Spruchlexikon

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AchAch steigt aufs schönste Dach.
AchAch und Weh über einen schreien (ausrufen).
fr] Il fit de grands hélas. - Crier haro sur quelqu'un. Zeter über jemanden schreien, jemanden festnehmen, indem man haro dabei schreit.
AchAch und weh, gibt es aber Mäus' im Bodensee?
AchAch und Wehe ist das tägliche Brot in der Ehe.
AchAuf Ach und Weh folgt Glorie.
AchAuf Weh und Ach folgt Freude nach.
fr] Les pleurs sont suivis de joie; la joie succède aux pleurs.
AchEin Ach wohnt unter jedem Dach.
AchHalf ihm doch kein Weh und Ach.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Lieder, Heideröslein (ged. 1771). Nach einem Volksliede au dem 16. Jahrhundert, vgl. Johann Ludwig Uhland, Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder, Nr. 56, Melodie von Johann Friedrich Reichardt (komponiert 1793), Franz Schubert (komponiert 19. Aug. 1815), Robert Schumann u. a.
AchMit Ach und Krach (durchkommen).
Mit genauer Not, z.B. durch das Examen; mit Mühe und Not und Ach-Seufzen und -Stöhnen
AchMit Ach vnd wehe vnnd Awe Marya.
AchSie ist vor Ach und Pfui bewahrt.
Besitzt nur mittelmäßige Schönheit.
AchZwischen Ach und Weh, Kummeraus und Klausen, dazwischen liegt Burghausen.
(Oberösterreich)
AchatKlopf' auf den Ton: in Staub wird er fallen;
Schlag den Achat, und Funken wallen.
Anastasius Grün (1806-1876), Der Pfaff vom Kahlenberg (1850), Vorspiel
AchelnAchele', bachele', bōche', is sein' beschte Melōche.
Acheln = essen, bacheln - bechern, bochen für bofen = schlafen.
AchelpeterDas is e Achel-Peter.
Jüdisch-deutsch: Ein Fresspeter, ein Fresser, ein Nimmersatt, vom hebräischen achal = essen. Daher auch: Er achelt gern ebbes (etwas) Gutes.
Achen (Verbum)Je mehr man ach't (Ach ruft, seufzt), je schwerer wird die Bürde.
Achen (Verbum)Se ach't on wui't de ganze Dag.
Ächzt und wehklagt unausgesetzt.
AcheronDer gierige Acheron lässt seine Beute nicht.
fr] L'avare Achéron ne lâche pas sa proie.
Jean Baptiste Racine (1639-1699), Phädra (1677), II, 5 (Phädra)
Achilles/AchilleusEin wahrer (zweiter) Achill sein.
(Altrömisch)
Sehr tapfer. So z.B. der Römer Lucius Siccius Dentatus, weil er in 120 Schlachten gegen den Feind gefochten hatte.
Achilles/AchilleusSinge den Zorn, o Göttin, des Peleaden Achilleus
Homer (8. Jh. v. Chr.), Ilias, I, 1
AchillesferseDie Achillesferse entdecken.
Die Schattenseiten eines Gegenstandes auffinden.
AchillesferseEine Achillesferse haben.
Eine verwundene Stelle haben, wie Achilles an der Ferse; - den Achilles tauchte seine Mutter Thetis, um ihn unsterblich zu machen, in den Styx; nur die Ferse, an welcher sie ihn nielt, blieb verwundbar; - ähnliches in der deutschen Sage von Siegfried.
Nach Cajus Jul. Hyginus (um 10 v. Chr.), Fabeln, Nr. 107
AchillesferseJemandes Achillesferse kennen.
D. h. seine schwache Seite, seine verwundbare Stelle.
AchseDie Achse ist gebrochen.
Der Fortgang des Unternehmens ist auf unerwartete Weise gestört, gehemmt worden.
AchselAlles uf di leicht Achs'l namma.
(Franken)
AchselAr thuat alles uf die leicht Achsel namma.
(Franken)
AchselAuf beiden Achseln tragen, steht keinem Biedermann an.
AchselAuf beiden Achseln tragen.
la] Duos linis parietes. - Prolixius sic effertur.
AchselAuf beiden Achseln Wasser tragen.
Es mit keiner von verschiedenen Parteien verderben, beiden dienen.
fr] Nager entre deux eaux.
la] Chordas geminas ferire. - Duabus sellis sedere.
AchselAuf einer Achsel Feuer, auf der andern Wasser tragen.
AchselAuf vielen Achseln ist gut tragen.
AchselBis an die Achsel schwören.
D. h. bis auf einen gewissen Punkt.
AchselDie Achsel einziehen.
»Hierüber zogen etliche die Achsel ein und entschuldigten sich.« (Simplic.)
AchselDie Achsel schupfen.
Bedenken äußern.
AchselDie Achsel zucken (ziehen).
Bedenklichkeiten bei einer Sache, Bedauern über etwas äußern oder dadurch zu verstehen geben, dass man etwas Unabänderliches geduldig tragen müsse.
AchselDu kanst wol auf beiden achseln tragen.
la] Duos binis parietis.
AchselEinem auf den Achseln sitzen.
»Sie sind vns auff die achslen gesessen, oder sie seind vns gar auff gugen gehocket.« (In capite atque ceruicibus nostris restiterunt.) (Henisch)
AchselEinem unter die Achsel greifen.
Ihm aus der Not helfen.
AchselEinen auf den Achseln tragen.
Ihn ungern sehen, weil er lästig ist.
AchselEr kan vff zwuen Achseln tragen.
la] Esse hominem duplici animo. - Ex eodem ore calidum et frigidum efflare, duabus sellis sedere, duos linere parietes.
AchselEr treibt nur das, was unter den Achseln geschieht.
(Altgriechisch)
Von Schmeichlern. Die Ausübung der Schmeichelei ist sehr sinnreich unter die Achseln verlegt, weil diese Stellen vorzüglich kitzelig sind. Also: Er scheut jede Beschäftigung und sucht von der Schmeichelei zu leben.
AchselEs fehlt ihm unter der Achsel.
Er ist faul, arbeitsscheu.
AchselEtwas (nicht) auf die hohe Achsel nehmen.
D. h. es nicht zum besten, es unfreundlich u.s.w. annehmen.
AchselEtwas auf die leichte Achsel nehmen.
Etwas leichtsinnig behandeln, für unbedeutend ansehen; etwas leicht nehmen, sich nicht viel darum kümmern.
fr] Faire peu de cas de quelque chose.
la] Ferre sinu laxo.
Horaz (Quint. Horatius Flacc (65-8 v. Chr.), Satiren (um 30 v. Chr.) II, 3, 172
AchselEtwas auf seine Achseln nehmen.
fr] Charger quelque chose sur son cou.
