<<< Weisheiten 0335 >>>

Das Meer besteht (nur) aus Tropfen.

Das Meer Buddha hat keine Küsten.
China

Das Meer erschöpft sich nie.

Das Meer flutet imme
Das Land behält es nimmer.
Goethe, Divan. Buch der Sprüche

Das Meer gebietet dem Meer. Wenn man sich die Quellen des Ozeans dichten wollte, so müsste man sie so darstellen [bei Betrachtung des Rheinfalls zu Schaffhausen].
Goethe, Tagebuch, 18.9.1797

Das Meer gibt, das Meer nimmt, das Meer beerdigt auch den Mann.
Estland

Das Meer grämt sich nicht um die Fische.
Russland

Das Meer hat Augen, der Wald Ohren.
Estland

Das Meer hat hundert Herzen.
Estland

Das Meer hat keine Balken.
it] Il mare non ha travi.

Das Meer hat keinen Grund, und das Leiden der Juden kein Ufer.
Jiddisch

Das Meer hätte gern wieder Feigen.

Das Meer hört, der Wald sieht.
Estland

Das Meer in Ravenna suchen.
i] Etwas am unrechten Orte suchen. Ravenna war nämlich zur Gothenzeit noch ein Hafenplatz am Adriatischen Meer, ist aber durch allmähliche Versumpfung und Anschwemmung jetzt dem Meer weit entrückt und Binnenstadt.
it] Cercare Maria per Ravenna.

Das Meer ist breiter denn der See und dazu bitter.

Das Meer ist doch ein großer Anblick!
Goethe, Italienische Reise I, 8.10.1786

Das Meer ist eine böse Herberge.

Das Meer ist eine Zone der Selbstgespräche, die nichts bezwecken, als sich Fragen und Antworten zuzuwerfen, sie hinwegzuspülen, sie zu erneuern und so der Größe es Himmels ein Beispiel zu geben.
Fliegende Blätter

Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit, des Nichts und des Todes, ein metaphysischer Traum.
Thomas Mann, Lübeck als geistige Lebensform

Das Meer ist nicht so gefährlich, als Mädchen sind begehrlich.
fr] La mer n'est si dangereuse que les filles sont trompeuses.

Das Meer ist nicht still, wenn der Wind stürmt.
mhd] Dat mêr is niht stille als it stormet van winde.
la] Non mare tranquillum, dum tempestale movetur.

Das Meer ist ohne Ufer und der Yang-Tse-Kyang ohne Grund.

Das Meer ist wohl groß und weit, die Schiffe treffen sich doch.
Estland

Das Meer klagt, dass es ihm an Wasser fehle.
i] Die Araber nennen übrigens die Sahara das Meer ohne Wasser.
en] The sea complains it wants water.

Das Meer lehrt beten.

Das Meer mit einem Schwamm austrocknen.
i] Das Unmögliche versuchen.

Das Meer nennt den Nil seinen Bruder, der Sumpf aber hadert mit dem Nil.
Abessinien

Das Meer nimmt alle Flüsse auf und dennoch wird es nicht voller.
dä] Alle vande løbe til havet, dog bliver det ei fuldere.

Das Meer pflügen.
i] Von unfruchtbarer Tätigkeit.
la] Litus arare. In litus arenas fundere. Ovid

Das Meer reibt den jungen Mann, das Rasenpflügen den jungen Ochsen auf.
Estland

Das Meer sagt: Wenn ich etwas an mich nehme, wird man es nicht wiedersehen, denn ich bin groß.
Jabo, Afrika

Das Meer schließt sich auch über dem Heiligen, wenn er hineinfällt.

Das Meer sinkt nicht, wenn der Hund am Rande leckt.
Estland

Das Meer treibt nicht alle Tage (Jahre) einen Wal ans Land.

Das Meer treibt seine Wellen gegen das Ufer.
Russland

Das Meer trinkt jahraus jahrein süß Wasser und bleibt salzig.
dä] Havet sluger det färske vand i sig, og giver det salte fra sig.

Das Meer tut den Schiffen nichts, die fest vor Anker liegen.

Das Meer und der Wind gerieten aneinander, die Versöhnung fiel den Schiffern zu.

Das Meer verlassen und den Bach suchen.
Russland

Das Meer verschlingt Weise wie Narren.

Das Meer verweigert sich keinem Flusse.
England

Das Meer wartet nicht auf einen Mann mit einer Schiffsladung.
Irland

Das Meer weist keinen Fluss zurück.

Das Meer winkt dem Deich, aber der Deich nicht dem Meere.
Russland

Das Meer wird schon den Mann machen (= erziehen).
Estland

Das Meer wird vom Winde, das Volk vom Gerede bewegt.

Das Meer wird von einem Steinwurf nicht trübe.

