<<< Weisheiten 0363 >>>

Das vom Armen geliehene dauert nicht lange.
Estland
i] Es wird bald zurückgefragt

Das von einer guten Hausfrau geschnittene Brot ist besser als das von einer schlechten Hausfrau gemachte.
Estland

Das von selbst Verständliche wird gemeinhin am gründlichsten vergessen und am seltensten getan.
Christian Morgenstern, Lebensweisheit-Ethisches

Das vor dem Johannistag (24. VI) gemachte Heu ist doppelt so gut wie dasjenige nach Jaan (Johannistag).

Das vor Jaan (Johannistag, 24. VI) gemachte Heu ist Arznei für die Kühe.

Das vordere Gut gibt dem hintern Weg und Steg.
[RSpW]
z] Kann der Mann nicht anderswo zu seinem Felde kommen, so darf er sich durch das fremde Korn den Weg schneiden ohne Entgelt, muss das geschnittene Korn aber liegen lassen. Und wer sein Land düngen will, aber kein Dungweg hat, der soll klimmen auf seines Hauses höchste Spitze oder auf den Berg, soll suchen den nächsten Weg und den mindesten Schaden (seiner Fahrt) und soll den Weg mit Garben belegen.

Das vordere Tor ist wohl groß, durch das man hineinbringt, aber die hintere Tür ist noch größer, durch die man hinausbringt.
Estland

Das vorgegebene Lebensziel muss man durchdenken und die ganze augenscheinliche Gewissheit, auf die wir die Vermutungen zurückführen. Wenn wir dies nicht tun, wird alles voller Unentschiedenheit und Verwirrung sein.
Epikur, Sprüche

Das Vorgehen des Lebens (ich sage nicht: das Fortschreiten) geschieht in Sprüngen.
Francesco Chiesa, in 'Ossigeno lascentes'

Das Vorhandene, das Anschauliche, wirkt, als leicht übersehbar, stets mit seiner ganzen Gewalt auf einmal: hingegen Gedanken und Gründe verlangen Zelt und Ruhe, um stückweise durchdacht zu werden; daher man sie nicht jeden AugenblIck ganz gegenwärtig haben kann.
Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Paränesen und Maximen, 19

Das Vorhängeschloß bewahrt die Habe.
Estland

Das Vorhängeschloß hält den Dieb zurück.
Estland

Das vorige Jahr hat immer mehr gebracht (o. war immer besser).
i] Von den Landleuten, die immer klagen. Von allen, die mit der Gegenwart unzufrieden, die Vergangenheit weit über sie erheben.
mhd] Je langer sô boeser jâr.
la] Laudator temporis acti.
la] Semper preteritus annus melior.

Das vorige Jahr war immer besser.

Das Vornehmtun steht ihm, wie der Sau eine Taschenuhr.

Das Vortäuschen von Wissen ist besser als Erziehung.
Lateinamerika

Das Vorteil schlägt den Mann.

Das Vortreffliche [...] sollte durchaus nicht bekrittelt noch besprochen, sondern genossen und andächtig im stillen bedacht werden.
Goethe, An Zelter, 29.3.1827

Das Vortreffliche aller Art, das zugleich populär wäre, ist das seltenste.
Goethe, Schriften zur Literatur - Über den Plan eines lyrischen Volksbuches

Das Vortreffliche ist unergründlich, man mag damit anfangen, was man will.
Goethe, Maximen und Reflexionen

Das Vortreffliche zu kennen und zu lieben, was man nicht besitzt, noch zu besitzen hofft, ist eigentlich der größte Vorzug des gebildeten Menschen, da der rohere, selbstige im Besitz oft nur ein Surrogat für Einsicht und Liebe, die ihm abgehen, zu erwerben sucht.
Goethe, Am Rhein, Main und Neckar 1814/15 - Kunst und Altertum - Frankfurt

Das Vortreffliche, die Tugend, das Ausnehmende macht die Ausnahme, nicht die Regel, in der Welt.
Goethe, Riemer, 26.4.1810

Das Vortrefflichste gilt nun einmal, wohl dem, der es wiederholen kann!
Goethe, Schriften zur Kunst - Relief von Phigalia

