< Sprichwörter >

Buën (= Bauen) is 'ne Lust, doch wat et kust, hew eck nich ewusst, segt de Timmermann. Hildesheim

Buer (Bauer) to weern is keene Kunst, aber Buer blieven! dat is'n Kunst!

Buer to weern is keene Kunst, aber Buer blieven! dat is'n Kunst!

Büerken, bliw bi den Süegen.
Westfalen

Bueter (Butter) bi de Fiske hewwen.
Westfalen
info] Gut leben.
ndt] Botter bei de Fesch. Bedburg (Geld bei der Ware)
ho] Boter bij de visch.
ho] Hand op 't plankje, Geld bij de visch.

Bueter (Butter) op Bartelmei (24.8.) kearnet (gebuttert) wahrt en gans Jahr un heilet äs Salwe.
Westfalen

Buff, sä' de Pape (Pfaffe), da stött he gegen de Dischecke.
Hildesheim

Buff, wieder Buff.
Eifel
info] Gebraucht, wo Gleiches mit Gleichem, Betrug mit Betrug, Schlag mit Schlag vergolten wird.

Bühlemer Mühle, du wildes Tier, hast schon gfressen drei oder vier, da fufta host im Racha, wuscht 'm 's au itt besser macha.

Buhlen bauen selten große Häuser.

Buhlen bringet Lust und schmertzen.

Buhlen gehört nicht in Schulen.

Buhlen gehört nit zum (in) Schulen.

Buhlen hat ein süßen anfang und sawr end.

Buhlen ist keine Brautwerbung.
dk] Mange vender bejlen til bolen.

Buhlen und Buben ist eine freie Kunst.
Königsberg

Buhlen und fressen freunde sein und helffen zum verderben fein.

Buhlen und Kleider muss man oft wechseln.
it] Si ha da far degl' amanti come delle vesti, molti haverne, un goderne, e cangiar spesso.

Buhlen und naschen macht gemeinigklich ledige Taschen.

Buhlen und Spulen laufen zugleich ab.

Buhlen und Weissheit pflegen will nit zusamen stehn.

Buhlen verderbt die Schulen.

Buhlen, fechten und rechten, und trincken auss vollem geschirr, machen manchen weisen jrr.

Buhlen, fischen, sauffen und jagen macht ledige beutel.

Buhlen, Lügen und Stehlen hangen aneinander.

Buhlen, Saufen, Schmeissen, Schwören darf man niemand wie's Beten lehren.

Buhlen
Verderbt die Schulen.

Buhler bauen selten große (o. hohe) Häuser.

Buhler bauen selten hohe Häuser.
dk] Bolere bygge sielden store husen.
la] Qui cupit esse procus perpulchrarum mulierum, ille domos altas aedificare nequit.

Buhler geben böss (schlechte) krieger.

Buhler geben schlechte Krieger.

Buhler gehen auff den Finckenstrich.

Buhler gehen in ihrem Sinn um wie der Hund in Flöhen.

Buhler gehn mit kindheit um.

Buhler muss immer freigebig sein, will er Stern bei dem Buhlen sein.

Buhler müssen viel leiden.

Buhler sind aus Flandern, sie meinen heut diesen, morgen ein anderen.

Buhler sind blind, wissen nit, wo die Sünd.
la] Urimur et caecum pectora vulnus habet. Ovid

Buhler sind wie Immensüss im Mund, und wenn sie den Stachel eingeschlagen, fliegen sie davon.

Buhler und Buhlerinnen schleppen ihr Leben mühsam von hinnen.
it] Cicisbei e ganzerini fanno vita da facchini. (Cicisbeen hießen die Gesellschafter der Damen unter den höhern Ständen, besonders in Genua und Florenz. Der 'gute Ton' verlangte nämlich, dass der Ehemann nur im Hause mit seiner Frau verkehrte, daher wählte sich die Dame einen oder mehrere Cicisbei. Der Cicisbeus begleitete die Dame zu allen Vergnügungen, ins Theater, in die Kirche, und bediente sie sogar am Toilettentisch)

Buhler wissen alzeit wie vil es geschlagen hat.

