< Sprichwörter >

Das soll mer kaan Goj wünschen.
info] Es ist ein so großes Übel, dass man es nicht einmal einem Fremden, einem feindlich gesinnten Menschen wünschen soll.

Das soll mich wundern, sagte das Mädchen, aus welchen Loch das wohl herausläuft, da pisste es in ein Sieb.

Das soll mir kein graue Haar machen.
info] Um zu sagen: Das berührt mich gar nicht, geht mich nichts an. Franck drückt dadurch die lateinische Redensart aus: Non est curae Hippoclidi, indem er sie mit folgenden sinnverwandten zusammenstellt: Da wechsst mir kein bart von. Was geht das graf Ego an. Da fragt Contz onsorg vil darnach. Es fragen die von Cöln vil darnach, das die vonn Teutsch kein brot haben. Er fragt vil darnach, was das korn gelt. 'Das Grauen geschieht aus dreierlei Ursach: Die aus Weisheit sorgen, grauen am Haupt, die um Nahrung sorgen, am Bart, die für andere Leute sorgen, am Arsch.'

Das soll mir user sein.
Jüdisch-deutsch
info] Ein Schwur, etwas nicht zu tun.

Das soll nun auch in meinen Sinn:
Zur Majestät ein Luder!
Mir wird für Schrecken siedend heiß,
Wie meine Haare weiß, so weiß
Ist auch gewiss mein Puder,
Und eine Luder-Königin
Ist auch so weiß wie Puder.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VIII

Das soll Otto Bellmann heißen.

Das soll unser Tartsche (Schild) sein.
z] Das soll unser schilt und dartzschen sein.

Das soll unter der Rosen bleiben.

Das sollen wir wissen, dass alle unser Schirm und Schutz allein in dem Gebete steht.
Luther

Das Sollen wird dem Menschen auferlegt, das muss ist eine harte Nuß, das Wollen legt der Mensch sich selbst auf, des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Ein beharrendes Sollen ist lästig, Unvermögen des Vollbringens fürchterlich, ein beharrliches Wollen erfreulich, und bei einem festen Willen kann man sich sogar über das Unvermögen des Vollbringens getröstet sehen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Shakespeare und kein Ende II

Das sollst du keinem Pfaffen dörffen beichten.
info] Als Drohung.

Das sollt ihr mir nicht zweimal sagen!
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer l Schüler Vs 1964

Das sollte ein Schleicher werden und wurde ein Quarrer.

Das sollte einen Kieselstein im Erdreich jammern.

Das sollte man in Marmor schreiben.
nl] Schrijf het in marmer.

Das sollte man keinem Türken tun.
nl] Men zou dat geen' Turk doen.

Das sollten alte weiber wissen, das alte beutel nicht wohl schließen.

Das Sonett ist die Form, mit der man am wenigsten spielen und spaßen kann, für Formverspieltheiten wesenloser Wichtigtuer ist es ganz und gar ungeeignet.
Becher Der Glücksucher und die sieben Lasten

Das Sonett ist schwierig, weil man den Gedanken weder in die Länge ziehen noch abkürzen darf, um die einzelnen Verse auszufüllen.
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Das Sonett verlangt Wissen, Bildung und einen Geschmack, der weder plump noch übermodern verderbt ist.
Becher, Der Glücksucher und die sieben Lasten

Das Sonnenlicht durch eine Öllampe (o. durch eine Fackel) verbessern wollen.
Russland

Das Sonnenlicht ist das allerhellste.

Das Sonnenlicht kann nicht klarer sein.

Das Sonnenlicht nach der Elle messen.
info] Von solchen Freunden der Volksaufklärung, die zwar Licht, aber nur ein von ihnen bestimmtes Maß davon zulassen wollen.

Das Sorgenhemd ausziehen.

Das sorglose von der Mutter verwöhnte Töchterchen wird eine schlechte. Frau.

Das soziale Bewußtsein kann erst dann zur Leidenschaft, zur Tat und zur Wahrheit werden, wenn es in der Seele wirklich religiöser und patriotischer Menschen zum Ausbruch kommt.
Mickiewicz, Tribüne der Völker v. 20. 4. 1849

Das soziale Dreieck wird gebildet durch Kunst, Wissenschaft und Geld.
Balzac

Das sozialistische Bewußtsein ist das Streben des Geistes nach einem besseren, nicht individuellen, sondern gemeinsamen und solidarischen Dasein.
Mickiewicz, Tribüne der Völker v. 17. 4. 1849

Das Sparen ist zu spät, wenn's auf die Neige geht.

Das Sparen kommt zu spät, wenn's auf die Neige geht.

Das Sparnössli singen.

Das Spaßige an der üblichen Erziehung ist, dass man den jungen Mädchen nichts anderes beibringt, als was sie schnellstens wieder vergessen müssen, sobald sie verheiratet sind.
Stendhal, Über die Liebe

Das spät kommt wohl und liegt lang.

Das späte Pflügen des Brachfeldes und eine zeitige Wiederholung stehen für eine leichte Mistschicht.

Das Spieglein in der Sakristei weiß auch, was ein schöner Magister sei.

Das Spiel braucht Aufseher.

Das Spiel bringt's so mit sich.
fr] C'est le droit du jeu.

Das Spiel der Starken ist der Kranken Tod.

Das Spiel des Kälbchens besteht im Herumspringen, das Spiel des Menschen in Sinfonien, Bildern, Poemen, Romanen.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1896)

Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an,
Wenn man den sichern Schatz im Herzen trägt,
Und froher kehr ich, wenn ich es gemustert,
Zu meinem schönern Eigentum zurück.
Schiller, Die Piccolomini, III, 4 (Thekla)

Das Spiel gehet dich an.
info] Ich werde von der Sache nicht berührt, ich habe dabei weder etwas zu gewinnen, noch zu verlieren.

Das Spiel geht dich an, mir geht da weder ab noch zu.
la] Tibi luditur, mihi istie neque seritur, neque melitur.

Das Spiel geht 'rum wie eine Pudelmütze.
Köthen
info] Diese dreht sich gern auf dem Kopfe.

Das Spiel gewonnen geben.
z] So hon wir dan das spil gewunnen, wie suer milch die da ist zerrunnen.
ho] Het spel gewonnen geven.

Das Spiel gleicht einer Erholung, und da man nicht ununterbrochen arbeiten kann, bedarf man der Erholung.
Aristoteles, Nikomachische Ethik

Das Spiel hasst mich.
Köthen
info] Ich habe kein Glück im Spiel.

Das Spiel hast du dir selbst gemacht.

Das Spiel hat auch sein Recht.
la] Ludus animo debet aliquando dari.

Das Spiel hat ein schlimmes Ende genommen.
fr] Le jeu s'est tourné en merde.

Das Spiel heißt: Sieh dich vor.
info] Diese Angelegenheit, dies Geschäft, Unternehmen erfordert besondere Vorsicht.
ho] Het spel is: zich voor dich.

Das Spiel in Händen haben.
info] Seiner Sache gewiss sein.

Das Spiel ist angefangen, es muss fortgesetzt werden.

Das spiel ist auf meinen säckel angesehen.
info] Ich werde dabei zu leiden haben.

Das Spiel ist das einzige, was Männer wirklich ernst nehmen. Deshalb sind Spielregeln älter als alle Gesetze der Welt.
Fliegende Blätter

Das Spiel ist der Wachenden, das Glück der Schlafenden.
la] Jura vigilantibus.

Das Spiel ist ein Faden, der hängt voller Schaden.

Das Spiel ist ein Kübel, in dem steckt alles Übel.

Das Spiel ist ein Pflaster, auf dem gehen alle Laster.

Das Spiel ist ein Verräter, aber der Knüppel ist ein Freund.
Russland
info] Rauben ist sicherer als spielen

Das Spiel ist eine Bank, auf der ruht aller Zank.

Das Spiel ist eine Linde, unter der ruht jede Sünde.

Das Spiel ist eine Wurst, nur gefüllt mit Durst.

Das spiel ist mir zugericht.

Das Spiel ist nicht die Kerzen wert.
Corneille, Le Menteur

Das Spiel ist noch nicht gewonnen, die Kart liegt noch auf dem Tisch.
la] Ne canas triumphum ante victoriam.

Das Spiel ist über uns angericht.

Das Spiel ist ungewiss.

Das Spiel ist zu Ende.
fr] Il faut tirer le rideau.
fr] La farce est jouée.
la] Lusus habet finem. Ovid

Das Spiel kann Hemm Mink ôk spielen.
Holstein
info] Ein Spiel, das sicher und leicht ist, zu dem nicht viel Geschick und Verstand gehört. Von einem schlechten Spieler dieses Namens.

Das Spiel macht einen reich, den andern arm.

Das Spiel reinigt den Säckel, wie die Pillen den Magen.
la] Sero doctus erit nimium qui ludere quaerit.

Das Spiel soll den Mangel der Unterredung ersetzen. Es kann daher nur denen erlaubt sein, die Karten beständig in Händen zu haben, die nichts als das Wetter in ihrem Munde haben.
Lessing, Selbstbetrachtungen und Einfälle

Das spiel treibt unnatürlich hitz, gibt angst und macht den beutel spitz.

Das Spiel und das Negotium bringen die beste (o. bringen alle) Freundschaft um.

Das Spiel verblättern.

Das Spiel verloren geben.
info] Um auszudrücken, dass das Spiel, dass alles verloren ist.
jüdisch-deutsch] Dus Spiél is var'n Tauvel (Teufel.)
ho] Het spel verloren geven.

Das spiel will sich machen.
Luther

Das Spiel will vorwärts.
info] Die Angelegenheit steht gut und will durchgeführt sein.
ho] Het spel will voorwaarts.

Das Spiel wird über mich auslaufen (hinausgehen).
la] In me cudentur haec fata. Terenz

Das Spiel zeigt den Charakter.

Das Spiel, die Frau, der Wein ruinieren den Mann lachend.

Das Spiel, die Frömmigkeit und die Schöngeisterei sind die drei großen Hilfsmittel für die Frauen, die nicht mehr jung sind.
Vauvenargues, Réflexions et maximes

Das Spielen ist ein Laster.

Das Spielhansel.
info] Im 82. Märchen der Brüder Grimm.

Das Spinnrad spinnt nicht ohne zu essen.
Estland

Das Spinnrad tragen.
Italien
info] Unter dem Pantoffel stehen.
it] Portare la conocchia.

Das Spinnwerk ernährt niemanden, wenn das Adereisen (= die Lanzette) nicht hilft.
Estland

Das Spionieren, scheints, ist deine Lust.
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1581

Das sprengt den Rahmen (des Üblichen)
en] that goes beyond of the common practice
fr] cela fait sauter le cadre (des usages établis)
it] ciò esula dal campo dell'usanza comune

Das spricht Bände.
en] That speaks volumes
fr] ça en dit long.
fr] Questo dice tutto.

Das Sprichwort bedeutet, Kinder beobachten ihre Eltern und folgen ihrem Verhalten.)

Das Sprichwort bringt die Würze in die Rede. Somali

Das Sprichwort ist abgeleitet aus Büchern und kann nicht unbeachtet bleiben.

Das Sprichwort ist älter als wir.
Estland

Das Sprichwort ist das Blatt, das man braucht, um ein Wort zu essen.
Afrika

Das Sprichwort ist das Gewissen der Menschen.

Das Sprichwort ist das Salz (o. der Schmuck, die Fleischbrühe) der Rede.

Das Sprichwort ist die Weisheit der Gasse.

Das Sprichwort ist eines Menschen Witz und aller Menschen Weisheit.
Russell

Das Sprichwort ist kürzer als ein Vogelschnabel.

Das Sprichwort ist wie ein Echo.

Das Sprichwort ist wie ein Pferd, wenn sich die Wahrheit versteckt, findet ein Sprichwort sie.

Das Sprichwort kommt vom Verstand und der Verstand vom Sprichwort.

Das Sprichwort kommt von den Verstandesmenschen, und der Verstand von den Sprichwörtern.
Rumänien

Das Sprichwort lügt, aber Milch kann sauer werden.

Das Sprichwort macht den Dieb weise.
Estland

Das Sprichwort meint, je schwächer und hilfloser einer aussieht, desto mehr Mitleid erregt er bei anderen, ihm wird schneller und mehr geholfen als anderen. Seine vermeintliche Schwäche ist die eigentliche Stärke der Bettler und Faulenzer. Dazu steht in der Sprichwörtersammlung von Wilhelm Körte 1837 folgende Geschichte: 'In der Stadt Basel war ein Bettler, welcher dem ersten Kinde, das ihm sein Weib gebar, den Fuß zerbrach; dem Zweiten wollt' er den Arm zerbrechen; die Mutter aber wollte wenigstens ein Kind mit ganzen Gliedern behalten. 'Gut,' sprach der Bettler, 'nimm's hin! Willst du einen Hungerleider haben, so behalt' ihn; ich wollte einen Herrn draus machen, der zu leben hätte, ohne viel Arbeit!'')

Das Sprichwort mit Pflastertreter steht 1837 bei Körte und 1840 in den Sechstausend deutschen Sprichwörtern von Braun, nur bei Simrock steht 1846 Pflasterkneter. Wahrscheinlich hat Simrock falsch abgeschrieben, da der Ausdruck vor ihm nicht vorkommt. Das richtige Sprichwort lautet daher: 'Pflastertreter, Zungendrescher.' Eine Erklärung zum Pflastertreter steht schon 1819 in 'Vollständiges Wörterbuch zur Verdeutschung der in unsere Schrift- und Umgangssprache eingeschlichenen fremden Ausdrücke' ab Seite 467: 'wer gern und gewöhnlich müßig ist, weil er alle Beschäftigung scheut, der geht müßig, er ist ein Müßiggänger. Es gibt wohl keine Menschen, denen der Unwille vielfältigere und verächtlichere Ekelnamen gegeben hat, als den Müßiggängern, die, weil sie selbst ohne Beschäftigung sind, ihren beschäftigten Nebenmenschen die Zeit stehlen: Tagediebe, Pflastertreter, Klatschmäuler, Hechelträger, Kaffeeschwestern, Luleie, Trätscher, Neuigkeitsjäger, Zungendrescher.' Ähnliches ist auch an anderen Orten zu finden, was bei Pflasterkneter nicht der Fall ist.)

Das Sprichwort sagt: Ein eigner Herd,
Ein braves Weib, sind Gold und Perlen wert.
Goethe (1749-1832), Faust I, Garten (Mephisto) Vs 3155

Das Sprichwort sagt: mit vielen Händen
Kann man ein Werk sehr schnell vollenden.
Doch mit viel Köpfen und viel Sinnen
Wird man was Gutes nie beginnen,
Wie Würmer mit zu vielen Füßen
Um desto sachter kriechen müssen.
Butler, Hudibras

Das Sprichwort selten tut betrügen, der viel schwätzet, tut viel lügen.
la] Respice multiloquax, quod sis saepissime mendax.

Das Sprichwort spiegelt den Menschen.

Das Sprichwort unterliegt nicht dem Urteil der Gerichtshöfe.
Russland

Das Sprichwort verbiegt die Bedeutung der Worte.

Das Sprichwort widersteht dem Wandel der Zeit.
Russland

Das Sprichwort wird alt, doch wer sich drin spiegelt, verjüngt die Gestalt.
it] Il proverbio s' invecchia, e chi vuol far bene vi si specchia.

Das Sprichwort wird schon 1616 im Buch 'Teutsche Sprach und Weiszheit Thesaurus Germanicae' von Georg Henisch, Doktor der Medizin (1549 - 1618), aufgeführt. Dort steht es in Spalte 1137 in Verbindung mit dem Glauben: 'Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben. Gott wechselt mit uns wunderlich unser Fleisch, nimmt er an und gibt uns in sein Himmelreich die klare Gottheit darein. Je geringer Glaube, je stärker Fleisch und Blut und je weniger ihm abgebrochen wird. Je näher dem Bein, je süßer Fleisch.' Unzucht und Unkeuschheit bei Frauen waren früher Gründe, die den Weg ins Himmelreich versperrten.)

Das Sprichwort zeigt des Menschen Geist.
en] Proverbs are the spirit of the people.

Das Sprichwort: Edelstein, Blume, Salz und Stern einer jeden Rede.

Das springt in die Augen.

Das Staatsschiff - wie bezeichnend trifft
Das Bild hier den Gedanken!
Dass wir seit langem eingeschifft,
Man fühlt's am steten Schwanken.
A. Grün, Sprüche

Das Staatswohl beruht auf den Gesetzen.
la] Salus civitatis in legibus sita est.

Das Stachelschwein geht an der verlassenen Hundehütte vorbei.
Kosi, Afrika
info] Man versäumt leicht eine gute Gelegenheit

Das Stadtkind ist wie ein Hühnerküken: Speise es ein Jahr von zwölf Monaten, es wird dir nicht zu einem Nachtessen genügen.

Das Stadtvolk ist lang von Zungen und meistens kurz von Händen.

Das standhafteste Mädchen ist leicht zu betrügen.
Estland

Das ständige häusliche Leben des Herrn watschelt (= geht) im Gleichschritt mit dem Gesinde.
Estland

Das stärkste Anzeichen der Entfremdung der Ansichten bei zwei Menschen ist dies, dass beide sich gegenseitig einiges Ironische sagen, aber keiner von beiden das Ironische daran fühlt.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Das stärkste Hindernis für unseren Aufstieg aber bildet die Tatsache, dass wir zu schnell mit uns zufrieden sind.
Seneca (??-65 n. Chr.), Mächtiger als das Schicksal

Das stärkste Kind ist das liebste.

Das Steckenpferd ist das einzige Pferd, das über jeden Abgrund trägt.
Hebbel, Tagebücher, 18. 8. 1836

Das steckt ihn an.
Nürtingen
info] Es ärgert ihn

Das stehet auff bösen Beinen.

Das stehet beym Glück.

Das stehet ihm an, wie dem Zaunstecken ein menschlich Kleid.

Das stehet nicht im Vatter unser.

Das Stehlen is keine Schande, aber 't Wêergêwen (o. Wiederbringen).
info] Spott auf die falsche Scham, welche Bedenken trägt, begangenes Unrecht einzugestehen und gut zu machen, das zu begehen man kein Bedenken trug.

Das Stehlen ist schon erlaubt, aber man muss sich nicht kriegen lassen.

Das Stehlen kostet oft mehr als es einbringt.
info] Beruht vielleicht auf dem Privileg, das der König Evenus III. von Schottland den Dieben gab, dass sie ungehindert ihr Handwerk treiben möchten.

Das steht as arm Lü Korn.
info] Der Bart, das Kopfhaar steht so einzeln wie armer Leute Korn.

Das steht auf der Landkarte.
Schlesien
info] Wird gesagt, um die Merkwürdigkeit eines Orts, Gegenstandes, Baumes, Steins, Gebäudes, Punktes u.s.w. zu bezeichnen.

