiel, sondern eine ernste Mühe.
Aristoteles, Politik

Dass man nur wohl lebe, indem man verborgen lebt.
Goethe (1749-1832), An J. F. v. Cotta, 1.10.1809

Dass man oft von eben den Personen über das getadelt wird, wozu man sich durch sie hat bereden lassen..
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Dass man ohne Sorgen lebe, sorgt man stets um Gut und Geld,
Das doch den, der es ersorgte, stets in Angst und Sorgen hält.
Friedrich von Logau, Sinngedichte

Dass man schweigen sollte, wenn man nichts zu sagen hat, und dagegen das Wohlgedachte auch gut und ohne Stottern hervorgehen..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Nichts anders als

Dass man selbst zum Seher, das heißt: Gott ähnlich wird. Und das ist doch am Ende der Triumph aller Poesie im Größten und im Kleinsten.
Goethe (1749-1832), An W. v. Humboldt (1767-1835), 1.9.1816

Dass man sich zwingen kann, beweist nicht, dass man liebt.
Goethe (1749-1832), Laune des Verliebten Sz 3 (Eridon)

Dass man sich, durch äußere Gegenstände, von der Betrachtung seines inneren Zustandes zerstreuen müsse.
Goethe (1749-1832), An Christiane v. Goethe, 12.9.1815

Dass man stirbt, weiß jedermann, doch nicht wie, nicht wo und wann.
fr] On ne sait qui meurt, ni qui vit.
it] Ognun sa dove è, ma nessun sa dove ha a morire.
la] Mors incertarum cunctis certissima rerum, incertum quando; certum aliquando mori.

Dass man über das Gute, was man durch Verneinung und Abwendung hervorzubringen sucht, dasjenige vergisst, was man bejahend fördern könnte und sollte.
Goethe (1749-1832), An Riemer, 30.6.1813

Dass man über niemand reden soll, den man nicht persönlich gesehen hat.
Goethe (1749-1832), An G. F. Schönborn, 4.7.1774

Dass man uns in unsern Arbeiten verwechselt, ist mir sehr angenehm, es zeigt, dass wir immer mehr die Manier los werden und ins allgemeine Gute übergehen. Und dann ist zu bedenken, dass wir eine schöne Breite einnehmen können, wenn wir mit einer Hand zusammenhalten und mit der anderen so weit ausreichen, als die Natur uns erlaubt hat.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 26.12.1795

Dass man von einem guten Gedicht den Ausgang wissen könne, ja wissen müsse, und dass eigentlich das Wie bloß das Interesse machen dürfe.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 22.4.1797

Dass man vorher lacht, muss man oft hernach beklagen.

Dass man zwar bei entstandenem Streit und Gärung seine Feinde nicht bekehren kann, aber seine Freunde zu stärken Ursache hat.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 10.12.1796

Dass man, um der Unbequemlichkeit auszuweichen, die Gefahr nicht scheue.
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich, 19.9.1792

Dass man, wenn man heiratet, so furchtbar festsitzt, ist etwas schwer.
Paula Modersohn-Becker, Briefe (an die Mutter)

Dass mancher Feindschaft hat, ist seine Schuld, weil er sich mit Leuten nicht vertragen kann.

Dass Männer immer im Widerspruch mit sich selbst sind.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,10

Dass man's erleiden mag, nit zu warm und nit zu kalt.

Dass man's nicht kann, ist keine Schande, aber dass man's nicht lernen will.

Dass Mäuse durch die Furche laufen, ärgere dich nicht, aber dass sie Pfade machen, dulde nicht.

Dass mein Aufenthalt im Orient mir den trefflichen Calderon, der seine arabische Bildung nicht verleugnet, nur noch werter macht, wie man edle Stammväter in würdigen Enkeln gern wieder findet und bewundert.
Goethe (1749-1832), An J. D. Gries, 29.3.1816

Dass mein Sohn verliert, verdrießt mich nicht, aber dass er weiter spielen will.
en] I am not angry my son loses, but tat he will play on.

Dass Menschen dasjenige noch zu können glauben, was sie gekonnt haben, ist natürlich genug, dass andere zu vermögen glauben, was sie nie vermochten, ist wohl seltsam, aber nicht selten.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 312

Dass mich das Geschwär und Blatter rühre!
z] Also bau nicht auf Sand, auf Papier, sondern arbeite, gehe aber auch in die Kirche, reib die Ohren, stich in deine Nase, beiß in deine Hand und sage: 'Dass mich das geschwär und Blatter rühre, ich will kein Lakei, kein Furier der Gassen- und Strassentreter sein. Prag im Munde der Prediger, in: Bohemia 1875

Dass mir dabei die Unmäßigkeit der Männer, besonders was den Wein betrifft, einfällt. Wie oft hat es mich betrübt und geängstigt, wenn ich bemerken musste, dass reiner Verstand, Klugheit, Schonung anderer, Anmut und Liebenswürdigkeit, selbst für mehrere Stunden, verloren gingen, und oft statt alles des Guten, was ein trefflicher Mann hervorzubringen und zu gewähren vermag, Unheil und Verwirrung hereinzubrechen drohte. Wie oft mögen dadurch gewaltsame Entschließungen veranlaßt werden.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,17

Dass mir niemand mehr sage, man könne dem Volk nicht helfen. Man will ihm nicht helfen. Die Mittel, es zu tun, liegen im Innersten seines Elends. Es ist die leichteste Art auf Erden; aber man lernt sie, indem man sie tut.
Pestalozzi, Lienhard und Gertrud

Dass mir von jeher die große und so bedeutend klingende Aufgabe: erkenne dich selbst, immer verdächtig vorkam, als eine List geheim verbündeter Priester, die den Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer innern falschen Beschaulichkeit verleiten wollten.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Bedeutende Fördernis durch ein einziges geistreiches Wort

Dass mit dem Scherz es wie mit Wunden ist,
Die niemals nach so ganz gemeßnem Maß
Und reinlich abgezogenem Gewicht geschlagen werden.
Goethe (1749-1832), Die Vögel, Epilog

Dass mittels der wählenden Demokratie der Wille eines Volkes ermittelt werden könne, ist natürlich eine Täuschung. Aber sieht man den Versuch vor sich, die Fragen divergierender Interessen nicht mit Messer und Pistole, sondern mittels einer Abstimmung zu entscheiden, so ist das natürlich doch ein humaneres und gesitteteres Verfahren.
Musil

Dass muss ein klug Kind sein, das seinen Vater kennt.

Dass nämlich man aus Überzeugung müssen müsse..
Goethe (1749-1832), An Zelter, 21.1.1826

Dass nämlich Menschen, denen die Natur außerordentliche Vorzüge gegeben, sie aber in einen engen oder wenigstens nicht verhältnismäßigen Wirkungskreis gesetzt, gewöhnlich auf Sonderbarkeiten verfallen, und weil sie von ihren Gaben keinen direkten Gebrauch zu machen wissen, sie auf außerordentlichen und wunderlichen Wegen geltend zu machen versuchen.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,15

Dass Neigungen, denen man eine Zeitlang unvorsichtig nachgegeben, endlich aus dem Traume geweckt, in die schmerzlichsten Zustände sich umwandeln, ist herkömmlich und bekannt..
Goethe (1749-1832), Italienische Reise III, Oktober 1787

Dass neun Wölfe dich!
lit] Kad taw dewyni Wilkai.
info] Die Zahl neun scheint in alten Zeiten hier die heilige Zahl gewesen zu sein. Sie hat sich nicht nur in alten Volksliedern, sondern auch in alten Sprichwörtern aufbewahrt.

Dass nicht die Worte, sondern Taten zählen, muss alle freuen, die nichts zu sagen haben.
Fliegende Blätter

Dass nicht immer damit, dass etwas populär sei, auch ausgesprochen sei, dass es gerecht und vernünftig sei.
Bismarck, Preußischer Landtag, am 24. Oktober 1894

Dass nicht um ein haar und tüttel fehlet.

Dass nichts entspringt, als was schon angekündigt ist und dass die Ankündigung erst durch das Angekündigte klar wird, wie die Weissagung durch die Erfüllung.
Goethe (1749-1832), an C. G. Carus und d'Alton, 7. Jan. 1826

Dass niemand eine Frage an die Natur tue, die er nicht beantworten könne, denn in der Frage liegt die Antwort, das Gefühl, dass sich über einen solchen Punkt etwas denken, etwas ahnen lasse.
Goethe (1749-1832), Betrachtung über Morphologie überhaupt - Anmerkungen

Dass niemand ja sich thu' vermessen, er hab' den Weizen allein gefressen.

