< Sprichwörter >

Das Brot von gestern, das Fleisch von heute und der Wein vom letzten Jahr machen den Menschen gesund. Spanien

Das Brot weint, wenn's vergeblich gegessen wird.
Litauen

Das Brot will (ihm) nicht gar werden.

Das Brot wird schon arbeiten. Estland

Das Brot wird schon Kinder finden. Estland

Das Brot wird überall im Ofen gebacken.
var] Es wird überall mit Wasser gekocht.
info] Die Verhältnisse und Umstände sind sich überall so ziemlich gleich.
en] All bread is baked in the oven.
en] In every country the sun riseth in the morning.
fr] C'est partout comme chez nous.
fr] Tous corps sont forgés d'une matière.
it] Tutto il monde è paese.
la] Iliacos intra muros peccatur et extra.
sp] Tan buen pan hacen aquí como en Francia.
sp] Ves Frades, ves los demás lugares.

Das Brot, das ich gegessen, wurde nicht in deinem Ofen gebacken.

Das Brot, das im Unglück nähren soll, muss im Glücksofen gebacken sein.

Das Brot, so ich gegessen, war nicht alles in einem Ofen gebacken.
en] All the bread, I have eaten, was not bak'd in one oven.

Das Brötchenessen beginnt noch nicht, wenn das Hinterloch ruft.

Das Brotstück ist in der Dürre Schoß.
Estland

Das Brummen kündigt des Bären Nähe an.
Petersburg

Das brütende Huhn auf dem Nest sagt: Was hinten ist, ist hinten, was vorne ist, ist vorn.
Kosi, Afrika
info] Man soll die Nöte der Vergangenheit vergessen

Das Büblein will den Vater lehren Kinder machen.
la] Ante barbam doces senes.

Das Buch der Bücher
info] Bibel
la] liber librorum

Das Buch der Geschichte findet mannigfaltige Auslegungen.
Heinrich Heine (1797-1856), Verschiedenartige Geschichtsauffassung

Das Buch der Könige aufschlagen.
info] Die Karten auf den Tisch legen und sich zum Spiel niedersetzen
ho] Hij heeft de schrift vast, den bijbel von 52 bladden.

Das Buch erlaubte mir, bei einer Stelle zu verweilen, ja rückwärts zu sehen, welches der mündliche Vortrag und der Lehrer nicht gestatten konnte.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,12

Das Buch hat's uns gelehrt.

Das Buch in der Hand, die Lüge auf den Lippen.

Das Buch ist der Weisheit Quelle.
Estland

Das Buch ist für die heranwachsende Generation nicht weniger notwendig als die Schule.
Krupskaja, Das Kinderbuch..

Das Buch ist unter der Bank beliegen blieben.

Das Buch soll nach Feder, Tinte und Schreibtisch verlangen: aber gewöhnlich verlangen Feder, Tinte und Schreibtisch nach dem Buche. Deshalb ist es jetzt so wenig mit Büchern.
Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches

Das Buch, das in der Welt am ersten verboten zu werden verdiente, wäre ein Catalogus von verbotenen Büchern.
Lichtenberg, Aphorismen

Das Buch, in dem die Frau schreiben will, das einzige Buch, ist das Herz des Mannes.
Jules Michelet, Die Liebe

Das buckelige eigene Kind geht vor dem geraden Stiefkinde.
Bulgarien

Das Bücken, sagt die Magd, verrenkt mir den Rücken.

Das Bündnis der Arbeiter und Bauern - das ist es, was uns die Sowjetmacht gebracht hat. Darin liegt ihre Stärke. Das ist das Unterpfand für unseren endgültigen Sieg.
Lenin, Zum vierjährigen Jubiläum der 'Bednota'

Das Buntmalen lieben.

Das Bürgerrecht wird nicht gewechselt, sondern geht verloren. [RSpW]
La] Civitas non mutatur, sed amittitur.

Das Burschenleben hat die Sitt': wer essen will, der bring' was mit.

Das Butterbrot fällt meist auf die verkehrte Seite.

Das Buttern kann verhindert werden, wenn man die Butterfaßreifen von unten aufwärts und nicht wieder von oben herab zählt.

Das Call-Girl hat die Maitresse ersetzt, weil die Männer, die für ihre Frauen keine Zeit haben, nun auch für ihre Geliebten keine Zeit mehr haben.
Hans Habe

Das Chamäleon sagt: Das Leben ist langsam.
Jabo, Afrika

Das Chaos sei willkommen, die Ordnung hat versagt.

Das charakterisiert die Haustierhalter selbst und ihre Umgebung. Sie lieben niemand; niemand liebt sie: und sie verschwenden an die Hunde ein Gefühl, mit dem sie sonst nichts anzufangen wissen.
Diderot, Jacques der Fatalist

Das Charakteristikum der Intelligenz ist Ungewissheit. Tasten ist ihr Werkzeug.
Henry de Montherland

Das Charakteristikum eines jeden Traumes ist es, dass sich alles darin nach leise veränderten, fremden, nicht irdischen, nicht menschlichen Gesetzen abspielt.
Block, Die Elementarkräfte und die Kultur

Das Charakteristische liegt zum Grunde, auf ihm ruhen Einfalt und Würde, das höchste Ziel der Kunst ist Schönheit und ihre letzte Wirkung Gefühl der Anmut.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Der Sammler und die Seinigen 5. Brief

Das charakteristische Merkmal der Geister ersten Ranges ist die Unmittelbarkeit aller ihrer Urteile. Alles, was sie vorbringen, ist Resultat ihres selbsteigenen Denkens und kündigt sich, schon durch den Vortrag, überall als solches an.
Schopenhauer (1788-1860), Parerga und Paralipomena

Das Ching (Kind) hat syni Auge nit g'stohle.
Solothurn
info] Er hat die Augen des Vaters oder der Mutter.

Das Christenthum der koptischen Christen geht nur bis zum Gürtel.
info] Die koptischen Christen in Ägypten haben sich neben der Taufe auch haben beschneiden lassen, daher dies Sprichwort

Das Christentum - das wahre, ist die vollendetste Lebenssache, die die Welt je aufzuweisen vermag.
Pestalozzi, An die Unschuld, den Ernst und den Edelmut meines Zeitalters

Das Christentum geht noch auf Kinderfüßen, kaum dämmert seine Mannesreife dem blöden Blicke. Wer weiß, ob nicht ein Tag kommt, wo man die blutige Kirchengeschichte der ersten 18 christlichen Jahrhunderte als die Geschichte der bösen Kinderkrankheiten des Christentums betrachtet.
Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Das Christentum hat die Moral einen großen Schritt vorangebracht. Das zu leugnen wäre ungerecht und sinnlos. Man muss aber mit dem gleichen guten Glauben anerkennen, dass seine Herrschaft zu Ende ist und die Zeit, in der es von Nutzen war, schon lange hinter uns liegt. Das Zeitalter der positiven Ideen beginnt.
Saint-Simon, Die Industrie

Das Christentum hat viel Gutes auf Erden bewirkt. Doch wird dies tausendfach durch das Schlimme überboten, das die christliche Idee mit der Vergiftung des Liebeslebens angerichtet hat.
Tucholsky, Schnipsel

Das Christentum ist befremdend. Es fordert vom Menschen, dass er sich selbst als erbärmlich, ja verächtlich erkenne, und es fordert von ihm, dass er wünsche, Gott ähnlich zu sein. Ohne ein solches Gegengewicht würde ihn diese Erhöhung unerträglich eitel und diese Erniedrigung gemein machen.
Pascal

Das Christentum ist das Blatterngift der Menschheit. Es ist die Wurzel alles Zwiespalts, aller Schlaffheit, der letzten Jahrhunderte vorzüglich. Je weiter sich wahre Bildung nach unten hin verbreitet, um so schlimmer wird es wirken. Bisher war das Christentum des Volks ziemlich unschädlich, denn es war ein roheres Heidentum.
Friedrich Hebbel, an Elise Lensing, 23. Januar 1837

Das Christentum ist das Meisterwerk des Judentums, sein Ruhm die Zusammenfassung seiner Entwicklung.
Renan, Historie du peuple d'Israel

Das Christentum ist das Mittelalter der Menschheit.
Feuerbach, Wesen des Christentums

Das Christentum ist das Mittelalter der Menschheit.
Feuerbach, Wesen des Christentums

Das Christentum ist eine Idee und als solche unzerstörbar und unsterblich wie jede Idee.
Heine, Deutschland, Deutschland bis Luther

Das Christentum ist ganz Sittlichkeit; darum auch ganz die Sache der Individualität des einzelnen Menschen.
Pestalozzi, Entwicklung des Menschengeschlechtes

Das Christentum ist so tief in der menschlichen Natur und ihrer Bedürftigkeit begründet, dass auch in dieser Beziehung mit Recht zu sagen ist: Des Herrn Wort bleibet ewiglich.
Goethe (1749-1832), C. F. John, 2.5.1812

Das Christentum kann das Denken nicht ersetzen, sondern muss es voraussetzen..
Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken

Das Christentum muss ob es nun gut oder schlecht, richtig oder falsch ist, für Mensch und Leben suspendiert bleiben, bis es durch detaillierte politische Vorkehrungen wirklich anwendbar gemacht wird.
Shaw (1856-1950), Androklus u. d. Löwe, Vorwort, Die Absichten des Christentums, Zeitgemäß angewandtes Christentum

Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als dass sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen.
Jean-Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag IV, Über die staatsbürgerliche Religion

Das Christentum setzt jeden in den Naturzustand (der ursprünglichen Gleichheit) zurück, ohne ihm die Moyens dazu zu geben. Daher ist jeder gefährdet, der eigentlich der Mächtigere ist, denn er darf seine Macht nicht gebrauchen. Daher befinden sich alle Lumpe so vortrefflich dabei: denn man kann ihnen nichts anhaben.
Goethe (1749-1832), Riemer, 15.2.1813

Das Christentum steht mit dem Judentum in einem weit stärkern Gegensatz als mit dem Heidentum.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 818

Das Christkindlein bäckt.
info] Wenn es in der Zeit vor Weihnachten am Himmel so feurig glänzt, was Frost andeutet, dann sagen die Kinder zu einander: 'Das Christkindlein bäckt!'

Das christliche Europa hat sich seines Christentums entledigt, wie ein Mensch sich der Vitamine entledigt.
Georges Bernanos (1888 - 1948)

Das Columbusei in Szene setzen.

Das Compelle mit einem spielen.
z] Es also das Ansehen hatte, als wenn man mit dem Protestierenden das Compelle spielen wollte.

Das Dach fällt ihm ein, und er erschrickt zum Tode.

Das Dach hat Latten.

Das Dach ist des Hauses Lebensdauer, Faulheit ist des Mannes Lebensdauer.

Das Dach muss eher vorn als hinten sein.

Das Dach vom Hause nehmen und die Leute hineinsehen lassen.
z] Es ist ein Buch, das ihr nur Wenige nachschreiben werden, weil nur Wenige das Dach von ihrem Hause nehmen und alle Welt hineinschauen lassen mögen. Cleveland, Ohio 1868 über das Buch der Königin Victoria von England

Das Dach, das keinen Regen gesehen hat, ist wie das Kind, das seine Mutter nicht gesehen hat.
Tamil, Indien

Das Damoklesschwert hängt über ihm.
info] Um eine unablässig drohende Gefahr zu bezeichnen

Das Dämonische ist das Verschlossene und das unfreiwillig Offenbare.
Søren Kierkegaard, Der Begriff Angst

Das Dämonische ist dasjenige, was durch Verstand und Vernunft nicht aufzulösen ist. In meiner Natur liegt es nicht, aber ich bin ihm unterworfen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 2.3.1831

Das dank' euch Herodes!
z] Herodes dank' euch für das Lied.

Das dank ihm (o. dir) der Teufel.

Das danke dir der Henker.

Das Dasein eines Schöpfers zu leugnen ist größerer Unsinn als der finsterste Aberglaube; auch waren die Gottesleugner samt ihrer Philosophie zehnmal unglücklicher als der einfältigste der Gläubigen.
Gottfried Keller, Eine Nacht auf dem Uto

Das Dasein ist dadurch charakterisiert, dass es nichteinfach ist, sondern dass es ihm in seinem Sein um sein Selbst geht.
Hannah Arendt

Das Dasein ist köstlich, man muss nur den Mut haben, sein eigenes Leben zu führen.
Peter Rosegger

Das Dasein ist nur erträglich, wenn man seine elende Persönlichkeit vergisst.
Flaubert, An George Sand, 16.4.1872

Das Dasein ist recht verwickelt, und man bekommt immer nur einen Faden zu fassen, wenn man den aussichtslosen Versuch unternimmt, es zu entwirren.
Clemens Münster

Das Dasein vollzieht sich in einem Wechselspiel von Erlebnissen, deren Gehalt von zwei Hauptfaktoren abhängig ist: vom Schicksal im weitesten Sinne und von der Seelenstruktur des Erlebenden.
Eduard Spranger

Das dauad von Ailfi bis Mittå.
Steiermark

Das Dauerhafteste beim Schreiben ist Stil, und Stil ist die wertvollste Anlage, für die ein Schriftsteller seine Zeit aufwenden kann. Es macht sich nur langsam bezahlt.
Chandler, an Mrs. Robert J. Hogan, 7. 3. 1947

Das Deck klar machen.
info] Alle Hindernisse aus dem Wege räumen, um für's Handeln Raum zu gewinnen
z] Sie sagen, dass sie das Deck zum Aktieren klar machen. Breslauer Zeitung 1864

Das dehnt sich wie Jungfernhaut.

Das demokratische System beruht auf der Überzeugung, dass man den Menschen die Wahrheit sagen kann.
Carl Friedrich von Weizsäcker

Das demokratische System, zu dem unser Staat sich bekennt, beruht auf der Überzeugung, dass man den Menschen die Wahrheit sagen kann.
Carl Friedrich von Weizsäcker

Das demütige und tugendhafte Bäuerlein wird moralisch ebensoviel oder mehr wert sein als der mächtigste Heros der Geschichte. Jener wird in den Himmel kommen, dieser ins Fegefeuer, wo nicht gar in die Hölle. Die Geschichtsschreibung jedoch, die wir fordern und auf die es uns ankommt, wird den Sünder bewundern, von dem Bäuerlein aber nichts wissen.
Benedetto Croce, Grundlagen der Politik

Das den Heiligen Gemeinsame
la] Commune Sanctorum

Das den meisten Menschen Abstruse mit einer gewissen behaglichen Freiheit vorzutragen, wirkt immer vorteilhaft.
Goethe (1749-1832), an Ch. L. F. Schultz, 5. Sept. 1822

Das Denken der Hand unterscheidet zweckmäßig und unzweckmäßig.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Denken der Zukunft muss die Synthese aller großen Gedanken des Alls sein.
Rolland, Die Vorboten

Das Denken fördert unser Leben nur, wenn es unserem eigenen Kopf entspringt oder wenigstens eine Frage beantwortet, die in unserer eigenen Seele entstanden ist.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1906)

Das Denken gehört zu den größten Vergnügungen der menschlichen Rasse.
Galilei im gleichnamigen Stück von Bert Brecht

Das Denken gilt unter Regierungen, die der Ausbeutung dienen, als niedrig.
Brecht, Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit

Das Denken hat zur Zeit schlechte Presse. Suggeriert wird ein kontradiktorischer Gegensatz zwischen Denken und Fühlen, als gäbe es nicht zuhauf kaltherzige Dummköpfe und Gescheite mit starken Emotionen.
Thomas Rothschild (1995)

Das Denken in Analogien ist ebenso notwendig wie fruchtbar.
Jean-Marie Pelt, Das Leben der Pflanzen

Das Denken ist abstraktes Wahrnehmen, das Wahrnehmen konkretes Denken.
Lohberger

Das Denken ist dadurch wahr, dass es den Gegenstand sein lässt, was er wirklich ist.
Hakob Hommes

Das Denken ist das Produkt des ganzen Körpers.
Zola, Das Werk

Das Denken ist der Prozess, durch den niedrige Instinkte verwandelt werden.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Das Denken ist ein Attribut Gottes, oder Gott ist ein denkendes Ding.
Baruch de Spinoza, Ethik

Das Denken ist ein Laster, das man schwerlich mit administrativen Mitteln heilen kann.
Brudzinski

Das Denken ist ein Verhalten des Menschen zu den Menschen.
Brecht, Buch der großen Methode

Das Denken ist eine Kunst, keine Wissenschaft.
Lin Yutang

Das Denken ist eine Lebensfunktion wie die Verdauung und der Blutkreislauf.

Das Denken ist gewissermaßen das Atemholen des Geistes. Man darf es nicht allzu lang unterlassen, wenn man nicht Gefahr laufen will, geistig zugrundezugehen.
Aus den 'Fliegenden Blättern'

Das Denken ist nur ein Traum des Fühlens, ein erstorbenes Fühlen, ein blassgraues, schwaches Leben.
Novalis, Die Lehrlinge zu Sais

Das Denken ist seinem Wesen nach frei und selbstherrlich, wenn es wirklich in Tätigkeit tritt.
Simone Weill

Das Denken ist überhaupt das Auffassen und Zusammenfassen des Mannigfaltigen in der Einheit.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Das Denken ist überhaupt das Auffassen und Zusammenfassen des Mannigfaltigen in der Einheit.
Hegel

Das Denken kann sein eigenes letztes Warum nie beantworten, weil auch diese Antwort wieder ein Warum gebären würde.
Dietrich Bonhoeffer

Das Denken lernen wir, indem wir auf das achten, was es zu bedenken gibt.
Martin Heidegger

Das Denken macht die Größe des Menschen aus.
Pascal, Pensées

Das Denken mit dem eigenen Kopf ist riskant.
Zarko Petan

Das Denken soll man den Pferden überlassen, sie haben die größeren Köpfe.
info] Als Scherz

Das Denken tröstet über alles und hellt alles.
Chamfort, Maximes et pensées

Das Denken von Ursache und Wirkung ist das Rückwärtsdenken.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Denken, der Zeit verhaftet, verfällt auch wieder der Zeit. Aber weil es verfällt, eben deshalb muss unser Denken neu sein, wenn es echt sein und etwas bewirken will.
Ingeborg Bachmann, Frankfurter Vorlesungen

Das der rost dem eisen, das ist der neid dem menschen.
mhd] Rost daz îsen zert.
dä] Rust æder jern og avind æder sig selv.