Das steht auf einem anderen Blatte.

Das steht auf schwachen Füßen.
info] Eigentlich und uneigentlich: sein Ansehen, seine Gesundheit steht auf schwachen Füßen)
la] Ceratis ope Daedalea nititur pennis. Horaz

Das steht bombenfest.

Das steht dir an, wie dem Esel 's Tabakrauchen.

Das steht fest, wie beim Bäcker die Semmel.

Das steht fest: Der Witz, der sitzt nicht in der Mütz'.

Das steht ganz bei mir.
la] In tuo loco et fano est situm.

Das steht ihm so an, das kleidet ihn, als wenn sich die Wasserpolaken (Fliessen) ein Paar Beinkleider anziehen.
ndt] Dem lett't so, as wenn seck de Flies e Pôe Bôxe aftrekt. Jerentowitz im Kreise Graudenz

Das steht ihm wie der Sau ein Sattel.
Eifel

Das steht ihr, wie der Sau eine Bandhaub'.
Eifel

Das steht in den Bauernregeln.
info] Von Sachen, die sehr bekannt und im gemeinen Leben häufig angewandt werden.

Das steht in den Sternen geschrieben
en] that's written in the Stars
fr] ce n'est pas pour demain
it] sta scritto in cielo

Das steht nicht im Text.
fr] Ajoûter à la lettre.

Das steht nicht mehr auf!
info] So etwas kommt nicht wieder
jüd]Loo kom!

Das steht nirgends geschrieben noch gedruckt.
la] Neque fictum, neque pictum, neque scriptum.

Das steht schön und kostet nicht viel.

Das steht so auf der Kante.
ndt] Dat stêt so up de Kante.
info] Es kann leicht herunterfallen.

Das steht wie der Ziege das Kummet.
Franken

Das steht wie vor Rossbach.
Königsberg

Das Steinhaus ist gleich dem Holzhaus.
[RSpW]
info] Mit Bezug auf die Unverletzbarkeit des Hausfriedens, durch den jeder gegen rechtswidrige Angriffe auf Leib und Gut geschützt sein sollte, und der den Mann innerhalb seiner vier Wände gewissermaßen unantastbar macht; das Haus sollte ihn und seine Familie schützen wie der Leib die Seele. Es war daher eins der schwersten Verbrechen, den Mann in seinem Hause 'heimzusuchen' und dort Hand an ihn zu legen. Der Sinn des obigen Sprichworts geht nun dahin, dass es auf die Art und Beschaffenheit des Hauses selbst dabei gar nicht ankomme. Der mächtige Palast des Fürsten schützt ihn nicht mehr im Genusse des Hausfriedens als den armen Mann die arme Hütte.
z] Wo ein Mann seine Wohnung aufschlägt, sei es in einem bloßen Zelte oder in einer Reisenhütte, oder auch in einer Erdhöhle und sich selbst mit seinen Sachen dahin begeben hat, da kann auch sein Hausfriede gebrochen werden.
altfries] Alle lyck, dat steenhus ende dat holtene hus.

Das Sterbekleid macht man ohne Taschen.
it] L' ultimo vestito ce lo fanno senza tasche.

Das Sterben bringt mich noch unter die Erde, sagte die Frau, da ging ein Begräbnis vorbei.

Das Sterben ist das Letzte, was man anfangen kann.
Wallonien

Das Sterben ist das letzte, was man anfangen kann.
Wallonisch

Das Sterben ist die letzte Empfindung des Lebens.

Das Sterben macht einen Sprung wie das Erzeugen, denn es gibt keine Vermittlung zwischen Lebendigem und Totem; daher alle die Zwischenzustände unter Schlaf, Ohnmacht usw. gar nichts mit dem Tode zu tun haben, nicht einmal im Grabe. Der Sprung aber bezieht sich nicht auf die einzelnen Körperteile, ja nicht einmal auf die irdische Seele, sondern auf die einer andern Welt angehörige.
Jean Paul, Selina

Das Sterben spart man bis zuletzt.
la] Et pene post mille est annos vita mortuus ille.

Das sterbende Beamtentum verbreitet den Aasgeruch seiner 'Akten' und 'Zuständigkeiten' überall..
Welskopf-Henrich, Zwei Freunde

Das Sterbenmüssen geht nicht ein dem Toren,
Dem taumelnden, durch Reichtums Blendung Blinden;
'Dies ist die Welt, kein Jenseits gibt's!' So wähnend,
Verfällt er immer wieder meiner Herrschaft.
Yujurveda, Upanischaden des Veda

Das Steuer herumwerfen
en] to change course radically
fr] virer de bord - renverser la vapeur
it] cambiar rotta

Das Steuer soll führen, wer es gelernt hat.
la] Remum ducat, qui didicit.

Das Steuer soll nur einer führen, es ist nicht gut, wenn viel regieren.

Das Steuern nach der Tat kommt viel zu spät.

Das sticht den Schwär auf.

Das sticht ihn hart in Kropf.

Das sticht ihn in die Nase.
info] Reizt seine Begierde, seine Lüsternheit.

Das Stillsitzen und der Müßiggang pflegt adelige tapfere Leiber nicht anders als der Rost das Eisen zu verderben.
Kaiser Maximilian I.

Das stillste Wasser hat den tiefsten Grund.

Das Stimmen muss nicht länger dauern als das Konzert (o. die Musik).

Das stimmt wie eine böhmische Orgel.
info] Passt wie die Faust aufs Auge; wird aber auch angewandt, wenn es wirklich stimmt, z.B. bei Bezahlungen.

Das stimmt wie eine Kirchenrechnung.
info] In der Regel bekommt die Gemeinde sie nicht zu sehen; es ist also niemand, der widerspricht.

Das stimmt, sagte der Inspektor, als der Bauer ausrief: Was ich doch für ein Esel bin!

Das stinkt hier, als wenn sich der Teufel (die Hosen) zerrissen hätte.
Breslau

Das stinkt mir aus dem Magen.

Das stinkt mir herauf.
Wien
info] Ist mir sehr widerwärtig, ärgert mich gewaltig.

Das stinkt nach Gelde.
Luther
info] Wenn es bloß aufs Geld bei etwas abgesehen ist.
ho] Hij stinkt naar conserf van roggebrood zeven vademen in den wind.

Das stinkt wie böhmischer Käse.

Das stinkt wie der Teufel.

Das Stoffartige jeder Sprache sowie die Verstandsformen stehen so weit von der Produktion ab, dass man gleich, sobald man nur hineinblickt, einen so großen Umweg vor sich sieht, dass man gern zufrieden ist, wenn man sich wieder herausfinden kann.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 28.9.1800

Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
Den alten Rang, den Raum ihr streitig macht.
Und doch gelingts ihm nicht, da es, so viel es strebt,
Verhaftet an den Körpern klebt.
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Mephisto) Vs 1351f.

Das Stolzeste, was Menschen sagen können:
'Ich habe gelebt' - das kann ich von mir sagen.
Lienburg, Die Hüter der Mitte

Das Stoppel abgrasen.
info] Von denen, die ihren Acker ausmergeln, dann allgemeiner von unmäßiger Anstrengung und Ausnutzung anderer Gegenstände.

Das stößt mir 's Herz ab.
fr] J'ai un mot, qui m'étrangle.

Das Strafrecht ist von Leuten verfaßt, die das Unglück nicht gekannt haben.
Honoré de Balzac (1799-1850), Die Lilie im Tal

Das Streben meiner ganzen Kraft
ist grade das, was ich verspreche.
Goethe (1749-1832), Faust I

Das Streben nach moralischem Handeln ist das wichtigste Streben des Menschen. Sein inneres Gleichgewicht, ja seine Existenz hängen davon ab. Moralisches Handeln allein kann dem Leben Schönheit und Würde verleihen.
Albert Einstein, Briefe

Das Streben nach Vollkommenheit muss fromm machen.
Hofmannsthal, Andreas oder die Vereinigten

Das Streben, etwas zu besitzen, was wir nicht haben, und etwas zu sein, was wir nicht sind, ist die Wurzel aller Unsittlichkeit.
Shaftesbury

Das Streben, seine Wünsche nach Besitz zu befriedigen, heißt Feuer mit Stroh löschen.
China

Das Streiten lehrt uns die Natur;
Drum, Bruder, recht' und streite nur.
Gellert, Der Prozess

Das Stroh aus der Wiege hängt ihm noch am Arsche.
info] Er ist ein unreifer Bursche.
ho] Hij heeft het stroo van de wieg nog aan zien gat.

Das Stroh mit einem brechen.
z] Strohhalm und Ähre galten bei den Alemannen als Rechtssymbol. Den Halm einer Kornähre brachen und vereinigten die altrömischen Brautpaare zum Zeichen des Eheabschlusses und nannten diese Feierlichkeit nach der dabei verwendeten Stoppel stipulatio. ? Indische, an alter Sitte haftende Bergbewohner lassen bei Schließung ihrer Verträge einen Strohhalm zwischen beiden Teilen brechen, und dieselbe Rechtsform war auch den Deutschen gemeinsam. Schon den Kelten war das Stroh heilig. Brich das Stroh mit ihm, sagt heute noch der englische Kelte dem, welchem er raten will, die Verbindung mit einem andern abzubrechen.

Das Stroh sammeln und die Körner verschütten.
Russland

Das Stroh schonen un bi Flass back'n.

Das Stroh sparen und bei Flachs backen.

Das Stroh, auf welches die Leiche gelegt wurde, muss verbrannt werden.

Das Strohbund wird zum Abend gegeben, der Garnknäuel zu Mittag.
Estland

Das Stück hat ausgespielt.
fr] Tirez le rideau, la farce est jouêe.

Das Stück spielens schon lang nöt mehr.
Wien
info] Um auszudrücken, dass etwas für immer vorüber ist.

Das Stücklein Fleisch, was hinter den Zähnen steckt, tut dem Reiche Gottes mehr Schaden als alle Tyrannen.
info] Misbrauch der Zunge und seine Folgen

Das Studentenleben steckt ihm noch im Kopfe.

Das Studieren kommt ihm nicht sauer an.

Das Studieren stinket ihn an.

Das Studium der Gesellschaft ist deshalb so unschätzbar, weil der Mensch als Gesellschaft viel naiver ist als der Mensch als 'Einheit'. Die 'Gesellschaft' hat die Tugend nie anders angesehen als als Mittel der Stärke, der Macht, der Ordnung.
Nietzsche, Wille zur Macht

Das Studium des Vortrefflichen und die fortwährende Ausübung des Vortrefflichen musste notwendig aus einem Menschen, den die Natur nicht im Stich gelassen, etwas machen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 22.3.1825

Das Studium jeglicher neuen Wissenschaft, besonders einer solchen, welche die ungemessenen Schöpfungskreise, den ganzen Weltraum umfaßt, gleicht einer Reise in ferne Länder.
A. v. Humboldt, Kosmos

Das stündlein bringt das Kindlein.

Das stündlein bringt oft, das viel jahr nit bringen.
fr] Il advient en une heure ce qui n'arrive pas en cent.
it] Accade in un punto quel che non avvien in mill' anni.
la] Insperata accidunt magis saepe, quam quae speres.
sp] Donde menos se piensa, se levanta la llebre.

Das Stündlein bringt's.

Das stündlein bringts.
la] Veritas temporis filia.

Das Stündlein
Bringt das Kindlein.

Das Suchen der Weisheit im Alter ist wie Zeichnen auf Sand, das Suchen der Weisheit in der Jugend wie Eingraben in Stein.
Hebräisch

Das Suchen nach Wahrheit ist immer ohne Arg, unverfänglich und schuldlos; nur in dem Augenblicke, wo es aufhört, fängt die Lüge an bei Christ und Heide.
Gottfried Keller, Der grüne Heinrich

Das Suchen nach Wahrheit, das man mit dem Freien und Werben um sie vergleichen könnte; das Erkennen der Wahrheit,.., der Glaube an die Wahrheit,.. sind die vornehmsten Tugenden des menschlichen Geistes.
Francis Bacon (1561-1626), Über die Wahrheit

Das Suchen steht bei dir, das Finden bei Gott.
Russland

Das Sühngeld für leichtsinnige Ehen wird in Scheidemünze gezahlt.

Das Sündigen ist das Beste an der Reue.
Arabien

Das süß hat sauer zum lohn.
la] Post sussum saurum, post vinum bibite laurum.

Das süß überkommt keiner, er hab denn das saur oder bitter zuvor geschmeckt.
la] Mel nulli sine felle datur, dulcia non meminit, qui non gustavit amara.

Das süß ums maul streichen.
fr] Donner du plat de la langue.

Das Süße bringt den Geier vom Baum herunter.
Kikuju (Kenia)

Das Süße kommt am Ende.
vgl] Das Beste kommt zum Schluß.
la] Dulcis in fundo.

Das Süße kommt oft sauer an.
sd] Det söta har ofta en sur eftersmaak.
sd] Kärleken pröfwar både sött og surt.

Das Süße mit dem Sauern abwechseln zu lassen, beweist einen guten Geschmack. Das Süße ganz allein ist für Kinder und Narren.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das süße Nichtstun

Das Süße und das Saure der Ehe muss in der Ehe verborgen bleiben.

Das süßeste Fleisch wird zuerst madig.

Das süßeste Glück für die trauernde Brust! Nach der schönen Liebe verschwundener Lust
Sind der Liebe Schmerzen und Klagen.
Schiller, Des Mädchens Klage

Das süßeste Glück, das es gibt, ist das des häuslichen Lebens, das uns enger zusammenhält als ein andres. Nichts identifiziert sich stärker, beständiger mit uns als unsere Familie, unsere Kinder.
Rousseau, Briefe an Madame B., Monquin, 17.1.1770

Das Symbol der Wohlstandsgesellschaft ist die wegwerfende Handbewegung.
Fliegende Blätter

Das Symbolische ist oft repräsentativ, z. E. in Wallensteins Lager ist der Bauer mit den Würfeln eine symbolische Figur und zugleich eine repräsentative: denn er stellt die ganze Klasse vor.
Goethe (1749-1832), Riemer, 24.7.1809

Das System der Arzneiverschreibung, wie es unsere Mediziner praktizieren, dünkt mich nichts als eine Modifikation der nämlichen Buß-Idee zu sein, von der die Welt seit ihren Kindheitstagen geplagt wird - der Idee, dass das freiwillige Erdulden von Schmerzen einer Wiedergutmachung der Sünden gleichkomme.
Edgar Allan Poe, Marginalien

Das System ist eine Lehre, die nur dem Erfnder persönlich gehört. Widerspricht es allen andern, so ist das System schlecht, erleuchtet es sie, so ist es gut, wenigstens als System.
Joubert, Gedanken und Maximen

Das Szepter ist ein schweres Ruder.
info] Regieren ist eine schwere Kunst.

Das Szepter soll Augen haben.

Das Szepter will mehr als Luchsaugen haben.

Das Tadelhafte an dir tue zuerst kund.
Aramäisch
info] Ehe die anderen es erzählen

Das Tadeln ist immer ein dankbarerer Stoff als das Loben.
Schiller, Briefwechsel mit Goethe

Das Tadeln ist sehr leicht, jedoch die Kunst ist schwer.
Destouches, Le glorieux

Das Tafeltuch ist zerschnitten.
info] Eine Vereinigung, Versöhnung unmöglich.
z] Vor zwei Jahren war eine Vertagung des Streits möglich, jetzt nicht, das Tafeltuch ist zerschnitten.

Das Tagebuch nimmt die Gestalt eines Objektiven, eines Gerichts an. Das Tagebuch als die unmittelbarste, sich allgegenwärtig fortsetzende Form des Zu-Gericht-Sitzens über sich selbst.
Becher, Auf andere Art so große Hoffnung

Das Tageslicht scheuen
en] to shun the light
fr] redouter la lumière-fuir le jour
it] fuggire la luce del giorno

Das Tagewerk ist abgetan.
Gib, Vater, deinen Segen.
Joh. H. Voß, Abendlied

Das tägliche Brot in der Ehe ist selten wohl und allweg wehe.

Das tägliche Leben ist, wie gesagt, lehrreicher als das wirksamste Buch.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 17.3.1830

Das Tagtägliche erschöpft mich!
Ludwig van Beethoven, an Karl von Baden, 23. Aug. 1823

Das Tagtägliche erschöpft mich!
Ludwig van Beethoven, an Karl von Baden, 23. Aug. 1823

Das Tal bringt auch zur Winterszeit Gras hervor, hohe Berge tragen selbst im Sommer Schnee.
Russland
dä] Gjør saa dalen, at du frygter ei hvo der saa i dalen, staaer paa balden.

Das Tal hat Augen, der Wald hat Ohren.

Das Tal wäre schön, sagte Töffel, wenn man nur nicht müsste über die Berge gehen.

Das Talent arbeitet, das Genie schafft.
Robert Schumann, Denk- und Dichtbüchlein

Das Talent eines Menschen versöhnt uns oft mit der Fragwürdigkeit seines Charakters, wenn wir nicht gerade unter diesem persönlich irgendwie zu leiden haben. Niemals aber sind wir geneigt, uns durch die Vortrefflichkeit eines Menschen gegenüber seiner Talentlosigkeit milder stimmen zu lassen.
A. Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das Talent entwickelt im Praktischen alles und braucht von den theoretischen Einzelnheiten nicht Notiz zu nehmen: der Musikus kann ohne seinen Schaden den Bildhauer ignorieren und umgekehrt.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 379

Das Talent erlernt alles, das Genie weiß alles.
Eckermann, Gespräche mit Goethe, 25.4.1830

Das Talent flattert schwerpunktlos in der Welt und gibt dem Hass des Philisters gegen das Genie süße Nahrung.
Kraus, Heine und die Folgen

Das Talent glaubt freilich, es könne das auch, was es andere Leute tun sieht, allein es ist nicht so, und es wird seine Faux-frais bereuen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 3.12.1824

Das Talent gleicht dem Schützen, der ein Ziel trifft, welches die übrigen nicht erreichen können; das Genie dem, der eins trifft, bis zu welchem sie nicht einmal zu sehen vermögen: daher sie nur mittelbar, also spät, Kunde davon erhalten und sogar diese nur auf Treu und Glauben annehmen.
Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung

Das Talent hat darin fast immer einen Vorsprung vor dem Genie, dass jenes ausdauert, dieses oft verpufft.
Gutzkow, Über Goethe

Das Talent ist dazu da, den Menschen Freude zu geben, und nicht die Menschen sind dazu da, damit sie das Talent wuchern lassen wie einen giftigen Pilz.
Paustowski, Die Windrose

Das Talent ist eben die besondere Aufnahmefähigkeit und Empfindsamkeit des Künstlers, verbunden mit dem Vermögen, seinem Wirklichkeitserlebnis bildhafte Gestalt zu verleihen.
L. Grundig, Was sind äußerliche Effekte?