Dass niemand zu denken scheint, die Chaussee sei dazu da, um vom Fleck zu kommen. jeder sucht sich ein Abweglein, als wenn das Leben ein Spazierengehen wäre. Eigentlichst aber ist dies der Fehler der Deutschen.
Goethe (1749-1832), An Nees v. Esenbeck, 2.4.1828

Dass nur das geborene Talent eigentlich weiß, worauf es ankommt, und dass alle übrigen mehr oder weniger in der Irre gehen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 10.4.1829

Dass nur das Interesse mehrerer, auf einen Punkt gerichtet, etwas Vorzügliches hervorzubringen imstande sei.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur und Wissenschaftslehre - Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt

Dass nur durch das äußere Leben das innere Leben erregt wird, nicht durch gefühlloses Spekulieren, was des Lebens Mark nur austrocknet.
Goethe (1749-1832), H.Schmidt, März 1801

Dass nur kein schwarzer Hund dazwischenkommt.
nl] Zie, dat daar geen zwarte hond tusschen komt.

Dass oft der Großvater im Enkel wieder hervortrete..
Goethe (1749-1832), Wanderjahre II,3

Dass oft im Rechten unrecht geschieht, ist nicht zu verwundern, dieweil man der Justitia die Augen verbindt.

Dass Reichtum in Geld, d. h. in Gold und Silber, bestehe, ist eine allgemeinverbreitete Ansicht, die sich ganz von selbst aus der doppelten Funktion des Geldes, nämlich aus seiner Funktion als Tauschmittel und als Wertmesser, gebildet hat. Insofern es Tauschmittel ist, können wir, wenn wir Geld haben, uns alles, was wir brauchen, leichter beschaffen als mit Hilfe irgendeiner anderen Ware.. Von einem sparsamen oder auf Reichtum erpichten Manne sagen wir, er liebe das Geld; und von einem sorglosen, freigebigen oder verschwenderischen Manne heißt es, er sei gleichgültig gegen Geld. Reich werden heißt Geld erwerben, kurzum: Reichtum und Geld werden in der Sprache des täglichen Lebens als in jeder Hinsicht gleichbedeutend betrachtet.
Smith, Natur und Ursachen des Volkswohlstandes

Dass schriftstellen eine unheilbare Krankheit ist, deswegen man wohltut, sich auch darein zu ergeben.
Goethe (1749-1832), An J. J. v. Willemer, 22.12.1820

Dass Seewasser so salzig ist, kommt von den Salzheringen, die darin schwimmen, sagte die alte Frau.

Dass sich das größte Werk vollende,
Genügt ein Geist für tausend Hände.
Goethe (1749-1832), Faust II A V, Mitternacht (Faust) Vs 11509

Dass sich der Leser produktiv verhalten muss, wenn er an irgend einer Produktion teilnehmen will.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 19.11.1796

Dass sich der Mensch, im Gange der alles verändernden Zeit, so schwer los macht von dem, was eine Sache zuerst gewesen, wenn ihre Bestimmung in der Folge sich auch verändert.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise I, 19.10.1786

Dass sich einer mit Ruß und Kot besudelt, das kann mann an einem andern nicht abwaschen.
info] Wer gefehlt hat, der leide.

Dass sich jeder seine eigne Art von Gott macht und dass man niemand den seinigen weder nehmen kann und soll.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 31.7.1799

Dass sich nicht leicht jemand gegen sein Zeitalter retten kann!
Goethe (1749-1832), An Zelter, 6.6.1825?

Dass sie bei dem Geier wären, die verdammten Ausleger! Bald wird man vor diesem Geschmeiße keinen Einfall mehr haben dürfen.
Lessing

Dass sie die Kinder erziehen könnten,
müssten die Mütter sein wie Enten:
Sie schwämmen mit ihrer Brut in Ruh,
Da gehört aber freilich Wasser dazu.
Goethe (1749-1832), Sprichwörtlich

Dass sie die Perle trägt, das macht die Muschel krank;
Dem Himmel sag für Schmerz, der dich veredelt, Dank.
Rückert, Angereihte Perlen

Dass sie können,
Was sie zu müssen eingesehn, hat mich
Mit schauernder Bewunderung durchdrungen.
Schiller, Don Carlos, III, 10 (Prosa)

Dass Sie mich bei so einer herrlich ausgezeichneten Pflanze [die in Brasilien heimische Goethea] zum Gevattersmann berufen und meinem Namen dadurch eine so schöne Stelle unter den wissenschaftlichen Gegenständen anweisen, ist, wie Sie selbst fühlen und bemerken, im gegenwärtigen Augenblick doppelt rührend und eingänglich.
Goethe (1749-1832), An Nees v. Esenbeck 24.4.1823

Dass sie mich schelten, mag schon gahn, aber sie sollen mich ungelobet lan.
z] Als die Athener den Worten des Phokion Beifall geklatscht hatten, fragte er erschrocken seine Freunde, ob er eine Dummheit gesagt habe.

Dass Sie sich immerfort mit dieser Aufgabe beschäftigen, ist mir von großem Wert, denn ob wir gleich gern der Natur ihre geheime Encheiresis [Verfahren], wodurch sie Leben schafft und fördert, zugeben und, weint auch keine Mystiker, doch zuletzt ein Unerforschliches eingestehen müssen, so kann der Mensch, wenn es ihm Ernst ist, doch nicht von dem Versuche abstehen, das Unerforschliche so in die Enge zu treiben, bis er sich dabei begnügen und sich willig überwunden geben mag.
Goethe (1749-1832), An W. H. Wochenoder, 21.1.1832

Dass Sie zur Heiterkeit des Lebens gelangen, und dazu eben ist die Bearbeitung kleiner Gegenstände das beste Mittel.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 18.9.1823

Dass so leicht man der Menschen Imagination in Bewegung setzen kann, so gern sie sich Märchen erzählen lassen, eben so selten ist es, eine Art von produktiver Imagination bei ihnen zu finden.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,7

Dass so manches, was auf Zutrauen und Hoffnung gesät wird, die besten Früchte bringt.
Goethe (1749-1832), An Johanna Maria Melber, 19.9.1819

Dass so viel Selbstisches in der Liebe ist und doch, was wäre sie ohne das.
Goethe (1749-1832), an Charlotte von Stein, 20. April 1779

Dass so viel Ungezogenheit gut durch die Welt kommt, daran ist die Wohlerzogenheit schuld.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Dass sozialer Fortschritt mit steigendem Lebensstandard identisch sei, wird zu einem Glaubensbekenntnis.
Galbraith

Dass Sparsamkeit recht wird geacht, ein großer Zoll, der bald reich macht.

Dass Stolz Narrheit, ist bekannt,

Daß Stolz Narrheit, ist bekannt,
Denn Stultus ist von Stolz genannt;
Auch sagt man wohl, Stultus und Stolz
Wachsen beid auf einem Holz.

Dass Tragödien und tragische Romane den Geist keineswegs beschwichtigen, sondern das Gemüt und das, was wir das Herz nennen, in Unruhe versetzen und einem vagen unbestimmten Zustande entgegenführen, diesen liebt die Jugend und ist daher für solche Produktionen leidenschaftlich eingenommen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Nachlese zu Aristoteles' Poetik

Dass uneigennütziges Wohltun die höchsten und schönsten Zinsen bringt.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VIII,10

Dass uns die Betrachtung der Natur zum Denken auffordert, dass uns ihre Fülle mancherlei Methoden abnötigt, um sie nur einigermaßen handhaben zu können, darüber ist man [sich] überhaupt wohl einig, dass aber beim Anschauen der Natur Ideen geweckt werden, denen wir eine gleiche Gewissheit als ihr selbst, ja eine größere zuschreiben, von denen wir uns dürfen leiten lassen, sowohl wenn wir suchen als wenn wir das Gefundene ordnen, darüber scheint man nur in einem kleinern Zirkel sich zu verstehen.
Goethe (1749-1832), An H. Steffens, 29.5.1801

Dass uns die Menschen für das Vergnügen, das wir ihnen gewährt haben, sehr oft empfindlich büßen lassen.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit I,1

