<<< Weisheiten 0344 >>>

Das Recht ist manchmal ein weicher Mann.
Estland

Das Recht ist mehr als hundert Krebse.
Estland

Das Recht ist nach Jellinek nur das ethische Minimum, in Wahrheit aber das praktische Maximum.
Fliegende Blätter

Das Recht ist nichts anderes als das ethische Minimum. Jellinek

Das Recht ist nichts anderes als die in der staatlichen Gemeinschaft herrschende Ordnung, und eben dieses Recht ist es auch, das darüber entscheidet, was gerecht ist.
Aristoteles

Das Recht ist seitlings draußen und das Gesetz rücklings im Bett.
Estland

Das recht ist selten seiner Mutter gerechtigkeit ähnlich.

Das Recht ist Simpel, ungewiss und untreu.

Das Recht ist so heilig, das es mit kaufen niemand vnehren soll.

Das Recht ist so heilig, dass man es mit Käufen nicht verunehren soll.

Das Recht ist so heilig, dass man es um kein Geld kaufen kann.
ndt] Dat recht is also heylich, dat men om gheen ghelt copen noch vten en sal.

Das Recht ist so, wie es gemacht wird, das Gerichtsurteil so, wie es gefällt wird.
Estland

Das Recht ist so, wie man es richtet, das Gericht so, wie man es biegt.
Estland

Das Recht ist viel gelinder als die Richter.
mhd] Daz recht ist vil barmherziger wenn der richter.

Das Recht ist wohl ein guter Mann, aber nicht immer der Richter.

Das Recht ist, wo das meiste Geld ist.
Lucanus, Pharasalia

Das Recht kann man nicht aufessen.
Estland

Das Recht kann man nicht mit Gold aufwiegen.
Estland

Das Recht kann nie höher sein als die ökonomische Gestaltung und dadurch bedingte Kulturentwicklung der Gesellschaft.
Marx, Kritik des Gothaer Programms

Das Recht kann niemand zu mehr zwingen als er hat.
[RSpW]
i] Die Pfändung kann nicht mehr nehmen als vorhanden ist.
altfries] Dat riucht mey neen menscha fora twinga dan hij haet.

Das Recht kann niemand zwingen ohne den Richter.
[RSpW]
i] Es würde wenig nützen, zu wissen was Recht ist, wenn es keinen Richter gäbe, welcher befugt wäre, es auszusprechen, und Macht besäße, sein Urteil zu vollziehen.

Das Recht kennt keine Freundschaft.
Estland

Das Recht klein dieben an galgen bringt, manch großer aber durchhin tringt.
la] Irretit muscas, transmittit aranea uespas.

Das Recht lässt sich in europäischen Streitigkeiten, wo ein kompetenter Gerichtshof nicht besteht, nur durch die Bajonette geltend machen.
Bismarck, im Abgeordnetenhause am 22.1.1864

Das Recht lehrt Zucht.
mhd] Daz recht leret zucht.

Das Recht liegt in der Mitte.
it] La diritta ragione non istà mai negli estremi.

Das Recht liegt unter der Banck, das Unrecht gehet im Schwank.

Das Recht macht manchen Herrn zum Knecht.

Das Recht muss der Gewalt weichen.
it] Dalla forza viene vinta la ragione.

Das Recht muss die Wahrheit niederschlagen.
i] Was unter Beobachtung der gesetzlichen Formen endgültig als Recht erkannt worden ist, gilt forthin als solches, wenn sich auch später herausstellen sollte, dass es den wahren Verhältnissen nicht entspricht.
fries] Dat riucht moet da wird neder slaen.

Das Recht muss ehrlich sein.
fries] Dat Recht schal syn Ehrlich, Hillich vnde Lydtlick, na des Landes Sede.
dä] Loghen skal waerae aerlik.

Das Recht muss oben schwimmen.

Das Recht muss seinen Gang haben, mag die Welt darüber zu Grunde gehen.
la] Fiat justitia, et pereat mundus.
z] Es herrsche Gerechtigkeit, die Schelme in der Welt mögen immer darüber zu Grunde gehen.
i] Leider richtet aber unser Recht eher zehn rechtschaffene Leute, welche die Kosten bezahlen müssen, zu Grunde, ehe es einen einzigen Schelm berührt. Wer die Torheit begeht, etwa für vier Groschen Recht gegen einen Schelm zu beanspruchen, hat hundert Taler Kosten zu bezahlen. Die in Sprichwörtern niedergelegte Volkserfahrung warnt daher jeden, dem Ruhe und Vermögen lieb sind, vor solchem Beginnen. Der obige lateinische Spruch will auch wohl nur dahin verstanden werden, dass ein vom Richter gefällter, rechtskräftig gewordener Spruch, trotz alles Widerstandes, den der Verurteilte erheben dürfte, zum Vollzug gebracht werden müsse, weil davon, dass es geschehe, das Ansehen des Gesetzes und des Richters abhänge.

Das Recht muss sich mehr nach den Fällen richten, die häufig und leicht vorkommen, als nach denen, die ganz selten eintreten. [RSpW]
la] Ad ea potius debet aptari ius, quae et frequenter et facile, quam quae perraro eveniunt.