Das Talent ist eine schreckliche Krankheit. Jeder Schriftsteller trägt in seinem Herzen ein Ungeheuer, das, wie der Bandwurm in den Eingeweiden, die Gefühle verschlingt, sobald sie sich entfalten.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Talent ist freilich nicht erblich, allein es will eine tüchtige physische Unterlage, und da ist es denn keineswegs einerlei, ob jemand der Erst- oder Letztgeborene und ob er von kräftigen und jungen oder von schwachen und alten Eltern ist gezeugt worden.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 14.2.1831

Das Talent ist nichts Leichtes, nichts Tändelndes, es ist nicht ohne weiteres ein Können. In der Wurzel ist es Bedürfnis, ein kritisches Wissen um das Ideal, eine Ungenügsamkeit, die sich ihr Können nicht ohne Qual erst schafft und steigert. Und den Größten, den Ungenügsamsten ist ihr Talent die schärfste Geißel.. Nicht klagen! Nicht prahlen! Bescheiden, geduldig denken von dem, was man trug! Und wenn nicht ein Tag in der Woche, nicht eine Stunde von Leiden frei war - was weiter? Die Lasten und Leistungen, die Anforderungen, Beschwerden, Strapazen geringachten, klein sehen - das war's, was groß machte!
Th. Mann, Schwere Stunde

Das Talent manches Menschen erscheint geringer, als es ist, weil er sich immer zu große Aufgaben gestellt hat.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Das Talent ohne Disziplin ist wie ein Auto ohne Benzin.
it] Il talento senza disciplina è come una macchina senza benzina.
Roberto Gervaso

Das Talent stellet nur Teile dar, das Genie des Ganze des Lebens.
Jean Paul, Vorschule der Ästhetik

Das Talent weiß, dass es durch eben das anzieht, wodurch das Genie abstößt.
Karl Kraus, Auswahl

Das Talent weiß, was zu tun ist, der Takt weiß, wie es zu tun ist.
Unbekannt

Das Talent zu herrschen täuscht oft über den Mangel an anderem Talent.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das tät' ich nicht, um alles auf der Welt.
nl] Ik deed dat niet om al de kveijen van Braband (o. Sebaldeburen).
ho] Ik deed dat om geene houten koe.

Das tät' ich um kein Geld.
nl] Dat deed ik niet voor al het geld van de wereld.

Das taten die Bauern im Bauernkriege.
info] Von den Verheerungen der Bauern im sogenannten Bauernkriege in Schwaben und Franken. Noch heute wendet man die Redensart in jenen Gegenden auf zerstörte Schlösser und Klöster an, wenn sie auch erst im Dreißigjährigen Kriege zerstört wurden.

Das Tätigsein beruht auf dem Tätigseinkönnen. Das Tätigseinkönnen beruht auf dem Tätigsein.
Akutagawa Ryûnosuke (1892-1927), Kappa

Das Tau einziehen.
info] Seine Ansicht ändern und anders verfahren.
la] Funem reducere.

Das Tau etwas schießen lassen.
info] Nachgeben, mehr Freiheit gewähren.

Das Tau ist durchgehauen.
z] Rief man. Nein, rufe ich, haut das Tau nicht durch, es hält den Anker.

Das Tau zu ziehen, liegt dem Schiffer ob.
info] Jeder soll sein eigenes Geschäft kennen.

Das Taubennest ist gut, aber die Tauben sind schwer (bös) herauszubekommen.

Das Taufwasser soll man einmal gebrauchen, das Tränenwasser täglich.

Das taugt den Teufel nicht.
fr] Cela ne vaut pas le diable.

Das taugt in seinen Kram.

Das taugt in seinen Kuchen.

Das taugt nicht einen Bissen.

Das taugt sonst nichts für die kommende Stunde, doch was können die heiligen Götter nicht wenden, wenns ihnen beliebt..
Goethe (1749-1832), An J.Ch.Kestner, 25.12.1772

Das Temperament mancher Leute lässt sie bald einer und derselben Sache müde werden, Beharrlichkeit und Ausdauer können sie nicht ertragen.
Locke, Über den menschlichen Verstand

Das Testament des Verstorbenen ist der Spiegel des Lebenden.
Polen

Das Testament ist ein edeles Buch,
Groß kunst, weisheit es leren thut.
Wol dem, der sich auch helt darnach,
Dem wird Gott segnen all sein sach.
Martin Luther, Von dem neuen Testamentbuch

Das teuer und seltsam, das lieb.
la] Magis illa juvant, quae pluris emuntur.

Das Teuerste ist nicht immer das Beste.

Das teuerste Tuch ist das wohlfeilste.

Das Teufels- und Hexenwesen machte ich nur einmal, ich war froh, mein nordisches Erbteil verzehrt zu haben und wandte mich zu den Tischen der Griechen. Hätte ich aber so deutlich wie jetzt gewußt, wieviel Vortreffliches seit Jahrhunderten und Jahrtausenden da ist, ich hätte keine Zeile geschrieben, sondern etwas anderes getan.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 16.2.1826

Das Teufelsgeschlecht bringt keine gute Geschichte (= nichts Gutes).
Estland

Das Teufelspack, es fragt nach keiner Regel.
Goethe (1749-1832), Faust I, Walpurgisnacht (Proktophantasmist) Vs 4160

Das teuflische Geschick, das wir bei der Erfindung der verschiedensten todbringenden Maschinen entwickeln, die Rachgier, mit der wir unsere Kriege führen, und das Elend und die Verzweiflung, die sie mit sich bringen, sind ausreichende Beweise, um den zivilisierten Weißen, als das wildeste Tier auf dem Erdboden zu kennzeichnen.
Melville, Taipi

Das Theater bildet mehr als ein dickes Buch.
Voltaire, Contes: Les trois manières

Das Theater bleibt immer eine der wichtigsten Angelegenheiten, es knüpft sich aus Vorsatz und durch Zufall gar vieles daran, dass dem jüngeren Manne, der sich eine Zeitlang diesem Kreise gewidmet, eine gewisse Leere bleiben muss, wenn er sich nicht mehr damit beschäftigt.
Goethe (1749-1832), An M.P.(K.) v. Brühl, 2.1.1825

Das Theater hat einen Streit mit der Kanzel oft gehabt, und sie haben einander nichts vorzuwerfen. Es wäre zu wünschen, dass an beiden Orten nur die edelsten Menschen stünden, dass Gott und Natur immer verherrlicht würden.
Goethe (1749-1832), Theatralische Sendung I,22

Das Theater hat wie alles, was uns umgibt, eine doppelte Seite, eine ideelle und eine empirische, eine ideelle, insofern es seiner inneren Natur gemäß gesetzlich fortwirkt, eine empirische, welche uns in der mannigfaltigsten Abwechslung als ungeregelt erscheint, und so müssen wir dasselbe von beiden Seiten betrachten, wenn wir davon richtige Begriffe fassen wollen.
Goethe (1749-1832), Biographische Einzelnheiten - Zum Jahre 1815

Das Theater ist die tätige Reflektion des Menschen über sich selbst.
Novalis, Fragmente

Das Theater ist eine von den Anstalten, die wir am seltensten als Objekt ansehen.
Goethe (1749-1832), Ansprachen - Über die verschiedenen Zweige der hiesigen Tätigkeit

Das Theater ist eines der Geschäfte, die am wenigsten planmäßig behandelt werden können, man hängt durchaus von Zeit und Zeitgenossen in jedem Augenblicke ab, was der Autor schreiben, der Schauspieler spielen, das Publikum sehen und hören will, dieses ist's, was die Direktionen tyrannisiere und wogegen ihnen fast kein eigener Wille übrig bleibt.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Weimarisches Hoftheater

Das Theater ist eins von den wenigen Dingen, an denen ich noch [..] Freude habe.
Goethe (1749-1832), Tagebuch, 13.5.1780

Das Theater ist in dem modernen bürgerlichen Leben, wo durch Religion, Gesetze, Sittlichkeit, Sitte, Gewohnheit, Verschämtheit und so fort der Mensch in sehr enge Grenzen eingeschränkt ist, eine merkwürdige und gewissermaßen sonderbare Anstalt.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Deutsches Theater

Das Theater ist, neben dem Film, die einzige Volkspädagogie der großen Stadt und wird es genau so lange bleiben, wie man die pädagogische Wirkung nicht zur Zwecksetzung missbraucht.
Arnold Zweig, Volksbühnen als politische Anstalten

Das Theater muss und wird eine Geburtsstätte ständig neuer Kräfte und Talente sein..
F. Wolf, Beaumarchais

Das Theater tröste sich mit seinen würdigeren Schwestern, der Moral und - furchtsam wage ich die Vergleichung - der Religion, die, ob sie schon in heiligem Kleide kommen, über die Befleckung des blöden und schmutzigen Haufens erhaben sind.
Schiller, Über das gegenwärtige deutsche Theater

Das Theater überhaupt, so lustig es den Zuschauer dünkt, ist eines der misslichsten Dinge, und so sehr es von der einen Seite an das Ideale zu grenzen scheint oder grenzt, so sehr hängt bei der Einleitung und Behandlung dieser wonnereichen Erscheinung viel von gemeinen und viel von geringen Mitteln ab.
Goethe (1749-1832), An J.L.Tieck, 17.12.1801 (Konzept)

Das Theater verwöhnt uns gar zu sehr, die Musik dient dort nur gleichsam dein Auge, sie begleitet die Bewegungen, nicht die Empfindungen.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VIII,5

Das Theater wird, so wie die übrige Welt, durch herrschende Moden geplagt, die es von Zeit zu Zeit überströmen und dann wieder seicht lassen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Weimarisches Hoftheater

Das Theaterwesen ist ein Geschäft, das vorzüglich mit Großheit behandelt sein will: eben weil es fast aus lauter Kleinheiten besteht, von denen zuletzt eine große Wirkung gefordert wird.
Goethe (1749-1832), An M. P. v. Brühl, 12.3.1815

Das theoretische Denken ist aber nur der Anlage nach eine angeborne Eigenschaft. Diese Anlage muss entwickelt, ausgebildet werden, und für diese Ausbildung gibt es bis jetzt kein andres Mittel als das Studium der bisherigen Philosophie.
Engels, Alte Vorrede zum Anti-Dühring. Über Dialektik

Das theoretische Denken ist aber nur der Anlage nach eine angeborne Eigenschaft. Diese Anlage muß entwickelt, ausgebildet werden, und für diese Ausbildung gibt es bis jetzt kein andres Mittel als das Studium der bisherigen Philosophie.
Engels, Alte Vorrede zum Anti-Dühring. Über Dialektik

Das Thermometer beschäftigt jedermann, und wenn er schmachtet oder friert, so scheint er in gewissem Sinne beruhigt, wenn er nur sein Leiden nach Raumur oder Fahrenheit dem Grade nach aussprechen kann.
Goethe (1749-1832), Versuch einer Witterungslehre

Das Thermometer der Moralität war von jeher die Ehe; so wie es mit den Ehen stand, so standen auch die Aktien der Sittlichkeit.
von Hippel, Über die Ehe

Das tiefe Gefühl aber kann an Schwärmerei grenzen und mystische Gegenstände aufsuchen, von dieser Art sind die meisten Vorstellungen der katholischen Religion, die auch wieder gewissermaßen ihren allgemeinen großen Zirkel haben..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Über die Gegenstände der bildenden Kunst

Das Tiefe hoch, das Hohe tief,
Das Schiefe grad, das Grade schief,
Das ganz allein macht mich gesund.
Goethe (1749-1832), Faust, II, 1 (Zoilo-Thersites)

Das Tiefste in jeder Kultur und das für den Menschen innerlichste Erlebnis, gleichviel ob es sich in kirchlichen Formen oder in der Stille und Einsamkeit der Einzelseele ausspricht, ist die Religion.
Peter Mennicken, Anti-Ford

Das Tier geht auf Schaden des Herrn.
[RSpW]
info] Einige deutsche Rechte forderten vom Herrn für den Frevel, den sein Tier anrichtete, halbe Buße: 'Was der Zahn tut oder der Hund, oder Hahn und Hahnensporn, oder ein unjährig Kind, oder eines Mannes Weib, büßt man mit halber Buße.' Andere germanische Rechte haben den Herrn des Tieres von der Verpflichtung, eine Buße zu erlegen, gänzlich befreit; nur das Tier selbst sollte dem Beschädigten ausgeliefert werden. 'Vor Horn und Huf', sagt die Graugans, 'helfe sich jeder selbst.' In andern norwegischen Gesetzen heißt es: Wenn jemand ein Pferd schlägt, ein Hund beisst, ein Rind stößt, ein Eber haut, da soll es der Herr von sich tun. Bissige Hunde, zahme Wölfe, Affen und ähnliche Tiere mussten beschlossen sein. Außer des Herrn Gewalt sind sie völlig friedlos. Haust und hoft er sie noch nach begangener Untat, so muss er des Tieres Untat büßen; denn dann geht das Tier auf Schaden des Herrn.
fries] Dat beest geyt up schade des herren.

Das Tier hat kein andern Herrn als den Menschen.

Das Tier ist nicht da, deshalb spielt man mit seinen Jungen.
Afrika
info] Wenn ein Mächtiger gestorben ist

Das Tier ist nicht mehr als eine Peitsche wert.
info] Was sehr wenig Wert hat.

Das Tier kann sich langweilen, aber nur der Mensch denkt darüber nach.
Oswald Spengler

Das Tier kennt nicht Vergleich mit dem Gegner, sondern nur dessen Vernichtung.
Stifter, Briefe

Das Tier lebt gewiss weniger bewußt als der Mensch, aber tiefer in der Wirklichkeit.
Jakob Boßhart, Bausteine

Das Tier mit einem langen Schwanz springt nicht gut.

Das Tier nimmt man beim Halfter, den Menschen beim Wort.
tü] Hayvan yularından insan sözünden tutulur.

Das Tier schreit auch, ist eine Kuh, ihr Kind heißt Kalb, ihr Mann heißt Stier, Ochs heißt ihr Bruder, zusammen vier.

Das Tier soll eines Tieres und der Mensch eines Menschen Verstand haben.
Estland

Das Tier taugt zu allem, was es soll, vollkommen, - der Mensch zu nichts recht, als was er lernt, liebt und übt.
Pestalozzi, Der natürliche Schulmeister

Das Tier wird durch seine Organe belehrt, der Mensch belehrt die seinigen und beherrscht sie.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1190

Das Tier wird durch Umstände zu Umständen gebildet, daher seine innere Vollkommenheit und seine Zweckmäßigkeit nach außen.
Goethe (1749-1832), Einleitung in die vergleichende Anatomie IV

Das Tier, das dir in deine Hand gegeben,
Es hat so gut wie du von Gott sein Leben.
Denn jeder, der ein hilflos Tier benützt,
Die Pflicht auch hat, dass er vor Pein es schützt.
Martin Greif, Weihe der Menschlichkeit

Das Tier, das leidet, leidet schuldlos, weil sein Verhalten, sei es wie immer, außer aller Zurechnung liegt.
Fliegende Blätter

Das Tier, so zöpf hat, soll man fliehen.

Das Tier, was die Borsten eigen hat, kämmt sich am wenigsten.

Das Tier, welches man einen guten Montag nennt, hat sechs Füße (sechs Tage), Eberwachsen oder Zähne im Maul, damit zerbeisst es viel Beutel und jaget manchen aus der Stadt, hat einen langen räudigen Schwanz.

Das Tierlein Tan lebt von Luft und Tau. Kann wohl eine Creatur unabhängiger sein, und doch wird es wegen seines Geschreies dem Tanglang zur Beute.
China

Das Tintenfass steht auf des Kaisers Tisch.

Das Tintenfass steht auf des Kaisers Tisch.
info] Achtung der Wissenschaft, Ehre dem Gelehrten, dem Manne von Bildung.
la] Cedant arma togae, concedat laurea linguae.

Das Tischrecht heißt: Nehmt für gut, wie man euch tut; leide dich Gast, sonst bist du eine Last.

Das Tischrecht heißt: Nimm für gut, wie man dir tut.

Das Tischrecht heißt: Nimm für gut,
Wie man dir tut.

Das Töchterchen hüpfte, die Mutter verstand es.
Litauen

Das Töchterlein will die Mutter lehren Kinder gebären.

Das Todesurteil über etwas sprechen.
la] Convertere pollicum.

Das tolle Jahr.
info] So pflegt man von mancher Seite jetzt das Jahr 1848 zu nennen. Übrigens ist der Ausdruck schon früher vorhanden gewesen.

Das Tölpelfleisch muss erst abgeschnitten werden.
Meiningen
info] Wenn sich jemand auf ungeschickte Weise geschnitten (verwundet) hat oder zu Schaden gekommen ist.

Das Tor aller Yamen steht nach Süden offen.
Bist du auch im Recht, ohne Geld gelangst du nicht hinein.
info] Yamen war das Amtsgeäude der Mandarine im alten

Das Tor der Barmherzigkeit ist schwer zu öffnen und schwer zu schließen.
China

Das Tor der Wohltätigkeit ist schwer zu öffnen und schwer zu schließen. China

Das Tor ist (wird) größer als die Stadt.

Das Tor ist gesegnet, da eine tote Tochter ausgetragen wird.

Das Tor steht bei ihm immer offen zum Mist ausführen.
info] Sein Mund fließt stets von unsaubern Reden über.

Das Tor vom Zuhause wird ja nicht zugemacht.
Estland

Das Tor zu eines Beamten Haus gleiche einem Markt. Das Herz eines Beamten sei wie Wasser rein.

Das Tor zur Mystik läßt sich nicht so schwer öffnen, wie die meisten glauben. D'as Schlimme ist, einmal offen, läßt es sich so leicht nicht wieder schließen.
Axutagawa, Nach Aufzeichnungen Yasukichis

Das Tor, das sich nicht zum Almosengeben öffnet, öffnet sich den Ärzten.
Jemen

Das Tote ist dem Leben kein Vermächtnis!
Mühsam, Gebrauchsanweisung für Literaturhistoriker

Das tote Schaf fürchtet den Wolf nicht.

Das Totenbett ist die Wiege der Ewigkeit.
Peter Sirius, Tausend und Ein Gedanke

Das Totenbrot essen.
info] Das Leichenmahl. Der bayerische Oberpfälzer nennt das Abhalten des Leichenmahls das Eindaichteln des Toten, ableitend vom gothischen dauhts, das Mahl. Je mehr dabei getrunken wird, sagt er, desto besser ist es; es kommt dem Toten zugute. Nach der Ilias ist das Brot trauerstillend, oder wie Schiller im Siegesfest das homerische Wort übersetzt: 'Denn auch Niobe, dem schweren Zorn der Himmlischen ein Ziel, kostete die Frucht der Ähren und bezwang das Schmerzgefühl.' Dies ist die Nährkraft, die vor jedem andern Brote dem Totenbrote beigelegt wird. Dasselbe drückt der Spruch im Zend- Avesta aus: 'Niemand wenn er nicht isst, vermag etwas', und zustimmend Psalm (104, 15): 'dass das Brot des Menschen Herz erfreut'.