Dass uns die Umgebungen, wir mögen uns stellen, wie wir wollen, immer beschränken, und ich fiel daher auf den Gedanken, es sei das beste, uns wenigstens innerlich unabhängig zu machen.
Goethe (1749-1832), Biographische Einzelnheiten - Aus meinem Leben - Fragmentarisches - Jugendepoche

Dass unser Herz lebe, wirke, bleibe, daran liegt alles, nicht dass es glänze.
Pestalozzi, Briefe

Dass unser neunzehntes Jahrhundert nicht einfach die Fortsetzung der früheren sei, sondern zum Anfang einer neuen Ara bestimmt scheine.
Goethe (1749-1832), A. E. Odyniec, 25.8.1829

Dass unser Zögern sich nicht schwer vergeht,
Winkt uns Gewinn, und kämen wir zu spät.
Shakespeare (1564-1616), Timon v. Athen, V/1 (Dichter)

Dass unsere Gesetze immer schlechter stilisiert und immer lüderlicher redigiert werden, liegt wesentlich an der Menge von Abgeordneten, die an ihnen herumpfuscht..
Hartmann, Tagesfragen

Dass unter den Griechen Sokrates liebenswürdig und geistreich gewesen ist, dass er eine heitere Unterhaltung führte, und dass seiner ganzen Ausdrucksart die schalkhafte Verstellung, welche wir Ironie nennen, eigentümlich war, wissen wir aus der Geschichte.
Cicero (103-43 v. Chr.), Drei Bücher von den Pflichten

Dass unter guten Menschen die republikanische Form die beste sei..
Goethe (1749-1832), Lehrjahre IV,2

Dass vergelt jm ein spitzhölzlin.

Dass viele irregehen, macht den Weg nicht richtig.

Daß viele irregehn, macht den Weg nicht richtig.

Dass viele Unrecht gehen, macht deshalb den Weg nicht Recht.

Daß vieles sich nicht verwindet, wenns einmal empfunden ist, daß es immer wiederkehrt, ist nicht traurig; aber daß die Ufer ewig unerreichbar bleiben!
Bettina von Arnim

Dass von dem Schriftsteller höchste moralische Bildung gefordert wird, indem man ja nach herkömmlicher und geprüfter Sittenlehre das Gute nur um des Guten willen tun soll, ohne an eine Rückkehr auf sich selbst zu denken.
Goethe (1749-1832), An J. D. Gries, 20.5.1821

Dass von der Wiege bis zur Bahre
Kein Mensch den alten Sauerteig verdaut!
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Mephisto) Vs 1778

Dass von diesem wilden Sehnen,
Dieser reichen Saat von Tränen
Götterlust zu hoffen sei,
Mache deine Seele frei!
Goethe (1749-1832), Sprichwörtlich

Dass wahre Schätzung nicht ohne Schonung sein kann.
Goethe (1749-1832), An F. H. Jacobi, 2.1.1800

Dass Weisheit nach der Anmut strebt,
Hat man auf Erden oft erlebt,
Doch dass die Anmut gern ihr Ohr
Der Weisheit leiht, kommt seltner vor.
Friedr. Martin von Bodenstedt, Die Lieder d. Mirza-Schaffy (1851)

Dass weiss man bauern wenig dank.

Dass Weite an Hosen trägt man imer oben.

Dass wenn man den Menschen ganz genau in zwei Hälften spaltete, die rechte Seite sogleich mit der linken in einen unversöhnlichen Streit geraten würde.
Goethe (1749-1832), An K. E. Schubarth, 10.5.1829

Dass wer seine Leidenschaften, Neigungen, Wünsche, Vorsätze, Pläne nicht zu verbergen wisse, in der Welt zu nichts komme, sondern aller Orten und Enden gestört und zum besten gehabt werde..
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,6

Dass wer sich nur selbst spielen kann, kein Schauspieler ist.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VIII,5

Dass wie der Mensch, so auch das Tier ein Rätsel und ein vielleicht noch schwerer zu lösendes sei, denn nicht nur, dass durch die Sprache der Menschenbruder uns sein geheimes Wesen offenbare, der Mensch sei trotz aller Rassenunterschiede immer einer von derselben Gattung, wogegen die Tierwelt in unendlich viel spezifisch voneinander verschiedene Gattungen und Arten getrennt sei.
Goethe (1749-1832), F. Förster, Mai 1829

Dass wir anderen nichts tun sollten, als in uns selbst zu verweilen, um irgendein leidliches Werk nach dem anderen hervorzubringen. Das übrige ist alles vom Übel.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 20.7.1799

Dass wir beginnen, ist unser Ziel.

Dass wir den Begriff der Existenz und der Vollkommenheit des eingeschränktesten lebendigen Wesens nicht ganz fassen können und es also ebenso wie das ungeheure Ganze, in dem alle Existenzen begriffen sind, für unendlich erklären müssen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Studie nach Spinoza

Dass wir durch nichts so sehr veranlaßt werden, über uns selbst zu denken, als wenn wir höchst bedeutende Gegenstände, besonders entschiedene, charakteristische Naturszenen, nach langen Zwischenräumen endlich wiedersehen und den zurückgebliebenen Eindruck mit der gegenwärtigen Einwirkung vergleichen.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1805

Daß wir ein Gedicht wie Dantes Hölle weder denken noch begreifen können, wenn wir nicht stets im Auge behalten, daß ein großer Geist, ein entschiedenes Talent, ein würdiger Bürger, aus einer der bedeutendsten Städte jener Zeit, zusamt mit seinen Gleichgesinnten von der Gegenpartei in den verworrensten Tagen aller Vorzüge und Rechte beraubt, ins Elend getrieben worden.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Die elegischen Dichter der Hellenen

Dass wir einen Gott ahnen, ist nur ein unzulänglicher Beweis für sein Dasein. Ein stärkerer ist, dass wir fähig sind, an ihm zu zweifeln.
A. Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Dass wir einen jungen zahmen Steinbock gesehen haben, der sich unter den Ziegen ausnimmt, wie der natürliche Sohn eines großen Herrn, dessen Erziehung in der Stille einer bürgerlichen Familie aufgetragen ist.
Goethe (1749-1832), Briefe aus der Schweiz 1779, Chamonix, 5.11.

Dass wir geschaffen sind, das Unfassbare zu fassen und das Unerträgliche zu ertragen - das ist es, was unser Leben so schmerzensvoll und was es zugleich so unerschöpflich reich macht.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Dass wir gewöhnlich in misslichen Zuständen uns gern mit hohen Personen vergleichen, besonders mit solchen, denen es noch schlimmer gegangen..
Goethe (1749-1832), Kampagne in Frankreich, 27.9.1792

Dass wir Gott ahnen, ist nur ein unzulänglicher Beweis für sein Dasein. Ein stärkerer ist, dass wir fähig sind, an ihm zu zweifeln.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Dass wir in dem Herbst und Winter des Lebens starrer und schroffer werden als billig ist, die Wirkung dieser Eigenschaften wird durch guten Willen, am besten aber durch Entfernung gemildert.
Goethe (1749-1832), An Ch. H. Schlosser, 20.9.1813

Dass wir in den schönsten und reichsten Ländern und besonders in den durch Naturschönheiten sich auszeichnenden Gebirgsgegenden die muntersten, tätigsten und geistreichsten Menschen finden.
Fliegende Blätter

Dass wir sinnliche Gegenstände, wovon wir hören, auch mit Augen sehen wollen, ist natürlich, weil sich alles, was wir vernehmen, dem innern Sinn des Auges mitteilt und die Einbildungskraft erregt.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Skizzen zu Castis Fabelgedicht: Die redenden Tiere

Dass wir uns bilden ist die Hauptforderung; woher wir uns bilden, wäre gleichgültig, wenn wir uns nicht an falschen Mustern zu verbilden fürchten müssten.
Goethe (1749-1832), An K. J. Iken, 27.9.1827

Dass wir uns in einem Zustande befinden, der, wenn er uns auch niederzuziehen und zu drücken scheint, dennoch Gelegenheit gibt, ja zur Pflicht macht, uns zu erheben und die Absichten der Gottheit dadurch zu erfüllen, dass wir, indem wir von einer Seite uns zu verselbsten genötigt sind, von der anderen in regelmäßigen Pulsen uns zu entselbstigen nicht versäumen.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,8

Dass wir uns in ihr zerstreuen,
Darum ist die Welt so groß.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III,1

Dass wir uns nicht ändern können, hat zweierlei Gründe: Zum einen können wir uns unserer eigenen Natur nicht widersetzen, zum anderen ist es unmöglich, einen Menschen, der bei einer bestimmten Art zu handeln Glück gehabt hat, zu überzeugen, dass es gut sein kann, auch einmal anders zu handeln.
Niccolò Machiavelli, Vom Staat

Dass wir viel Übles haben vernommen, ist alles von der Zung herkommen.