Das Recht scheidet wohl, aber es freundet nicht.

Das Recht schiert haarscharf.
i] Das Recht darf schon scharf scheren, aber es soll nicht, wie man in Bergamo von der catalonischen Gerechtigkeit sagt: 'das Schaf sammt der Wolle aufressen.'
z] Verdammt den Richter nicht, er darf nicht billig sein, für ihn ist das Gesetz von Eisen, und seine Pflichten sind von Stein, ihn taub und kalt nur auf das Recht zu weisen.
z] Nur die Parteien können und sollen billig sein; bei billigen Richtern wäre es um die Gerechtigkeit geschehen. Seume
bm] Hor?í právo neźli meč.
ho] Stipt regt, of de wereld vergaat.
pl] Prawo gorsze ni? miecz.

Das Recht schläft manchmal, stirbt aber nie. [RSpW]
la] Dormit aliquando ius, moritur numquam.

Das Recht sei für jedermann (da).
Estland

Das Recht siegt.
Estland

Das Recht sieht nicht auf die Person.
ho] Het regt ziet geen' persoon aan; de eerst komt, gaat voor.

Das Recht soll man gleichen, dem Armen als dem Reichen.

Das Recht soll man mit Erbarmung mischen.

Das Recht soll man nicht biegen, ausgenommen die Herren tun (wollen) es.
fr] On ne doibt le droict violer, si non a cause de dominer.
la] Si violandum est ius, imperii gratia violandum.

Das Recht soll vor der Theologie das Baret abziehen.
z] Die Juristen müssen lassen die Theologiam obenan sitzen, oder müßen herunter aufs tiefste, anders wird nichts daraus. Luther
z] Die Theologen sind der Kiel, die Juristen aber der Strumpff von der Schreibfeder.
z] Ein Jurist ist in geistlichen Sachen nicht mehr denn ein Schneider und Schuster.
z] Das Jus ist eine schöne Braut, wenn sie in ihrem Bette bleibt; wenn sie aber herübersteigt in ein anderes Bett und will in der Kirche die Theologiam regieren, da ist sie eine große Hure. Darum soll das Jus vor der Theologie das Baret abziehen. Luther
z] Die Theologia soll Kaiserin seyn, die Philosophia und andere Künste Dienerin. Luther

Das Recht spricht: jedem das Seine; die Liebe: jedem das deine.

Das recht stehet auf der faust.
i] Es ist das Recht des Stärkeren, das Faustrecht gemeint.
z] Das Recht stehet ietzt auf der faust; dasselbige gilt ietzt; und ist das lateinische Wort Jus umgekehrt siv, Gewalt oder Faustrecht. Wer den andern vermag, der stecket ihn in Sack.
Luther
ho] Men voert er het regt in de vuist en in de scheede.

Das Recht steht wie Fett auf dem Wasser.
Estland

Das Recht sticht der Lüge die Augen aus dem Kopf.
Estland

Das Recht tut Gnade der Torheit.
mhd] Dat recht dut gnade der dorheit.

Das Recht tut nichts Krummes (d. i. kein Unrecht).
Estland

Das Recht überwindet alle Gewohnheit.
z] Auch eine im guten Glauben anfänglich für Recht genommene Gewohnheit fällt, sobald deren Inhalt als widerrechtlich erkannt wird, und selbst alter und gerechter Brauch kann von einer neuen und vom gesetzten Rechte niedergelegt werden, nicht nur, wenn die Aufhebung ausdrücklich ausgesprochen vorliegt, sondern auch dann schon, wenn der Brauch mit dem Neugeschaffenen in offenem Widerspruch steht.
altfries] Dat riucht wriunt alle pliga.

Das Recht und das Wasser darf man nicht aufstauen, sonst entsteht dem Lande großer Schaden.

Das Recht und der Palmesel kommen jährlich nur einmal an das Licht.

Das Recht unten ausgestreckt, das Unrecht bäuchlings darauf.
Estland

Das Recht unten, das Unrecht daraufgekippt.
Estland

Das Recht verkörpert die Anstrengung der Menschen, die Gesellschaft zu ordnen, die Regierung verkörpert die Anstrengung der Selbstsucht, die Freiheit zu vernichten.
Becher

Das Recht wankt nicht.
Estland

Das Recht wäre wohl gut, wann mans nicht krumm machte.

Das recht wehret darum lang, dass mans wie ein Kleinod in ehren hält und selten braucht.

Das Recht weicht der Gewalt.
la] Cedit viribus aequum.

Das Recht will nicht nur wertende Norm, sondern auch wirkende Macht sein, und eine Hauptpforte, durch die es aus dem Reiche der Idee in das Reich der Wirklichkeit eingeht.
Radbruch

Das Recht wird genossen, das Böse geschützt.
Estland

Das Recht wird mehr gefürchtet als Feuer.
Estland

Das Recht wird mit Füßen getreten, und mit des anderen (Recht) wird gespielt.
Estland

Das recht wird so hoch (so weit und breit) gespannt, dass daran kein end zu sehen.