AchselJemanden über die Achsel ansehen.
Ihn verächtlich, von der Seite ansehen, verachten; ihn nicht voll würdigen, ihn gering achten.
»Sie sah mich unter ein Achsel an, sie sprach: du bist kein edelmann.« (Ambraser Liederbuch)
»Darum pin ich oft naschen aussgegangen; man hat mich vber die achsel empfangen.« (Fastnachtsspiele)
fr] Il regarde les gens par-dessus l'épaule.
la] Alto supercilio contemnere.
Bereits bei Sebastian Brant (1457-1521), Das Narrenschif (1494), 96, 33 findet man: Man sicht den überd achslen an.
AchselLass dir auf die Achsel sitzen, so will man dir auf den Kopf.
Lass dir ein Recht ohne Widerstand rauben oder verletzen - man wird immer weiter greifen; dulde eine kleine Ungerechtigkeit, du wirst bald große zu dulden haben.
la] Post folia cadunt arbores. - Veterem ferendo injuriam, invitas novam.
AchselMan muss nicht auf beiden Achseln Wasser tragen.
Man muss es entweder ganz mit der einen oder mit der andern Partei halten; was man ist, muss man ganz sein.
fr] Il faut être tout un ou tout autre.
AchselMit einem über die Achsel sein.
D. h. gespannt.
»Die Edomiter waren der Juden Brüder, wie Moses sagt; noch waren sie jmmer mit den Israeliten vber einen Achsel von wegen des uralten Hasses.« (Fischer, Psalter)
AchselWer andere über die Achsel ansieht, verdirbt sich die eigenen Augen.
AchselWer auf beiden Achseln trägt, sitzt zwischen zwei Stühlen (in die Asche) nieder.
AchselWer jhm auff die Achsel sitzen lässt, dem sitzt man zuletzt gar vff den kopff.
AchselschmalzSein Achselschmalz sparen.
»Spar den Achselschmalz nicht so.« (Rott. Thal.)
Achselsitzenl. Wen Achselsitzen frey erlaubt, dem sitzt man letztlich gar auffs Haupt.
AchselträgerEin Achselträger sein.
AchselträgerEin Achselträger trägt auf beiden Achseln Wasser.
AchselzuckenZehn Achselzucken sind leichter als ein Handauftun.
AchsennagelDer Achsennagel ist ein kleines Ding, aber (und) er hält einen großen Wagen zusammen.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Acht dir nichts, g'schieht dir nichts.
(Steiermark)
Acht (cura, attentio, aestimatio)Acht gegeben, es sind Schindeln auf dem Dache.
Empfiehlt Vorsicht im Reden in Gegenwart der Jugend, welche so leicht Feuer fängt, wie ein Schindeldach.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Acht giewen iß biätter es (besser als) dusend Daler
Münster
Acht (cura, attentio, aestimatio)Besser in der Acht, denn in der Hacht.
Entweder: Besser verbannt als gefangen, verhaftet; oder allgemeiner: Besser mit Vorsicht handeln, als wegen Gesetzesübertretungen Strafen erleiden.
la] Cum licet fugere, ne quaere litem. - In compitis esse praestat, quam in compedibus. - Melius est proscribi, quam carceri includi. - Praestat uni malo obnoxium esse quam duobus.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Die Acht vnd Macht in der Welt haben, lassen sich nicht gern straffen.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Er gibt Acht wie ein Heftelmacher.
Von jemandem, der mit Anstrengung auf etwas merkt.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Er nimmt's in Acht, wie einen Topf.
Diese Redensart der Litauer ist wahrscheinlich entstanden, als sie den Gebrauch der irdenen Töpfe kennen lernten und diese noch sehr selten waren. Sie umflochten daher dieselben so sehr mit Draht, dass man das Geschirr selbst kaum hindurch erblicken konnte, um es vor dem Zerbrechen zu bewahren.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Gib Acht ist mehr als Reue.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Gib Acht, dass man aus dir keinen Affen (Narren) macht.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Gib Acht, gib Acht! ist kein Gift für Ratten.
Mit dem bloßen Reden ist's oft nicht getan, es gilt zugreifen.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Gib Acht, sonst kommst du fremde Hände in die Haar über.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab Acht auf die Schanze!
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab acht vff dich vnd die deinen, du hast nicht, die dich trewlich meinen.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab Acht, dass du dir's nicht versalzest!
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab Acht, dass du nicht an einen Stock fahrest!
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab Acht, dass du nicht auf das Maul fallest!
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab acht, dass du nicht das Maul verfallest.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab acht, dass du nicht das muhs versalst.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab acht, dass du nicht Russ fangest.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab Acht, dass du nicht selbst aus dem Sattel reitest!
Acht (cura, attentio, aestimatio)Hab auff dich selber acht.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Nehmet euch in Acht vor den Bächen, die von Tieren sprechen.
Spöttischer Zuruf an die Franzosen mit Bezug auf ihre unglücklichen Schlachten bei Rossbach und an der Katzbach. (Illustrirte Zeitung, Leipzig 1859)
Acht (cura, attentio, aestimatio)Nimm dich in Acht ist ein gut Wort.
en] Take heed is a good read.
es] Cuyda bien de lo que hazes no te fies da rapáces.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Nimm dich in Acht vor Wetterschaden.
Eine allgemeine Warnung.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Nimm dich in Acht, klä Hols is hie.
(Oberharz)
Ermahnung zur Vorsicht bei unberufenen Zuhörern.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Wer Acht hat, findet, und wer arbeitet, hat auch zu schlachten.
Ist im Wohlstande, im Besitz von Schlachttieren.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Wer sich nicht selber nimmt in Acht, bei dem nützt weder Hut noch Wacht.
Acht (cura, attentio, aestimatio)Wer sich nimmt in Acht, der braucht wenig Wacht.
la] Mater timidi flere non solet.
Acht (die)Lieber dreimal in die Acht, als einmal ins Stockhaus.
Acht (Stand, Amt)Ener van der ghestelken achte.
Einer vom geistlichen Stand.
Acht (Zahlwort)Acht haben nicht großen Lohn und werden doch reich davon: Förster und Jäger, Amtleut' und Häger, Tutor und Prokurator, Verwalter und Kurator.
2. Acht is mehr as Dusend.
(Ostfriesland)
Wortspiel zwischen dem Zahlwort acht und dem Dingwort Acht (Achtung, Aufmerksamkeit). Acht geben ist besser als Tausende besitzen.
