<<< Weisheiten 0307 >>>

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
Und keine Heimat haben in der Zeit.
Rainer Maria Rilke, Frühe Gedichte

Das ist die Sklaverei der höchsten Größe, dass man nicht kleiner werden kann.
Seneca, Von der Gnade, An Nero

Das ist die Sonne von Austerlitz.
i] Voilà le soleil d'Austerlitz.
Napoleon I., am 7. September 1812

Das ist die Spille (Webspule), um die sich alles dreht.
ho] Dat is de spil, waarop alles draait.

Das ist die Stelle, wo ich (er) sterblich bin (ist).
i] Das ist der schwache Punkt. Die Worte Philipp's II. in Schiller's Don Carlos.

Das ist die undankbare Stellung des Vaters in der Familie. Aller Versorger, aller Feind.
August Strindberg, Der Sohn der Magd

Das ist die Vergeltung, die der Genius der Kunst am Dilettanten übt: Wenn dieser schöpferisch zu werden versucht, gerät er unter das eigentliche Niveau nicht nur seines Verstandes, sondern auch seines Charakters, so dass uns das Produkt eines sonst leidlich gescheiten Menschen, dem nur eben das Talent versagt ist, wie das Lallen eines Schwachsinnigen und er selbst, im Leben vielleicht ein ganz anständiger Mensch, durch das Medium seines misslungenen Werkes als ein höchst fragwürdiges Subjekt erscheint.
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche u. Bedenken, 8, Werk u. Widerhall

Das ist die verkehrte Welt.
ho] Dat is de verkeerde wereld.

Das ist die Volksgeschichte - pulsierend, blendend hell, erfüllt von Farben, von Wahrheit, das ganze Leben des Volkes enthüllend.
Gogol, Über kleinrussische Lieder

Das ist die Wahl!
Nürtingen
i] Das ist das Beste.

Das ist die wahre Liebe, die immer und immer sich gleich bleibt,
Wenn man ihr alles gewährt, wenn man ihr alles versagt.
Goethe, Vier Jahreszeiten

Das ist die wahre Symbolik, wo das Besondere das Allgemeinere repräsentiert, nicht als Traum und Schatten, sondern als lebendig-augenblickliche Offenbarung des Unerforschlichen.
Goethe, Maximen und Reflexionen 314

Das ist die Wahrheit der Natur: auch noch das dümmste Weib kann einen Sohn haben.
Roda-Rodas Geschichten von Gregor von Rezzori

Das ist die weise von alters her, das junge Leut freyen.

Das ist die Welt:
Sie steigt und fällt
Und rollt beständig,
Sie klingt wie Glas -
Wie bald bricht das! -
Ist hohl inwendig.
Hier glänzt sie sehr
Und hier noch mehr:
'Ich bin lebendig!' -
Mein lieber Sohn,
Halt dich davon!
Du musst sterben:
Sie ist von Ton,
Es gibt Scherben!
Goethe, Faust I, Hexenküche (Der Kater) Vs 2402f.

Das ist die wichtigste Komponente des Musikschaffens - die Persönlichkeit des Komponisten, der mit Kopf und Herz 'etwas zu sagen' hat.
Leonard Bernstein, Von der unendlichen Vielfalt der Musik

Das ist die wilde Jagd.

Das ist die Zeit der schweren Not.
z] Gott verzeih mir meine Sünde, aber es ist wahr: Das ist die schwere Zeit der Not, Das ist die Not der schweren Zeit, Das ist die schwere Not der Zeit, Das ist die Zeit der schweren Not.

Das ist doch die reine (aschgraue) Möglichkeit.

Das ist doch Gewalt.
i] Caesar bei seiner Ermordung
la] Ista quidem vis est.

Das ist doch kein (richtiges) Essen, wenn man sich die Finger nicht ablecken kann.
Estland

Das ist doch nur der alte Dreck,
Werdet doch gescheiter!
Tretet nicht immer den selben Fleck,
So geht doch weiter!
Goethe, Zahme Xenien V

Das ist doch wohl der rechte Roman,
Der selbst Romane spielt.
Goethe, Inschriften, Denk- und Sendeblätter - Wer hats gewollt?...

Das ist doppeln danck werths, wass einem vngebetten wilfart wird.

Das ist drei Batzen unter Brüdern wert.

Das ist e Nuss mit eine Löchli.
Luzern
i] Ein Märchen, eine Lüge.