Das deutlichste Anzeichen der Weisheit ist eine immer gleich bleibende Heiterkeit.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das deutsche Proletariat ist der treueste, zuverlässigste Verbündete der russischen und der internationalen proletarischen Revolution.
Lenin, Abschiedsbrief an die Schweizer Arbeiter

Das deutsche Schwert beschützt den deutschen Herd.
z] Man schreibt aus Tirol: Nachdem gestern die Nachricht über die Capitulation von Paris hier eingetroffen und das alte Sprichwort: Das deutsche Schwert beschützt den deutschen Herd, sich buchstäblich bewahrheitet hat u.s.w.

Das deutsche Theater befindet sich in der Schlußepoche, wo eine allgemeine Bildung dergestalt verbreitet ist, dass sie keinem einzelnen Orte mehr angehören, von keinem besonderen Punkte mehr ausgehen kann.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 735

Das deutsche Theater stellt leidenschaftliche Gegenstände mit seiner Ruhe vor, das französische gesetzte mit seiner Heftigkeit.
Goethe (1749-1832), Riemer, 1803-1814

Das deutsche Vaterunser hat hinter Kronstadt ein Ende.

Das deutsche Volk (d.i. das Herrenvolk) glaubt mehr an Ärzte als an Gott.
Estland

Das deutsche Volk ist frei, bleibt frei und regiert in alle Zukunft sich selbst. Das ist der einzige Trost, der dem deutschen Volke geblieben ist.
Friedrich Ebert, Bei der Eröffnung der Weimarer Nationalversammlung (6. Februar 1919)

Das deutsche Volk, so wie ich es kenne, macht es mit seinen Märtyrern, wie Gott es mit Christus machte: es lässt ihn ruhig kreuzigen und bewundert ihn: aus doppelten Gründen; was (denkt es) ist er vor der Kreuzigung?
Hebbel, Tagebücher, Mai 1836

Das deutsche Wesen ist noch gar nicht da, es muss erst werden; es muss irgendwann einmal herausgeboren werden, damit es vor allem sichtbar und ehrlich vor sich selber sei. Aber jede Geburt ist schmerzlich und gewaltsam.
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Das dich der Schüttel schände.
info] Der Schüttelfrost.

Das dich ditz und jens angang!
info] Verwünschungsformel meint verhüllend den Ritten

Das dich S. Gereons plage.
la] In lapidicinas.

Das dich S. Hamprecht schent.

Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.
1. Moses, 8, 21

Das dicke Ende ist noch hinten, sagte jene Magd, als sie den Schippenstiel in Arsch kriegte.

Das dicke Ende kommt (hinten) nach.
en] The sting is in the tail.
en] There's the devil to pay.
fr] A la queue gît le venin.
fr] Le venin est à la queue.
it] Il peggio deve ancora venire.
it] Il veleno sta nella coda.
la] In cauda venenum.

Das dicke Ende kommt nach', sagte der Mann, der mit dem Kopf durch die Wand ging.

Das dicke Ende kommt nach.

Das dicke Ende kommt noch, sagte Eulenspiegel und steckte dem alten Weib eine Schöpfkelle in den Arsch.

Das dicke Ende kommt noch.
en] The sting is in the tail.
fr] A la queue gît le venin.

Das dickste End' ist noch hinten.

Das die Albernen gelüstet, das tötet sie.

Das die Leut so kurz leben, das macht, dass sie so wenig frölich sein.

Das Dienen Gottes ist mehr als der Menschen Treiben.

Das dienet in meinen Kram nicht.
ndt] Dat dênt in sînen Kram nich. Pommern
info] Ist nicht in seinem Sinn.

Das dienet nicht in meine Krambude.

Das dient nur als Lückenbüßer.

Das Ding beisst wie der Teufel, sagte der Bauer, als er Senf aß.
nl] Welk een ding is mosterd, het bijt, en heeft geene tanden.

Das Ding hat Adlersfedern.
info] Man glaubte nämlich, dass sie wieder wegflögen oder dass sie andere Federn, zu denen man sie lege, aufzehrten.
Luther

Das Ding hat Äste.

Das Ding hat einen Haken.

Das Ding hat kein Ansehen (o. Gesicht).
Nürtingen
info] Keine Art, keinen Schlag, sieht nach nichts aus, es ist keine Arbeit, alles, um zu sagen: die Sache befriedigt mich nicht, sie gefällt mir nicht

Das Ding hat Mucken.
Rottenburg
info] Die Sache hat ein Aber, einen Haken.

Das Ding hat Stacheln.

Das Ding heckt Läuse.
la] Diuturnam molestiam creat.

Das Ding heißt Hans.
Bayern
info] Es ist eine vortreffliche Sache

Das Ding ist, wie man's achtet.

Das Ding läuft verkehrt, sagte Töffel, als er einen Krebs gehen sah.
nl] Dat ding loopt verkeerd, zei de boer, en hij had een kreeft aan een touwtje.

Das Ding muss solchem Grobian
Grob zu verstehen geben man!
Fischart, Kehrab

Das Ding will sich machen.

Das Ding wird den Hund haben.
info] Vom 10. bis 13. Jahrhundert war das Hundetragen eine Strafe für vornehme Verbrecher. Der Missetäter musste ihn tragen, um anzuzeigen, dass er verdiene, gleich einem Hunde erschlagen oder aufgehängt zu werden, was für eine Erschwerung der Todesstrafe galt. Das Sprichwort will sagen, dass etwas einen schlimmen Ausgang haben werde.
la] Res redibit ad restim.

Das Ding, das du haben möchtest, muss von dem Eigentümer erbeten werden.
info] Nicht einfach genommen werden
Kikuju (Kenia)

Das Ding, das noch nie erklärte böse Ding, das uns von dem Wesen trennt, dem wir das Leben verdanken, von dem Wesen, aus dem alles, was Leben genannt werden soll, sich unterhalten muss, das Ding, das man Sünde nennt, kannte ich noch gar nicht.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Das Dintenfaß steht auf des Kaisers Tisch.

Das Disputieren über den Buchstaben macht kein Christen.

Das Docht der Lampe leuchtet anderen und verbrennt selbst.
info] Von denen, die sich für andere aufopfern und selbst dabei zu Grunde gehen

Das Dogma ist die Bestätigung der Seele in der Vergangenheit, das Axiom ist die Bestätigung des Verstandes in der Vergangenheit, Problem und Sehnsucht sind Bestätigungen des Verstandes und der Seele, die in die Zukunft streben.
Mickiewicz, Tribüne der Völker v. 17. 4. 1849

Das Dogma ist eine Zwangsjacke für das Hirn.

Das Dogma ist nicht anderes als ein ausdrückliches Verbot zu denken.
Ludwig Feuerbach, Pierre Bayle (1647-1706)

Das Dogma ist weniger wert als ein Kuhfladen.
Mao Tse-Tung

Das Doktorwerden ist eine Konfirmation des Geistes.
Lichtenberg, Aphorismen

Das dominante Charakteristikum des Alltagslebens ist die Spontaneität.
Agnes Heller

Das Dominus vobiscum tregt dem Probst und Abt mehr, denn das Et cum Spiritu tuo dem Küster und ganzen Konvent.

Das doppelte Antlitz des Janus
la] Ianique bifrontis imago

Das Dorf (= die Welt) gibt keinen Reichtum.
Estland

Das Dorf (o. die Nachbarschaft) gibt kalten Rat, die Menschen (geben) ein eisernes Herz.
Estland

Das Dorf brennt, und die alte Frau kämmt sich.
Rumänien

Das Dorf der Flöhe hat kein Kennzeichen.

Das Dorf in die Hand, die Gemeinde in den Mund, das Kirchspiel in den Magen - paßt alles dem schwarzen Raben (= dem Pastor).
Estland

Das Dorf kommt, man bekommt etwas, der Bauernhof kommt, man bekommt wieder etwas.
Estland

Das Dorf lobt, das Gut tadelt, das Gut lobt, die Gemeinde tadelt.
Estland

Das Drama (auf der Bühne) ist erschöpfender als der Roman, weil wir alles sehn, wovon wir sonst nur lesen.
Franz Kafka, Tagebücher (1911)

Das Drama ist die Stimmung eines Jahrhunderts, in dem die Politik ein ständiges Mimenspiel ist.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Drama ist eine sehr sonderbare Kunstgattung, und ich ahne, indem man es hervorbringt, verknüpft man sich gleichzeitig mit dem realen Leben und löst sich gleichzeitig davon ab.
Hugo von Hofmannsthal, Briefe

Das Drama macht bei den Franzosen einen viel stärkeren Gegensatz mit dem Leben, zum Zeichen, dass ihr gewöhnliches Leben ganz davon entfernt ist. Bei den Deutschen weniger, indem sie selbst schon im Leben wenigstens naiv, gemütlich und poetisch sind.
Goethe (1749-1832), Riemer, 28.8.1808

Das Drama schildert den Gedanken, der Tat werden will durch Handeln und Dulden.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Das Drama soll eilen, und der Charakter der Hauptfigur muss sich nach dem Ende drängen, und nur aufgehalten werden.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,7

Das Drama soll keine neuen Geschichten bringen, sondern neue Verhältnisse.
Friedrich Hebbei, Tagebücher

Das Drama, als die Spitze aller Kunst, soll den jedesmaligen Welt- und Menschenzustand in seinem Verhältnis zur Idee, d. h. hier zu dem alles bedingenden sittlichen Zentrum, das wir im Weltorganismus schon seiner Selbsterhaltung wegen annehmen müssen, veranschaulichen. Das Drama, d. h. das höchste, das epochemachende, ist nur dann möglich, wenn in diesem Zustand eine entscheidende Veränderung vor sich geht; es ist daher durchaus ein Produkt der Zeit, aber freilich nur in dem Sinne, worin eine solche Zeit selbst ein Produkt aller vorhergegangenen Zeiten ist, das verbindende Mittelglied zwischen einer Kette von Jahrhunderten, die sich schließen und einer neuen, die beginnen will.
Friedrich Hebbel, Maria Magdalena, Vorwort

Das Dramatische ist die Einheit des Kampfes mit dem Leiden.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Das dritt haupt tregt (zu) schwer.
info] Wenn ein Geheimnis mehr als zwei wissen, hat es aufgehört, ein Geheimnis zu sein, denn dann erfahren es bald zehn und hundert.
z] Zwen verschweigen wol eine heimligkeit, erfährt sie der dritte, der kan sie nicht tragen, er schwetzet sie nach.
en] Three may keep counsel, if two be away.
it] Se il secreto si sà da tre, si sà da tutti.
it] Tre taceranno, se due vi non sono.
la] Si sapis, quod scis nescias. Terenz

Das dritte Haupt trägt schwer.

Das dritte Horn des Widders suchen.
Russland
fr] L'humbre du soleil.
la] Solis umra.

Das dritte Mal zählt für alle.
England

Das dritte Teil am Kind ist vom Gevatter.

Das Drüben kann mich wenig kümmern,
Schlägst du erst diese Welt zu Trümmern,
Die andre mag darnach entstehn.
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1660

Das Druckenlassen verhält sich zum Denken wie eine Wochenstube zum ersten Kuß.
Friedrich Schlegel, Kritische Fragmente, Athenäum

Das drückt wie ein Alp.

Das du hast an den spinnrocken gehangen, das musst du selber spinnen.
Westfalen

Das Du ist die Erlösung von der Angst des Alleinseins.
O. Spengler, Untergang des Abendlandes, II: Städte und Völker

Das Duell ist der glänzendste Sieg der Mode und zugleich die Unsitte, wo ihre Tyrannei am stärksten in Erscheinung getreten ist.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das Duellwesen privilegiert den Ehrabschneider.
G. von Below, 1896

Das dumme Schaf.
info] Als Scheltwort sehr gebräuchlich und beiderlei Geschlechts.
z] Das Schaf, ihr Mann, schwieg zu allem diesen Unwesen still.
z] Das dumme Schaf.

Das Dümmste an den Weibern ist ihr Misstrauen.
Werfel, Der Tod des Kleinbürgers

Das dümmste Buch will vom gescheitesten Vater sein.

Das dümmste Vieh schreit am lautesten.
info] Nicht bloß auf dem Bauernhofe, sondern auch, und hier noch mehr, in Politik und Religion.
z] In der Politik geht es, wie in der Natur, das dümmste Vieh schreit am lautesten.

Das dunckt (dünkt) mich, helt jeder für gewiss bey sich.

Das Dunkel der Nacht ist gewisser als das Licht des Tages.
Russland

Das dunkel Gesagte ist das dunkel Gedachte.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das Dunkle nimmt nichts dem Schönen, es erhöht noch das Sehnen.
Venedig
info] Von Frauen dunkler Färbung, die auch ihre Verehrer finden

Das dünkt mich, hält jeder für gewiss bei sich.

Das durch und durch zivilisierte Europa wird eines Tages die Beute jener Halbbarbaren, die es aus den Weiten des Nordens bedrohen, und wenn diese Eroberer dann zivilisiert werden, kehrt die Welt wieder in ihr Gleichgewicht zurück.
Giacomo Leopardi, Gedanken aus dem Zibaldone (1898-1907

Das dürftigste Schicksal, das Kläglichste entwickelt sich in den Ehen, in welchen das Weib höher steht als der Mann.
Tieck, Vittoria Accorobona

Das dürre Holz lässt das grüne brennen.

Das eben geschieht den Menschen, die in einem Irrgarten hastig werden: Eben die Eile führt immer tiefer in die Irre.
Lucius Annaeus Seneca (??-65 n. Chr.), Briefe über Ethik

Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären.
Schiller, Die Piccolomini V, 1

Das eben ist der Fluch der Macht, dass sich
Dem Willen, dem leicht widerruflichen,
Ein Arm gleich baut, der fast unwiderruflich
Die Tat ankettet.
Kleist, Die Familie Schroffenstein, 4 (Rupert)

Das eben ist der Liebe Zaubermacht,
Dass sie veredelt, was ihr Hauch berührt,
Der Sonne ähnlich, deren goldner Strahl
Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt.
Grillparzer, Sappho, I, 5 (Sappho)

Das eben ist die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu Allem macht.
Goethe (1749-1832), Wilhelm Meisters Wanderjahre

Das eben ist's, was manches blühende Haus und Reich
In Trümmer stößt: der allzuschöne Redeschwall!
Euripides, Hippolyt, 486/87 (Phädra)

Das Echo behält das letzte Wort.
info] Von Rechthaberischen

Das Echo durch Rufen ins Schweigen bringen.
info] Ebenso schwer oder undankbar ist es einen Rechthaberischen durch Gründe zu überzeugen

Das Echo kennt alle Sprachen.
Finnland

Das Echo wie der Nachruhm behalten nur die letzten Silben eines Menschen.
Jean Paul

Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.
Goethe (1749-1832), Faust, Vorspiel auf dem Theater (Dichter) Vs 74

Das edelste Gebet ist, wenn der Beter sich
In das, für (o. vor) dem er kniet, verwandelt inniglich.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Das Edelste und Höchste wirkt gar nicht auf die Massen; der historische Erfolg des Christentums, seine historische Macht, Zähigkeit und Zeitdauer, alles das beweist glücklicherweise nichts in betreff der Größe seines Gründers, da es im Grunde gegen ihn beweisen würde: aber zwischen ihm und jenem historischen Erfolge liegt eine sehr irdische und dunkle Schicht von Leidenschaft, Irrtum, Gier nach Macht und Ehre, von fortwirkenden Kräften des imperium romanum, eine Schicht, aus der das Christentum jenen Erdgeschmack und Erdenrest bekommen hat, der ihm die Fortdauer in dieser Welt ermöglichte und gleichsam seine Haltbarkeit gab.
Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 2, Vom Nutzen u. Nachteil der Historie für das Leben

Das edelste, wohltuendste Verständnis findet der Künstler bei einem bescheiden gebliebenen Dilettanten.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Edle befindet sich oberhalb des Gürtels, das Gemeine überall.
Busc, an Marie Anderson, 27. 1. 1875

Das Edle in der Mathematik ist, dass es keine Konzessionen gibt.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Edle muss nicht an die verschwendet werden, die keinen Sinn dafür haben. 'Gebt dem Esel Rosmarin', sagt Luther, 'so meint er doch, es sei Heu.'

Das edle Weib ist halb ein Mann, ja ganz,
Erst ihre Fehler machen sie zu Weibern.
Franz Grillparzer, Die Jûdin von Toledo (Garceran)

Das Edle zu erkennen, ist Gewinst,
Der nimmer uns entrissen werden kann.
Goethe (1749-1832), Tasso A III Sz 2 (Leonore) Vs 1838

Das edle: Ich will! hat keinen schlimmeren Feind als das feige, selbstbetrügerische: Ja, wenn ich wollte!
Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Ehebeth ein vnbefleckt soll sein.