Acht (Zahlwort)Acht tragen selbst die Schuld, wenn sie beschämt werden: Wer uneingeladen zu einem Gastmahl kommt; wer in eines andern Hause in Gegenwart des Hausherrn befiehlt; wer Ehrerbietung von seinem Feinde fordert; wer Geschenke von einem Geizigen nimmt; wer andern gegen ihren Willen in die Rede fällt; wer hohe Personen schmäht oder gering schätzt; wer einen Platz einnimmt, der ihm nicht gebührt; wer jemandem erzählt, der nicht hören will.
Acht (Zahlwort)Acht und aber Acht macht sechzehn.
Ein Wort des Markgrafen Albrecht des Jüngern von Brandenburg. »Habt keine Sorge«, sprach er lächelnd, als man ihn warnte, der Kaiser werde ihn in die Acht (Land- oder Unteracht) und Aberacht (Oberacht) erklären, »Acht und aber Acht macht sechzehn; mit denen will ich schon fertig werden.« Der Ausspruch wurde Sprichwort, um damit die kaiserliche und Reichsacht zu verspotten. Das Wortspiel liegt teils in »aber«, das in Aberacht soviel wie Ober bedeutet, aber von Albrecht im wiederholenden Sinne genommen wurde, teils in »Acht«, das er als Zahlwort gebrauchte. Wenn ein Angeschuldigter nicht vor dem Gericht erschienen oder entflohen war, so konnte, nach altdeutschem Gerichtswesen, der Richter die Verfestung gegen ihn aussprechen. Wer verfestet war, konnte vom Kläger mit Gewalt vor den Richter gebracht, und, wenn er sich widersetzte, straflos getötet werden. Die Verfestung wirkte aber nur in dem Sprengel des Richters, der sie ausgesprochen. Wurde sie einem höheren Richter angezeigt, so wurde sie von diesem für alle unter ihm stehenden Gerichtssprengel bestätigt und dadurch wirksamer gemacht. Die vom Kaiser durch die kaiserlichen Gerichte ausgesprochene Verfestung hieß Acht und wirkte im ganzen Reiche. Wer über Jahr und Tag in der Acht blieb, wurde, wenn dies gegen ihn gezeugt ward, in die Aberacht getan »und sein Leib und Gut allermänniglich erlaubt und soll niemand daran freveln können, und soll selbigen Täter und Friedensbrecher niemand behausen, herbergen, atzen, tränken und keiner ihm Vorschub tun in seiner Obrigkeit Eigentum und Gebiet«.
AchtelLedige Achtel (Fässer) schallen sehr.
AchtenAchte di klên, wes gern allên, denke stedes up den Dag, den nemand vörbigân mag.
(Lübeck)
AchtenAchte du mein, so acht' ich dein.
la] Vicem pro vice reddam tibi, care amice.
ÄchtenDai es ächten (hinten) nitt as väören, süss (sonst) könn he met der Fuet (dem Hintern) Nüete (Nüsse) knappen.
(Iserlohn)
AchtenDas Ding ist, wie man's achtet.
Alter Spruch
AchtenEiner acht's, der andere lacht's, was macht's!
Jeder folge seiner bessern Überzeugung und kehre sich nicht an die widersprechenden Urteile des Publikums.
AchtenEiner acht's, der andre verlacht's, der dritte betracht's, was macht's?
Inschrift in der siebenten Nische des Bierkellers im neuen Berliner Rathause; stand auch über der Tür des 1498 erbauten Rathauses zu Wernigerode; es lautet der Spruch: Einer acht's, der ander veracht's, der dritte betracht's, was macht's?
AchtenEr achtet ihn, wie einen Hund.
AchtenEr achtet nicht auf Glanz, trinkt wol aus einem Hafen.
AchtenIch achte ihn nicht so viel wie meine alten Schuhe.
nl] Ik acht hem als mijn' ouden schoen.
AchtenIch achte nicht des Mondes Schein, so mir die Sonne will gnädig sein.
AchtenIch achte weder Geld noch Gold, der Ehr' und Treu' bin ich doch hold.
AchtenLeichter g'acht, als g'macht.
(Steiermark)
AchtenMan achtet ihn nicht höher, als einen Affen.
AchtenMan achtet ihn, wie einen Hund.
Gewöhnlich, besonders im morgenländischen Sinne, bezeichnet man Hass und Verachtung mit dem Worte Hund. So sagt Horaz: Er wird mehr als ein Hund gehasst.
la] Non magis quam canem.
AchtenMan achtet nicht der Seelen, sondern des Seckels.
AchtenMan achtet nicht, was die Sau auch schreit.
AchtenSie achtens so wenig als die Sorbonne zu Paris acht, was die newe grusische Akademie zu Leiden beschleusst.
AchtenWer es nicht achtet, dem tut es nicht weh.
It.: A chi non pesa, ben porta. - Chi non duol, ben scortica.
AchtenWer niemand acht, dess acht niemand wieder.
AchtenWie ein jeder wil geachtet sein, also sol er sich auch halten.
AchtenWie man etwas achtet, so ist es; wie man glaubt, so geschieht einem.
fr] Toute chose est comme on l'estime.
It.: Ogni cosa è coma si stima.
la] Proxima remus opinio.
AchtenWie man sich selbst achtet, so wird man geachtet.
dk] Som man agta sig selo, saa agtes man og til.
AchtenWonach sich zu achten, wie der Herr Schulze spricht.
Achter (hinten)Achter in's Lôg wânt (wohnen) ôk Lüde.
Lôg = Dorf, namentlich Pfarrdorf.
Achter (hinten)Achter un vör beslan wesen.
Achter (hinten)De van achtern kummt, het kên Geld.
Achter (hinten)He stickt achter dahl, as Hoffmann bi' n Hund.
Er verfehlt seinen Zweck.
Achter (hinten)Von achtern is de Koh blind.
(Ostfriesland)
Achter (Zahlwort)Er ist der Achte unter den sieben Weisen.
Spottweise von denen, die sich sehr weise dünken. »Manch Haupt in der gelehrten Welt sich für den achten Weisen hält.«
la] Sapientum octavus. (Horaz.)
AchterânanderAchterânander her de klen tander Gise.
So sagt man in Hamburg von denen, die ohne Paar und Glied zu halten hintereinander hergehen.
AchteräsAchteräs äs de Hane krasset.
(Westfalen)
AchterdêlDat Achterdêl (Podex) weisen.
»Dorchlichting der Kleder îet achtrdeel wisen.« (Hamburger Chronik)
AchterdörHe hett 'n gooden Achterdör.
(Ostfriesland)
Eine gute Hintertür.
AchterdörHe hett de Achterdöre (Hintertür) âpen (offen)
(Ostfriesland)
AchterflickenEen Paar Achterflicken geben.