Das ist e Schwanz-Borje-Duckes.
i] Von einem possenhaften Menschen. Schwanz bedeutet im jüdisch-deutschen Dialekt einen Narren, gleichsam Anhängsel, wie etwa Zopf für Pedanterie gebraucht wird. Borge-Duckes scheint verdorben aus pour un duc. Das Ganze vielleicht Hofnarr.

Das ist e subere Vogel, der i sis eige Nest hofiert.
Luzern

Das ist eben das Hohe der Mathematik, dass ihre Methode gleich zeigt, wo ein Anstoß ist. [...] In diesem Sinne kann man die Mathematik als die höchste und sicherste Wissenschaft ansprechen. Aber wahr kann sie nichts machen, als was wahr ist.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1390

Das ist eben das Schwere, dass unsere bessere Natur sich kräftig durchhalte und den Dämonen nicht mehr Gewalt einräume als billig.
Eckermann, Gespräche mit Goethe, 2. 4. 1829

Das ist eben das Wesen der Dilettanten, dass sie die Schwierigkeiten nicht kennen, die in einer Sache liegen, und dass sie immer etwas unternehmen wollen, wozu sie keine Kräfte haben.
Eckermann, Gespräche mit Goethe, 21.1.1827

Das ist eben die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu allem macht.
Goethe, Wilh. Meisters Wanderjahre (1807-1821)

Das ist eben ein Unglück, dass so ideenreiche Geister (wie Lord Byron) ihr Ideal durchaus verwirklichen, ins Leben einführen wollen. Das geht nun einmal nicht. Das Ideal und die gemeine Wirklichkeit müssen streng geschieden werden.
Goethe, zu Müller und Riemer, 13.6. 1824

Das ist eben recht, dass man [im Theater] nicht fort kann und gezwungen ist, auch das Schlechte zu hören und zu sehen. Da wird man recht von Haß gegen das Schlechte durchdrungen und kommt dadurch zu einer desto bessern Einsicht des Guten.
Goethe, Eckermann, 14.10.1823

Das ist eben, als wenn einer zum Scherer sagte: treib' dein Handwerk, aber geh' der Leute müßig.
i] So sagte Geiler von Kaisersberg, als ihm der Rat von Strasburg sagen ließ, er solle vorbringen, was sich gebührt und die Ratsherren in Frieden lassen.

Das ist ein (kein) Maitag.
ho] Het is meidag.

Das ist ein (kein) Pfeil aus seinem Köcher.
ho] Dat komt uit zijn' koker.
ho] Die pijl is uit uwen pijlkoker niet gekomen.

Das ist ein (rechter, wahrer) Unglückstag.
i] Nach dem Volksglauben gibt es eine Anzahl Unglückstage. So wird der Magdalenentag als ein großer Unglückstag betrachtet, an dem man nicht heiraten, nicht reisen, überhaupt kein wichtiges Geschäft tun oder antreten, nicht Berge steigen, noch auf dem Wasser fahren soll; denn neun hängen, neun erfallen, neun ertränken sich. Aehnliches verlautet vom Sonnenwende- und Georgitag. Häufig werden zweiunddreissig Unglückstage gezählt, welche, Tag und Zahl wechselnd, sich auf die zwölf Monate vertheilen. In Windischgarten heißen oder hießen sie 'Schwendtage'. Das Kind, das an einem solchen Tage geboren wird, lebt nicht lange, und wird es groß, hat es viel Unglück und stirbt eines plötzlichen, elenden Todes. Ein Paar, das heiratet, bleibt nicht lange beisammen, bekommt Zank und Streit im Hause oder erfährt anderes Unglück. An diesen Tagen darf man auch ohne Schaden keine Arznei nehmen u.s.w. Als die verrufensten gelten der 1. April, an welchem Tage Judas geboren worden sein soll; der 1. August, an dem Lucifer aus dem Himmel gestoßen, und der 1. Dezember, an dem Sodom und Gomorrha vertilgt wurden u.s.w.

Das ist ein abgekartetes Spiel (o. ein abgekarteter Handel, e-e abgekartete Sache)
en] it's a put-up job
fr] c'est une affaire concertée, un coup monté
fr] les dés sont pipés
it] è un affare combinato, una cosa concertata

Das ist ein abgeritten Pferd.
ho] Het is een afgereden paard.

Das ist ein albernes Butterbrot, sagte der Junge, unten Butter und oben Butter.
ndt] Dat is ne 'mall Brügg, see de Junge, under Botter un boven Botter. Ostfriesland

Das ist ein alter Schaden, sagte der Doktor, als sich die Äbtissin am Eisenrohr die Jahreszahl 1568 auf die Posteriora gebrannt hatte.

