< Sprichwörter >

Das Meer verlassen und den Bach suchen.
Russland

Das Meer verschlingt Weise wie Narren.

Das Meer verweigert sich keinem Flusse.
England

Das Meer wartet nicht auf einen Mann mit einer Schiffsladung.
Irland

Das Meer weist keinen Fluss zurück.

Das Meer winkt dem Deich, aber der Deich nicht dem Meere.
Russland

Das Meer wird schon den Mann machen (= erziehen).
Estland

Das Meer wird vom Winde, das Volk vom Gerede bewegt.

Das Meer wird von einem Steinwurf nicht trübe.

Das Meer wirft großen Unrat aus.

Das Meer wirft mehr Schaum aus als Sand und mehr Sand als Bernstein.
Estland

Das Meer würde ausgeschöpft werden können, wenn es keinen Zufluss hätte.
Palmblätter

Das Meer wurde zu Honig, doch dem Armen fehlte der Löffel.
tü] Deniz bal olmuş, fukara kaşık bulamamış.

Das Meer, das Feuer, die Frau: drei Übel.
Neugriechisch

Das Meeresufer umpflügen.
info] Auf etwas Nutz- oder Fruchtloses unendliche Mühe verwenden. Wenn man dem Gefälligkeiten, Wohltaten erweist, bei dem nie Anerkennung zu hoffen ist.

Das Mehl (kaufe) beim Müller, das Brot beim Bäcker.

Das Mehl aus dem Sack schütten und Asche dafür einraffen.

Das Mehl des Satans gibt schlechtes Brot.

Das Mehl des Teufels verwandelt sich in Grüsche (Kleie).
fr] La farine du diable s'en va moitié en son.
ho] Het meel van den duivel gaat heel in gruis weg.
ital.-schweiz] La farina dal diaul la va in crüsca.

Das Mehl des Teufels wird zur Kleie.

Das Mehl gegen den Wind beuteln, ist Narrheit.

Das Mehl hat er gegeben, aber Kuchen hat er nicht erhalten.

Das Mehl im Maul behalten und mummum sagen.

Das Mehl ist des, der die Brote daraus bäckt.

Das Mehl ist gut, aber der Sack taugt nichts.
info] Papst Clemens brauchte dies Wort in Bezug auf den gewandten Juristen Farinarius, auf dessen Namen es eine Anspielung ist. Derselbe besaß eine tiefe Kenntnis des geistlichen und weltlichen Rechts, und strafte als Advokat und päpstlicher Fiskal mit unerbittlicher Strenge, sündigte aber selbst auf die sträflichste Weise

Das Mehl ist noch nicht gemessen, wovon er das Brot soll essen.

Das Mehl vom Teufel geht gemeiniglich in Graus.

Das Mehl von Peschawer ist nicht ohne Beimischung von Gerste, und die Frauen von Kabul haben keinen Mangel an Freunden.
Persien
info] Die Einwohner der Stadt Kabul sind teils Perser (Schiiten), teils Afghanen (Sunniten). Die Frauen der letzteren haben, nach dem Beispiel ihrer betrügerischen und unmäßigem Trunk ergebenen Männer, ebenfalls den Weg der Tugend nicht gewählt und leben in anderer Weise, wie das Sprichwort andeutet, ausschweifend.
dä] Intet meel er saa fiint, som jo har sander, eller viin saa klar, som jo haar bærme, eller træ saa godt, som jo har knort.

Das Mehr gilt.

Das Mehr gilt.
info] Wer seine Meinung als die Meinung der Mehrzahl geltend machen will. Weil bei Abstimmungen die meisten Stimmen beschließen oder zum Gesetz erheben.
fr] Le plus enporte le moins.
la] Livius: Pars, inquit, major meliorem vicit.
la] Plinius (in epistolis queritur): numerosas sententias non expendi.
la] Plurima vota valent.
la] Plurium calculus vincit.

Das Mehrheitprinzip ersetzt den Bürgerkrieg durch friedliche Mittel.
Fliegende Blätter

Das Meidlin hat Werch an der Kunkel.
info] Von Mädchen, die Liebesgedanken im Kopfe haben.
z] So spricht man, so eines schellig ist und in unordentlicher Liebe der Buhler gefangen.

Das Meidlin im Hûs han und des nicht müßig gahn.
info] Meidlin ist die schwäbische Form für Mädchen. Weitere: Danach sagt man rheinfränkisch: es Mädche (Mehrzahl die Mädcher), niederrheinisch: Mädches, niederdeutsch: 't Mäken, schwäbisch-fränkisch: 's Madla, Mädel, Mädle; thüringisch: 's Mädl, allemannisch-schweizerisch: 's Maidli oder Maidschi, bairisch-österreichisch: 's Madl oder Dirndl, in Tirol: Gitsche.

Das Mein und Dein ist alles Zankes Ursprung.
la] Verba meum atque tuum sunt omnis semina belli.
la] Vis, ne sit bellum, tolle meum atque tuum.

Das Mein und Dein lässt nichts gemein.
bm] Co mého, to vrat', a se svým jak chces.

Das mein und dein macht alle freundt unrein.

Das Meininger Rütli.
info] So nennt man im Meiningenschen, namentlich auf dem Friedhofe des Dorfes Solz, die Stätte, wo die Gattin des dortigen Pastors Magister Heim beerdigt ist, der bei einem Einkommen von 300 Talern sechs Söhne hat studieren lassen, worunter der berühmte Berliner Arzt. An jener Stätte, über dem Grabe ihrer Mutter, schwuren nämlich am 5. Sept. 1775 die sechs Söhne feierlich, einander bis zum Tode zu lieben und dadurch ihre Eltern zu ehren.

Das meiste auf der Welt geht von selbst, der Erfolg lässt oft ganz törichtes Verhalten berechtigt erscheinen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das meiste Leid kommt daher, dass sich so wenige Menschen auf das Vergessen und das Vergessenwerden einrichten.
Weisenborn, Memorial

Das Meiste nimmt das Mindeste weg.
info] Beim Widerstreit der Rechte hebt das größere das geringere auf.
ndt] Dat meiste dempet dat mynneste. Bremen

Das meiste rede mit dir selbst.

Das meiste Teil am Menschen ist Weiberfleisch.

Das Meiste und Beste, was wir haben, hängt von anderen ab. Wir müssen entweder unter Freunden oder unter Feinden leben.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das meiste Unheil in der Welt hat die Schönheit gestiftet, ob sie gleich das Glück oder vielmehr die Wollust einzelner mag befördert haben.
Lichtenberg, Aphorismen

Das meiste Unheil richtet Leichtgläubigkeit an.
Lucius Annaeus Seneca (??-65 n. Chr.), Über den Zorn

Das Melancholische, Dichterische p. p. in der Liebe ist eigentlich eine eigne Form von Anschauung des Genusses..
Lichtenberg, Aphorismen

Das Menschenauge kann von der Wirklichkeit nur erfassen, was seiner Aufnahmefähigkeit entspricht.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Menschenerlebnis ist etwas so grandios Herrliches, dass ich immer schwer von meinem Entzücken in die Wirklichkeit zurückfinden kann.
Alma Mahler-Werfel, Mein Leben

Das Menschengeschlecht befindet sich im besten Zustande, wenn es möglichst frei ist.
Dante Alighieri, Über die Monarchie

Das Menschengeschlecht ist bestimmt, Erleuchtetes zu sehen, nicht das Licht.
Goethe (1749-1832), An Dora

Das Menschengeschlecht kann ohne Freiheit nicht glücklich sein, diese politische Freiheit aber ist auf die Freiheit des Urteils begründet.
Dante, Über die Monarchie

Das Menschengeschlecht wird nicht vergehen, bis dass alles geschehe! Bis der Genius der Erleuchtung die Erde durchzogen!
Johann Gottfried Herder, Journal meiner Reise im Jahr 1769

Das Menschengeschlecht wird vom Schicksal beherrscht.
la] Regitur fatis mortale genus.

Das Menschengeschlecht zittert vor dem Gespenst des Aberglaubens nur deshalb, weil seine unwissenden, vom Blendwerk der Apstel des Betrugs verführten Stammväter ihm ihre Schauder und ihre Vorurteile weitergegeben haben.
Du Marsais/D'Holbach, Essay über die Vorurteile

Das Menschengeschlecht, von Natur aus schlecht, ist durch die Gesellschaft noch schlechter geworden.
Chamfort, Maximen und Gedanken

Das Menschenherz ist ein unergründlicher Born der Traurigkeit: Nur ein einziges Glück wohnt darin, vielleicht noch ein zweites, aber der Menschheit ganzer Jammer vermag dort zusammenzutreffen und als steter Gast darin zu hausen.
Gustave Flaubert, November

Das Menschenkind hat rohe Milch getrunken.
info] Jeder Mensch ist nur ein Mensch
tü] İnsanoğlu çiğ süt emmiş.

Das Menschenleben hat seine Gesetze, man muss sich ihnen mit freundlichem Gesicht fügen: Es ist uns bestimmt, zu altern und manchmal schwach oder krank zu werden, und zwar aller Ärztekunst zum Trotz.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Menschenleben hat Tage wie die Zeit, außerhalb der es wächst, ein Weltwunder.
Hermann Stehr, Der Heiligenhof

Das Menschenleben ist bunt wie die Bohnenblüte.

Das Menschenleben ist ein langer Marsch mit einer drückenden Last auf dem Rücken.
var] Das menschliche Leben gleicht einem langen Wege, auf dem man eine schwere Last zu tragen hat.

Das Menschenleben ist eine fortgehende Schule. Der Staatsmann wie der Bauer muss jeden Morgen die Erfahrungen von gestern sammeln, das Verbrauchte umwenden und erneuern; unsere Seele muss, wenn sie nicht verkommen will, jeden Tag ihre Wäsche wechseln.
Gottfried Keller, Über Jeremias Gotthelf

Das Menschenleben ist eine Pilgerfahrt.
la] Vita hominis peregrinatio.

Das Menschenleben ist eine ständige Schule.
Gottfried Keller

Das Menschenleben ist seltsam eingerichtet: Nach den Jahren der Last hat man die Last der Jahre.
Alfred Polgar

Das Menschenpack fürchtet sich vor nichts mehr als vor dem Verstande, vor der Dummheit sollten sie sich fürchten, wenn sie begriffen, was fürchterlich ist, aber jener ist unbequem, und man muss ihn beiseite schaffen, diese ist nur verderblich, und das kann man abwarten.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VII,3

Das menschlich Höchste für den Menschen ist nach der Religion die Kunst, die ja in allen ihren Zweigen auch der Religion dient. Selbst das Landschaftsbild ist als Bild eines göttlichen Werkes religiös, und es wird desto mehr und desto schöner, je tiefer es göttliches Walten darzustellen imstande ist.
Adalbert Stifter, Die oberösterreichische Kunstausstellung (1863)

Das Menschliche aber ist das sich Ordnende, Einfache und dringt aus dem Unverständlichen durch zum Verständlichen. Macht das Rätselhafte zum Begreifbaren.
Johannes R. Becher, Abschied

Das menschliche Dasein ist zu traurig ohne Gottesglaube.
Carl Hilty, Neue Briefe

Das menschliche Denken ist.. seiner Natur nach fähig, uns die absolute Wahrheit, die sich aus der Summe der relativen Wahrheiten zusammensetzt, zu vermitteln, und es tut dies auch.
Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus

Das menschliche Denken wird sinnlos, wenn es kein bestimmtes Ziel hat.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das menschliche Elend wird in dem Maß abstrakt, als es sich von uns entfernt.
André Gide, So sei es

Das menschliche Geschlecht ist erst der Mensch.
L. Schefer, Laienbrevier, Mai

Das menschliche Gewissen kann von sehr fragwürdiger Nahrung leben. Ein Mensch, der sich mit der sorgfältigsten Ausführung einer schwierigen Sache befaßt, verliert seine Selbstachtung niemals. Der Ausreißer, der Pfuscher, der Simulant, der Feigling, der Schwächling, alle die können über ihrem eigenen Missgeschick und ihren Betrügereien die Fassung verlieren, aber der Mensch, der das Böse geschickt, energisch, meisterhaft vollbringt, wird nach jedem Verbrechen stolzer und kühner.
Shaw (1856-1950), Der Arzt am Scheidewege, Vorrede über Ärzte

Das menschliche Herz ist ein ungeheures Labyrinth voll anziehender und abstoßender Gefühle..
Weitling, Das Evangelium des armen Sünders

Das menschliche Herz weidet sich gern an den eigenen Vorzügen oder an der Schlechtigkeit der andern; und wer.. nicht hoffen kann, es andern in Tugend gleichzutun, strebt danach, ihnen gleich zu werden, indem er sie von ihrer Höhe herabzureißen trachtet.
Francis Bacon (1561-1626), Über den Neid

Das Menschliche ist unsere letzte Entschuldigung, unsere erste Rechtfertigung sollte es sein.
Martin Kessel

Das menschliche Leben beginnt jenseits der Verzweiflung.
Jean-Paul Sartre, Die Fliegen

Das menschliche Leben gleicht einem langen Wege, auf dem man eine schwere Last zu tragen hat.

Das menschliche Leben ist ein Ei in der Hand eines Kindes.
Rumänien

Das menschliche Leben ist ein Kampf von Anfang bis Ende. Wir alle werden unter Umständen voll Kummer und Schmerzen in dieses elende Leben geboren.
August Strindberg, Der Sohn der Magd

Das menschliche Leben muss schön sein, ein Mensch muss für das Schöne leben.
Gladkow, Das Birkenwäldchen

Das menschliche Leben, soweit wir es kennen, ist eine Welle, die völlig in Glanz und Freude gehüllt ist.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1884)

Das menschliche Wesen ist ebenso leicht der Menschenfresserei fähig wie der Kritik der reinen Vernunft, es kann mit den gleichen Überzeugungen und Eigenschaften beides schaffen, wenn die Umstände danach sind, und sehr großen äußeren Unterschieden entsprechen dabei sehr kleine innere.
Robert Musil

Das menschlichste Geschäft ist, Menschen zu erziehen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache, und wir haben sie, um zu sprechen.
Fontane, Unwiederbringlich

Das mentale Gebet, das alle Religionen einschließt und ausschließt und nur bei wenigen, gottbegünstigten Menschen den ganzen Lebenswandel durchdringt, entwickelt sich bei den meisten nur als flammendes, beseligendes Gefühl des Augenblicks, nach dessen Verschwinden sogleich der sich selbst zurückgegebene, unbefriedigte, unbeschäftigte Mensch in die unendlichste Langeweile zurückfällt.
Goethe (1749-1832), Divan, Noten und Abhandlungen - Ältere Perser

Das merk dir zum Latein.

Das merke gut, wenn du trinkst, vertrink' nicht frohen Mut.

Das merke ich, erwiderte der Gast, indem er den Gänsbraten beroch, als der Wirt sagte, er lobe sich selbst.

Das Merkmal einer echten Gaunerei ist, dass der Gesellschaft auf eine unmoralische Weise eine moralische Lehre erteilt wird.
Peter Bamm, Anarchie der Liebe

Das Merkmal eines kleinen Menschen ist, dass er hochmütig wird, wenn er merkt, dass man ihn braucht.
Fliegende Blätter

Das Merkmal geistiger Mittelmäßigkeit ist die Sucht, immer etwas zu erzählen.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das merkt a Pfard und hot 'n klên'n Kupp.

Das merkt ein Kind.
la] Et puero perspicuum. Hoc et puero notum.

Das merkt ein Schaf.
nl] Dat kan een schaap wel merken.

Das Merkwürdige an den Statussymbolen ist, dass die Symbole den Menschen wichtiger sind als der Status.
Parkinson

Das Messer beim Heft haben.

Das Messer darf wohl den Bart nehmen, aber nicht das Kinn.

Das Messer der Verwandten ist stumpf.
Ägypten

Das Messer im Ferkel stecken lassen.
info] Eine Arbeit unvollendet lassen.

Das Messer in der Scheide, auch das. geht weg.
Estland
info] In der Not gibt man alles her

Das Messer is so scharf, ma könnte druffe uf Rom reiten.
dk] Det er en kniv, som ei kand bide paa en pung.

Das Messer is starch, es schnîdt's kalt Wasser bis uf de Grund.
info] Ironisch von einem sehr stumpfen Messer.
en] 'T is a good knive, it will cut butter when 't is melted.

Das Messer ist bis auf den Knochen gegangen.
info] Die Wunde ist bedeutend tief.

Das Messer ist des Schweines, der Junge des Mädchens Mörder.
Estland

Das Messer ist nicht des Kindes Spielzeug.
Estland

Das Messer ist so scharf, dass man darauf bis Paris reiten könnt und thät kein Wolf kriege.
Ulm

Das Messer kennt seinen Herrn nicht.
Kongogebiet

Das Messer kommt nicht aus der Scheide.
fr] Ce cousteau ne vient pas de ceste gaine.

Das Messer macht den Koch nicht.

Das Messer macht nicht den Koch.

Das Messer nach der Schneide, das Schiff nach dem Wasser.
nl] Neem't mes naar de scheê, en't schip naar de zee.

Das Messer neben die Scheide stecken.

Das Messer noch tiefer in die Buttermilch stecken.
z] Ich will ihm zu verdrieß und zu leid (spricht mancher verlorene Sohn) ein Bankett halten und das Messer noch tiefer in die Buttermilch stecken.

Das Messer sammt der Scheide.
nl] Daar is het mes met de scheede.

Das Messer schneidet das Wasser bis auf den Boden.

Das Messer sitzt (steht) ihm an der Kehle (Gurgel).
info] Ist in großer Gefahr. In dem Sinne: Er ist auf den Hund gekommen. Es geht mit ihm auf die Neige. Er pfeift auf dem letzten Loche. Es ist mit ihm Matthäi am letzten.
fr] Il a les pieds sur la braise. Il danse sur la corde. Il est aux abois, au bout de ses flûtes, près de ses pièces. Il est bas percé. Il ne bat plus que d'une aile. Il ne sait plus sur quel pied (corde) danser, de quel bois faire flèche, où donner de la tête. On lui a mis le couteau sur la gorge.
la] Ensis haeret jugulo. Ovid
la] Sita est res in cuspide ferri.

Das Messer steht ihm an der Kehle.

Das Messer zerstört die Scheide.
fr] La lame use le fourreau.

Das Messer, das dein Brot schneidet, kann dir auch den Hals abschneiden.
Surinam
info] Etwas kann zum Guten und Schlimmen ausschlagen; es kommt alles auf Zeit und Umstände an. Der beste Freund kann der gefährlichste Feind werden.

Das Messer, so er gewetzt, hat ihm selbst die Gurgel abgeschnitten.

Das Messer, was sie gewetzt, ist in ihre eigene Kehle gegangen.

Das Messgewand an den Nagel hängen.
info] Aus dem geistlichen Stande treten.