Buhler wollen alle fässlin anstechen.

Buhler zählen die Zeit wohl.

Buhler zehlen die zeit wol.
mhd] De bolers tellen wol de tyt
la] Enumerant caeci rapidum bene tempus amantes.

Buhler, Jäger und Hofdiener fangen selten, darnach sie jagen.

Buhler, singer und Poeten liegen (lügen) gern (viel).

Buhlerbeutel ist mit Spinnweben zugeschnürt.

Buhlerbriefe sind mit Butter versiegelt.

Buhlerei der Arbeit weicht, einen Arbeiter Venus selten erschleicht.

Buhlerei und Regiment taugen nicht mit vielen Händ'.

Buhlerlieb so lange währt, als das Feuer auf dem Herd.
it] Amor di ganza, fuoco di paglia.

Buhlern und Faulenzern wird der Tag zu lang und die Nacht zu kurz.

Buhlers Gäng und schwache Sprossen leiden keine Mitgenossen.
la] Rivalem possem non ego ferre Jovem. Properz

Buhlersäckel ist mit Lauchblättern zugebunden.

Buhlerzank ist der Liebe Anfang.
la] Amantium irae amoris initium est.

Buhlerzorn, der Buhlschaft Sporn und Dorn.

Buhler-Zorn, der Buhlschaft Sporn und Dorn.

Buhlest du hie, so buhl' ich dort.

Buhlgang ist der Liebe Anfang.

Buhlschaft hat ein tummen Mut, was sie fürnimmt ist selten gut.

Buhlschaft ist blind, wer ihr glaubt, der ist ein Kind.

Buhlschaft ist ein fahrend Hab, heute Liebe, morgen schabab.

Buhlschaft ist leicht und unstete.

Buhlschaft ist mit Galle behaft.

Buhlschaft ist mit Galle behaft't (vermischt).

Buhlschaft leidet keine Gesellschaft.

Buhlschaft leidet keine Gsellschafft.
la] Impatiens socii est omnis amor (amans).

Buhlschaft mag niemand bergen.

Buhlschaft nutzet nicht viel.
la] Ex amore omnium rerum necessariarum cura negligitur.
la] Idem amor exitium est pecori, pecorisque magistro.

Buhlschaft schlägt zu den Augen heraus.

Buhlschaft und Spiel bringt der Schmerzen viel.

Buhlschaft und Tollkorn machen den Kopf verworr'n.
dk] Bolskab er bulme-frø, jo meere man æder deraf, jo galnere bliver man.

Buhlschaft und wein bringt zank und pein.
la] Nox et amor, vinumque nihil moderabile suadent.

Buhlschaft verdirbt die Wirtschaft.

Buhlschaft verdirbt Leib, Seele und Sitte.
mhd] Bôlschap vordervet lyf unde sele unde sede.
la] Corpus amor mores animumque effeminat ardens.

Buhlschaft, Spiel und Zorn verblenden Weise und Tor'n.
nl] Wien zou spel, boelschap, toorn en wijn niet verblinden.

Buhlschaft, Wein und Spiel verblenden viel.

Buhlschaft
Ist mit Galle behaft.

Buhlschaft
Leidet keine Gesellschaft.

Buhlst du hier, so buhl' ich dort.

Bühne sei
kein nachäffender Spiegel!
Bühne sei Fernrohr!
Bühne sei Lupe!
Majakowski, Wandsprüche für die 'Schwitzbad'-Aufführung

Bühnenwand
info] die Prunkfassade im römischen Theater
la] scaenae frons

Bui vullen Kribben (Krippen) is gut satt wären.
Sauerland

Bullen bleiben niemals beieinander.
info] Von Streitsüchtigen.
info] Zulu

Bullen sind wie Schnittlauch: außen grün, innen hohl und sie treten meistens gebündelt auf.