Eigentlich die Sohle unter dem Absatz; da diese bei Frauenschuhen aber leicht abgelaufen wird, so bezeichnet man mit dem Worte auch ein kleines Trinkgeld, das einem Dienstmädchen gegeben wird.
AchterflickenUp de Achterflicken slân.
Geringschätzung ausdrücken.
AchterklappElk höde sick för'n Achterklapp.
(Ostfriesland)
Jeder hüte sich vor Nackenschlägen, uneigentlich: vor Geklatsch, übler Nachrede.
AchterklappHoit (wahre) di vor den Achterklapp.
(Osnabrück)
Sei auf der Hut gegen ein Uebel, das auf eine glückliche Begebenheit folgt.
AchternaAchterna (hintennach) as Bloom.
Bloom, eigentlich Blume, in der Jägersprache: Schwanz, steht hier als Eigenname. Sinn: das Letzte pflegt nicht das Bessere, Vorzüglichere zu sein.
AchternaAchterna as Kese.
AchternaAchterna back Eierkoken.
Hintennach ist's zu spät.
AchternaAchternä êten si Käse, sagen die Westfalen.
la] Ficus post pisces.
AchternaAchterna is wiveruwe.
Hintennach ist Weiberreue, taugt und nützt nichts; klug ist, wer sich zuvor bedacht. Vgl. Liliencron, Hist. Volkslieder: Dat mag men wol loren in guden truwen, dat einem ein ding achterna deit ruwen! Wen he den vogel heft flegen laten, so wil he sik hindenna vele undermaten, so is dar to late katteropen (d.h. Rufen der Katze) in gemein, wan de groteste schade is gescheen.
AchternaAchterna ist gôd lachen.
Hintennach lacht sich's leichter als vorher.
AchternaAchterna kakeln de Höner.
Nachdem die Sache geschehen, ist das Reden darüber nutzlos.
AchternaAchterna kamt de Rekens (Rechnung).
AchternaAchterna lopt dünn Beer.
Achterna dat is dunneber. Hintennach das ist Dünnbier, schlechtes Bier, Halb-Bier, das aus dem zweiten Aufguss bereitete Bier, der zweite Absud.
AchternaDu kommst achterna, as Bütken mit den Schollen.
la] Sic est ad pugnae partes re peracta veniendum.
AchternaWer is achterna nit weiss.
dk] Bag eftu komma tyndt öll.
AchternannerAchternanner (hintereinander) as de Eilanders (die Inseln Wangeroog, Spikeroog u.s.w.) un de Göse (Gänse).
AchternannerAchternanner as de Eilanders un de Gansen (Gänse).
Unter den Eilanders sind die Bewohner der Ostfriesischen und Oldenburgischen Inseln gemeint, die von den Festländern als einfältig und dumm verschrien werden. Der Pastor Cadarius Müller in Stedesdorf erzählt in seinem Manuskript über die friesische Sprache (1691) eine Anzahl Anekdoten von der Einfalt der Insulaner.
AchternannerAchternanner as de Olenländer Göse.
Von denen, die einzeln hintereinander hergehen.
AchterömWat achteröm (hinten herum) seggen.
(Meurs)
AchteröverAchteröver (hintenüber) segt Berg, hest mînen Hamel nich sehn?
AchteröverAchteröver stikt de Bur dat Spêt.
Im Dithmarschen von Leuten, die etwas Verkehrtes tun.
AchteröverJa, achteröver.
Es wird nichts draus. Spöttische Verneinungs- und Abweisungsformel.
AchterportDe Achterport is bi em ümmer aper.
AchterportLât de Achterport (Hintertür) âpen stân un den Dokter sîner Wege gan.
Wohltätiger Einfluss regelmäßiger Ausleerungen auf die Gesundheit.
AchterpoteHe settet sick up de Achterpoten.
Er ermannt sich, setzt sich zur Wehr.
AchterpoteSik up de Achterpoten settn.
AchtersielenHe kumt in de Achtersulen.
Sulen = Sellen, Sielen; das Lederzeug, das den Pferden, wenn sie an den Wagen gespannt werden, umgelegt wird. - Er kommt in seinem Geschäft, in seiner Wirtschaft zurück.
AchterstichMet Achterstîken nappen.
(Waldeck)
Mit Hinterstichen nähen. Von einem Falschen, Hinterlistigen.
AchterûtAchterût (hintenaus) kleit (kratzen, scharren) de Höner.
(Rastede)
AchterûtGeit 't erst achterût, dann geit 't harder as 'n Pärd lôpen kann.
(Oldenburg)
AchterwagenHei hiät en guodden Achterwagen.
(Westfalen)
Seine Sitzpartie ist sehr stark.
AchtgroschenstückIck bitte Sie um dausend Achtjroschenstücke.
Aber bedenken Sie doch, nehmen Sie Vernunft an!
Berliner Redensart
AchtsamkeitDurch Achtsamkeit blüht unser Glück am besten,
Nur von der Sicherheit kommt Unglück her:
Verachtet fallen uns die kleinsten Übel schwer,
Beachtet uns die größten.
Christian Wernicke (1661-1725), Uberschriffte Oder Epigrammata (1791)
AchtundachtzigAchtundachtzig ist a jüdische Klute.
(Jüdisch-deutsch, Warschau)
Ein Lieblingsfluch der Juden ist: »Habe achtundachtzig schwarze (d. i. unglückliche) Jahre.«
AchtundachtzigerEs ist ein Achtundachtziger.
In einer alten Handschrift war diese Redensart durch delator, Sycophanta, und Achtundachtziger erklärt.
AchtundvierzigAnno achtundvierzig haben sie uns beschossen, achtundfünfzig beschissen.
Der erste Teil bezieht sich auf die Revolution und der andere (Prag) auf die Einführung der österreichischen Verfassung, wodurch faktisch alles im Preise stieg.
AchtungAchtung ist besser als Gold.
la] Bona opinio tutior est pecunia.
AchtungAchtung verdienen Männer von Gewicht, doch alle, die viel wiegen, nicht.
AchtungEin jeder soll Achtung vor sich selber haben.
la] Tu tibi venerabilis.
AchtungEine Hand voll Achtung ist besser als eine Metze Geld.
Das ägyptische Sprichwort hat: Wejbe, was ein ägyptisches Getreidemaß bezeichnet.
AchtungEs ist alweg die achtung größer denn das ding.
AchtungEs soll ein jeder Achtung haben: der Kaufmann, wenn die Ware geht; der Schiffer, wenn der Wind sich dreht; der Winzer, wenn die Traube schwillt; der Bauer, wenn der Roggen gilt.
AchtungWer ohne Achtung lebt, der lebt in Schande.
nl] Die zonder achting leeft, die leeft met schande.
AchtzehnAchtzehn gewinnt nie.
