<<< Weisheiten 0337 >>>

Das mittlere Alter ist nicht der Anfang vom Ende, sondern das Ende vom Anfang.
Erich Butterworth, How to avoid Middle-Age Letdown

Das mittlere Talent ist freilich immer in der Zeit befangen und muss sich aus denjenigen Elementen nähren, die in ihr liegen.
Goethe, Eckermann, 21.1.1827

Das mittlere Wirken der Weltgenese sehen wir leidlich klar und vertragen uns ziemlich darüber; Anfang und Ende dagegen, jenen in den Granit, dieses in den Basalt gesetzt, werden uns ewig problematisch bleiben.
Goethe, Geologie und Mineralogie - Fragmentarisches - Hervortreten des Unterschiedlichen

Das möcht ein Bauern verdrießen.
i] Ist sehr verdrießlich. Auf den Bauer wird hier mit Verachtung hingewiesen, weil derselbe im Mittelalter wenig galt. Was einen Bauern verdrießt, muss äußerst verdrießlich sein, da er an Verdruss und Schweiß gewöhnt ist

Das möcht' einen Heiden erbarmen.

Das möcht' ich nicht in meinen Schuhen haben, viel weniger in meinem Leibe.
i] In Bezug auf schlechtes Getränk u. dgl.
ho] Ik will het nog niet eens in mijn laarzen (schoenen) hebben, laat staan in mijn lijf.

Das möchte (wollte) ich sehen, sagte der Blinde.
en] Tat would I fain see, said blind George of Hollowee.

Das möchte den Teufel verdrießen.
ho] Dat mag den drommel verdrieten.

Das möchte einen Stein erbarmen.
i] Auch die unempfindlichsten Herzen könnte es zum Mitleid bewegen. Wahrscheinlich von den steinernen Heiligenbildern, die von dem Flehen der Gläubigen oft bis zu Tränen gerührt wurden. So gab dem heiligen Bernhard ein steinernes Muttergottesbild die süßeste Jungfermilch stromweis aus ihren Brüsten zu kosten. Der Abt Benedict Knittel von Schönburg, der Vater unserer Knittelverse, hat das Wunder durch folgende Verse am Eingange der Kirche jenes Klosters verewigt: 'Salve, o Bernarde, pie, Jesu lactans et Mariae'.
la] Adamanta movet. Ovid

Das möchte ich duzen.
Breslau

Das möchte ich nicht in meine Stiefeln gießen.
ho] Ik will het nog niet eens in mijne laarzen hebben, last staan in mijn lijf.

Das möge der Jude Apella glauben.
la] Credat Judaeus Apella.
Horaz, Satiren I, 5, 100

Das mögen die Götter wissen.

Das Mögliche soll der Entschluss
Beherzt sogleich beim Schopfe fassen:
Er will es dann nicht fahren lassen
Und wirket weiter, weil er muss.
Goethe, Faust - Vorspiel auf dem Theater (Direktor) Vs 223

Das mögst dü schon verbrennen mit'm Chumetz (gesäuertes Brot).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Die Redensart wird in Bezug auf unbrauchbare Sachen gebraucht, und bezieht sich darauf, dass am Vorabend des Osterfestes alles Gesäuerte sorgfältig im Hause aufgesucht und verbrannt wird.

Das Mönchskleid macht keinen Klostergeistlichen.

Das Möndchen hat 'nen Brunnen.
Tschechien
i] Wenn der Mond einen Ring hat, will es regnen

Das Moor verdorrt, es schwelt im Feuer der Himmel,
Es fällt der Mond, der Erdkreis brennt.
Das Muspilli (um 860)

Das Moos abmähen.
i] Wenn man gegen etwas Zartes und Unreifes zu hart verfährt oder den Nutzen vor der Zeit haben will. Von denen, die, sobald nur das Gras anfängt Spitzen zu treiben, es abmähen, ohne es die gehörige Größe erlangen zu lassen.