Dass wir zwar nicht übereilt, doch bald möglichst aus Verhältnissen treten sollen, die einen missklang in unser Leben bringen, oder dass wir uns ein für allemal entschließen müssen, denselben zu dulden und aus anderen Betracht mit Weisheit zu übertragen.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1820

Dass wohl nur der Tondichter selbst und allenfalls einige von seinem Sinne völlig durchdrungene Schüler uns wahrhaft und eindringlich mitteilen, was er in einem Gedicht gefunden, wie er es aufgenommen und was er hineingelegt.
Goethe (1749-1832), An W. J. Tomaschek, 18.7.1820

Dass zehntausend Knochen vertrocknen, ist das Verdienst eines einzigen Feldherrn.

Dass Zeit nicht reicht, den Durst nach Freiheit zu löschen, ist gewiss. Denn häufig hört man, dass in einer Stadt die Freiheit von Männern wiedererkämpft wurde, die sie niemals selbst genossen hatten, sondern sie allein aufgrund der Erinnerung liebten, die sie aus der Zeit ihrer Väter haben, und darum die wiedergewonnene Freiheit standhaft unter jeder Gefahr schützen.
Niccolò Machiavelli, Geschichte von Florenz

Dass Zinsskauf kein Wucher ist, das liegt am Rechten und nicht am willen.

Dass zuletzt auch die Farbe eine mystische Deutung erlaube, lässt sich wohl ahnden. Denn da jenes Schema, worin sich die Farbenmannigfaltigkeit darstellen lässt, solche Urverhältnisse andeutet, die sowohl der menschlichen Anschauung als der Natur angehören, so ist wohl kein Zweifel, dass man sich ihrer Bezüge, gleichsam als einer Sprache, auch da bedienen könne, wenn man Urverhältnisse ausdrücken will, die nicht ebenso mächtig und mannigfaltig in die Sinne fallen.
Goethe (1749-1832), Entwurf einer Farbentehre 6. Abt. 918

Dass zuweilen eine falsche Hypothese der richtigen vorzuziehen sei, sieht man aus der Lehre von der Freiheit des Menschen.
Georg Chr. Lichtenberg, Sudelbücher

Dass zwar der Verstand der Männer sich nach Haushälterinnen umsehe, dass aber ihr Herz und ihre Einbildungskraft sich nach anderen Eigenschaften sehne..
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VII,6

Dass zwei Pfründen haben, recht sei, verstehen bloß die nicht, welche nur eine haben.

Dass zwischen dem Glauben oder der Theologie und der Philosophie keine Gemeinschaft oder Verwandtschaft obwaltet. Dies wird übrigens jeder wissen, der das Ziel und die Grundlage dieser beiden Wissenschaften kennt, die ja himmelweit voneinander verschieden sind. Das Ziel der Philosophie ist einzig und allein die Wahrheit, das Ziel des Glaubens einzig und allein Gehorsam und Frömmigkeit.
Spinoza, Theologisch-politischer Traktat

Dass, eben wie der Adel, so auch die Frommen eine gewisse Aristokratie bilden.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 25. 2. 1824

Dass, wenn man große Lasten heben will, man ihre Mitte auffinden muss.
Goethe (1749-1832), A. E. Kozmian, 8.5.1830

Dassagâl (das ist egal), segt Denker.
Mecklenburg

Dasselbe Blut, dasselbe Gut, dasselbe Alter machen die glücklichste Ehe.
England
en] Like blood, like goods, and like age make the happiest marriage.

Dasselbe Feuer reinigt das Gold und verschlingt das Stroh.
Italien

Dasselbe Jahr wird dem einen eine Mutter, dem anderen eine Stiefmutter sein.
Walisisch

Dasselbe Tor, durch welches der Despotismus und die Willkür einziehen, steht auch dem auswärtigen Feind offen.
Fliegende Blätter

Dasselbe Wasser macht Hühner weich und Eier hart.

Dasselbe zu wollen und dasselbe nicht zu wollen, gern darin liegt beständige Freundschaft.
Sallust, Der Catilinarische Krieg

Daste mer nich gestohlen werst.
info] Mundartlich wird aber in Schlesien nicht werst, sondern 'werscht' gesprochen, wie bekanntlich das scharfe s nach r, wie am Anfange vor p und t immer in sch übergeht, also wirscht, Wurscht, Schpiel, schpät, Schtuhl u.s.w. für wirst, Wurst, Spiel, spät, Stuhl.

Dastehen als die Pfeiffer, so den Tantz verderbet haben.

Dastehen für Petersdreck.
Franken
info] Nichts gelten

Dastehen wie das Hündlein von Breda.

Dastehen wie der Bube, der die Milch verschüttet hat.

Dastehen wie der dumme Junge von Mutschen.

Dastehen wie der Gottverlassmichnicht.

Dastehen wie der Kuhhirte von Ringelheim, dem das Mundstück gefror.

Dastehen wie der Lalenkönig auf der Rheinbrücke zu Basel.
info] Mit offenem Maul und großen Augen

Dastehen wie der Ochs am Berge (o. vorm neuen Tor).
ndt] He süht et an, as de Koh dat niege Dor.

Dastehen wie der Prinz in der Komödie.

Dastehen wie die geölten Mönche.

Dastehen wie ein betrönnter Hund.

Dastehen wie ein Bettpisser.
Königsberg

Dastehen wie ein Narr.

Dastehen wie ein Pflock.
z] Stieh og nie dou wie ej Pflouck, rühr dich e Bissel.

Dastehen wie eine Bildsäule.
info] Vor Erstaunen, Schreck wie versteinert

Dastehen wie Lots Weib.
info] Verblüfft

Dastehen, als ob ihm in die Hand geschissen sei.
z] Wenn ich nun in das Reich der Himmel kommen werde, so wird der Heiland fragen: wo sind eure Untertanen? so werde ich dastehen, als ob mir in die Hand u.s.w.'

Dat (de) lett sik wohl ut Solt un Water eten.
Holstein
info] Von guten Speisen, frischem Fleisch und Fisch, Gemüse; auch von Frauen, die, wie jene ungewürzt und ungepfeffert, auch ungeputzt gefallen.

Dat (hei) schlacht nau'm Klaffke (Klaffs), on de Klaffke nau'm Krus, on de Krus nau Hundschied.

Dat (o. dar) sünd mehr Äbars als Poggen.
info] Mehr Brotesser als Brotverdiener. Abar = Storch

Dat Aas hett was lehrt, seggt Coord van Hallen, de kann dör de Welt kamen.
info] Der Witz liegt darin, dass das Wort »Aas« hier durchaus nicht verächtlich sein soll, wie es sonst ist. Ähnlich sagt man in Ostfriesland: 'T is 'n gelehrter Hund; 't is 'n Fûlpûp, 'n kloken Bengel, 'n gelehrten Racker u.s.w., ohne damit etwas Schlimmes ausdrücken zu wollen.

Dat Achterdêl (Podex) weisen.
z] Dorchlichting der Kleder îet achtrdeel wisen. Hamburger Chronik

Dat Aller wahrt für Dörheit nit.

Dat Appelke kûlt nich wit vom Stamm, wî dat Schâpke ös ôk dat Lamm.

Dat Argste is överstaan, sä de Deef, do keem he ut't Lock un sull hangt warrn.

Dat äs ärer Mutter är Duechter.
Siebenbürgen/Sachsen

Dat äs en Arschkepitscher.
info] Für Schulmeister

Dat äs senges Vôter se Sâhn.
Siebenbürgen/Sachsen

Dat Auge will auk wat, sagte de blinne Beend (Berend, Bernhard), doa friggede (freite, heiratete) en wacker (hübsches) Wicht (Mädchen).

Dat aule Huhn es daute, dat de grauten Egger leggete.
Lippe
info] Die alte Meierfrau u.s.w., die ihren Dienstboten oder den Armen so reichlich gab, ist gestorben

Dat bene, dat multum, qui dat cum munere vultum.
Walther, Proverbia sententiaeque
dt] Gut und viel gibt, wer mit seiner Gabe sein Gesicht gibt.