Das Metaphysische der Naturlehre bleibt dein Philosophen anheimgestellt, wie hoch und tief er anfangen, wie weit herab und herauf er gehen will, bleibe ihm überlassen.
Goethe (1749-1832), Aphorismen und Fragmente - Philosophie

Das methodische Geschwätz der hohen Schulen ist oftmals nur ein Einverständnis, durch veränderliche Wortbedeutungen einer schwer zu lösenden Frage auszuweichen, weil das bequeme und mehrenteils vernünftige 'Ich weiß nicht' auf Akademien nicht leichtlich gehöret wird.
Immanuel Kant, Träume eines Geistersehers

Das milchmaul trägt die windeln noch um den bauch.

Das Minarett ist umgestürzt, hängt den Barbier auf!
Maurisch

Das mindere (schwache) Geschlecht
la] sexus sequior

Das mir's Herze im Leibe lachte.
info] Bezeichnung großer, oft verborgen gehaltener Freude

Das Misere singen.
z] Die Handwerks-Leute das Misere sangen und am Hungertuche nagten.

Das Missgeschick beginnt immer nach Mitternacht.
it] I guai cominciano sempre dopo la mezzanotte.

Das Misslingen des Brotes ist einer Woche Schaden, die missernte - eines Jahres Schaden, das misslingen der Heirat ist ein lebenslanger Schaden.
Estland

Das Misstrauen gegen den Geist ist Misstrauen gegen den Menschen selbst, ist Mangel an Selbstvertrauen.
Heinrich Mann, Geist und Tat

Das Misstrauen ist die erste Pflicht jedes Gesetzgebers. Gesetze sind ja nicht gemacht gegen die Guten, sondern gegen die Schlechten, und je mehr Schlechtigkeit ein Gesetz bei seinem Adressaten voraussetzt, um so besser ist es selbst.
Radbruch

Das Misstrauen ist die Mutter der Sicherheit.

Das Misstrauen ist eine der giftigsten Schattenpflanzen des politischen Exils.
Franz Werfel, Die wahre Geschichte vom wiederhergestellten Kreuz

Das Misstrauen ruft die Täuschung herbei.

Das Misstraun ist die schwarze Sucht der Seele,
Und alles, auch das Schuldlosreine, zieht
Fürs kranke Aug' die Pracht der Hölle an.
Kleist, Die Familie Schroffenstein, I, 2 (Silvester)

Das Missverhältnis zwischen einer Idee und den Menschen, die diese Idee verwirklichen sollen, ist in jedem Falle größer als das zwischen den Menschen, die für diese Idee sterben und denen, die sie verraten.
Arthur Schnitzler, Aphorismen und Betrachtungen

Das Missverständnis ist die diplomatische Form der Ausrede.
Lothar Schmidt

Das Misten hilft nur, wenn das Säen hinzukommt.
Russland

Das mit Bitten gekriegt ist, stehet dürr genug.
fr] Acheter est meilleur marché que demander.

Das mit Lüge Verdiente ist Diebstahl.
Estland

Das Mitleben ist doch ganz was anders, jedes wahre Verhältnis und missverhältnis spricht sich sogleich aus.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise I, 18

Das Mitleid der Reichen ist wie der Tau, der vom ersten Strahl der Sonne aufgesogen wird.
Russland
it] Spesso finta pietà, è vera invidia.

Das Mitleid des Henkers liegt im sicheren Hieb.
Ernst Jünger

Das Mitleid des Mannes enthält keine Milch.
info] Er kann dem Baby nicht helfen) Kikuju (Kenia)

Das Mitleid eines Ausländers ist wie der Schatten eines Dorns.
Rumänien

Das Mitleid füllt den Magen nicht aus.
Oberitalien

Das Mitleid hat ein sonderbares Tastgefühl und heiligt alles, was es berührt: aber es hat auch ausgestochene Augen. Es ist oft unwillkürlich egoistisch, paradox und haltlos.
Henri Barbusse (1873-1935), Der Schimmer im Abgrund

Das Mitleid ist die letzte Weihe der Liebe, vielleicht die Liebe selbst.
Heine, Italien, III: Die Stadt Lucca

Das Mitspracherecht des Schauspielers ist der Text.
Fritz Kortner

Das Mittel des Dramas ist der erregte Mensch als Träger der ausdrucksvollen Gebärde und des erregenden Wortes.
Arnold Zweig, Versuch über Kleist

Das Mittel gegen die Furcht: das gute Gewissen.
Bias

Das Mittel halte oder treffen ist schwer und nicht einem jeden gegeben.

Das Mittel halten (oder treffen) ist schwer und nicht einem jeden gegeben.

Das Mittel ist der Tugend Straße.

Das Mittel ist oft schlimmer als die Krankheit.
dk] De beste middel undertiden er at bruge intet middel.
fr] Le remède est pire que le mal.
en] The cure is worse than the evil.

Das mittel triff, dan alle spil verderbt zu wenig oder zuil.
la] Omne nocet nimium, mediocriter omne gerendum.

Das Mittel zwischen Sein und Nichtsein ist etwas zu werden.

Das Mittelalter hat sich ganz aus dem Rohen entwickelt. Über die alte Zivilisation, die alte Philosophie, Politik und Jurisprudenz hatte es reinen Tisch gemacht, um in allem wieder von vorn anzufangen. Das einzige, das es aus der untergegangenen alten Welt übernommen hatte, war das Christentum und eine Anzahl halbzerstörter, ihrer ganzen Zivilisation entkleideter Städte.
Engels, Der deutsche Bauernkrieg

Das Mittelmaß ist gut dem Alter wie der Jugend,
Nur Mittelmäßigkeit allein ist keine Tuend.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Das Mittelmaß ist in allen Dingen das beste.
la] Mediocritas in omni re est optima.
Wahlspruch der Stadt Lübeck

Das Mittelmäßige nur ist des Guten Feind,
Das Schlechte nicht, weil Schlecht und Gut sich nicht vereint.
Das Schlechte lässt sich nie dem Guten ähnlich drechseln,
Sie sehn sich gar nicht gleich und sind nicht zu verwechseln.
Das Mittelmäßige dagegen, weil es zwischen
Gutem und Schlechtem liegt, droht beides zu vermischen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Das mittelmäßige und schlechte Buch ist es eben dadurch, dass es vielen zu gefallen sucht und auch gefällt.
Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches

Das mittelste Pferd muss den Wagen ziehen.
nl] Het middelste paard moet den wagen trekken.

Das mittlere Alter ist nicht der Anfang vom Ende, sondern das Ende vom Anfang.
Erich Butterworth, How to avoid Middle-Age Letdown

Das mittlere Talent ist freilich immer in der Zeit befangen und muss sich aus denjenigen Elementen nähren, die in ihr liegen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 21.1.1827

Das mittlere Wirken der Weltgenese sehen wir leidlich klar und vertragen uns ziemlich darüber; Anfang und Ende dagegen, jenen in den Granit, dieses in den Basalt gesetzt, werden uns ewig problematisch bleiben.
Goethe (1749-1832), Geologie und Mineralogie - Fragmentarisches - Hervortreten des Unterschiedlichen

Das möcht ein Bauern verdrießen.
info] Ist sehr verdrießlich. Auf den Bauer wird hier mit Verachtung hingewiesen, weil derselbe im Mittelalter wenig galt. Was einen Bauern verdrießt, muss äußerst verdrießlich sein, da er an Verdruss und Schweiß gewöhnt ist

Das möcht' einen Heiden erbarmen.

Das möcht' ich nicht in meinen Schuhen haben, viel weniger in meinem Leibe.
info] In Bezug auf schlechtes Getränk u. dgl.
ho] Ik will het nog niet eens in mijn laarzen (schoenen) hebben, laat staan in mijn lijf.

Das möchte (wollte) ich sehen, sagte der Blinde.
en] Tat would I fain see, said blind George of Hollowee.

Das möchte den Teufel verdrießen.
nl] Dat mag den drommel verdrieten.

Das möchte einen Stein erbarmen!

Das möchte einen Stein erbarmen.
info] Auch die unempfindlichsten Herzen könnte es zum Mitleid bewegen. Wahrscheinlich von den steinernen Heiligenbildern, die von dem Flehen der Gläubigen oft bis zu Tränen gerührt wurden. So gab dem heiligen Bernhard ein steinernes Muttergottesbild die süßeste Jungfermilch stromweis aus ihren Brüsten zu kosten. Der Abt Benedict Knittel von Schönburg, der Vater unserer Knittelverse, hat das Wunder durch folgende Verse am Eingange der Kirche jenes Klosters verewigt: 'Salve, o Bernarde, pie, Jesu lactans et Mariae'.
la] Adamanta movet. Ovid

Das möchte ich duzen.
Breslau

Das möchte ich nicht in meine Stiefeln gießen.
nl] Ik will het nog niet eens in mijne laarzen hebben, last staan in mijn lijf.

Das möge der Jude Apella glauben.
la] Credat Judaeus Apella.
Horaz, Satiren I, 5, 100

Das mögen die Götter wissen.

Das Mögliche soll der Entschluss
Beherzt sogleich beim Schopfe fassen:
Er will es dann nicht fahren lassen
Und wirket weiter, weil er muss.
Goethe (1749-1832), Faust - Vorspiel auf dem Theater (Direktor) Vs 223

Das mögst dü schon verbrennen mit'm Chumetz (gesäuertes Brot).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Die Redensart wird in Bezug auf unbrauchbare Sachen gebraucht, und bezieht sich darauf, dass am Vorabend des Osterfestes alles Gesäuerte sorgfältig im Hause aufgesucht und verbrannt wird.

Das mögt ihr sieden oder braten!

Das Mönchskleid macht keinen Klostergeistlichen.

Das Möndchen hat 'nen Brunnen.
Tschechien
info] Wenn der Mond einen Ring hat, will es regnen

Das Moor verdorrt, es schwelt im Feuer der Himmel,
Es fällt der Mond, der Erdkreis brennt.
Das Muspilli (um 860)

Das Moos abmähen.
info] Wenn man gegen etwas Zartes und Unreifes zu hart verfährt oder den Nutzen vor der Zeit haben will. Von denen, die, sobald nur das Gras anfängt Spitzen zu treiben, es abmähen, ohne es die gehörige Größe erlangen zu lassen.

Das Moos ist der Stube Wärme, der Lehm des Ofens Stärke.
Estland

Das Mooslied singen.
z] 'S Moosg'sang, ein Lied, das die alten Jungfrauen schildert.

Das Möpslein fällt dem Doggen in die Beine.

Das moralische Element kommt im Frieden seltener zur Geltung, im Kriege bildet es die Bedingung jeglichen Erfolges, den wahren Wert der Truppe
Helmuth Graf von Moltke

Das moralische Gewitter in einem außerordentlichen Menschen wirkt vielleicht elektrisch auf junge, noch nicht abgestumpfte Gemüter, die ihm nahen, wie das materielle Gewitter auf Katzen wirkt.
Heine, Ludwig Börne, 1. Buch

Das Moralische versteht sich immer von selbst.
Fr. Th. Vischer, Auch Einer

Das Morgen ist jeweils schlechter als das Heute (d. h. es kommt selten etwas Besseres nach).
la] Cotidie est deterior posterior dies.

Das Morgen ist Schüler des Heute.
vgl] Ein Tag lehrt den anderen.
la] Discipulus est prioris posterior dies.

Das Morgengebet eröffnet das Fenster von dem Zimmer unserer Seele um die Sonne der Gerechtigkeit einzulassen, das Abendgebet aber schließt die Tür für die Wollust*35 und die höllische Finsternis.

Das Morgengebet öffnet das Fenster unserer Seelen, das Abendgebet versperrt die Tür vor den höllischen Geistern.

Das Morgenrot dämmert, das Schwein (o. der Hagestolz) treibt sich umher.
Estland

Das Morgenrot draußen, ein Sack am Hals, (ist es) draußen hell, eine Furche hinten, (ist es) draußen dunkel, die Peitsche in der Hand.
Estland

Das Morgenrot preisen und die Sonne unbesungen lassen.
Russland

Das morsche Rad bricht zuerst.
en] The worst spoke in a cart breaks first.

Das Moschustier vergisst das Netz, aber das Netz vergisst nicht das Moschustier.
Malaysia

Das moskowitische Lamm.
z] Es wächst in der kleinen Tatarei zwischen Don und Wolga. Es ist ein merkwürdiges Gewächs, auf einem starken Stengel drei Fuß hoch, auf welchem die Frucht, Boramez genannt, nach Art eines Kürbis oder einer Melone steht, welche von aussen die Gestalt eines Lammes an Füßen, Ohren, Kopfe, Schwanz und ganzem Leibe präsentirt. Wenn es vom Stiel abgelöst wird, gibt es einen Saft, wie rot Blut. Wenn es reif, so bekommt es ein Fell und Wolle wie ein Lamm, so man wider die Kälte gebrauchen könnte. Die Wölfe sollen auch diesem Gewächs ebenso gierig nachstellen als den Lämmern.

Das Motiv einer guten Handlung ist manchmal nichts anderes als zur rechten Zeit eingetretene Reue.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das müd'ste, Jammervollste ird'sche Leben,
Das Alter, Mangel, Schmerz, Gefangenschaft
Dem Menschen auflegt, - ist ein Paradies
Gegen das, was wir vom Tode fürchten.
Shakespeare (1564-1616), Maß für Maß, III,
(Claudio)

Das Mühen ums Schöne ist ein Zweikampf, in dem der Künstler aufschreit vor Angst, noch ehe er besiegt ist.
Charles Baudelaire (1821-1867), Das Confiteor des Künstlers

Das Mühlrad ist zerbrochen,
Die Liebe hat doch kein End;
Und wenn sich zwei Herzlieb tun scheiden,
So reichen sie einand die Händ.
Volkslied: Das Mühlrad

Das Mühlrad läuft immer, kommt aber nirgends hin.

Das mühsam erlangte Glück wird doppelt genossen.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das Mûl (Maul) öss em wie e Schoppeloch (Schüneloch) on de Mage wie e Möddfach.
info] Möddfach = Mittelfach der Scheune.

Das mul voll fladen han.
info] Brei im Munde haben.

Das mulus mulum spielen.
info] Loben, um wieder gelobt zu werden.

Das Münch[n]er Kind kennt keinen höhern Turm als den Frauenturm.

Das Münchener Kind kennt keinen höhern Turm als den Frauenturm.

Das Mundtuch möchte ein Tischtuch werden.
Jamaika

Das Mundwerk einer Frau macht niemals Ferien.
Schwarze in den USA

Das Mus ist noch nicht gar.

Das Mus verschütten.
z] Wenn sie das muss denn gar verschütt.
z] Wie unser aller Eltermutter das Muss also verschütt.
z] Ein bös Tyran all Ding zerrüt, in allem tun das Mus verschüt.

Das musikalische Talent kann sich wohl am frühesten zeigen, indem die Musik ganz etwas Angeborenes, Inneres ist, das von Außen keiner großen Nahrung und keiner aus dem Leben gezogenen Erfahrung bedarf.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 14.2.1831

Das muss dem Esel krauen.
info] Das wird er gern hören, wird ihm angenehm sein

Das muss ein böser Wind sein, der einem nichts Gutes herbläst.

Das muss ein böses Tier sein, das sich verteidigt, wenn man es angreift.
Frankreich

Das muss ein Mann tun, der Courage hat, sagt Schneider Lai, als ihn seine Frau unter das Bett (o. den Tisch) getrieben hatte.
info] Spott auf j-n, der, nachdem er sich feig benommen hat, seinen Rückzug als eine mutige Tat darstellt. Dem Sprichwort soll ein wirklicher Vorgang in Daun (Regierungsbezirk Trier) zu Grunde liegen. Ein Schneider Namens Lai soll von seiner Frau unter das Bett oder unter den Tisch getrieben worden sein, dann dieselbe drohend angesehen und ausgerufen haben: Das muss ein Mann tun, der Courage hat.

Das muss ein mut seyn; wann drey Hund beyeinander im Brunnen ligen, so frewet sich einer so sehr als der ander.

Das muss ein Prophet sein, der das verstehen will.
la] Praeter Sibyllam leget nemo. Plautus

Das muss ein schlechter Advokat sein, der Wasser trinkt.

Das muss ein schlechter Hund sein, der des Pfeifens nicht wert ist.

Das muss ein schlechtes Kind sein, wo sich kein Vater zu finden lässt.
ndt] Dat mot en slecht Kind siyn, wo sik kein Vâr tau finnen lätt. Büren

Das muss ein starker Zaun sein, den nicht jede Sau umwühlen soll.

Das muss eine kluge Hand sein, die Narren scheren will.

Das muss einem Kinde einleuchten.
info] Was sehr leicht zu verstehen ist.

Das muss geahndet werden!

Das muss gehen, und wenn der Teufel auf Stelzen geht.
Franken

Das muss geschehen und wenn zehn Teufel dagegen wären.
fr] Il faut que cela soit, veuille Dieu, veuille diable.

Das muss gscheh'n und wenn's Gratz gilt.
info] Und wenn ich auch die größten Schwierigkeiten zu überwinden, die größten Opfer zu bringen hätte, so muss ich doch mein Ziel erreichen.

Das muss ich wissen, was mein Weib für Schenkel hat.
info] Um zu sagen: in dieser Sache habe ich nur die genaueste und zuverlässigste Kenntnis.

Das muss ihm der Neid lassen.

Das muss ihm zu den Zehen herausschwären.
nl] Het moet of ten teenen (mond) uitzweren.

Das muss in Buxtehude geschehen sein.
info] Also nirgends

Das Muss ist ein saures Essen.

Das Muss ist ein schlimmes Essen.
la] Aut servias, ut servus, aut fugias, ut cervus.

Das Muß ist eins von den Verdammungsworten, womit der Mensch getauft worden.
Büchner, an die Braut, nach dem 10. 3. 1834

Das muss ist hart, aber beim muss kann der Mensch allein zeigen, wies inwendig mit ihm steht. Willkürlich leben kann jeder.
Goethe (1749-1832), An J. F. Krafft, 31.1.1781

Das muss ja seyn ein armer mann, der nicht ein Fähnlein Läuss ernehren kann.

Das muss man (o. wird man nicht) mit Wachholder vertreiben.
info] Von unreiner Luft, eigentlich und uneigentlich, Ärgernis usw.

Das muss man den Engländern lassen, dass sie von lange her das Gute zu schätzen wußten und dass sie eine grandiose Art haben, es zu verbreiten.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise I, 27.9.1786

Das muß man den Engländern lassen, daß sie von lange her das Gute zu schätzen wußten und daß sie eine grandiose Art haben, es zu verbreiten.
Goethe, Italienische Reise I, 27.9.1786

Das muss man einem vorreden, der keine Haare mehr auf dem Kopfe hat.
Niederlausitz
info] Einem, der alt und kindisch geworden ist.