Das Ehejoch
la] maritale capistrum

Das ehelich geborene Kind behält seines Vaters Heerschild.
[RSpW]
info] Dies Sprichwort handelt von Kindern, die aus einer Missheirat hervorgegangen sind und will sagen, dass solche Kinder, auch wenn die Mutter mit dem Vater nicht ebenbürtig war, dennoch des letzteren Stand, Wappen und Güter erben, das Herkommen der Mutter ihnen also nicht zum Nachteil gereichen solle, obgleich bei Prinzen eine Ausnahme stattfindet.

Das Eheweib ist der Bruder des Mannes.

Das ehlich geborne Kind behält seines Vaters Heerschild.

Das ehrbare Kleid ist der Deckschalck.

Das ehrbare Kleid ist der Deckschalck.
info] In der Amtskleidung liegt die Würde nicht; der Mann selbst muss seinem Amte Ehre bringen.

Das ehrbare Mädchen erledigt am liebsten etwas für andere.

Das ehrenkleid ziert den Mann, wer solches hat, der zieh es an.
la] Vestitus virum reddit, qui habet, induat.

Das Ehrenwort hat Löcher drin.

Das Ehrgefühl, als Hilfsmittel in den Händen der Tugend, ist eines der kräftigsten, den Menschen vor schlechten und verwerflichen Handlungen zu bewahren und zu großen, guten Gesinnungen und Taten zu begeistern.
Heinrich Zschokke, Stunden der Andacht

Das ehrliche (= eheliche) Kind weint auf dem Ofen, der Bastard hinter der Pforte.

Das ehrliche Vermögen bleibt, unrecht Gut holt der Satan.

Das Ehrlichste geht billig vor.

Das Ei (des Columbus) zum Stehen bringen.
info] Eine schwierige, unmöglich scheinende Sache ausführen
z] Es muss sich bald zeigen, wie der Kaiser das Ei des Columbus zum Stehen bringt. Berliner Zeitung, 1864

Das Ei auf den Stein oder den Stein aufs Ei, ist immer einerlei.

Das Ei eines Faulen piept wol, aber es kriecht nichts aus.

Das Ei heute ist besser als die Henne morgen.
la] Ad praesens ova cras pullis sunt meliora.

Das Ei ist da, aber die Henne fehlt noch.
Tataren

Das Ei ist gewöhnlich verloren, das früher als das Nest wird geboren.
info] Von unehelichen Kindern, die in größerer Anzahl sterben als die ehelichen

Das Ei ist klüger als die Henne. Estland

Das Ei ist klüger denn die Henne.

Das Ei ist nicht klüger (o. besser) als die Henne.
Estland
dä] Egget springer op og lærer hønen.
en] Don't teach your grandmother to suck eggs.
en] Jack Sprat would teach his grandam.
fr] Ce n'est pas à un vieux singe qu'on apprend à faire des grimaces (o. la grimace).
fr] C'est Gros-Jean qui remontre à son curé.
fr] L'écolier prétend enseigner son maître.
fr] Les oisons veulent mener paistre leur mère.
ho] Dat ei is kloeker dan die hen.
it] I paperi menano a bere le oche.
la] Ante barbam doces senes.
la] Imberbis senes docet.
sp] Aún no ha salido del cascarón y ya tiene presunción.
un] A tyúkmony okosb akar lenni a tyúknál.

Das Ei ist nicht klüger als die Henne. Estland

Das Ei ist noch nicht ausgebrütet.
info] Man weiß noch nicht, was aus der Sache werden, wie sie sich entwickeln wird

Das Ei ist schon da, aber die Henne fehlt noch.
info] Das Kind ist eher da als die Frau. Auch wenn jemand Hoffnungen, Träume für Wirklichkeit hält

Das Ei ist zu hart gesotten.
nl] Dat ei heeft wat lang in 't zout gelegen.

Das Ei kostet mehr als die Henne.
info] So sagt man in Zentralamerika, wenn die Auslagen mehr kosten als der zu erwartende Gewinn, wenn man z.B. die Erzeugnisse des Bodens auf einen fernen Markt bringen wollte, zu dem die Straßen fehlen, und wobei der Erlös für die Produkte nicht ausreichen würde, die Transportkosten zu decken.
sp] El huevo mas que la gallina.

Das Ei lehret das Huhn und die Kachel den Töpfer.
info] Strafender Spott auf die vorwitzige Jugend, die alles besser wissen will, als das erfahrene, kenntnissreichere Alter

Das Ei lehret das Hun Eyer legen, und das Kalb die Kuh Kälber machen.

Das Ei lehrt (o. lobt) die Henne.
Estland

Das Ei lehrt die Henne, wie man brütet.
Bantu

Das Ei meistert die Henne.
info] Der Junge, Unerfahrene will den Alten, Erfahrungsreichen belehren, tadeln, zurechtweisen
fr] Il veut apprendre à sa mère à faire des enfans.

Das Ei muss nicht klüger sein wollen als die Henne.

Das Ei nach dem Huhne werfen.
info] Die Wurst nach der Speckseite

Das Ei neben das Nest legen.
info] Etwas verkehrt anfangen

Das Ei soll nicht klüger sein wollen als die Henne.
la] Majori minor cedat in arte sua. Anonius

Das Ei tanzt nicht mit einem Stein zusammen.
Afrika

Das Ei will (immer) klüger sein als die Henne.

Das Ei will klüger als die Henne sein.

Das Ei will klüger sein als die Henne.

Das Ei will klüger sein als die Henne.
en] Don't teach your grandmother to suck eggs.
fr] Ce n'est pas à un vieux singe qu'on apprend à faire des grimaces.
sp] Aún no ha salido del cascarón y ya tiene presunción.

Das Ei, das die Henne Sonntags legt, hat auch einen Dotter.
info] Auch das Gute, was ich an Festtagen tue, hat seinen Wert

Das Eichhorn sitzt noch auf dem Baume (o. Aste) und man schnitzt schon den Bratspieß.
Litauen

Das Eichhörnchen schützt seine Behendigkeit, den Bären seine Stärke.
Russland

Das eigen Herz überwinden, ist mehr den siegen vor den feinden.
la] Vincere cor proprium plus est quam uincere mundum.

Das Eigen verachten und das Fremde lieben.
la] Alienum amamus, proximum contemnimus.

Das eigene Auge ist der König.
Estland

Das eigene Auge sieht alles.
Estland

Das eigene Auge täuscht (ja) nicht.
Estland

Das eigene Bedürfnis ist der beste Fronvogt.
Estland

Das eigene Dach behütet vor Ungemach.

Das Eigene einer jeden Landes- und Volkspoesie, besonders im Dramatischen, besteht darin, dass sie auf einem Gegensatz beruht, auf einen Gegensatz hinarbeitet, gleichsam vis-á-vis eines Gegensatzes sich in bezug auf ihn heraushebt.
Goethe (1749-1832), Riemer, 28.8.1808

Das Eigene erwartest, aber Fremdes nimmst auch an.
Estland

Das eigene Haus in Ordnung zu halten fällt den meisten genau so schwer, wie eine Provinz zu regieren.
la] Domum suam coercere plerisque haud minus arduum est quam provinciam regere.

Das eigene Haus ist ein goldenes Nest, das fremde Haus eine Nesselstaude.
Estland

Das eigene Haus ist für jeden die sicherste Zufluchtsort. [RSpW]
la] Domus tutissimum cuique refugium atque receptaculum.

Das eigene Hemd ist am nächsten.
Estland

Das eigene ich ist ein ärmlicher Mittelpunkt für eines Mannes Handeln.
Bacon, Von der Selbstsucht

Das eigene Kind ein Semmelchen, des anderen Kind ein Dreckfladen.
Estland

Das eigene Kind geht weinend, kommt lachend, das fremde Kind geht lachend, kommt weinend.
Estland

Das eigene Kind ist das Kindchen, das Kind der anderen ein Spänchen.
Estland

Das eigene Kind ist ein Goldstück.
Estland

Das eigene Kind ist immer am liebsten.
Estland

Das eigene Kreuz ist am leichtesten zu tragen.
Estland

Das eigene Land ist ein Beerlein (= so lieb wie eine Beere), das eigene Heim eine Hübsche.
Estland

Das eigene Land ist eine Erdbeere, das übrige Land eine Schwarzbeere.
Estland

Das eigene Land ist jedem lieb.
Estland

Das eigene Leben, bewusst gelebt, trägt einen über das Persönliche hinaus.
Anaïs Nin, Das eigene Leben bewusst gelebt

Das eigene Nest beschmutzt man nicht.
en] It's an ill bird that fouls its own nest.

Das eigene Schicksal findet zunächst am wenigsten Beachtung bei uns selbst.. Die Schicksale anderer aber sind es, die uns von früh an belehren, bereichern und bilden.
Hauptmann, Das Abenteuer meiner Jugend

Das eigene Sumpfwasser schmeckt reiner als das fremde Quellwasser.
Estland

Das eigene Unglück erscheint einem weniger schwer, wenn man sieht, dass auch andere nicht glücklich sind.
Voltaire, Zadig oder das Schicksal

Das eigene Unglück misst man nach Werschecken, das fremde nach Wersten.
Russland

Das Eigene verachten wir und lieben das Fremde.

Das eigene Viertel ist immer mehr als des Fremden Lägel (= ein Maß).
Estland

Das eigene Wort tritt (mit Füßen) des Fremden Schimpf.
Estland

Das eigenste und ursprünglichste im menschen sind nicht so sehr seine Lösungen, wie seine Fragen.
Meïr Wiener

Das eigentlich Unverständige sonst verständiger Menschen ist, dass sie nicht zurecht zu legen wissen, was ein anderer sagt, aber nicht gerade trifft, wie er's hätte sagen sollen.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 238

Das eigentlich wahrhaft Gute, was wir tun, geschieht größtenteils clam, vi er precario (heimlich, mit Gewalt und auf Bitten).

Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 135

Das eigentliche Kennzeichen der Demokratie besteht heutzutage nicht so sehr in der Volkstümlichkeit des Regierungs-, sondern des Verwaltungssysterns, daher muss das wahre Ziel die Demokratisierung der Verwaltung sein.
Masaryk

Das eigentliche Lebensglück, das in geistiger Ruhe und Zufriedenheit und seelischer Geradheit und Sicherheit besteht, darf man nie einem Menschen zusprechen, ehe man nicht gesehen hat, wie er den letzten und zweifellos schwierigsten Akt im Schauspiel seines Lebens spielt.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das eigentliche Losschlagen mache doch eigentlich den Feldherrn wie den gemeinen Krieger, am Ende komme es immer darauf an, die mehr oder minder vorbereitete Entscheidung mit herzhafter Persönlichkeit auf sich zu nehmen.
Goethe (1749-1832), v.Ense, 8.7.1825

Das eigentliche Recht des Stärkeren besteht nur darin, dass er sich des Willen des minder Starken zu bemächtigen weiß. Es ist damit gerade so wie mit den herrschenden Gedanken und Empfindungen in unserer Seele.
Jacobi

Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften, II, 7

Das eigentliche Urteilen über einen Gegenstand ist das Vergleichen seiner Natur oder wahren Allgemeinheit mit seiner Einzelheit oder mit der Beschaffenheit seines Daseins, das Vergleichen dessen, was er ist, mit dem, was er sein soll.
Hegel

Das eigentliche Wesen der Philosophie ist für mich die Spekulation. Sie muss ewig auf der Jagd sein. Man zeige mir einen Menschen mit einer Philosophie, die, wie er behauptet, das Problem seines Lebens gelöst hat, und ich bin der festen Überzeugung, dass er sich seiner Philosophie unterworfen hat.
Th. Wolfe, an Horace Williams, Febr. 1922

Das eigentliche Wesen des Ehrgeizes ist nur der Schatten eines Traumes.
Shakespeare (1564-1616), Hamlet (Güldenstern)

Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt- und Menschengeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Unglaubens und des Glaubens.
Goethe (1749-1832), Noten zum Westöstlichen Divan, Israel in der Wüste

Das Eigentum bricht einer Furie gleich in das menschliche Herz ein, wälzt die tiefstgewurzelten Gefühle, Ideen und Instinkte um und schafft neue Triebe, Begriffe und Empfindungen.
Paul Lafargue, Der Ursprung der Idee des Gerechten und Ungerechten

Das Eigentümliche am Menschen, dass er nicht weiter als seine Nasenspitze sieht. Mangels Verstand, mangels Gefühl.
Henri Henri Barbusse (1873-1935), (1873-1935), Frontnotizbuch II

Das eigentümliche an dem Wort Freiheit ist, dass es nur dann zuverlässig klingt, wenn es in Gesellschaft mit dem Wort teuer erkauft auftritt.
Martin Andersen Nexö, Erinnerungen

Das Eigentümliche müsste durch die Lebensart erst recht hervorgehoben werden.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 33

Das eilen bedenckt kein ding.

Das eilen ist auch den begierigen ein harren.

Das eilfte Gebot heißt: laß dich nicht erwischen!

Das eilfte Gebot heißt: laß dich nicht verblüffen!

Das Eindringen in die menschliche Seele verlangt Weitblick und Behutsamkeit.
Isaak Babel (1894-1941), Medrese und Schule

Das Eindringen in die Sprache macht bewußt, es macht empfindlich..
Heinrich Mann, Die Herrn vom Militär

Das eine auf den Kochen, das andere auf dem Staket.
ndt] Dat êne up de Knak'n, dat ander up'n Stak'n.
info] Von jemandem, der nur zwei Hemden besitzt, von denen er das eine auf dem Leibe hat, während das andere auf dem Stakete hängt, um zu trocknen.

Das eine Auge glotzt nach dem Speck, das andre nach dem Kohl.

Das eine Böse vertreibt das andere.
ndt] Dat eine quât vordrift dat ander.
la] Absque malo pravum potuit devincere nullus.

Das eine gegeben, das andere verwehrt.

Das eine Gerede paßt zum anderen Gerede, der eine auf des anderen Bauch.

Das eine ist der Gottheit selbst verwehrt:
Das, was getan ist, ungeschehn zu machen.
Aristoteles, Ethik, 6, 2 (Agathon)

Das eine ist gut, das andere noch besser.
Estland

Das eine Jahr lehrt das ander nicht.
la] Raro docet reliquum reor annus in omnibus annum.

Das eine kann man fordern (od. erstreben), aber das andere nicht ungefordert lassen.
Estland

Das eine klinget, das andere klatschet.

Das eine Last tragende Wasser fließt ruhig.
Estland

Das eine Menschengeschlecht hat sich allenthalben auf der Erde klimatisiert.
Johann Gottfried Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Das eine muss man tun und das andere nicht lassen.
Matth. 23, 23

Das eine muss man tun, das andere nicht ungetan lassen.
Estland

Das eine Ohr gehört dem Kläger, das andere dem Beklagten.

Das eine Öl kommt in die Lampe, das andere in den Weihkessel.
Russland

Das eine Schaf leckt nicht den Arsch von des anderen Schafes Lamm.
Estland

Das eine Schlimme schlägt oft zum andern.
mhd] Dat eine quât sleit vake to dem anderen.
la] Pleuresis pestem damnum iactura ministrat.
la] Aliud ex alio malum. Terenz

Das eine Ufer wird beständig unterspült, das andere stets angeschwemmt: Das ist des Flusses und des Lebens Lauf.

Das eine wächst, das andere fällt.
sd] Det ena wäxer til, det andra faller af.

Das eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und wie ihr's immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muss es möglich sein auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
Bertolt Brecht, Die Dreigroschenoper

Das einem ein Täglich, ist dem andern eine Todsünde.
Schweiz

Das Einende ist nicht die Kraft der Geschichte; sondern das Verlangen nach Zusammenleben und das Gefühl, dass der eine des anderen bedarf.
Rolland, Die Vorboten

Das einer gewont hat, lest er hart.

Das einfach Schöne soll der Kenner schätzen,
Verziertes aber spricht der Menge zu.
Goethe (1749-1832), Natürliche Tochter A II Sz 5 (Eugenie) Vs 1060

Das Einfache durch das Zusammengesetzte, das Leichte durch das Schwierige erklären zu wollen ist ein Unheil, das in dem ganzen Körper der Wissenschaft verteilt ist, von den Einsichtigen wohl anerkannt, aber nicht überall eingestanden.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 611

Das einfachste Konkrete koinzidiert mit dem Absoluten.
Nikolaus von Kues, Über die Schauung Gottes

Das Einfischtal ist der Himmel der Weintrinker und die Hölle der Maultiere.
Schweiz, Kanton Wallis.

Das eingepfroffte Reislein schläget seinem Stande nach.

Das Einkommen der Priester gibt Gott, und der Teufel verzehrt es.

Das einmal Geschaute und Erlebte sinkt als solches in den Naturgrund der Seele hinab. Der Geist aber drängt auf lebendigen Besitz.
Peter Wist

Das Einnehmen macht nicht reich, aber das Ausgeben.

Das Einnehmen von Arzneien ist bei uns Mode, das muss es sein. Es ist der Zeitvertreib müßiger Leute, die nichts zu tun haben, die nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit machen sollen, und sie daher anwenden, sich zu erhalten.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das einsame Lesen ermattet: man will sprechen, man will sich ausreden.
Herder, Briefe zu Beförderung der Humanität

Das Einseifen allein tut's nicht, der Bart will auch geschoren sein.

Das einzelne Schaf ist (immer) in Gefahr vor dem Wolf.

Das einzelne Schaf ist in Gefahr vor dem Wolf.