Dat Besst' kümmt nâ (kommt nach), säd' Schönfeld, dôn wüsst he äwers nix mier.

Dat Best kümmt na, säd Schönfeld, dôn wüsst' he äwers nix mîer.

Dat Beste erst, dat Slimmste kummt alltît noch fro (früh) genug.
Rastede
it] Si deve sempre desiderare l'ottimo, ed aspettar il pessimo.

Dat beste schaf schit jo in den stal.

Dat beste Spêl wird likers to vêl.
Lübeck

Dat beste Spiel werdt ôk wohl to vêl.
info] Wer sich zu beschränken, zu beherrschen weiß, ist Meister.

Dat bindt den Band.
info] Das macht es bündig: gibt der Sache das Gewicht

Dat bindt, se(de) Runde, dô sedde (setzte) he vör'n fivtehalv (21/2 Sgr.) Latin in de Supplik.
Ostfriesland

Dat Bîschloapen (Beischlafen) deit' ne, sünnern dat Bîwoaken, söä' de Dêr'n.

Dat blänkert as Beaten er Sülwertüg.

Dat blänkert wie Judeneier bei Mondschein.

Dat Bleaeken noa dem Winne dreggen.
Westfalen
info] Für Bleadeken von Blatt
hdt] Den Mantel nach dem Winde tragen.

Dat blenked (blinkt) as de Panne op giensêid (jenseits).
Grafschaft Mark

Dat blifft inne Fomili sä de Zeegenbuck, dar har he denn Snieder sein Kohl upfreten.

Dat blinkert (glänzt) as 'n Stern.

Dat blöft bîm Blîwe. Tolkemit
hdt] Es bleibt beim Bleiben.
info] Beim Alten, wie es gewesen

Dat Blôt kruppt (kriecht), war 't (wohin es) nich gân kan.
Ostfriesland

Dat Bocke geit leicht, dat Lamme schwer.

Dat bön ek (ich), sed de Geck.
Meurs

Dat bört (bohrt) sick nich.

Dat Böske Lewe (Liebe) öss dem Arme sin Brade.
Ostpreußen

Dat bott (dumme) Mensch liht sich Scheuss un Gübb en de Häng däu (drücken). Köln
info] Scheuss un Gübb = allerlei schlechtes Zeug.

Dat brät (brennt) mich net.
Siebenbürg.-sächsisch
info] Das geht mich nichts an

Dat breckt wî Dreck (auch: Grott).

Dat Breedste (breiteste) is noch achter, harr de Düfel seggt, do harr he Schüppen scheten.
info] Der Stiel war nämlich zuerst gekommen

Dat brengt kên Soden an de Dîk (Deich).
Ostfriesland
ho] Dat brengt geene zoden aan den dijk.

Dat bringt nich, man dat sammelt doch, sä(de) de Junge, dâ harr he in de Kök (Küche) ên Ôrfîge krêgn, un up de Dêl (Diele) wedder êne.

Dat brod (Brot) in ein koulden ofen stecken.

Dat Brüen (Quälen) geit umm.
Oldenburg

Dat Brüen geit umm.
Oldenburg
info] brüden = narren, necken, quälen u. dgl.

Dat census honores,
census amicitias: pauper ubique iacet.
Ovidius
dt] Vermögen bringt Ehren und Freundschaften: Der Arme ist überall machtlos.

Dat dank em de Hund.
info] Wenn etwas nicht dankenswert ist, und wohl nur eine verhüllende Form, wenn man nicht Teufel sagen will.

Dat darf wê net sage, dat muss mer flöten.
Bedburg

Dat de Pankauken (Pfannkuchen) rund ist, süt me am Rande.
Sauerland

Dat de Pannkauken rund is, süht me am Rande.

Dat deit so wee, as wenn en Mann sin Fro afstarwt.
Hamburg
info] Es ist zu überstehen.

Dat di de Ape luse!

Dat di de Butke nich bitt.
info] Butz, auch Butzemann, oberdeutsch Bussemann, niederdeutsch Butze = Kobold, Poltergeist.
info] Butke = Butzemann, auch: Trommler oder Werber.
z] Es geht ein Butzenmann im Reich herum (Lied von der Reformationszeit)

Dat di de Drummel (Drommel).
info] Das holl. Drommel = Teufel. Wenn man dem Teufelsfluch ausweichen will

Dat di de Hamer sla!
info] Nämlich Tors Hammer. Noch aus der heidnischen Zeit, und steht in Beziehung zu Donar nebst den Begriffen von Tod und Teufel. Statt Hammer wird auch wohl Teufel gesetzt. Andere Verwünschungsformeln sind: Dass dir Sanct-Velten! Dass dich der Hitzel, der Donner, der Bärenhäuter, der Geier, der Blitz und das Wetter, Rübezahl, Sanct-Florian!

Dat di de Krambeker!

Dat di de Kuckuck!
info] Verwünschungsformel.

Dat di de Lichting!

Dat di de Mord sla.
hdt] Dass dich der Mord schlage.

Dat di de Racker hale.
info] Racker = Mensch, Bursche, aber auch Abdecker, Henker, wie Name für Mandelkrähe (Coracias garrula). Nach Briefen von Alexander von Humboldt an Varnhagen von Ense bediente sich der preussische König Friedrich Wilhelm IV. öfter gesprächsweise dieses Ausdrucks.

Dat di de Saalhund, twê Kinner up ênmal.

Dat di Sant Velten hâl!
Holstein

Dat dick En' (Ende) kümmt noah, söä' de Düwel, doa schêt 'ne hölterne Schipp.

Dat dick negen düffel ynnt holen lieff faren.
z] Also fluchen die Sachsen, dass einem Menschen sollen neun Teufel in leib fahren.'
ho] Ik wenschte, dat hij zoo diep in den grond zonk, als een haas in tien jaar loopen kan.

Dat Dicke kömmt toletzt wie Sprindwater, sagt jene Margell.

Dat Dicke kost't meiste Geld, sä de Frô to 'n Lehrjungen, as se em dat Ünnerste ût 'n Kaffeepott in de Tass' gööt.

Dat Dicke kost't meiste Geld, sä de Fro to'n Lehrjungen da got se em dat Unnerste ut'n Kaffeepott in de Tass.

Dat dickste Enne (Ende) kummt na.
Oldenburg
ho] Het breedste eind moet nog volgen, zei besje, toen zij den steel van de koekepan ontlast had.

Dat die de Dröst.
info] Ausruf der Verwunderung und Verwünschung. Das Wort Dröst, wohl richtiger Drôs, vom holländischen Droes = Teufel, ist im Holsteinischen ein Schimpf- und Fluchwort.

Dat die de Loft (Luft) vergeit, seggt de Bunkus, wenn he en Kopp afhaut.
info] Bunkus war Scharfrichter in Danzig.

Dat Ding hett en Haken.
Holstein
info] Die Sache hat eine Schwierigkeit, ist noch nicht klar

Dat do ik so gern, as ik gleinige Kohlen ete.
bm] Uciním vsecko pro kazdého, krom toho trého: Neslíbím, nepujcím a nedám za neho svého.
bm] Vse rád udelám: jen nechtej, bych neco dalt, pujcil aneb slíbil.

Dat döcht (taugt) den Düwel nit.
Westfalen
Es ist eine schlimme Sache.
fr] Cela ne vaut pas le diable.

Dat döcht dem Düwel int Maus nit.
Westfalen
dä] Det duger intet, er ei værd, er skarn ar tale om.

Dat du de Frisur krigst sä de Moltmüller un smet sin Fro up'n Mehlsack.

Dat du de Hâlung krigst.
info] Von halen = holen, bezeichnet Zugwind, der auch wohl Hâlwind heißt. - Dass du zusammenfahren mögest, wie vom schnellen Zugwind getroffen.

Dat du de swere Machei kriggst.
info] Eine pommersche Fluchformel.