Das muss man im Leben immer, alles von Herzen tun.
Paustowski, Der Vagabund

Das muss man in den Schornstein schreiben.
info] So sagt man in Baden von etwas sehr Seltenem, nicht oft Vorkommendem, z.B. einem seltenen Besuche.

Das muss man mit der großen Zehe in den Schornstein schreiben.
info] Ein freudiges Ereignis, seltenen Besuch.

Das muss man mit in den Kauf nehmen.

Das muss man mit schwarzer Kreide in den Rauchfang schreiben.
Steiermark
info] Um etwas ironisch als seltenen, merkwürdigen Fall zu bezeichnen. Auch um etwas der völligen Vergessenheit zu übergeben.

Das muss man schmieden, weil's heiss ist.

Das muss man über einen andern Leisten schlagen.
nl] Hij schoeit het op eene andere leest.

Das muss schon ein Mensch von hoher Art sein, dem die Sehnsucht nach Freiheit etwas anderes bedeutet als die Begier nach Verantwortungslosigkeit.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das muss sein, und sollt's Magdeburg kosten.

Das muss wohl ein schlechter Hund sein, der des Pfeifens nicht wert ist.

Das müssen Domherren sein, sagte der Blinde, als er zwei Vorübergehende Zoten reißen hörte.

Das müssen vornehme Leute sein, sagte er, ihr Hintern hat zwei Hälften.

Das musst du als ein Knabe leiden,
Dass dich die Schule tüchtig reckt.
Die alten Sprachen sind die Scheiden,
Darin das Messer des Geistes steckt.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VIII

Das müsst ein ungeschlachter Wein sein, der eim nit gießet gut Latein ein.
fr] Après bon vin bon cheval.

Das müsste (würde) einen Juden verdrießen.
z] ..Ein Jüden solt es wohl verdrießen.

Das müsste denn sein.
Breslau
info] Ironische Bemerkung, wenn jemand durch eine Lüge etwas zu beweisen sucht.

Das müsste ein armer Teufel sein, dem nicht eine Seele diente.
fr] Le diable est pauvre qui n'a point d'ame.

Das müsste ein dummer (heilloser) Teufel sein, dem er eine Seele entführt.
info] Von einem Geistlichen, der nicht bessernd und sittlich erhebend wirkt.

Das müsste ein schlechter Hengst sein, der nicht einen Schlag von der Mähre ertragen könnte.
info] Die Begierden sind blind, sobald sie ihre Befriedigung durchaus verlangen.

Das müsste gar eine schlechte Kunst sein, die sich auf einmal fassen ließe, deren Letztes von demjenigen gleich geschaut werden könnte, der zuerst hereintritt.
Goethe (1749-1832), Wanderjahre II,3

Das müsste keine Jugend sein,
Die nicht mal stapfte querfeldein
Dem Gärtner grad durch den Salat
Und hielte das für große Tat.
Der Gärtner schimpft erst hinterdrein
Dann aber denkt er lachend: nein,
Das müsste keine Jugend sein..
Will Vesper, Rufe in die Zeit

Das müsste sein ein schlimmer Wein, daraus nicht flösse gut Latein.

Das Mütlein sinken lassen.
z] Paulus lässet bald das stolze Mütlein sinken.

Das Mutterherz ist der schönste und unverlierbarste Platz des Sohnes, selbst wenn er schon graue Haare trägt; und jeder hat im ganzen Weltall nur ein einziges solches.
Stifter

Das Mutterherz kann nicht lügen.
Niederlande

Das Mütterliche verehrt mir. Der Vater ist immer nur ein Zufall.
Friedrich Nietzsche

Das Mütterliche verehrt mir. Der Vater ist immer nur ein Zufall.
Nietzsche, Unschuld des Werdens

Das mutterlose Kind steht im Wege, wenn die Stiefmutter backt.
Finnland

Das Mutterschaf hütet sich davor, auf sein Lamm zu treten.

Das mutwillige Kind gibt keine Ruhe, auch dem guten Reitpferd darf nie Ruhe gegeben werden.
Spanien

Das Mysterium der Liebe ist größer als das Mysterium des Todes. Die Liebe allein zählt.
Oscar Wilde, Salome

Das Mysterium ist nicht eine undurchdringbare, sondern nur verhüllte Wahrheit. Nur was der Geist bewundert, das verehrt, liebt, betet das Herz an.
Franz Xaver von Baader, Sämtliche Werke

Das Nachbier ist wie das Gebräu, aber viel dünner.
info] Um zu sagen, der Vater war nicht viel wert, der Sohn noch weniger.
bm] Tyze patoky jenom ze jestĕ řidsí.

Das Nachdenken des Dummen gleicht dem Schlaf.

Das Nachdenken ist eine höchst zwecklose Beschäftigung, solange man nichts von den Tatsachen weiß.
Bernhard Shaw

Das nachdenkende, betrachtende, forschende Leben ist eigentlich das höchste und menschlichste, allein in gewisser Art lässt es sich doch nur in höherem Alter vollkommen genießen.
Wilhelm von Humboldt, An Charlotte Diede, 9. 7. 1824

Das nachgelassene Brot wird hinterher süß.
Estland

Das Nachgeld macht den Markt.

Das Nachlassen der Kräfte ist ein Hilfsmittel, um besser zu beten. Die Entspannung verscheucht die Spinnweben aus dem Geist.
Mutter Teresa

Das nächste Blut erbt das Gut.

Das nächste Jahr in Jerusalem.
info] Ein alter Festwunsch der Juden zum neuen Jahre.

Das nächste Spiel ist immer das schwerste Spiel!
Sepp Herberger, Rundbrief an die Nationalspieler, 20. August 1954

Das Nächste, das Liebste.

Das Nachtlager (od. die Herberge) ist Gottes.
Estland

Das Nachtlager (od. die Herberge) trägt ja keiner auf dem Rücken.
Estland

Das nackte Kind, das zagt nicht;
Mit seinem Pfennig springt es fort
Und kennt recht gut den Semmelort,
Ich meine des Bäckers Laden.
Goethe (1749-1832), Gott und Welt - Die Weisen und die Leute (Krates)

Das nackte Leben ist schon in unsern Zeiten eine Wohltat.
Goethe (1749-1832), Mädchen von Oberkirch A I Sz 1
Gräfin

Das Nah- und Nächstliegende ist es, was den Menschen wahrhaft bewegt, woran seine Kräfte sich naturgemäß ausbilden. Innerhalb der Familie betätigt er am stärksten die beiden Kräfte, die untrennbar und verhängnisvoll in ihm verschlungen sind: den Egoismus und die Liebe.
Ricarda Huch (1864 - 1947)

Das Nah- und Nächstliegende ist es, was den Menschen wahrhaft bewegt, woran seine Kräfte sich naturgemäß ausbilden. Innerhalb der Familie betätigt er am stärksten die beiden Kräfte, die untrennbar und verhängnisvoll in ihm verschlungen sind: den Egoismus und die Liebe.
Ricarda Huch, Familienleben der Gegenwart

Das Nahen des Alters bringt etwas wie eine absolute Muße mit sich. Man braucht sich nicht mehr zu strecken, um sich irgendwelche Lorbeeren zu pflücken. Man weiß, dass das Ziel bereits im Vergangenen war, dass man sozusagen darüber hinweggeschossen hat.
Marcel Jouhandeau

Das Naheste, das Nötigste.

Das nähm' ich für des Kaisers Gut.

Das Naive als natürlich ist mit dem Wirklichen verschwistert. Das Wirkliche ohne sittlichen Bezug nennen wir gemein.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 60

Das naive menschliche Denken geht von der Sache aus, das wissenschaftliche von der Methode.
Carl Friedrich von Weizsäcker

Das Nämliche wollen und das Nämliche nicht wollen, das erst ist unwandelbare Freundschaft.
Sallus, Catil.

Das Narrenfieber ist schwer zu heilen.
it] Chi è ammalato di pazzia tarda molto a guarire.

Das Narrenhandwerk ist gemein in der Welt und ist wenig Besserung drin zu vermuten.

Das Narrenhandwerk ist gemein in der Welt.

Das Narrenseil geht um den Erdkreis wie die Sonne.

Das Närrische der Aufgeblasenheit besteht darin, dass derjenige, der andere so wichtig schätzt, dass er glaubt, ihre Meinung gebe ihm einen so hohen Wert, sie gleichzeitig so verachtet, dass er sie gleichsam als nichts gegen sich ansieht.
Kant, Bruchstücke aus dem Nachlasse

Das Närrischste ist, dass jeder glaubt, überliefern zu müssen, was man gewußt zu haben glaubt.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 583

Das Närrischste, was es gibt, ist eine Mutter mit ihrem ersten Kind.

Das Naschen nimmt Geld und Gut hin.

Das Naschmaul muss Gefahr ausstehen.

Das Nasenende hast du wol angefasst (gesehen), aber noch nicht das Lebensende.
Estland

Das Nasse (= das Bier) lacht nicht den Mann aus, der Mann lacht das Nasse aus.
Estland

Das nasse Holz verbrennt mit dem trockenen.

Das Naturell, das man mit der Milch eingesogen, geht nur mit dem Leben fort.
Türkei

Das Natürliche ist keine Schande.
la] Naturalia non sunt turpia. Euripides

Das Natürliche ist nicht schimpflich.
la] Naturalia non sunt turpia.
Vergil, Georgica (Auch bei Euripides)

Das natürliche Recht aber ist die Freiheit, und die weitere Bestimmung derselben ist die Gleichheit in den Rechten vor dem Gesetz.
Hegel

Das natürliche Recht eines jeden wird bloß durch seine Macht bestimmt; daraus folgt, dass, wenn jemand einen Teil seiner Macht, gezwungen oder freiwillig auf einen anderen überträgt, er ihm damit notwendig den gleichen Teil seines Rechts abtritt.
Spinoza, Theol.-Pol. Traktat

Das Näudigste (nötigste) eist, hadde de Biuer sagt, as eam ên Pêrd in'n Grawen fallen was, do hadde he eist sin Wîf prügelt.
Paderborn
ho] Het noodigste eerst, zei de boer, toen hem zijne buren haalden, om zijne koe uit de sloot te trekken, en hij stak zijne pijp aan.

Das Nebending zur Hauptsache (oder umgekehrt) machen.

Das Nebensächliche macht riesige Fortschritte. Wir entfernen uns immer weiter vom Wesentlichen.
Fliegende Blätter

Das Nefas (Unrechtsfässlein) hat einen Zapfen, der immer rinnt.

Das nehest Blut, das nehest Erb.

Das nehme ich dir nicht ab!
en] You're (o. You have got to be) kidding! - Pull the other one! - It's got bells on! - You're having me on! - You're winding me up! - You can tell those tales to the Marines! (coll, dated)

Das Nehmen ist Allerwelts Kunst.

Das neidische Auge sieht um die ganze Erde herum.
Russland

Das Nein des Mädchens ist das Ja des Jungen.

Das Nein einer Frau ist ein doppeltes Ja.

Das Nein ist lebendiger als das Ja, der Widerspruch belebt am heftigsten, und nichts befruchtet wie die Lektüre schlechter Bücher.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Das nenn' ich bittre Qual, vermählt zu sein
Dem Mann, der uns verabscheut!
Shakespeare (1564-1616), Ende gut, alles gut

Das nenn' ich einen Edelmann!
Sein Ur-, Ur-, Ur-, Ur-Alterahn
War älter einen Tag als unser aller Ahn.
Lessing, Sinngedichte Nr. 23

Das nenn'
Ich einen Weisen! Nie die Wahrheit zu
Verhehlen! für sie alles auf das Spiel
Zu setzen! Leib und Leben! Gut und Blut!
Lessing, Nathan der Weise

Das nenne ich eine edle Art, Leid zu tragen, wenn man es für sich allein trägt und nicht vielen andern offenbart.
Menander, Fragmente

Das nennt man einen Missgriff.
info] Sprichwörtlich gewordener Ausspruch eines Fürsten zu seinem Geheimschreiber, der statt des Streusandfasses das Tintenfass ergriff und den Brief übergoss, den ihm der König diktiert hatte.

Das nennt man: mit dem Hunde gemessen und den Schwanz zugegeben.

Das Nest bleibt dennoch mein, wenn schon der Kuckuck legt darein, sprach jener Bachstelz.

Das Nest des blinden Vogels ist von Gott gebaut.
England

Das Nest einer Maus im Ohr einer Katze war nie und wird nie sein.

Das Nest gehört nicht dem, der's gefunden (o. dem, der's weiß), sondern dem, der's ausnimmt (der Eier oder Vögel nimmt).
nl] Die het nestje weet, heeft het niet; maar die het rooft.

Das Nest ist leer
v] der Vogel ist ausgeflogen
en] the bird(s) had fown
fr] l'oiseau s'est envolé
it] il nido (o. il nascondiglio) è vuoto - la tana è vuota

Das Nest leer finden.
info] Das Gesuchte an einem Orte nicht antreffen.
fr] Trouver blanque.

Das Nest verrät den Vogel.

Das Nest werden sie finden, aber die Vögel sind ausgeflogen.
ndt] He find en leddig Nest, de Jungen sünt all utflog'n.
info] So sagte spottweis Kunz von Kaufungen, als er die sächsischen Prinzen vom altenburger Schlosse entführt hatte.

Das Nest werden sie wohl finden, aber die Vögel sind ausgenommen.

Das Netz an der rechten Stelle auswerfen.
la] Rete in dextram mittere navigii.

Das Netz auswerfen tut's nicht allein.

Das Netz der Mechanisierung ist international; niemals waren die Völker einander so nahe, niemals haben sie der Wechselwirkung so bedurft, einander so viel besucht und so gut gekannt.
Rathenau, Kritik der Zeit

Das Netz dessen, der schläft, fängt etwas.
Tschechien

Das Netz fängt ihm die Fische, während er schläft.
info] Von denen, die das, was sie wünschen, gewissermassen ohne ihr Zutun oder ohne besondere Anstrengung erlangen.

Das Netz fragt die Fische nicht, ob sie heraus wollen.
dk] Garnet drager og uwillige fiske op.

Das Netz für den Vogel, das Gold für den Menschen.

Das Netz ist nicht die Hauptsache, sondern die Fische.
Russland

Das Netz muss immer hängen.
info] Versuche alles! Ergreife jede Gelegenheit.
ho] Hang vrij netten; geen vogel, of men kan hem vangen.

Das Netz muss kleine Maschen han, wenn kein Aal soll zwischen gahn.
nl] Die netten zijn van eng beslag, daar geen aal door de maas mag.

Das Netz sucht nicht den Fisch, der Fisch sucht selbst das Netz auf.
Estland

Das Netz, das sich in der Nacht verwickelt hat, wird bei Tageslicht wieder entwirrt.
Samoa-Inseln

Das neu dünkt einem allzeit das beste sein.

Das neu, das treu.

Das Neue davon ist nicht gut und das Gute nicht neu.
info] Aus einem Distichon entstanden, durch welches J. Heinr. Voss sein Urteil über einige Bücher ausgesprochen hat; es lautet: 'Dein redseliges Buch lehrt mancherlei Neues und Wahres; wäre das Wahre nur neu, und das Neue nur wahr.'

Das Neue dringt herein mit Macht, das Alte
Das Würd'ge scheidet, andre Zeiten kommen,
Es lebt ein anders denkendes Geschlecht.
Schiller, Wilhelm Tell, II, 1 (Attinghausen)

Das Neue dünkt einem allzeit das Beste zu sein.

Das neue Europa bedarf zur Bewältigung der Gärung, die sich überall Luft macht, kräftiger und gewandter Hände am Staatsruder.
Metternich, Denkwürdigkeiten

Das Neue gefällt, das Alte befriedigt.
Spanien

Das Neue gefällt.
it] Ogni novello è bello.

Das neue Geschöpf ist nichts als eine wirklich gewordene Idee der schaffenden Natur, die immer nur tätig denket.
Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Das Neue hat als solches schon eine besondere Gunst.
Goethe (1749-1832), Rameaus Neffe - Anmerkungen - Marivaux

Das Neue hat zwei Seiten.

Das Neue ist angenehm.
z] Jedes Neue, auch das Glück erschreckt. Schiller
fr] Au nouveau tout est beau.
it] Da novello tutto è bello.
la] Grata rerum novitas.
un] Minden ujság kedves.

Das Neue ist immer angenehmer, wenn auch das Alte besser ist.
Finnland
bm] Mnoho se v svĕtĕ novinkuje, leč málo pravdy ohlasuje.
dä] Altid noget nyt, sielden noget godt.
fr] Point de nouvelles, bonnes nouvelles.
ho] Er is niets niuws onder de zon, zei Salomo.
sd] Alltid något nytt, sällan något godt.

Das Neue ist immer das Beste.

Das Neue ist selten was Gutes.

Das Neue ist, eben weil es neu ist, dasjenige, was am meisten überrascht.
Lessing, Über das Epigramm

Das Neue ist, was einen Anfang hat in der Zeit, aber kein Ende findet.
Fliegende Blätter

Das neue Jahr folgt dem alten, die Sorgen hatten, werden Sorgen haben.
Polen

Das neue Jahr hat so lange eine weiße Weste, bis man sie anzieht.
Hans Fallada (1893 - 1947)

Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir.
Goethe (1749-1832), An Lavater, Ende Dezember 1783

Das Neue klingt, das Alte klappert.

Das neue klingt, das alte klappert.
ndt] Dat Nigge klingelt, dat Olle rappelt. Iserlohn
fr] Tout nouveau, tout beau.
fr] Toute nouveauté paraît belle.
la] O quante precis sunt nova grata magis.
pl] Nowa miotła ozysto miecie.

Das Neue muss das Alte überwinden, aber es muss das Alte überwunden in sich haben, es 'aufheben'.. Es gibt Neues, aber es entsteht im Kampf mit dem Alten, nicht ohne es, nicht in der freien Luft.
Brecht, Bemerkungen zum Formalismus

Das neue Recht beginnt, wo es das alte gelassen.
[RSpW]
info] Obgleich jedes Gesetz für immer gegeben wird, so müssen doch um neuer Sachen willen neue Rechte gesetzt werden, um jedem neuen Verhältnis gerecht zu werden.
z] Die Rechte ändern sich bei (all) gemeiner Änderung und erneuern sich bei gemeiner Neuerung. Den Frieden, den das alte Gesetz nicht ausgerichtet hat, soll das neue ausrichten.
altfries] Dat nye riucht al deer thoe bygynnen deert ald iethen had.

Das Neue reizt.
Goethe (1749-1832), J. S. Grüner, 1.8.1822

Das Neue schone, flick' am Alten, das heißt gut haushalten.

Das Neue schon's, das Alte flick's, sonst kommt's zu nix.

Das Neue treibt das Alte hinaus.
Estland

Das Neue, das Treue, das Letzte, das Beste.