Bummeln as de Dêb (Dieb) in Galgen.
info] Von Menschen und Sachen gebraucht.

Bummeln kost't Geld.
Rendsburg

Bummler arbeiten in der Schenke.

Bumms dî, Magreth, Bûr, magst ôk Kôföet (= Kuhfüße).

Bums wie'r tofall'n, as de Flege in de Brüöh.

Bums, da hatte er's weg.

Bumsweise tofallen as de Flegen in de Brê.
info] Von Personen, die plump und ungelenk sind und 'pardauz' in die Sache hineinfallen.

Bunde trennen sich, und halten nicht.

Bündnis machen ist leicht, aber halten ist schwer.
dk] Let at gjöre forbund, men besverligt at holde det.

Bündnis macht die Schwachen stark.

Bündnisfall
info] die Verpflichtung, einem Verbündeten zu helfen
la] casus foederis

Bündnisse sind gemeinlich Kuppeln von faulen Stricken.

Bündnisse sind gut, aber wehe dem, der ihrer bedarf auch in ehrlichen Händeln.

Bündnisse sind gut, aber wehe denen, die ihrer bedürfen.
z] Wer Bundnuss macht, muss wol zusehen, dass die, so bey ihm wollen stehen, von Hertzen seine freunde sein, sonst bleibt er in der noth allein.
z] Da kam die ganze Kriegslast dem Churfürsten von Sachsen auff den Hals. Dannenhero ihm das Wort erwachsen, dass er sagt: Bonum est facere foedera, sed vae servanti.

Bündnisse und faule Stricke halten selten lange.

Bundnussen (Bündnisse) verreissen die gesatz.

Bunds- und huntsketten reissen endlich mit bellen und beissen.

Bundschuh reim dich!
Luther
z] Es scheint noch eine andere mit dem in Rede stehenden Worte zusammengesetzte Redensart schon früh im Gebrauch gewesen zu sein, nämlich: 'et cetera buntschuh' und zwar besonders als eine Art scherzhaften Flickreims oder überhaupt Flickworts, das man anwandte, das tautologische 'et cetera und so weiter', worauf dann ein Reim folgte oder nicht.

Bundsketten machen.
info] Meutern, Aufruhr stiften.

Bunt ist meine Lieblingsfarbe.
Walter Gropius

Bunt lett wacker.
Oldenburg
info] Wacker wird im oldenburgischen Plattdeutsch, dem das Wort 'schön' fehlt, besonders von der Kleidung gebraucht und steht dann für niedlich, freundlich, lebhaft.

Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Johann Gaudenz von Salis-Sewis, Gedichte

Bunt und wunderlich wie eine Schneiderfahne.

Bunte Blumen riechen nicht.

Bunte Blumen riechen nicht.
info] Wider die Putznärrinnen.

Bunte Bullen, bunte Kälber.

Bunte Kleider, bunter Sinn.
dk] Brogede kleder, broget sind.

Bunte Reihe machen.
info] Bei Tafel z.B. Eine solche Ordnung in Betreff der Gäste treffen, dass Männer und Frauen nebeneinander, nicht die Männer auf dieser und die Frauen an der andern Seite der Tafel sitzen. Ebenso wenig darf ein Ehepaar nebeneinander zu sitzen kommen. In einer Kussgesellschaft darf ein Mann nicht den andern, eine Frau nicht die andere, der Mann nicht seine Ehegattin, der Bruder nicht die Schwester oder umgekehrt küssen.

Bunte Reihe, sagte der englische Kriegsminister, da wollte er die Deserteure tätowieren lassen.
info] Es war der Vorschlag (1878) gemacht worden, die wieder ergriffenen Flüchtlinge zu zeichnen (brandmarken).

Bunter as bunt.

Buntes Pferd verkauft man gern.