Das Moos ist der Stube Wärme, der Lehm des Ofens Stärke.
Estland

Das Mooslied singen.
z] 'S Moosg'sang, ein Lied, das die alten Jungfrauen schildert.

Das Möpslein fällt dem Doggen in die Beine.

Das moralische Element kommt im Frieden seltener zur Geltung, im Kriege bildet es die Bedingung jeglichen Erfolges, den wahren Wert der Truppe
Helmuth Graf von Moltke

Das moralische Gewitter in einem außerordentlichen Menschen wirkt vielleicht elektrisch auf junge, noch nicht abgestumpfte Gemüter, die ihm nahen, wie das materielle Gewitter auf Katzen wirkt.
Heine, Ludwig Börne, 1. Buch

Das Moralische versteht sich immer von selbst.
Fr. Th. Vischer, Auch Einer

Das Morgen ist jeweils schlechter als das Heute (d. h. es kommt selten etwas Besseres nach).
la] Cotidie est deterior posterior dies.

Das Morgen ist Schüler des Heute.
vgl] Ein Tag lehrt den anderen.
la] Discipulus est prioris posterior dies.

Das Morgengebet öffnet das Fenster unserer Seelen, das Abendgebet versperrt die Tür vor den höllischen Geistern.

Das Morgenrot dämmert, das Schwein (o. der Hagestolz) treibt sich umher.
Estland

Das Morgenrot draußen, ein Sack am Hals, (ist es) draußen hell, eine Furche hinten, (ist es) draußen dunkel, die Peitsche in der Hand.
Estland

Das Morgenrot preisen und die Sonne unbesungen lassen.
Russland

Das morsche Rad bricht zuerst.
en] The worst spoke in a cart breaks first.

Das Moschustier vergisst das Netz, aber das Netz vergisst nicht das Moschustier.
Malaysia

Das moskowitische Lamm.
z] Es wächst in der kleinen Tatarei zwischen Don und Wolga. Es ist ein merkwürdiges Gewächs, auf einem starken Stengel drei Fuß hoch, auf welchem die Frucht, Boramez genannt, nach Art eines Kürbis oder einer Melone steht, welche von aussen die Gestalt eines Lammes an Füßen, Ohren, Kopfe, Schwanz und ganzem Leibe präsentirt. Wenn es vom Stiel abgelöst wird, gibt es einen Saft, wie rot Blut. Wenn es reif, so bekommt es ein Fell und Wolle wie ein Lamm, so man wider die Kälte gebrauchen könnte. Die Wölfe sollen auch diesem Gewächs ebenso gierig nachstellen als den Lämmern.

Das Motiv einer guten Handlung ist manchmal nichts anderes als zur rechten Zeit eingetretene Reue.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das müd'ste, Jammervollste ird'sche Leben,
Das Alter, Mangel, Schmerz, Gefangenschaft
Dem Menschen auflegt, - ist ein Paradies
Gegen das, was wir vom Tode fürchten.
Shakespeare, Maß für Maß, III,
(Claudio)

Das Mühen ums Schöne ist ein Zweikampf, in dem der Künstler aufschreit vor Angst, noch ehe er besiegt ist.
Charles Baudelaire (1821-1867), Das Confiteor des Künstlers

Das Mühlrad ist zerbrochen,
Die Liebe hat doch kein End;
Und wenn sich zwei Herzlieb tun scheiden,
So reichen sie einand die Händ.
Volkslied: Das Mühlrad

Das Mühlrad läuft immer, kommt aber nirgends hin.

Das mühsam erlangte Glück wird doppelt genossen.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das Mûl (Maul) öss em wie e Schoppeloch (Schüneloch) on de Mage wie e Möddfach.
i] Möddfach = Mittelfach der Scheune.

Das mul voll fladen han.
i] Brei im Munde haben.

Das mulus mulum spielen.
i] Loben, um wieder gelobt zu werden.

Das Münchener Kind kennt keinen höhern Turm als den Frauenturm.