Das Meer wirft großen Unrat aus.

Das Meer wirft mehr Schaum aus als Sand und mehr Sand als Bernstein.
Estland

Das Meer würde ausgeschöpft werden können, wenn es keinen Zufluss hätte.
Palmblätter

Das Meer wurde zu Honig, doch dem Armen fehlte der Löffel.
tü] Deniz bal olmuş, fukara kaşık bulamamış.

Das Meer, das Feuer, die Frau: drei Übel.
Neugriechisch

Das Meeresufer umpflügen.
i] Auf etwas Nutz- oder Fruchtloses unendliche Mühe verwenden. Wenn man dem Gefälligkeiten, Wohltaten erweist, bei dem nie Anerkennung zu hoffen ist.

Das Mehl (kaufe) beim Müller, das Brot beim Bäcker.

Das Mehl aus dem Sack schütten und Asche dafür einraffen.

Das Mehl des Satans gibt schlechtes Brot.

Das Mehl des Teufels verwandelt sich in Grüsche (Kleie).
fr] La farine du diable s'en va moitié en son.
ho] Het meel van den duivel gaat heel in gruis weg.
ital.-schweiz] La farina dal diaul la va in crüsca.

Das Mehl des Teufels wird zur Kleie.

Das Mehl gegen den Wind beuteln, ist Narrheit.

Das Mehl hat er gegeben, aber Kuchen hat er nicht erhalten.

Das Mehl im Maul behalten und mummum sagen.

Das Mehl ist des, der die Brote daraus bäckt.

Das Mehl ist gut, aber der Sack taugt nichts.
i] Papst Clemens brauchte dies Wort in Bezug auf den gewandten Juristen Farinarius, auf dessen Namen es eine Anspielung ist. Derselbe besaß eine tiefe Kenntnis des geistlichen und weltlichen Rechts, und strafte als Advokat und päpstlicher Fiskal mit unerbittlicher Strenge, sündigte aber selbst auf die sträflichste Weise

Das Mehl ist noch nicht gemessen, wovon er das Brot soll essen.

Das Mehl vom Teufel geht gemeiniglich in Graus.

Das Mehl von Peschawer ist nicht ohne Beimischung von Gerste, und die Frauen von Kabul haben keinen Mangel an Freunden.
Persien
i] Die Einwohner der Stadt Kabul sind teils Perser (Schiiten), teils Afghanen (Sunniten). Die Frauen der letzteren haben, nach dem Beispiel ihrer betrügerischen und unmäßigem Trunk ergebenen Männer, ebenfalls den Weg der Tugend nicht gewählt und leben in anderer Weise, wie das Sprichwort andeutet, ausschweifend.
dä] Intet meel er saa fiint, som jo har sander, eller viin saa klar, som jo haar bærme, eller træ saa godt, som jo har knort.

Das Mehr gilt.
i] Wer seine Meinung als die Meinung der Mehrzahl geltend machen will. Weil bei Abstimmungen die meisten Stimmen beschließen oder zum Gesetz erheben.
fr] Le plus enporte le moins.
la] Livius: Pars, inquit, major meliorem vicit.
la] Plinius (in epistolis queritur): numerosas sententias non expendi.
la] Plurima vota valent.
la] Plurium calculus vincit.

Das Mehrheitprinzip ersetzt den Bürgerkrieg durch friedliche Mittel.
Fliegende Blätter

Das Meidlin hat Werch an der Kunkel.
i] Von Mädchen, die Liebesgedanken im Kopfe haben.
z] So spricht man, so eines schellig ist und in unordentlicher Liebe der Buhler gefangen.

Das Meidlin im Hûs han und des nicht müßig gahn.
i] Meidlin ist die schwäbische Form für Mädchen. Weitere: Danach sagt man rheinfränkisch: es Mädche (Mehrzahl die Mädcher), niederrheinisch: Mädches, niederdeutsch: 't Mäken, schwäbisch-fränkisch: 's Madla, Mädel, Mädle; thüringisch: 's Mädl, allemannisch-schweizerisch: 's Maidli oder Maidschi, bairisch-österreichisch: 's Madl oder Dirndl, in Tirol: Gitsche.

Das Mein und Dein ist alles Zankes Ursprung.
la] Verba meum atque tuum sunt omnis semina belli.
la] Vis, ne sit bellum, tolle meum atque tuum.

Das Mein und Dein lässt nichts gemein.
bm] Co mého, to vrat', a se svým jak chces.

Das mein und dein macht alle freundt unrein.