Buntes Pferd verkauft man gern.
nl] Bonte paarden zijn zelden goed, maar als ze goed zijn, zijn ze zeer goed.

Buonarroti fing an, den Block zur Büste zu bilden,
Sah, es wurde nichts draus, Freunde, da ließ er ihn stehn.
Goethe (1749-1832)/Schiller, Xenien

Bur (Bauer) blift Bûr, wenn 't ôk is up hilge Paskdag (= Ostertag).
la] Rustica gens nulla genus arte domabile.

Bûr blift Bûr, wenn 't ôk is up hilge Paskdag (= Ostertag).
la] Rustica gens nulla genus arte domabile.

Bur blift en Bûr, und slöpt he ok bet Mittag.

Bur is kên Edelmann.

Bur is 'n Bêst, sä Jan Blesene.
Ostfriesland

Bur is 'n Schelm von Natur.
Altmark

Bur, magst ôk Kôfoet (Kohföt = Kuhfüße)?

Bur, pass op dinn Stöck.
Meurs.
info] Aufforderung zur Aufmerksamkeit, Rat auf der Hut zu sein.
ho] Boer pas op je ganzen.

Bur, schaff up!

Bura sind Lura,
Schelme von Natura.

Bürde bringt Würde.
la] Labores pariunt honores.

Büren vor'n Wâle, da geit de Wind sau kale.
info] Das Dorf Büren vor dem Walde im Hannöverschen Amte Münden liegt so hoch und kalt, dass das Getreide ein paar Wochen später reif wird. Die natürliche Lage des Dorfs ist sprichwörtlich geworden.

Bürge für etwas sein, wie für die Waren im Kram.

Bürge man den Narren hinter der Tür, er steckt die Ohren doch herfür.

Bürge werden hat viel reiche Leute verderbt und in Armut gebracht.

Bürge werden hat vil reicher leut verderbt und in armut bracht.

Bürge werden tut Schaden ('schaden) auf Erden.
bm] Kdo se nučí, ten se mučí.
bm] Rukojmĕ býti, jest skodu míti.
bm] Sebe uvazuje, kdo jiného vyvazuje.
bm] Sebe v svízel uvodí, kdo jiného svobodí.

Bürge werden, leih'n und borgen, macht grau Haar und große Sorgen.

Bürgen muss man würgen, aber nicht an den Hals sprechen.
[RSpW] (Die Bürgen haften nur mit dem Gut, nicht mit dem Leben)

Bürgen müssen zahlen.
fr] Il faut payer ou agréer.
ho] Die voor een ander borg blijft, betaalt vor hem.

Bürgen soll (muss) man würgen.
[RSpW]
info] Von der gewaltsamen Ladung und Ziehung vor Gericht zu verstehen, wie dieser Ausdruck auch in dem Evangelium vom Schalksknechte vorkommt. Aus den meisten alten Gesetzen erhellt, dass der Bürge als ein Selbstschuldner angesehen wurde, ja sogar den Tod für den leiden musste. Schiller, Die Bürgschaft.

Bürgen soll man würgen.

Bürgen soll man würgen.
var] Den Bürgen muss man würgen.
en] The bail must pay.
fr] Qui répond paye.
it] Chi risponde paga la somma.
sp] El que es fiador es pagador.

Burgen und Fürsten haben keinen Frieden.

Burgen und Fürsten haben keinen Frieden.
info] Der Rechtsfriede war hauptsächlich ein Schutz für den Wehrlosen und Friedfertigen, den die Bewohner der Burgen und die Fürsten weniger nothwendig hatten, da sie sich selbst zu schützen vermochten.

Burgen, Tore, Brücken, Mauern, Deiche, überhaupt Bauwerke, von deren Sicherung sehr viel abhängt, werden dadurch gefeit, dass man lebendige Kinder in sie einmauert.
Aberglaube

Bürgen
Soll man würgen.

Burger (Bürger) und baurn macht gelt zu lauren.