Das Neue, Große, Befreiende muss kommen aus dem deutschen Geist, und zwar im Gegensatz zu Macht, Reichtum und Geschäften.
Jacob Burckhardt, An Arnold von Salis, Basel, 21. 4. 1872

Das Neue, schon's, das Alte, flick's, sonst kommst du zu nix.

Das Neueste in der Welt ist das Verlangen nach Bildung als Menschenrecht, welches ein verhülltes Begehren nach Wohlleben ist.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, Kap. 2, Die Kultur

Das Neueste ist, dass ich morgen gehängt werde, schrieb Schusters Franzel, sonst geht es mir gut.

Das Neugeborene ist ein kleines runzliges, miauendes Tier, das sich erst langsam in einen Menschen verwandelt (..).
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Neujahr singen.
z] Es sind arme Leute, welche zu Hause die Neujahrwünsche auf Grund ihrer Kenntnis von Personen und Sachen in Verse bringen. Weiber und Kinder singen dann in den Bauernhöfen ihre auf sämmtliche Insassen berechneten Verse in lebhafter Melodie ab.

Das neukircher Mädlein hat gesagt: Kann ich das Wasser beim obern Brunnen holen, so geh' ich nicht zum untern.
info] Von solchen Mädlein, die sich gern einen Schritt ersparen.

Das Neunkircher Mädlein hat gesagt: Kann ich das Wasser beim obern Brunnen holen, so geh ich nicht zum untern.

Das Nicht Wichtig! ließ den Kapitän das Schiff verlieren.
Jamaika

Das Nicht-haben ist der Anfang allen Denkens.
Robert Musil

Das Nichtstun hat auf den Organismus dieselbe Wirkung wie die Dunkelheit auf die Gehörorgane. Es verstärkt die inneren Geräusche, verursacht Trugbilder im Gesichtsfeld und Dröhnen im Gehirn.
Örkény, Familie Tót

Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz.
Dalai Lama XIV, Das Auge der Weisheit

Das Nicken eines Herrn ist dem Narren ein Frühstück.
en] A nod from a lord is a breakfast for a fool.

Das nieder und schwach findt alzeit gut gemach.

Das niedere Veilchen riecht besser als Wintergrün.
info] Das Unten ist dem glänzenden Oben vorzuziehen.

Das niedere Volk
la] plebs infra

Das Niederreißen der Greise ist ein Aufbauen und das Aufbauen der Jugend ein Niederreißen.

Das niedrig gewachsene, schmalschultrige, breithüftige und kurzbeinige Geschlecht das schöne nennen konnte nur der vom Geschlechtstrieb umnebelte männliche Intellekt: in diesem Triebe nämlich steckt seine ganze Schönheit. Mit mehr Fug als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht das unästhetische nennen.
Schopenhauer (1788-1860), Parerga und Paralipomena

Das Niesen absorbiert alle Funktionen der Seele, ebenso sehr wie die Arbeit.
Blaise Pascal, Pensées

Das Nilpferd, das sich sehen lässt, wirft das Boot nicht um.
Tanganjika

Das nimmt der Wind mit fort.
fr] Autant en emporte le vent.

Das nimmt dir (o. dem nimmt's) kein Jud' mehr ab.
Riedlingen
info] Er hat seine Lektion, seine Prügel.

Das nimmt ein Ende mit Schrecken.

Das nimmt eine Mück' auf dem Schwanz übern Rhein.

Das nimmt er so gern wie einen bösen Groschen.
nl] Hij is ermede te paaijen als een Jood met de billen van een zwijn.

Das nimmt 'ne Mücke auf dem Schwanz' über'n Rhein.

Das noch nicht Vollendete liegen lassen, wie es ist, hat besonderen Reiz und gibt ein frohes und entspanntes Gefühl.

Das Nödigst' toêrst, säd' de Bur, un prügelt sîn Fru, un lêt dat Perd in'n Graben liggen.

Das Nonenbier trinken.
info] In der Klostersprache cerevisia nonalis, weil es den Mönchen um die neunte Stunde (nonae) zum Frühstück gereicht wurde.

Das Nonnenkleid abziehen.

Das Nötigste im Leben des Menschen sind: Wasser, Feuer, Eisen und Salz, kräftiger Weizen, Milch und Honig, Blut der Trauben, Ö1 und Kleidung.
Jesus Sirach 39, 26

Das nötigste zuerst, sagt der Bauer, verprügelt seine Frau und lässt das Pferd im Graben liegen.

Das Notwendigste und Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo.
Mozart, Brief an seinen Vater, 13. 10. 1777

Das Novellenschreiben halte ich für eine ziemlich schwierige Sache, was mir nicht allzu oft gelingen will.
Storm (1817-1888), an Hermione von Preuschen und Mina Hahn, 26. 10. 1873

Das nur der himmel nicht nidervall.

Das Nützliche befördert sich selbst, denn die Menge bringt es hervor, und alle können's nicht entbehren, das Schöne muss befördert werden, denn wenige stellen's dar und viele bedürfen's.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VIII,5

Das Nützliche ist nicht fern vom Notwendigen.
Chairemon. Fragmente

Das nützt ihm so viel wie Kniehosen einer Heuschrecke.
info] Ein farbiger Methodistenprediger in Südcarolina schloss seine Predigt mit den Worten: 'Meine hartköpfigen Brüder, ich sehe ein, dass euch meine Predigten nicht mehr nützen als einer Heuschrecke Kniehosen.'

Das nützt so viel als leeres Stroh dreschen.

Das nützt so viel wie ein Senfpflaster auf einem hölzernen Bein.
fr] Cela sert comme un cautère sur une jambe de bois.

Das nützt so viel, als wenn man von einem Esel Wolle scheren wollte oder einem Pferde Knochen zum Abnagen hinwirft, damit es fett werden soll.

Das Obere von der Suppe und das Letzte vom Kaffee will er haben.

Das Oberhaupt (der Familie) ist wie ein Müllhaufen, jeder kommt mit seinem Kehricht und legt ihn nieder.
Haussa, Afrika

Das Objekt der Lyrik ist nämlich immer das Leben, und das verändert nur seine Formen, aber nicht sein Wesen.
Leonhard, Dialog zwischen R. Leonhard und W. Hasenclever, 8. 12. 1929

Das Öchslein lernt vom alten Farren pflügen.

Das offene Haar! Prächtiger Mantel des Weibes in den Urtagen..
Flaubert, November

Das öffentliche Wohl ist das oberste Gesetz.
la] Salus publica suprema lex.

Das öffentliche Wohl soll das oberste Gesetz sein.
Marcus Tullius Cicero (103-43 v. Chr.), Über die Gesetze

Das öffnet der Begehrlichkeit Tür und Tor
en] that opens the door wide (o. a door) for (o. to) greed (iness)
fr] cela ouvre la porte à la convoitise
it] spalanca la porta all'avidità

Das oft einer nichts Böses tut, das wehrt die blöde armut.

Das oft gesehene Mädchen ist Kupfer, das ungesehene Gold.

Das Ohr des Hörenden muss dem Munde des Singenden zu Hilfe kommen.
Russland

Das Ohr hat (nur) ein Loch.
Jabo, Afrika
info] Man kann nicht mehreren zugleich zuhören

Das Ohr hat keine Türen.
info] Man kann sie nicht verschließen, also auch nicht hindern, Dinge zu hören, die man nicht hören will oder soll.

Das Ohr hört sich nimmer satt.

Das Ohr hört, das Herz fühlt.
Estland

Das Ohr ist älter als die Hörner.

Das Ohr ist der Weg zum Herzen.
Frankreich
fr] L'oreilles est le chemin cu cour.

Das Ohr ist ein (bloßes) Tor.
Afrika
info] Wer zu viel Gewicht auf Hörensagen lege, handelt töricht

Das Ohr ist nicht hungrig.
info] Weil es immer etwas hört
Bantu

Das Ohr ist nicht länger als das Haupt.

Das Ohr leih' jedem, die Hand dem Freunde, die Lippen der Frau!

Das Ohr muss nicht über das Haupt hinausreichen.
Afrika
info] Das Ei muss nicht klüger sein wollen als die Henne.

Das Ohr prüft die Rede und der Mund schmeckt die Speise.

Das Ohr sah zu, wie das Horn außer Reichweite wuchs.
Haussa, Afrika
info] Nicht wer zuerst im Vorteil ist, gewinnt immer

Das Ohrgeheimnis ist nicht einer Erbse wert.

Das Öl ist der Lampe so nötig als der Docht.

Das Öl ist in Griechenland eine sehr gemeine Sache.

Das Öl, das in die Lampe kommt, ist so ehrlich als das, womit man salbt.

Das Opfer liegt, - die Raben steigen nieder.
Schiller, Wilhelm Tell, IV, 3 (Stüßi)

Das Opfer von etwas oder jemandem werden

Das Opfer, das die Liebe bringt,
Es ist das teuerste von allen,
Doch wer sein Eigenstes bezwingt,
Dem ist das schönste Los gefallen.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VIII

Das Opfer, das Gott am höchsten schätzt, ist die Frömmigkeit.
Menandros, Monostichoi

Das Opfer, so der Pfaff verschmäht, dem Küster in den Beutel geht.

Das Orchester versetzt die Damen in Trance, aber schreiben tun's dann dem Tenor.
Arthur Schnitzler

Das organisatorische Schöpfertum des Volkes, besonders des Proletariats und sodann auch der Bauernschaft, äußert sich in Perioden revolutionärer Wirbelstürme millionenmal stärker, reicher und fruchtbringender als in Perioden des sogenannten ruhigen.. geschichtlichen Fortschritts.
Lenin, Der Sieg der Kadetten

Das organische Leben auf der Erdrinde ist eine tiefe Einheit, als Ganzes entstanden und vergehend.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Pantoffelholz schwimmt überall oben.
z] Vor dem dreissigjährigen Kriege sind Anno 1620, 54 Einwohner in dem Dorffe Brumbi (im Amte Calbe an der Saale) gezehlet worden, welches, wie erzehlet wird, im Papstthum schuldig gewesen seyn, dem heil. Antonio ein Schwein zu halten und zu ernehren, welches denen Tempelherren zuständig gewesen, mit dem Bedeuten, dass, wer in demselben Dorffe in seinem Hause absolute Herr wäre, dem sollte dieses Schwein zu eigen werden. Als nun auf eine Zeit ein Bauer solcher absoluten Herrschaft sich rühmete, wurde zwar demselben das Schwein zu holen vergönnt, weil aber dasselbe im Heimholen sich sperret und ihm die Strümpffe besudelte und er sorgete, es würde seine Frau mit ihm desshalb nicht zufrieden seyn, musste er dießmahl das Schwein fahren lassen und sich zur absoluten Herrschaft in seinem Hause besser legitimiren.' Ferner: 'Es hat auf eine Zeit ein Prädicant am Ostertage sich auf die Canzel gestellet; und als vor der Predigt hat sollen gesungen werden: Christ ist erstanden: so hat er seine Zuhörer also angeredet: >Wer unter euch Herr im Hause ist, der fange das Lied an.< Als nun keins anheben wollte, sprach er: >Was, seyd ihr Männer? Hat denn keiner das Regiment in seinem Hause?< Und spricht darauf zu den Weibern: >So fahe euer eine, so die Herrschaft im Hause hat, zu singen an.< Also bald heben die Weiber alle mit lautem Schall an das Osterlied zu singen, und wollte keine die letzte seyn.
info] In ältern Gesetzen finden sich mancherlei Bestimmungen gegen das Pantoffelregiment. So setzen die Statuten der Stadt Blankenburg (Schwarzburg) von 1594 fest, dass ein Mann, der sich von seiner Frau hat schlagen lassen, mit Gefängnis u.s.w. gestraft und ihm hierüber das Dach auf seinem Hause abgehoben werde.

Das Papier besaß, wie eine Schlange, paralysierende Kraft.
Ukase. Sendschreiben. Listen.. Oh, wie furchtbar sind sie! Schukschin, Ich kam euch die Freiheit zu bringen

Das Papier duldet alles und errötet über nichts.

Das Papier ist geduldig.

Das Papier lässt auf sich malen und drucken, was man will.
ndt] Al Pâpier as düüljag. Amrum
ndt] Dass Papier es geduldig, me' kô d'rauf geschreib, bäs me will. Henneberg
ndt] Et Papier es jedôldig. Gladbach
ndt] 'S Papier ist geduldig, es nimmt alles an. Luzern
fr] En la peau de brebis ce que tu veux écris.
fr] Le papier endure (souffre) tout.
fr] Le papyer est doulx, il endure tout.
ho] Het papier is geduldig.
it] La carta non si fa rossa.
la] Epistola non erubescit. Cicero
la] Litterae non erubescunt. Cicero
la] Mitis papyrus omnia suffert.

Das Papier lasst drucken, was man will.

Das Papier läßt drucken, was man will.

Das Papier muss alles leiden.
fr] Le papier souffre tout, et ne rougit de rien.

Das Papier spricht, wenn die Menschen schweigen.
fr] Papier parle quand gens se taisent.

Das Papier wird nicht rot.
it] La carta non diventa rossa.

Das papistische Recht ist eim Bild gleich, das am Haupt ein Jungfrau, am Leib ein Löw, am Schwanz ein Schlang ist.
z] Der anfang ist schön und lieblig anzusehen, es handelt aber dann mit gewalt und ist zuletzt eitel betrug und falschheit. Luther

Das Päpstlein in jedem Dorf pflegt sich wie die Laus im Schorf.

Das Papsttum ist ein Menschenfund, da Gott nichts von weiß.
Luther

Das Papsttum ist eine politische Macht jederzeit gewesen, die mit der größten Entschiedenheit und dem größten Erfolge in die Verhältnisse dieser Welt eingegriffen hat, die diese Ereignisse erstrebt und zu ihrem Programm gemacht hat.
Bismarck, im preußischen Herrenhause, 10. 3. 1873

Das Paradies der Erde
Liegt auf dem Rücken der Pferde
In der Gesundheit des Leibes
Und am Herzen des Weibes.
Bodenstedt, Die Lieder des Mirza Schaffy

Das Paradies findest du nur in den Armen der Geliebten.

Das Paradies ist nicht für alte Leute.
info] Aus einem Scherz hervorgegangen. Eine alte Frau, die darüber erschrak, wurde damit getröstet, dass es im Paradiese deshalb keine Alten gebe, weil dort alle wieder jung würden.

Das Paradies ist weit und nit für alle Leut'.
it] Il paradiso è dei meno, non dei più.

Das Paradies kann man nur finden auf dem Rücken eines Pferdes und in den Armen seiner Geliebten.

Das Paradoxe der Ehe besteht darin, dass sie gleichzeitig eine erotische und eine soziale Funktion zu erfüllen hat.
Simone de Beauvoir

Das Paradoxem ist eine Revolte der Vernunft gegen ihre eigene Ohnmacht.
Fliegende Blätter

Das Paris der Arbeiter, mit seiner Kommune, wird ewig gefeiert werden als der ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft. Seine Märtyrer sind eingeschreint in dem großen Herzen der Arbeiterklasse.
Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich

Das Parkett hat zwar oft den Lebemann geschliffen. Und die Schale glänzt vor Glätte, aber der Kern ist angefressen.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Parlament ist die Speerspitze der Beamtenschaft.
Fliegende Blätter

Das Parlament kann alles tun, außer einen Jungen in ein Mädchen verwandeln.
England

Das Parlament kann alles tun, nur nicht aus einer Frau einen Mann machen.
info] So sagt man in England sprichwörtlich, um die verfassungsmäßige Gewalt des Parlaments zu bezeichnen.

Das passet nicht in unsern Kreis:
Zugleich Soldat und Diebsgeschmeiß!
Und wer sich unserm Kaiser naht,
Der sei ein redlicher Soldat!
Goethe (1749-1832), Faust II A IV, Gegenkaisers Zelt (Trabanten) Vs 10823f.

Das passet z'anen wie Großvater und Eichkatzel.

Das passiert, wann der Vater ein Pfaff und der Sohn ein Chorschuler ist.

Das Passiv-Empfangende des Weiblichen, in dem die antike Philosophie das rein Negative sah, erscheint in der christlichen Gnadenordnung als das Positiv-Entscheidende.
Gertrud von Le Fort, Die ewige Frau

Das passt als wenn es angegossen wäre.
nl] Het past hem, als of het aan zijn lijf gegoten was.

Das passt älteren Leuten wenig.
la] Non probabantur haec senibus.

Das passt in mein Abc nicht rein.
info] Nicht zu meinen Vorstellungen

Das passt in seinen Kram.
info] Kommt ihm so erwünscht, wie einer Gottheit ein Opfer, entspricht ganz seinen Bestrebungen und Neigungen; das ist ein Braten für ihn, Wasser auf seine Mühle.

Das passt mir nicht in den Kram
jüdisch-deutsch] Das is e Karwen für 'n (ein Opfer für ihn)
en] that doesn't suit my plans
en] I don't like it a bit
fr] cela ne fait pas mon affaire
fr] Voilà bien mon cas.
ho] Hat komt in zijne kraam te pas.
it] non mi quadra - non mi va a genio

Das passt weder zum Korbe noch zum Deckel.
pt] Depois de vindimas cavanejos.

Das passt wie das fünfte Rad am Wagen.
altfries] Dit passet üs de fifst Weel ön de Wein.

Das passt wie der Hamen auf den Nagel.
Frische Nehrung

Das passt wie der Kirchturm zum Mantel.
Ostpreußen

Das passt wie der Mönch zur Nonne.
info] Man versteht unter Mönch und Nonne auch Stempel und Nuss, oder Nabe und Nuss, Patrize und Matrize, Hohlspiegel mit Rücken nach oben und mit Rücken nach unten, weshalb das Sprichwort, wie viele andere, ein Doppelgesicht hat.

Das passt wie die Faust aufs Auge (o. wie der Igel zum Taschentuch).
ndt] Dät basst wie en Fûst ob dät Aug. Siegen

Das paßt wie die Faust aufs Auge.

Das passt wie ein Deckel auf eine Kanne.
Frankenwald

Das passt wie ein Strumpf zu einer Gewürzbüchse.
info] Jener pommersche Offizierbursche hatte einen seiner Strümpfe zwar nicht zur Gewürzbüchse, aber dafür zum Kaffeetrichter für seinen Herrn gebraucht. Dieser ruft: 'Ich reiße den Kopf dir von dem Rumpf, wenn wirklich du nahmst meinen Strumpf zum Kaffeetrichter.' 'Nä, Herr, so dumm bün ick nich we'en, van Ehren Strümpen nöm ick kên'n, den Kaffee ick dorch mînen göt.'
ho] Het past hem als een' ezel de laarzen.
ho] Hij is zoo bekwaam als eene kous tot een' peperzak.

Das passt wie eine Maus auf einen Elefanten.

Das passt wie eine Sonnenuhr in einen Sarg.
nl] Dat past als een zonnewijzer in eene doodkist.
ho] Dat past als rozen in een varkenskot.