Das einzig Gute, das von Osten kommt, ist die Sonne.
Portugal
info] Spanien liegt im Osten Portugals

Das einzige annehmbare Schicksal für eine Frau ist eine glückliche Ehe.
Henry de Monherlant, Die jungen Mädchen

Das einzige Fegefeuer, das es gibt, ist eine Frau.
England

Das einzige Gut ist die Jugend, die zwischen Glück und Unglück einherwandelt und beide verachtet.
Seneca

Das einzige Kind wird nicht verkauft.
Duala (Bantu)

Das einzige Mittel gegen Aberglauben ist Wissenschaft. Nichts anderes kann diesen Pestflecken aus dem menschlichen Geiste hinwegwischen. Ohne sie bleibt der Aussätzige ungereinigt und der Sklave unbefreit.
en] The only remedy for superstition is knowledge. Nothing else can wipe out that plague-spot of the human mind. Without it, the leper remains unwashed, and the slave unfreed.
Henry Thomas Buckle, Geschichte der Civilisation in England (1856-1861)

Das einzige Mittel, auf irgendeine gleichmäßige und gerechte Weise den Besitz zu verteilen und die Sterblichen glücklich zu machen, ist die gänzliche Aufhebung des Privateigentums. Solange es das noch gibt, wird der weitaus größte und beste Teil der Menschheit die beängstigende und unvermeidliche Last der Armut und der Kümmernisse dauernd weiterzutragen haben.
Morus, Utopia

Das einzige Mittel, das Leben zu ertragen, ist, es schön zu finden.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Das einzige Mittel, den Irrtum zu vermeiden, ist die Unwissenheit.
Jean-Jacques Rousseau

Das einzige Mittel, den Irrtum zu vermeiden, ist die Unwissenheit.
Rousseau, Emile

Das einzige Mittel, die Welt zu verbessern, ist die Erfüllung der nächstliegenden Pflichten, nicht die Jagd nach großen, in der Ferne gesuchten Zielen.
Ch. Kingsley

Das einzige Mittel, einen Mann zu ändern, besteht für die Frau darin, ihn so restlos zu langweilen, dass er jegliches Interesse am Leben verliert.
Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray

Das einzige Mittel, um jetzt ein deutsches Theater oben zu halten, sind Gastrollen. Hätte ich jetzt noch die Leitung, so sollte der ganze Winter mit trefflichen Gastspielern besetzt sein. Dadurch würden nicht allein alle guten Stücke immer wieder zum Vorschein kommen, sondern das Interesse würde auch mehr von den Stücken ab auf das Spiel gelenkt, man könnte vergleichen und urteilen, das Publikum gewönne an Einsichten, und unsere eigenen Schauspieler würden durch das bedeutende Spiel eines ausgezeichneten Gastes immer in Anregung und Nacheiferung erhalten.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 20.12.1826

Das einzige Mittel, um zu leben, ist Arbeit. Um arbeiten zu können, muss man die Arbeit lieben. Um die Arbeit lieben zu können, muss sie interessant sein.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1860)

Das einzige Verbrechen, das die Frömmler kennen, ist die Unkeuschheit, besser gesagt, der Ruf oder Anschein der Unkeuschheit.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das einzige, das noch schwieriger ist, als ein geordnetes Leben zu führen: es anderen nicht aufzuzwingen.
Proust

Das einzige, was das Alter einen lehrt, ist nicht Furcht und vor allem nicht Wahrheit, sondern mehr Schamgefühl.
Faulkner, Der Springer greift an

Das einzige, was das Leben lebenswert macht (das Verliebtsein), belächelt man.
Goetz, Das Märchen

Das Einzige, was die Armut beseitigen kann, ist das Miteinanderteilen.
Mutter Teresa

Das Einzige, was ich an der Freiheit liebe, ist der Kampf um sie, aus dem Besitz mache ich mir nichts.
Henrik Ilbsen, an Brandes, 20. Dezember 1870

Das einzige, was man aus Erfahrungen lernt, ist die Erkenntnis, dass man nichts aus Erfahrungen lernt.

Das einzige, was man in Friedenszeiten mit Soldaten anfangen kannPestalozzi, ist, sie zur Arbeit anzuhalten. Ein müßiger Soldat denkt immer nur an Krieg.
Reed, Mexiko in Aufruhr

Das einzige, was niemand glauben will, ist die Wahrheit.
Shaw (1856-1950), Der Mann des Schicksals

Das einzige, was uns in unserm Elend tröstet, ist die Zerstreuung, aber gerade das ist unser größtes Unglück. Denn das hält uns hauptsächlich davon ab, an uns zu denken, und richtet uns zugrunde, ohne dass wir es merken.
Pascal, Gedanken

Das einzige, was wir mit Sicherheit als unser Eigentum beanspruchen dürfen, das höchste Gut, was uns keine Macht der Welt rauben kann und was uns wie kein anderes auf die Dauer zu beglücken vermag, das ist eine reine Gesinnung, die ihren Ausdruck findet in gewissenhafter Pflichterfüllung.
Max Planck (1858 - 1947)

Das Einzige, was wir nie wissen, ist, wie man das unbeachtet lässt, was man nicht wissen kann.
Jean-Jacques Rousseau

Das einzige, was wir zu fürchten haben, ist unsere eigene Furcht.
Franklin Delano Roosevelt

Das einzige, wonach wir mit Leidenschaft trachten, ist das Anknüpfen menschlicher Beziehungen.
Ricarda Huch (1864 - 1947)

Das Einzige, wonach wir mit Leidenschaft trachten, ist das Anknüpfen menschlicher Beziehungen.
Ricarda Huch, Quellen des Lebens

Das Eis (zwischen ihnen) ist gebrochen.
info] Die bestandene Kälte hat sich in ein freundliches Verhältnis verwandelt
en] the ice is broken
fr] la glace est rompue
it] il ghiaccio è rotto

Das Eis kracht so lange, bis es (endlich) bricht.

Das Eis schimpft das Wasser und platscht selbst hinein.

Das Eis zerbricht Sankt Julian (27.1.),
wo nicht, da drückt ers fester an.

Das Eis zum Bruche bringen.
info] Eine Sache zur Entscheidung führen, drängen

Das Eisen gehört so gut zum Speer wie der Schaft.

Das Eisen ins Feuer bringen.

Das Eisen ist schwer zu schmieden.
info] Dieser Mann ist schwer zu behandeln, man kommt bei ihm nicht leicht ans Ziel

Das Eisen lässt sein Rosten nicht.
ndt] Das eisen last sein rosten nit.
z] Wie das eisen jmmer wider rostet, also lest auch der feind seine tücke nicht.

Das Eisen liegt über dem Gold.
Russland

Das Eisen liegt zu oberst, das Gold zu unterst.
Russland

Das eisen nimmer wirt gefug, wenn eines nicht das ander schlug.

Das Eisen rostet vom Alter.

Das Eisen rostet, der Mensch grauet.

Das Eisen schmiedet sich am besten, wenn's (bereits) glüht.

Das Eisen schwimmen lehren.
info] Verkehrtes, Naturwidriges tun

Das Eisen ward nimmer gefug, wenn eines nicht das andre schlug.

Das eisen wir noch los (von ihm).

Das Eisen wird vom Eisen geschärft.
la] Ferrum ferro acuitur.
info] Vgl. Sprüche Salomos: Ein Messer wetzt das andere..

Das eiserne Würfelspiel.
info] Eine sprichwörtlich gewordene Umschreibung für Krieg aus Schillers Gedicht 'Die Schlacht', in der die Stelle lautet: 'Das wilde, eiserne Würfelspiel.'

Das eiss hat kein balcken.

Das Element des Fisches ist das Wasser, das des Menschen der Mensch.
Mexiko

Das Element, in dem ich schwebe, hat alle Ähnlichkeit mit dem Wasser, es zieht jeden an und doch versagt dem, der auch nur an die Brust hereinspringt, im Anfang der Atem, muss er nun gar gleich tauchen, so verschwinden ihm Himmel und Erde. Hält man's dann eine Weile aus und kriegt nur das Gefühl, dass einen das Element trägt und dass man doch nicht untersinkt, wenn man gleich nur mit der Nase hervorguckt, nun so findet sich im Menschen auch Glied und Geschick zum Froschwesen, und man lernt mit wenig Bewegung viel tun.
Goethe (1749-1832), An Merck, 5.8.1778

Das Elend am Spieß weissagt großen Riss.
Schlesien
info] Um die Zeit, als Herzog Georg Wilhelm von Liegnitz, der letzte Piast'sche Spross, gegen Michaelis 1675 Anstalten zur Feier seines Geburtstags machte, wurde in der Kotzenauer Heide, auf den Gütern des Herrn von Stosch, ein 'Elendthier' (Elenn, Cervus Alces) gefangen und als eine Seltenheit der herzoglichen Tafel geschenkt. Der Herzog starb nicht lange danach. Nachdem das slawische Wort Elenn das deutsche Elch verdrängt hatte und dann selbst in Elend verderbt worden war, benutzte es sofort der Aberglaube in seiner Weise, wovon auch das obige Sprichwort ein Beweis ist. Auch die abergläubische Vorstellung gehört hierher, das Tier leide an der Epilepsie, oder besitze die Kraft, sie zu heilen.

Das Elend bauen.
info] Die Grundbedeutung des Wortes Elend ist aus der starken Liebe zur Heimat hervorgegangen und bezeichnet das Wohnen im Auslande, in der Fremde. In diesem Sinne steht es in der obigen Redensart, die soviel heißt, als in einem fremden Lande wohnen. Da Fremde und Verbannung wehe tun und unglücklich machen, so nahm das Wort Elend allmählich die allgemeine Bedeutung von miseria an und seine ursprüngliche trat dagegen zurück. In den meisten Sprichwörtern ist nun die spätere Bedeutung des Wortes herrschend, der ursprüngliche Sinn hat sich besonders in den Redensarten erhalten.

Das Elend besteht nicht im Mangel der Dinge, sondern im Verlangen danach.
Rousseau, Aphorismus

Das Elend der meisten kommt daher, dass sie zuviel vom Leben erwarten.
Günther Weisenborn, Der Verfolger

Das Elend der Menschen und die Verkehrtheit der Menschen sind so unendlich groß dass jedes von beiden der einzige ausreichende Maßstab des andern ist.
Schopenhauer

Das Elend der Philosophie.
Karl Marx (Titel einer Schrift)

Das Elend der vielen ist (nur) den Dummen ein Trost.
Spanien

Das Elend des Menschen liegt darin, dass er in der Gesellschaft Trost suchen muss gegen die Leiden, die ihm die Natur zufügt, und in der Natur Trost gegen die Leiden der Gesellschaft. Wie viele haben weder hier noch dort eine Erleichterung ihrer Schmerzen gefunden!
Chamfort, Maximen und Gedanken

Das Elend des menschlichen Lebens hat den Grund zu all dem gelegt: da sie das erkannt haben, haben sie die Zerstreuung gewählt.
Pascal, Gedanken

Das Elend ist uns angetraut wie eine Frau.
Litauen
info] Unter Elend wird hier besonders der Frondienst gemeint

Das Elend ist, dass man den ganzen Tag mit Arbeit vertrödelt.
Norddeutscher Volksmund

Das Elend kommt öfter auf drei Tage zu Besuch und bleibt gleich für hundert Jahre da.

Das Elend ruft das Elend herbei.

Das Elend schafft wunderliche Bettgenossen.
en] Misery makes strange bedfellows.

Das Elend schlägt ihm unter die Augen.
info] Die Fremde, wie man jetzt sagt: Es fährt ihm manch scharfer Wind ins Gesicht

Das elendeste leben ist besser denn der beste tot.

Das elendste Schwein kommt zur dicksten Eichel.
es] Al más ruin puerco, la mejor bellota.

Das elfte Gebot heißt: Lass dich nicht erwischen!

Das elfte Gebot heißt: Lass dich nicht verblüffen (o. erwischen; bange machen).
nl] Dat staat in het elfte gebod.
ho] Wisse wasjes, zei besje, flikflooijen en duim draaijen is het elfte gebod.

Das elfte Gebot heißt: Lass dich nicht verblüffen!

Das elfte Seil ist das zehnte Gebot.
[RSpW]
info] In Bezug auf die Verabreichung des Zehnten galt als Regel, dass derselbe gegeben ward, wo die Frucht sich befand; der zehentberechtigte Herr musste zu den zehentpflichtigen Bauern gehen und sich selbst den Zehent holen.
z] Kein Mann ist pflichtig seinen Zins außerhalb seines Hauses zu geben. Wo aber dessenungeachtet die Bauern den Zehnten dem Herrn zu Haus und Hof brachten, trat für diese Mühewaltung ein Abzug ein.

Das Emporkommen sucht, wer die Nächte durchwacht, und wer ins Meer steigt, sucht Perlen.

Das end aller Weltfreud ist (trübsal und) leid.
un] Az örömnek szomoruság a végè.
un] E világon nincsöröm üröm nélkül.

Das End' bedacht, hat viel Guts gebracht.
it] Ben finisce chi considera il fine.

Das end bewert all ding.
en] The evening crowns the day.
fr] La fin couronne l'oeuvre.
it] Al finir del giuoco, si vede che ha guadagnato.
it] Alla fine te parerà un dattero.
it] Un bel morire, tutta la vita honora.
la] Exitus acta probat.
la] Finis coronat opus. (Einem Weintrinker hatte man die Grabschrift gesetzt: Vinis coronat opus. Durch den Genuss vieler Weine setzte er sich die Totenkrone auf.)

Das end bewert, was jeder kann.

Das end einer sach steht beym glück, die mittel und der anfang bey der Weissheit.

Das end erwirbt die Kron, nicht der streit.

Das end gibt der sachen entschiedt und gestalt.

Das end muss den Last tragen.
dk] Mageligere er den første ende at gribe an, end den sidste at faae fast.
fr] A la queue gît le venin.
ho] Teinde moet den last draghen.
la] Extremum occupat scabies.
la] Finis portabit onus et factum reserabit.
la] Finis sustentat onus.
la] Omnia exitu probantur.

Das Ende aller Wege ist die Totenkammer.

Das Ende bedacht hat viel Gutes gebracht.

Das Ende bewährt alle Dinge.

Das Ende bleibt immer im Eigenen haften.
Estland

Das Ende braucht keinen Reichtum.
Estland

Das Ende der (geheuchelten) Liebe ist Wegwerfen. Jemen

Das Ende der Diebe ist Zuchthaus und Galgen.

Das Ende der Leidenschaft ist der Anfang der Reue.
England

Das Ende der Liebe ist Wegwerfen.

Das Ende der Nase kann man sehen, aber nicht das Ende der Güte.
Estland

Das Ende des Zorns ist der Reue Anfang.
nl] Het einde des toorns is gewoonlijk het begin des berouws.

Das Ende diktiert dem Anfang seine Leuchtkraft.

Das Ende eines Dinges ist besser denn sein Anfang.
Pred. Sal., K.7, V.9

Das Ende hat ja keinen Überrest.
Estland

Das Ende ist aller Sachen Krone.
Estland

Das Ende ist fraglich.
la] Exitus in dubio est.

Das Ende krönet alle (o. das) Werk.
Ovid, Heroiden II, 85

Das Ende krönt das Werk, das Leben ziert den Tod:
Wie herrlich stirbt der Mensch, der treu ist seinem Gott.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Das Ende krönt das Werk.

Das Ende krönt das Werk.
la] Finis coronat opus. Ovid

Das Ende krönt's.
en] The end crowns all.
Shakespeare (1564-1616), Troilus und Cressida IV,5

Das Ende lobt das Werk.

Das Ende macht alle gleich.
en] The end makes all equal.

Das Ende macht manch Weltkind gescheidt.
la] Exitus ostendit, quo mundi gloria tendit.

Das ende machts alles gut.

Das Ende möge dem Anfang entsprechen.
la] Principiis consentiant exitus.

Das Ende muss die Last tragen.

Das Ende sieht man nicht am Anfange.
info] Von den voreiligen Hoffnungen derer, die, wenn sie ein Geschäft kaum begonnen, schon meinen, alle Schwierigkeiten überwunden zu haben, da doch so oft dem Anfange das Ende nicht entspricht

Das Ende trägt das Lob davon.
la] Omnis laus in fine canitur.

Das Ende trägt den Kranz davon.
la] Exitus acta probat. Ovid
la] Fini soli palma debetur.

Das Ende trägt die Last.

Das Ende vom Ende wissen.
info] Alles durchschauen, in alles eingeweiht sein

Das Ende vom Liede ist: irgendwo wird die menschliche Ungleichheit wieder zu Ehren kommen. Was aber Staat und Staatsbegriff inzwischen durchmachen werden, wissen die Götter.
Jacob Burckhardt, Weltgeschichtllche Betrachtungen

Das Ende vom Liede singen.
fr] La farce est jouée.

Das endliche Schicksal des Christentums ist also davon abhängig, ob wir dessen noch bedürfen.
Heine, Zur Geschichte der Religion

Das endliche Vernunftwesen hat nichts außer der Erfahrung, diese ist es, die den ganzen Stoff seines Denkens enthält.
Johann Gottlieb Fichte, Wissenschaftslehre

Das Endliche wird vor dem Unendlichen zu nichts, es wird ein reines Nichts.
Blaise Pascal

Das Endziel aller Füchse ist die Pelzhandlung.
en] The fox goes at the last to the shop of the furrier.

Das Endziel der Naturwissenschaft ist, die allen Veränderungen zugrunde liegenden Bewegungen und deren Triebkräfte zu finden, also sich in Mechanik aufzulösen.
Helmholtz, Rede 1869

Das eng recht ist ein weit unrecht.
info] Diese Behauptung ist zu allgemein. 'Eng Recht' ist entweder das zu buchstäbliche oder ein allgemeines Recht, zu beschränkt auf einen besondern Fall angewandt.