Das Totenfeld des Mittelstandes ist deshalb so groß geraten, weil in seinen Angehörigen die Staatsgesinnung lebendig war, die dem Staate gab, als er in Not war, was er brauchte und der Einzelne nicht fragte, ob er ihn in Not brächte.
Stresemann, Reden und Schriften

Das Totenstroh macht das Feld nicht froh.
info] Man versteht darunter das Stroh aus dem Bettgestell oder Strohsack, auf dem jemand gestorben ist, und meint in Oberösterreich: dass es dem Felde schade, wenn man es dorthin bringe, oder dem Vieh, wenn es als Streu benutzt werde. Man vergräbt es daher entweder in einem Gehölz oder verbrennt es an irgendeiner Stelle des Leichenwegs.

Das trabende Pferd hört nicht die Geschichten des Erzählers.
China

Das träge Pferd (o. Tragepferd) muss man zuerst auf den Weg rüsten.

Das Tragische im Leben .. ist nicht, dass schöne Dinge jung sterben, sondern, dass sie alt und hässlich werden.
Chandler, Der lange Abschied

Das Tragischste ist ein Mann von Genie, der nicht auch ein Ehrenmann ist.
Shaw (1856-1950), Der Arzt am Scheidewege, 4 (Dr. Ridgeon)

Das trägt die Katze auf dem Schwanze (o. Zagel) fort.
Preußen

Das trägt kein Brot ins Haus.
la] Non est de pane lucrando.

Das Trapsen der Nachtigall ist dem anderen sin Uhl!
[ASpW]

Das Traurigste, was die Französische Revolution für uns bewirkt hat, ist unstreitig, dass man jede vernünftige und von Gott und Rechts wegen zu verlangende Forderung als einen Keim von Empörung ansehen wird.
Lichtenberg, Politische Bemerkungen

Das traute Heim erspart dir eine Menge Arbeit, weil es dir keine Zeit für sie lässt.

Das treffende Wort kann dem Dolch Deines Gegners die Schärfe nehmen.

Das treffende Wort setzt die Nadelspitze auf den Scheitelpunkt.

Das Triebwerk der Frau ist viel stärker als das unsere, all seine Hebel bewegen das menschliche Herz.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das Trinken hat Gott geschaffen.

Das Trinken ist gescheiter,
Das schmeckt schon nach Idee,
Da braucht man keine Leiter, Das geht gleich in die Höh.
Eichendorff, Tafellieder

Das Trinken richtet den Menschen zugrunde.

Das Trinken schickt auf ein weites Feld.
info] Es macht obdachlos

Das Trinken von Storchblut gegen Krankheit und für langes Leben

Das Trinken wär' schon angenehm, wenn nur der Katzenjammer nicht käm'.
dk] Sødt er at drikke, og surt er igien at give.

Das Trinkgeld ist verdient.
info] Das kleine Geschenk, das Dienstboten, Arbeitsleuten u.s.w. gegeben wird.
z] Wie kommt's, dass der gemeine Mann um Trinkgeld pflegt zu bitten? Auf Essegeld begehrt er nichts? Es sind noch deutsche Sitten.
fr] Donner les épingles aux servantes.

Das trockene Blatt fällt vom Baum, und das grüne Blatt fällt vom Baum.
Afrika

Das Trommeln am jüngsten Tag verschlafen.

Das Trommeln macht sich gut, wenn man es von ferne hört.

Das Tröpflein wird das Meer, wenn es ins Meer gekommen,
Die Seele Gott, wenn sie in Gott ist aufgenommen.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Das Trugbild der Diktatur ist die unfehlbare Meinung: das der Demokratie die unabhängige Meinung.
Fliegende Blätter

Das Trumm nicht finden können.
info] Vom Abspinnen des Fadens. Beim Denken oder Reden aus dem Konzept kommen.

Das Trumm verlieren.

Das trunkene Elend weinen.

Das Trünklein macht (ihn) schwatzen.

Das Trünklein macht schwatzen.

Das Tu' doch, lass dich vom Schaf beißen.

Das Tu' doch, lass dich von der Köchin hacken.

Das tu ich für Euch alle! sä de Pastor un sop den Bramwien alleen ut.

Das tu' ich für euch alle, säd' de Paster, soff den Branntwein allein ut.
Hamburg

Das Tuch bedeckt der Frau Haar, (aber) nicht der Frau Scham.
Estland

Das Tuch hängt ihr nach dem Witwer.
info] Von einem Frauenzimmer, deren Tuchzipfel schief hängt, was man als Vorbedeutung betrachtet, dass sie einen Witwer heiraten werde.

Das Tuch hat nicht weiter gelangt, sagte die Dirne, deren Kleid von den Schultern nur bis an die Hüfte ging.

Das Tuch is no nit gewalchets.
info] Der Mensch hat noch keine Erfahrung.

Das Tuch kennt man am Faden.
fr] On connoit le drap à la filure.

Das Tuch muss geklopft werden, sonst kommen die Schaben 'rein.

Das Tüchtige, und wenn auch falsch,
Wirkt Tag für Tag, von Haus zu Haus,
Das Tüchtige, wenn wahrhaft ist,
Wirkt über alle Zeiten hinaus.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien II

Das Tüchtig-Regsame ist ganz allein wohltätig!
Goethe (1749-1832), An B. G. Niebuhr, 23.11.1812

Das tue der Teufel.
info] Das tue ein anderer als ich.

Das Tue, wer da will.

Das tugendhafte Herz wird, wie der Körper, mehr durch Arbeit als durch gute Nahrung gesund und stark.
Jean Paul, Hesperus: Wetterbeobachtungen über den Menschen

Das tun alle bösen lecken, hinten kratzen.

Das tun alle Dichter: Sie reden laut mit sich selbst, und die Welt hört mit.
Shaw (1856-1950), Candida

Das Tun der denkenden Hand nennen wir alle Tat.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Tun interessiert,
Das Getane nicht.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien

Das Tun ist in eigener Hand, das Segnen in Gottes Hand.
Estland

Das Tun zeigt besser, wie geschickt einer ist, als das Reden.

Das Tüpfel auf dem i fehlt nicht.
info] Es ist alles vollendet, es fehlt nicht das Geringste.

Das tut aber der Kluge nicht, dass er Irrende hasst, sonst müsste er sich wohl selbst hassen; er denke nur daran, wieviel er gegen die gute Sitte tut, wie mancher seiner Handlungen Verzeihung not tut. Da muss er schon auch auf sich selbst zürnen.
Seneca (??-65 n. Chr.), Drei Bücher über den Zorn

Das tut die Jugend. Werden sich schon legen, die stolzen Wellen.
Goethe (1749-1832), Stella A I, Im Posthause (Postmeisterin)

Das tut doch der Liebe keinen Abbruch.

Das tut ihm den Dampf.
info] Gibt einen herben, vielleicht den letzten Stoß, kränkt tief, führt den Untergang, das Ende herbei.
z] Lieber Herr Pastor, das Wort tut ihr den Dampf.

Das tut ihm die Tür zu.
info] Sagt man, wenn sich jemand durch eine schlechte Handlung in Misskredit bringt.

Das tut ihm wohl in der linken Kniescheiben.

Das tut kein tot Pferd.
info] Nämlich niesen, was ein Zeichen von Leben und Gesundheit ist.
ho] Dat doet geen dood paard.

Das tut keiner Laus im Auge wehe.
info] So gering und unbedeutend ist die Gabe.

Das tut meinem Herzen wohl.
nl] Dat doet mij goed aan het hart.

Das tut weher als aufm Schienbein schürfen.

Das tut wohl, wie ein neugewaschenes Hemd.
Steiermark

Das tut wohler, als den Räudigen das striegeln und den Grindigen das strälen.

Das tut, sie sind von Affenberg.

Das tuusigs Wärk, ist halbe Chuder.
info] Kuder = Werrig, d.i. Abgang vom Flachse beim Hecheln.

Das Übel der Völker liegt - obgleich oft sorgfältig vor ihnen verborgen - in den Hemmnissen oder Übereilungen, wodurch ihre selbstsüchtigen Repräsentanten den natürlichen Lauf der Dinge beeinflussen.
Martí, an Federico Henriquez y Carvajal, 25. 3. 1895

Das Übel drängt sich immer zwischen gute Männer.

Das Übel erreicht seinen Gipfel, wenn es verkehrten Gemütern gelingt, den Regenten zu bereden, dass sein Interesse von dem Interesse seiner Untertanen verschieden sei.
Friedrich der Große, An Karl von Württemberg, 1789

Das Übel führt zur Bibel.

Das Übel hat auch sein Gutes.

Das Übel ist erst da, wenn man es laut verkündigt,
Der aber sündigt nicht, der im Verborgnen sündigt.
Molière, Tartuffe

Das Übel ist für die, welche es suchen.

Das Übel kommt geritten und geht zu Fuß wieder weg.
la] Ad mala patrata, sunt atra theatra parata.

Das Übel nährt sich nur von seinesgleichen. Weise Menschen vergalten daher nicht Böses mit Bösem, sondern immer nur mit Gutem und brachten dadurch das Böse zu Fall.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Übel, das auf der Menschheit ruht,
Ist eine gemeinschaftliche Last;
Was du davon auf dich genommen hast,
Kommt als Erleicht'rung den andern zugut.
Rückert, Vierzeilen

Das Übel, das du fürchtest, wird gewiss durch deine Tat.
Goethe (1749-1832), Egmont (Egmont)

Das Übel, vor dem man Angst hat, an dem geht man zugrunde.
es] De mal que hombre teme de ése muere.

Das Übel, was uns trifft, ist selten so schlimm als das, welches wir befürchten.
Johann Christoph Friedrich von Schiller

Das Überbleibsel ist besser als das Gericht.
nl] Het overblijfsel van den disch helpt meer, dan dat gegeten is.

Das Überbleibsel ist mehr wert, als was gessen hat.

Das Überflüssige ist das zutiefst Notwendige, weil es der Wunsch der Freiheit ist.
Eschmann

Das Überflüssige ist ein höchst notwendiges Ding.
Voltaire, Satire Le Mondain

Das Überflüssige macht nicht fett, wen nicht die Mäßigkeit ernährt.
Finnland

Das Überflüssigste auf der Welt ist ein kleinbürgerlicher Philosoph.
Tucholsky, Endlich die Wahrheit über Remarque

Das überhandnehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam, aber es hat seine Richtung genommen, es wird kommen und treffen.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III,13

Das Übermaß der Freiheit wird Sklaverei, denn wenn es keine Autorität mehr gibt, so ist der Starke unumschränkt, und der Schwache verfällt dem Rechte der Faust. Die Überspannung der Freiheit führt nicht allein zur Knechtschaft, sondern ist selbst schon Knechtschaft.
Treitschke, Politik

Das Übermaß sprengt den Deckel.
fr] Le surplus rompt le couvercle.
it] Il soverchio rompe il coperchio.

Das Übermaß von grausamer Selbstsicherheit bringt dieses Lächeln hervor, das sich nicht nachweisen läßt, das man nur ahnt, das tief verwirrt, in Grauen stürzt, fesselt, dem man sich widersetzt, und das man schließlich verehrt.
Heinrich Mann, Pippo Spano

Das Übermenschlichwerden können fassen
Nicht Worte: der Vergleich mag dem genügen,
Den Gnade selbst es wird erfahren lassen.
Dante, Paradies, I, 67/70

Das Überraschende macht Glück.
Schiller, Dom Karlos (König)

Das Überschreiten des Po bringt Unglück.
info] Vor altersher war bei den Bündnern das Sprichwort, dass ihnen Unglück bevorstehe, wenn sie über den Po, in das Vaterland ihrer Altvordern, träten.

Das Üble ist mit dem Guten vermischt.
la] Sunt mala mixta bonis.

Das übrige dieser Art - und es ist allzu viel - könnte selbst den geschwätzigen Fabius müde machen.
la] Cetera de genere hoc, adeo sunt multa, loquacem / delassare valent Fabium.

Das Ufer ackern.
info] Unnütze Arbeit.

Das unablässige Schaffenwollen und Nach-außen-Spähen des Künstlers hält ihn davon ab, als Person schöner und besser zu werden, also sich selber zu schaffen.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Das Unangenehme, das ein Beweis besitzt, lässt sich schwerlich als Grund für seine Unrichtigkeit betrachten.
Buckle, Geschichte der Zivilisation in England

Das unaussprechlich innige aller Musik, vermöge dessen sie als ein so ganz vertrautes und doch ewig fernes Paradies an uns vorüber zieht, beruht darauf, dass sie alle Regungen unseres innersten Wesens widergibt, aber ganz ohne die Wirklichkeit und fern von ihrer Qual.
Schopenhauer

Das unbedeutendste Gesicht macht einen tiefern Eindruck als die bloße Empfindung des Schönen..
Büchner, Lenz

Das unbefangene Gemüt hält sich vertrauensvoll an die öffentlich bekannte Wahrheit.
Hegel

Das Unbekannte ist eine Ausnahme, das Bekannte eine Enttäuschung.
Francis M. de Picabia, Aphorismen

Das Unbekannte ist immer großartig.
Slowakei

Das UnbeschreibIiche,
Hier ist's getan.
Goethe (1749-1832), Faust, II (Chorus mysticus)

Das unbeständig glück behelt stets sein list und Tück.

Das und das ein macht den Säckel rein; das und gins bringt einen großen Zins.

Das undankbare Huhn frisst bei dir und legt anderswo die Eier.
tü] Nankör tavuk sende yer, başkasında yumurtlar.

Das Undankbarste, weil Unklügste, was es gibt, ist Dank verlangen.
Th. Fontane, Unwiderbringlich verloren

Das uneheliche Kind war in einer Flasche versteckt, und es steckte einen Finger heraus.
info] Es konnte nicht ganz unterdrückt werden
Suaheli

Das Unendliche aber oder die vollständige Existenz kann von uns nicht gedacht werden. Wir können nur Dinge denken, die entweder beschränkt sind oder die sich unsre Seele beschränkt. Wir haben also insofern einen Begriff vom Unendlichen, als wir uns denken können, dass es eine vollständige Existenz gebe, welche außer der Fassungskraft eines beschränkten Geistes ist.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Studie nach Spinoza

Das Unendliche gibt kein Bild; denn es hat keinen Umriß..
Herder, Briefe zu Beförderung der Humanität

Das unentdeckte Land, von des Bezirk
Kein Wandrer wiederkehrt.
Shakespeare (1564-1616), Hamlet, III, 1 (Hamlet)

Das unerforschliche Wesen, das alles umfasst, das die Welt bewegt und den ganzen Zusammenhang der Wesen formt, ist für unsere Augen nicht sichtbar und für unsere Hände nicht tastbar, es entzieht sich unseren Sinnen. Das Werk zeigt sich, der Werkmeister verbirgt sich.
Rousseau, Emile

Das Unerreichbare ist groß.
Hindi, Indien

Das Unerreichliche doch reizt am meisten!
Hamerling, Ahasver in Rom

Das Unerträgliche, das man so lange fürchtet, ja voraussieht, wird nicht erträglicher dadurch, dass es in die Wirklichkeit hereintritt, es übt alsdann erst seine eigentliche ganze Gewalt aus.
Goethe (1749-1832), An S. Boisserée, 6.7.1828

Das Unerwartete zu erwarten, verrät einen durchaus modernen Geist.
Oscar Wilde, Sätze und Lehren zum Gebrauch für die Jugend

Das unfehlbarste Mittel, Autorität über die Menschen zu gewinnen, ist, sich ihnen nützlich zu machen.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Ungebackene (= Zähe) lässt aufquellen, der Fladen aus Gerstenmehl abnehmen.
Estland

Das Ungeheuer [Rebellion], das sich mit tausend Klauen regt,
Liegt kraftlos, wenn man ihm die Häupter niederschlägt.
Goethe (1749-1832), Jahrmarktsfest zu Plundersweilern (Haman)

Das Ungeheure hört auf, erhaben zu sein, es überreicht unsere Fassungskraft, es droht uns zu vernichten.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre I,10

Das Ungeheure lässt keine Mannigfaltigkeit zu.
Goethe (1749-1832), Tagebuch, 4.10.1797

Das Ungeistige des Reflexkünstlers bekundet sich im Kastratentum eines geschwollenen, innen hohlen Sprachleibs.
F. Wolf, Vom Untergang der Sprache

Das Ungeteilte zieht das Geteilte.
info] Um die für nachtheilig gehaltene Zerstückelung liegender Güter möglichst zu verhüten, hatte man dem Hauptgut ein Näherrecht für Rückerwerb des abgezweigten Theils verliehen, sobald die Umstände dazu sich boten.
mhd] So sal daz ungedailt daz getailt.

Das Ungewöhnliche kann natürlich sein, scheint es aber demjenigen nicht, der auf seinen eigenen Ansichten verharrt.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise III, Dezember 1787 - Bericht

Das Ungewöhnliche und Falsche hat mehr Macht über die Menge als das Einfache und Wahre.
M. Grimm, Der Dünkel des Jahrhunderts

Das Ungewohnte schadet dem Menschen, darum starb der Bojar, als er einmal die Wahrheit gesprochen.
Rumänien

Das ungezeumpte Maul nach Unglück ringt.

Das Unglaubliche verliert seinen Wert, wenn man es näher im einzelnen beschauen will.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre III,15

Das Unglück [..] fällt über Gute und Böse. Es ist eine wirksame Arzenei, welche die guten Säfte zugleich mit den üblen angreift.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre I,5

Das Unglück anderer trägt sich leicht.
en] It is easy to bear the misfortunes of others.

Das Unglück bindet den Leuten die Köpfe zusammen.
Schweiz

Das Unglück bleibt überschaubar, sagte der Mann und heiratete ein kleines Frauchen.

Das Unglück blüht ihm vor der Tür.

Das Unglück blüht ihm vor der tür.
info] Als sinnverwandt führt an: 'Die Sankten kommen um hoer was.'
la] Ad deorum aures peruenit.

Das Unglück bringt die Gottlosen um.

Das Unglück darf wohl schlagen, aber nicht erschlagen.

Das Unglück demütigt nur den, welchen das Glück stolz gemacht hat.

Das Unglück der Brabanter und Flamänder war das Glück der Holländer und Seeländer.
Frankreich
bm] Dokud jednomu se nesetmí, nemůz druhému svílati.
ho] Door des eenen ongeluk komt een ander uit den druk.