Dat du den Sweden kriegst.
Ostfriesland
info] Einem den Schweden auf den Hals wünschen, heißt, ihm Unglück wünschen. Die Redensart erinnert an die Grausamkeiten, welche die schwedischen Truppen in der letzten Zeit des Dreißigjährigen Kriegs in Deutschland, also zu einer Zeit verübten, zu der aus den schwedischen Scharen der Geist der Zucht und Ordnung längst gewichen war und man sie in protestantischen Ländern ebenso sehr fürchtete, als die kaiserlichen Truppen. Man gibt ihnen schuld, dass sie den Einwohnern z.B. Mistwasser in den Mund gossen, um sie zur Angabe ihres Geldes zu zwingen, dass sie die Frauen entehrten, ihnen dann die Brüste abschnitten u.s.w. Nach einigen wird dies den Schweden des Dreißigjährigen Kriegs nach dem Tode Gustav Adolf's zur Last gelegt, wohl aber mit Unrecht, da die erwähnten Grausamkeiten dem Einfall der Schweden in Deutschland zur Zeit des Großen Kurfürsten von Brandenburg vor der Schlacht von Fehrbellin angehören.

Dat du drei Bûren kriegst!
Holstein
info] Glimpfform für: dass der Teufel über dich komme. Ausdrücke, womit der Bauernfeind den ehrwürdigen Landmann missbraucht)

Dat du nicht kackst, dat wundert mie.
Ukermark
info] Von denen, die sich sehr gefährlich bei etwas gebärden.

Dat eene mutt sick na dat annere fögen.
Rendsburg

Dat eene up de Knakn, dat ander upn Stakn.

Dat Ei is kläuker o'se dat Haun (Huhn).
Waldeckisch Uppland
la] E stultiore candelabrum.

Dat Ei will klöker wesen, as dat Hohn.

Dat eine mâl schîr, dat andere mâl en spîr.
info] Das eine mal schier, d.i. lauter, unvermischt, das andere mal ein bischen.

Dat eine Older dat slöpt, dat andere dat êt, dat andere dat lûset.
info] Zur Schilderung des verkommenen Alters nach allen Seiten

Dat eine schaf folget dem anderen.
la] Agnus ovem sequitur, capras hoedique petulci.
la] Unam ovem aliae sequuntur, hoc est facile simul decipiuntur simplices.

Dat einen van 't Arweden rîk ward, leit ne drin, wier 't de Fall, mist de Öäsel rîker as de Möller sin.

Dat em de Nase bewert (bebt).

Dat êne dat man will, dat annere dat man mut.
Rendsburg

Dat Enne (Ende) dreggt de Last.
Oldenburg
fr] En la queue et en la fin gist de coutume le venin.
la] In fine summa operis difficultas.

Dat er en dingen als en bäufiest.
Grafschaft Mark
info] bäufiest = Bofist, wahrscheinlich aus bo und fiest zusammengesetzt. Fiest = Bauchwind, Schleicher

Dat erschte Jahr posse von Harte, dat zweite Johr lewe möt Schmarte, dat dritte Johr bifze de bafze, dat vêrde Johr Treppafze.
info] So denkt man sich in der untern Volksschicht das eheliche Leben.

Dat erste Winn'n hôlt de Kieler Jungs nich för gôd.
Süderdithmarschen
hdt] Gleich anfangs beim Spiel zu gewinnen, halten die Knaben in Kiel nicht für gut.

Dat es (hei vertellt) e Mährke (Märchen) met 'm (von) Appelgörke.
Ostpreußen
info] Eine drollige, märchenhafte, mit Humor vorgetragene Erzählung.

Dat es alle plus minus, sied (sagt) Krämer.

Dat es Botter (Butter) ân der Galge geschmêt.
Köln
info] Wenn man seine Hilfe an Unwürdige vergeudet, ungereimte Unternehmungen u.s.w. unterstützt
ho] Boterje tot de galg toe.
ho] Het zou boter aan de galg gesmeerd zijn.

Dat es Bräud (Brot) asse Kistekauken.
Grafschaft Mark

Dat es dat, sacht Schmack, da schlug he de Fru egen Nack.
Aachen

Dat es de Onderbocks van dem Börgermeister.
info] Unterhose, d.i. der Sekretär auf dem Bürgermeisteramte.

Dat es de unrechte Gaitlink.
Iserlohn
info] Drossel, angelsächsisch giddian = singen. In der obigen Redensart, womit man einen gefährlichen Menschen bezeichnet, könnte gaitlink, wie Woeste bemerkt, aus dem altsächsischen gadaling entstellt sein, wie man ja auch in derselben Bedeutung: 'dat es de unrechte Landsmann', gebraucht.

Dat es den Handlanger von Goddes Woord.
Meurs
info] Der Küster

Dat es der Schlonk (Schlund) us Albon.
Bedburg
info] Um einen unerfüllbaren Magen, einen unersättlichen Fresser zu bezeichnen.

Dat es e Gülich'S Leve (Leben).
Köln
info] Womit man einen ungestümen Lärm, Tumult bezeichnet. Die Redensart bezieht sich auf die Bürgerunruhen in Köln unter Nikolaus Gülich und Abraham Sax vom Jahre 1680-86.

Dat es e Übergang, säd de Hahn tom Regenworm, on fret em op.

Dat es en dick Ai (Ei), awwer et birstet noch as 'ne Karthaune.
Iserlohn
info] Von sehr großer Freundschaft, die keine Dauer verbürgt

Dat es en dickriggiger Ohm.
hdt] Ein Ohm mit einem dicken Rücken.
info] Zur Bezeichnung eines reichen Landmanns.

Dat es en dütsken Menschen.
Iserlohn
info] Sagt der Bauer von einem Gebildeten, der auf des Bauern Weise und in dessen Sprache mit ihm verkehrt.

Dat es en kumoude (bequemes) Dingen, sagte de Bûr, doa soagh hä 'n Lampenssnüter (Lichtschere), knîped de Kuale (Kohle) vam Lechte (Lichte) un döüd se der in.
Halver in der Grafschaft Mark

Dat es en Pflaster von Grütten.
Waldeck
info] Ein Pflaster von Grütze; ein verkehrtes Mittel, um etwas zu erlangen oder um sich aus einer Verlegenheit zu befreien.

Dat es en rechten Hans in allen Gaten.
Iserlohn

Dat es en Tollheit, wenn dem Bûre de Pipp steht.
Jerentowitz

Dat es 'et Geld för de Kau, sach de Kärl, da brag he siner Frau enen grosken un siewen penninge na hus.
Grafschaft Mark

Dat es jüst, as wamme 'me Smiele (Schmele) in't Balkenhual hänged.
Grafschaft Mark
info] Von sehr geringer Wirkung, wie ein Tropfen Wasser auf einen heißen Stein, wie wenn eine Kuh eine Erdbeere verschluckt.

Dat es keine Bone wärt.
Iserlohn

Dat es kên Narr, de 't sägt, de ess 'n Narr, de 't lüft.
Lippe

Dat es lelk (garstig), sei de Uehl, do sog se öhr Jongen an.
Meurs

Dat es men pust in de Fust.
Iserlohn

Dat es Mönkearbeid.
info] Faule Arbeit.

Dat es möt Näswasser geniht.
Köln

Dat es 'n slechten biädeler (Bettler), da nitt ene düör missen kann.
Iserlohn
info] Ich kann auch ohne dich fertig werden, ich bedarf deiner nicht

Dat es 'ne Mann, dä sich net mieh gehürig söhen und der Düfel met Weihwasser onge de Oge werpe kann.
Bedburg

Dat es 'ne slechte Hûsfro (Hausfrau), de mit 'n Karkenkled in de Köke geiht.
Bremen

Dat es nett so breit wie et lank es.
Meurs
ho] Dat is net zoo breed, als het lang is.

Dat es nit Foss (Fuchs), dat es nit Hase.
Grafschaft Mark
info] Weder das eine noch andere

Dat es noch nit ute dân (Vorgeschichte).

Dat es 'r äin oane Stein, harre (hatte) de Bûr sagt, doa harr 'e 'n Schnecke gefressen, und gemeint, es sei eine Pflaume.

Dat es Schweilands Dau.
Niederrhein
info] Ist schlechter Acker

Dat es so faste (fest) as Balve (o. asse Düöpen).
Grafschaft Mark

Dat es so gewis as dat twèi mol twèi fèir sind.
Grafschaft Mark
ho] Ik heb het zoo gewis, als of ik het in mijne hand had.

Dat es so gewis as füär der Weärmingser Peute de Mèune (Mond) opgèid.
Iserlohn
info] Wermingser Pforte. Wermingsen ist eine Ortschaft östlich von Iserlohn. Peute für Parte = Pforte

Dat es so sûr (sauer) at et krit.
Grafschaft Mark
info] Von krîten = schreien, also schreiend sauer.

Dat es so taoh asse Rindléär.