Zunächst beim Whist, es müssen zwanzig sein. Doch auch Spielerglaube, der nicht gern auf 18 anlegt, sondern meint, von 16 aus seien die fehlenden 4 Points leichter als von 18 die fehlenden 2 zu erlangen; wenigstens tröste sich der Gegner damit.
AchtzehnAchtzehn oder drei.
Alles oder nichts, das Höchste oder das Geringste. Vom Würfelspiel entlehnt, wo achtzehn die höchste und drei die niedrigste Anzahl Augen sind, die man werfen kann. Von Wagehälsen gebraucht, die alles aufs Spiel setzen.
AchtzehnAchtzehn, wie auf dem Schießhause.
AchtzehnAlle achtzehn (nämlich Augen) werfen.
Vom Würfelspiel entlehnt. Von denen, welchen es besonders glücklich geht. Die Griechen sagten: Achilles hat sechs Würfel geworfen. la] Jecit Achilles duas tesseras et quatuor. Von denen, die einen besonders guten Griff getan hatten, die das Glück besonders begünstigte, sagte man, sie hätten einen »Midaswurf getan«: Wer einen Midaswurf getan, darf um Rat nicht bange han. - Midas in tesseris consultur optimus.
AchtzehnDa (von) gehen achtzehn aufs Dutzend.
»In allen Stätten, Flecken vnd Dörffern werden täglich Leut geboren, die hertz vnd händ haben zu Schiessen, Hawen vnnd Stechen, vnnd kommen offt Achtzehn für ein Dutzet zu Marck.«
AchtzehnEr macht achtzehn, die besten.
Bricht, übergibt sich.
fr] Il rend le pain benit.
Diese französische Redensart bezeichnet: das Wiedergeben dessen, was man erhalten hat. Sie hat ihren Ursprung in einer kirchlichen Feierlichkeit, die an Sonn- und Festtagen stattfindet und wobei geweihtes Brot unter die Anwesenden verteilt wird. Der erste empfängt es vom Glöckner und beteilt sodann seinem Nachbar u.s.f. Daher die Redensart: Das geweihte Brot geben. Für: sich übergeben, wenn man zu viel getrunken hat, sagen die Franzosen auch: den Fuchs schinden (écorcher le renard).
AchtzigWer nach Achtzig steigt, der keucht.
Von dem Drückenden des Alters.
AchtzigerWenn Achtziger tanzen, gibt der Tod Ordonnanzen.
AchtzigerWenn ein Achtziger spricht, muss man beide Ohren gebrauchen.
AckerAcker um Acker, chuet an Stab.
(Appenzell)
hu] A fekete főldoen tarem a jô buza.
AckerAcker und Pflug, Wein und Krug, durstiger Bruder, Zecher und Luder, Rettich und Ruben, Huren und Buben, Hühner und Hahnen, waren alle Gespanen.
AckerAcker und Wiesen durch den Bauch führen.
AckerÄcker, die außer der Landwehr liegen, sind schwer zu hüten.
AckerAlle Acker geben Zehent.
Stellt die Zehntpflicht als allgemein hin, nur ausnahmsweise konnte es zehntfreies Feld geben. »Ale Äcker gebent Zehent, es sei denn, dass einer wisse, womit er sich der Zehentpflicht erwehren könne.« (Grimm, Weisthümer)
mhd] Alle eckere geben zehenden. (Grimm, Weisthümer)
AckerAuch guter Acker, ungebaut, trägt nichts als Disteln und Unkraut.
AckerAuf dem Acker des Frommen ist gut Aehrenlesen.
AckerAuf dem Acker ist kein besserer Mist, als der an des Herrn Schuhen ist.
AckerAuf Einem Acker wächst nicht jede Frucht (gedeiht nicht jedes Kraut).
dk] En ager baer ey all saad.
AckerAuf einen solchen Acker gehört kein anderer Pflug.
Das verdient keine andere Behandlungsweise.
AckerAuf fremdem Acker steht die Saat gut (immer besser als auf dem eigenen).
dk] Altid bedre paa en andens ager.
AckerAuf schlechtem Acker erntet man selten gutes Getreide.
AckerAuf schwarzem Acker wächst der Weizen wacker.
AckerAuf unfruchtbarem Acker keinen Samen.
AckerBeim Acker ohne Brach lassen die Früchte nach.
Körperliche wie geistige Anstrengungen erfordern ihre Pausen, ihre Ruhe.
AckerBraune Äcker - die besten.
It.: Terra negra buon pan mena.
hu] A fekete földben terem a jó búza.
AckerDanach man den Acker baut, danach trägt er Frucht.
nl] Nae dat men den acker bouwt, draecht hi sijn vrucht.
la] Sicut ager colitur, sic fructibus, hic redemitur.
AckerDas ist der beste Acker, den man eigen hat.
AckerDas ist mein Acker und mein Pflug.
In Ostpreußen: Dat ös mîn Acker on Plôg. Auch: Egg' on Plôg, d.h. mein Beruf.
AckerDen Acker bauen ohn' Verdruss gewähret Brot im Überfluss.
AckerDen Acker pflügen und nichts hineinsäen.
AckerDer Acker bringt nicht Frucht allein, Gott muss ihm geben das Gedeihn.
AckerDer Acker Fridolini.
»Gegenüber ragte niedrig aus den Fluten eine Kiesbank - unbewachsen - oftmals gänzlich überflutet sie die Strömung; scherzend heißt der Mann im Rheintal sie den Acker Fridolini.« (Scheffel, Trompeter)
Er gibt allerhand Acker an.
Macht Händel, treibt lose Streiche.
AckerDer Acker ist das Heu, die Wiese der Knecht.
(Frankenwald)
AckerDer Acker ist der dankbarste Schuldner.
(Sachsen)
AckerDer Acker klît, der Wäinjert (Weingarten) bräinjt nît. (Siebenbürgen-sächsisch)
AckerDer Acker macht die Früchte nicht, sondern die Zeit.
la] Ager non producit sed annuo. (Luther)
AckerDer Acker muss schwächer sein als der Bauer.
la] Oportet agrum imbecilliorem esse. (Columella.)
Virgil sagt zu der Erklärung dieses Sprichworts: »Die zu großen Felder magst du loben, die kleinen aber anbauen.« Ein zu großes Feld macht mehr Arbeit, als verrichtet, werden kann. Auch in Bezug auf Ämter, welche die Kraft des Beamten übersteigen. Das folgende Sprichwort drückt denselben Gedanken aus.
AckerDer Acker spürt's schon, wenn man Weißrübensamen nur darüber trägt.
(Franken)
AckerDer Acker weniger spann' als der Ackersmann.