Das Unglück der Erde war bisher, dass zwei den Krieg beschlossen und Millionen ihn ausführten und ausstanden, indes es besser, wenn auch nicht gut gewesen wäre, dass Millionen beschlossen hätten und zwei bestritten.
Jean Paul, Freiheitsbüchlein

Das Unglück der gegenwärtigen Menschheit ist dadurch gekommen, dass die Ablehnung des Willens, Geistiges aufzunehmen, aufs Höchste getrieben worden ist.
R. Steiner, nach Wachsmuth: Die Geburt der Geisteswissenschaft

Das Unglück der lateinischen Rasse kommt davon, dass sie sich lieber für Worte als für Taten begeistert.
Henry Céard, Vorwort zu den Werken Alphonse Daudet

Das Unglück der Menschen ist, dass sie lieben, sich zum Schulmeister anderer zu machen.

Das Unglück der Menschen kommt von den Menschen.

Das Unglück der Menschen wurzelt darin, dass sich gerade die Dummköpfe für klug halten.
Karl Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Unglück des Erde war bisher, dass zwei den Krieg beschlossen und Millionen ihn ausführten und ausstanden, indes es besser, wenn auch nicht gut gewesen wäre, dass Millionen beschlossen hätten, und zwei gestritten.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Das Unglück des Falken ist: zerbrochene Flügel und einen ganzen Schnabel zu haben.

Das Unglück folgt dir wie dein Schatten.

Das Unglück frisst um sich, wie der Krebs.

Das Unglück gebraucht allzeit sein tück.

Das Unglück geht auf der Erde herum, besucht aber nur die Menschen.
pl] Nie chodzi niszczęśeie po ziemi, jeno po ludziah.

Das Unglück geht mit.

Das Unglück geht von da aus, wo die Krankheiten eingehen, durch den Mund.
China

Das Unglück hält sich nicht an Besuchstage.

Das Unglück hat breite Füße, sagte der Bauer, da sah er einen Mönch kommen.
Köln

Das Unglück hat breite Füße.

Das Unglück hat breite Füße.
info] Es trampelt alles nieder

Das Unglück hat keinen Stall, sonst sperret man's ein.
Rotttal

Das Unglück hat keinen Trompeter in seinem Gefolge.

Das Unglück hat nie einen Mann vernichtet, den das Glück nicht betrogen hatte.
England

Das Unglück hat rasche Boten.
Samogitien

Das Unglück hat religiöse Verpflichtungen wieder in Erinnerung gebracht.
var] Not lehrt beten.
la] Adversae deinde res admonuerunt religionum.

Das Unglück hört und sieht genau, man darff nicht laut schrein.
mhd] Dat ungelucke süt unde hôrt nouwe.
la] Lors adversa nimis caute speculatur et audit.
en] Ill news comes apace.
fr] Tout le monde tombe sur le pauvre.
ho] Een ongeluk luistert naauw.

Das Unglück ist dem Feigen ein Riese, dem Mutigen ein Zwerg.

Das Unglück ist der Fürsten bester Lehrmeister.

Das Unglück ist der Prüfstein der Freundschaft.

Das Unglück ist der Prüfstein des Charakters.
Samuel Smiles, Charakter

Das Unglück ist ebenso wie der Ruhm imstande, Energien zu wecken.
Maurice Barres, L'appel au soldat

Das Unglück ist eine vortreffliche Arznei, wovon eine Gabe für viele Krankheiten zugleich hilft.
China

Das Unglück ist im Kriege ebenso wandelbar als das Glück.

Das Unglück ist im Staat, dass niemand leben und genießen, sondern jeder regieren, und in der Kunst, dass niemand sich des Hervorgebrachten freuen, sondern jeder seinerseits selbst wieder produzieren will.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 20.4.1823

Das Unglück ist kein Kostverächter.
info] Es trifft jeden

Das Unglück ist noch zu ertragen, sagte der Schiffer, ist auch das Schiff verloren, habe ich doch den Schöpfeimer gerettet.
nl] Wel beslagen, zei schipper Auke, het schip verloren, maar het hoosvat behouden.

Das Unglück ist oft die Tochter einer guten Mutter.

Das Unglück ist unser größter Lehrmeister und unser bester Freund.
France, Die rote Lilie

Das Unglück ist unsere Mutter, das Glück unsere Stiefmutter.

Das Unglück ist, dass jeder denkt, der andere ist wie er, und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt.
Heinrich Zille

Das Unglück kann die Weisheit nicht -
Doch Weisheit kann das Unglück tragen.
Bodenstedt, Die Lieder des Mirza Schaffy

Das Unglück kehrt beim Armen ein.
jüdisch-deutsch] Schlimm-Massel (Unglück), wühin gehst dû? Zum Urmmann. Um zu sagen, dass der Arme das meiste Ungemach zu erleiden habe.

Das Unglück kehrt nicht immer da ein, wohin man ihm den Pass visiert.
info] Es geht denen nicht allzeit übel, denen man alles Unheil auf den Hals wünscht.
it] Il male non stà sempre dove si pone.

Das Unglück kommt aus dem Mund heraus, deshalb achtet der Weise auf seine Worte. Die Krankheit kommt zum Mund herein, deshalb isst und trinkt ein Weiser mäßig.

Das Unglück kommt bei Haufen.

Das Unglück kommt entweder über das Kamel oder den Kameltreiber, oder den Eigner des Kamels.
Orient

Das Unglück kommt immer durch die Tür, die man für es offen gelassen hat.
Böhmen

Das Unglück kommt immer nach Mitternacht.
Italien

Das Unglück kommt immer nur zu der Tür herein, die man ihm offen gelassen hat.
info] Bei den Slowenen kommt es über die Leute, nicht über die Berge.
bm] Ne?tĕstí ne po horách, ne? po lidech se tlevce.
bm] Ne?tĕstí nechodí po horách, ale po lidech se tluče.
pl] Przygody po ludziach, nie po drzewach chodzą.

Das Unglück kommt in Pfunden und geht in Unzen.
en] The mischief comes by the pound and goes away by the ounce.

Das Unglück kommt ja nicht einzeln oder geht nicht zu zweien.
Estland

Das Unglück kommt mit Haufen.

Das Unglück kommt mit Pfunden und nimmt mit Unzen ab.

Das Unglück kommt nicht mit einer Glocke um den Hals.
Estland

Das Unglück kommt niemals weinend herein.
Livland, Lettland

Das Unglück kommt oft haufenweise.

Das Unglück kommt ungebeten.

Das Unglück kommt uns mit Maltern zu und nimmt mit Mäßlein wieder ab.

Das Unglück kommt uns zwischen die Beine, wie der Knüppel dem Hunde.
nl] Het ongeluk komt ons toe, gelijk de knuppels aan de honden.

Das Unglück kommt zu Pferd und geht zu Fuß.
Rätoromanisch

Das Unglück lauert am Wege.
bm] Ne?tĕstí v?dycky hotovo.

Das Unglück lauert in jedem Winkel.
nl] Een ongeluk zit in een klein hoekje.

Das Unglück macht von weitem abwendig.

Das Unglück macht zu Weisen.
la] Et calamitas virtutis est occasio.

Das Unglück muß man überbösen.

Das Unglück muss man überbösen.
info] Tritt ihm mutig entgegen, so fürchtet es dich, fliehe, so jagt es dich!

Das Unglück packt seine Pillen in kein bunt Papier.
info] Sehr viele hadern nur darum mit dem Schicksal, weil es ihnen die Pillen nicht mit der Zierlichkeit eines Apothekers reicht.

Das Unglück scheint fern, doch ist es oft in der Nähe.
Niederlande

Das Unglück schickt keine Boten.

Das Unglück schlägt aus uns leuchtende Funken.

Das Unglück schreitet schnell.
Schiller, Das Lied von der Glocke

Das Unglück sitzt nicht hinter den Bergen, es hockt dir auf dem Rücken.
Russland

Das Unglück sitzt nicht immer vor armer Leute Tür.

Das Unglück sitzt nicht immer vor armer Leute Tür.
fr] Le malheur n'est pas toujours à la porte d'un pauvre homme.

Das Unglück sitzt nicht immer vor einer Tür.

Das Unglück soll ihnen in jhrem eigen garten wachssen.

Das Unglück tötet nicht, es weist einen Weg.
Russland

Das Unglück trage mit geduld, daran du weist dein eigen schuld.
la] Quod pateris merito, patienter ferre memento.

Das Unglück trifft nur den Armen.
fr] Le malheur poursuivit l'infortune.
la] Canis semper infestat pauperem peregrinum.

Das Unglück tut sich wenden, kommt Glück von allen Enden.

Das Unglück vereinsamt nicht nur, es bringt auch die kleinlichen Vorurteile der Gesellschaft zum Schweigen.
Honoré de Balzac (1799-1850), Die Lilie im Tal

Das Unglück wächst über nacht.

Das Unglück will gerühmt seyn, dass man noch sagen muss, Gottlob, dass es nicht erger ist.

Das Unglück wird einmal müde, uns zu verfolgen.
Niederlande

Das Unglück wohnet überall.

Das Unglück zeigt den großen Mann.
la] Adversa magnos probant.
la] In proclivi mala.

Das Unglück, das man selber heraufbeschworen hat, lässt sich nicht aufhalten.
Japan

Das Unglück, das wir mit Augen sehen, ist geringer, als wenn unsere Einbildungskraft das Übel gewaltsam in unser Gemüt einsenkt..
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI

Das Unglück, gleich einem Hufschmied, formt, indem es zuschlägt.
England

Das Unglück, so man andern stift, den Täter endlich selbst trifft.

Das Unheil in der Weit kommt nicht zuletzt durch diejenigen, welche mit Gewalt eine heile Welt wollen.
Fliegende Blätter

Das Unheil schreit nicht.
Estland
info] Es kündigt sich nicht laut an

Das Unheilbare muss sorgfältig mit dem Schwert zurückgeschnitten werden, damit nicht das Unversehrte angesteckt werde.
Ovid, Metamorphosen

Das unheilbare Übel dieser religiosen Streitigkeiten besteht darin, dass der eine Teil auf Märchen und leere Worte das höchste Interesse der Menschheit zurückführen will, der andere aber es da zu begründen denkt, wo sich niemand beruhigt.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1400

Das Uninteressanteste an der Geschichte ist, dass sie sich dialektisch vorwärts wälzt - was sie auch gar nicht tut.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte

Das Universum ist ein Gedanke Gottes.
Friedrich Schiller, Philosophische Briefe

Das Universum ist ein Gedanke Gottes.
Friedrich Schiller, Philosophische Briefe

Das Universum ist mein Bewußtsein, mein Bewußtsein ist das Universum.

Das Universum ist vollkommen. Es kann nicht verbessert werden. Wer es verändern will, verdirbt es. Wer es besitzen will, verliert es.
Laotse

Das Universum kann man nicht so erforschen, wie man sich selbst erforschen kann. Erkenne dich selbst, dann erkennst du das Universum.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Universum kommt nur durch Individualisierung zum Selbstgenuss, darum ist diese ohne Ende.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Das Universum trennt sich nie vom Menschen, es ist der Mensch, der sich vom Universum trennt.

Das Unkraut ausgerauft, wächst eben immer wieder,
Und immer kämpfen musst du neu das Böse wieder
Wie du musst jeden Tag neu waschen deine Glieder,
So die Gedanken auch an jedem Tage wieder.
Rückert, die Weisheit des Brahmanen

Das Unkraut bleibt im Garten zurück.

Das Unkraut lässt vom Garten nicht.

Das Unkraut vor dem Weizen abschneiden.
fr] Separer l'yvroye d'avec le bon grain.

Das Unkraut will von dem garten nit.
info] Der Menschen Vernunft und Tugend ist sterblich und verliert sich oft bei einem Volke viele Geschlechter hindurch; aber ihre Laster und Torheiten wachsen unaufhörlich, wie das Unkraut.
ho] Onkruid blijft alltijd boven.
la] Infelix lolium et steriusque virescit.
la] Non mala decrescit planta, sed usque virescit.

Das Unkraut wuchert besser als der Weizen.

Das Unlogische lockt die Frauen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das unmittelbare anschauen der Dinge ist mir alles, Worte sind mir weniger als je ..
Goethe (1749-1832), an S. Boisserée, 22. März 1831

Das Unmittelbare fühlt sich gleich.
Goethe (1749-1832), An Bettina Brentano, 3.11.1809

Das unmittelbare Gewahrwerden der Urphänomene versetzt uns in eine Art von Angst: wir fühlen unsere Unzulänglichkeit, nur durch das ewige Spiel der Empirie belebt, erfreuen sie uns.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 433

Das unmittelbare, natürliche, notwendige Verhältnis des Menschen zum Menschen ist das Verhältnis des Mannes zum Weibe.
Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte

Das Unmögliche wollen,
Das Undenkbare denken
Und das Unsägliche sagen
Hat stets leichte Früchte getragen;
Du musst, wenn die Träume sich scheiden,
Zuletzt das Unleidliche leiden.
Grillparzer, Nachlass

Das unordentliche Leben der Leute ist das Wohlleben der Ärzte.

Das Unorganische ist die geometrische Grundlage der Welt. Die geometrischen meßbaren Formen sind ihr Anteil.
Goethe (1749-1832), Entstehung der Erde - Entstehung unorganischer Formen

Das Unrecht fängt da an, wo man einem weh getan.

Das unrecht Gewonnene holt der Teufel.

Das Unrecht in sich saufen wie Wasser.

Das Unrecht scheuen, die es bereuen.

Das Unrecht soll man mit Recht bekämpfen.
sd] Olag måste med lag rättas.
sd] Orätt skrifwit plänar man ut.

Das Unrecht, das Ehemann und Herr tun, wird ihnen nicht vorgeworfen.
England

Das Unrecht, das einem anderen Bürger angetan wird, wird mir angetan. Ein freier Rechtsstaat .. ist nur dort, wo dieser Satz sich verwirklicht.
Fliegende Blätter

Das unrechte Güt'l tragt nichts ins Hüt'l.

Das unscheinbare, flackernde Flämmchen des Gefühls ist tausendmal sicherer und rascher als die strahlende Fackel des Geistes und der Vernunft.
Melchior Grimm

Das Unser Vater, ein schön Gebet,
es dient und hilft in allen Nöten.
Wenn einer auch Vater Unser fleht,
in Gottes Namen, lass(t) ihn beten!
Goethe (1749-1832), Gott, Gemüt und Welt

Das Unsere behaget dem Andern, das des Anderen behaget uns.
ndt] Dat unse behaget dem anderen, des anderen behaget uns.
la] Nostra placent aliis, nobis aliena probantur.
la] Aliena nobis, nostra plus aliis placent.

Das Unserige und das Meinige ist nicht dasselbe.
info] Was mir gehört, gehört darum noch nicht allen meinen Freunden.

Das unsichtbare Geistige ist nicht zusammengesetzt, unsere Seele auch nicht, kann also nicht getrennt werden und bleibt also nach dem Tode.
Goethe (1749-1832), Ephemerides, 1770

Das Unsichtbare ist rein.

Das unsittlich hastige Streben nach Besitz und Reichtum aufseite der Fabrikanten, die Not aufseite der Arbeiter führt zur Lohnbedrückung, zum Drucksystem, zur absoluten Herrschaft des Kapitals in der Wirtschaft, in der Gesellschaft, im Staat.
Gustav Schmoller, Die Arbeiterfrage

Das Unsrige behagt dem andern, das des anderen behagt uns.

Das Unsrige und das Meinige sind zweierlei.
Afrika

Das Unsterbliche ist nicht dem sterblichen Lebenden zu vergleichen, und doch ist auch das bloß Lebende verständig. So weiß der Magen recht gut, wann er hungert und durstet.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 630

Das Unsympathische an Computern ist, dass sie nur ja oder nein sagen können, aber nicht vielleicht.
Fliegende Blätter

Das Unterfutter ist oft teuerer als das Oberzeug.
en] The lining is dearer than the cowring.
fr] La sauce vaut mieux que le poisson.
fr] Les copeaux valent mieux que le bois.
fr] Plus coûte la corde que le poisson.

Das unterhält die Küche.
info] Damit kann man die Haushaltung, die Wirtschaft bestreiten.
fr] Cela fait boullier le pot.

Das Unternehmen, die Charakterfehler eines Menschen durch Reden und Moralisieren aufheben und so seinen Charakter selbst, seine eigentliche Moralität, umschaffen zu wollen, ist ganz gleich dem Vorhaben, Blei durch äußere Einwirkung in Gold zu verwandeln, oder eine Eiche durch sorgfältige Pflege dahin zu bringen, dass sie Aprikosen trüge.
Schopenhauer (1788-1860), Über die Freiheit des Willens, 3, Der Wille vor dem Bewußtsein anderer Dinge

Das Unvergängliche
Ist nur dein Gleichniss!
Gott, der Verfängliche,
Ist Dichter-Erschleichniss..
Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Das unvergeßlichste von allem ist wohl menschliche Wärme.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das Unverhoffte, das Gefahrvolle, das Tollkühnste selbst kannst du wagen, das Mittelmäßige allein macht rettungslos elend.
Bettina von Arnim (1785-1859) Gespräche mit Dämonen

Das Unvermeidliche mit Würde tragen.
Karl Streckfuß, Denkspruch

Das Unvermeidliche muss man mit Würde tragen.
info] Das Wort ist aus dem 180. Denkspruch des Übersetzers des Dante, Tasso und Ariost, Karl Streckfuß entlehnt und wird scherzhaft wohl auf Empfänger des allgemeinen Ehrenzeichens angewandt. Der Denkspruch lautet: 'Im Glück nicht stolz sein und im Leid nicht zagen, das Unvermeidliche mit Würde tragen, das Rechte tun u.s.w. heißt leben, heißt den Tod sein Bittres rauben.'

Das Unvermögen eines Menschen, seine Affekte zu zügeln und einzuschränken, nenne ich Knechtschaft.
Baruch de Spinoza, Ethik

Das Unvermögen, es besser zu machen, erzeugt die Kritik.
Helvetius, Vom Menschen

Das Unvernünftige zu verbreiten,
Bemüht man sich nach allen Seiten,
Es täuschet eine kleine Frist,
Man sieht doch bald, wie schlecht es ist.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien V

Das unverschämte Wesen passt nur für Sklaven, die Unabhängigkeit hat nichts Affektiertes.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das Unvorhergesehene ist die wahre Bewährungsprobe.
Aristoteles

Das Unvorhergesehene ist, was immer geschieht.
England

Das Unzulängliche ist produktiv.
Goethe (1749-1832), Riemer, 20.7.1811

Das Unzulängliche widerstrebt mehr, als man denken sollte, dem Auslangenden.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1176

Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis.
Goethe, Faust II (Chorus mysticus)

Das Unzulängliche,
Hier wird's Ereignis..
Goethe (1749-1832), Faust II A V, Bergschluchten (Chorus Mystims) Vs 12106

Das üppige Haarkleid des Mannes verrät, dass ein Dummkopf oder ein Glückspilz vor uns steht.
es] El hombre peloso o tonto o venturoso.