Das Vorübergegangene kann unserm innern Auge und Sinn als gegenwärtig erscheinen durch gleichzeitige schriftliche Monumente, Annalen, Chroniken, Dokumente, Memoires, und wie das alles heißen mag.
Goethe, An B. G. Niebuhr, 23.11.1812

Das Vorurteil des Volkes zugunsten der Großen ist so blind und die Eingenommenheit für ihre Gebärde, ihre Miene, den Ton in ihrer Stimme und ihr ganzes Benehmen so allgemein, dass es bis zur Vergötterung käme, wenn es ihnen auch noch einfiele, gut zu sein.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das Vorurteil ist das Kind der Unwissenheit.
Hazlitt

Das Vorurteil ist die hochnäsige Empfangsdame im Vorzimmer der Vernunft.
Waggerl

Das Vorurteil ist ein Floß, an das sich der schiffbrüchige Geist klammert und ins Sichere rudert.
Fliegende Blätter

Das Vorurteil ist ein unentbehrlicher Hausknecht, der lästige Eindrücke von der Schwelle weist. Nur darf man sich von seinem Hausknecht nicht selber hinauswerfen lassen.
Kraus

Das Vorurteil sieht, was gefällt, und sieht nicht, was offenkundig ist.
de Vere

Das Vorurteil stumpft die Seele ab, und die Furcht ist der erste Schritt zur Sklaverei.
Du Marsais/D'Holbach, Essay über die Vorurteile

Das Vorzüglichste, was wir durch Mitteilung älterer Briefe gewinnen, ist, uns in einen früheren, vorübergegangenen, nicht wiederkehrenden Zustand unmittelbar versetzt zu sehen. Hier ist nicht Relation noch Erzählung, nicht schon durchgedachter und durchgemeinter Vortrag; wir gewinnen eine klare Anschauung jener Gegenwart, wir lassen auf uns einwirken wie von Person zu Person.
Goethe, Maximen und Reflexionen

Das wachs muss man wohl beeren, so lasst es sich formieren und zur kerzen machen.

Das Wachs wird hart, wenn es vom Feuer entfernt wird.
i] Verlaß deine Frau nicht auf lange Zeit
Birma

Das wachsende Gefühl für Moral bei Frauen macht Ehen zu einer so hoffnungslosen, einseitigen Einrichtung.
Oscar Wilde, Der ideale Gatte

Das Wachstum der Welt ist Kultur. Kultur ist musikalischer Rhythmus.
Block, Tagebuch 1919

Das Wachstum ist arglistig. Die Kleider werden gerade in dem Moment zu knapp, wo die Blöße unpassend wirkt.
Hugo, Gavroche

Das Wachstum ist nicht bloß Entwicklung, die verschiedenen organischen Systeme, die den einen Menschen ausmachen, entspringen auseinander, folgen einander, verwandeln sich ineinander, verdrängen einander, ja zehren einander auf, sodaß von manchen Fähigkeiten, von manchen Kraftäußerungen, nach einer gewissen Zeit, kaum eine Spur mehr zu finden ist.
Goethe, Dichtung und Wahrheit I,2

Das Wagen in hohen Ehren steht, wenn's gerät; kommt aber nichts heraus, so lacht man den Wagehals aus.

Das Wagnis, ein Kind in die Welt zu setzen. Oder die Weigerung, ein Kind zu bekommen, weil die Erde nicht bewohnbar war.
Teolinda Gersão, Landschaft mit Frau und Meer im Hintergrund

Das Wahlrecht steht im Zentrum des Freiheitskampfes.
Nelson Mandela, Rede, 20. Dezember 1991

Das wahr würt wohl truckt, aber nit vertruckt.
la] Veritas premitur, sed non opprimitur.

Das Wahr', kommts nicht gleich, so kommts übers Jahr.