Das Meininger Rütli.
i] So nennt man im Meiningenschen, namentlich auf dem Friedhofe des Dorfes Solz, die Stätte, wo die Gattin des dortigen Pastors Magister Heim beerdigt ist, der bei einem Einkommen von 300 Talern sechs Söhne hat studieren lassen, worunter der berühmte Berliner Arzt. An jener Stätte, über dem Grabe ihrer Mutter, schwuren nämlich am 5. Sept. 1775 die sechs Söhne feierlich, einander bis zum Tode zu lieben und dadurch ihre Eltern zu ehren.

Das meiste auf der Welt geht von selbst, der Erfolg lässt oft ganz törichtes Verhalten berechtigt erscheinen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das meiste Leid kommt daher, dass sich so wenige Menschen auf das Vergessen und das Vergessenwerden einrichten.
Weisenborn, Memorial

Das Meiste nimmt das Mindeste weg.
i] Beim Widerstreit der Rechte hebt das größere das geringere auf.
ndt] Dat meiste dempet dat mynneste. Bremen

Das meiste rede mit dir selbst.

Das Meiste und Beste, was wir haben, hängt von anderen ab. Wir müssen entweder unter Freunden oder unter Feinden leben.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das meiste Unheil in der Welt hat die Schönheit gestiftet, ob sie gleich das Glück oder vielmehr die Wollust einzelner mag befördert haben.
Lichtenberg, Aphorismen

Das meiste Unheil richtet Leichtgläubigkeit an.
Lucius Annaeus Seneca, Über den Zorn

Das Melancholische, Dichterische p. p. in der Liebe ist eigentlich eine eigne Form von Anschauung des Genusses...
Lichtenberg, Aphorismen

Das Menschenauge kann von der Wirklichkeit nur erfassen, was seiner Aufnahmefähigkeit entspricht.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Menschenerlebnis ist etwas so grandios Herrliches, dass ich immer schwer von meinem Entzücken in die Wirklichkeit zurückfinden kann.
Alma Mahler-Werfel, Mein Leben

Das Menschengeschlecht befindet sich im besten Zustande, wenn es möglichst frei ist.
Dante Alighieri, Über die Monarchie

Das Menschengeschlecht ist bestimmt, Erleuchtetes zu sehen, nicht das Licht.
Goethe, An Dora

Das Menschengeschlecht kann ohne Freiheit nicht glücklich sein, diese politische Freiheit aber ist auf die Freiheit des Urteils begründet.
Dante, Über die Monarchie

Das Menschengeschlecht wird nicht vergehen, bis dass alles geschehe! Bis der Genius der Erleuchtung die Erde durchzogen!
Johann Gottfried Herder, Journal meiner Reise im Jahr 1769

Das Menschengeschlecht wird vom Schicksal beherrscht.
la] Regitur fatis mortale genus.

Das Menschengeschlecht zittert vor dem Gespenst des Aberglaubens nur deshalb, weil seine unwissenden, vom Blendwerk der Apstel des Betrugs verführten Stammväter ihm ihre Schauder und ihre Vorurteile weitergegeben haben.
Du Marsais/D'Holbach, Essay über die Vorurteile

Das Menschengeschlecht, von Natur aus schlecht, ist durch die Gesellschaft noch schlechter geworden.
Chamfort, Maximen und Gedanken

Das Menschenherz ist ein unergründlicher Born der Traurigkeit: Nur ein einziges Glück wohnt darin, vielleicht noch ein zweites, aber der Menschheit ganzer Jammer vermag dort zusammenzutreffen und als steter Gast darin zu hausen.
Gustave Flaubert, November

Das Menschenkind hat rohe Milch getrunken.
i] Jeder Mensch ist nur ein Mensch
tü] İnsanoğlu çiğ süt emmiş.

Das Menschenleben hat seine Gesetze, man muss sich ihnen mit freundlichem Gesicht fügen: Es ist uns bestimmt, zu altern und manchmal schwach oder krank zu werden, und zwar aller Ärztekunst zum Trotz.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das Menschenleben hat Tage wie die Zeit, außerhalb der es wächst, ein Weltwunder.
Hermann Stehr, Der Heiligenhof

Das Menschenleben ist bunt wie die Bohnenblüte.

Das Menschenleben ist ein langer Marsch mit einer drückenden Last auf dem Rücken.
var] Das menschliche Leben gleicht einem langen Wege, auf dem man eine schwere Last zu tragen hat.

Das Menschenleben ist eine fortgehende Schule. Der Staatsmann wie der Bauer muss jeden Morgen die Erfahrungen von gestern sammeln, das Verbrauchte umwenden und erneuern; unsere Seele muss, wenn sie nicht verkommen will, jeden Tag ihre Wäsche wechseln.
Gottfried Keller, Über Jeremias Gotthelf

Das Menschenleben ist eine Pilgerfahrt.
la] Vita hominis peregrinatio.

Das Menschenleben ist eine ständige Schule.
Gottfried Keller

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