Eigentlich: Der Acker, das Feld, muss schwächer sein als der Bauer.
AckerDer Acker, den man mit silbernen Scharen pflügt, trägt goldene Früchte.
AckerDer beste Acker bringt allein keine Frucht.
It.: Buona terra ha bisogno di lavoratore.
AckerDer fruchtbarste Acker ist der, den man inne hat.
AckerEin Acker mit Schätzen ist leicht ins Geld zu setzen.
AckerEin Acker muss den andern austragen.
Ein Nachbar soll dem andern zum Bestellen der Saat wie zum Einräumen der Früchte den Weg über seinen Acker öffnen, wenn auf andere Weise die Ab- und Zufuhr nicht möglich ist.
AckerEin Acker ohne Getreid', eine Wiese ohne Weid', ein Keller ohne Wein, ein Heil'ger ohne Schein, ein Stock ohne Reben, ein Mensch ohne Leben, eine Mutter ohne Kind von geringem Werte sind.
AckerEin Acker vnd Pflug, Ein Wasser vnd Krug, durstige Leute vnd guter Wein, soll allzeit bey einander seyn.
AckerEin Acker was bawen ist ein nothturfft, gar zu wohl bawen ist schädlich.
AckerEin Acker, der mit Kalk gedüngt wird, macht nur alte Leute reich.
AckerEin Acker, der nicht wohl gebawet ist, bringt selten gut Korn.
AckerEin acker, der vngebauwen leit, seye ihn, als dan er gut korn treit.
la] Fructus non multus fit, ager si non bene cultus.
AckerEin naher Acker vnd a weite Schwieger (Vater) ist's fürm hast für da Bauer.
(Schwaben)
AckerEin unbebauter Acker trägt nicht gut.
Bei Tunnicius: Ein ungebouwet acker drecht nicht wohl. (Est incultus ager nulli frumenta daturus.)
AckerEin ungebauter Acker bringt selten viel Korn.
AckerEin vnbesehter Acker steht nicht wacker.
AckerEin vngebawter Acker bringt distele vnd Hecken.
AckerEr ist (wieder) auf seinem eigenen Acker.
AckerEs ist besser den Acker bawen, denn vnersettliche lieb zu Gold vnd Silber haben.
AckerEs ist ein artlicher Acker um ein Amt, der einem sobald die Scheunen füllt.
AckerEs ist jm acker vnd wisen durch den Bauch gefaren.
AckerEs ist kein Acker so stolz, als der zum ersten mal im Meer gelegen hat.
AckerEs ist kein Acker, der nicht einmal brache liegt.
Perioden des Stillstandes kommen in dem Leben jedes, auch des tätigsten Menschen vor.
AckerEs klebt kein Acker an dem, was er spricht.
In seiner Rede ist nichts Gemeines, Alltägliches, Niedriges, Triviales; sie zeigt von feiner Bildung.
la] Nihil ex agro dicis.
AckerFetter Acker bringt nicht stets die meiste Frucht.
fr] Aulcunes foy le laboureur par trop fumer n'a le meilleur.
la] Colonum interdum fallet nimium pinguis ager.
AckerFremde Äcker pflügen, so eigene brache liegen.
AckerFremde Äcker pflügen.
Seine Kräfte dem eigenen Wirkungskreise entziehen und damit in fremde Geschäftssphären eingreifen. - Auch von dem Umgang mit anderer Frauen.
la] Alienum arare fundum. (Plaut.)
AckerGang mer net über mein Äckerle.
(Ulm)
AckerGezogen Acker gibt Zehent auf den Grund als andere Zehent.
AckerIn bestellten Acker ist gut säen.
dk] Godt al saa i tilrudt ager.
AckerIn gutem Acker wächst auch Unkraut.
AckerJe mehr man dem Acker gibt (nämlich Arbeit und Düngung), desto mehr gibt er wieder.
AckerKein Acker ohne Disteln (ohne Unkraut).
Darum kein allgemeines Verdammungsurteil.
AckerKein Acker war nie so wohl gebawet, das darin nicht vnnutz Kraut wuchs.
AckerMan find kein Acker ohne vnkraut.
AckerMan kan den Acker auch wohl zu viel düngen.
AckerMan muss den Acker nicht zu viel düngen.
AckerMan muss von keinem Acker fordern, was er nicht tragen kann.
dk] I ager dyr kning skat alte dagles hvad hoer slad kand taats.
AckerMan soll den Acker nicht zu wohl bauen.
la] Nihil minus expedit, quam agrum optime colere (Plinius)
AckerMe sell z' Acher fahre-n-, 'ass d' Sunne-n-rein nit uff d' Wägesse schynt.
(Solothurn)
Man soll so tief pflügen, dass die Pflugschar von der Sonne nicht beschienen wird.
AckerMit einem zu Acker gehen.
Ihn derb vornehmen.
AckerNicht ein jeder Acker trägt allerlei Frucht.
AckerNicht jeder Acker bringt dieselben Früchte, nicht jedes Land hat dieselben Wichte.
AckerNicht jeder Acker trägt Kohl oder Hopfen.
Wie man sagt: Non omnis fertissima tellus.
AckerSchwartzer Acker tragt gut Brot Korn.
AckerSein Acker ist so faul, wie er.
fr] Tant vaut l'homme, tant vaut sa terre.
AckerSoll der Acker Saaten treiben, darf der Pflug nicht müßig bleiben.
AckerSoll sich der Acker wohl lösen, so soll man ihn auch wohl gürten.
Empfiehlt Fleiß des Ackersmanns.
AckerSoll wachsen auff dem Acker Korn, so muss man düngen vnd pflügen vorn.
AckerUngebauter Acker bringt (trägt) selten gute Frucht (gutes Korn).
nl] Unghebouwt acker draecht selden goed coorn.
la] Fertilis assiduo si non moveatur aratro, nil nisi cum spinis gramen habebit ager. - Fructus non multus, ager est ubi non bene cultus. - Rus nolens colere fructu solet ille carere.
AckerUngebauter Acker kann sich des Unkrauts (der Disteln) nicht erwehren.
AckerVeil Acker, wing Dinger, brengt olle Joahre winger.
In der Gegend von Militsch (in Schlesien), wenn auf einer Landschaft im Verhältnis zur Bodenfläche zu wenig Vieh gehalten wird.
AckerViel Acker werden vbel gebawet.
AckerVom Acker geht der Zehent.
AckerVon schlechtem Acker erntet man selten gut Korn.
dk] Man skiaer sjelden korn of ond ager.
AckerWas dein Acker kann geben, das sollst du ihm schonungslos nehmen.
Regel für Landwirte.
AckerWas der Acker bringt, verzehrt's Gesind.
(Rott.-Tal.)