Das Urmaß aller Dinge ruht
In Händen nicht, die endlich sind,
Es liegt verwahrt in Schatzgewölben,
Die kein vergänglich Auge schaut.
Gottfried Keller, Gedichte

Das Urteil - das ist der Glaube: 'Dies und dies ist so.' Also steckt im Urteil das Geständnis, einem 'identischen Fall' begegnet zu sein: es setzt also Vergleichung voraus, mit Hilfe des Gedächtnisses.
Nietzsche

Das Urteil bindet nicht, gibt es der rechte Richter nicht.
info] Sollte das Urteil bindende Kraft haben, so musste es der zuständige Richter erteilen.

Das Urteil darf nicht zurückgehen.
info] Ein rechtskräftig gewordenes Erkenntnis lässt sich nicht abändern und umstoßen.

Das Urteil darüber, was ein Freund ist, ist stets schwankend, und stets ist der Mangel an wahren Freunden groß.
Petrarca, An Socrates in Avignon

Das Urteil der Bourgeoisie in den Dingen der Kunst ist naiv und brutal.
Sully Prudhomme, Intimes Tagebuch

Das Urteil der Menge mache dich immer nachdenklich, aber niemals verzagt.
Platen, Lebensregeln

Das Urteil des unverbildeten Menschen ist unbestechlich.
Th. Wolfe, Willkommen in Altamont

Das Urteil eines klugen Feindes baut sich höchst selten auf einem völligen missverständnis auf.
Wladimir I. Lenin, Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück

Das Urteil hat keinen Zaum.
info] Bezieht sich darauf, dass im alten Rechtsverfahren das Urteil auf der Stelle, nachdem es ausgesprochen war, rechtskräftig und vollstreckbar wurde.
altfries] Dio kest aeph neen tamen.

Das Urteil in kritischen Fragen durchläuft sehr oft drei Stufen: unkritische Zustimmung, radikale Verurteilung, kritische Rehabilitierung.
Adolf Hanack

Das Urteil ist gesprochen, der Stab, der ist gebrochen.

Das Urteil ist gesprochen,
Der Stab, der ist gebrochen.

Das Urteil ist Gottes.
nl] Dat vonnis is goods.

Das Urteil können sie verwehren, aber die Wirkung nicht hindern.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 874

Das Urteil über ein Kind ist bald gefällt.
Estland

Das Urteil über öffentliche Männer, es mag wahr oder falsch sein, kommt nie zu früh, aber oft zu spät.
Seume, Spaziergang nach Syrakus: Frankfurt

Das Urteil, das ich selbst über mich spreche, trifft mich unmittelbarer und härter als das der Richter, diese müssen mich so nehmen, wie ich nach dem Zivilrecht verpflichtet erscheine, mein Gewissen packt viel fester zu und ist viel strengen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Urteilen ist das Beziehen eines Einzelnen auf den Begriff.
Hegel

Das Variété ist die letzte Zufluchtstätte all dessen geworden, was von den Heiden als göttlich verehrt wurde und was die Zeiten der Aufklärung aus den Kultstätten der Menschheit verbannt haben.
Walther Klaulehn, Lesebuch für Lächler, Die Welt ohne Schwerkraft

Das 'Vater unser' ist ein Strom, in dem das kleinste Lamm waten, aber auch der Elefant schwimmen kann.

Das Vaterhaus eines Mädchens ist sein Grab.
Libanon
info] Dort verkümmert es, wenn es nicht heiratet

Das Vaterland erwartet, dass jeder seine Pflicht tue.

Das Vaterland gehört zum Bereich des Mundwerks, ist untrennbar verbunden mit Eichenlaub und Schwertern und schlechtem Öldruck.
Ossietzky, Das boykottierte Vaterland

Das Vaterland ist ein Beerlein, das fremde Land eine Blutträne.

Das Vaterland ist lieb und süß, dass man sein stets gedencken muss.

Das Vaterland ist überall, wo es dir gut geht.
la] Patria est ubicunque bene.

Das Vaterland kann einen jeden von uns entbehren, aber keiner von uns das Vaterland.
Turgenjew

Das Vaterland über alles!
z] Ans Vaterland, ans teuere schließ' dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen, hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft. Schiller, Wilhelm Tell
bm] Ot cov?ké zemé odumři, ale neodcházej.
ho] Vaderland boven al.
la] Patria nihil dulcias, nihil carius in vita esse debet.
la] Praeferre patriam liberis regem decet.
pl] Jaką taką ojczyznę wolą ludzie, niż wyborną gościnę.

Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben.
Goethe (1749-1832), Faust, I, 5 (Frosch)

Das Vaterland wird nicht in Gefahr sein, solange die Armee in dem Geiste sich erhält, von dem sie in den letzten Kriegen so große Beweise der Treue und Aufopferung gegeben hat.
Kaiser Wilh. I. in seiner Antwort auf eine Adresse d. Herrenhauses (20. Jan. 1887)

Das Vaterland zeige sich als die gemeinsame Mutter der Bürger, die Regierung lasse ihnen so viel Anteil an der öffentlichen Verwaltung, dass sie fühlen, sie haben eine Heimat; besonders werde der Arme geschützt gegen die Tyrannei des Reichen.
Rousseau, Politika

Das Vaterunser hinter sich beten (wie die Hexen).
la] Preces fundere praeposteras.
la] Salutem ex inimicis nostris.

Das Vaterunser ist armer leut zinssgut.

Das Vaterunser ist der größte Märtyrer auf Erden.

Das Vaterunser ist ein hoher Zaun und dickes Gehege, darüber der Teufel nicht kann steigen.

Das Vaterunser ist ein Strom, in dem das kleinste Lamm waten, aber auch der Elefant schwimmen kann.

Das Veh isch guet, numme frisst's keine Ofetürli.
Solothurn
info] Vieh, das fett und schön bleiben soll, will gut genährt sein.

Das Veilchen vermag nichts gegen den Knoblauch.

Das Veraltete kostümiert sich als das Neue, um nicht in seinen Schlupfwinkeln aufgestöbert zu werden.
info] Und das Konterrevoluxionäre als das Revolutionäre.
Becher, Das poetische Prinzip

Das Verantwortungsgefühl in seiner kräftigen Entfaltung treibt den Menschen dazu, die begrenzte kleine Welt der Schöpfung zu durchbrechen und mit dem Kopf gegen den Himmel zu stoßen.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das verbietet sich von selbst.
dk] Det forbyder sig vel selv, det kand ei skee.

Das verborgen Brot ist niedlich.

Das Verborgene reizt.

Das verborgene Riff vermeiden und am offenen scheitern.

Das Verbot ..
Verdoppelt den Genuss.
Grabbe, Don Juan und Faust, IV, 4 (Don Juan)

Das Verbot des Padischah hält drei Tage.

tü] Padişah yasağı üç gün sürer.

Das Verbotene reizt.

Das Verbrechen eines ehrlichen Menschen, sei es auch zufällig und unbedeutend, freut uns viel mehr als die selbstlose oder gar heldenhafte Tat eines Schurken.
Maxim Gorki (1868-1936), Sofia Andrejewna Tolstaja

Das Verbrechen hat kein Asyl, nur gekrönte Verbrecher finden eins auf dem Thron.
Büchner, Dantons Tod

Das Verbrechen, das in des Königs Palast begangen wurde, wird den Hofleuten zur Last gelegt.
Tanganjika

Das verdammte Glück! Ohne das kann man nicht einmal ein guter Spitzbube sein.
Lessing, Die Juden (Stich)

Das Verderben des Besten ist das Schlimmste von allem.
la] Corruptio optimi pessima.

Das Verdienst altert nicht.
info] Wenn es wahr ist, dass das Verdienst nicht altert, so wird es doch vergessen.

Das Verdienst der schönen menschlichen Rede übertrifft weit das des Gesanges. Es ist ihm nichts zu vergleichen, seine Abwechslungen und Mannigfaltigkeiten sind für das Gemüt unzählig. Ja, der Gesang selbst muss auf die simple Sprache zurückkehren, wenn er höchst bedeutungsvoll und rührend werden soll, dies haben auch schon alle große Komponisten bemerkt.
Goethe (1749-1832), Knebel, (15.) 5.1810

Das Verdienst gehört dem Anfänger, wenn es auch der Nachfolger besser macht.

Das verdrießt mich, sagte der Dieb, als er zum Galgen ging.
Bremen

Das Vereinigen ist eine größere Kunst, ein größeres Verdienst. Ein Einigungskünstler wäre in jedem Fache der ganzen Welt willkommen.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften

Das Vereinswesen ist die Festung der Mittelmäßigkeit. Von dem Vereinswesen geht der Verdammungsklatsch gegen das Talent aus.
Anselm Feuerbach, Schriftlicher Nachlass

Das Verführerische für junge Leute ist dieses. Wir leben in einer Zeit, wo so viele Kultur verbreitet ist, dass sie sich gleichsam der Atmosphäre mitgeteilt hat, worin ein junger Mensch atmet. Poetische und philosophische Gedanken leben und regen sich in ihm, mit der Luft seiner Umgebung hat er sie eingesogen, aber er denkt, sie wären sein Eigentum, und so spricht er sie als das seinige aus. Nachdem er aber der Zeit wieder gegeben hat, was er von ihr empfangen, ist er arm.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 15.4.1829

Das Vergangene abgetan sein lassen, die Zukunft der Vorsehung anheim stellen - beides heißt den eigentlichen Sinn der Gegenwart nicht verstehen, die überhaupt nur so weit als Realität gelten kann, als sie durch Treue des Gedächtnisses das Vergangene zu bewahren, durch Bewusstsein der Verantwortung die Zukunft in sich einzubeziehen versteht.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das vergangene bedächtlich erachten, das zukünfftig wohl und reiff betrachten.

Das Vergangene ist das Künftige von heute.
Japan

Das Vergangene können wir nicht zurückrufen, über die Zukunft sind wir eher Meister, wenn wir klug und gut sind.
Goethe (1749-1832), An Corona Schröter, Anfang 1781?

Das Vergangene löst uns von allem um uns herum und versetzt so die Seele in die stille ruhige Stimmung, die man zum Schaffen unbedingt braucht.
Gogol, Die Beichte des Autors

Das Vergangene wie das Entfernte mag ich mir nicht lieber heraufrufen als durch genaue Betrachtung einzelner Wirklichkeiten.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Junger Feldjäger

Das vergeht wie die grünen Erbsen.
Meiningen

Das vergeht, bi e Pfond Säfe (Seife).
Henneberg

Das Vergessen ist die Wurzel des Exils, die Erinnerung bedeutet Erlösung.
Elie Wiesel, Chassidische Feier

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
Kiekegaard

Das Vergnügen bei der Liebe liegt im Lieben, und das Glück in der Leidenschaft, die man empfindet, und nicht in der, die man erregt.
La Rochefoucauld, Reflexionen und moralische Sentenzen

Das Vergnügen ist der Feind der Freude.
Romano Guardini

Das Vergnügen ist so nötig, als die Arbeit.
Lessing, Der junge Gelehrte

Das Vergnügen kann sich auf den Schein stützen, das Glück aber muss auf der Wahrheit beruhen. Nur diese kann uns jenes Glück geben, dessen die menschliche Natur fähig ist. Der durch den Schein Glückliche hat sein Glück auf Börsenwucher gebaut; der durch die Wahrheit Glückliche aber auf Bodenwerte und auf gute Renten.
Chamfort, Maximes et pensées

Das Vergnügen läuft demjenigen nach, der es flieht.
info] Wer die geräuschvollen Vergnügen der Welt flieht, findet ein höheres Glück in dem Frieden der Seele und rein geistigen Genüssen.
fr] Le plaisir court après celui qui le fuit.

Das Vergnügen verbraucht uns. Die Arbeit kräftigt uns. Wähle.
Charles Baudelaire (1821-1867), Tagebücher

Das Vergnügen, Gutes zu tun, ist das einzige, das sich nicht abnutzt.
China

Das Vergnügen, zu geben, ist dem wahren Glück unentbehrlich, aber der Ärmste schon kann es haben.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Das verhält sich wie die Sonnenscheibe zur Kniescheibe.

Das verhält sich wie ein Christuskopf zu einem Dachrinnenkopfe.

Das verhält sich wie ein Nachtwächterhorn zur Posaune.

Das Verhalten der Söhne ist zuweilen eine Reaktion gegen die Fehler ihrer Väter.
Maurois, Die drei Dumas

Das Verhalten einer politischen Partei zu ihren Fehlern ist eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei und für die tatsächliche Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihrer Klasse und den werktätigen Massen.
Lenin, Der Blinke Radikalismus

Das Verhalten zur Kunst muss voll Ruhe, Ernst, ohne Hast und Reklamehaftes sein.
Block, Die Kunst und die Zeitung

Das Verhältnis der Dinge und nicht das der Menschen zueinander ruft den Krieg hervor..
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Das Verhältnis des Mannes zum Weib ist das natürlichste Verhältnis des Menschen zum Menschen.
Karl Marx

Das Verhältnis des Mannes zum Weib ist das natürlichste Verhältnis des Menschen zum Menschen.
Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte

Das Verhältnis von Ursache und Wirkung ist durch kein Dekret, durch keine Maßregel, durch kein Machtaufgebot aus der Welt zu schaffen.
W. Liebknecht, Die Grund- und Bodenfrage

Das Verhältnis zu dem, was man liebt, ist so entschieden, dass die Umgebung wenig sagen will, aber dass es die gehörige, natürliche, gewohnte Umgebung sei, dies verlangt das Gemüt.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,12

Das Verhältnis zu einem Menschen, dem man sich verpflichtet glaubt, ist immer ein gezwungenes.
Tschernyschewski, Was tun?

Das Verhältnis zwischen Armen und Reichen ist das einzige revolutionäre Element in der Welt, der Hunger allein kann die Freiheitsgottin .. werden.
Büchner, An Gutzkow, 1835

Das Verhängte muss geschehen,
Das Gefürchtete muss nahn.
Friedrich Schiller, Kassandra

Das Verheiraten und das Kaufen eines Grundstücks sind ein ewiges Fallen.
Estland

Das verhüte der Himmel, sagte der Pfaff, als er zur Hölle fuhr.
nl] Dat verhoede de hemel, zei Klootje, en hij dacht aan onzen lieven Heer niet.

Das verirrte Schaf hat den längsten Schwanz.
info] Das Verlorengegangene stellen wir uns immer kostbarer vor als es in Wirklichkeit war

Das verkauft er für Humanität? Zusammenaddieren
Kannst du den Engel, das Vieh, aber vereinigen nicht.
Schiller, Gewisse Romane

Das Verlangen des Faulen regt sich vergebens, das Verlangen der Fleißigen wird befriedigt.
Altes Testament, Sprüche Salomos 13, 4

Das Verlangen hört nie auf.

Das Verlangen nach dem Garten verlässt nie das Herz der Nachtigall.
Persien

Das Verlangen nach einem Ding ist größer als sein Wert.
Australien

Das Verlangen nach einer Frau, die man einmal besessen hat, ist etwas Grauenvolles und tausendmal schlimmer als alles andere..
Flauber, November

Das Verlangen nach Macht hat.. seine Quelle im Verlangen nach Vergnügen.
Helvetius, Vom Menschen

Das Verlangen nach Seligkeit und Unsterblichkeit hat Gott in unser Wesen eingesenkt.
Augustinus

Das Verlangen nach Wissen wird größer, indem man es erwirbt.
England

Das Verlangen, welches man nach dem Anblicke gewisser Gegenstände hat, hängt gar nicht allein von ihrer Größe, von ihrer Schönheit oder Wichtigkeit ab, es ist in jedem Menschen mit vielen zufälligen Eindrücken des Jugendalters, mit früher Vorliebe für individuelle Beschäftigungen, mit Hang nach der Ferne und einem bewegten Leben verwebt.
A. v. Humboldt, Ansichten der Natur

Das Verletzen unserer Familiengeheimnisse ist ohnehin ein bedeutenderer Diebstahl als das Wegnehmen einiger Geldstücke.
Büchner, an die Familie, August 1834

Das Verliebtsein ist eine abscheuliche Plage, bei der das Essen nicht mehr schmeckt und der Schlaf nicht mehr erquickt.
Weerth, an Betty Tendering, Ende September 1855

Das Verlorene vergessen ist der größt vorteil.

Das verlorengegangene Messer hatte einen goldenen Griff.
en] The lost knife had a golden handle.
tü] Kaybolan bıcağın sapı altın olur.

Das verlorengegangene Schaf hatte den längsten Schwanz.
info] Verlust lässt die Dinge wertvoller erscheinen, als sie waren
en] The sheep that went astray had the largest tail.
tü] Zayi olan koyunun kuyruğu büyük olur.

Das Vermögen aber soll durch Mittel erworben werden, die von Unsittlichkeit frei sind; erhalten aber soll man es durch Genauigkeit und Sparsamkeit; durch dieselben Mittel soll es auch vermehrt werden.
Cicero (103-43 v. Chr.), De officiis, 2. Buch, 24. Kap.

Das Vermögen der Frau und das Muhen der Kuh sind gleich.
Estland

Das Vermögen des Staates ist wie der Ozean. Wer nicht daraus schöpft, ist ein Dummkopf.
tü] Devlet malı deniz, yemeyen domuz.

Das Vermögen des vernünftigen Denkens täuscht die, welche sich darauf verlassen, selten oder niemals; seine Schlussfolgerungen aus dem, worauf es sich stützt, sind augenscheinlich und gewiss; aber das, worin es uns am häufigsten, wenn nicht allein irreleitet, ist, dass die Prinzipien, woraus wir Schlüsse ziehen, die Unterlage, worauf wir unsere Folgerungen gründen, nur einen Teil bilden, dass etwas ausgelassen ist, was mit in Rechnung gezogen werden sollte, um diese richtig und genau zu machen.
Locke, Über den menschlichen Verstand

Das Vermögen ist die Fallsucht der Seele, die Wurzel der Sünde, die Tugend vernichtende Pest, die der Entwicklung und Stärkung der Gerechtigkeit, des Mutes, der Dankbarkeit und der Freundschaft in einer gesunden Menschenseele ein Bein stellt.
Déry, Die Geschichte vom Leben und Sterben des heiligen Ambrosius

Das Vermögen ist nicht dessen, der's erworben, sondern dessen, der's genießt.
it] La roba non è di chi le fece, ma di chi la gode.