Bürger fragen, Politiker anworten (nicht): ein Politiker betrachtet eine Frage nicht als Aufforderung zur Auskunft, sondern als Erlaubnis zum Reden.
Helmar Nahr

Bürger und Bauer scheidet nichts denn die Mauer.

Bürger und Bauer scheidet nichts denn die Mauer.
ndt] Burgen und bawer scheydet nichts denn die Mawer.
info] Bei Bildung der Städte fanden sich auch viele, die sich außerhalb der Bingmauern niederließen, wodurch die Vorstädte entstanden. Da aber die meisten der ersten Einwohner der Vorstädte von schlechter Herkunft, z. B. entlaufene Leibeigene, Diebe und anderes liederliches Gesindel war, die von den in der Stadt wohnenden Bürgern mit Verachtung angesehen wurden, so hatten sie keinen Anteil an den Rechten, Freiheiten und Ehren, die den Bürgern erteilt wurden. Das Sprichwort wollte also sagen, dass die Einwohner in den Vorstädten zum Bauernstand geboren und dass sie daher so gut wie diese zu Frondiensten verbunden und weder Handel, noch ein anderes bürgerliches Gewerbe treiben durften. Dieser Rechtsunterschied hat unter ganz veränderten Verhältnissen aufgehört.
ho] Burger en boer scheiden niets dan die muur.
un] A polgár s paraszt között csak a fal van közben.

Bürger und Bauer
Scheidet nichts denn die Mauer.

Bürger, Gottfried August] Bürger hatte zu mir wohl eine Verwandtschaft als Talent, allein der Baum seiner sittlichen Kultur wurzelte in einem ganz andern Boden und hatte eine ganz andere Richtung.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 12.5.1825

Bürger, Gottfried August] Bürgers Talent anzuerkennen, kostete mich nichts, es war immer zu seiner Zeit bedeutend; auch gilt das Echte, Wahre daran noch immer und wird in der Geschichte der deutschen Literatur mit Ehren genannt werden.
Goethe (1749-1832), An Zelter, 6.11.1830

Bürger, Gottfried August] Es ist traurig anzusehen, wie ein außerordentlicher Mensch sich gar oft mit sich selbst, seinen Umständen, seiner Zeit herumwürgt, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Trauriges Beispiel: Bürger.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen

Bürger, schreib den Rat dir auf,
Erst zahl Steuern und dann sauf!
Inschrift im Ratskeller zu Wiesbaden

Bürgerkrieg ist immer das Fürchterlichste, was man haben kann, in allen Ländern.
Bismarck, im Herrenhaus, 23. März 1887

Bürgerkrieg
la] bellum intestinum

Bürgerkrone
info] für die Lebensrettung in einer Schlacht verliehen
la] corona civica

Bürgerlich-demokratischer Inhalt der Revolution, das heißt Säuberung der sozialen Verhältnisse (der Zustände, der Einrichtungen) des Landes vom Mittelalterlichen, von der Leibeigenschaft, vom Feudalismus.
Lenin, Zum vierten Jahrestag der Oktoberrevolution

Bürgerliche Krieg verheeren Land und Leut.
fr] Les guerres civiles sont les grands jours des cieux.

Bürgerlicher Nationalismus und proletarischer Internationalismus - das sind zwei unversöhnlich feindliche Losungen, die den beiden großen Klassenlagern der ganzen kapitalistischen Welt entsprechen und zwei Arten von Politik (mehr noch: zwei Weltanschauungen) in der nationalen Frage zum Ausdruck bringen.
Lenin, Kritische Bemerkungen zur nationalen Frage

Bürgermeister ohne Witz, ein Schweinespieß ohne Spitz, und ein Ofen ohne Hitz', diese drei Dinge, sind nicht viel nütz.

Bürgern und Bauern stehen höfische Zeremonien läppisch an.

Bürgeruneinigkeit bringt nichts den Hertzenleid.