Das passt wie Goliaths Harnisch dem David.
nl] Het past hem als David het harnas van Goliath.

Das passt wie Gretels Jacke.

Das passt wie Honig auf Neujahrsabend (o. wie Honig auf Matthesen Hochzeit).
Eifel

Das passt wie Kaplan Solnig und ein Schnapsrausch.

Das passt wie Rosen in einen Schweinestall.

Das passt wie Schubkarren und Perrücke.

Das passt wie Tag und Nacht.
fr] C'est le jour et la nuit.

Das passt zusammen wie Hellebarde und Barmherzigkeit.

Das passt, wie mein Kapp' vor ä Kirchendach.

Das Patengeschenk hängt (kommt) ihm heraus.
info] Wenn bei einem kleinen Knaben oder zerlumpten Bettler die Geschlechtsteile sichtbar sind.

Das Paternoster hat Kirchen gebaut, das Vaterunser reisst sie nieder.
England
info] Gegen das Bibellesen der Laien gerichtet

Das Pech, was mer net hawwe, is unser Glück.

Das Pechmandl kommt.
info] Der Schlaf; vermutlich, weil die Augen sich schließen und nicht wieder öffnen wollen.

Das peinliche Verhör ist eine bewundernswerte Erfindung, die einen Unschuldigen von schwachem Naturell mit Sicherheit ins Verderben bringt und einen Bösewicht von kräftiger Statur heil davonkommen läßt.
La Bruyère, Von mancherlei Gebräuchen

Das Pendel muss zwischen Einsamkeit und Gemeinsamkeit, zwischen Einkehr und Rückkehr schwingen.
Anne Morrow Lindbergh, Muscheln in meiner Hand

Das Pentagramma macht dir Pein?
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1396

Das Pergament, ist das der heilge Bronnen,
Woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt?
Goethe (1749-1832), Faust I, Nacht (Faust) Vs 566

Das persönliche Interesse ist der einzige und universelle Maßstab für das Verdienst der menschlichen Handlungen; deshalb ist die Rechtschaffenheit in bezug auf einen einzelnen Menschen.. nichts anderes als die Gewöhnung an Handlungen, die ihm persönlich nützen.
Helvetius, Vom Geist

Das persönliche Wohl eines jeden basiert ausnahmslos auf dem Gemeinwohl..
Bestushew-Marlinski, Über die Romantik

Das Pfand bringt Schulden nach Hause.
Estland

Das Pfand ist nicht gut, da man seinen Leib verpfänden muss.
mhd] Dat pant enis nicht gud, dar cyn man dat lyff to pande laten mod.

Das Pfeiflein macht gar süßes Spiel, wenn es den Vogel fangen will.

Das Pfeiflein muss lauten wohl, so man Vögel fangen soll.

Das Pfeiflein muss lauten wohl, wenn man Vöglein fangen soll.
la] Fistula dulce canit, volucrem dum decipit auceps.

Das Pfeiflein muß lauten wohl,
So man Vögel fangen soll.

Das Pferd abdecken, um die Haut zu gewinnen.

Das Pferd am Schwanz aufzäumen

Das Pferd an Barren!

Das Pferd beim Schwanz aufzäumen

Das Pferd beim Zaume, den Mann beim Wort.

Das Pferd beim Zaume, den Mann beim Worte.

Das Pferd bläst den Hafer erst, ehe es ihn frisst.

Das Pferd braucht zu viel Streu.

Das Pferd braucht zu viel Streu.
info] Von einem Schimmel oder einem schönen Pferde, das als Staatspferd dient; dann von eiteln Frauen.
ho] Dat is een duur paardje, om te strooijen.

Das Pferd dem, der es reiten, das Schwert dem, der es sich umgürten kann.
tü] At binenin, kılıç kuşananındır.

Das Pferd denkt ein Ding, der es sattelt ein anderes.
Portugal

Das Pferd der Gemein hat die schlechtesten (o. stumpfesten) Eisen.
en] The common horse is worst shod.

Das Pferd der Gemeinde hat die stumpfesten Eisen.

Das Pferd des Kaisers hebt den Schwanz.

Das Pferd des Reichen kann den weiten Weg nicht bewältigen, wenn ein Kleinkind zum Herrn wird, kann es die große Regierung nicht führen.

Das Pferd erkennt man am Kopf und am Schopf, den Narren an jedem losen Geschwätz.

Das Pferd fällt um, der Sattel bleibt; der Mensch stirbt, aber sein Name dauert.
Türkei

Das Pferd fasst man beim Zaum, den Ochsen bei den Hörnern, den Mann beim Wort.
nl] Men vangt het paard bij den breidel, en den man bij zijn woord.
sd] Styr häst med betsel, och kona med kjäpp.

Das Pferd findet in den Zügeln einen Halt am Reiter - nicht umgekehrt.

Das Pferd frisst der Saatkeime Wurzeln, die Sorge frisst des Herzens Wurzeln.

Das Pferd fürchtet keine großen Fuhren, es fürchtet häufige Fuhren.

Das Pferd gehört dem Manne, die Wirtschaft dem Weibe.
Finnland

Das Pferd gehört dem, der es reitet, das Schwert dem, der es führt mit Kraft, die Herrschaft dem, der sie erbeutet, das Mädchen dem, der es beschlaft.

Das Pferd geht seinen Schritt, es achtet der Hunde Belfern nicht.
z] Ein großes Pferd aus hohem Mut, das duncket sich gar viel zu gut, wenn es ein böser Hund bilt an, stillschweigend thuts fürüber gahn.

Das Pferd geht so, wie es am Zügel gehalten wird.
Kaschmir, Indien

Das Pferd geht zur Krippe, aber die Krippe nicht zum Pferde.

Das Pferd hat befohlen, ihm beim Roggensäen die Peitsche zu geben.

Das Pferd hat ein Eisen verloren.
en] Your horse cast a shoe.

Das Pferd hat Fett am Leibe, wenn man ihm für einen Dreier Speck unter den Schwanz bindet, sagte der Eckensteher zum Droschkenkutscher.

Das Pferd hat gesagt, dass wenn es den Wolf einmal fangen sollte, würde es ihn mit dem linken Fuß auf einen Streich auf den Grund der Hölle schleudern.

Das Pferd hat keine andere Untugend, als dass es nicht auf Bäume steigt.
info] So sagen die Rosskämme, und meinen das Brückenholz.

Das Pferd hat keine Angst vor dem Schlag, Das Pferd hat Angst vor dem Fressen.

Das Pferd hat mit dem Wolf die Kräfte gemessen, Schwanz und Mähne sind übrig geblieben.

Das Pferd hat Recht wie das Vieh.
[RSpW]
info] Es ist bei Flurbeschädigungen dem Pfändungsrecht unterworfen wie anderes Vieh. Eine Beschränkung desselben fand nur zu Gunsten des Hengstes, des Farren (Zuchtstiers) und der Sau statt; denn 'alles Zielvieh ist gefreit; geht es dem Mann zu Schaden, er darf es nur mit einem Sommerladen aus dem Korn treiben'.

Das Pferd hat seine Kräfte mit dem Wolf gemessen, Schwanz und Mähne sind übrig geblieben.
Russland

Das Pferd hat versprochen, mit dem Fohlen dann ins Freie zu gehen, wenn ein hautgroßer Flecken (Erde) schon kahl ist.

Das Pferd hat vier Beine und kann doch stolpern.

Das Pferd hat vorzeiten gesagt, dass es für seine große und schwere Arbeit als Lohn nichts anderes haben möchte, als einen vollen Bauch und nette Hufeisen, die seinen Füßen nicht wehtun lassen.

Das Pferd hinter den Wagen spannen.

Das Pferd ist (seines) Herrn Brotgeber.

Das Pferd ist (seines) Herrn Ernährer.

Das Pferd ist am gefährlichsten hinten, das Weib vorn, der Wagen an der Seite, ein Pfaff überall.
Sauerland

Das Pferd ist der Hund der Getreideschößlinge, die Frau der Hund des warmen Brotes
info] Das Pferd liebt Getreideschößlinge, die Frau warmes Brot.

Das Pferd ist des Hauses Stütze.

Das Pferd ist des Mannes Sklave.

Das Pferd ist dessen, der es reitet.

Das Pferd ist geschaffen, um zu warten; die Frau, um zuzusehen.

Das Pferd ist gut, aber lahm.

Das Pferd ist gut, aber lahm.
info] Von einem an sich guten Menschen, der aber für ein bestimmtes Geschäft unbrauchbar ist.

Das Pferd ist gut, die Peitsche sei noch besser.

Das Pferd ist ihm alle geworden.
info] Er ist vom Pferde gefallen; auch: er ist in seiner Rede u.s.w. stecken geblieben. Mit seinem Vermögen, seinem Handel, Geschäft, seiner Klugheit u.s.w. ist's zu Ende gegangen.
ho] He is gaar.

Das Pferd ist längst verhungert, ehe das Gras gewachsen ist.
it] Cavallo, no morire, che l'erba dee venire.
it] Mentre l'herbo cresce vien meno il cavallo.

Das Pferd ist nicht furchtsam, sagte der Felinger, es hat schon viel Nächte allein im Stalle gestanden, als man ihn fragte, ob es scheue.

Das Pferd ist oft gescheiter (o. klüger) als sein Reiter.
info] Abweichend von der Ausdrucksweise über viele andere Haustiere, die meist aus Injurien besteht, spricht man vom Pferde fast immer nur in schmeichelhaften Wendungen. Darum achtet der Fuchs aber auch das Pferd so hoch, dass dies, als es alt und verlassen ist, an ihm noch einen Freund findet und erzählt: 'Und ist niemand, der nach mir frag oder Mitleiden mit mir trag ohn' dass Reinick den Fliegen wehrt, das ich doch nicht von ihm begehrt.' Wie ihm das Pferd so sehr imponiren konnte, erzählt Reineke selbst in seiner Beichte an Grimbart. Er traf nämlich einmal eine Stute nebst Fohlen. Der ihn begleitende hungrige Isegrimm bat ihn, der Mutter das Füllen abzukaufen. Reineke ließ sich sofort in Kaufunterhandlungen ein. Die Stute erklärte sich zum Verkauf bereit gegen die Summe, die an einen ihrer Hinterfüße angeschrieben sei. Reineke merkte, worauf es hinausging und sagte, er könne nur nothdürftig lesen, der Wolf verstehe das besser. Dieser erbot sich sofort dazu. Die Stute hob den mit sechs Nägeln beschlagenen Fuß empor und versetzte ihm einen Schlag an den Kopf, dass er betäubt zur Erde stürzte, indess sie mit dem Füllen davonging. Ähnlich dieser ist die Fabel Boner's Vom falschen Ruhme (1330). Dort erbietet sich der hungrige Löwe dem Pferde einen Dorn aus dem Fuße zu ziehen, aber es ergeht ihm ebenso wie dem Isegrimm. Selbst mit dem Teufel wird das Pferd fertig, wie dies aus einer niederösterreichischen Sage zu ersehen ist. Man vermisste die Müller in der Hölle, und schickte deshalb einen Teufel aus, einige zu holen. Unterwegs erkundigte er sich, wie sie aussähen. Man sagte ihm, sie seien weiß und fänden sich in der Nähe eines Bachs. Bald darauf bemerkte er einen weidenden Schimmel, hielt ihn für einen Müller und wollte ihn schnurstracks zur Hölle führen. Aber der Schimmel verstand keinen Spaß. Da ihm der Teufel von der falschen Seite ankam, schlug er aus und traf ihn so gewaltig an den Fuß, dass er zeitlebens hinken muss.

Das Pferd ist oft gescheiter als der Reiter.

Das Pferd ist oft klüger als sein Reiter.

Das Pferd ist schon gut, aber das Eisen ist schlecht, sagte der Rosskamm.
info] Von denen, die beim Einkauf an der Ware durchaus etwas tadeln wollen, um den Preis herabzudrücken.
bm] Dobrý kůň, ale spatná podkova.
bm] Kdyby nebylo na koni lysiny, nebylo by mu ani ceny.

Das pferd ist seines futters wert.
la] Digna canis pabulo.

Das Pferd ist seines Herrn Brotgeber (o. Ernährer).

Das Pferd ist tot, wenn das Gras gewachsen ist.
fr] Ne meurs, cheval, herbe te vient.

Das Pferd ist über die Jugendtorheiten hinaus, sagte ein Eckensteher zu einem Droschkenkutscher, der kaum von der Stelle kam.
info] Spott auf ein altes Pferd, auch auf einen trägen Arbeiter angewandt.

Das Pferd ist zum Arbeiten geschaffen, aber nicht, um geplagt zu werden.

Das Pferd ist's Futter nicht wert.
fr] Le cheval ne vaut pas l'avoine.

Das Pferd kann (oft) stürzen, ehe es in den Stall kommt.

Das Pferd kennt man an den Zähnen, die Kuh an den Hörnern

Das Pferd kennt seine Stärke nicht.
info] Wenn jemand nicht weiß, was er vermag, wenn er stärker ist als er glaubt.

Das Pferd kommt zur Krippe, aber die Krippe nicht zum Pferde.

Das Pferd läuft der Zügel wegen, springt des Hafersackes wegen.

Das Pferd läuft, soweit der Strick reicht.

Das Pferd leitet man an einer Leine (o. am Zügel), den Mann an einem Frauenhaar.
nl] Het paard gengelt aan eene loße lijn gelijk de man aan het draadje van de vrouw.

Das Pferd leitet man an einer Leine, den Mann an einem Frauenhaar.

Das Pferd lenkt man mit dem Zügel, das Weib mit dem Stock.

Das Pferd lernt man im Gehen, den Reiter im Wirtshaus kennen.
fr] On connaît le cheval en chemin, et le cavalier à l'auberge.

Das Pferd liebt den Hafer mehr als den Sattel.
Russland
ho] Dat paard will wel eten, maar geen' zadel dragen.

Das Pferd liebt die Krippe mehr als das Kummt (den Sattel).

Das Pferd lobe nach einem Monat und das Weib nach einem Jahre.
bm] Konĕ chval po mĕsici a zenu teprv po roce.

Das Pferd lobt den Sattel (Sattler).
info] Wenn derselbe so ist, dass er dem Pferde nicht wehe tut, sondern wohl anpasst.
ho] Een paard eet niet wel met zijn gareel aan.

Das Pferd merkt auf den Ruf des Herrn, aber nicht auf das Schelten des Fuhrmanns.

Das Pferd mit dem Zaume, ein bös Weib mit dem Stock.
dk] Styr hest med bidsel og ond kone med kiep.

Das Pferd mit dem Zügel, den Menschen mit dem Worte.
Türkei
dä] Styr hest met bidsel, og kone med kiep.

Das Pferd mit Sattel und Zaum zum Schinder führen.
la] Cave ne malum malo curare velis, et duplices mala.

Das Pferd möchte ein Joch und der Ochs den Sattel.
info] Man ist nie zufrieden, mit dem, was man hat
bm] Kůň zadá jho, a vůl sedlo.

Das Pferd muss fressen, wo es angebunden ist.
nl] Waar het paard aangebonden is, moet het vreten.

Das Pferd muss man anders satteln.

Das Pferd muss man anders satteln.
info] Das muss man in einer andern Weise anfassen; der Mann, die Sache muss anders behandelt werden.

Das Pferd muss schleppen, was der Unverständige ihm auflegt.

Das Pferd sammt dem Zaum (d.i. alles) verkaufen.
Nürtingen

Das Pferd scheißt Gold, aber der Ochs scheißt Dreck.

Das Pferd schlägt aus und das Maultier schlägt aus; der Esel zwischen ihnen stirbt. Türkei

Das Pferd schlägt aus, das Maultier schlägt aus, zwischen beiden stirbt der Esel.
tü] At teper, katır teper, arada eşek ölür.

Das Pferd schlägt nicht nach hinten aus, wenn es allein im Stall ist.

Das pferd schlägt, gehe ihm nicht zu nahe.
info] Warnung vor einem bösen Menschen.

Das Pferd schleppt eine Fuhre, der Weg zwei.

Das Pferd schleppt nicht, wenn der Weg nicht schleppt.

Das Pferd schüttelt die Ohren, wenn die Esel schreien.
bm] Zle koni, kolem nĕhoz osli hýkají.
kroat] Tezko konju, okol koga se osli ričeju.

Das Pferd sieht des Nachts so gut wie am Tage, sagte der Rosskamm, als er einen blinden Gaul verkaufte.

Das Pferd sieht immer nach der Krippe.

Das Pferd soll die Krippe suchen (zur Krippe gehen), nicht die Krippe das Pferd (zum Pferde).
dk] Hest skal gaae til krybben, ikke krybben til hest.
la] Aequum est, a quo quid velis, ad eum currere.
la] Non praesepe bovem, sed bos praesepe requirat.

Das Pferd soll nicht mehr schlagen.
nl] Dat paard zal mij niet meer slaan.

Das Pferd soll vor alten Zeiten auch selbst gesagt haben: 'Lieber im Heuschober eines Herrn wohnen als in der Haferkiste von neun Herren'.
Estland

Das Pferd soll zur Krippe gehn, nicht die Krippe zum Pferd.

Das Pferd stallt gern, wo es schon nass ist.
nl] Het paard stalt meest (liefst), daar't nat is.

Das Pferd stehlen und den Sattel zurückgeben.
en] Steal the horse and carry home the bridle.

Das Pferd steht als Tier sehr hoch, doch seine bedeutende weitreichende Intelligenz wird auf eine wundersame Weise durch gebundene Extremitäten beschränkt. Ein Geschöpf, das bei so bedeutenden, ja großen Eigenschaften sich nur im Treten, Laufen, Rennen zu äußern vermag, ist ein seltsamer Gegenstand für die Betrachtung, ja man überzeugt sich beinahe, dass es nur zum Organ des Menschen geschaffen sei, um gesellt zu höherem Sinne und Zwecke das Kräftigste wie das Anmutigste bis zum Unmöglichen auszurichten.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte 1801

Das Pferd steht im Stalle des Sparsamen, das Geld im Beutel des Schmiedenden, das Korn im Kasten des Schaffenden.
Estland

Das Pferd stirbt oft, eh das Gras wächst.

Das pferd stirbt oft, eh gras wächsst.
bm] Prvé nez tráva zroste, az kůň umře.
dä] Komma med mjølken sedan følet är dødt.
en] While the grass grows, the steed starves.
la] Inter calicem et os.
la] Inter malleum et incudem.
la] Inter manum et mentem.
la] Inter os et ossam (multa intervenire possunt).

Das Pferd stirbt, aber der Sattel bleibt.
info] Der Mensch stirbt, aber sein Andenken überlebt ihn.

Das Pferd strauchelt auf vier Beinen, warum soll sich der Mensch nicht bei einem Wort irren.

Das Pferd suchen und darauf sitzen.