Das Mundtuch möchte ein Tischtuch werden.
Jamaika

Das Mundwerk einer Frau macht niemals Ferien.
Schwarze in den USA

Das Mus ist noch nicht gar.

Das Mus verschütten.
z] Wenn sie das muss denn gar verschütt.
z] Wie unser aller Eltermutter das Muss also verschütt.
z] Ein bös Tyran all Ding zerrüt, in allem tun das Mus verschüt.

Das musikalische Talent kann sich wohl am frühesten zeigen, indem die Musik ganz etwas Angeborenes, Inneres ist, das von Außen keiner großen Nahrung und keiner aus dem Leben gezogenen Erfahrung bedarf.
Goethe, Eckermann, 14.2.1831

Das muss dem Esel krauen.
i] Das wird er gern hören, wird ihm angenehm sein

Das muss ein böser Wind sein, der einem nichts Gutes herbläst.

Das muss ein böses Tier sein, das sich verteidigt, wenn man es angreift.
Frankreich

Das muss ein Mann tun, der Courage hat, sagt Schneider Lai, als ihn seine Frau unter das Bett (o. den Tisch) getrieben hatte.
i] Spott auf j-n, der, nachdem er sich feig benommen hat, seinen Rückzug als eine mutige Tat darstellt. Dem Sprichwort soll ein wirklicher Vorgang in Daun (Regierungsbezirk Trier) zu Grunde liegen. Ein Schneider Namens Lai soll von seiner Frau unter das Bett oder unter den Tisch getrieben worden sein, dann dieselbe drohend angesehen und ausgerufen haben: Das muss ein Mann tun, der Courage hat.

Das muss ein mut seyn; wann drey Hund beyeinander im Brunnen ligen, so frewet sich einer so sehr als der ander.

Das muss ein Prophet sein, der das verstehen will.
la] Praeter Sibyllam leget nemo. Plautus

Das muss ein schlechter Advokat sein, der Wasser trinkt.

Das muss ein schlechter Hund sein, der des Pfeifens nicht wert ist.

Das muss ein schlechtes Kind sein, wo sich kein Vater zu finden lässt.
ndt] Dat mot en slecht Kind siyn, wo sik kein Vâr tau finnen lätt. Büren

Das muss ein starker Zaun sein, den nicht jede Sau umwühlen soll.

Das muss eine kluge Hand sein, die Narren scheren will.

Das muss einem Kinde einleuchten.
i] Was sehr leicht zu verstehen ist.

Das muss geahndet werden!

Das muss gehen, und wenn der Teufel auf Stelzen geht.
Franken

Das muss geschehen und wenn zehn Teufel dagegen wären.
fr] Il faut que cela soit, veuille Dieu, veuille diable.

Das muss gscheh'n und wenn's Gratz gilt.
i] Und wenn ich auch die größten Schwierigkeiten zu überwinden, die größten Opfer zu bringen hätte, so muss ich doch mein Ziel erreichen.

Das muss ich wissen, was mein Weib für Schenkel hat.
i] Um zu sagen: in dieser Sache habe ich nur die genaueste und zuverlässigste Kenntnis.

Das muss ihm der Neid lassen.

Das muss ihm zu den Zehen herausschwären.
ho] Het moet of ten teenen (mond) uitzweren.

Das muss in Buxtehude geschehen sein.
i] Also nirgends

Das Muss ist ein saures Essen.

Das Muss ist ein schlimmes Essen.
la] Aut servias, ut servus, aut fugias, ut cervus.

Das Muß ist eins von den Verdammungsworten, womit der Mensch getauft worden.
Büchner, an die Braut, nach dem 10. 3. 1834

Das muss ist hart, aber beim muss kann der Mensch allein zeigen, wies inwendig mit ihm steht. Willkürlich leben kann jeder.
Goethe, An J. F. Krafft, 31.1.1781

Das muss ja seyn ein armer mann, der nicht ein Fähnlein Läuss ernehren kann.