Das Enge der Gebirge scheint überhaupt auf das Gefühl zu wirken, und man findet darin viele Gefühlsphilosophen, Menschenfreunde, Freunde der Künste, besonders der Musik. Das Weite des platten Landes hingegen wirkt mehr auf den Verstand, und hier findet man die Denker und Vielwisser.
Heinrich von Kleist, an Wilhelmine von Zenge, 3./4. September 1800

Das Entbehren ist ein guter Lehrmeister.

Das entscheidend Charakteristische dieser Welt ist ihre Vergänglichkeit.
Franz Kafka, Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande

Das entscheidende Argument
la] nervus probandi

Das Entscheidende bei der Lösung eines Problems ist, sich selbst als einen Teil des Problems zu erkennen.

Das Entscheidende bleibt doch immer der Charakter, nicht der eitle, wohl aber der gute und ehrliche Glaube an uns selbst.
Theodor Fontane, Frau Jenny Treibel

Das Epigramm ist der Geist des Hasses, jenes Hasses, der die Ausgeburt aller schlechten Leidenschaften des Menschen ist, so wie die Liebe alle seine guten Eigenschaften vereinigt.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Epische ist oft eine Ausflucht mangelnder Phantasie.
Lue de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Reflexionen und Maximen

Das Epitomisieren eines poetischen Werks, das zuerst in eine große Weite und Breite angelegt war, bringt ein Schwanken zwischen Skizze und Ausführung hervor, das dem ganz befriedigenden Effekt durchaus schädlich ist.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 5.7.1802

Das er der abesage in abridde sij.
Frankfurts Reichskorrespondenz, 1461

Das er hasset, das trägt er.
info] Der ist ein Tor, welcher sich wider das sperrt, was er trägt und tragen muss

Das erbarme Gott!

Das Erbe bleibt da, wohin es der Tod bringt.
[RSpW]
info] Das altdeutsche Erbrecht hatte und bedurfte zur Bestimmung der Erbfolge keiner Testamente. Der Erbe war geboren, und der Tod setzte ihn in den Besitz des Gutes

Das Erbe fällt den Eltern in den Busen.
z] Das Kind fällt wieder in der Mutter Schoß

Das Erbe gehört zu den nächsten Erben.

Das Erbe geht nicht aus dem Busen.
[RSpW]
info] Will sagen, dass Kinder und Enkel, mit Ausschließung von Vorfahren und Seitenverwandten, den Verstorbenen beerben. Das Sprichwort findet sich im Sachsenspiegel. Busen bezeichnet in der mittelalterlichen Rechtssprache in der Regel Deszendenten, wie auch nähere Verwandtschaft überhaupt.

Das Erbe tritt an die Kinder.

Das Erbe tritt an die Kinder.
[RSpW]
info] Die gesetzlichen Erben brauchen sich nicht um das Erbe zu bemühen, es tritt an sie heran

Das Erbe vorm Tode teilen.

Das erbettelte Brot ist das beste.
Hindi, Indien

Das Erdetreiben, wies auch sei,
Ist immer doch nur Plackerei..
Goethe (1749-1832), Faust II A II, Am untern Peneios (Proteus) Vs 8313

Das Erdreich trägt's nicht.
Schwaben
info] Man kann nicht mehr beanspruchen als der Natur des Landes oder der Menschen gemäß ist

Das Erfinden aus der Luft war nie meine Sache, ich habe die Welt stets für genialer gehalten als mein Genie.
Goethe (1749-1832), H. Laube, 1809

Das Erfinden ist eng verknüpft mit der Kenntnis des Menschen, eng verknüpft,mit der Kenntnis der Gesellschaft und einem klaren Standpunkt innerhalb dieser Gesellschaft.
Maximilian Scheer, Finden - Erfinden

Das erfrischt' sagte die Katz'; da fiel sie in ein Regenfaß.

Das erfuhr ich unter Menschen als Wunder größtes
dass Erde nicht war noch Himmel drüber
noch irgendein Baum noch Berg nicht war
noch irgendein Stern noch Sonne schien
noch Mond nicht leuchtete noch das gewaltige Meer.
Als da nirgends nichts war an Enden und Wenden
da war doch der eine allmächtige Gott.
Wessobrunner Gebet

Das Erfundene kann vervollkommnet, das Geschaffene nur nachgeahmt werden.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Ergebnis aller Arbeit des Menschen in dieser Zeit ist nur deren beschleunigter Untergang.
Christian Schütze

Das Ergebnis ist alles.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Das Erhabene gibt der Seele die schöne Ruhe, sie wird ganz dadurch ausgefüllt, fühlt sich so groß als sie sein kann und gibt ein reines Gefühl, wenn es bis gegen den Rand steigt ohne überzulaufen.
Goethe (1749-1832), An Charlotte v. Stein, 3.10.1779

Das Erhabene rührt, das Schöne reizt.
Immanuel Kant, Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen

Das Erhabene wird bejammernswert, wenn es verdorben wird.
la] Corruptio optimi pessima.

Das Erhabene, durch Kenntnis nach und nach vereinzelt, tritt vor unserm Geist nicht leicht wieder zusammen, und so werden wir stufenweise um das Höchste gebracht, was uns gegönnt war, um die Einheit, die uns in vollem Maß zur Mitempfindung des Unendlichen erhebt, dagegen wir bei vermehrter Kenntnis immer kleiner werden.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1139

Das Erhabene, für uns Übererhabene, höchst Verehrungswerte, doch, genau besehen, mit einem absurden, ja infamen Empirischen Verbundene, macht uns stutzig, und man entschließt sich schwer.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1343

Das Erkennen mehrt das Unerkannte.
Oswald Spengler

Das Erkennen und Erfinden sehen wir als den vorzüglichsten selbsterworbenen Besitz an und brüsten uns damit.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Erfinden und Entdecken

Das erkennt der Pöbel nicht, der, so gierig er auf Neuigkeiten ist, das Neue höchst verabscheuet, das ihn aus seinem Gleise leiten will, und wenn er sich noch so sehr dadurch verbessert.
Goethe (1749-1832), Götz A I, Bischöflicher Palast zu Bamberg (Olearius)

Das Erlebte weiß jeder zu schätzen, am meisten der Denkende und Nachsinnende im Alter, er fühlt, mit Zuversicht und Behaglichkeit, dass ihm das niemand rauben kann.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 400

Das erleichtert, sagte das Mädchen, nachdem sie Zwillinge bekam.

Das Erlernen der Einsamkeit ist eine Kraft und nicht ein Ziel.

Das Erlöss vns vom Vbel treibt im Kopff einen traurigen Thubel.
info] Ernste Gedanken stören die Freude

Das Erpressungsmittel der Wahrhaftigkeit in äußeren Aussagen, der Eid (tortura spiritualis), wird vor einem menschlichen Gerichtshofe nicht bloß für erlaubt, sondern auch für unentbehrlich gehalten; ein trauriger Beweis von der geringen Achtung der Menschen für die Wahrheit, selbst im Tempel der öffentlichen Gerechtigkeit, wo die bloße Idee von ihr schon für sich die größte Achtung einflößen sollte!
Kant, Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodicee

Das erriete selbst der Heilige Geist nicht.
la] Nec Apollo, quid sibi haec velint, intelligat.

Das erschreckt mir die Hühner nicht.

Das ersehnte Glück wird uns, errungen, zur Last.
Theodor Körner (1810?1891), Erinnerung an Karlsbad

Das erst gibt dem Gold die Farbe der Sonne, dass man ins Feuer es wirft!
Friedrich Hölderlin (1770-1843), Hyperion

Das erst glück ists best.
tsch] První stestí zrídka bývá dobré.

Das erst mal im übersehen gehet hin, das ander mal hat streich verdienet.

Das erst, das best.
info] Ausdruck dessen, der nicht wählt, sondern gleich zulangt

Das erstaunlichste Gedächtnis ist das einer verliebten Frau.
it] La memoria più prodigiosa è quella di una donna innamorata.

Das Erstbeste ist das Allerletzte.
Alexander Eilers

Das erste aller wichtigen Dinge ist, nicht das Gewissen zu betrügen.
China

Das erste Axiom eines Gesetzbuches für die Kritik sollte lauten: das bloße Urteil ist nichts, die Begründung ist alles.
Hart

Das erste Bedürfnis kümmert sich ja nicht um das letzte.

Das erste Erfordernis der Kunst ist: Jeder Gegenstand muss so dargestellt werden, dass der Leser ein richtiges, wahres Bild von ihm gewinnt.
Tschernyschewski, Was tun?

Das erste Erwachen nach einem Unglück, wenn man sich in einer heiklen Lage befindet, ist ein sehr bitterer Augenblick. Der Geist, kaum wieder zu sich gekommen, kehrt zu den gewohnten Vorstellungen des früheren ruhigen Lebens zurück, doch sofort drängt sich barsch der Gedanke an die neue Lage dazwischen, und das Unbehagen wird um so heftiger durch den jähen Vergleich.
Alessandro Manzoni, Die Brautleute

Das erste Gerücht überwindet man nicht.
bm] Chces míti dobrou povest'? O první pecuj.
pl] Chcesz miec dobra slawe? o pierwsza sie staraj.

Das erste Glas beisst wie der Tod, das zweite schmeckt zu Brot, wenn's dritte fehlt, ist große Not.
info] Um zu bezeichnen, wie sich das Laster des Trunkes nur allmählich des Menschen bemächtigt.
ruth] Perwyj keliszok jak po ledu, drûhij jak po medu, a za tretyj ne pytaj lysze dawaj. (Das erste Glas geht wie auf dem Eise, das zweite wie auf Honig, nach dem dritten frage nicht, gib's her, 's hat rasche Reise. Ruthenien

Das erste Glas für den Durst, das zweite zur Ernährung, das dritte zum Vergnügen, und das vierte ist Wahnsinn.
England

Das erste Glas macht dich zur verspielten Gazelle, das zweite zum feurigen Zebra, das dritte zum brüllenden Löwen und das vierte zum albernen Esel.

Das erste haben immer die Mäuse, die Elstern.

Das erste Haberfahrt'l setzt n' Leuchter afn Tisch.
Oberösterreich
info] Wenn die Zeit kommt, dass der Hafer eingefahren wird, braucht man in den Häusern wieder künstliches Licht. In Oberösterreich zündet der Bauer an dem Tage, wo das erste Fahrtl Hafer eingefahren worden ist, das erstemal beim Abendessen Licht an.

Das erste höhere Bedürfnis, was ich nach meiner Krankheit empfand, war nach Musik, das man denn auch, so gut es die Umstände erlaubten, zu befriedigen suchte.
Goethe (1749-1832), An J. F. Reichardt, 5.2.1801

Das erste Huhn find (bekommt) das erste korn.

Das Erste in der Liebe ist der Sinn füreinander, und das Höchste der Glauben aneinander.
Friedrich Schlegel

Das erste ist der Mutter Rad (= Kind), das hintere des Vaters Rad.
Estland

Das erste ist immer das beste.

Das erste Kalb geht hinter den Zaun (= misslingt).
Estland

Das erste Kalb hat Durchfall.
Estland

Das erste Kalb verreckt immer.
Estland

Das erste Kalb wird ja nicht die Herde vergrößern.
Estland

Das erste Kind - der Bauer kam; der zweite Sohn - der Knecht ist da; der dritte Sohn - der Hirtenknabe ist von sich aus da - dann noch fünf, die das Haus berauben, nichts bleibt mehr übrig, als die Wandbalken.

Das erste Kind der menschlichen, der göttlichen Schönheit ist die Kunst. In ihr verjüngt und wiederholt der göttliche Mensch sich selbst.. So gab der Mensch sich seine Götter.
Friedrich Hölderlin (1770-1843), Hyperion

Das erste Kind ist der Kamerad des Vaters.
Bantu

Das erste Kind ist der Liebe Kind, die anderen kommen bloß hinterdrein.

Das erste Kind musste ein Sohn sein, dann war der Mann ein ganzer Kerl.
Estland

Das erste Kind, welch Glück und Ehr, das zweite freut die Eltern sehr, das dritte heißt man froh willkommen, das vierte wird auch angenommen, das fünfte ist schon überzählig, beim sechsten seufzt und klagt man schmählich, das siebente endlich wird fatal, ein armes achte gar zur Qual, das neunte - nein, nun wird's zu viel, das zehnte - setze Herr ein Ziel, ein elftes noch, dass Gott erbarm, das zwölfte, weh, das macht uns arm, und dennoch kaum nach Jahresfrist, das letzte Kind das liebste ist.

Das erste Kindbett zerstört den Busen, das zweite das schöne Gesicht, das dritte raubt auch das Haar.
Russland

Das erste Lachen ist keins, das letzte Lachen ist es, das zählt.
Jamaika

Das erste Lied singt sich nicht leicht.
bm] První pésničky pĕní nebývá bez zapýření.

Das erste mal ist's geschenkt.
info] Mehrmals wird nicht verziehen. Was das erstemal nicht geht, gelingt zum andern.
dä] Vil det ei engang, saa vil det en anden gang.

Das erste Mal sucht man, das zweite Mal schlachtet man, das dritte Mal sammelt man.

Das erste misslingt immer.

Das erste Pfand das beste.
info] Insofern der zweite Gläubiger erst etwas erhalten kann, wenn der erste befriedigt ist.
ho] De eerste zijn de beste panden, niets toch gaat voor de eerste trouw.

Das erste Pflügen des Brachfeldes kann der Hirtenknabe verrichten, aber das Nachpflügen oder das zweite Pflügen muss ein Mann vollziehen.
Estland

Das erste Sandkorn durchs Glas kürzt die Zeit wie das letzte.
dk] Det første sand igiennem glasset korter tiden saavel som det sidste.

Das erste Schulrecht soll man nicht berafflen.

Das erste Spiel gemacht haben.
fr] Avoir le premier jeu de la partie.

Das erste Stadium der Narrheit ist, sich für weise zu halten.
Bosnien

Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Mephisto) Vs 1412

Das erste Stück der Sparsamkeit ist ein wirtlich Weib.

Das erste Tausend ist schwerer zu gewinnen, als die zweite Million.

Das erste und Grundgesetz der Natur geht dahin, dass man den Frieden suche, soweit er zu haben ist; wo dies nicht möglich ist, soll man Hilfe für den Krieg suchen.
Hobbes, Vom Bürger

Das erste und letzte Stoof gehört dem Brauer.

Das Erste und Letzte, was vom Genie gefordert wird, ist Wahrheitsliebe.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 382

Das Erste und Vorzüglichste in der Musik, welches mit wunderbarer Zauberkraft das menschliche Gemüt ergreift, ist die Melodie.
E. T. A. Hoffmann, Kreisleriana

Das erste und Wichtigste im Leben ist, dass man sich selbst zu beherrschen sucht, dass man sich mit Ruhe dem Unveränderlichen unterwirft, und jede Lage, die beglückende wie die unerfreuliche, als etwas ansieht, woraus das innere Wesen und der eigentliche Charakter Stärke schöpfen können. Daraus entspringt dann die Ergebung.
W. v. Humboldt (1767-1835), Briefe an eine Freundin 5.6.1832

Das erste Urteil vor Gericht heischt Vorgang der Entscheidung.
ndt] Dat erste ordel van den richte eschet vorgan der schedinge.

Das erste von der Bühne herab ist Verständlichkeit; daher ist die vollständige Aussprache jeder Silbe, um so mehr jedes erforderlichen Wortes nötig. Nichts darf dem Zuhörer vorenthalten werden, damit er hauptsächlich verstehe, was zu verstehen ist.
Goethe (1749-1832), H. Schmidt, März 1801

Das erste Wasser ist es, das naß macht.
Italien

Das erste Wasser macht nass.
it] La prima acqua e quella, che bagna.

Das erste Weib kommt von Gott, das zweite von den Menschen, das dritte vom Teufel.
pl] Pierwsza źona od boga, druga od ludzi, trzecia od diabła.

Das erste Weib kommt von Gott, das zweite von Menschen, das dritte - vom Teufel.

Das erste Zeichen von Verstand: ein Ding nicht zu beginnen, das zweite, das Begonnene zu Ende zu führen.
Indien

Das erste, das man bei einer Abmagerungskur verliert, ist die gute Laune.

Das Erste, was die Gnade tut, ist dies: Sie verleiht göttliches Sein.
Thomas von Aquin, Kommentar zum Sentenzenbuch des Petrus Lombardus

Das Erste, was ein aufrichtiges Gemüt aus der Betrachtung alter Fabel und Sage lernen kann, ist, dass hinter ihnen kein eitler Grund, keine Erdichtung, sondern wahrhafte Dichtung liegt.
Jacob Grimm, Gedanken über Mythos, Epos und Geschichte

Das Erste, was im Krieg auf der Strecke bleibt, ist die Wahrheit.
Hiram Johnson

Das erstemal ist es eine Gefälligkeit, das zweitemal eine Regel.
China

Das erstmol is Cheen, das zwaatmol schön, das drittmol schlagt mer uf die Zähn.
Jüdisch-deutsch
info] Witze und Neckereien, wie anmutig sie anfänglich sein mögen, sie werden später lästig

Das ertrage, wem's gefällt.
Mozart-Da Ponte, Don Juan I, 1

Das Erwartete bleibt gewöhnlich unter der Erwartung.
Kotzebue, Falsche Scham

Das Erworbene wahren.
la] Parta tueri.
Ovid, Ars am

Das Erz hat Heimweh. Und verlassen
Will es die Münzen und die Räder,
Die es ein kleines Leben lehren.
Und aus Fabriken und aus Kassen
Wird es zurück in das Geäder
Der aufgetanen Berge kehren,
Die sich verschließen hinter ihm.
Rainer Maria Rilke (1875-1926), Das Stundenbuch

Das Erz verdrücket sich oder schneid sich gar ab, wens ein böss Aug ansihet, oder ein Diebisch oder Manschlechtige Hand nach schlecht oder angreifft, oder ein böser Wind auss einem Vnwarhafftigen Mund anwehet.