AckerWas der Acker nicht trägt, muss der Buckel tragen.
So sagen die Felddiebe; aber man gebraucht es auch als Rechtfertigung für die ihnen erteilten Prügel.
AckerWas der Acker trägt, muss Zehenten geben.
AckerWas noch auf dem Acker steht, folget dem Erbe.
mhd] Daz noch uffe dem acker stet, daz voget dan erbe. (Ortog.)
AckerWas nützt es, den Acker pflügen, wenn man nichts drein säet (pflanzt).
Was nützen Kenntnisse, wenn man sie nicht anwendet.
AckerWelches acker steht auff festen grund, der kan sein frölich zu aller stund.
AckerWenig Acker, wollgebawet, seind ein Hausschatz.
AckerWenn der Acker des Jahres nicht einmal wohl aussfreurt, so bringt er kein gut Korn.
AckerWenn der Acker gut gebaut ist, so trägt er gut.
Bei Tunnicius: Wan de acker wohl gebouwet is, so drecht he wohl. (Si bene cultus ager, segetes cum gramine profert.)
AckerWenn man den Acker betrieget, betrieget er seinen Herrn wieder.
D. i. wer ihn nicht, wie es sich gehört, düngt, bestellt, pflegt, der hat keinen lohnenden Ertrag.
AckerWenn man den Acker nicht baut, so trägt er nur Farrnkraut.
Empfiehlt Bildung des Geistes und Herzens.
la] Neglectis urenda filix innascitur agris. (Horaz)
AckerWenn man einen Acker nicht eggt, ist schon das erste Wetter darübergegangen.
AckerWer dem Acker gibt, dem gibt der Acker wieder.
AckerWer dem Acker hat gegeben, der kann vom Acker leben.
AckerWer den Acker aus der Westentasche düngt, die Ernte leicht in die Rocktasche bringt.
AckerWer den Acker betrügt, der betrügt sich selbst.
AckerWer den Acker nicht baut, erntet nichts als Unkraut.
la] Neglectis urenda silix innascitur agris. (Horaz.)
AckerWer den Acker nicht will graben, wird nichts als Unkraut haben.
AckerWer den Acker pflegt, den pflegt der Acker.
AckerWer den Acker säet, der mähet.
Während das römische Recht die Früchte einer Aussaat in streitigen Fällen dem Eigentümer des Bodens zuspricht, so erkennt das deutsche sie dem zu, der den Acker angebaut hat.
AckerWer den Acker zu gut baut, wenig Früchte schaut.
Zu gut kann man eigentlich etwas nicht machen; indess will dies alte, schon in Plinius vorkommende Sprichwort nur sagen, dass man in keiner Sache die Grenze überschreiten dürfe.
AckerWer den Acker zu sehr düngt, bekommt Kraut statt Knollen.
AckerWer fremden Acker baut, teilt sein Gut.
Er verliert Saat und Arbeit, weil er, sofern es wissentlich geschah, von der rechtswidrigen Benutzung fremden Gutes keinen Gewinn beanspruchen kann. Hatte jemand dagegen aus Irrtum fremden Acker bebaut, so bleiben ihm ein Teil der Früchte.
AckerWer hat einen steinigen Acker, ein froh Pferd, jung und wacker, ein bösen Zaum und stumpfen Pflug, den wird zu schaffen genug.
AckerWer ihm (sich) einen Acker kaufft, der verkaufft sein Hauss.
D. i. »wer der Landwirtschaft lebet, der kann nicht in der Stadt wohnen, auch nicht im Hause bleiben.«
AckerWer seinen Acker bauet, der wird Brotes die Fülle haben.
dk] Hov som dyrken sin jörd, skat maettes med bröd.
fr] Labourez pendant que le paresseux dont, et vous aurez du blé à vendre et à garder.
AckerWer seinen Acker brach liegen lässt, dem läuft Schaf- und Hornvieh darüber.
AckerWer seinen Acker fleißig bauet, der macht seinen Hauffen groß.
AckerWer seinen Acker fleißig baut, macht den Haufen groß.
dk] Man kand og giöde sin ager for meget.
AckerWer seinen Acker mit armer Leute Schweiss will düngen, dem wird er keine Segengarben bringen.
AckerWer seinen Acker mit Fleiß baut, soll Brotes genug haben.
AckerWer seinen Acker wohl baut, genießt sein auch wohl.
nl] Die wel aen sijem acker doet, die doet gewis hem weder goet.
AckerWer seinen Acker wohl düngt, der hat desto mehr zu ernten.
AckerWer spärlich seinen Acker düngt, der weiß schon, was die Ernte bringt.
AckerWer unfruchtbaren Acker baut, vergeblich nach der Ernte schaut.
la] Sterilem agrum ne colas. (Plato.)
AckerWer vom Acker lebt und vom Vieh, lebt wohl, wenn - er nicht wird zum Vieh.
AckerWie der acker ist, so ist der Sam.
la] Qualis ager, talia mihi semina et quales flores, tales et colores.
AckerWie der Acker, so das Getreide, wie die Wiese, so die Weide, wie der Herr, so der Knecht, wie der Krieger, so das Gefecht.
AckerWie der Acker, so das Getreide.
AckerWie der Acker, so die Rüebe, wie der Aetti, so die Büebe.
AckerWie du den Acker wirst eggen, so wird das Getreide sich legen.
AckerWie man den Acker baut (bestellt), so trägt er auch Frucht.
»Als man den acker bawen thut, so tregt er frucht, böss oder gut.« (Loci comm.)
fr] Le champ rend des fruits sclon qu'il est cultivé.
It.: Secondo che si coltiva il campo rende i frutti.
la] Fructus non multus, ager est ubi non bene cultus. - Sicut ager colitur, sic fructibus hic redimitur.
AckerWo der Acker braun, ist reiche Frucht zu schaun.
AckerWo der Acker leidet not, da fehlt's dem Bauer bald an Brot.
dk] Laed agermand er ey maden vand.
AckerbauAckerbau und Bergwerk soll man nicht lassen feiern.
AckerbauAckerbau und Viehzucht sind die zwei Brüste, die den Staat sicherer säugen, als die Gold- und Silberminen Perus.
Karl Julius Weber (1767-1832), Der Landwirt oder Bauer
AckerbauAckerbau vnd Bergwerck soll man nicht feyren lassen.
AckerbauAckerbau, Ochsenschau und eine hübsche junge Frau machen ins Christentum manche Sau.
AckerbauDer Ackerbau ist die Wurzel aller Bildung in der Welt.
Berthold Auerbach (1812-1882), Schwarzwälder Dorfgeschichten (1843-1854), 2
AckerbauGlückselig jener, der, entfernt dem Weltgeschäft,
Sein Vaterland mit eignen Stieren wohl durchpflügt.