Das muss man (o. wird man nicht) mit Wachholder vertreiben.
i] Von unreiner Luft, eigentlich und uneigentlich, Ärgernis usw.

Das muss man den Engländern lassen, dass sie von lange her das Gute zu schätzen wußten und dass sie eine grandiose Art haben, es zu verbreiten.
Goethe, Italienische Reise I, 27.9.1786

Das muß man den Engländern lassen, daß sie von lange her das Gute zu schätzen wußten und daß sie eine grandiose Art haben, es zu verbreiten.
Goethe, Italienische Reise I, 27.9.1786

Das muss man einem vorreden, der keine Haare mehr auf dem Kopfe hat.
Niederlausitz
i] Einem, der alt und kindisch geworden ist.

Das muss man im Leben immer, alles von Herzen tun.
Paustowski, Der Vagabund

Das muss man in den Schornstein schreiben.
i] So sagt man in Baden von etwas sehr Seltenem, nicht oft Vorkommendem, z.B. einem seltenen Besuche.

Das muss man mit der großen Zehe in den Schornstein schreiben.
i] Ein freudiges Ereignis, seltenen Besuch.

Das muss man mit in den Kauf nehmen.

Das muss man mit schwarzer Kreide in den Rauchfang schreiben.
Steiermark
i] Um etwas ironisch als seltenen, merkwürdigen Fall zu bezeichnen. Auch um etwas der völligen Vergessenheit zu übergeben.

Das muss man schmieden, weil's heiss ist.

Das muss man über einen andern Leisten schlagen.
ho] Hij schoeit het op eene andere leest.

Das muss schon ein Mensch von hoher Art sein, dem die Sehnsucht nach Freiheit etwas anderes bedeutet als die Begier nach Verantwortungslosigkeit.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken

Das muss sein, und sollt's Magdeburg kosten.

Das müssen Domherren sein, sagte der Blinde, als er zwei Vorübergehende Zoten reißen hörte.

Das müssen vornehme Leute sein, sagte er, ihr Hintern hat zwei Hälften.

Das musst du als ein Knabe leiden,
Dass dich die Schule tüchtig reckt.
Die alten Sprachen sind die Scheiden,
Darin das Messer des Geistes steckt.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Das müsst ein ungeschlachter Wein sein, der eim nit gießet gut Latein ein.
fr] Après bon vin bon cheval.

Das müsste (würde) einen Juden verdrießen.
z] ...Ein Jüden solt es wohl verdrießen.

Das müsste denn sein.
Breslau
i] Ironische Bemerkung, wenn jemand durch eine Lüge etwas zu beweisen sucht.

Das müsste ein armer Teufel sein, dem nicht eine Seele diente.
fr] Le diable est pauvre qui n'a point d'ame.

Das müsste ein dummer (heilloser) Teufel sein, dem er eine Seele entführt.
i] Von einem Geistlichen, der nicht bessernd und sittlich erhebend wirkt.

Das müsste ein schlechter Hengst sein, der nicht einen Schlag von der Mähre ertragen könnte.
i] Die Begierden sind blind, sobald sie ihre Befriedigung durchaus verlangen.

Das müsste gar eine schlechte Kunst sein, die sich auf einmal fassen ließe, deren Letztes von demjenigen gleich geschaut werden könnte, der zuerst hereintritt.
Goethe, Wanderjahre II,3

Das müsste keine Jugend sein,
Die nicht mal stapfte querfeldein
Dem Gärtner grad durch den Salat
Und hielte das für große Tat.
Der Gärtner schimpft erst hinterdrein
Dann aber denkt er lachend: nein,
Das müsste keine Jugend sein...
Will Vesper, Rufe in die Zeit

Das müsste sein ein schlimmer Wein, daraus nicht flösse gut Latein.

Das Mütlein sinken lassen.
z] Paulus lässet bald das stolze Mütlein sinken.

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