Das Erzählen setzt Zuhörer voraus und fordert vom Erzähler eine Courage, welche er nur aufbringt, wenn ihn und seine Zuhörer ein gemeinsamer Raum, eine gemeinsame Gesellschaft, Sitte Sprache und Denkart umschließt.
Hermann Hesse, Unterbrochene Schulstunde

Das Erziehen der Menschen sei nichts anders als das Ausfeilen des einzeln Glieds an der großen Kette, durch welche die ganze Menschheit, unter sich verbunden, ein Ganzes ausmache.
Johann Heinrich Pestalozzi, Lienhard und Gertrud

Das Eselein i-aet wie der Esel.

Das Eselsfest feiern.
info] Schon im 9. Jahrhundert findet man Spuren von dem Eselsfeste in Frankreich, welches viele Jahrhunderte dauerte, ohne dass es abgeschafft werden konnte. Man beging das zum Gedächtnis der Flucht der Jungfrau Maria nach Ägypten. Man suchte das schönste Mädchen in der Stadt aus, putzte es so prächtig als möglich und gab ihr ein ordentliches Knäblein in den Arm. Hierauf setzte man es auf einen kostbaren angeschirrten Esel und führte es in diesem Aufzuge unter Begleitung der Geistlichkeit und des Volkes in die Kirche oder Hauptkirche, wo der Esel neben den hohen Altar gestellt wurde. Mit großem Pomp ward die Messe gelesen, doch jedes Stück derselben: das Kyrie, Gloria und Credo mit dem lächerlichen Refrain: Hinham, hinham geendigt. Schrie der Esel zufällig dazu, desto besser. Wenn die Zeremonie zu Ende war, sprach der Priester nicht den Segen oder die gewöhnlichen Worte, mit denen er das Volk sonst auseinander gehen ließ, sondern er iate dreimal wie ein Esel und das Volk, anstatt sein ordentliches Amen zu singen, iate ihm dreimal wieder entgegen.

Das Esoterische schadet nur, indem es exoterisch zu werden trachtet.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 728

Das Essen (o. Fass) bringt mehr um als das Schwert.

Das Essen des anderen schmeckt süßer.
Walisisch

Das Essen ist für sich selbst, die Kleider für andere zu betrachten.
Estland

Das Essen ist mehr als wir.
Estland

Das Essen kommt ihm nicht in die Kehle.
nl] Dat eten kommt hem in de keel niet.

Das Essen meist am besten schmeckt am Tisch, den andere gedeckt.

Das Essen schmeckt am besten, wenn man es mit dem eigenen Löffel isst.
Dänemark

Das essen und auch frischer trunck schmeckt wol nach einem Jägersprung.

Das Essen vom Herd wegholen
info] Schmarotzer
la] cibum e flamma petere

Das Essen, das ist für mich gemacht;
Das Trinken, das ist für mich erdacht!
Für mich wird Küch' und Keller bestellt;
Zum Essen und Trinken kam ich zur Welt.
Calderon, Das Festmahl des Belsazar, Gedanken

Das Essen, nicht das Trinken
Bracht uns ums Paradies.
W. Müller, Die Arche Noah

Das Etikett 'Homo sapiens' ist die groteskeste Form der Hybris, die sich denken lässt.
Hoimar von Ditfurth

Das etymologische Spiel [..] ist das witzigste Spiel von der Welt und übt den Sprachsinn unglaublich.
Goethe (1749-1832), Italienische Reise III, Dezember 1787 - Moritz als Etymolog

Das euch botzmarter alle miteinander ob einem haufen schend.

Das Euter ist der Milch Spiegel.
Estland

Das Evangelium den Wölfen predigen.
info] Unverbesserliche verbessern wollen

Das Evangelium ist die beste newe Zeitung.

Das Evangelium ist nicht der Welt Müntz.

Das Evangelium muss nach brot gehen.
info] Ursprünglich wurden die kirchlichen Handlungen unentgeltlich verrichtet, man begnügte sich mit freiwilligen Gaben, die Kirchenversammlungen des 10. Jahrhunderts erklärten sogar das Sportelnehmen für solche als großes Unrecht. Da die freiwilligen Gaben aber immer spärlicher flossen, so wurden sie später nur gegen Bezahlung verrichtet. Das Evangelium ging nach Brot.

Das Evangelium nach Lukas 6, 44: 'Ein jeglicher Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt.')

Das ewig gut macht rechten mut.

Das ewig Wirkende bewegt
Uns unbegreiflich, dieses oder jenes
Als wie von ohngefähr zu unserm Wohl,
Zum Rate, zur Entscheidung, zum Vollbringen,
Und wie getragen werden wir ans Ziel.
Dies zu empfinden, ist das höchste Glück,
Es nicht zu fordern, ist bescheidne Pflicht,
Es zu erwarten, schöner Trost im Leiden.
Goethe (1749-1832), Natürliche Tochter A V Sz 7 (Mönch) Vs 2704f.

Das Ewige ist, den blauen Bergen gleich, die Grenze für die Zeitlichkeit, wer aber kraftvoll in der Zeitlichkeit lebt, gelangt nicht zur Grenze.
Søren Kierkegaard, Der Begriff Angst

Das ewige Licht leuchte ihnen, Herr!
info] Totenmesse
la] Lux aeterna luceat eis, Domine.

Das Ewige regt sich fort in allen:
Denn alles muss in Nichts zerfallen,
Wenn es im Sein beharren will.
Goethe (1749-1832), Gott und Welt - Eins und Alles

Das ewige Ringen zwischen Gut und Böse ist ein ungleicher Kampf: man braucht ein Jahrhundert, um das zu erbauen, was an einem Tag zerstört werden kann.
Rolland, Über dem Getümmel

Das ewige Rom.
Tibull II, 5, 23

Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume erschreckt mich.
Pascal, Gedanken

Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinab.
Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse

Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.
Goethe (1749-1832), Faust II A V, Bergschlucht (Choras mysticus) Vs 12110

Das Exil verdammt dazu, sich selbst zu überleben: Der Abschied, die Trennung, alles geschieht wie im Augenblick des Sterbens, und doch wohnt man dem allen in voller Kraft des Lebens bei.
Germaine Baronin von Staël, Über Deutschland

Das Existierende zu berichten ist leicht, und aus dem bereits Geschehenen mutmaßend über die Zukunft zu prophezeien ist bequem.
Polybios von Megalopolis, Weltgeschichte, 6. Buch, Einleitung

Das Fackel tränken.
info] Beim Brecheln herrscht der Brauch, dass man einer Brechlerin ein Kränzchen von halbgebrecheltem Flachs heimlich an den Kittel hängt, das Kränzchen heißt Fackel oder Bär. Ist dies geglückt, so geht einer nach Wasser, um das Fackel zu tränken, wobei dann das Wasser der Betreffenden gewöhnlich unter den Kittel hinaufgegossen wird.

Das fädelt sich nicht an wie Perlen.
info] Geht nicht am Schnürchen
fr] Cela ne s'enfile pas comme des perles.

Das fahle Pferd reiten.

Das Fähnlein der sieben Aufrechten.
Gottfr. Keller, Züricher Novellen (1878). Bd. 2. Titel einer Erzählung

Das fahre ins Holz.
info] So sagt man, wenn man von einer Sache schweigen will

Das fähret ihm in die Nasen.

Das fährt wie Wutschgedreck.
Schlesien

Das Falbel (fallende Übel; Fallübel; Epilepsie) geh dich an!
info] Wer dem anderen alles Böse, hier die Fallsucht, wünscht
fr] Que les fièvres quartaines t'attrappent.

Das Fallen ist keine Kunst, aber das Wiederaufstehen.

Das fällt auf'n heißen Stein.
info] Davon wird nicht lange etwas übrig bleiben.

Das fallt in den bordierten Hut.
Oberösterreich

Das fällt mer net im Schlaf ein.
Schwaben
info] Daran ist nicht zu denken.
ho] Het is hem in den slaap geschied.
la] Ne per somnium quidem.

Das fällt mir im Traum nicht ein.
info] Das Tue ich in keinem Fall.
dä] Han maatte drømt det.
dä] Jeg kunde ei engang drømme derow.
la] Ne per somnium quidem.

Das fällt mir nicht ein, und wenn i mi uff a Kopf stell.
Rottenburg

Das fällt mir nicht im Traum ein
en] I wouldn't dream (o. think) of doing it - catch me doing that!
fr] je suis bien loin d'y penser
it] non ci penso nemmeno

Das fällt von (o. kommt aus) der Kiste in die Beilade.
ndt] Dat fallt vun (o. kumt ût) de Kiste in de bylade.
info] Wenn unter Eheleuten Gütergemeinschaft herrscht. Wenn etwas Verlorenes wieder zufällt, der Mann von der Frau im Spiel gewinnt. Die Kiste oder Lade hat ein abgeteiltes Fach, in welchem Kleinigkeiten aufbewahrt werden, die nicht wohl unter die Wäsche und Kleidungsstücke gepackt werden können, welche den Inhalt der großen Hauptabteilung bilden. Wollte man sie aber oben auflegen, so hätte man die Unbequemlichkeit, sie jedesmal herausnehmen zu müssen, wenn man ein Stück von jenen hervornehmen will. Zum Inhalte der Kiste gehört aber ja auch der der Beilade, wie der Teil zum Ganzen. Angewandt wird das Wort auf das Eigentum der Frau im (dadurch abgeleugneten, als unwesentlich bezeichneten) Gegensatz zu dem des Mannes. Häufig wenn z.B. kleine Wirtschaftseinkünfte (Butter- und Eiergeld u.s.w.) an den Mann bezahlt werden und die Frau, dagegen Einspruch erhebend, dies als ihr zukommend bezeichnet.

Das fällt weg, wie dem Kapuziner der Haarbeutel.

Das Fallübel (Epilepsie) gehe den an, ders will besser machen, denn ers kan.

Das Falsche (der Irrtum) ist meistens der Schwäche bequemer.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen

Das Falsche aber schmiegt sich an jede träge, bequeme oder törichte Individualität an, ist wie ein Firniß, mit dem man leicht alles übertüncht.
Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 17.5.1829

Das Falsche hat den Vorteil, dass man immer darüber schwätzen kann, das Wahre muss gleich genutzt werden, sonst ist es nicht da.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 587

Das Falsche kann sogar eine Zeitlang kursieren, bis sich endlich das Wahre herstellt, man weiß nicht wie.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Französisches Schauspiel in Berlin

Das falsche oder unrichtige Auswendiglernen ist bei vielen Schauspielern Ursache einer falschen und unrichtigen Aussprache. Bevor man also seinem Gedächtnis etwas anvertrauen will, lese man langsam und wohlbedächtig das zum Auswendiglernen Bestimmte.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Regeln für Schauspieler § 17

Das Falsche, kunstvoll dargestellt, überrascht und verblüfft, aber das Wahre überzeugt und herrscht.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Unterdrückte Maximen

Das Familienglück verschlingt mich mit Haut und Haar, ich kann es mir aber nicht leisten, untätig zu sein.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1863)

Das Farnkraut hilft gegen acht Arten von Zauberei.
Estland

Das Fass gibt den Wein, den es hat.
it] La botte dà il vino che ha.

Das fass kan nicht lenger Wein geben, als drin (bis er heraus) ist.

Das Fass liegt ihm auf der Nase.

Das Fass nennt man nach dem Wein und nit den Wein nach dem Fass.

Das Fass riecht (o. schmeckt) nach dem (ersten) Wein.
en] The barrel smells after the fist wine.
fr] La caque sent toujours le hareng.
it] La botte sa (da) del vino ch' ella ha.
it] Il mortaio sente sempre l'aglio.
kroat] Cim se nov sud napuni, na ono uvek udara.
la] Quo semel est imbuta recens, servabit odorem testa diu.
por] Cada cuba cheira ao vinho que tem.
sp] Cada cuba huele al vino que tiene.
sp] La cuba huele al vino que tenía.

Das Faß riecht nach dem ersten Wein.
en] The barrel smells after the fist wine.
fr] La caque sent toujours le hareng.
it] Il mortaio sente sempre l'aglio.
la] Quo semel est imbuta recens, servabit odorem testa diu.
sp] La cuba huele al vino que tenía.

Das Fass riecht stets nach dem Hering.
info] Eine gemeine Herkunft, eine schlechte Erziehung verbirgt sich nie ganz

Das Faß schmeckt nach dem Wein.

Das Fass voll, und die Schwiegermutter betrunken.

Das Fass weiß am besten, was es für Wein hat.

Das Fass zu den Fischen.
info] Eine Redensart, der man sich nach Eiselein bedient, um sich zu entschuldigen, dass man keine bessern Speisen vorsetze, weil man das Geschirr zum Kochen nicht habe

Das Fässchen läuft schon trübe.
info] Das Leben geht auf die Neige
z] Wenn uns die Pekinger Staatszeitung jemals die Nachricht bringen sollte, dass auch die Mandschu Tresorscheine auszugeben begonnen hätten, dann dürfen wir sicher annehmen, dass ihr Fässchen bereits trüber läuft.

Das Fassliche gehört der Sinnlichkeit und dem Verstande. Hieran schließt sich das Gehörige, welches verwandt ist mit dem Schicklichen. Das Gehörige jedoch ist ein Verhältnis zu einer besondern Zeit und entschiedenen Umständen.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 333

Das Fassliche ist der Grund [des Gesetzes der drei dramatischen Einheiten des Ortes, der Zeit und der Handlung], und die drei Einheiten sind nur insofern gut, als dieses durch sie erreicht wird.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 24.2.1825

Das Fassliche wird uns immer zuerst ergreifen und vollkommen befriedigen..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Antik und Modern

Das Fasten ist wie der Faster.
info] Die Gesinnung gibt der Handlung den Wert

Das Fatum, das uns drückt, ist die Trägheit unsers Geistes. Durch Erweiterung und Bildung unsrer Thätigkeit werden wir uns selbst in das Fatum verwandeln.
Novalis, Anekdoten

Das Faulbrot essen.

Das faule Kind liegt auf der Darre, das gute Kind liest ein Buch.
Estland

Das Fazit wird anderst herauskommen.

Das Fegfeuer ist eine fette gute scheuer.

Das Fegfeuer ist nicht für Ketzer.
z] Dass allein die gut katholisch in das Fegfever kommen thäten, das vor sie und nicht vor die Lutherische und Calvinische gemacht wäre.

Das Fegfeure der Heiligen ist jhr täglich buss und Creutz und das absterben des alten Adams.

Das Fehlen bloß eines einzigen Kommas bewirkt oftmals, dass, was als ein Axiom gedacht war, sich als ein Paradoxon präsentiert, oder dass ein Sarkasmus urplötzlich Moral zu predigen scheint.
Edgar Allan Poe, Marginalien

Das Fehlen einer spontanen und versöhnlichen Religion schafft die Notwendigkeit des Priesters und gibt ihm seine Macht.
Alex. Vinet, Education, famille et société

Das Fehlen von Wissenschaft, das heißt Unkenntnis von Ursachen, macht dazu geneigt, oder besser, zwingt dazu, sich auf den Rat und die Autorität anderer zu verlassen.
Thomas Hobbes, Leviathan

Das Feigenblatt des Neides ist sittliche Entrüstung.
Karl Kraus, Der Fall Riehl

Das feil ist, das muss man loben.

Das Feine ist schön zu tragen, das Feine ist schlimm zu weben, das Feine ist schlecht zu waschen.

Das feine Tuch wird so gut von den Motten gefressen wie das grobe.
it] Ogni panno al fin si tarma.

Das feinste Mittel, dadurch die Natur Vielartigkeit und Bestandheit der Formen in ihren Gattungen verbannt, ist die Schöpfung und Paarung zweier Geschlechter. Wie wunderbar fein und geistig mischen sich die Züge beider Eltern in dem Angesicht und Bau ihrer Kinder!
Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Das feld bauen.
la] Colere agrum.

Das Feld behalten.
info] Siegen
ho] Hij behoudt het veld.
la] Palmam ferre, dextero vel amico Hercule pugnare.

Das Feld bezahlt nicht einmal Brotwasser.
Estland

Das Feld der realen Tätigkeit für die Armee ist der Krieg, ihre Entwicklung aber, ihre Gewöhnung und ihr längstes Leben fallen in den Frieden.
Helmuth Graf von Moltke, Verordnungen für die höheren Truppenführer (24.Juni 1869)

Das Feld der Wollust ist zwar mit Rosen überwuchert, sie tragen aber Dornen, den Disteln gleich.
Russland

Das Feld ergrünt, der Handel wogt lebendig,
Sobald ein Herrscher mächtig und verständig.
Goethe (1749-1832), Festzug 18.12.1818 - Epos

Das Feld freut sich auch dann, wenn man mit einem mistigen Wagen darüber geht (= fährt).
Estland

Das Feld hat Augen, der Wald Ohren.

Das feld hat augen, Die winckel und wäld ohrn.
en] Fields have eyes and woods have ears.
fr] Les bois mêmes (o. les murs) ont des oreilles.
ho] De bosschen hebben ooren, en de velden oogen.
it] Anche i boschi hanno orecchie.
it] Le siepi non hanno occhj, ma orecchie.
la] Campus habet oculos, silva aures.

Das Feld hat kein Vorhängeschloß.
Estland

Das Feld ist anderer Arbeiten Mutter.
Estland

Das Feld ist das Brot und Liebe die goldene Schüssel.