(Akerbau betreibt). Lat: Beatus ille qui procul negotiis
... Paterna rura bobus exercet suis.
Horaz (Quint. Horatius Flacc (65-8 v. Chr.), Epoden (um 30 v. Chr.), 2, 1 u. 3
AckerbauSüß ist's, tätig die Zeit beim Ackerbau zu verbringen.
la] Tempus in agrorum cultu consumere dulce est.
Ovid (Publ. Ovidius Naso) (43 v. Chr.-17 n. Chr.), Briefe an den Pontus, Buch 2, 7 , 69
AckerbodenWer die Tiefe seines Ackerbodens mehrt, tut ebenso viel, als wenn er die Fläche des Ackers vergrössert.
AckergaulAus einem Ackergaul wird kein Reitpferd.
en] A kindly aver will never make a good horse.
AckergurrenAckergurren lässt man weiden ohne Zaum; die köstlichen Stuten werden wohl gehütet.
AckerlandAckerland hält stets Bestand.
AckerlandErst habe Ackerland, dann rechne nach Lofstellen.
(Lettland)
ÄckerleinEr meint, jedes Äckerli müss' er säen, und jedes Wiesli mähen.
ÄckerleinKein Äckerli, das er säet, kein Wiesli, das er mähet.
AckermähreWas die Äkermähren (mit dürrem Rücken) bauen, das können die Barrenhengste kauen.
AckermannSiehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und ist geduldig.
Jak. 5, 7
AckermanntjeAckermanntje (Bachstelze) wipp up Stert; wel hett di dat Wippen lehrt.
Ein Kinderspruch.
AckermaßWo sichtig Ackermaß vorhanden, das soll nicht für Neubruch gehalten werden.
Wahrscheinlich hat man, um zum Anbau öder Landstrecken anzureizen, für einige Zeit Zins und Zehntfreiheit verheißen, mit der Beschränkung jedoch, dass sie da nicht zur Anwendung kommen solle, wenn sich nur irgendeine Spur bereits stattgehabter Kultur zeige.
AckernBesser ackern und düngen, als beten und singen.
Sagen die Bauern in der Gegend von Zobten in Schlesien, wenn man sie zu frommen Vereinen einlädt.
AckernDa geschieht fürs Ackern wenig genug, wo der Bauer lauft vom Pflug, der Ochse verwirft das Joch und das Ross sein Kummet noch.
AckernDet drätmôl akere' git fir îmôl mässten (misten, düngen).
(Siebenbürgen-sächsisch)
AckernDrämol akern äs îmôl mässten.
AckernGut ackern ist halbe Düngung.
(Frankenwald)
AckernIch ackere, sagte die Ameis, da saß sie auf dem Ochsenhorn.
AckernMan muss mit ihm ackern.
Angestrengt arbeiten, z. B. vom Lehrer, der einen schwach begabten Schüler zu unterrichten hat. Auch wohl, er muss sich mit ihm abackern, müde arbeiten.
AckernMan muss nicht mehr ackern, als man eineggen kann.
(Wendische Lausitz)
AckernMancher darf nicht ackern und nicht säen und kann doch Getreide mähen.
la] Citra arationem citraque sementem. (Lucian.)
AckernMit dem kann man ackern.
(Böhmen)
So gut, so fügsam und willig ist er. Er lässt sich für jeden Zweck gebrauchen.
AckerochsBist du ein Ackerochs, so begehr' keinen Sattel.
AckerpferdDie Ackerpferde fressen am wenigsten.
AckersenfVon Ackersenf leben.
Dürftig. Es ist eine Pflanze, die als Unkraut wächst, aber auch wohl genossen wird.
la] Lapsana vivere. (Plin.)
AckerslängeEin Ackerleng fern.
Hans Sachs, ILXXXIII
AckerslängeEr nähm' eine Ackerslänge Weges für einen Spieß und wäre so freudig als ein anderer.
AckersmannAckersmann - Schlackersmann, eck lobe mui den Handwerksmann.
AckersmannAckersmann - Slackersmann; viel beeter is en Handwerksmann.
(Westfalen)
Im Lippeschen heißt der Nachsatz: Eck lobe mui den Handwerksmann. Kothmann von slackern = sich beschmutzen.
AckersmannDer Ackermann muss den Acker bauen, ehe er die Frucht genießt.
AckersmannDer Ackersmann erwirbt's, der Kriegsmann verdirbt's.
AckersmannDer Ackersmann ist das folgende Jahr reich.
AckersmannDer geschickteste Ackersmann macht einmal eine krumme Furche.
it] Non è si sperto aratore, che alcuna volta non faccia un solco torto.
AckersmannEen Ackersmann segget (säet) sick wohl gries, awwer nich wies.
(Lippe)
Er säet sich greis, aber nicht weis.
AckersmannEin Ackermann soll zween Pflüge haben.
Nämlich einen zur Arbeit, den andern als Ersatz.
AckersmannEin Ackermann, ein Wackermann.
dk] Agermand skal vaere vakermand.
la] Agricolam impigrum esse oportet.
AckersmannEin Ackersmann lernt nie aus.
dk] Agermanden bliver aldrig viis.
AckersmannEn Ackermann - en Plackermann, ghuad aere bai en Handwiärk kan, sach de Bessenbänner (Besenbinder).
(Grafschaft Mark)
AckersmannEn Ackermann, en Schlackermann, et geht nit für, wei 'n Handwerk kann.
AckersmannEs steht schlimm um den Ackersmann, der sich umdreht und sieht die Furchen.
it] Tristo a quel bifolco, che si volta in dietro.
(Aus: Guardar il solo)
AckersmannKein Ackersmann ist so gut, er macht bisweilen krumme Furchen.
AckersmannO Ackersmann, du Klackersmann, wohl dem, der ein Handwerk kann, seggt de Bessembinne tom Bû'rn.
(Jerrentowitz)
AckersmannWenn de gäle Ackermann kömt, sau bringet he en foier hou mêe under 'n Swanze.
Das gelbe Ackermännchen oder die gelbe Bachstelze (Mola cilla flava) trifft etwas später ein als das weiße im April; und da mit diesem Monat der Frühling beginnt und das Gras zu wachsen anfängt, so sagt das Sprichwort: er bringe ein Fuder Heu unter dem Schwanze mit.
AckerstudentAcker-Studenten und Pfluge-Docktores müssen immer lernen mores.
AckerwerkAckerwerk - Wackerwerk.
AckerwerkAckerwerk hat Mühe.
AckerwerkAckerwerk soll nähren.
AckerwerkWer sein Ackerwerk nicht verlässt, den wird es auch nicht verlassen.

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