Burgos ist der Städte Krohn.
z] Burgos ist der Städte Kron, Burgos' Cid die Kron der Ritter, Burgos' Dom die Kron der Kirchen.

Bürgschaft erbt niemand.
[RSpW]
info] Im allgemeinen waren die Erben nach altdeutschem Recht für eingegangene Bürgschaften des Erblassers nicht haftbar, worauf sich das obige Sprichwort bezieht, doch gab es Fälle, wo diese Verpflichtung stattfand.
z] Borgschaft ererbet nyemann. Wo der Bürgermeister doktert, da ist nicht gut wohnen.

Bürgschaft müssen die Erben bezahlen.
[RSpW]
info] In dem Falle z.B., wenn der Bürge vor Gericht erklärt hat, dass er die Schuld bezahlen will.

Burgunder für Könige, Champagner für Herzoginnen, Rotwein für Vornehme und Port für den Bürger.
Frankreich

Burgunderwein - ein Wunderwein.

Burn' geliert (= Ohne einen Bauernhof zu besitzen), îs Dachlener worden.
Neumark.

Burns, Robert] Wodurch ist er groß, als dass die alten Lieder seiner Vorfahren im Munde des Volkes lebten, dass sie ihm sozusagen bei der Wiege gesungen wurden, dass er als Knabe unter ihnen heranwuchs, und die hohe Vortrefflichkeit dieser Muster sich ihm so einlebte, dass er darin eine lebendige Basis hatte, worauf er weiter schreiten konnte.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 3.5.1827

Bürokratismus bedeutet: die Interessen der Sache den Interessen der Karriere unterordnen, hinter den Posten her sein und die Arbeit links liegen lassen, sich um die Kooptation balgen, anstatt für die Idee zu kämpfen.
Lenin, Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück

Bürschen gehen.

Burschen in seinem Alter werden schon verliebt, wenn sie nur eine weiße Schürze auf einem Besenstiel sehen.

Burschenleben, das heißt leben!
Leben ist nicht einerlei.
Freiheit kann nur Freude geben.
Kommersbuch für die deutschen Studenten: Abschiedslied

Burschenschaft ist Burschen schafft, sagt Kamptz.

Burschenschaft ist Burschenschaft, sagt Kampz.

Bu's (Wo es) verschimmelt Brûd git (gibt), do git's â verschimmelte Tâler.
Henneberg

Busch und Berg soll sein eine gemeine Weid.
mhd] Bosch und berg dz sot sin eine gemeine weid.

Büsche haben Ohren und Felder Augen.

Büsche haben Ohren und Wälder Augen.
Die Wand hat Ohren, der Wind hat eine Stimme.
Die Wände haben Ohren und die Flaschen haben Münder.
Japan
Die Wände haben Ohren, die Fenster Augen.

Buschklepper ist sein Vetter.

Buße gehört auf die Sünd' wie die Laus auf den Grind.
info] Grind = Hautausschlag, der sich zu einer Kruste verhärte.

Buße gehört auf die Sünd, wie die Laus in den Grind.

Buße gehört auf die Sünd
Wie die Laus in den Grind.

Buße ist zuweilen nicht zu spät, aber nie zu früh.
dk] Penitentse er undertiden ey for sildig, men aldrig for tiilig.

Buße und Wette gibt man nicht, da man Leib und Leben verwirkt.
mhd] Buze ooch wette gibt man nicht, da man lib oder haut verwirket.

Büßen und recht tun find allzeit Gnad.

Bußväter - Busenväter.
z] Dass die Beichtväter wohl Bauchväter mögen genannt werden, dieweil sie durch die Beicht in untersten und innersten Busen der Frawen und Döchter sehen und tasten können.

Büst du bös, ga mank de Gös, büst du guäd, ga mank de Schâp.
Holstein

Buten (außen) glei, binnen auwai. Lübeck (Bettelstaat)

Buten Beens (Beine) lopen.
info] Ehebruch treiben.