Das ist ein ander Ding, sagt Schmaling.
Köthen

Das ist ein ander Gericht Krebse.
i] Ist etwas ganz anderes.

Das ist ein ander Korn, hat der Schwab gesagt, als er auf Mausbollen gebissen

Das ist ein ander Korn, sagt Mehlhorn.

Das ist ein ander Korn, sagte der Müller, und fuhr ledig heim.
i] Das ist eine andere Sache.
ndt] Dess is an annersch Korn. Würzburg

Das ist ein ander Lied.
i] Einmal etwas Neues; das klingt, lautet anders.

Das ist ein anderthalb toller Kerl.
ndt] Dos is anderthalb tälsch Kerl. Kreis Landeshut in Schlesien
i] Er übertrifft die gewöhnlichen Durchschnittsnarren.

Das ist ein arm gezwungen mann, der nicht ein furtz aufm feld darf lan.
la] Valde coactus homo, qui bombum seruat in agro.

Das ist ein armer (o. schlechter) Fischer, der sich die Füße (o. Hosen) nicht nass machen will.
it] Misero è quel pescatore, che tiene l'acqua fredda.

Das ist ein armer Schmetterling, der nur auf eine Blume angewiesen ist.
Westfalen
i] Wird im guten und üblen Sinne angewandt.

Das ist ein armseliger Koch, der seine eigenen Finger nicht ablecken kann.
en] He is a poor cook that cannot lick his own fingers.

Das ist ein artiger Streich.
ho] Dat is een aardige trek.

Das ist ein Aufwaschen.
i] Das machen wir gleich mit ab

Das ist ein blinder Hunger, wenn genug Brot da ist (o. wenn der Tisch voll ist).

Das ist ein blöder (blinder) Loizer.
i] So riefen früher die demminer Knaben den nach Loiz fahrenden Reisenden nach.

Das ist ein bloßer Wischlappen.
i] Ein charakterloser Mensch.

Das ist ein bloßes Spottgeld.
i] Ein äußerst niedriger Preis.

Das ist ein böser Gärtner, der den Kohl mit der Wurzel herausreisst.

Das ist ein böser Gast, der seinen Wirt austreibt.
dä] Gæst kommer til gaards, og giør sig til græve.
dä] Ond gæst driver verten ud.

Das ist ein böser Rat, den einer nicht zu wandeln hat.

Das ist ein böser rat, der auf Krieg gerichtet ist.

Das ist ein böser rat, der nit zu ändern ist.

Das ist ein böser Wind, der keinem nützt.
it] Pessimo è quel vento, ch' a nessun è prospero.

Das ist ein böses Bad, die Beine ins Feuer halten.

Das ist ein böses Gewitter, das bloß blitzt und nicht regnet.

Das ist ein braver Kerl, der was tut, aber ein Schelm, der das weitererzählt.
ndt] 'T is 'n braven Kêrl, de wat deît, man 'n Schelm, de 't nasagt.

Das ist ein Charlottenburger.
i] Wenn der gemeine Mann sich ohne Taschentuch mit Daumen und Zeigefinger schnäuzt

Das ist ein Christkind.
Eifel
i] Von einem, der einen starken Rausch hat und darin allerhand Ungehörigkeiten verübt

Das ist ein dauerhaft Butterfass, sagte Klas, da sah er einen Mörser liegen.
ho] Dat is eene suffisante boterton, zei Filebout, en hij zag een' grooten mortier liggen.

Das ist ein derber Ziemer.

Das ist ein Dolch ins Herz.
ho] Dat is hem een dolk in het hart.

Das ist ein dreckiger (d.i. schlechter) Wolf, der rings um (seinen) Bau zerreißt. Estland

Das ist ein dreckiger (schlechter) Wolf, der rings um (seinen) Bau zerreisst.
Estland

Das ist ein dummer Streich.
ho] Dat is een averegtsche trek.

