<<< Weisheiten 0033 >>>

Alle Welt hat nur einen Willen: Dass es ihr wohl (er)gehe.

Alle Welt ist voller Narren.
la] Stultorum plena sunt omnia.

Alle Welt lebt eines Gottes, aber nicht eines Menschen.

Alle Welt maßt sich Recht über einen Kranken an. Priester, Ärzte, Diener, Fremde und Freunde - ja, bis herunter zu den Wärtern glaubt jeder, ihn beherrschen zu können.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Alle Welt schreit über Undankbarkeit. Die Klage ist aber sicher unrichtig angebracht: man sollte sich über Eitelkeit beklagen. Nur ausgesprochene Schurken sind wissentlicher Undankbarkeit fähig; aber fast jedermann ist fähig, zu denken, er habe mehr getan, als der andre verdient, während der andre denkt, er habe weniger empfangen, als er verdiene.
Pope, Aphorismen

Alle Welt sorgt sich: Die einen, dass die Perlen ihnen zu dünn, die anderen, dass die Perl-Grütze ihnen zu dünn ist.
Jiddisch
i] Gemeint sind die Sorgen der Reichen und der Armen.

Alle Welt verurteilt den Egoismus. Egoismus aber ist das Grundgesetz des Lebens. Es kommt nur darauf an, was man als sein Ego anerkennt.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1907)

Alle weltlichen Wesen führen sich auf drei Dinge zurück: Ehre, Reichtum, Vergnügen.
Thomas von Aquin, Summa theologica

Alle Wenden wetten windisch.
i] Die Strafgelder, welche bei Vergehen an den Richter zu zahlen waren, scheinen nicht in allen Stadt- und Landrechten gleich gewesen zu sein; sogar die persönlichen Rechte mögen, nach dem obigen Sprichwort, darauf Einfluss gehabt haben, sodass die Wenden nach windischem Rechte zahlten.
mhd] Alle wende wetten windischiu.

Alle werden einmal zwei Hände gekreuzt (auf der Brust) haben.
Estland

Alle Werktag um den Herd ist des Sonntags schämenswert.

Alle Wesen erstreben das Gute, doch nicht alle erkennen das Wahre.
Thomas von Aquin, Über die Wahrheit

Alle wichtigen Fragen entscheiden sich besser über Nacht.
Epicharmos, Fragmente

Alle wie aus einem Munde.

Alle wie aus einem Ofen.

Alle willen up em riden (reiten).
i] Jeder will sich an ihm reiben.

Alle Winkel, Kisten und Kasten voll haben.

Alle wirken wir zu einem Endergebnis zusammen, die einen wissend und aufmerkend, die anderen, ohne es zu achten.
Mark Aurel, Selbstbetrachtungen

Alle Wirkungen, von welcher Art sie seien, die wir in der Erfahrung bemerken, hängen auf die stetigste Weise zusammen, gehen ineinander über; sie undulieren von der ersten bis zur letzten. dass man sie voneinander trennt, sie einander entgegensetzt, sie untereinander vermengt, ist unvermeidlich; doch musste daher in den Wissenschaften ein grenzenloser Widerstreit entstehen.
Goethe, Aphorismen und Fragmente - Natur

Alle wissen guten Rat, nur (der) nicht, der ihn nötig hat.
sd] Alla weta god råd förutan den i wåndan står.

Alle wissen und sehen nicht alles, was soll einer alle wissen und sehen.
la] Qui statuit aliquid parte inaudita altera aequum licet statuerit, haud aequum est tamen.

Alle wissen wir, dass die Echo uns nur den Schall unsrer Worte zurückgibt, dass, wie wir fragen, sie uns antworte.
Johann Gottfried Herder, Das eigene Schicksal

Alle Wissenschaft kommt durch die Sinne.
z] Alle der Menschen wissenschafft kommt durch die fünff Sinn; dieselbe seint in einem mehr frisch und hurtig, im andern lam, stumpff und mangelhafft. Wie nun die sinne, also auch die wissenschafft.
la] Sensus sunt scala scientiae.

Alle Wissenschaften müssen sich auf die Natur gründen.
Feuerbach, Vorläufige Thesen zur Reformation der Philosophie

Alle Witwen sind reich.
en] Widows are always rich.

Alle Wochen einen andern Knecht und das Jahr zwölf Mägde.

Alle Wohltat findt ihre stete.

