<<< Weisheiten 0360 >>>

Das Unmögliche wollen,
Das Undenkbare denken
Und das Unsägliche sagen
Hat stets leichte Früchte getragen;
Du musst, wenn die Träume sich scheiden,
Zuletzt das Unleidliche leiden.
Grillparzer, Nachlass

Das unordentliche Leben der Leute ist das Wohlleben der Ärzte.

Das Unorganische ist die geometrische Grundlage der Welt. Die geometrischen meßbaren Formen sind ihr Anteil.
Goethe, Entstehung der Erde - Entstehung unorganischer Formen

Das Unrecht fängt da an, wo man einem weh getan.

Das unrecht Gewonnene holt der Teufel.

Das Unrecht in sich saufen wie Wasser.

Das Unrecht scheuen, die es bereuen.

Das Unrecht soll man mit Recht bekämpfen.
sd] Olag måste med lag rättas.
sd] Orätt skrifwit plänar man ut.

Das Unrecht, das Ehemann und Herr tun, wird ihnen nicht vorgeworfen.
England

Das Unrecht, das einem anderen Bürger angetan wird, wird mir angetan. Ein freier Rechtsstaat ... ist nur dort, wo dieser Satz sich verwirklicht.
Fliegende Blätter

Das unrechte Güt'l tragt nichts ins Hüt'l.

Das unscheinbare, flackernde Flämmchen des Gefühls ist tausendmal sicherer und rascher als die strahlende Fackel des Geistes und der Vernunft.
Melchior Grimm

Das Unser Vater, ein schön Gebet,
es dient und hilft in allen Nöten.
Wenn einer auch Vater Unser fleht,
in Gottes Namen, lass(t) ihn beten!
Goethe, Gott, Gemüt und Welt

Das Unsere behaget dem Andern, das des Anderen behaget uns.
ndt] Dat unse behaget dem anderen, des anderen behaget uns.
la] Nostra placent aliis, nobis aliena probantur.
la] Aliena nobis, nostra plus aliis placent.

Das Unserige und das Meinige ist nicht dasselbe.
i] Was mir gehört, gehört darum noch nicht allen meinen Freunden.

Das unsichtbare Geistige ist nicht zusammengesetzt, unsere Seele auch nicht, kann also nicht getrennt werden und bleibt also nach dem Tode.
Goethe, Ephemerides, 1770

Das Unsichtbare ist rein.

Das unsittlich hastige Streben nach Besitz und Reichtum aufseite der Fabrikanten, die Not aufseite der Arbeiter führt zur Lohnbedrückung, zum Drucksystem, zur absoluten Herrschaft des Kapitals in der Wirtschaft, in der Gesellschaft, im Staat.
Gustav Schmoller, Die Arbeiterfrage

Das Unsrige und das Meinige sind zweierlei.
Afrika

Das Unsterbliche ist nicht dem sterblichen Lebenden zu vergleichen, und doch ist auch das bloß Lebende verständig. So weiß der Magen recht gut, wann er hungert und durstet.
Goethe, Maximen und Reflexionen 630

Das Unsympathische an Computern ist, dass sie nur ja oder nein sagen können, aber nicht vielleicht.
Fliegende Blätter

Das Unterfutter ist oft teuerer als das Oberzeug.
en] The lining is dearer than the cowring.
fr] La sauce vaut mieux que le poisson.
fr] Les copeaux valent mieux que le bois.
fr] Plus coûte la corde que le poisson.

Das unterhält die Küche.
i] Damit kann man die Haushaltung, die Wirtschaft bestreiten.
fr] Cela fait boullier le pot.