Das Pferd sucht die Ebene.
Altgriechisch
gr] Hippos eis pedion.

Das Pferd trägt fortwährend einen Sattel, manchmal könnte auch das Schwein (einen haben).

Das Pferd trinkt genug Wasser und lässt der Kuh noch etwas übrig.
info] Wenn du auch noch so gierig und ungenügsam bist, etwas wirst du mir wohl noch lassen müssen.

Das Pferd und die Frau nimm aus der eigenen Gemeinde.

Das Pferd und sein Reiter haben nicht stets einerlei Gedanken.
en] The horse thinks one thing and he tat rides him another.
sp] Una cosa piensa el bayo, y otra el que lo ensilla.

Das Pferd verdient sein Brot mit den Hufen, der Mensch mit der Zunge.
Iran

Das Pferd versprach, lieber vier Männer in die Kirche zu bringen als einen Mann ins Wirtshaus.

Das Pferd verweigert niemals einen Galopp zum Hause.
Nigeria

Das Pferd vor (den Schlitten), die Frau in den Schlitten, der Mann soll hinterher gehen.

Das Pferd vor den Wagen, den Ochsen vor den Pflug.
la] Equus in quadriga, in aratre bos. (Jeder auf den Platz, der ihm gebührt)

Das Pferd vor die rechte Schmiede führen.
info] Sich dahin mit einer Sache wenden, wo sie gut besorgt werden kann.

Das Pferd war schön, aber jetzt ist's eine Mähre.

Das Pferd wäre ein ganz hübsches Tier, sagte der Ochse, wenn es nur ein Paar Hörner hätte.

Das Pferd wäscht sich nie, aber sieht immer; auch der Bär wäscht sich nie, alle fürchten (ihn).

Das Pferd widerspricht niemals, es geht, bis (es) auf die Nase fällt.

Das Pferd will wohl den Hafer, aber nicht den Sattel.

Das Pferd will wohl den Hafer, aber nicht den Sattel.
mhd] Dat pert will gêrne eten, mer dat will neinen sadel dragen.
la] Esse cupit mannus, sed ephippia ferre recusat.
pl] Jadłby kot ryby, ale niechce ogona maczać.

Das Pferd wird alle.
info] Ich rutsche ab, die Mittel und Kräfte gehen zu Ende.

Das Pferd wird fett vom Auge des Herrn.
Russland

Das Pferd wird hinkend, der Fisch wird stinkend, der Wein stößt dem Fass den Boden aus, so läuft der Kaufmann zum Tor hinaus.

Das Pferd wird schon ziehen, wenn das Krummholz hält.

Das Pferd wird wohl alt, aber es wird nicht wieder ein Füllen.
info] Wie der Mensch, der, sehr alt, noch einmal zum Kinde wird.
bm] Kůň jest jednou hříbĕtem, človĕk dvakrát dítĕtem.

Das Pferd wirft gern den Zaum ab, die Jugend die Zucht, das Alter die Dienstbarkeit.

Das Pferd wirft nur ein Füllen, aber es gilt mehr als zehn Hasen.
info] In der Schriftstellerwelt geht es wie in der Tierwelt, die fruchtbarsten Schriftsteller sind nicht stets die geachtetsten.

Das Pferd zieht lieber neun (Menschen), als dass es einen auf dem Rücken trägt.

Das Pferd zieht nicht, aber der Hafer.

Das Pferd zum Reiten, der Mensch zum Schreiten.
bm] Kůň k tahu, pták k letu, a človĕk ku práci.

Das Pferd, auf das man zeigt, ist nicht vorhanden.

Das Pferd, das am besten zeucht, bekommt die meisten streich.
en] The horse tat draws is not whipped.
fr] On touche toujours sur le cheval qui tire.
ho] Altijd slaat men het paard, dat wel gaat.

Das Pferd, das am besten zieht, bekommt die meisten Schläge.

Das Pferd, das am besten zieht, bekömmt die meisten Schläge.

Das Pferd, das am meisten zieht, bekommt am wenigsten Hafer.

Das Pferd, das den Hafer verdient hat, frisst ihn nicht immer.
Wallonien

Das Pferd, das den Hafer verdient hat, frisst ihn nicht immer.
Wallonisch

Das Pferd, das den Hafer verdient, kriegt (bekommt) ihn nicht.

Das Pferd, das den Hafer verdient, kriegt dessen wenig.

Das Pferd, das den Hafer verdient, kriegt ihn nicht.
bm] Kůň, který nejvíce táhne, nevzdy také nejvíce ovsa dostává.
bm] Kůň, kterýz ovsa dobývá, nejménĕ ho jí.
wend] Koň, kiz najwjacy cehnje, dostanje zwjetsoh' najmenje wowsa.

Das Pferd, das den meisten Hafer bekommt, hat die meiste Lust, den Reiter abzuwerfen.

Das Pferd, das man nicht haben kann, hat immer einen Fehler.
Dänemark

Das Pferd, das seinen Halfter hinter sich herzieht, ist noch nicht ganz entkommen.
England

Das Pferd, das sich wider den Sporn sträubt, wird zweimal gestochen.

Das Pferd, so den Hafer verdient, bekommt dessen wenig, sagte der Bauer zum Grosskellner.

Das Pferd, so den meisten Hafer bekommt, hat die meiste Lust, den Reiter abzuwerfen.
dk] Den hest som faaer meest havre, er meest villig til at slaae af.

Das pferd, so langsam ist und träg, werd zuerst gerüst auf den weg.
la] Primo sternatur equus, qui tardus habetur.

Das Pferd, so wider die Sporen strauchelt, wird zweimal geschlagen.

Das Pferd, so wider die Sporen streubet, wird zweimal gestochen.
la] Nemo laeditur nisi a se ipso.

Das Pferd, welches den Hafer baut, muss Spreu fressen.

Das Pferd, welches den Hafer verdient, bekommt ihn nicht.
info] Macht geht vor Recht.

Das Pfingstbier ist der Thüringer Malvasier.
info] Das Pfingstbier ist ein thüringisches Volksfest.

Das Pflaster führt zum Laster.
info] Müßiges Umherstreifen führt in Sünden.

Das Pflaster ist gut bei Stockungen im Unterleibe.
info] Spott auf schlechtes Straßenpflaster.
fr] Le pavé de Chaumont porte médecine.

Das Pflaster kommt zu spät, wenn der Kranke am Brand gestorben ist.
es] Despues de descalabrado untarle el casco. Quebrásteme la cabeza, y ahora me untas el casco.

Das Pflaster neben die Wunde legen.
info] Ein Mittel verkehrt anwenden.
fr] Mettre l'emplastre près de la playe.
ho] Hij legt de pleister nevens de wond.
la] Cataplasma iuxta vulnus imponere.

Das Pflöckchen treffen.
info] Der Punkt, auf den gewirkt werden soll, auf den es ankommt. Ihr habt das Pflöckchen noch lange nicht getroffen. Das Pflöckchen ist getroffen; es ist alles gesagt worden, was hat gesagt werden können.
fr] On vous trouve à dire où vous n'êtes pas.

Das Pflugeisen rostet nicht.
Estland

Das Pflügen des Feldes am Bärentag (Margaretentag, 13. VII) ist für das Feld ebensogut wie eine Fuhre Mist.

Das Pflügen im Sommer ist besser als Dünger.

Das Pflügen von nassem Lehmboden bringt keinen Preis (= keinen Nutzen).
Estland

Das Pflügen wird bewerkstelligt, indem man nicht rennt.
Walisisch

Das Phantastischste sind immer die fremden Alltäglichkeiten.
Fliegende Blätter

Das Philosophieren ist eine Eigentümlichkeit des Menschen und ein Genuss für den Geist.
Lafargue, 'Das Geld' von Zola

Das Philosophieren steht jedem frei.

Das physische Leben ist zweitaktig. Wir leben in einer Welt von auf und nieder, rückwärts und vorwärts, Tag und Nacht. Um auszuatmen, müssen wir zuerst einatmen; es gibt in diesem Prozess keinen dritten Schritt und keine Zwischenfunktion. Es ist ein und aus, ein und aus, 1-2, 1-2.
Leonard Bernstein, Von der unendlichen Vielfalt der Musik

Das Pilsener Bier ist blond wie die Heldin einer Ballade, leicht wie das Gewissen eines Diplomaten, glänzend wie die Versprechungen eines Finanzministers und schäumend wie die Rede.

Das Placebo spielen.
z] Der Welt reden und tun, was jr wolgefalle.

Das Plappern macht Schwielen nicht einmal im Maule!

Das Plerr haben.
z] Ich glaub, jhr meint, ich hab das plerr und versteh nicht eur falschheit.

Das Podagra ist nicht besser zu kurieren als mit Geduld.

Das Podagra und Zipperlein mag nit bei Armut kehren ein; nur wo man trinket starken Wein, da pflegt es oft ein Gast zu sein.
info] Zwei Podagristen (nach dem Lateinischen) an die Göttin Podagra: 'O du diamantringwürdiges, guldenketten-löbliches, viel tausend Tucaten- lötiges, Doktor-Ehrensäckelnährendes liebes Podagra! Du boten-, noten-, knotenmächtiges Heilthum! O du Königin aller Reichthumb liegend-besitzender Menschen! O du knöchelliebende, geleuchübende, betthütende Fürstin! O du hart-stark-krümbendes Farsen-peinendes Fußsohlenbrennendes, zehen-zwickzwackendes, leistretendes, spitzstein-hassendes, Bein- mürbmachendes, kniebrechendes, schuhschnitt- geweitertes, durch Markleuchtendes, Geblüte- geborenes Fräwle (Zipperlein)! Ich bitte dich, hilf u.s.w.'
la] Calceus non liberat a Podagra.
la] Frigora, Vina, Venus podagrammant corpora nostra.

Das Poem des Verstandes ist die Philosophie.
Novalis, Logologische Fragmente

Das poetische Talent entsteht in lebhaften Seelen aus der Unfähigkeit, etwas verstandesmäßig zu bewältigen.
Joubert, Gedanken und Maximen

Das poetische Talent ist dem Bauern so gut gegeben wie dem Ritter, es kommt nur darauf an, dass jeder seinen Zustand ergreife und ihn nach Würden behandle.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 732

Das Pölsterlein flicken.
info] Von Geistlichen, welche reden, was ihre Zuhörer gern hören, anstatt die ernste Wahrheit zu sagen.

Das Porträt wie die Biographie haben ein ganz eigenes Interesse; der bedeutende Mensch, den man sich ohne Umgebung nicht denken kann, tritt einzeln abgesondert heraus und stellt sich vor uns wie vor einen Spiegel..
Goethe (1749-1832), Wanderjahre I,7

Das Possenspiel des Lebens
la] vitae mimus

Das Postulat der Freiheit der Person gilt auch gegenüber dem Staat. Er darf seine Macht niemals so weit ausdehnen, dass die freie Entwicklung der Persönlichkeit dadurch beeinträchtigt wird.
Konrad Adenauer, Rede auf dem CDU-Parteitag, Kiel, 1958

Das Potenzproblem des Aphoristikers: je kürzer, desto besser.
Fliegende Blätter

Das Potsdamer Abkommen bedeutet ein Abkommen unter den Siegern, keine Verpflichtung gegenüber den

Das prae und Vorzug haben.

Das praktische Ergebnis dieser um sich greifenden Demokratisierung wird zunächst ein europäischer Völkerbund sein, in welchem jedes einzelne Volk, nach geographischen Zweckmäßigkeiten abgegrenzt, die Stellung eines Kantons und dessen Sonderrechte innehat: mit den historischen Erinnerungen der bisherigen Völker wird dabei wenig noch gerechnet werden, weil der pietätvolle Sinn für dieselben unter der neuerungssüchtigen und versuchslüsternen Herrschaft des demokratischen Prinzips allmählich von Grund aus entwurzelt wird. Die Korrekturen der Grenzen, welche dabei sich nötig zeigen, werden so ausgeführt, dass sie dem Nutzen der großen Kantone und zugleich dem des Gesamtverbandes dienen, nicht aber dem Gedächtnisse irgendwelcher vergrauter Vergangenheit.
Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches, Sieg der Demokratie

Das preisen die Schüler aller Orten,
Sind aber keine Weber geworden.
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Mephisto) Vs 1934

Das preussische Paradies.
info] So wurde früher die Halbinsel, welche den Weg von Pillau nach Fischhausen bildet, genannt
z] Ist irgendeine angenehme und mit unzähligen Veränderungen ausgeschmückte Gegend in Preußen anzutreffen, so ist es die in einem Haken von zwei Meilen begriffene Halbinsel von Pillau nach Fischhausen. Nicht nur die unvergleichliche Lage dieser Gegend, sondern auch der Überfluss aller Sinn und Gemüth ergötzenden Dinge rechtfertigen ihre Benennung, da man sie absonderlich das preussische Paradies heißt.

Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zurück.
Thales

Das Prinzip der Demokratie entartet nicht allein, wenn der Geist der Gleichheit abhanden kommt, sondern auch, wenn der Geist übertriebener Gleichheit einreisst.
Montesquieu

Das Prinzip der Empfindung liegt also sicherlich bei allen mit Blut ausgestatteten lebenden Wesen im Herzen.
Aristoteles, Psychologie

Das Prinzip des geschichtlichen Unterrichts ist noch heute überall bei uns in Europa die systematische Entstellung. Indem die eigenen Leistungen immer hervorgehoben, die Errungenschaften der andern verschwiegen oder vertuscht, gewisse Dinge immer ins hellste Licht gestellt, andere im tiefsten Schatten gelassen werden, entsteht ein Gesamtbild, welches in manchen Teilen nur für das subtilste Auge von der nackten Lüge sich unterscheidet.
Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Das Prinzip des staatlichen Lebens liegt in der Souveränität.
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Das Prinzip des werdenden Europas heißt: Gleichberechtigte Zusammenarbeit. Das Prinzip der Moskauer Europapolitik heißt zur Stunde: Hegemonie. Die Konsequenz dieser sowjetrussischen Position ist uneuropäisch: Spaltung, Spannung, Unterdrückung.
Barzel: Gesichtspunkte eines Deutschen

Das Prinzip staatlichen Lebens liegt in der Souveränitât.
Rousseau

Das Problem der Demokratie liegt darin, außergewöhnliche Menschen von gewöhnlichen wählen zu lassen.
Golo Mann

Das Problem der modernen Familie liegt darin, dass jeder die Hosen anhat.
Fliegende Blätter

Das Problem des Lebens gleicht einem Meer, in dem wir untergehen, wenn wir entweder zu viel darüber nachdenken oder zu wenig.
Samuel Butler

Das Problem einiger Frauen ist, dass sie wegen nichts in Aufregung geraten - und ihn dann sofort heiraten.
Fliegende Blätter

Das Problem ist heute nicht die Atomenergie, sondern das Herz des Menschen.
Albert Einstein

Das Problem sind nicht die kritischen Journalisten, sondern die netten.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!

Das Problem vieler Ehen: Der Mann möchte sich zur Ruhe setzen, die Frau zur Unruhe legen.
Rolf Thiele

Das Problematische am Leben ist nicht, daß es keine Antworten gibt, sondern daß es so viele Antworten gibt.
Ruth Benedict (1887-1948)

Das Produktionsmittel wie das Produkt der kleinen Einzelproduzenten wurde mehr und mehr wertlos; es blieb ihnen nichts übrig, als zum Kapitalisten auf Lohn zu gehen. Die Lohnarbeit, früher Ausnahme und Aushilfe, wurde Regel und Grundform der ganzen Produktion; früher Nebenbeschäftigung, wurde sie jetzt ausschließliche Tätigkeit des Arbeiters.. Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung tritt an den Tag als Gegensatzvon Proletariat und Bourgeoisie.
Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft

Das Produktive ist dem Dämonischen verwandt, das übermächtig mit ihm [dem Menschen] tut, wie es beliebt, und dem er sich bewußtlos hingibt, während er glaubt, er handle aus eigenem Antriebe. In solchen Fällen ist der Mensch oftmals als ein Werkzeug einer höheren Weltregierung zu betrachten, als ein würdig befundenes Gefäß zur Aufnahme eines göttlichen Einflusses.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 11.3.1828

Das Profil ist die Klippe, an der sich die Schönheit erweisen muss oder ihre sinnfälligste Bestätigung.
Jules Barbey d'Aurevilly (1808-1889), Das Glück im Verbrechen

Das Programm eines Konzertes ist nicht das Konzert. So ist das Programm einer politischen Partei nicht die Politik der Partei. Eine politische Partei ist, wenn sie die von ihr erstrebten Ziele nennt, nicht zugleich verpflichtet, auch die Wege zu weisen, auf denen sie zu ihren Zielen hin wandeln wird.
de Lagarde

Das Programm ist das Medium, welches die Musik dem Teil des Publikums, der aus Denk- und Tat-Menschen besteht, zugänglicher und verständlicher machen wird.
Franz Liszt, Robert Schumann in Neue Zeitschrift für Musik, Bd. 42, Nr. 18

Das Proletariat beweist starken Kampfinstinkt, indem es die Intellektuellen, mit einer Reihe historischer Brauchbarkeiten im Auge, mit äußerstem Misstrauen behandelt. Die Intellektuellen, welche gehorchen, indem sie ihr Denken aufgeben, und welche der herrschenden Klasse nicht fehlen, fehlen in einem anderen Sinne auch dem Proletariat nicht.
Brecht, Schwierige Lage der deutschen Intellektuellen

Das Proletariat ist die einzige Kraft, die imstande ist, die Welt zum allgemeinen Wohl des ganzen arbeitenden Volkes zu verändern.
Maxim Gorki, an den antifaschistischen Kongreß in Chikago

Das Proletariat ist diejenige Klasse der Gesellschaft, welche ihren Lebensunterhalt einzig und allein aus dem Verkauf ihrer Arbeit und nicht aus dem Profit irgendeines Kapitals zieht..
Engels, Grundsätze des Kommunismus

Das Proletariat ist heute der einzige Boden, aus dem heraus sich noch ein Mensch entfalten kann.
Becher, Kulturkrise

Das Proletariat kämpft, die Bourgeoisie will die Macht erschleichen. Das Proletariat zwingt die Selbstherrschaft im Kampf nieder, die Bourgeoisie klammert sich an die Almosen der immer schwächer werdenden Selbstherrschaft. Das Proletariat erhebt vor dem ganzen Volk das Banner des Kampfes, die Bourgeoisie das Banner der kleinen Zugeständnisse, des Paktierens und des Kuhhandels.
Lenin, Der Kampf um die Macht

Das Proletariat kann den Militarismus nur überwinden, indem es die Bourgeoisie entwaffnet, die heute die stärkste Schützerin des Militarismus ist, die selbst militaristisch verseucht ist bis auf die Knochen. Entwaffnung des Bürgertums und Bewaffnung der Arbeiterklasse!
C. Zetkin, Das erste Wort der Kommunisten im Deutschen Reichstag

Das Proletariat muss (nachdem es genügend starke politische und militärische 'Stoßtrupps' gebildet hat) die Bourgeoisie stürzen und ihr die Staatsmacht entreißen, um dieses Werkzeug im Interesse seiner eigenen Klassenziele in Bewegung zu setzen.
Lenin, Die Wahlen und die Diktatur des Proletariats

Das Proletariat steht jeder Bourgeoisie und allen Erscheinungsformen der bürgerlichen Ordnung feindlich gegenüber, aber diese Feindschaft enthebt es nicht der Pflicht, zwischen den historisch fortschrittlichen und den reaktionären Vertretern der Bourgeoisie zu unterscheiden.
Lenin, Der Fall von Port Arthur

Das Proletariat und nur das Proletariat ist die Quelle der Kraft. In ihm und nur in ihm liegt die Gewähr dafür, dass die Interessen der Mehrheit wahrgenommen werden, die Interessen der durch den Krieg und das Kapital erdrückten Werktätigen und Ausgebeuteten, die fähig sind, den Krieg und das Kapital zu bezwingen!
Lenin, Der achtzehnte Juni

Das Proletariat wird die bürgerliche Demokratie unterstützen .. wenn und inwieweit sie tatsächlich gegen die Selbstherrschft kämpft. Eine solche Unterstützung ist notwendig im Interesse des Kampfes, den das Proletariat für die Verwirklichung seiner selbständigen sozialen, revolutionären Ziele führt.
Lenin, Arbeiterdemokratie-und bürgerliche Demokratie

Das Proletariat, die unterste Schichte der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne dass der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.
Marx/Engels Manifest der Kommunistischen Partei

Das Proletariat.. darf das Schiff seiner Revolution nicht aufsitzen lassen auf den Sandbänken der bürgerlichen Demokratie, des Parlamentarismus, der Klassenharmonie, der Arbeitsgemeinschaft. Es darf sein Schiff aber auch nicht zerschellen lassen an den Riffen und Klippen der Revolutionsromantik und des Putschismus. Es steuert sein Schiff geradeaus. Wir hören das Brausen des nahenden Sturmes. Er muss ein Proletariat finden, das dasteht gerüstet, zielsicher, wegklar, geschlossen, opferwillig. Bereit sein ist alles.
C. Zetkin, Das erste Wort der Kommunisten im Deutschen Reichstag

Das Prompte ist das Barbarische.
Fliegende Blätter

Das Prozessieren an den Nagel hängen.
fr] Le procès pendre au clou.