Das wahre dichterische Genie, wo es auftritt, ist in sich vollendet, mag ihm Unvollkommenheit der Sprache, der äußeren Technik, oder was sonst will, entgegenstehen, es besitzt die höhere innere Form, der doch am Ende alles zu Gebote steht, und wirkt selbst im dunkeln und trüben Elemente oft herrlicher, als es später im klaren vermag.
Goethe, Schriften zur Literatur - Des Knaben Wunderhorn

Das Wahre fördert, aus dem Irrtum entwickelt sich nichts, er verwickelt uns nur.
Goethe, Maximen und Reflexionen 596

Das wahre Genie arbeitet gleich einem reißenden Strome sich selbst seinen Weg durch die größten Hindernisse.
Lessing, Rezensionen

Das wahre Genie ist notwendigerweise wenn schon nicht universal in seinen Manifestationen, so doch solcher Universalität durchaus fähig.
Edgar Allan Poe, Marginalien

Das wahre Genie kennt keine Schranken.
Nestroy, Der Schützling

Das wahre Genie wird bei der Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer, sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
C. M. von Weber, Literarische Arbeiten

Das wahre Glück allein
Ist: ein rechtschaffner Mann zu sein.
Gellert, Das Testament

Das wahre Glück des Menschen ist Gesundheit und froher Mut. Wer diese beiden Gaben hat, kann alle übrigen entbehren.
Palmblätter

Das wahre Glück wäre, sich an die Gegenwart zu erinnern.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

Das wahre Glück, das Eigentum der Weisen,
Steht fest, indes Fortunens Kugel rollt.
Wieland, Erdenglück

Das wahre Glück
Ist die Genügsamkeit,
Und die Genügsamkeit
Hat überall genug.
Goethe, Adler und Taube

Das wahre Heim ist im Hofe. (Dort wo die Frauen sitzen) Bantu

Das wahre Heim ist im Hofe.
i] Dort wo die Frauen sitzen
Bantu

Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Die Phänomenologie des Geistes

Das Wahre ist eine Fackel, aber eine ungeheure, deswegen suchen wir alle, nur blinzelnd so daran vorbei zu kommen, in Furcht sogar, uns zu verbrennen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 236

Das Wahre ist einfach und gibt wenig zu tun, das Falsche gibt Gelegenheit, Zeit und Kräfte zu zersplittern.
Goethe, An Zelter, 2.1.1829

Das Wahre ist gottähnlich: es erscheint nicht unmittelbar, wir müssen es aus seinen Manifestationen erraten.
Goethe, Maximen und Reflexionen 619

Das Wahre kann bloß durch seine Geschichte erhoben und erhalten, das Falsche bloß durch seine Geschichte erniedrigt und zerstreut werden.
Goethe, An Zelter, 17.5.1815

Das wahre Meisterstück ? erfüllet uns so ganz mit sich selbst, daß wir des Urhebers darüber vergessen; daß wir es nicht als Produkt eines einzeln Wesens, sondern der allgemeinen Natur betrachten.
Gotthold Ephraim Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Das wahre Meisterstück, dünkt mich, erfüllt uns so ganz mit sich selbst, dass wir des Urhebers darüber vergessen, dass wir es nicht als das Produkt eines einzelnen Wesens sondern der allgemeinen Natur betrachten.
Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Das wahre Rechte ist nur Saat der Zukunft.
L. Schefer, Laienbrevier, Oktober

Das wahre System kann nicht erfunden, es kann nur als ein an sich, namentlich im göttlichen Verstande, bereits vorhandenes gefunden werden.
Schelling, Sämtliche Werke

Das wahre Talent ist stets gutmütig, redlich, aufgeschlossen und keinesfalls verkrampft; sein Spott schmeichelt dem Geist und will nie die Eigenliebe des anderen treffen.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Wahre triffst du, wie es ziemt Erfahrenem.
Goethe, Pandora (Epimetheus) Vs 703

Das Wahre währt.

Das Wahre war schon längst gefunden,
Hat edle Geisterschaft verbunden,
Das alte Wahre, faß es an!
Verdank es, Erdensohn, dem Weisen,
Der ihr, die Sonne zu umkreisen,
Und dem Geschwister wies die Bahn.
Goethe, Gott und Welt - Vermächtnis

Das wahre Wissen ist nicht Macht, es ist Ohnmacht, das Wissen um das Unberechenbare, um die Grenzen. Der Mensch muss Übermenschliches erfahren, um wahrhaft Mensch zu sein, und er erfährt es an Verstandesgrenzen, andererseits gewinnt er auch Ideen, unermeßlich, mit denen sich sein Leben niemals deckt.
Fliegende Blätter

Das wahre Ziel ist, die Gesellschaft auf einer Grundlage neu aufzurichten, die die Armut ausschließt.
Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus

Das Wahre, Gute und Vortreffliche ist einfach und sich immer gleich, wie es auch erscheine. Das Irren aber, das den Tadel hervorruft, ist höchst mannigfaltig, in sich selbst verschieden und nicht allein gegen das Gute und Wahre, sondern auch gegen sich selbst kämpfend, mit sich selbst in Widerspruch. Daher müssen in jeder Literatur die Ausdrücke des Tadels die Worte des Lobes überwiegen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1028

Das Wahre, mit dem Göttlichen identisch, lässt sich niemals von uns direkt erkennen: wir schauen es nur im Abglanz, im Beispiel, Symbol, in einzelnen und verwandten Erscheinungen, wir werden es gewahr als unbegreifliches Leben und können dem Wunsch nicht entsagen, es dennoch zu begreifen.
Goethe, Versuch einer Witterungslehre

Das währet einen Tanz zur Hochmess.

Das Wahrgenommene erschöpft bei weitem nicht das Wahrnehmbare.
A. v. Humboldt, Kosmos

Das wahrhaft Hohe ist in erhabene Schlichtheit gekleidet - wo Größe ist, da ist auch Schlichtheit.
Gogol, Über die Art, Weltgeschichte zu lehren

Das wahrhaft Nationale besteht nicht in der Beschreibung eines Sarafans, sondern eben im Geist des Volkes.
Gogol, Ein paar Worte über Puschkin

Das wahrhaft Schöne in seiner Einfachheit, seiner Schlichtheit ist keineswegs schmucklos, aber gerade Sparsamkeit und Echtheit der Ausschmückung rühren uns und lassen das Schöne noch schöner erscheinen.
Becher, Macht der Poesie

Das wahrhaft schöpferische, geniale Kunststück, Gemeinschaft und Persönlichkeit in der Menschengestaltung zu vereinen, hat bisher unsere Epik nur höchst unvollkommen zustande gebracht. In dieser Vereinigung aber erblicken wir die Perspektive einer neuen Romanliteratur.
Johannes R. Becher, Macht der Poesie

Das wahrhafte Gewissen ist die Gesinnung, das, was an und für sich gut ist, zu wollen.
Hegel

Das Wahrsagen (Wahrheit sagen) bringt nur Klagen.
sd] Spåmän ha tu wilkor.

Das wahrste Studium der vaterländischen Geschichte wird dasjenige sein, welches die Heimat in Parallele und Zusammenhang mit dem Weltgeschichtlichen und seinen Gesetzen betrachtet.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

Das Waisenkind geht in den Sumpf, um sich zu schmücken, auf die Rasenhügel, um sich einzuwickeln.
Estland

Das Waisenkind hat ärmliche Lebensbedingungen, das Pflegekind noch ärmlichere.
Estland

Das Waisenkind hat gesagt, dass es im Jahr dreimal Weihnachten hätte - das erste Mal, wenn Erbsen gerupft werden, das zweite Mal zur Zeit des Kohldünstens und das dritte Mal die wirklichen Weihnachten.
Estland

Das Waisenkind hat viele Schmerzen.
Estland

Das Waisenkind ist (da), um von Mühen geplagt und von Sorgen gedrückt zu werden, um von aller Welt verspottet zu werden.
Estland

Das Waisenkind ist flink, ohne geschlagen zu werden, glatt, ohne gegessen zu haben.
Estland

Das Waisenkind ist wie ein hinter den Zaun geworfener Hund.
Estland

Das Waisenkind lernt von den Kindern anderer Eltern.

Das Waisenkind schneidet sich selbst den Nabel.
Osmanien

Das Waisenkind soll nicht versuchen, mit dem Liebling der Mutter zu wetteifern.
Haussa, Afrika

Das Waisenkind wächst eine Spanne, vermindert sich um zwei Spannen.
Estland

Das Waisenkind wird selten rot und dennoch duldet man es nicht.
Estland

Das Waldhorn hört man weit, aber die Fehler eines Mädchens noch viel weiter.

Das walt Got, sprach pfaff Peter, da stieg er auf die magd.

Das walt Gott!
ho] Dat wilde God.

Das walt Gott, sprach der Dieb, da er zum ersten Mal zum Laden einstieg und stehlen wollt.

Das walte der Teufel.

Das Waltgott isch alliwil no besser as e Fluech.

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