Das Recht wird weder weiter noch enger.

Das Recht wissen und das recht tun ist zweyerlei.

Das Recht zu betteln ist niemand gewehrt.
i] In einem guten Staatswesen ist für das Betteln kein Raum.

Das Recht zu leben und zu triumphieren erwirbt man heute fast durch die gleichen Verfahren, mit denen man die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht: die Unfähigkeit zu denken, die Unmoral und die Übererregtheit.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Das Recht, das nur ein großer Geist mit festem Ziele
Besitzt vorm groben Sinn aus niederem Gewühle.
Voltaire, Mahomet, II, 5

Das Recht, Fehler zu begehen, hat man nur, wenn man imstande ist, sie in Zukunft zu unterlassen.
Charles Ferdinand Ramuz (1878 - 1947)

Das Recht, oft metaphorisch als 'gefrorene Politik' bezeichnet, ermöglicht überhaupt erst staatliches Handeln, wenn dieses Handeln als Entscheiden mit verbindlichem Anspruch verstanden werden soll.
Fliegende Blätter

Das rechte (Auge) tadelt, das linke, entschuldigt.
Estland

Das rechte aug tantzt mir im Kopf.

Das rechte Auge juckt mir.
i] Gute Vorbedeutung. Wenn man Hoffnung hat, etwas Angenehmes zu hören, wie man jetzt sagt: Es klingt mir vom rechten Ohre, um zu sagen, dass sie löblich von einem reden.

Das rechte Auge krimmt (juckt) mir, ich werde was Liebes sehen.
la] Oculus dexter mihi salit.

Das Rechte erkennen und nicht tun ist Mangel an Mut.
Konfuzius

Das Rechte ist immer sich selbst gleich, unbedingt und ewig.
Goethe, An J. F. v. Cotta, 2.9.1816

Das rechte Maß halten.
i] Die Regeln der Schicklichkeit kennen und befolgen.
fr] Il est plein de fait et de mesure.
fr] Il est toujours dans la mesure.
fr] Il garde la mesure en tout.
fr] Il fait tout avec poids et mesure.

Das rechte Maß oft überfährt, wer geizig Ehr' und Lob begehrt.

Das rechte Mitleid geht von der Tür und kommt durchs Fenster.
fr] La caritá onesta-va del uscio, ven della finestra. Welschtirol

Das rechte Ohr singet oder klinget mir.

Das rechte recht.
z] Das rechte Recht siehet weder Gunst, Gaben, Freundschaft noch Eigennutz an. Das unrechte Recht richtet nach Gunst und Gaben.
i] Wenn ein Geschäft nach einem bestimmten Rechte vereinbart ist, so kommt auch dies Recht gegenüber dem gemeinen zur Anwendung.
ho] Het regte regt ziet gunst noch gaven, vriendschap nog eigen nut aan.

Das Rechte tun, weil man nicht anders kann - wundervolle Unfreiheit.
Ebner-Eschenbach

Das Rechte, das Gute führt ewig Streit,
Nie wird der Feind ihm erliegen
Und erstickst du ihn nicht in den Lüften frei,
Stets wächst ihm die Kraft auf der Erde neu.
Schiller, Die Worte des Wahns

Das Rechte, das ich viel getan,
Das ficht mich nun nicht weiter an,
Aber das Falsche, das mir entschlüpft,
Wie ein Gespenst mir vor Augen hüpft.
Goethe, Sprichwörtlich

Das Rechtsgefühl nimmt das Resultat vorweg, das Gesetz soll dann nachträglich die Gründe und die Grenzen dafür hergeben.
Radbruch

Das Rechtswesen richtet viele Familien zugrunde und verhilft nur wenigen zu dem Ihrigen...
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Das reckt sich wie Schafleder.

Das Reden von allem magst du gönnen
Denen, die selbst nichts machen können.
Geibel, Sprüche

Das redende Wort trifft das Herz.

Das redet er aus keinem Kalbskopf.

Das Rednerhandwerk gleicht in einer Hinsicht dem Kriegshandwerk: das Wagnis ist größer als in andern Berufen, doch man macht auch rascher sein Glück.
La Bruyère, Von den Kanzelrednern

Das Regenwasser enthält kein Salz, das Sprichwort keine Lüge.
Mongolei

Das Regieren an und für sich schon ist ein Verbrechen, das nicht begnadigt werden kann, das ein Volk nur zu seiner Schande erduldet...
Saint Just, Vor dem Konvent

Das Regieren beruht auf zwei Dingen: zügeln und betrügen.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Das Regieren in einer Demokratie wäre wesentlich einfacher, wenn man nicht immer wieder Wahlen gewinnen müsste.
Georges Clemenceau

Das Regime der Manager und Funktionäre ist an die Stelle der alten Kapitalisten getreten, und das Bündnis beider ist fast so unangreifbar wie der Adel vergangener Zeiten.
Norbert Blüm, Unverblümtes

Das Regiment führen ist schwerer als darüber reden.

Das Regiment gehet auf Stelzen.

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