Dat es van Plunnen in 't Plätt.
info] Plunnen = Plunder, Lumpen; Plätt = ein abgeschnittenes Streifchen oder Stückchen Leinwand, wie man es etwa zum Verbinden anwendet. Sinn: Durch die betreffende Änderung wird die Sache nicht besser.

Dat es wahret Leiden, wenn't Vigoolke nich geit.
Mockrau bei Graudenz
info] Es ist seht unangenehm, wenn eine Sache nicht gelingt, wenn etwas keinen guten Fortgang hat. Vigoolke = Violinchen.

Dat es wat vün böversten Bön.
hdt] Das ist was vom obersten Boden.
info] Etwas Ungewöhnliches

Dat es, as wamme der Sau en güllen Halsband ümme däud.
Iserlohn

Dat es, as wan de kau' ne Aelberte (Erdbeere) sluiked (schluckt).
Grafschaft Mark

Dat es'n Profit osse wenn êne bi Strauh bäckt.
Waldeck
info] Ein Gewinn, als wenn man bei Stroh bäckt.

Dat ess dem se Brûdschâf (Brotschaf).
Bedburg

Dat ess e groß Tabernakel un wenig Heiligtum.

Dat ess e Krock (Kraut), dat wiss net en jiddem Gaden.
Bedburg

Dat ess e su 'ne Rump Schlump.
Bedburg
info] Unordentliches Frauenzimmer.

Dat ess em gepfiffen.
Bedburg
info] Sagt ihm zu, passt in seinen Kram, entspricht seinen Wünschen.

Dat ess em noch net usgewâssen.
Bedburg

Dat ess em noh der Mütz.
Bedburg
info] Darüber hat er seine Freude; es ist so, wie er's wünscht.

Dat ess en Lieb, de brennt wie Messpôl (Mistjauche) en der Lamp.
Bedburg

Dat ess Fleisch esu frîd we gääl Hoar.
Köln

Dat ess Fleisch esu frîd, dat môss wâl vun er âl Koh ov vun em drüggen Bäuet sin.
Köln
info] Bäuet = trockenem Rinde

Dat ess im 'ne Schlag en de Bocks.
Bedburg

Dat ess kene Speckbohne kochen.
Bedburg
info] Der Ausgang lässt sich nicht vorausberechnen.

Dat ess 'ne Scholderdräger.
Bedburg
info] Einer, der auf beiden Schultern trägt.

Dat ess 'ne Wärme, wenn hä hingen dem Oven sitz.
Bedburg

Dat ess Pott wie de Deckel.
Bedburg
info] Zwei Dinge von gleicher Güte.

Dat ess so glick (gleich) wie de Weg na Niedîk (Neuteich).
Danziger Nehrung

Dat ess Speck un Schwât (Schwarte) vun einem At.
Köln
info] Sie haben sich gegenseitig nichts vorzuwerfen.

Dat ess wie e Schmedsfüerchen (Schmiedefeuerchen).
Bedburg
info] Um schnelle Verbreitung zu bezeichnen.

Dat ess'ne Möhnegrösser.

Dat est 'ne Dankverdener.
Bedburg
info] Augendiener, Mantelträger

Dat este säget me Mieze un hingenoh säget me Katte.
info] Voran geht das freundliche Lockwort.

Dat Eten hett nich Klack noch Smack.

Dat fackelt nig.
info] Damit ist nicht zu spaßen

Dat fallt gôd.
info] Das geht gut, die Karten fallen nach Wunsch

Dat fallt in't Fleth (Kanal).
info] Es ist verloren, vergeblich

Dat fallt int Geld.

Dat fallt in't Gêle (Gelbe).
info] Es fällt in den Dreck, wenn etwas misslingt

Dat fallt mi in de (ut de) Hand.

Dat fällt nicht (o. schwer) ins Gewicht.

Dat fällt wiäch, as dem Kappeziner de Harbül.
Grafschaft Mark

Dat Fatt (Fass) tosloan.
Westfalen
info] Ein Ende mit etwas machen
z] Es ist besser dieses Fass zuzuschlagen und unsere Gedanken auf etwas anderes zu wenden.

Dat Feld hett Ôren un de Busk hett Ôgen.
Ostfriesland

Dat Feld is so kâl, man kann en Lûs mit de Schwêp (Peitsche) drup herumjagen.
Holstein
info] Von einem fruchtlosen oder abgemähten Acker

Dat Fentchen upn Hot steckn.
info] Fröhlich, vergnügt, ausgelassen sein

Dat Fett drifft doch bâwen, all is't ôk van'n dôden Hund.

Dat Fett mutt alltyd bawen (oben) dryven.

Dat find't sick bi'n Beddenmaken.

Dat fingt sich bie 't Utkiehr'n, söä' de Jong, doa ha 'r henner de Döär schöâten.

Dat Fleisch ess esu frîd, do kammer de Zäng op schliefe.
Köln
hdt] Das Fleisch ist so zähe, man kann die Zähne darauf schleifen.

Dat fluscht bäter.
Danzig

Dat flûscht, säd' de Krevt, un schêrt de Pogg de Kutt av.
Mecklenburg

Dat föft' Radd an'n Wagen.

Dat föllt ût de Bilad in de Kist.
info] Es ist gleich, ob der Mann oder die Frau einnimmt oder ausgibt. Die Beilade ist ein Nebenraum in einem Kasten.

Dat Fortuna bonum, sed non durabile donum;
attollit pronum, faciens de rege colonum.
Carmina Burana
dt] Das Glück schenkt Gutes, aber nicht als dauerhafte Gabe; sielässt Erniedrigte aufsteigen, macht aus einem König einen Bauern.

Dat fritt kên Brod (Brot)
info] Von Dingen, die man nimmt und verwahrt, weil sie, wie Haustiere, keinen Unterhalt kosten.

Dat Für (Feuer) is mi in de Schob utgan.

Dat Für (Feuer) wil wohl aale braten.

Dat Für brennt em op de Nöägel.
Ukermark
hdt] Das Feuer brennt ihn auf die Nägel, auch: brennt ihm unter den Nägeln. (Er ist in der dringendsten Gefahr und Not)

Dat Galenus opes, dat Iustinianus honores:
pauper Aristoteles cogitur ire pedes.
Walther, Proverbia sententiaeque
dt] Galenus gibt Reichtum, Iustinian verleiht Ehren: der arme Aristoteles bleibt stets Fußgänger.

Dat ganze Hierohn (Heiraten) es'n Lotteriespiel.

Dat gâpt wît und bitt (beisst) Nüms (niemanden).
Ostfriesland
info] Gapen = den Mund weit aufsperren, gähnen, gapsk = zum Gähnen geneigt, schläfrig, gaffend, unverständig, gierig
ho] Hij moet lanc gapen, die den oven overgapen sal.
la] Oscitat ille diu qui furnum vincit hiando.
la] Qui furnum superet hiando, diu puer hiscet.

Dat gat völ macke (sanfte, ruhige) Schafe in ên'n Stall, un wilde noch mêr.
nl] Er gaan veel tamme schapen in een hok, maar nog meer wilde want die kruipen op elkander.

Dat gäve de Hund sîner Möme (Mutter) nich, wenn se ôk im Kindelbedde läge.
info] Von einer seltenen Leckerspeise
ho] Een hond zou dat zijne moêr niet geven.

Dat gaw Luft, sä(de) de Dêrn, un krêg twe Kinner up'n mâl.

Dat Geblaüte (Geblüt) tüd, sag de Snîder, doa sprank 'e in 'n Dîk un trok den Zîënbok wîër herût.
Plettenberg in der Grafschaft Mark

Dat geer de Hund sin Möm nich, wenn se ôk im Kindelbett läge.
Holstein
info] So was Schlechtes gäbe selbst der Hund nicht und wenn die Mutter im Kindbett läge

Dat gêf Lucht (Luft), säd de lütje Dêrn, un krêch twê Kinner up ênmal.
Holstein

Dat geff em en Schlag in de Bückse.

Dat geht de Runde.
info] Geht aus einer Hand in die andere.

Dat geht holter de polter.
Waldeck
info] Über Kopf und Hals. Auch: Hulter de pulter und Huster de buster
ho] Het is holder de bolder (o. hol over bol).

Dat geht um as 't Hunneleiden.

Dat geht up Lîv (Leib) un Leven.
info] Das ist eine Halssache.