Das ist ein dummer Teufel, der nicht einmal die Grammatik gelernt hat.
i] Die Entstehung dieses Sprichworts wird in der Kirchengeschichte Frankreichs folgendermaßen erzählt. Zu Loudrun waren unter der Regierung Richelieus angeblich einige Nonnen vom Teufel besessen. Der Geisterbanner Barre, der mit den Besessenen unter einer Decke spielte, und eine derselben, in welcher der Teufel am entschiedensten auftrat, beschwor, sagte ihr: Adora deum, oreatorem tuum (bete Gott, deinen Schöpfer an). Die Heuchlerin, welche kein Latein verstand, und ihre Antwort mechanisch gelernt hatte, nämlich: Adora te Jesu Christe (ich bete dich an, Jesu Christe) stockte bei den letzten Worten und antwortete endlich: Jesus Christus. Obgleich Barre das Versehen seiner Schülerin gut zu machen suchte, und sie wiederholt fragte: Quem adoras? so konnte er doch nicht hindern, dass die Nonne denselben Sprachschnitzer machte und den Nominativ für den Vocativ setzte. Der Beisitzer des Banngerichts, Daniel Drouin, ein Mann von Verstand, rief laut aus: 'Das ist ein dummer Teufel, der u.s.w.' Dieser Ausruf, häufig wiederholt, ward Sprichwort.

Das ist ein dummes Schaf, das dem Wolf beichtet.

Das ist ein echter Stammklotz.
i] Ein kerniger Mann.

Das ist ein edler Mann, der nicht schadet, wie er schaden kann.

Das ist ein Ehrenpunkt für mich, sagte der Bettler, und hielt seine zerrissene Busenkrause.
ho] Dat is point de canaille, zei Flip, en hij had eene gescheurde das om.

Das ist ein elender Edelmann, der vor Hunger nicht schlafen kann.
i] Die Franzosen haben manch Sprichwort zur Verspottung armer Edelleute, woran es namentlich in Beausse (Beauce) nicht mangelt. - Es ist ein Edelmann von Beauce, der seine Hunde verkauft, um Brot zu kaufen, oder: der im Bett bleibt, wenn man seine Hosen flickt. Den Polen fehlt es aber auch nicht daran, denn man sagt: Acht Edelleute aus dem oszmianischen Gebiet führen eine Ziege auf Markt.

Das ist ein elendes Volk an Heldenmut und Verstand, wo bei jeder Kleinigkeit eine Ehrensäule muss aufgerichtet werden.
Wilhelm Heinse, Ardinghello

Das ist ein enger Geist, der seine Lust am irdischen Stoff hat.
Seneca, Abhandlungen von Moser

Das ist ein Essen, das setzt sich vor die Wurmlöcher.
Würzburg
i] Ist sehr kräftig und nachhaltig

Das ist ein fahrläsiger Haushalter, der kaufen muss, was er von seinem grund erbauen kann.
i] Ist auch nur mit Einschränkung zu verstehen. Wer guten Weizenboden besitzt, wird wol besser tun, Weizen zu bauen und den Hafer zu kaufen.

Das ist ein fauler Bauer, der's Fleisch vom Metzger kauft und in seinen Schornstein hängt.

Das ist ein fauler Junge, der am Fuß einer Pappel (oder hungrig am Fuß eines Dattelbaums) sitzt und nicht hinaufsteigt.
Persien

Das ist ein fauler Kunde.
i] In der Handelswelt derjenige, von dem man schwer Bezahlung erhalten kann.

Das ist ein flotter (strammer) Besen.
i] Von einem kräftigen, munteren Mädchen

Das ist ein frecher Teufel, der sich am hellen Tag lässt sehen.

Das ist ein fremder Tropfen in meinem Blute.
Goethe, Egmont, II (Egmont)

Das ist ein fremder Vogel.
ho] Het is een vogel uit verren lande.

Das ist ein Fressen für einen Hund.

Das ist ein frommer Mann, der sich im Glück recht halten kann.

Das ist ein Fuchs aus demselben Bau.

Das ist ein Fürst, der das Talent
Huldvoll verschont; wem keins geworden,
Dem deckt er gnädig und dezent
Die Lücke zu mit einem Orden.
Leuthold, Auf einen Fürsten

Das ist ein ganzer Mann.
fr] C'est le roy des hommes.
fr] C'est un homme marqué à l'A.

Das ist ein gar gescheiter Mann, der hier weis ist und dort narren kann.
mhd] Er was gewizzen unde guot, den tumben tump den wîsen fruot.
mhd] Mit den wîsen was er Wîs, den tumben tump.
mhd] Er was küene hôch genuot, mit tumben tump, mit wîsen wîs: dâ von sô het er lobes prîs.
mhd] Den sûren sûr, den scharfen scharf, den herten hart dâst allez guot, derz kan, dâ mans bedarf.

Das ist ein gauckelman, der gern schadt und es nit mag tun.

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