Buten glei (glatt) binnen, o wei.
Holstein
info] Von allem Bettelstaat, der von außen gleisst.

Butke bi Butke.
info] Jeder bei seines Gleichen.

Bütow und Rummelsburg haben zusammen eine Lerche, die abwechselnd, morgens in Bütow, nachmittags in Rummelsburg singt.

Butten bleiben allezeit Plattfische.

Butten sind keine Forellen.
nl] Botten blijven platvisch.

Butten und Schollen sind wol gelattet, aber vbel gedecket.

Butter bei die Fische!

Butter en Brôd is ossen (immer) 't êste en 't lûste.
Franz. Flandern

Butter im Munde, Schwerter im Herzen.
la] Tua in melle lingua sita est, cor in felle atque acerbo aceto.

Butter ist des Morgens Gold, des Mittags Silber und am Abend Blei.

Butter ist dreimal schlecht: Im Sommer, wenn sie schmilzt, im Winter, wenn sie hart ist, und dann, wenn es sie nicht gibt.
Estland

Butter ist lauter Fett und kann doch zu teuer bezahlt werden.
Eifel

Butter ist morgens Gold, mittags Silber, abends Blei.

Butter ist zu vielen Dingen gut, aber zum Ofenschmieren taugt sie nicht.

Butter schlägt man nicht aus einem schönen Gesicht.

Butter und Brot schmeißen.
info] Ein flaches Stückchen Stein auf eine Wasserfläche so schräg hinwerfen, dass es ein paar mal aufhüpft.

Butter und Käse sind auf einen Tag geboren.
info] Von Gleichem, Ähnlichem, Verwandtem.

Butter und Quarg (Käse), das ist zu arg.
info] Will sagen, dass der, welcher Butter und Käse zugleich zum Brote isst, verschwendet.
ho] Twee zuivels op een brood, dat geeft hongersnood.

Butter und Schmalz zur Suppe geben.
info] Bei einer Sache helfen.

Butter und Schuhwichse auf einem Teller auftragen.
info] Die wunderlichsten Zusammenstellungen machen.
la] Pygmaeorum acrothinia colosso aptare. Suidas

Butter verderbt keine Kost.

Butter verderbt keine Kost.
info] Durch glimpfliches Verfahren wird nichts verdorben.
en] Soft fire makes sweet mall.
ho] De boter slacht onze lieve vrouw, zij verbetert alles.
un] A bélesnek nem árt a vaj.

Butter verdirbt keine Kost.

Butter vor dem Essen ist Gold, nach dem Essen Silber, auf die Nacht Blei.
Polen

Butter vor und Butter nach gibt ein Alter mit Gemach.
nl] Boterje vóór, boterje na doet honderd jaar leven.

Butter zu Butter macht keine Küche.
Irland
info] Wenn zwei Mädchen sich küssen.

Butter zu den Fischen.

Butterberge sind die Folge von Milchmädchenrechnungen.
Werner Mitsch

Butterbrot (o. Butterschnitten) und Minister fallen immer auf die geschmierte Seite.

Butterbrot fällt auf die Butterseite.
info] Also dahin, wo es am meisten verdorben wird.
Jüdisch-deutsch] Butterbrot fallt uf's Ponim (aufs Gesicht).

Butterbrot schützt die Herde, Fleisch und Brot fahren Dünger aus.
Estland

Butterfingers.
en] Phrase

Butterflies in My Stomach.
en] Idiom

Buttermilch aus dem Kübel vertreibt alle Übel.
ndt] De Buttermilch as'n (aus dem) Küb'l vetreibt alle Übl: abe wenn s' a Bois (ein bisschen) steât, aft (dann) schaug, wia's de geaht. Alpach im Unterinntal

Buttermilch ist Käufer und Molken Bürge.
info] Wenn der Käufer nicht viel und der Bürge womöglich noch weniger wert ist.
ho] Karnemelk is kooper, wie is borg?