Das Feld ist der Herr, und der Mensch ist der Gast.
China

Das Feld ist des Bauern Milchkuh.
Estland

Das Feld ist einer Schale ähnlich: Wie man dahin hineinlegt, so trinkt man auch daraus.
Estland

Das Feld ist Gottes Tisch.
Estland

Das Feld ist gut, aber ein Verwandter lebt im Dorfe.
Marathi, Indien

Das Feld las unbestellt, die Wiese mäh, einen Knust leg zurück.
Estland

Das Feld lässt ausruhen, der Schwaden lässt Atem schöpfen.
Estland

Das Feld lässt sich nicht betrügen.
Estland

Das Feld leidet ja nicht unter der Dürre.
Estland

Das Feld macht den Bauern zum Held.
fr] Tant vaut l'homme, tant vaut sa terre. (Soviel der Mann wert ist, soviel ist sein Landgut wert)

Das Feld muss gut bearbeit wer'n, so tuts Fürste un Grofe ernähr'n.
Kurhessen

Das Feld muss schwächer sein als der Bauer.
info] Man muss seiner Aufgabe gewachsen sein
ndt] Das feld muss schwecher sein dann der baur.

Das Feld trägt ohne Bestellung kein Getreide und Getreideschößlinge wachsen nicht ungesät.
Estland

Das Feld verachtet nicht den trunksüchtigen Bauern, das Feld verachtet den handgewerblichen Bauern.
Estland

Das feld verlieren.
la] Sinistro Marte pugnare.

Das Feld will bis zum Grund bestellt, der Acker gut gedüngt werden.
Estland

Das Feld wird nicht mit einem Ochsen gepflügt.
Estland

Das Feld wird sich schon selbst ernten.
Estland

Das Feld, das allen gehört, wird immer von den Bären heimgesucht.
Georgien

Das Fell ist ihm durch die Haare gewachsen.
info] Von einem Kahlkopf

Das Fell zittert, wenn andere geschoren (o. gegerbt) werden.
Litauen

Das felt so weit biss in Holland.

Das Fenster, so der Mauer oder Zimmermann gelassen.

Das fensterliebende Mädchen wird Läuferin oder gar Verkäuferin.
Spanien

Das Ferkel braucht nicht des alten Schweines Trog.
Estland

Das Ferkel im Sacke kaufen.

Das Ferkel legt sich nieder, so man ihm an dem Bauche kratzt.

Das Ferkel reizt so lange den Köter, bis der Köter dem Ferkel ins Bein beisst.
Estland

Das Ferkel wächst im Kot auf, das Küchlein im Zimmer.
Estland

Das Fernsehen ist eine Einrichtung, mit deren Hilfe Leute, die nichts tun, andere Leute beobachten, die nichts tun können.
Allen

Das Fernsehen ist eine Infektion der Seele.
Federico Fellini

Das Fernsehen rettet weit mehr Ehen, als es zerstört, schon allein dadurch, dass die Partner interessiert schweigen, statt sich gegenseitig durch langweilige Konversation anzuöden.
Georges Lacombe

Das Fernsehen sorgt dafür, dass man in seinem Wohnzimmer von Leuten unterhalten wird, die man nie einladen würde.
Shirley MacLaine

Das Fernsehen: .. eine Rache des Theaters an der Filmindustrie.
Ustinov

Das Fernsein ist der Feind der Liebe.
fr] L'absence est l'ennemi de l'amour.

Das Fernste zuerst, das Nächste zuletzt.
[RSpW]
info] Von der Reihenfolge der Teilung mehrerer Erbgüter. Nach dem Schulzenrecht des Westerlauwischen Frieslandes kamen die entferntest gelegenen Erbgüter zuerst zur Erbteilung
altfries] Dat fyrste aller aerst ende dat nest aller lest.

Das Fersengeld ist oft die beste Münze.

Das Fest feiert man lange nicht mehr.
fr] C'est une vieille feste que l'on ne feste plus.

Das Fest findet immer Menschen, warmes Wasser ein Gefäß.
Estland

Das Fest hat man ihm nicht bereitet.
fr] C'est pour vous que l'on fait la feste.

Das Fest ist feil,
Wird nicht das Mahl durch Freundlichkeit gewürzt,
Durch Willkomm erst geschenkt. Man speist am besten
Daheim; doch auswärts macht die Höflichkeit
Den Wohlgeschmack der Speisen, nüchtern wäre
Gesellschaft sonst.
en] The feast is sold
That is not often vouch'd, while 'tis a-making,
'Tis given with welcome. To feed were best at home;
From thence, the sauce to meat is ceremony,
Meeting were bare without it.
Shakespeare (1564-1616), Macbeth III,4

Das Fest wird erst schöner, wenn es weniger Gäste werden.
Finnland

Das Festhalten an Grundsätzen verdient weder Lob noch Tadel. Es ist nur die Beständigkeit von Neigungen und Ansichten, die man selbst weder erwirbt noch ablegt.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Das Festhalten und Befolgen der Grundsätze, den ihnen entgegengesetzten Motiven zum Trotz, ist Selbstbeherrschung.
Schopenhauer

Das Fett der Leber einer Aalraupe ist gut gegen Augenleiden.
Aberglaube

Das Fett des Krokodils schmilzt nicht.
info] Ihm ist nichts anzuhaben
Duala (Bantu)

Das Fett ist 'runter von Löbejün.
info] Eine kleine Stadt des Saalkreises im Regierungsbezirk Merseburg (Preußen), in dessen Steinkohlenbergwerke das Beste bereits ausgebeutet sein soll. Daher um zu sagen: die größten Vorteile sind weg, der reichste Gewinn ist gezogen.

Das Fett von den Lippen abschöpfen.
info] Ein Mädchen zuerst küssen, mit sinnlichen Nebenbegriffen

Das Fett will allzeit oben schwimmen.

Das fette Kalb schlachten.
info] Eine Gasterei anstellen.
fr] Tuer le veau gras.

Das fette will alzeit oben schwimmen.
info] Wird gebraucht, um den stärkeren Einfluss, die größere Wirksamkeit und die Vorrechte anzuzeigen, die Reichtum, Stand, Ansehen, auch wohl Familie geben, und um den Erfolg vorherzusagen, wenn der Arme, Unbekannte, Geringe, folglich auch meistens Mutlose, mit dem Gelehrten, Reichen u.s.w. in unangenehme Berührung kommt, nämlich dass der erstere gegen den letztern zurückstehen und verlieren werde.
la] Majorem vitato virum.

Das Fette will einen Vorteil haben.
z] Fette will immer oben schwimmen und einen vorteil haben.

Das Fette wird leicht garstig (o. ranzig).

Das Feuer braucht ein hohles Herz, der Mensch ein Herz mit Saft und Kraft.

Das Feuer brennt den Russ und der Russ die Pfanne.

Das Feuer brennt nur dort wo es hinfällt.
info] Eine Katastrophe erschüttert nur die direkten Opfer

Das Feuer der Begierden gleicht dem Strohfeuer; sobald es brennt, hat es auch schon seine größte Höhe erreicht.
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Das Feuer des Holzes erlischt, das Feuer der Liebe brennt ewig.

Das Feuer ergreift Werch.
info] Die Gemüter sind leidenschaftlich aufgeregt
fr] Mettre le feu aux étoupes.

Das Feuer erhebt sich, das Wasser senkt sich.
Estland

Das Feuer erlischt, der Feuerbrand geht aus.
Estland

Das Feuer erprobt das Gold, das Gold den Richter.

Das Feuer fängt mit Funken an.

Das Feuer fängt vom Funken an, vom Funken brennt das (ein) Haus.

Das Feuer fängt vom Funken an, vom Funken brennt das Haus.

Das Feuer fängt vom Funken an, vom Funken brennt das Haus.
mhd] Von einem glimme ein halm enbran, von einem halme ein schiure, sô daz man schaden grôz gewan von uugefüegem fiure.
fr] De petite scintille s'enflambe une ville.
fr] Il ne faut qu'une étincelle pour causer le plus grand incendie.
it] Di una picciola scintilla s'infiamma una città.
la] Una scintilla perit haec domus et perit illa.
un] Egy szikra a várost is megemésztheti.

Das Feuer geht ihm aus.

Das Feuer glimmt unter der Asche fort.

Das Feuer hab' ich angezündet, sagte die Gans, als sie ihr Kötel rauchen sah.
nl] Dat vuurtje heb ik gestookt, zei de gans, en zij sch .. op het ijs.

Das Feuer hat je einen krummen Gang, wie der Hinkende.

Das Feuer hat keinen Bruder.
Kenia, Hamitisch

Das Feuer hilft dem Koch.
nl] Het vuur helpt den kok.

Das Feuer in Stoppeln knistert sehr, hält aber keine Glut.
Luther
info] Die Freude der Narren und Boshaften währt nicht lange

Das Feuer ist aller Herr.
Estland

Das feuer ist dem rauch am nechsten.

Das Feuer ist ein Dieb.

Das Feuer ist ein Dieb.
info] Mit Bezug auf Brandstiftung, weil in ihr wie beim Diebstahl der verabscheute Charakter der Heimlichkeit liegt

Das Feuer ist ein Feind, den man zu fürchten hat.
Estland

Das Feuer ist ein guter Diener, aber ein schlechter Meister.
fr] Schweiz: Le fû l'iest on bon dierson, ma on crouïou maitre.

Das Feuer ist ins Dach geschlagen.
info] Der Kopf ist leidenschaftlich erregt

Das Feuer kann man löschen,
Das Feuer brennt so sehr,
Die Liebe nicht vergessen,
Je nun und nimmermehr.
Des Knaben Wunderhorn, Der Liebe Glück

Das Feuer kann nichts als brennen.
fr] Nul feu froid, le soleil n'est obscur.

Das Feuer kannst du verbergen, aber was machst du mit dem Rauch?
Schwarze in den USA

Das Feuer liegt noch unter der Asche.

Das Feuer macht den Koch.
fr] Le feu ayde le quen (cuisinier).

Das Feuer macht des Feuers Arbeit.
Estland

Das Feuer mit Öl (o. Stroh) löschen.
info] Übel ärger machen
la] Oleum camino addere.

Das Feuer mit Öl löschen.

Das Feuer mit Wagen wiegen.
la] Voluntatem absconditam investigare.

Das Feuer muss man beim Nachbar und nicht über Feld holen.

Das Feuer muss man nicht besprechen, sondern begießen.

Das Feuer nähren
la] flammam alere

Das Feuer nicht zehrt, sondern bewährt.
info] Es ist in Westfalen Sitte, nicht bloß Gebäude, sondern auch Möbel und allerhand Geräte mit Sprüchen zu versehen. Der obige gehört einer Kuchenform an

Das Feuer peitschen.
info] Von überflüssiger, unnützer, undankbarer Arbeit.
var] Den Aal beim Schwanz fassen (o. halten).
la] Obterere pavimentum.

Das Feuer sagte: 'Jedesmal, wenn du zu mir kommst, wirf einen Ast auf meine Stätte'.
Estland

Das Feuer schüren
la] alere flammam

Das Feuer soll einst gesagt haben. 'Wenn ich klein bin, dann haltet mich, wenn ich groß werde, dann kommt nicht in meine Nähe'.
Estland

Das Feuer steckt auch Paläste (und Kirchen) an.

Das Feuer steckt auch Palläste und Kirchen an.

Das Feuer und die Kinder muss man am meisten hüten.

Das Feuer und die Liebe sagen nicht: gehe zu deiner Arbeit, denn sie nehmen in Anspruch.
Spanien

Das Feuer verbrennt die Stelle, auf die es fällt.
tü] Ateş düştüğü yeri yakar.

Das Feuer verbrennt nur den Fuß dessen, der darauf tritt.

Das Feuer verzehrt den, der es entfachte.

Das Feuer verzehrt eher eine Strohhütte als einen Palast.
info] Der Arme wird vom Unglück am ersten und empfindlichsten betroffen

Das Feuer vom Himmel holen.

Das Feuer weiß nicht, wessen Kappe (o. Mütze) brennt.

Das Feuer wird das Fett finden.

Das feuer wirdt durch seine aigne Aschen erhalten.
la] Suis ignis cineribus alitur.

Das Feuer wollen auslöschen und die Funken in der Asche lassen, ist nicht weisen Mannes Werk.

Das Feuer ziert den Krieg, wie das Magnificat die Vesper.
info] Albrecht der Jüngere von Brandenburg, ein kleiner Louvois

Das Feuer, das den Bart ergriffen, wird auch das Haupthaar verzehren.

Das Feuer, das den Leib erwärmt, kann auch den Leib verbrennen.

Das feuer, das Meer und ein Weib sind drey böse Ding.

Das Feuer, das mich nicht brennt, lösch ich nicht.

Das Feuer, das mich nicht brennt, lösche ich nicht.

Das Feuer, die Liebe und den Husten erkennt man rasch.
it] Il fuoco, l'amore e la tosse presto si conosce.

Das Feuerchen brennt im Ofen - die Christenmenschen kommen.
Estland

Das Feuilleton ist die Unsterblichkeit eines Tages.
Ludwig Speidel

Das feurige Pferd zehrt den Reiter auf.
Italien

Das Fieber der Jugend hält den Rest der Welt auf Normaltemperatur.
Georges Bernanos

Das Fieber der Jugend hält den Rest der Welt auf Normaltemperatur.
Georges Bernanos (1888 - 1948)

Das Fieber lest sich nicht dreymal anschreiben.
info] Es bekommt's keiner dreimal in seinem Leben

Das Fieber überfällt die schwachen Mägen, und Frömmelei die schwachen Krägen (o. Köpfe).

Das Fiedeln, Schreien, Kegelschieben
Ist mir ein gar verhasster Klang,
Sie toben, wie vom Bösen Geist getrieben,
Und nennen's Freude, nennen's Gesang.
Goethe (1749-1832), Faust I (Wagner)

Das fiel aufs Butterbrot.

Das Filial gehört zu der Mutter, wie die Küchlein zur Henne.

Das Filztuch schätzt man erst, wenn es regnet.
tü] Abanın kadri yağmurda bilinir.

Das Finale singen.
info] Ein Ende machen

Das find ich gut, da ließe sich ein Pakt,
Und sicher wohl, mit euch, ihr Herren, schließen?
Goethe (1749-1832), Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1414

Das Finden ist nicht verboten.
info] Der Finder darf den Fund behalten
Duala (Bantu)

Das findet keine Zustimmung.
info] es wird nicht genehmigt
la] Non placet.

Das findet man nicht auf der Gasse.
fr] Cela ne se trouve pas dans le pas d'un cheval.

Das findet sich, sagt der Bauer.

Das finstere Gesicht schneidet den Lebensunterhalt ab.

Das Firmament ist der Thron aller Schönheit, wie auch der Mensch seinen Thron hat, die Erde nämlich.
Hildegard von Bingen, Welt und Mensch

Das Firmament kreist, und die Stunden zeigen beständigen Wechsel.

Das Fischlein möge man bestreuen mit seinem Bruder (Salz), seinem Vater (Wasser) zuführen, es genießen mit seinem Sohne (Saft, Brühe aus dem Fisch) und den Vater (Wasser) darauf trinken.
Hebräisch

Das Fitschel-Fetscheln.
info] Heucheln, Verleumden

Das Flattieren hilfft jetzt manchen herfür, der sonst müsst bleiben hinder der Tür.

Das Fleckchen an der Wang ist eine Zier, das schwarze,
Doch wenn es zu groß wird, so ist es eine Warze.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen

Das Fleisch an den Knochen ist süß, das Mädchen in der Morgendämmerung lieb.
Estland

Das Fleisch der Lerche (lodola) schmeckt jedem.
Toskana
dä] Hver hører helst sin egen roos.
dä] Ingen er som jo heller vil loves end lastes.
la] Nemo tam gnarus, qui non sit laudis avarus.
la] Omnes mortales sese laudarier optant.
la] Trahimur omnes laudis studio. Cicero
sd] Hwem hörer icke giärne sitt egit roos.

Das Fleisch der Schwachen ist die Kost der Starken.

Das Fleisch des alten Pelikans wird dir weich schmecken, wenn du zwei Tage hast hungern müssen.
Tartaren

Das Fleisch einer alten Jungfer fault nicht.
Estland

Das Fleisch essen die Herren, die Knechte müssen die Knochen nagen.

Das Fleisch hat seinen eignen Geist.
Frank Wedekind, Feuerwerk (Vorwort)

Das Fleisch ist bei dem Katholiken ebenso schnell aus dem Fass wie bei dem Protestanten.

Das Fleisch ist gut (für die Dauer), sagte Neumann, und aß die Sauce.
nl] Dat is lekkere peen, zei Lubbert, en hij at al het vleesch op.

Das Fleisch ist Kraut, das Kraut Wasser; die Männer sind Weiber, die Weiber nichts.
info] In Bezug auf die Einwohner von Valencia

Das Fleisch ist willig - aber der Koch ist schwach.

Das Fleisch ist zu zähe, sagte der hungernde Schusterbub, als ihn die Meisterin ins Gesicht schlug.
en] That's a bad pas, as the man said, when he saw a dancing master kicking his son.

Das Fleisch kauft man nach Pfunden, aber die Weiber nach der Hand.

Das Fleisch können alle essen, aber die Haut nicht alle tragen.
info] Was für den einen passt, passt darum nicht für alle. Es schickt sich nicht alles für alle

Das Fleisch muss hoch stehen, wenn's der Hund nicht erlangen soll.
dk] Flesket hænger ikke saa høit, at hunden ei agter sig beenet.
en] Flesh never stands so high, but a dog will venture his legs.