Das Unternehmen, die Charakterfehler eines Menschen durch Reden und Moralisieren aufheben und so seinen Charakter selbst, seine eigentliche Moralität, umschaffen zu wollen, ist ganz gleich dem Vorhaben, Blei durch äußere Einwirkung in Gold zu verwandeln, oder eine Eiche durch sorgfältige Pflege dahin zu bringen, dass sie Aprikosen trüge.
Schopenhauer, Über die Freiheit des Willens, 3, Der Wille vor dem Bewußtsein anderer Dinge

Das Unvergängliche
Ist nur dein Gleichniss!
Gott, der Verfängliche,
Ist Dichter-Erschleichniss...
Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Das unvergeßlichste von allem ist wohl menschliche Wärme.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das Unverhoffte, das Gefahrvolle, das Tollkühnste selbst kannst du wagen, das Mittelmäßige allein macht rettungslos elend.
Bettina von Arnim (1785-1859) Gespräche mit Dämonen

Das Unvermeidliche mit Würde tragen.
Karl Streckfuß, Denkspruch

Das Unvermeidliche muss man mit Würde tragen.
i] Das Wort ist aus dem 180. Denkspruch des Übersetzers des Dante, Tasso und Ariost, Karl Streckfuß entlehnt und wird scherzhaft wohl auf Empfänger des allgemeinen Ehrenzeichens angewandt. Der Denkspruch lautet: 'Im Glück nicht stolz sein und im Leid nicht zagen, das Unvermeidliche mit Würde tragen, das Rechte tun u.s.w. heisst leben, heisst den Tod sein Bittres rauben.'

Das Unvermögen eines Menschen, seine Affekte zu zügeln und einzuschränken, nenne ich Knechtschaft.
Baruch de Spinoza, Ethik

Das Unvermögen, es besser zu machen, erzeugt die Kritik.
Helvetius, Vom Menschen

Das Unvernünftige zu verbreiten,
Bemüht man sich nach allen Seiten,
Es täuschet eine kleine Frist,
Man sieht doch bald, wie schlecht es ist.
Goethe, Zahme Xenien V

Das unverschämte Wesen passt nur für Sklaven, die Unabhängigkeit hat nichts Affektiertes.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das Unvorhergesehene ist, was immer geschieht.
England

Das Unzulängliche ist produktiv.
Goethe, Riemer, 20.7.1811

Das Unzulängliche widerstrebt mehr, als man denken sollte, dem Auslangenden.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1176

Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis.
Goethe, Faust II (Chorus mysticus)

Das Unzulängliche,
Hier wird's Ereignis...
Goethe, Faust II A V, Bergschluchten (Chorus Mystims) Vs 12106

Das üppige Haarkleid des Mannes verrät, dass ein Dummkopf oder ein Glückspilz vor uns steht.
sp] El hombre peloso o tonto o venturoso.

Das Urmaß aller Dinge ruht
In Händen nicht, die endlich sind,
Es liegt verwahrt in Schatzgewölben,
Die kein vergänglich Auge schaut.
Gottfried Keller, Gedichte

Das Urteil - das ist der Glaube: 'Dies und dies ist so.' Also steckt im Urteil das Geständnis, einem 'identischen Fall' begegnet zu sein: es setzt also Vergleichung voraus, mit Hilfe des Gedächtnisses.
Nietzsche

Das Urteil bindet nicht, gibt es der rechte Richter nicht.
i] Sollte das Urteil bindende Kraft haben, so musste es der zuständige Richter erteilen.

Das Urteil darf nicht zurückgehen.
i] Ein rechtskräftig gewordenes Erkenntnis lässt sich nicht abändern und umstoßen.

Das Urteil darüber, was ein Freund ist, ist stets schwankend, und stets ist der Mangel an wahren Freunden groß.
Petrarca, An Socrates in Avignon

Das Urteil der Bourgeoisie in den Dingen der Kunst ist naiv und brutal.
Sully Prudhomme, Intimes Tagebuch

Das Urteil der Menge mache dich immer nachdenklich, aber niemals verzagt.
Platen, Lebensregeln

Das Urteil des unverbildeten Menschen ist unbestechlich.
Th. Wolfe, Willkommen in Altamont

Das Urteil eines klugen Feindes baut sich höchst selten auf einem völligen missverständnis auf.
Wladimir I. Lenin, Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück

Das Urteil hat keinen Zaum.
i] Bezieht sich darauf, dass im alten Rechtsverfahren das Urteil auf der Stelle, nachdem es ausgesprochen war, rechtskräftig und vollstreckbar wurde.
altfries] Dio kest aeph neen tamen.