Alle Wolken regnen nicht.
mhd] Alle wolken regen nicht.
la] Depluit haud omnis quam cernis in aëre nubes.
ho] Alle wolken regenen niet.
sd] Alt moln geer intet regn.

Alle wollen geliebt werden. Auch und gerade die Schwierigen und Problematischen.
Unbekannte Quelle

Alle wollen zurück zur Natur, nur nicht zu Fuß.

Alle Wort auf das Goldwägelein legen.

Alle Worte sind Aussagen, aber nicht alle sind Zurücknahmen.
Estland

Alle Worte sind ja nicht Aussagen.
Estland

Alle Würden dieser Welt wiegen einen guten Freund nicht auf.
Voltaire, Jeannot und Colin

Alle würden eher ihr väterliches Erbteil abtreten als eingestehen, dass ihnen Geist und Witz fehlen... Glaubet jedoch nicht, dass es diesen Hohlköpfen an Kohlköpfen mangele, die ihre Ansichten billigen; die plumpste Dummheit, die absurdeste Verkehrtheit findet auf Erden bekanntlich die meisten Bewunderer und Liebhaber, weil eben, wie ich euch schon gesagt habe, fast alle Menschen der Torheit huldigen.
Erasmus von Rotterdam, Lob der Torheit

Alle Zauber der Vergangenheit können nicht eine einzige Berührung mit der Gegenwart ersetzen.
Rolland, Jugenderinnerungen

Alle Zehn danach lecken (strecken).

Alle zehn Finger braucht man zum essen, aber der Daumen ist es, der die Speisen in den Mund schiebt.
Assam, Indien

Alle zehn Finger danach lecken.
ho] Hij zal daar nog met vinger en duim van likken.

Alle Zeiche fluchen.
i] Alle Verwünschungsformeln aussprechen.

Alle Zeichen lügen nicht.

Alle Zeit, treu bereit, für des Reiches Herrlichkeit.
Graf Moltke
fr] Il faut du temps pour tout.

Alle Zerstreuung schwächt.
Novalis Teplitzer Fragmente

Alle Zinsen fahren.
[RSpW]
i] Bezieht sich auf die mittelalterliche Einrichtung, den Brauch der Grundherren, die Lehnsleute zu pünktlicher Zinsenzahlung zu veranlassen, indem die Verabsäumung der Zinsentrichtung durch die Rutscherzinsen geahndet wurde. Der Rutscherzins aber besteht darin, dass mit jedem Tage der Zahlungsverzögerung der Betrag des rückständigen Zinses sich verdoppelt. So oft die Sonne auf- und niedergeht, der Schilling doppelt.
mhd] Alle zinss fharen.

Alle Zivilisation fängt mit der Theokratie an und hört mit der Demokratie auf.
fr] Toute civilisation commence par la théocratle et finit par la démocratie.
Victor Hugo, Notre Dame

Alle zu gleich! rief der Bauer, da hatte er nur ein Pferd vor dem Wagen.

Alle Zucht ist der Jugend zuwider.
la] Nulla dulcis est infantiae disciplina prudens.

Alle zwanzig Jahre eine neue Welt.

Alle Zweifel und Klagen der Menschen über die Verwirrung und den wenig merklichen Fortgang des Guten in der Geschichte rühret daher, dass der traurige Wanderer auf eine zu kleine Strecke seines Weges siehet.
Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Alle Zweige eines Baumes gleichen einander wie Mutter und Tochter.

Alle, die äußerlich eine ernste und strenge Miene zur Schau tragen, während sie innen hohl und beschränkt sind, sind die niedrigsten Menschen.
Kung-fu-tse, im Lun-yü

Alle, die der Tag beschienen, haben ihren Feind in ihnen.

Alle, die die Sonne bescheint, haben ihren Feind in sich selbst.

Alle, die keine Religion haben, ermangeln einer Tugend, und hätten sie auch alle andern, so könnten sie dennoch nie vollkommen werden.
Joubert, Gedanken und Maximen

Alle, die wider den Christenglauben leben, sind ungläubig.
mhd] Alle dy weder den cristen gelauben leben syne vngelowbig.

Alle, sage ich, streben dorthin, zur Freude, aber wo sie dauerhafte und große Freude finden, wissen sie nicht.
Lucius Annaeus Senec, Moralische Briefe

Alle, welche dich suchen, versuchen dich.
Und die, die dich finden, binden dich
An Bild und Gebärde.
Ich aber will dich begreifen
Wie dich die Erde begreift,
Mit meinem Reife
Reift dein Reich.
Rainer Maria Rilke, Das Stundenbuch

Alle, welche die Erde trägt, die Sonne bescheint.
i] Gute und Schlechte.
la] Omnium quos sol videt.