Das Publikum beklagt sich immer, dass es schlecht bedient sei, und weiß es nicht anzufangen, besser bedient zu werden.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise I, 9.10.1786

Das Publikum hat eine eigene Art, gegen öffentliche Menschen von anerkanntem Verdienste zu verfahren, es fängt nach und nach an, gleichgültig gegen sie zu werden, und begünstigt viel geringere, aber neu erscheinende Talente, es macht an jene übertriebene Forderungen und lässt sich von diesen alles gefallen.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,16

Das Publikum ist eine Kuh,
Das grast und grast nur immerzu.

Das Publikum ist groß, wahrer Verstand und wahres Gefühl sind nicht so selten, als man glaubt; nur muss der Künstler niemals einen unbedingten Beifall für das, was er hervorbringt, verlangen: denn eben der unbedingte ist am wenigsten wert, und den bedingten wollen die Herren nicht gern.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VII,8

Das Publikum ist so einfältig, lieber das Neue als das Gute zu lesen.
Schopenhauer (1788-1860), Parerga und Paralipomena

Das Publikum ist wunderbar nachsichtig. Es verzeiht alles - außer Genie.
Oscar Wilde

Das Publikum lernt niemals begreifen, dass der wahre Poet eigentlich doch nur, als verkappter Bußprediger, das Verderbliche der Tat, das Gefährliche der Gesinnung an den Folgen nachzuweisen trachtet.
Goethe (1749-1832), An J.St. Zauper, 7.9.1821

Das Publikum muss hingenommen werden wie jedes andere Element.
Hebbel, Tagebücher, 9. 2. 1848

Das Publikum sieht sich nach Autoritäten um, und es hat Recht.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur, Tiecks Dramaturgische Blätter

Das Publikum sieht sich nach Autoritäten um, und es hat Recht.
Goethe, Schriften zur Literatur, Tiecks Dramaturgische Blätter

Das Publikum stutzte: denn nach seinem Wunsch sich gut und gleichförmig bedient zu sehen, verlangt es an jeden, dass er in seinem Fache bleibe..
Goethe (1749-1832), Geschichte meines botanischen Studiums - Schicksal der Handschrift

Das Publikum verwechselt leicht den, welcher im Trüben fischt, mit dem, welcher auf der Tiefe schöpft.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Das Publikum will gekitzelt werden und nicht gekniffen.
Wolfgang Borchert (1921 - 1947)

Das Publikum will wie Frauenzimmer behandelt sein: man soll ihnen durchaus nichts sagen, als was sie hören möchten.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1019

Das Publikum, besonders das deutsche, ist eine närrische Karikatur des Demos. Es bildet sich wirklich ein, eine Art von Instanz, von Senat auszumachen und im Leben und Lesen dieses oder jenes wegvotieren zu können, was ihn, nicht gefällt. Dagegen ist kein Mittel als ein stilles Ausharren.
Goethe (1749-1832), Riemer, 31.12.1809

Das Publikum, das da merkt, dass es erzogen werden soll, verhärtet und verschließt sich; sein Selbstgefühl wird gekränkt, sein Misstrauen rege, der kritische Geist des Menschen sucht sich statt in der Art der Aufführung Ziele in ihrer Absicht, und alles ist verloren.
Arnold Zweig, Volksbühnen als politische Anstalten

Das Publikum, das ist ein Mann,
Der alles weiß und gar nichts kann.
Ludwig Robert, Das Publikum

Das Publikum, im ganzen genommen, ist nicht fähig, irgendein Talent zu beurteilen: denn die Grundsätze, wornach es geschehen kann, werden nicht mit uns geboren, der Zufall überliefert sie nicht, durch Übung und Studium allein können wir dazu gelangen..
Goethe (1749-1832), Rameaus Neffe, Anmerkungen (Rameaus Neffe)

Das Pulver riecht schlecht, sagte der Jude, als er aus der Apotheke kam.

Das Pulver trocken und das Eisen blank halten.
info] Stets zur Verteidigung bereit sein.
z] Es gilt, unser Pulver trocken und unser Eisen blank zu halten.

Das Pulver war mir von der Pfanne abgeblitzt.
Ludwig Tieck, Novellenkranz, 1834

Das Puppentheater ist der Ausdruck der Volksphantasie und gedeiht im Klima ihres Witzes und ihrer Harmlosigkeit.
García Lorca, Das kleine Don-Cristobal-Retabel

Das Purpurkleid
Ist oft gefüttert mit Herzeleid.

Das Putzen des Pferdes ist mehr als ein Garnitz Hafer.

Das Rad der Geschichte zurückdrehen
it] to put the clock back - to turn back the clock
fr] renverser (o. remonter) le cours de l'histoire

Das Rad des Glücks dreht sich.
la] Fortunae rota volvitur.

Das Rad dreht sich rings herum, und der Leute Sachen drehen sich mit dem Rade.
Tschechien
mhd] Hiut ist er arm, der ê was rîch, daz glücke rat louft ungelîch.
bm] Kolo se dokola tocí.
bm] Lidske veci se v kole tocí.
dä] Lykkens hiul er ustadigt.
dä] Lykke-hiulet løber snart om.
la] Fortuna volubilis errat.
la] Rota saepe rotat.
la] Versatur celeri sors levis orbe rotae. Tiberius

Das Rad eilt, es sitzt ein alt Weib auf dem Wagen.

Das Rad findet immer einen Mistkuchen.
Estland

Das Rad hebt sich erst, bevor es fällt.

Das Rad ist laufend geworden.
info] Die Torheit ist begangen.

Das Rad neu schmieren hilft mehr als ein altes Gepräch.
Estland

Das Rad wird sich wenden.

Das Rad, das knarrt, wird geschmiert.
USA
en] The squeaking wheel gets the grease.

Das radikale Übel: dass jeder gern sein möchte, was er sein könnte, und die übrigen nichts, ja nicht wären.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 863

Das Radio ist eine Strafe Gottes.
Theodor Heuß

Das Radl ist ihm abgelaufen.

Das rädle hat sich umgekehrt.
info] Das Blatt hat sich gewandt.

Das Rädlein treiben.
Luther
info] Wortspiel von Rad = Rädlein und Rede = Redlein, wahrscheinlich aus den Spinnstuben, in denen beim Erzählen interessanter Geschichten die Rädlein sich am muntersten bewegen.
z] Redlin treiben.
z] Das Redlein führen.
z] Wie solchs gemein ist vndern weiben, welch Fleißiglich das redlin treiben.
z] Wann er aber selb nicht kan schreiben, so muss er leiden, das sie treiben das redlin, wie es jn gefellt.
z] Er treibt das redlin.
z] Er will das Redlin allein treiben.

Das Rädlein wird sich umdrehen.
la] Crederet Caiphas omne nefas sibi fas.

Das Rasen des leeren Magens
la] vacui ventris furor

Das rate ich dir, sei nicht unglücklich vor der Zeit, da das, wovor du, als sei es bedrohlich, dich fürchtest, vielleicht niemals kommen wird, jedenfalls nicht gekommen ist.
Lucius Annaeus Seneca (??-65 n. Chr.), Briefe über Ethik

Das Rationale am Menschen sind die Einsichten, die er hat. Das Irrationale an ihm ist, dass er nicht danach handelt.
Friedrich Dürrenmatt

Das Rätsel Frau ist unergründlich. Wie können die mit einem halben Yoghurt mittags überleben?
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin! Aphorismen zum Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik

Das Rätsel wird er nicht lösen.
la] Herculanus nodus.

Das rätselhafte Schweigen brechen.
info] Endlich über einen bestimmten Gegenstand seine Meinung äußern. Schiller, Don Carlos I

Das Rauche nach außen kehren.
ndt] Dat Rûge buten kêren.
info] Milde und Freundlichkeit mit Strenge und Ernst vertauschen.

Das Rauchen jagt die Grillen fort,
doch erst gemeinsam wird's zum Sport.
Fürwahr, das ist kein großer Mann,
der nur zu Hause rauchen kann.
Slang, Was wir wollen!

Das Rauchen macht dumm, es macht unfähig zum Denken und Dichten. Es ist auch nur für Müßiggänger, für Menschen, die Langeweile haben, die ein Dritteil des Lebens verschlafen, ein Dritteil mit Essen und Trinken und anderen notwendigen oder überflüssigen Dingen hindudeln und alsdann nicht wissen, obgleich sie immer vita brevis sagen, was sie mit dein letzten Dritteil anfangen sollen. Für solche faule Türken ist der liebevolle Verkehr mit den Pfeifen und der behagliche Anblick der Dampfwolke, die sie in die Luft blasen, eine geistvolle Unterhaltung, weil sie ihnen über die Stunden hinweghilft.
Goethe (1749-1832), Knebel (1776/1806)

Das räudige Schaft steckt die Herde an.
fr] Il ne faut qu'une brebis galeuse pour gâter tout un troupeau.
it] La pecora rognosa infetta il gregge.

Das Rauhe herauskehren.
dk] At vende det graa ud.
la] Minimo provocare.
la] Tollere cornua.
la] Tollere cristas.

Das räumt auf, sagte Gretchen, als ihr Mann starb.

Das Rauschen der Blätter erschreckt den Hasen.
Altgriechisch

Das Rauschen und losen macht Kriegsleut böse Hosen.

Das Reale ist schlechthin eine Identität des Allgemeinen und Besonderen.
Hegel

Das Rebhuhn ist dein Feind und der Hahn ist dein Feind - wer wird dir den Anbruch des Tages mitteilen?
Kongogebiet

Das Rebhuhn sagt: Der mich tötet, trifft mich nicht so sehr wie der, der meine Federn ausreisst.
Afrika

Das Recht (od. die Redlichkeit) lebt am längsten.
Estland

Das Recht als Anhäufung von Rechtssätzen definieren heißt, menschliches Denken als die Stimme der Wörter eines Wörterbuches beschreiben.
Lévy-Ullmann

Das Recht an sich selbst ist machtlos: von Natur herrscht die Gewalt. Diese nun zum Rechte hinüberzuziehen, so dass mittels der Gewalt das Recht herrsche, dies ist das Problem der Staatskunst.
Schopenhauer

Das Recht ändert sich mit dem Himmelsstrich.

Das Recht auf Arbeit erwähnte ich schon; dazu bekenne ich mich ganz ehrlich.
Bismarck im Reichstage, 9. Mai 1884

Das Recht auf die erste Nacht
info] des Feudalherrn bei der Hochzeit einer Leibeigenen
la] ius primae noctis

Das Recht auf Eigentum beginnt, wie man sagt, mit dem Besitz. [RSpW]
la] Dominium a possessione coepisse dicitur.

Das Recht auf Freiheit
la] ius libertatis

Das Recht bedarf Hilfe.

Das recht bedarff oft (guter) hilff.
it] La buona ragione hà sovente mestier di buon aiuto.

Das Recht berichtigt sich selbst.
Estland

Das Recht beschirmt die Unschuld.
altfries] Dat riucht beschirmet da onschield.

Das Recht beugen (krümmen).
info] Den Schuldigen begünstigen und den Unschuldigen unterdrücken.

Das Recht blüht, das Gericht schützt.
Estland

Das Recht brennt nicht im Feuer, ertrinkt nicht im Wasser.
Estland

Das Recht bringt nur kleine Diebe an den Galgen.
la] Irretit muscas, transmittit aranea vespas.

Das Recht der Ehe steht im vierten Knie.
altfries] Dat riucht dis aefftis steet in da fyaerda kne.

Das Recht der Gegenwart ist das stärkste aller Rechte und das am schwersten zu bekämpfende.
Musset, Der Mann mit den zwei Geliebten

Das Recht der menschlichen Gemeinschaft
la] ius humanae societatis

Das Recht der Verwandtschaft
la] ius necessitudinis

Das Recht des Stärkeren handhaben.
info] Gewalt gebrauchen.

Das Recht des Stärkeren ist das höchste Unrecht.
la] summum ius, summa crux.
z] Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht. Ebner-Eschenbach

Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.
Ebner-Eschenbach

Das Recht des Stärkeren ist immer das beste.

Das Recht dringt auf Schuldigkeit, die Polizei aufs Geziemende. Das Recht ist abwägend und entscheidend, die Polizei überschauend und gebietend. Das Recht bezieht sich auf den Einzelnen, die Polizei auf die Gesamtheit.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 544

Das Recht dünkt selten gut, wenn es uns Schaden tut.
mhd] Vnd duncket selden gut, Recht wo das schaden tut.

Das Recht entschuldigt das Weib in der Unwissenheit.

Das Recht entschuldigt das Weib in der Unwissenheit.
info] Nach dem römischen Recht nicht bloß das Weib, sondern auch Bauern und Ritter.

Das Recht erlaubt, mit Waffen gegen Bewaffnete vorzugehen.
la] Armaque in armatos sumere iura sinunt.

Das Recht fährt in der Kutsche, die Schlauheit geht zu Fuß.
Estland

Das Recht frommt keinem ohne seinen Dank.
[RSpW]
info] Der Richter kann über den Antrag des Klägers nicht hinausgehen.
mhd] Daz recht fromet keime ân sinem dangk.

Das Recht gebrauchen ist eine größere Kunst, als das Recht erlernen.
z] Rechte lernen oder wissen, ist nicht große Kunst; aber das rechte Recht brauchen und in ihrem Ziel und Rinck behalten, dass sie nicht zu weit fahren, das ist Kunst. Luther

Das Recht gehört ins Gericht.
mhd] Dat reicht gehoret in dat reicht.

Das Recht geht den Weg entlang, die Falschheit an den Gartenzäunen entlang.
Estland

Das recht geht oft auf stelzen der Ungerechtigkeit.

Das Recht geht seinen Gang, du kommst oder nicht.
mhd] Du komest eder nicht, dennoch geit dat recht sinen gank.

Das Recht gibt das Pfand ohne des Herrn Willen.
[RSpW]
info] Dem Vermieter gilt die ganze Habe des Mieters als Pfand. Das Recht verleiht ihm das Pfandrecht auch ohne des Herrn, d.h. des Eigentümers Willen. Das Sprichwort gehört dem hamburger Recht an, wo es heißt: Dat recht ghyfft dat pand ane der heren willen.

Das Recht gründet in der Natur.
la] Ius in natura positum est.

Das Recht hängt am Galgen.

Das Recht hat ain wächsin nasen.
info] Auch wohl mit dem Zusatz: man mag es drehen, wie man will.
z] Wo denn noch woll geschicht, dat Recht ene wassern Näse gehabt und als en Spinnwebe gehanget.
z] Dem recht ein wächssen nasen biegen.
info] Von einem Volksbrauch entlehnt, nach welchem man Fratzenbildern und auch wohl Personen, welche alte Göttergestalten darstellten, wirkliche große Wachsnasen, auch Bärte von Flachs oder Stroh andrehte, um seinen Spott damit zu treiben.

Das Recht hat die merkwürdige Eigenschaft, dass man es behalten kann, ohne es zu haben.
Joseph Unger, Mosaik, Bunte Betrachtungen u. Bemerkungen

Das Recht hat eine wächserne Nase.

Das Recht hat gläserne Augen, wächserne Ohren und eine tönerne Zunge.
Russland
mhd] Das recht hât gar ain waxe nas, es lât sich piegen als der has.
mhd] Sie zichent daz reht um bi der nasen.
bm] Právo má tenký nos.
fr] Les lois ont le nez de cire.

Das Recht hat manchmal auch eine Nase aus Wachs.
Estland

Das Recht hat sein Dasein in dem gemeinsamen Volksgeist, also in dem Gesamtwillen, der insofern auch der Wille jedes einzelnen ist.
Savigny

Das Recht hat Seine Selbständigkeit und Eigengesetzlichkeit fortschreitend eingebüßt, es hat die Güte in sich aufgenommen, sich in den Dienst der Wohlfahrt, der Sittlichkeit, der Kultur gestellt - es ist zum sozialen Recht geworden.
Radbruch

Das Recht heischt einen schweren Beutel.

Das Recht hilft dem, der sich selbst nicht helfen kann.
altfries] Dat riucht helpet dam, deer him selm naet helpa mei.

Das Recht hilft den Wachenden.

Das Recht hilft oft gar schlecht.
bm] Právo nepomůze, kdyz levo přemůze.
ho] Dat rechte hevet dicwijl hulpe noot.
la] Quod confortetur ius sepe necesse videtur.