Das Urteil in kritischen Fragen durchläuft sehr oft drei Stufen: unkritische Zustimmung, radikale Verurteilung, kritische Rehabilitierung.
Adolf Hanack

Das Urteil ist gesprochen, der Stab, der ist gebrochen.

Das Urteil ist Gottes.
ho] Dat vonnis is goods.

Das Urteil können sie verwehren, aber die Wirkung nicht hindern.
Goethe, Maximen und Reflexionen 874

Das Urteil über ein Kind ist bald gefällt.
Estland

Das Urteil über öffentliche Männer, es mag wahr oder falsch sein, kommt nie zu früh, aber oft zu spät.
Seume, Spaziergang nach Syrakus: Frankfurt

Das Urteil, das ich selbst über mich spreche, trifft mich unmittelbarer und härter als das der Richter, diese müssen mich so nehmen, wie ich nach dem Zivilrecht verpflichtet erscheine, mein Gewissen packt viel fester zu und ist viel strengen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Urteilen ist das Beziehen eines Einzelnen auf den Begriff.
Hegel

Das Variété ist die letzte Zufluchtstätte all dessen geworden, was von den Heiden als göttlich verehrt wurde und was die Zeiten der Aufklärung aus den Kultstätten der Menschheit verbannt haben.
Walther Klaulehn, Lesebuch für Lächler, Die Welt ohne Schwerkraft

Das 'Vater unser' ist ein Strom, in dem das kleinste Lamm waten, aber auch der Elefant schwimmen kann.

Das Vaterhaus eines Mädchens ist sein Grab.
Libanon
i] Dort verkümmert es, wenn es nicht heiratet

Das Vaterland erwartet, dass jeder seine Pflicht tue.

Das Vaterland gehört zum Bereich des Mundwerks, ist untrennbar verbunden mit Eichenlaub und Schwertern und schlechtem Öldruck.
Ossietzky, Das boykottierte Vaterland

Das Vaterland ist ein Beerlein, das fremde Land eine Blutträne.

Das Vaterland ist lieb und süß, dass man sein stets gedencken muss.

Das Vaterland ist überall, wo es dir gut geht.
la] Patria est ubicunque bene.

Das Vaterland kann einen jeden von uns entbehren, aber keiner von uns das Vaterland.
Turgenjew

Das Vaterland über alles!
z] Ans Vaterland, ans teuere schließ' dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen, hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft. Schiller, Wilhelm Tell
bm] Ot cov?ké zemé odumři, ale neodcházej.
ho] Vaderland boven al.
la] Patria nihil dulcias, nihil carius in vita esse debet.
la] Praeferre patriam liberis regem decet.
pl] Jaką taką ojczyznę wolą ludzie, niż wyborną gościnę.

Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben.
Goethe, Faust, I, 5 (Frosch)

Das Vaterland wird nicht in Gefahr sein, solange die Armee in dem Geiste sich erhält, von dem sie in den letzten Kriegen so große Beweise der Treue und Aufopferung gegeben hat.
Kaiser Wilh. I. in seiner Antwort auf eine Adresse d. Herrenhauses (20. Jan. 1887)

Das Vaterland zeige sich als die gemeinsame Mutter der Bürger, die Regierung lasse ihnen so viel Anteil an der öffentlichen Verwaltung, dass sie fühlen, sie haben eine Heimat; besonders werde der Arme geschützt gegen die Tyrannei des Reichen.
Rousseau, Politika

Das Vaterunser hinter sich beten (wie die Hexen).
la] Preces fundere praeposteras.
la] Salutem ex inimicis nostris.

Das Vaterunser ist armer leut zinssgut.

Das Vaterunser ist der größte Märtyrer auf Erden.

Das Vaterunser ist ein hoher Zaun und dickes Gehege, darüber der Teufel nicht kann steigen.

Das Vaterunser ist ein Strom, in dem das kleinste Lamm waten, aber auch der Elefant schwimmen kann.

Das Veh isch guet, numme frisst's keine Ofetürli.
Solothurn
i] Vieh, das fett und schön bleiben soll, will gut genährt sein.