Alle, wie wir jebacken sind (= alle zusammen).
Berlin

Allegorie entsteht, wenn der Verstand sich vorlügt, er habe Fantasie.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Allehöflich, sprechen die Bergleute.

Allein auch dieses liegt in der Natur eines außerordentlichen Geistes, der, wenn er eine materielle Schale durchbricht, nie bedenkt, dass über derselben noch eine ideelle, geistige Grenze gezogen sei, gegen die er umsonst ankämpft, in die er sich ergeben oder sie nach seinem Sinne erschaffen muss.
Goethe, Am Rhein, Main und Neckar 1814/15 - Kunst und Altertumnt - Heidelberg

Allein auf weiter Flur ist man kein Kämpfer.

Allein aus Politik spielt man die Prüde schon, ist mit den Jahren erst der Jugend Glanz entflohn.
Molière, Der Menschenfeind

Allein bei Freunden lässt man frei sich gehn,
Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt
Sich eine Laune, ungezähmter wirkt
Die Leidenschaft, und so verletzen wir
Am ersten die, die wir am zärtsten lieben.
Goethe, Tasso A III Sz 4 (Antonio) Vs 1989f.

Allein beim Um-Rat-Fragen, allein im Kummer.
Dänemark

Allein bis einer sagen kann, er begreife das Grün des Regenbogens, oder das Grün des Laubes, oder das Grün des Meerwassers, dieses erfordert ein so allseitiges Durchschreiten des Farbenreiches und eine daraus entspringende solche Höhe von Einsicht, zu welcher bis jetzt kaum jemand gelangt ist.
Goethe, Eckermann, 21.12.1831

Allein bist du nirgends allein.
i] Wer sich hat, der hat alles.
z] Schafe und Rindvieh leben in Gesellschaft, Adler horsten allein.
Julius Weber, Der lachende Philosoph

Allein daraus, dass aus Bösem Gutes, aus Unglück Glück geworden ist, folgt noch nicht, dass Böses und Unglück nicht anfänglich waren, was sie waren.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen

Allein das beständige Gebet erhellt und erleuchtet die Seele, festigt und verwandelt sie und erhebt sie zu Gott.
Angela von Foligno, Das Buch der glückseligen Angela von Foligno

Allein das europäische Gemeinwesen bewährt sich auch darin als ein lebendiges Ganzes, dass es in seinem inneren Leben Kräfte birgt, welche das gestörte Gleichgewicht noch immer wieder hergestellt haben.
L. von Ranke, Englische Geschichte

Allein das ist der Irrtum der Menschen, bei großen Erschütterungen und Agitationen zuviel von persönlichen Absichten zu erwarten oder zu befürchten. Die Bewegung folgt ihrer eigenen großen Strömung, welche selbst die mit sich fortreisst, die sie zu leiten scheinen.
Ranke, Engl. Geschichte

Allein das ist tatsächlich schön, was nach vielen Jahren noch so erscheint wie am ersten Tag.
Kraszewski, Gräfin Cosel

Allein der Arme tut unrecht und hat das Kalb ins Auge geschlagen.

Allein der Freundschaft Segen nähret
Das Herz durch alle Lebenszeit.
Bürger, Die Königin von Golkonde

Allein der gesunde Menschenverstand, ein so respektabler Geselle er auch in dem hausbackenen Gebiet seiner vier Wände ist, erlebt ganz wunderbare Abenteuer, sobald er sich in die weite Welt der Forschung wagt
Friedrich Engels, Anti-Dühring, Einleitung

Allein der Mensch besitzt noch manches, womit er seinen Freunden beistehen kann, das eben nicht klingende Münze zu sein braucht.
Goethe, Lehrjahre IV, 8

Allein der Mensch ist nun einmal nicht geboren, hinieden ein vollkommenes Glück zu genießen.
Erasmus von Rotterdam, Lob der Torheit

Allein der Menschheit höchste Taten,
Wuchsen wie Lilien aus dem Herzen.
Geibel, An die Verzagten

Allein der Sprung von Hass zu sanftern Trieben
Wird leichter, als man glaubt, getan.
Wieland, Juno und Ganymed

Allein der Todt zeigt an, woran man genug muss han.