Das Fleisch sei auf dem Markte noch so schlecht, es findet seinen Knecht.
info] Der Appetit darauf hat. Trost für weibliche Personen, die sich nicht durch vorzügliche Eigenschaften auszeichnen

Das Fleisch um die Knochen herum, (und) eine Frau unter dem Nabel sind am süßesten.
Estland

Das Fleisch verlieren, um die Knochen zu behalten, ist töricht.
la] Stultitia perdere carnes propter ossa.

Das Fleisch vom Bratspieße wegessen.

Das Fleisch vom Wolfe kaufen.
Spanien

Das Fleisch von der Katze kaufen.
dk] Kiød af katten kiøbe.

Das Fleisch wächst nicht ohne Knochen und der Baum nicht ohne Äste.
Estland

Das Fleisch war so frech geworden in dieser Römerwelt, dass es wohl der christlichen Disziplin bedurfte, um es zu züchtigen. Nach dem Gastmahl eines Trimaikion bedurfte man einer Hungerkur gleich dem Christentum.
Heine, Romantische Schule

Das Fleisch wird wohlfeil werden, die Kälber sind geraten.
la] Vili pretio carnes ementur, multi enim vituli humi jacent.

Das Fleisch, dess man viel kriegt für wenig Geld, ist selten gut.

Das Fliegen geht an, aber das Niedersitzen ist des Teufels, sagte der junge Fuchs, als er vom Turm herabgeflogen und auf eine Hechel zu sitzen gekommen war.
info] Der junge Fuchs wollte durchaus trotz der Warnungen des alten fliegen. Er band sich ein Paar Hühnerflügel an, sprang zu den Turmfenstern hinaus und kam unten auf dem Lager eines Hechelmachers an. Als ihn der alte fragte, wie ihm das Fliegen gefallen habe, gab er die obige Antwort.

Das fliegen ist wohl sanfft, aber das nidersitzen tut weh.
info] Anspielung auf Ikaros

Das fliegende Pferd braucht keine Sporen.
es] Caballo que vuela, no quiere espuelas.

Das Fließen des Wassers und die Wege der Liebe haben sich seit den Zeiten der Götter nicht geändert.
Japan

Das fließt wie Wein aus einem hölzern Bein.
nl] Het vloeit als een fontein uit een' bezenstok.

Das flüchtige Leben gleicht einem Traum.

Das Flußpferd, das du sehen kannst, wirft dein Boot nicht um.
Südafrika

Das Flußpferd, welches du sehen kannst, wirft dein Boot nicht um.

Das Flüstem einer schönen Frau hört man weiter als den lautesten Ruf der Pflicht.
Pablo Picasso

Das Flüstern auf dem Kissen ist niemals gut.
Irland

Das flutscht wie ein Aal

Das Fohlen wird faul, wenn es geht mit dem alten Gaul.

Das folgt nicht daraus.
la] Non sequitur.

Das Forschen ist an sich schon beinah die Entdeckung. Man findet immer, wenn man innig genug sucht, auf jede dringlich gestellte Frage kommt schließlich die Antwort. Oft zu unserem Schmerz.
Klaus Mann, Der Wendepunkt

Das Fortreisen ist eine recht gute Sache, wenn nur das Wiederkommen nicht wäre.
Goethe (1749-1832), Eckermann, zeitlich unbestimmt

Das Fortue auff vier stimmen singen.
info] In Geld, Vermögen, Leben u.s.w. hineinstürmen

Das fortwährende Dasein des Menschengeschlechts ist bloß ein Beweis der Geilheit desselben.
Schopenhauer (1788-1860), Nachlaß, Neue Paralip.

Das fortwährende Zusammenwohnen mit dem Glück verblendet einen unverständigen Menschen; das Glück fegt seine Besonnenheit hinweg wie der Wind die Wolke im Herbste.
Dann packt ihn der Schönheitsdünkel und der Reichtumsdünkel: 'Ich bin hochgeboren, ich bin vollkommen, ich bin ein Übermensch.'
Mahâbhârata

Das Fragen hat man umsonst.
dk] Spørgsmaal koster intet.

Das Fragen ist die Frömmigkeit des Denkens.
Martin Heidegger

Das Fragen kostet nichts - aber die Antwort, sagt der Advokat.

Das französische esprit kommt dem nahe, was wir Deutschen Witz nennen. Unser Geist würden die Franzosen vielleicht durch esprit und âme ausdrücken. Es liegt darin zugleich der Begriff von Produktivität, welchen das französische esprit nicht hat.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 21.3.1831

Das französische Heer mit seinen ritterlichen Senegalesen ist der Friedenstifter und Beschirmer Europas.
H. G. Wells, Die Hoffnung auf Frieden

Das Frauenzimmer hat ein angebornes stärkeres Gefühl für alles, was schön, zierlich und geschmückt ist. Schon in der Kindheit sind sie gerne geputzt und gefallen sich, wenn sie geziert sind.
Immanuel Kant, Über das Gefühl des Schönen und Erhabenen

Das Frauenzimmer verrät sich nicht leicht, darum betrinkt es sich nicht. Weil es schwach ist, so ist es schlau.
Immanuel Kant

Das Frauenzimmer verrät sich nicht leicht; darum betrinkt es sich nicht. Weil es schwach ist, so ist es schlau.
Kant, Bruchstücke aus dem Nachlaß

Das Fräulein Adulatio trumpelt Kayser, Chur- Fürsten, Graffen und Obrigkeiten auffm maul, und müssen thun, was sie haben will.

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang.
Es rührte sie so sehre,
Der Sonnenuntergang.
Heine, Neue Seraphine

Das frei schaf frisst der wolff.
fr] Brebis mal gardée, du loup est tost happée.

Das Freie ist der Wille. Wille ohne Freiheit ist ein leeres Wort, so wie die Freiheit nur als Wille, als Subjekt wirklich ist.
Hegel

Das freie Meer befreit den Geist..
Goethe (1749-1832), Faust II A V, Palast
Mephisto Vs 11177

Das freie Meer
info] außerhalb der Küstengewässer
la] mare liberum

Das freie Schaf frisst der Wolf.

Das freie Wesen muss auch das ursprüngliche sein. Ist unser Wille frei, so ist er auch das Urwesen, und umgekehrt.
Arthur Schopenhauer (1788-1860), Zur Ethik

Das freiheitliche Schlagwort im Munde von Traditionshütern ist die größte Gefahr für die Revolution.
Erich Mühsam, Mittel der Revolution

Das Freisein von etwas erfährt seine Erfüllung erst in dem Freisein für etwas. Freisein allein um des Freiseins willen aber führt zur Anarchie.
Dietrich Bonhoeffer

Das Fremde ist wertvoll nur deshalb, weil es etwas Fremdes, also etwas Seltenes und Belehrendes ist.
Victor Auburtin (1870-1928), Das Fremde

Das fremde Kind sieht man (auch) in der Ecke, das eigene nicht mal auf dem Fußboden.
Estland

Das fremde Korn und die eigenen Kinder scheinen immer besser.
China

Das Fremde nimm, das Eigene laß (d.i. behalt).
Estland

Das fremde Schaf legt sich abseits der Herde.
tü] Yabancı koyun kenara yatar.

Das Fremde siehst du unter dem Walde, und das deinige siehst du nicht unter deiner Nase.
Galizien

Das Freudigste freudig zu sagen
misslingt häufig, weil das Freudigste solch einen überfreudigen Ausdruck annimmt, dass wir ihm nicht zu glauben vermögen.
Johannes R. Becher, Macht der Poesie

Das freut mich, wie den Hund 's Hachlleken.
info] Ganz und gar nicht

Das freut mich, wie die stotzmäre der trottertanz.

Das Friedenstiften ziemt des Greisen Sinn.
en] To be a make-peace shall become my age.
Shakespeare (1564-1616), König Richard II. I,1

Das Frischgewagte gerät nur.
Goethe (1749-1832), Hermann und Dorothea, IV, 247 (Euterpe)

Das frisst jhm das Herz abe.

Das frisst kein Brot.
info] So hört man oft von Dingen sagen, die man nimmt und verwahrt, weil sie keinen Unterhalt kosten wie Haustiere

Das frisst um sich wie der Wolf und Krebs.

Das fromme Glockenseil schämt sich zu keiner Frist, dass es ein loser Strick gewesen ist.

Das Froschquaken hält den Elefanten nicht vom Trinken ab.

Das fröwt (freut) mich, wie den stültzer der hoppentanz.

Das Frühere geht bald zu Ende, wenn nichts hinzukommt.

Das Frühere hat sich in der Welt verirrt, das Gegenwärtige ist eben vorhanden.

Das Frühere hilft nicht, wenn das Jetzige nicht taugt.

Das fuchst mich. Grünberg (Verdrießt mich, ist mir nicht recht)

Das Fuder, das umgefallen ist, muss man aufheben, beim stehenden Fuder ist es nicht nötig.
Estland

Das führe' sie nit aus, da is unser Harjet (Herrgott) dazwische'.
Jüdisch-deutsch (Wenn etwas gegen das Judentum, auch religiöse Neuerungen aus der eigenen Mitte, unternommen ward)

Das führt zu bösen Häusern.

Das Fuhrwerk eines Unglücklichen ist leicht umzuwerfen.
Schottland

Das Füllen ausjagen.
info] Soviel wie: das Kalb austreiben

Das füllt den Sack nicht.
nl] Dat vult den zak niet.

Das Fundament aller Staatskünste besteht darin, die Menschen zu täuschen über das, was ihr eigner Vorteil ist.
Mohr

Das Fundament des Rechts ist die Humanität.
Schweitzer

Das fünfte Rad am Wagen stört mehr, als dass es hilft.
fr] La cinquième roue de la charrette gêne plus qu'elle n'aide.

Das fünfte Rad am Wagen.
Frîdanc, Bescheidenheit ed. W. Grimm, No. 41
en] to be fifth wheel
fr] être la cinquième roue de la charrette
it] essere la quinta (o. l'ultima) ruota del carro - reggere il moccolo

Das fünfte Rad läuft nie die Spuren entlang.
Estland

Das fünfte Sein
info] Quintessenz
la] quinta essentia

Das Für und das Wider
la] pro et contra

Das Für und Wider wohl erwägen.
la] Ponere in utraque parte calculos.

Das Fürchterlichste ist, wenn platte unfähige Menschen zu Phantasten sich gesellen.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1012

Das Fürtreffliche wirkt auf Eingeweihte nicht allein.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Der Sammler und die Seinigen 1. Brief

Das Fürtrefflichste ist unergründlich, man mag damit anfangen, was man will.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 227

Das Fußgehn ist gewiß die angenehmste Art zu reisen. Man genießt die Schönheiten der Natur; man kann sich unerkannt unter allerlei Leute mischen, beobachten, was man außer dem nicht erfahren würde; man ist ungebunden..
Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Das Futter ist teurer als das Pferd.
info] Folgekosten bedenken

Das Futter sticht ihn.

Das gäb' ich um keine goldene Sau.
Wien
info] Was teuer und selten.

Das gab ihm den Rest
en] that was the last straw
fr] cela l'a achevé
it] ciò gli ha dato il colpo di grazia

Das gab mir Licht.
info] Dadurch erfuhr ich es.

Das gäb nid genueg für Salz uf d' Suppe.

Das Gackern der Hühner leidet man um der Eier willen.

Das Gallentränklein mit Honig vermischen.
mhd] Und mir in honege Walther gap den gallentranc.

Das Gänsemelken nicht verstehen.
Osnabrück
info] Die Sache nicht anzugreifen wissen

Das Gänslein ist wie Mutter Gans.
en] Goose and gander and gosling are three sounds, but one thing.

Das Gänslein mit einander rupfen.
z] Wie sie (die Frau und der Mönch) nun zu Nacht mit einander gegessen hatten, sich ins Bett fügten und mit einander das Gänslein rupften.

Das Gänslein will die Gans schwimmen lehren.
un] Csirke oktattya a tyúkot.

Das gantze schöne Gewölb Gottes stehet fest und hat doch nirgendt kein Pfeiler.

Das ganz Gemeine ist's, das ewig Gestrige,
Das immer war und immer wiederkehrt
Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
Schiller, Wallensteins Tod (Wallenstein)

Das ganze Dorf ist abgebrannt, und nun gießt's aus den Wolken.
nl] Als het huis verbrand is, wil men de schade inhalen met de spijkers op de rapen.
it] Arsa la casa, tardi si vien con l'acqua.

Das Ganze für das Einzelne
la] totum pro parte

Das ganze Gebäude des Absolutismus, so sorgfältig gezimmert, so voll künstlicher Dunkelheit, anscheinend so unerschütterlich gegründet - es ist von dem Frühlingshauch einer Märznacht über den Haufen gefallen.
L. Bucher, Nationalzeitung, 1890

Das ganze Geheimnis, sein Leben zu verlängern, besteht darin, es nicht zu verkürzen.
Ernst von Feuchtersleben, Zur Diätetik der Seele

Das ganze Glück des Menschen besteht darin, bei anderen Achtung zu genießen.
Blaise Pascal

Das ganze Haus voll Meister und keiner ist in der Lehre gewesen.
nl] Een huis vol korporaals, en nog niet één die zijne dienst verstaat.

Das ganze Jahr esse ich Knoblauch, und das ganze Jahr brennt es mein Eingeweide.
Babylon

Das ganze Jahr schicker (betrunken) un am Purim nüchtern.
info] Von einem, der die Erwartung insofern täuscht, als er sich anders zeigt, als Sitte, Zeit, Gewohnheit, Umstände erfordern. Das ganze Jahr berauscht (schickor), fröhlicher Laune, und gerade am Purimfeste, wo jeder sich der Freude hingibt, ernst und verstimmt.

Das ganze Jahrhundert ist ein Wettrennen nach großen Zielen mit kleinen Menschen.
Jean Paul, Clavis Fichtiana

Das ganze Landesvolk schuldet dem Könige große Pflicht.

Das ganze Leben beruht auf der Erkenntnis der Wahrheit..
Turgenjew, Die Wahrheit und das Wahre

Das ganze Leben besteht aus Teilen und hat Kreise, wobei sich größere um die kleineren legen. Es gibt aber einen Kreis, der alle umfasst und umringt; er reicht vom Geburtstag bis zum Todestag.
Lucius Annaeus Seneca (??-65 n. Chr.), Briefe über Ethik

Das ganze Leben besteht aus Wollen und Nicht-Vollbringen, Vollbringen und Nicht-Wollen. - Wollen und Vollbringen ist nicht der Mühe wert oder verdrießlich, davon zu sprechen.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 915f

Das ganze Leben ist der Versuch, es zu behalten.
Ingeborg Bachmann

Das ganze Leben ist ein ewiges Wiederanfangen.
Hugo von Hofmannsthal

Das ganze Leben ist ein Kampf; ohne Kampf ist es nur ein Scheinleben; leben und wirken heißt kämpfen, davor zurückweichen heißt leben ohne Endzweck.
Nordische Diamanten

Das ganze Leben ist ein Traum. Niemand weiß, was er tut, niemand weiß, was er will, niemand weiß, was er weiß. Wir verschlafen das Leben, ewige Kinder des Schicksals.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Sogres

Das ganze Leben ist nur einmal Frühlingsaufatmen, und ob wir zwanzig oder dreißig oder hundert Jahre zählen, so lang muss der Atemzug aushalten, aufstrebend ins Leben, mit allen Kräften, in vollster reichster Blüte den Duft ausbreitend in die Weite auf schwingenbeladenen Winden.
Bettina von Arnim, Die Günderode

Das ganze Leben wird dem Glücklichen zu kurz,
Dem Leidenden nimmt eine Nacht kein Ende.
Fr. Jacobs, Griechische Blumenlese

Das ganze menschliche Geschlecht lobt nur das Gute, das Individuum oft das Schlechte.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Das ganze Reich des Unbewussten kann einmal als Reich des Bewussten erobert werden; denn man weiß nicht, wie weit die Besonnenheit steigen kann in höhern Verhältnissen, da sie ja in unsern niedern bekannten sich in den großen Unterschieden und Sprüngen von Wilden zu Weltweisen offenbart.
Jean Paul, Salina: Anhang

Das ganze schlesische Himmelreich.
info] Schweinebraten, Klössel, vielleicht auch Sauerkraut. Sogar Backobst gehörte nicht ins Reich der Unmöglichkeiten. Das ganze schlesische Himmelreich.

Das ganze schöne Gewölb Gottes steht fest, und hat doch keine Pfeiler.

Das ganze Schriftsteller- und Rezensentenwesen ist doch immer nur dem fabelhaften Geisterstreite gleich, wo die gebeinlosen Heroen sich zur Luft in der Mitte voneinander hauen, und alle sogleich wieder hergestellt sich mit Vater Odin wieder zu Tische setzen.
Goethe (1749-1832), An F. H. Jacobi, 26.12.1796

Das Ganze unsrer Sittlichkeit besteht in unserm vollendeten Kennen, Können und Wollen des Guten.
Pestalozzi, Schriften und Flugblätter aus der Revolutionszeit

Das ganze Vergnügen an der Liebe beruht schließlich auf dem Wechsel.
Molière, Don Juan

Das ganze Volk für ihre nächsten Kampfziele erhoben hat.
Lenin, Von der Verteidigung zum Angriff

Das ganze Weltwesen liegt vor uns wie ein großer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er aus diesen zufälligen Naturmassen ein in seinem Geiste entsprungenes Urbild mit der größten Ökonomie, Zweckmäßigkeit und Festigkeit zusammenstellt.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Das ganze Wesen der Welt abstrakt, allgemein und deutlich in Begriffen zu wiederholen und so als reflektiertes Abbild in bleibenden und stets bereit liegenden Begriffen der Vernunft niederzulegen: Dieses und nichts anderes ist Philosophie.
Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung

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