Das Veilchen vermag nichts gegen den Knoblauch.

Das Veraltete kostümiert sich als das Neue, um nicht in seinen Schlupfwinkeln aufgestöbert zu werden.
i] Und das Konterrevoluxionäre als das Revolutionäre.
Becher, Das poetische Prinzip

Das Verantwortungsgefühl in seiner kräftigen Entfaltung treibt den Menschen dazu, die begrenzte kleine Welt der Schöpfung zu durchbrechen und mit dem Kopf gegen den Himmel zu stoßen.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das verbietet sich von selbst.
dä] Det forbyder sig vel selv, det kand ei skee.

Das verborgen Brot ist niedlich.

Das Verborgene reizt.

Das verborgene Riff vermeiden und am offenen scheitern.

Das Verbot ...
Verdoppelt den Genuss.
Grabbe, Don Juan und Faust, IV, 4 (Don Juan)

Das Verbot des Padischah hält drei Tage.

tü] Padişah yasağı üç gün sürer.

Das Verbotene reizt.

Das Verbrechen eines ehrlichen Menschen, sei es auch zufällig und unbedeutend, freut uns viel mehr als die selbstlose oder gar heldenhafte Tat eines Schurken.
Maxim Gorki (1868-1936), Sofia Andrejewna Tolstaja

Das Verbrechen hat kein Asyl, nur gekrönte Verbrecher finden eins auf dem Thron.
Büchner, Dantons Tod

Das Verbrechen, das in des Königs Palast begangen wurde, wird den Hofleuten zur Last gelegt.
Tanganjika

Das verdammte Glück! Ohne das kann man nicht einmal ein guter Spitzbube sein.
Lessing, Die Juden (Stich)

Das Verderben des Besten ist das Schlimmste von allem.
la] Corruptio optimi pessima.

Das Verdienst altert nicht.
i] Wenn es wahr ist, dass das Verdienst nicht altert, so wird es doch vergessen.

Das Verdienst der schönen menschlichen Rede übertrifft weit das des Gesanges. Es ist ihm nichts zu vergleichen, seine Abwechslungen und Mannigfaltigkeiten sind für das Gemüt unzählig. Ja, der Gesang selbst muss auf die simple Sprache zurückkehren, wenn er höchst bedeutungsvoll und rührend werden soll, dies haben auch schon alle große Komponisten bemerkt.
Goethe, Knebel, (15.) 5.1810

Das Verdienst gehört dem Anfänger, wenn es auch der Nachfolger besser macht.

Das verdrießt mich, sagte der Dieb, als er zum Galgen ging.
Bremen

Das Vereinigen ist eine größere Kunst, ein größeres Verdienst. Ein Einigungskünstler wäre in jedem Fache der ganzen Welt willkommen.
Goethe, Wahlverwandtschaften

Das Vereinswesen ist die Festung der Mittelmäßigkeit. Von dem Vereinswesen geht der Verdammungsklatsch gegen das Talent aus.
Anselm Feuerbach, Schriftlicher Nachlass

Das Verführerische für junge Leute ist dieses. Wir leben in einer Zeit, wo so viele Kultur verbreitet ist, dass sie sich gleichsam der Atmosphäre mitgeteilt hat, worin ein junger Mensch atmet. Poetische und philosophische Gedanken leben und regen sich in ihm, mit der Luft seiner Umgebung hat er sie eingesogen, aber er denkt, sie wären sein Eigentum, und so spricht er sie als das seinige aus. Nachdem er aber der Zeit wieder gegeben hat, was er von ihr empfangen, ist er arm.
Goethe, Eckermann, 15.4.1829

Das Vergangene abgetan sein lassen, die Zukunft der Vorsehung anheim stellen - beides heisst den eigentlichen Sinn der Gegenwart nicht verstehen, die überhaupt nur so weit als Realität gelten kann, als sie durch Treue des Gedächtnisses das Vergangene zu bewahren, durch Bewusstsein der Verantwortung die Zukunft in sich einzubeziehen versteht.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das vergangene bedächtlich erachten, das zukünfftig wohl und reiff betrachten.

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