Allein der Umgang mit Unwissenden ist kein Umgang und verschafft auch ihnen kein Vergnügen. Sie werden ihrer eigenen Unfruchtbarkeit müde und haben nicht Stoff genug, der ihnen Worte verschaffen könnte, das Gespräch zu unterhalten.
Chesterfield, Briefe an seinen Sohn, Bath, 4. 10. 1746

Allein der Verständige strebt, alles Denkbare seiner Klarheit anzueignen und selbst die geheimnisvollsten Erscheinungen faßlich aufzulösen.
Goethe, Schriften zur Literatur - Geistes-Epochen

Allein der Vortrag macht des Redners Glück...
Goethe, Faust I, Nacht
Wagner Vs 546

Allein der Wahn ist reich oder arm.
z] Wie einer ein Wag, Aug, Urtl und Achtung vor ihm hat, also seind ihm all Ding.

Allein die eigentliche Leckerei ist nicht die Erfindung eines Hungrigen, sondern eine Folge des Nachdenkens über einen gehabten Genuss, ein Bestreben der Vernunft, die Begierde darnach durch andre Sinne wieder zu reizen...
Forster, Über Leckereien

Allein die Jugend nimmt das aus der Kindheit mit herüber, dass sie guten Gesellen nichts nachträgt, dass eine unbefangene Wohlgewogenheit zwar unangenehm berührt werden kann, aber nicht zu verletzen ist.
Goethe, Dichtung und Wahrheit IV, 18

Allein die Kunst ist unerschöpflich.
Johann Joachim Winckelmann, Kleine Schriften

Allein die Liebe findet überall einen Weg, durch Feuer, durch Wasser und Nordlandschnee.
Longos, Daphnis und Chloe

Allein die Mäßigkeit gibt die Kraft... sich mit wahrer, bleibender Freude hinzugeben.
Xenophon, Erinnerungen an Sokrates

Allein die Menschen sind nichts, besser dran: Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.
Goethe, Faust I, Hexenküche
Mephisto Vs 2508

Allein die Philosophie kann uns aufrütteln, sie allein kann die schwere Schläfrigkeit verscheuchen. Widme dich ihr mit aller Kraft.
Seneca, Mächtiger als das Schicksal

Allein die Realität führt zu dem bedeutenden Kunstwerk.
Jean Cocteau, Hahn und Harlekin

Allein die Tränen, die unendlichen,
Der überbliebnen, der verlaßnen Frau
Zählt keine Nachwelt, und der Dichter schweigt
Von tausend durchgeweinten Tag- und Nächten...
Goethe, Iphigenie A V sz 6
Iphigenie Vs 2069f.

Allein die Tugend Adel bringt; der edel ist, so danach ringt.
la] Non census, ares, nec clarum nomen avorum, sed probitas magnos, ingenium que facit.

Allein die Welt! des Menschen Herz und Geist!
Möcht jeglicher doch was davon erkennen.
Goethe, Faust I, Nacht
Wagner Vs 586

Allein die zuverlässigen Entdeckungen anderer zu benutzen und den ganzen gegenwärtigen Zustand der Wissenschaft innezuhaben, Wahrheit und Tatsache von Irrtum und Betrug zu unterscheiden, die wesentlichen Grundlehren ganz zu verdauen und dann den einzelnen Teil, den Punkt der Wissenschaft, dessen Aufklärung uns näher liegt, mit steter Rücksicht auf jene Grundlage genauer zu sichten und zu kultivieren: dazu ist das Leben nicht nur, sondern selbst die Zeit der Bildung, unsere Jugend, lang genug.
Georg Forster, Ein Blick in das Ganze der Natur

Allein durch Rat und Geld nährt sich Rebellion:
Vereint bestürmen sie, es wankt zuletzt der Thron.
Goethe, Jahrmarktsfest zu Plundersweilem
Haman

Allein ehrbar ist annehmlich, selbander schlafen ist freundlich, zu dritt gehen ist lieblich.

Allein ein edler Mensch, in dessen Seele Gott die Fähigkeit künftiger Charaktergröße und Geisteshoheit gelegt, wird durch die Bekanntschaft und den vertraulichen Umgang mit den erhabenen Naturen griechischer und römischer Vorzeit sich auf das herrlichste entwickeln...
Goethe, Eckermann, 1.4.1827

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