Das Vermögen, das du benutzt, geht zu Ende. Wissen, wenn du es benutzt, vermehrt sich.
Suaheli

Das Vermögen, die Motive des Wollens schlechthin selbst hervorzubringen, ist die Freiheit.
Kant

Das Vermögen, jedes Sinnliche zu veredeln und auch den totesten Stoff durch Vermählung mit der Idee zu beleben, ist die schönste Bürgschaft unseres übersinnlichen Ursprungs.
Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 29.4.1818

Das Vermögen, schaden zu können, erweckt, fürchte ich, die Lust, schaden zu wollen; und es ist besser, unrecht leiden, als unrecht tun.
Lessing, Zeus und das Schaf

Das Vermögen, welches die Verbindung der Wahrheiten untereinander einsieht, heißt im eigentlichen Sinne die Vernunft.
Leibniz

Das Vermögen. die Motive des Wollens schlechthin selbst hervorzubringen, ist die Freiheit.
Kant

Das Vernünftige bricht sich nicht von selbst Bahn. Es setzt sich nur soviel Vernunft durch, wie die Vernünftigen durchsetzen.
Bert Brecht

Das Vernünftige ist durchaus nicht immer das Gute, das Vernünftigste jedoch muss auch das Beste sein.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Vernünftigste ist immer, dass jeder sein Metier treibe, wozu er geboren ist und was er gelernt hat, und dass er den anderen nicht hindere, das Seinige zu tun. Der Schuster bleibe bei seinem Leisten, der Bauer hinter dem Pflug, und der Fürst wisse zu regieren. Denn dies ist auch ein Metier, das gelernt sein will, und das sich niemand anmaßen soll, der es nicht versteht.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 25.2.1824

Das Verschließen ist zu spat, wenn man im Stall kein Vieh mehr hat.
la] Nil juvat amisso claudere septa grege.

Das verschlossene Tor hält selbst den losgelassenen Teufel zurück.

Das verschlug ihm den Atem.
en] That took his breath away.
fr] Cela lui a coupé le souffle.
it] Ciò gol ha levato il fiato.

Das verschweigt des Sängers Höflichkeit.
info] Es ist dies die Schlusszeile eines bei F.L. Lischke in Berlin erschienenen Liedes, dessen erste Zeilen lauten: 'Als der liebe Gott die Welt erschaffen, schuf er Fische, Löwen, Affen.'

Das versengt mir den Weiher nicht.

Das Verseschmieden raubt einem den Schlaf, selbst Essen und Trinken kommen zu kurz, oft kratzt man sich am Kopf, benagt die Fingernägel bis aufs Fleisch und macht den Griffel stumpf, den man beim angestrengten Nachdenken krampfhaft umklarnmert.
Ecbasis captivi in belehrender Gestalt (vor 1030)

Das Versprechen der Gerste: 'Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich in acht Wochen im Krug springen'.
Estland
info] In acht Wochen wird das Bier im Krug fertig sein

Das Versprechen der Nacht ist mit Butter bestrichen, welche zergeht, wenn der Tag darauf scheint.

Das Versprechen füllt den Magen nicht.

Das Versprechen halten, wenn der Esel seine Ohren leckt.

Das Versprechen hat keinen Schwanz hinten.
Estland

Das Versprechen ist auch ein guter Mann.
Estland

Das Versprechen ist ein Geschenk.

Das Versprechen ist eine halbe Pflicht.
Estland

Das Versprechen, das du dir selbst gibst, sei dir heiliger als jedes andere! Ein Drittes weiß sich schon Recht gegen dich zu verschaffen; aber die Pflicht, die du gegen dich selbst eingingst, kann niemals Zwangspflicht werden. Betrachte sie also immer als Ehrenschuld, die du an deine Natur zu zahlen hast.
Hebbel, Tagebücher, 1837

Das Versprochene ist des anderen Mannes Eigentum.
Estland

Das Verständliche an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, mit denen eine Reihe von Worten gesprochen wird - kurz die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft: alles das also, was nicht geschrieben werden kann.
Nietzsche

Das verständliche Leben ist das ausgehallete Wort.
Jakob Böhme

Das verstehst du nicht, das versteh' ich kaum.
info] Scherzhafte Zurechtweisung.

Das versteht ein Ochsentreiber.
z] Das will ich einem großen Ochsentreiber aus seinen Decretalen klar und war machen. Luther

Das versteht sich am Rande, dass der Matzkuchen rund ist.
ndt] Dat versteit sik am Ranne, dat de Pannekauken rund is. Westfalen

Das versteht sich am Rande, dass es in der Mitte tief ist.
Kreis Nimptsch in Schlesien
ho] Een kind zou merken, dat dit figuur lijker wijze gesproken is, en dat eene muis geen olifant, en een toren geen horen is.

Das versteht sich am Rande, was Matzkuchen ist.

Das versteht sich am Rande.
la] Illud indictum intelligitur.

Das versteht sich! sagte der Bauer, da sprach er Hochdeutsch.

Das verstohlenste Gebet ist das beste.
Rostand, La Samaritaine

Das versuche an einem Türken, an dem nichts zu verderben ist.

Das Vertrauen ist etwas so Schönes, dass selbst der ärgste Betrüger sich eines gewissen Respektes nicht erwehren kann vor dem, der es ihm schenkt.
Ebner-Eschenbach

Das Vertrauen, welches neue Freunde sich einander schenken, pflegt sich stufenweise zu entwickeln.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,8

Das Vertraun wird kommen,
Hat jeder nur erst seine Sicherheit.
Schiller, Wallensteins Tod

Das verwelkte Alter vertreibt die losen Leidenschaften.
la] Arida pellente lascivos amores canitie.

Das verwundbarste Ding und doch das unbesiegbarste ist die menschliche Eitelkeit: Ja, durch die Verwendung wächst seine Kraft und kann zuletzt riesengroß werden.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschtiches

Das verwundete Pferd zittert schon, wenn es den Sattel sieht.
Neugriechisch

Das verwundete Tier geht nicht mehr mit den anderen Tieren.
Duala (Bantu)

Das Verzeihen ist die schönste Blume des Sieges.
Arabien

Das Verzeihen kann härter sein als die Strafe.
Norwegen

Das verzweifelte Kreuz!
info] Bezieht sich auf ein Kreuz von Hölzern, die sehr künstlich gefügt und schwer auseinander zu lösen sind.

Das Vieh bekommt in der Christnacht menschliche Sprache, Wasser verwandelt sich in Wein.

Das Vieh des Fremden frisst die Kräuter, aber das des Eigentümers legt sich hungrig nieder.
Babylon

Das Vieh des Herrn Furchtsam kommt sicher hindurch, das des Herrn Mutig stirbt.
Zulu

Das Vieh frisst Grummetheu anstelle von Getreide.
Estland

Das Vieh gibt, aber das Haus nimmt.
Estland

Das Vieh ins Korn lassen (führen).
info] Dahin, wohin es eben nicht kommen soll. Schlechte Hut oder Verführung.
dä] Han vii gierne føre foe i kom.

Das Vieh ist leicht zu treiben, das selber nach dem Stalle (Felde u.s.w.) läuft.

Das Vieh ist wie der Stall.

Das Vieh ist wie der Stall.
Sachsen
dä] Det kveg er let at gjenne til byes, som selv bisser for.

Das Vieh weiß, wenn es heim soll und geht vom Gras weg, aber der Narr kennt niemals seines Magens Maß.
Altgermanisch

Das viel unrecht gehen, macht darumb den weg nicht recht.

Das Viele gibt man aus, mit dem Wenigen hält man Haus.
es] Lo mucho se gasta, y lo poco basta.

Das Viele im Einzelnen, am Einzelnen setzt uns nicht mehr in Verlegenheit, wenn wir uns folgendermaßen ausdrücken: Das untere Lebendige sondere sich vom Lebendigen, 0 Lebendige gliedere sich am Lebendigen, und da wird ein jedes Glied ein neues Lebendige.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen - Betrachten wir unserem ..

Das viele Lecken (Küssen) setzt blaue Flecken.

Das viele Lesen hat uns eine gelehrte Barbarei zugezogen.
Lichtenberg, Aphorismen

Das viele Lesen ist dem Denken schädlich. Die größten Denker, die mir vorgekommen sind, waren grade unter allen den Gelehrten, die ich habe kennengelernt, die, die am wenigsten gelesen hatten. Ist denn Vergnügen der Sinne gar nichts?
Lichtenberg, Aphorismen

Das viele Stehen hat die Füße der Henne klein gemacht.
Kamerun
info] Mit Herumstehen wird nichts erreicht

Das vierd alter heisset Senium und ist das letzt auf der Grub und das scheidmesser in ars.
hdt] Das vierte Alter heißt Senium und ist das letzte auf der Gruße und das Scheidmesseer im Arsch.

Das viertäglich (o. viertägige) Feber bringt keinen vmb.

Das Visierwasser fehlt.
info] Schützenausdruck zur Bezeichnung geistiger Getränke. Ein guter Trunk soll den Blick klar machen, und ruhiges, sicheres Zielen bewirken.
z] Es war etwas kalt, was einen lebhaften Consum von Visirwasser zur Folge hatte.

Das Vögelchen sorgt sich ja nicht ums Brot.
Estland

Das Vogelgarn offen spreiten.
info] Verlegenheit bereiten.
z] Wilt etwas tun, so schweig, nit warn; du spreitest sunst das vogelgarn offenlich den vögeln dar, das jeder sein bald nimmet war; darum so lug, dein raten spar.

Das Vogeljunge stirbt nicht im mütterlichen Nest.

Das Vogelnest wird vom Weibchen gebaut.
tü] Yuvayı dişi kuş yapar.

Das Vöglein will hin, wo es ausgebrütet ist.
ndt] Dit Függelke well hen, hurt ütbröddet es. Nordfriesland

Das Volk aber ist zufrieden, dass die Hanswürste da droben [auf dem Theater] ihm Späße vormachen, an denen es keinen Teil verlangt.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 3.12.1824

Das Volk an sich selbst ist nicht der Staat, sondern es ist eine durch Abstammung, Wohnplatz, Schicksal, Bedürfnis beisammenlebende Familienmenge.
H. Zschokke, Pandora

Das Volk bedarf anschaulicher und nicht begrifflicher Wahrheiten.
Rivarol

Das Volk der Denker.
info] Sprichwörtliche Bezeichnung des preussischen Volkes, wie es das Volk in Waffen genannt wird.

Das Volk duldet lange, aber am Ende kommt die Rache, die Rache mit roten Händen und unhörbaren Schritten.
Oscar Wilde, Vera oder Die Nihilisten

Das Volk eignet sich schnell Bildung an und hat bereits eigne Dichter, die ihm seine Zukunft zeigen, während sie seine Leiden teilen..
Belinski, 'Die Geheimnisse von Paris'

Das Volk erstaunt war, wie es deute,
Dass ein Mann mehr Vernunft besaß
Als eine Menge Leute.
La Fontaine, Fabeln

Das Volk fordert von einem Fürsten viel.
la] Majora populus semper a summo exigit.

Das Volk fühlt sich für sich selbst verantwortlich.
F. Wolf, Beaumarchais

Das Volk führt aasige Gespräche.
Estland

Das volk gemein spricht überal, das man kein buben ölen sol.
la] Nullus inungatur nebulo, plebs undique fatur.

Das Volk hat aber doch gewisse Rechte.
Schiller, Wilhelm Tell, IV, 4 (Rudolf der Harras)

Das Volk hat ein gutes Gefühl für liebenswerte Taten..
F. Wolf, Beaumarchais

Das Volk hat etwas von Kindern an sich, die sich am Anblick eines Umzugs, eines Sterbefalls, eines Brandes, an allem, was Leben und Treiben verursacht, erfreuen.
Multatuli, Woutertje Pieterse

Das volk hungert
weil die herren zuviel steuern verzehren
deshalb muss es hungern
Laudse, Daudedsching

Das Volk im Mittelalter hat immer, wenn es irgendwo große Geistesmacht sah, dergleichen einem Teufelsbündnis zugeschrieben..
Heine, Die Romantische Schule

Das Volk in Waffen.
info] Zur Bezeichnung des preussischen, aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgegangenen Heeres. Der sprichwörtlich gewordene Ausdruck ist weder, wie von Kleist-Retzow in der Sitzung des preussischen Herrenhauses vom 13. August 1866 irrtümlich annimmt, von Friedrich Wilhelm IV. zuerst gebraucht, noch ist er von dem Ausspruch Napoleon's am 30. Dec. 1813: 'A l'aspect de tout ce peuple en armes' herzuleiten; er ist vielmehr echt deutschen Ursprungs und findet sich zuerst in einer im Jahre 1837 bei Becker in Wesel von Hermann Neumann unter dem Titel Erz und Marmor herausgegebenen Sammlung Balladendichtungen. In dem Zueignungsgedicht An Preussens Heer lautet die erste Strophe: 'Gegrüßet, Preußen, Männer sonder Wanken, du Volk in Waffen, du Spartanerheer. Borussia, du Wonne der Gedanken, Borussia, du Wort, wie Gold so schwer.' In der Schlesischen Zeitung (vom 15. Oct. 1871, Nr. 479) erklärt der Dichter, Garnisons- Oberinspector in Neisse, dass er der Urheber des Worts ist, und zwar, weil die 4. Aufl. von Büchmann's Geflügelten Worten darüber noch im Ungewissen war. In der Thronrede vom 12. Juni 1860 heißt es: 'Es ist nicht die Absicht, mit dem Vermächtnis einer großen Zeit zu brechen. Die preussische Armee wird auch in Zukunft das preussische ?Volk in Waffen? sein.' In den Schles. Provinzialblättern (1870, S. 628) ist in einer Anmerkung angeführt, der Ausdruck soll sich bereits in den Kriegsliedern von 1813 finden. Im folgenden Jahrgange dieser Zeitschrift (1871, S. 27) nimmt aber der Dichter die Urheberschaft für sich in Anspruch, oder verlangt, dass Stellen als Beläge dafür, dass er vor ihm gebraucht worden sei, beigebracht würden, was bisjetzt, obgleich inzwischen vier Jahre verfloßen und Büchmann's Geflügelte Worte bereits bis zur 9. Auflage vorgeschritten sind, noch nicht geschehen ist. Der Nachweis darf also unangezweifelt als geführt gelten, dass der seitdem, am 11. Sept. 1875 zu Neisse verstorbene Dichter Hermann Neumann der wirkliche Urheber des Worts ist.

Das Volk ist aufrichtig, die Gesellschaft handelt; das Volk kämpft mit dem Messer, die Gesellschaft mit dem Gift der Sprache oder der Ideen; das Volk leidet den Tod, die Gesellschaft geht straffrei aus.
Honoré de Balzac (1799-1850), Der Ehevertrag

Das Volk ist der Tugend fähig, aber nicht der Weisheit. Unfehlbarer dort, wo es achtet, als dort, wo es wertet, vermag es zu erkennen, aber nicht zu wählen. Es liegt mehr Sinn, als man glaubt, in dem Witz über den Fleischer, der sich, als er einen Advokaten brauchte, ins Gerichtsgebäude begab und den dicksten aussuchte.
Joubert, Gedanken und Maximen

Das Volk ist derjenige Teil des Staates, der nicht weiß, was er will.
Hegel

Das Volk ist die beste Schule der Einfachheit.
Johannes R. Becher, Wachstum und Reife

Das Volk ist die Wurzel eines Landes. Ist die Wurzel fest, lebt das Land in Frieden.
Shujing

Das Volk ist doch immer produktiv und gedankenreich, wenn einmal der Weg eingeschlagen ist; es birgt alle Ideen in seinem Schoße.
Gottfried Keller, Briefe

Das Volk ist ein gerader Stamm, aber alle Späne, in welche ihn die Staat-Drechsler teilen, krümmen sich.
Jean Paul, Der Komet

Das Volk ist ein Kind; aber dieses Kind wächst und verspricht zum kräftigen, vernünftigen Manne zu werden. Der Kummer hat es verständig gemacht und ihm gezeigt, was der konstitutionelle Flitter in Wahrheit wert ist.
Belinski, 'Die Geheimnisse von Paris'

Das Volk ist ein Tier mit vielen Köpfen.
Schweden

Das Volk ist eine Kugel, die sich nach allen Richtungen wenden lässt.
z] Ich thue alles und bin doch nichts, ich thue das Böse wie das Gute. Wenn ich befehle, so gehorche ich. Ich gebe mehr als ich empfange. In meinem Namen wird das Gesetz gemacht; und schlag' ich zu, so schlag' ich auf mich selbst.
fr] Je fais tout, et je ne suis rien; je fais le mal, je fais le bien.
fr] J'obéis toujours, quand j'ordonne; je reçois moins que je ne donne; en mon nom on ne fait la loi, et quand je frappe, c'est sur moi.

Das Volk ist eine Wetterfahne.
z] Das Volk kennt keine Berathung, es sieht auf keine Gründe, es weiß weder einen Unterschied: zu machen, noch lässt es sich die Dinge angelegen sein. Nach Dünkel urteilt es in den meisten Fällen, nach Rechtschaffenheit in den wenigsten.
la] Carens consilio, ratione discrimine, diligentia ex opinione multa, ex virtute pauca judicans.
la] Mobile mutatur semper cum principe vulgus.

Das Volk ist frei: seht an, wie wohls ihm geht!
Goethe (1749-1832), Faust I, Auerbachs Keller (Mephisto) Vs 2295

Das Volk ist mehr wert als seine herrschende Schicht, als seine Staatsart und gar als diejenigen, die ihm seine Meinungen vorschreiben; es lebt länger, es wägt gerechter, es behält im Bewußtsein, es ist dankbar.
Arnold Zweig, Antigermanismus

Das Volk ist nicht der Regierung wegen da, sondern die Regierung des Volkes wegen; die Regierung soll den Willen des Volkes ausführen, sie soll nichts weiter sein als die vollziehende Gewalt.
August Bebel (1840-1913), Rede im Deutschen Reichstag.., 8. 11. 1871

Das Volk ist nicht edel, das seine Toten nicht ehrt.
Schack Staffeldt, bei E. Jonas, Nordische Diamanten

Das Volk ist nie ärger, als wenn es im Überfluss ist.
la] Chorea est circulus, cujus centrum est diabolus.

Das Volk ist ohne viel Geist und die Großen ohne Herz; jenes hat einen guten Kern, aber keine gefällige Schale; diese haben nichts als ein angenehmes Äußere und eine Oberfläche ohne Tiefe.
La Bruyère, Von den großen Herren

Das Volk ist schwer zu regieren, wenn es allzu klug ist.
Laotse

Das Volk ist von Natur aus nicht gewalttätig, sondern friedlich.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Das Volk ist wie der Fürst.