Das Recht in der Ecke, der Besen vor den Augen.
Estland

Das Recht ist alles recht, das nicht gegen die Wahrheit fecht.
fries] Dat riucht is alle riucht, daer to einst da wird ne flucht.

Das Recht ist allzeit ein fromm Mann, aber der Richter ist oft ein Schalk.
z] Das Recht ist allzeit ein fromm Mann, aber der Richter ist oft ein Schalk; und ich gedenke, da Herzog Friedrich einmahl einen Klagezettel kriegt von einer armen Frau, darinnen sie bat, er wolle ihr schaffen zu dem rechten Recht, dass der gute Fürst sehr guter Dinge darüber war, dass die Frau zweyerley Recht anzeiget, so er doch nichts wusste von einem unrechten Recht, verstands aber bald, dass es war gered so viel, der Richter wär ein Schalk. Luther

Das Recht ist allzeit ein frommer Mann, aber der Richter ist oft ein Schalk.

Das Recht ist alt und hergekommen manchen Tag.
info] Die Gewohnheit ist die älteste Rechtsquelle.
mhd] Daz reht ist alt und ist herkomen manigen tac.

Das Recht ist älter als das Gericht (o. Gesetz).
Estland

Das Recht ist an beide Füße gerecht wie ein polnischer Stiefel.

Das Recht ist an beide Füße gerecht, wie ein polnischer Stiefel.

Das Recht ist an jedem Ort das erste.
Estland

Das Recht ist angewandte Macht.

Das Recht ist Dasein der Freiheit, Wirklichkeit des Selbstwußten, die reale Seite und Weise des Geistes.
Hegel

Das Recht ist dem Antworter (Beklagten) viel günstiger als dem Kläger.
[RSpW]
info] Es gilt zwar als Grundsatz, dass das Recht für beide Parteien gleich sei. Das obige Sprichwort hebt aber hervor, dass in der Wirklichkeit die Waage sich zu Gunsten des Beklagten neige. Schon das ist ein Vorzug, dass er nur an seinem Wohnsitz verklagt werden kann, was für den Kläger mit manchen Schwierigkeiten verbunden ist.
mhd] Das recht ist vil gunstiger dem antwerter wenne dem clegere.

Das Recht ist dem Antworter viel günstiger als dem Kläger.

Das Recht ist der Aushängeschild, das goldene Zepter der Gewalt.
Fliegende Blätter

Das Recht ist der Geist der Gesellschaft. Alles bestehende Recht ist fremdes Recht, ist Recht, das man mir «gibt», mir «widerfahren läßt».
Fliegende Blätter

Das Recht ist der Lebenden.
info] Der Abgeordnete von Thadden-Trieglaff in seinem bekannten Antrage vom 25. April 1847 gegen die Anonymität der Presse sagt: 'Wer fällt, der bleibet liegen, wer steht, der kann noch siegen; wer übrigbleibt, hat Recht, und wer entflieht, ist schlecht.'

Das recht ist der wachenden und nahrung der arbeiter.

Das Recht ist der wachenden, das glück der Schlafenden.
bm] Bdícím práva pomáhají.
bm] Práva bdícím, ne spícím slouzí.
ho] Het regt is voor den wakende geschreven.
la] Vigilantibus jura, non dormientibus scripta sunt.

Das Recht ist des Stärksten.

Das Recht ist des Stärksten.
z] Die Götter sind immer auf Seite des Stärksten.
z] Die Vorsehung commandiere stets das stärkste Bataillon. Napoleon I.
fr] Contre fort et contre faux ne valent ne lettres ne sceaux.
fr] Le bâton est le roi du monde.
fr] Le plus fort chasse le plus faible.
la] Jus est in armis (opprimit leges timor). Seneca
sp] Do fuerza viene, el derecho se pierde.

Das Recht ist des Wachenden, das Glück des Schlafenden.

Das Recht ist die Form der Macht. So begrenzt es die Macht, wie die Form ihren Inhalt.
Pannwitz

Das Recht ist die stärkste Schule der Einbildungskraft. Kein Dichter interpretiert die Natur so frei wie der Jurist die Wirklichkeit.
Giraudoux

Das Recht ist ein dünnes, breites Netz; die Mücken bleiben darin hängen, die Hummeln brechen durch.

Das Recht ist ein geläuterter politischer Grundsatz.
Fliegende Blätter

Das Recht ist ein Stück Gold, das sich in dünnen Plättchen zerhämmern lässt.
Russland

Das Recht ist eine bodenlose Grube.

Das Recht ist eine Gewalt, die der Gewalt das Recht streitig macht.
Fliegende Blätter

Das Recht ist eine große Glocke, wenn nur der Schwengel nicht so leicht herunterfiele.

Das Recht ist eine Nase von Wachs, man kann sie drehen wie man will.
info] Rabelais verglich das von den Gelehrten kommentierte Recht mit einem Goldgewande, unten mit Kot verbrämt.

Das Recht ist eine schöne Braut, wenn sie in ihrem Bette bleibt.

Das Recht ist für jedermann.

Das Recht ist gerade wie des Widders Horn.
Estland

Das Recht ist größer als der König.
Estland

Das Recht ist gut, aber der Juristen Practica (die Rechtspractica) taugt nichts.

Das Recht ist gut, aber die Rechtspraktika taugt nichts.

Das Recht ist heiliger und barmherziger als wir.
ndt] Dat reht is heylig ende barmharthiger dan wy syn.

Das Recht ist im Arsch des bunten Ochsen.
Estland

Das Recht ist immer über allen.
Estland
info] Es steht höher als alles)

Das Recht ist Inbegriff der Bedingungen, unter denen die Willkür des einen mit der Willkür des anderen nach einem allgemeinen Gesetz der Freiheit in Einklang gebracht werden kann.
Kant

Das Recht ist krummer hand, wird leichtlich vmgewand.

Das Recht ist lediglich der Ausdruck des Willens der Mächtigen einer Zeit. Deshalb haben Gesetze keine lange Dauer, sondern wechseln von Generation zu Generation.
Fliegende Blätter

Das Recht ist manchmal ein weicher Mann.
Estland

Das Recht ist mehr als hundert Krebse.
Estland

Das Recht ist nach Jellinek nur das ethische Minimum, in Wahrheit aber das praktische Maximum.
Fliegende Blätter

Das Recht ist nichts anderes als das ethische Minimum. Jellinek

Das Recht ist nichts anderes als die in der staatlichen Gemeinschaft herrschende Ordnung, und eben dieses Recht ist es auch, das darüber entscheidet, was gerecht ist.
Aristoteles

Das Recht ist seitlings draußen und das Gesetz rücklings im Bett.
Estland

Das recht ist selten seiner Mutter gerechtigkeit ähnlich.

Das Recht ist Simpel, ungewiss und untreu.

Das Recht ist so heilig, das es mit kaufen niemand vnehren soll.

Das Recht ist so heilig, dass man es mit Käufen nicht verunehren soll.

Das Recht ist so heilig, dass man es um kein Geld kaufen kann.
ndt] Dat recht is also heylich, dat men om gheen ghelt copen noch vten en sal.

Das Recht ist so, wie es gemacht wird, das Gerichtsurteil so, wie es gefällt wird.
Estland

Das Recht ist so, wie man es richtet, das Gericht so, wie man es biegt.
Estland

Das Recht ist viel gelinder als die Richter.
mhd] Daz recht ist vil barmherziger wenn der richter.

Das Recht ist wohl ein guter Mann, aber nicht immer der Richter.

Das Recht ist, wo das meiste Geld ist.
Lucanus, Pharasalia

Das Recht kann man nicht aufessen.
Estland

Das Recht kann man nicht mit Gold aufwiegen.
Estland

Das Recht kann nie höher sein als die ökonomische Gestaltung und dadurch bedingte Kulturentwicklung der Gesellschaft.
Marx, Kritik des Gothaer Programms

Das Recht kann niemand zu mehr zwingen als er hat.
[RSpW]
info] Die Pfändung kann nicht mehr nehmen als vorhanden ist.
altfries] Dat riucht mey neen menscha fora twinga dan hij haet.

Das Recht kann niemand zwingen ohne den Richter.
[RSpW]
info] Es würde wenig nützen, zu wissen was Recht ist, wenn es keinen Richter gäbe, welcher befugt wäre, es auszusprechen, und Macht besäße, sein Urteil zu vollziehen.

Das Recht kennt keine Freundschaft.
Estland

Das Recht klein dieben an galgen bringt, manch großer aber durchhin tringt.
la] Irretit muscas, transmittit aranea uespas.

Das Recht lässt sich in europäischen Streitigkeiten, wo ein kompetenter Gerichtshof nicht besteht, nur durch die Bajonette geltend machen.
Bismarck, im Abgeordnetenhause am 22.1.1864

Das Recht lehrt Zucht.
mhd] Daz recht leret zucht.

Das Recht liegt in der Mitte.
it] La diritta ragione non istà mai negli estremi.

Das Recht liegt unter der Banck, das Unrecht gehet im Schwank.

Das Recht macht manchen Herrn zum Knecht.

Das Recht mit krummer Hand wird leichtlich umgewandt.

Das Recht muss der Gewalt weichen.
it] Dalla forza viene vinta la ragione.

Das Recht muss die Wahrheit niederschlagen.
info] Was unter Beobachtung der gesetzlichen Formen endgültig als Recht erkannt worden ist, gilt forthin als solches, wenn sich auch später herausstellen sollte, dass es den wahren Verhältnissen nicht entspricht.
fries] Dat riucht moet da wird neder slaen.

Das Recht muss ehrlich sein.
fries] Dat Recht schal syn Ehrlich, Hillich vnde Lydtlick, na des Landes Sede.
dä] Loghen skal waerae aerlik.

Das Recht muss oben schwimmen.

Das Recht muss seinen Gang haben, mag die Welt darüber zu Grunde gehen.
la] Fiat justitia, et pereat mundus.
z] Es herrsche Gerechtigkeit, die Schelme in der Welt mögen immer darüber zu Grunde gehen.
info] Leider richtet aber unser Recht eher zehn rechtschaffene Leute, welche die Kosten bezahlen müssen, zu Grunde, ehe es einen einzigen Schelm berührt. Wer die Torheit begeht, etwa für vier Groschen Recht gegen einen Schelm zu beanspruchen, hat hundert Taler Kosten zu bezahlen. Die in Sprichwörtern niedergelegte Volkserfahrung warnt daher jeden, dem Ruhe und Vermögen lieb sind, vor solchem Beginnen. Der obige lateinische Spruch will auch wohl nur dahin verstanden werden, dass ein vom Richter gefällter, rechtskräftig gewordener Spruch, trotz alles Widerstandes, den der Verurteilte erheben dürfte, zum Vollzug gebracht werden müsse, weil davon, dass es geschehe, das Ansehen des Gesetzes und des Richters abhänge.

Das Recht muss sich mehr nach den Fällen richten, die häufig und leicht vorkommen, als nach denen, die ganz selten eintreten. [RSpW]
la] Ad ea potius debet aptari ius, quae et frequenter et facile, quam quae perraro eveniunt.

Das Recht scheidet wohl, aber es freundet nicht.

Das Recht scheidet wohl, es freundet aber nicht.

Das Recht schiert haarscharf.

Das Recht schiert haarscharf.
info] Das Recht darf schon scharf scheren, aber es soll nicht, wie man in Bergamo von der catalonischen Gerechtigkeit sagt: 'das Schaf sammt der Wolle aufressen.'
z] Verdammt den Richter nicht, er darf nicht billig sein, für ihn ist das Gesetz von Eisen, und seine Pflichten sind von Stein, ihn taub und kalt nur auf das Recht zu weisen.
z] Nur die Parteien können und sollen billig sein; bei billigen Richtern wäre es um die Gerechtigkeit geschehen. Seume
bm] Hor?í právo neźli meč.
ho] Stipt regt, of de wereld vergaat.
pl] Prawo gorsze ni? miecz.

Das Recht schläft manchmal, stirbt aber nie. [RSpW]
la] Dormit aliquando ius, moritur numquam.

Das Recht sei für jedermann (da).
Estland

Das Recht siegt.
Estland

Das Recht sieht nicht auf die Person.
nl] Het regt ziet geen' persoon aan; de eerst komt, gaat voor.

Das Recht soll man gleichen, dem Armen als dem Reichen.

Das Recht soll man mit Erbarmung mischen.

Das Recht soll man nicht biegen, ausgenommen die Herren tun (wollen) es.
fr] On ne doibt le droict violer, si non a cause de dominer.
la] Si violandum est ius, imperii gratia violandum.

Das Recht soll vor der Theologie das Baret abziehen.
z] Die Juristen müssen lassen die Theologiam obenan sitzen, oder müßen herunter aufs tiefste, anders wird nichts daraus. Luther
z] Die Theologen sind der Kiel, die Juristen aber der Strumpff von der Schreibfeder.
z] Ein Jurist ist in geistlichen Sachen nicht mehr denn ein Schneider und Schuster.
z] Das Jus ist eine schöne Braut, wenn sie in ihrem Bette bleibt; wenn sie aber herübersteigt in ein anderes Bett und will in der Kirche die Theologiam regieren, da ist sie eine große Hure. Darum soll das Jus vor der Theologie das Baret abziehen. Luther
z] Die Theologia soll Kaiserin seyn, die Philosophia und andere Künste Dienerin. Luther

Das Recht soll vor der Theologie das Barett abziehen.

Das Recht spricht: jedem das Seine; die Liebe: jedem das deine.

Das recht stehet auf der faust.
info] Es ist das Recht des Stärkeren, das Faustrecht gemeint.
z] Das Recht stehet ietzt auf der faust; dasselbige gilt ietzt; und ist das lateinische Wort Jus umgekehrt siv, Gewalt oder Faustrecht. Wer den andern vermag, der stecket ihn in Sack.
Luther
ho] Men voert er het regt in de vuist en in de scheede.

Das Recht steht wie Fett auf dem Wasser.
Estland

Das Recht sticht der Lüge die Augen aus dem Kopf.
Estland

Das Recht tut Gnade der Torheit.
mhd] Dat recht dut gnade der dorheit.

Das Recht tut nichts Krummes (d. i. kein Unrecht).
Estland

Das Recht überwindet alle Gewohnheit.
z] Auch eine im guten Glauben anfänglich für Recht genommene Gewohnheit fällt, sobald deren Inhalt als widerrechtlich erkannt wird, und selbst alter und gerechter Brauch kann von einer neuen und vom gesetzten Rechte niedergelegt werden, nicht nur, wenn die Aufhebung ausdrücklich ausgesprochen vorliegt, sondern auch dann schon, wenn der Brauch mit dem Neugeschaffenen in offenem Widerspruch steht.
altfries] Dat riucht wriunt alle pliga.

Das Recht und das Wasser darf man nicht aufstauen, sonst entsteht dem Lande großer Schaden.

Das Recht und der Palmesel kommen jährlich nur einmal an das Licht.

Das Recht unten ausgestreckt, das Unrecht bäuchlings darauf.
Estland

Das Recht unten, das Unrecht daraufgekippt.
Estland

Das Recht verkörpert die Anstrengung der Menschen, die Gesellschaft zu ordnen, die Regierung verkörpert die Anstrengung der Selbstsucht, die Freiheit zu vernichten.
Becher

Das Recht wankt nicht.
Estland

Das Recht wär' wohl gut, wenn man's nicht krumm machte.

Das Recht wäre wohl gut, wann mans nicht krumm machte.

Das recht wehret darum lang, dass mans wie ein Kleinod in ehren hält und selten braucht.

Das Recht weicht der Gewalt.
la] Cedit viribus aequum.

Das Recht will nicht nur wertende Norm, sondern auch wirkende Macht sein, und eine Hauptpforte, durch die es aus dem Reiche der Idee in das Reich der Wirklichkeit eingeht.
Radbruch

Das Recht wird genossen, das Böse geschützt.
Estland

Das Recht wird mehr gefürchtet als Feuer.
Estland

Das Recht wird mit Füßen getreten, und mit des anderen (Recht) wird gespielt.
Estland

Das recht wird so hoch (so weit und breit) gespannt, dass daran kein end zu sehen.

Das Recht wird weder weiter noch enger.

Das Recht wissen und das recht tun ist zweyerlei.

Das Recht zu betteln ist niemand gewehrt.
info] In einem guten Staatswesen ist für das Betteln kein Raum.

Das Recht zu leben und zu triumphieren erwirbt man heute fast durch die gleichen Verfahren, mit denen man die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht: die Unfähigkeit zu denken, die Unmoral und die Übererregtheit.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Das Recht, das nur ein großer Geist mit festem Ziele
Besitzt vorm groben Sinn aus niederem Gewühle.
Voltaire, Mahomet, II, 5

Das Recht, Fehler zu begehen, hat man nur, wenn man imstande ist, sie in Zukunft zu unterlassen.
Charles Ferdinand Ramuz (1878 - 1947)

Das Recht, oft metaphorisch als 'gefrorene Politik' bezeichnet, ermöglicht überhaupt erst staatliches Handeln, wenn dieses Handeln als Entscheiden mit verbindlichem Anspruch verstanden werden soll.
Fliegende Blätter

Das rechte (Auge) tadelt, das linke, entschuldigt.
Estland

Das rechte aug tantzt mir im Kopf.

Das rechte Auge juckt mir.
info] Gute Vorbedeutung. Wenn man Hoffnung hat, etwas Angenehmes zu hören, wie man jetzt sagt: Es klingt mir vom rechten Ohre, um zu sagen, dass sie löblich von einem reden.

Das rechte Auge krimmt (juckt) mir, ich werde was Liebes sehen.
la] Oculus dexter mihi salit.

Das Rechte erkennen und nicht tun ist Mangel an Mut.
Konfuzius

Das Rechte ist immer sich selbst gleich, unbedingt und ewig.
Goethe (1749-1832), An J. F. v. Cotta, 2.9.1816

Das rechte Maß halten.
info] Die Regeln der Schicklichkeit kennen und befolgen.
fr] Il est plein de fait et de mesure.
fr] Il est toujours dans la mesure.
fr] Il garde la mesure en tout.
fr] Il fait tout avec poids et mesure.

Das rechte Maß oft überfährt, wer geizig Ehr' und Lob begehrt.

Das rechte Mitleid geht von der Tür und kommt durchs Fenster.
fr] La caritá onesta-va del uscio, ven della finestra. Welschtirol

Das rechte Ohr singet oder klinget mir.

Das rechte recht.
z] Das rechte Recht siehet weder Gunst, Gaben, Freundschaft noch Eigennutz an. Das unrechte Recht richtet nach Gunst und Gaben.
info] Wenn ein Geschäft nach einem bestimmten Rechte vereinbart ist, so kommt auch dies Recht gegenüber dem gemeinen zur Anwendung.
ho] Het regte regt ziet gunst noch gaven, vriendschap nog eigen nut aan.

Das Rechte tun, weil man nicht anders kann - wundervolle Unfreiheit.
Ebner-Eschenbach

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