Dat géid ächterä's (rückwärts) as de Hûne krassed (kratzen).
Grafschaft Mark

Dat géid asse gesmeärd.
Grafschaft Mark

Dat geid, dat et schnüff, sag de Junge, doa rêt (ritt) he up de Suege.
Münster
hdt] Das geht, dass es schnauft, sagte der Junge, da ritt er auf der Sau.

Dat geiht dr bilangs, at wenn de Düvel Törf föhrt.

Dat geiht em wie dem Esel, dei twei Herren har: Ein meint ümmer, dei Anner har em all fauret.
Mecklenburg

Dat geiht so ne, Plumen (Pflaumen) öäten, un kein Geld göäwen.

Dat geiht, dat et schnüfft (schnaubt).
Lippe

Dat geit (geht) so eben as wenn Gottlieb danzt.
Pommern
info] So eben, d.h. so langsam, ruhig

Dat geit af as warme Weggen.

Dat geit as de Fleig' inner Bottermilk.

Dat géit as wan der Duiwel 'ne Katte fuksed.
Grafschaft Mark
info] fuksed = fuchsen, fuxen = einen als Herr und Meister wie einen Fuchs hart behandeln, vexieren, plagen, ihm Mühe und Verdruss machen.

Dat géit asse wamme 'ne Katte düär de Dréite jâged.
Grafschaft Mark

Dat geit äwer Krîd (Kreide) un Rôdstên.
Mecklenburg

Dat geit bî Hôsten un Snûwen (Schnauben).

Dat geit bi Kaw un Sträu.
Büren
info] Von dem, was in jeder Weise geht

Dat geit bî Nurten un Stöten as de Swîne pisst.
info] Nurten = Sätzen, Absätzen, Stößen.

Dat geit din Nês (Nase) vorbi.
Holstein
info] Das bekommt er nicht.

Dat geit dôr et Lüsch (Schilf).
Meurs
info] Um zu sagen: das geht zu weit, geht verkehrt

Dat geit em an'n Kragen.
Mecklenburg
ho] Het zal hem zijnen besten kraag kosten.

Dat geit in de Welt un upp't Eiland der mall her.
Ostfriesland

Dat geit in die Quist (Quitz).
Königsberg in der Neumark
info] Das ist verloren.

Dat geit kamp up.

Dat geit kunterbunt to.

Dat geit Lêr (Leder) um Lêr (Leder), brüdst (o. sleist) du mi, ik brüde (sla) di wêr (wedder).
Ostfriesland
info] Wie du mir, so ich dir. In Rendsburg: Leerer um Leerer.
ho] Leêr om leêr, sla je mij, ik sla je weêr.

Dat geit me in de Brüeke (Brüche).
Westfalen
info] Über mein Fassungsvermögen

Dat geit mi nicks an, ick bin 'n Hamborger, sagte der Fuhrmann.
Hamburg
info] Ein Hamburger Fuhrmann, der (im Mai 1865) Feldmarschall Graf Wrangel gefahren hatte, verlangte beim Absteigen in Altona das Fahrgeld. Als man ihn auf die Altonaer Kommandantur wies, gab er die obige, bald sprichwörtlich gewordene Antwort

Dat geit Moder (Mutter) un Gêske an.
info] Das sind Frauensachen.

Dat geit Moder und Geske an.
Ostfriesland

Dat geit na de Lummert.
info] Es geht verloren. Lummert ist der niederdeutsche Ausdruck für Lombard = Leihhaus, so genannt, weil in der Lombardei die ersten Leihhäuser im 14. Jahrhundert entstanden.

Dat geit na dusend Döwel.

Dat geit na Sacken Keller.
Ostfriesland

Dat geit net as de Leferkes (Lerchen), in ên Nacht fett un mager.

Dat geit nich in'n hollen Baum.

Dat geit nich, als rinschoaben (hineingeschoben) un werrer rut (wieder hinaus) ut'n Aoben (Ofen).

Dat geit nich, hadd de Kerl seggt, hadd krapen.
Ostfriesland

Dat geit nig af ane Ducks.
info] Auch Dâks, bezeichnet hier soviel wie Schläge. Ebenso in der Redensart: He krigt Ducks. In Hamburg heißt dâksen = prügeln

Dat geit no de Rêg (nach der Reihe) as in Oldeslo dat Backen; wer kên Mehl hett, de sleit dat över.
info] Oldesloe, eine kleine holsteinische Stadt an der Trave

Dat geit öewer de Köerwe (Körbe).
Büren
info] Überschreitet das Gewöhnliche, ist übertrieben.
z] Das Wasser wohl über die Körbe geht.

Dat geit över de Böme (hoch över all' de Bargen).
Holstein
info] Es ist sehr viel

Dat geit över de Schrewe.
Ostfriesland
info] Linie, Richtschnur, Strich

Dat geit ritschratsch.

Dat geit so lîk (gleich) as de Weg na Bremen.
Hamburg
info] Krumm und schief

Dat geit so lîk als de Weg na Bremen.
info] lik = gleich, eben, gleichmüthig, englisch: like, dänisch: lige; liker = gleicher, liken = gleich sehen. D.h. sehr krumm.

Dat gêit so nich, as Frau goaht sitten.
Recklinghausen

Dat gêit so nich, as wenn 'm (man) en Bûer düer de Dreït (Dreck) jägt.
Recklinghausen

Dat geit so nich, Plûmen (Pflaumen) êten un kên Geld geven.

Dat geit strîk un sett.
info] Von einer Arbeit, die hurtig fortgeht, Strîk von striken, welches nachgeben, fahren oder streichen lassen bezeichnet, und nicht bloß vom Segel streichen, sondern auch vom Niederlassen einer Last, die in der Winde hängt, gebraucht wird.

Dat geit ümmer hulter de pulter.
info] Über Hals und Kopf

Dat geit ümmer över Kopp (Kopf) un Noars.
Mecklenburg

Dat geit um'n golden of um'n îsern.

Dat geit van de Hand in'n Tant.
Ostfriesland

Dat geit von Flessen.
Mecklenburg
info] Es geht gut und rasch von statten

Dat geit vör de Wind in't Gasthûs.

Dat geit wedder na'm olen Barin to.
info] Es geht wieder auf die alte Weise, den alten Krebsgang. - Barm = Bärme, Hefe, Gescht

Dat geit wie von Schapert's Erker.
Litauen
info] Um starken Durchfall zu bezeichnen

Dat geit, dat 't stuft (stiebt), sä de Jung, do rêd he up 'n Katt aver de Plât (Herdplatte).

Dat geit't Sandpatt (Sandpfad) up.
Ostfriesland

Dat Geld hett korte Haare.
Bremen
info] Es lässt sich schwer festhalten

Dat Geld mutt'n von de Lüde nehmen - sä de Afkat - von de Böm schuddeln kann ickt nich.

Dat geld to Wandsbeck.
Hamburg
hdt] Das gilt nicht.
info] Dieses Sprichwort ist wahrscheinlich, wie man einerseits meint, zu einer Zeit entstanden, als das gräfliche Gut Wandsbeck noch sehr unbedeutend war, oder außerhalb des hamburgischen Gebiets lag. Nach anderen verdankt das Sprichwort seine Entstehung der Zuflucht, welche ehemals daselbst unrechtliche Menschen, böse Falliten, Metzen u.s.w. fanden, wie dies aus der Geschichte des adelichen Guts Wandsbeck (Hamburg 1773) zu ersehen ist.

Dat Geld, wat stumm is, mâkt lîk (gerade, gleich), wat krumm is.
Ostfriesland

Dat gelt to Peine up'n Eiermarke.
info] Wenn jemand eine Behauptung aufstellt, die nirgends Gültigkeit hat, so erwidert man ihm: das gilt zu Peine (Stadt im Hildesheimischen) auf dem Eiermarkte.

Dat genk iäm buawwer diäm Hiärten (Herzen) hiär.
Sauerland
info] Es war kein Ernst in der Sache

Dat geschieht ne üm diner göälen Haar wegen.

Dat geschitt (geschieht) nich, on wenn hei söck nêgen on nêgentigmal op en Kopp stellt.

Dat geschüt (geschieht) e-er, äs sik de Kau dat Auge lecket.
Büren

Dat geschütt nich um diner gêlen Hâr.
hdt] Es geschieht nicht um deiner gelben Haare willen.
info] Nicht deinetwegen. Goldgelbe Haare galten einmal für besonders schön

Dat Gesicht mag ick lieden, sä de Bur, do köm'n halben Swienskopp op'n Disch.

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