Das Volk ist wie Gras, das Vieh zertrampelt es, und im Jahr darauf schießt es in desto satterem Grün empor.
Kraszewski, Gräfin Cosel

Das Volk kann Souveränität höchstens übertragen, aber niemals ausüben.
Mussolini, Über Machiavelli

Das Volk läßt sich nie bestechen, wohl aber oft hinter das Licht führen..
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Das Volk liebt den Mann, der die Gerechtigkeit bringt, dem Weisen schenkt es eher Ehrfurcht als Liebe.
Francesco Guicciardini, Ricordi

Das Volk liebt großherzige, kühne Führer .. wählt sich selbst seinen Abgott - um ihn zu lieben, nicht zu fürchten.
Wassili Schukschin, Ich kam euch die Freiheit zu bringen

Das Volk liebt schnell, es vergisst schnell.
F. Wolf, Beaumarchais

Das Volk macht sich seine Lieder und Liederdichter..
Chamisso, Vorrede zu Beranger-Übersetzungen

Das Volk muss immer einen Juden haben, den es brät.

Das Volk muss regiert werden, aber nach volkstümlichem Sinn, von ihm geht die Lehre aus über seine Bedürfnisse; der Staat muss seinen Willen dem Volksgeist unterwerfen..
Bettina von Arnim (1785-1859), Ilius Pamphilius und die Ambrosia

Das Volk ruft heute Hosianna und morgen Kreuzige.
la] Populus mutatur ad horam quamlibet, et stabilem nescit habere fidem.
la] Scinditur incertum studia in contraria vulgus. Virgil

Das Volk schätzt Stärke vor allem..
Goethe (1749-1832), Italienische Reise I, 6.10.1786

Das Volk schenkt seine Gunst, doch bleibt es wandelbar.
Rivarol

Das Volk spielt den Richter über meine Gedanken, für die ich ihm Rechenschaft schuldig oder verantwortlich bin. Die Geschworenen haben, wenn ihre fixen Ideen angegriffen werden, ebenso harte Köpfe und Herzen als die stiersten Despoten und deren knechtische Beamten.
Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los.
Th. Körner, Männer und Buben

Das Volk steigt nicht zu dem Wahren und Schönen hinauf, sondern zieht es zu sich herab; aber nicht um es unter die Füße zu treten, sondern um es zu herzen, zu liebkosen, um es im ewig wechselnden Spiel zu drehen und sich über seinen Glanz zu wundern und zu freuen.
Raabe, Die Chronik der Sperlingsgasse

Das Volk und die Großen haben weder dieselben Tugenden noch dieselben Laster.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Volk und nur das Volk ist die Triebkraft, die die Weltgeschichte macht.
Mao Tsetung, Ausgewählte Werke

Das Volk verehr' ich so wie ihr,
Die Masse zusamt dem Hebel;
Lasst ihr aus dem Volk die Besten weg,
So bleibt nur noch der Pöbel.
Grillparzer, Einfälle und Inschriften

Das Volk verhält sich zu seinen großen Männern wie der Boden zu den Pflanzen, die aus ihm hervorgehen.
Belinski, Betrachtungen über die russische Literatur des Jahres 1846

Das Volk verlangt, dass die Schriftsteller seine Tagesleidenschaften mitfühlen, dass sie die Empfindungen seiner eigenen Brust entweder angenehm anregen oder verletzen: Das Volk will bewegt werden.
Heine, Die Romantische Schule

Das Volk weiß mehr als zehn Gelehrte.
dk] Almuen veed som tree vide.

Das Volk will betrogen sein.
nl] Het volk will betrogen zijn.

Das Volk will instinktiv, will logischerweise zwei Dinge: die größtmögliche materielle Behaglichkeit und die größte Existenz-, Bewegungs- und Handlungsfreiheit für sich selbst; d. h. die beste Organisation seiner wirtschaftlichen Interessen und die völlige Abwesenheit jeder Regierungsgewalt, jeder politischen Organisation - da eben jede politische Organisation naturgemäß auf eine Legation der Freiheit hinausläuft Das ist die Unterströmung aller Volksinstinkte.
Michael Bakunin

Das Volk will zum besten gehalten sein, und so hat man unrecht, wenn man es nicht zum besten hält.
Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 27.6.1830

Das Volk wird durch Namen betrogen, nicht durch Dinge.
James Harrington

Das Volk wird es eines Tages überhaben, und es wird für seine Not die Kapitalisten büßen lassen, entweder durch blutige Proskriptionen oder durch die Plünderung ihrer Häuser.
Flaubert, Lehrjahre des Gefühls

Das Volk wird nicht bloß geschunden; es ist dahin gebracht, dass es sich selbst schinden muss.
Hebbel, Tagebücher, 12. 2. 1841

Das Volk! Das sind die vielen leeren Nullen,
Die gern sich beisetzt, wer sich fühlt als Zahl,
Doch wegstreicht, kommt's zum Teilen in der Rechnung.
Grillparzer, Ein Bruderzwist in Habsburg, III 1 (Kaiser Rudolf)

Das Volk, das den Gesetzen unterworfen ist, muss auch ihr Urheber sein.
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Das Volk, dessen Güte so sehr gepriesen wird, ist gar nicht gut; es ist manchmal so böse wie andere Potentaten. Aber seine Bosheit kommt vom Hunger.
Heine, Geständnisse

Das Volk, insofern mit diesem Worte ein besonderer Teil der Mitglieder eines Staats bezeichnet ist, drückt den Teil aus, der nicht weiß, was er will.
Hegel

Das Völkerrecht ist ein wahres Naturrecht: Kein Volk auf Erden ist berechtigt, zu seinen Gunsten von seinem Nachbar die Aufopferung seiner selbst zu fordern, keines ist verpflichtet, sich zum Besten des Nachbarn zu verleugnen oder aufzuopfern. Die Natur kennt keine herrschenden sowie keine dienstbaren Völker.
Franz Palacky, Brief an die Deutsche Nationalversammlung

Das Volkslied zu pflegen ist eines der stärksten Mittel, ein gesundes Volkstum zu erhalten.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das volle Herz macht sich durch Zeichen Luft..
Goethe (1749-1832), Prolog, 15.10.1793

Das völlige Fehlen jeder regelmäßigen Arbeit ist für den Menschen unerträglich.
Herzen, Mein Leben

Das vollkommen Schöne muss auch vollkommen wahr sein.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das vollkommene Leben ist nur den Vernünftigen und Besonnenen zuzuerkennen.
Aristoteles, Protreptikos

Das Vollkommene muss uns erst stimmen und uns nach und nach zu sich hinaufheben. So erscheinen uns schöne Personen immer schöner, verständige verständiger.
Goethe (1749-1832), Reise in die Schweiz 1797, 18. Sept. Erregte Ideen

Das vollkommene Weib ist ein höherer Typus des Menschen als der vollkommene Mann: auch etwas viel Selteneres. Die Naturwissenschaft der Tiere bietet ein Mittel, diesen Satz wahrscheinlich zu machen.
Friedrich Nietzsche

Das vollkommene Weib zerreisst, wenn es liebt.
Nietzsche, Ecce homo, Warum ich so gute Bücher schreibe

Das Vollkommene, wo es anzutreffen ist, gibt eine gründliche Befriedigung, wie der Schein eine oberflächliche, und so bringen beide eine ähnliche Wirkung hervor.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 4.9.1799

Das vom Armen geliehene dauert nicht lange.
Estland
info] Es wird bald zurückgefragt

Das von einer guten Hausfrau geschnittene Brot ist besser als das von einer schlechten Hausfrau gemachte.
Estland

Das von selbst Verständliche wird gemeinhin am gründlichsten vergessen und am seltensten getan.
Christian Morgenstern, Lebensweisheit-Ethisches

Das vor dem Johannistag (24. VI) gemachte Heu ist doppelt so gut wie dasjenige nach Jaan (Johannistag).

Das vor Jaan (Johannistag, 24. VI) gemachte Heu ist Arznei für die Kühe.

Das vordere Gut gibt dem hintern Weg und Steg.
[RSpW]
z] Kann der Mann nicht anderswo zu seinem Felde kommen, so darf er sich durch das fremde Korn den Weg schneiden ohne Entgelt, muss das geschnittene Korn aber liegen lassen. Und wer sein Land düngen will, aber kein Dungweg hat, der soll klimmen auf seines Hauses höchste Spitze oder auf den Berg, soll suchen den nächsten Weg und den mindesten Schaden (seiner Fahrt) und soll den Weg mit Garben belegen.

Das vordere Tor ist wohl groß, durch das man hineinbringt, aber die hintere Tür ist noch größer, durch die man hinausbringt.
Estland

Das vorgegebene Lebensziel muss man durchdenken und die ganze augenscheinliche Gewissheit, auf die wir die Vermutungen zurückführen. Wenn wir dies nicht tun, wird alles voller Unentschiedenheit und Verwirrung sein.
Epikur, Sprüche

Das Vorgehen des Lebens (ich sage nicht: das Fortschreiten) geschieht in Sprüngen.
Francesco Chiesa, in 'Ossigeno lascentes'

Das Vorhandene, das Anschauliche, wirkt, als leicht übersehbar, stets mit seiner ganzen Gewalt auf einmal: hingegen Gedanken und Gründe verlangen Zelt und Ruhe, um stückweise durchdacht zu werden; daher man sie nicht jeden AugenblIck ganz gegenwärtig haben kann.
Schopenhauer (1788-1860), Aphorismen zur Lebensweisheit, Paränesen und Maximen, 19

Das Vorhängeschloß bewahrt die Habe.
Estland

Das Vorhängeschloß hält den Dieb zurück.
Estland

Das vorige Jahr hat immer mehr gebracht (o. war immer besser).
info] Von den Landleuten, die immer klagen. Von allen, die mit der Gegenwart unzufrieden, die Vergangenheit weit über sie erheben.
mhd] Je langer sô boeser jâr.
la] Laudator temporis acti.
la] Semper preteritus annus melior.

Das vorige Jahr war immer besser.

Das Vornehmtun steht ihm, wie der Sau eine Taschenuhr.

Das Vortäuschen von Wissen ist besser als Erziehung.
Lateinamerika

Das Vorteil schlägt den Mann.

Das Vortreffliche [..] sollte durchaus nicht bekrittelt noch besprochen, sondern genossen und andächtig im stillen bedacht werden.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 29.3.1827

Das Vortreffliche aller Art, das zugleich populär wäre, ist das seltenste.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Über den Plan eines lyrischen Volksbuches

Das Vortreffliche ist unergründlich, man mag damit anfangen, was man will.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen

Das Vortreffliche zu kennen und zu lieben, was man nicht besitzt, noch zu besitzen hofft, ist eigentlich der größte Vorzug des gebildeten Menschen, da der rohere, selbstige im Besitz oft nur ein Surrogat für Einsicht und Liebe, die ihm abgehen, zu erwerben sucht.
Goethe (1749-1832), Am Rhein, Main und Neckar 1814/15 - Kunst und Altertum - Frankfurt

Das Vortreffliche, die Tugend, das Ausnehmende macht die Ausnahme, nicht die Regel, in der Welt.
Goethe (1749-1832), Riemer, 26.4.1810

Das Vortrefflichste gilt nun einmal, wohl dem, der es wiederholen kann!
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Relief von Phigalia

Das Vorübergegangene kann unserm innern Auge und Sinn als gegenwärtig erscheinen durch gleichzeitige schriftliche Monumente, Annalen, Chroniken, Dokumente, Memoires, und wie das alles heißen mag.
Goethe (1749-1832), An B. G. Niebuhr, 23.11.1812

Das Vorurteil des Volkes zugunsten der Großen ist so blind und die Eingenommenheit für ihre Gebärde, ihre Miene, den Ton in ihrer Stimme und ihr ganzes Benehmen so allgemein, dass es bis zur Vergötterung käme, wenn es ihnen auch noch einfiele, gut zu sein.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das Vorurteil ist das Kind der Unwissenheit.
Hazlitt

Das Vorurteil ist die hochnäsige Empfangsdame im Vorzimmer der Vernunft.
Waggerl

Das Vorurteil ist ein Floß, an das sich der schiffbrüchige Geist klammert und ins Sichere rudert.
Fliegende Blätter

Das Vorurteil ist ein unentbehrlicher Hausknecht, der lästige Eindrücke von der Schwelle weist. Nur darf man sich von seinem Hausknecht nicht selber hinauswerfen lassen.
Kraus

Das Vorurteil sieht, was gefällt, und sieht nicht, was offenkundig ist.
de Vere

Das Vorurteil stumpft die Seele ab, und die Furcht ist der erste Schritt zur Sklaverei.
Du Marsais/D'Holbach, Essay über die Vorurteile

Das Vorzüglichste, was wir durch Mitteilung älterer Briefe gewinnen, ist, uns in einen früheren, vorübergegangenen, nicht wiederkehrenden Zustand unmittelbar versetzt zu sehen. Hier ist nicht Relation noch Erzählung, nicht schon durchgedachter und durchgemeinter Vortrag; wir gewinnen eine klare Anschauung jener Gegenwart, wir lassen auf uns einwirken wie von Person zu Person.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen

Das wachs muss man wohl beeren, so lasst es sich formieren und zur kerzen machen.

Das Wachs wird hart, wenn es vom Feuer entfernt wird.
info] Verlaß deine Frau nicht auf lange Zeit
Birma

Das wachsende Gefühl für Moral bei Frauen macht Ehen zu einer so hoffnungslosen, einseitigen Einrichtung.
Oscar Wilde, Der ideale Gatte

Das Wachstum der Welt ist Kultur. Kultur ist musikalischer Rhythmus.
Block, Tagebuch 1919

Das Wachstum ist arglistig. Die Kleider werden gerade in dem Moment zu knapp, wo die Blöße unpassend wirkt.
Hugo, Gavroche

Das Wachstum ist nicht bloß Entwicklung, die verschiedenen organischen Systeme, die den einen Menschen ausmachen, entspringen auseinander, folgen einander, verwandeln sich ineinander, verdrängen einander, ja zehren einander auf, sodaß von manchen Fähigkeiten, von manchen Kraftäußerungen, nach einer gewissen Zeit, kaum eine Spur mehr zu finden ist.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit I,2

Das Wagen in hohen Ehren steht, wenn's gerät; kommt aber nichts heraus, so lacht man den Wagehals aus.

Das Wagnis, ein Kind in die Welt zu setzen. Oder die Weigerung, ein Kind zu bekommen, weil die Erde nicht bewohnbar war.
Teolinda Gersão, Landschaft mit Frau und Meer im Hintergrund

Das Wahlrecht steht im Zentrum des Freiheitskampfes.
Nelson Mandela, Rede, 20. Dezember 1991

Das wahr würt wohl truckt, aber nit vertruckt.
la] Veritas premitur, sed non opprimitur.

Das Wahr', kommts nicht gleich, so kommts übers Jahr.

Das wahre dichterische Genie, wo es auftritt, ist in sich vollendet, mag ihm Unvollkommenheit der Sprache, der äußeren Technik, oder was sonst will, entgegenstehen, es besitzt die höhere innere Form, der doch am Ende alles zu Gebote steht, und wirkt selbst im dunkeln und trüben Elemente oft herrlicher, als es später im klaren vermag.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Des Knaben Wunderhorn

Das Wahre fördert, aus dem Irrtum entwickelt sich nichts, er verwickelt uns nur.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 596

Das wahre Genie arbeitet gleich einem reißenden Strome sich selbst seinen Weg durch die größten Hindernisse.
Lessing, Rezensionen

Das wahre Genie ist notwendigerweise wenn schon nicht universal in seinen Manifestationen, so doch solcher Universalität durchaus fähig.
Edgar Allan Poe, Marginalien

Das wahre Genie kennt keine Schranken.
Nestroy, Der Schützling

Das wahre Genie wird bei der Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer, sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
C. M. von Weber, Literarische Arbeiten

Das wahre Glück allein
Ist: ein rechtschaffner Mann zu sein.
Gellert, Das Testament

Das wahre Glück des Menschen ist Gesundheit und froher Mut. Wer diese beiden Gaben hat, kann alle übrigen entbehren.
Palmblätter

Das wahre Glück wäre, sich an die Gegenwart zu erinnern.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

Das wahre Glück, das Eigentum der Weisen,
Steht fest, indes Fortunens Kugel rollt.
Wieland, Erdenglück

Das wahre Glück
Ist die Genügsamkeit,
Und die Genügsamkeit
Hat überall genug.
Goethe (1749-1832), Adler und Taube

Das wahre Heim ist im Hofe. (Dort wo die Frauen sitzen) Bantu

Das wahre Heim ist im Hofe.
info] Dort wo die Frauen sitzen
Bantu

Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Die Phänomenologie des Geistes

Das Wahre ist das Seiende selber.
Thomas v. Aquin

Das Wahre ist eine Fackel, aber eine ungeheure, deswegen suchen wir alle, nur blinzelnd so daran vorbei zu kommen, in Furcht sogar, uns zu verbrennen.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 236

Das Wahre ist einfach und gibt wenig zu tun, das Falsche gibt Gelegenheit, Zeit und Kräfte zu zersplittern.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 2.1.1829

Das Wahre ist gottähnlich: es erscheint nicht unmittelbar, wir müssen es aus seinen Manifestationen erraten.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 619

Das Wahre kann bloß durch seine Geschichte erhoben und erhalten, das Falsche bloß durch seine Geschichte erniedrigt und zerstreut werden.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 17.5.1815

Das wahre Meisterstück ? erfüllet uns so ganz mit sich selbst, daß wir des Urhebers darüber vergessen; daß wir es nicht als Produkt eines einzeln Wesens, sondern der allgemeinen Natur betrachten.
Gotthold Ephraim Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Das wahre Meisterstück, dünkt mich, erfüllt uns so ganz mit sich selbst, dass wir des Urhebers darüber vergessen, dass wir es nicht als das Produkt eines einzelnen Wesens sondern der allgemeinen Natur betrachten.
Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Das wahre Rechte ist nur Saat der Zukunft.
L. Schefer, Laienbrevier, Oktober

Das wahre System kann nicht erfunden, es kann nur als ein an sich, namentlich im göttlichen Verstande, bereits vorhandenes gefunden werden.
Schelling, Sämtliche Werke

Das wahre Talent ist stets gutmütig, redlich, aufgeschlossen und keinesfalls verkrampft; sein Spott schmeichelt dem Geist und will nie die Eigenliebe des anderen treffen.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Wahre triffst du, wie es ziemt Erfahrenem.
Goethe (1749-1832), Pandora (Epimetheus) Vs 703

Das Wahre währt.

Das Wahre war schon längst gefunden,
Hat edle Geisterschaft verbunden,
Das alte Wahre, faß es an!
Verdank es, Erdensohn, dem Weisen,
Der ihr, die Sonne zu umkreisen,
Und dem Geschwister wies die Bahn.
Goethe (1749-1832), Gott und Welt - Vermächtnis

Das wahre Wissen ist nicht Macht, es ist Ohnmacht, das Wissen um das Unberechenbare, um die Grenzen. Der Mensch muss Übermenschliches erfahren, um wahrhaft Mensch zu sein, und er erfährt es an Verstandesgrenzen, andererseits gewinnt er auch Ideen, unermeßlich, mit denen sich sein Leben niemals deckt.
Fliegende Blätter

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