Buttermilch und Sauerkraut fressen die Franzosen, und wenn sie das gefressen han, so scheissen's in die Hosen.
Thüringen

Buttermilch und schimmlig Brot sättigen auch in Hungersnot.
dk] Kjerne-melks valde og muller bröd maetter og vel i hungers nöd.

Buttermilch von einer Stund' ist gesund.

Butter's, so buttert's.
info] Wenn man etwas auf gut Glück wagt.
ho] Botert het, dan botert het.

Butterschnitten und Minister fallen immer auf die gestrichene Seite.

Buttert's, so buttert's.

Butterweck salzen und im Rauch dörren, sollte wohl ein gutes Essen sein.

Butz und Benz.
info] Alle miteinander, ohne Ausnahme. Butz = Kürzung des Namens Burkhard oder eines ähnlichen. Die Redensart hat die Bedeutung wie Heinz und Kunz.

Butz, beiss mich nicht.
info] Butz = Larve, Vermummung, Popanz, Schreckbild.

Butz, fäll de Katt von en Stutz.

Butzen sollen kein Geld haben.
info] Butzen = Narr, sonst ist Butz = Larve, Butzengögel = Popanz, Butzi oder Butzibau = vermummte Person, Teufel, Knecht Ruprecht.

Butze-n und Fäge git kei Brod is Hûs.
hdt] Putzen und Fegen gibt kein Brot ins Haus.

Buur ahn Geld is'n Slaav op de Welt.
info] Bauer ohne Geld ist ein Sklave auf der Welt.

Buur blivt'n Buur un slöpt he ok bit an'n Middag.

Buur is'n Buur - 'n Schelm von Natur.

By Have (bei Hofe) gyfft men vele hende und weynich herten.

Bylbrief geht vor Bodmereibrief.

Bylbrief geht vor Bodmereibrief.
info] Cassius (klassischer Jurist) definiert Blutsverwandte als solche, die durch die Bande des Bluts miteinander verbunden sind.
[RSpW]
la] Consanguineos autem Cassius definit eos, qui sanguine inter se connexi sunt.

By-n-eme böse Nachbar und by-n-ere böse Frau sell me nit säge: strof mi Gott, me-n- isch scho g'stroft g'nue.
Solothurn

Byron, 'Cain'] Man sieht [am 'Cain'] wie einem freien Geiste wie Byron die Unzulänglichkeit der kirchlichen Dogmen zu schaffen gemacht und wie er sich durch ein solches Stück von einer ihm aufgedrungenen Lehre zu befreien sucht.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 24.2.1824

Byron, 'Don Juan'] Don Juan ist ein grenzenlos-geniales Werk, menschenfeindlich bis zur herbsten Grausamkeit, menschenfreundlich, in die Tiefen süßester Neigung sich versenkend. [..] Dem wunderlichen, wilden, schonungslosen Inhalt ist auch die technische Behandlung der Verse ganz gemäß, der Dichter schont die Sprache so wenig als die Menschen..
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Byrons Don Juan

Byron, George Noel Gordon] Byron allein lasse ich neben mir gelten!
Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 2.10.1823

Byron, George Noel Gordon] Byron hat mich vollkommen verstanden, und ich glaube, ihm zu verstehen.
Goethe (1749-1832), A. G. v. Stroganoff, 1825-1830

Byron, George Noel Gordon] Byron war meist unbewußt ein großer Dichter, selten wurde er seiner selbst froh.
Goethe (1749-1832), F. v. Müller, 17.12. 1824

Byron, George Noel Gordon] Byron wußte zu gut, wo etwas zu holen war, und er war zu gescheit, als dass er aus dieser allgemeinen Quelle des Lichts [Voltaire] nicht auch hätte schöpfen sollen.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 16.12.1828

Byron, George Noel Gordon] Denn was soll man von einem Erdgebornen [Byron] sagen, dessen Verdienste durch Betrachtung und Wort nicht zu erschöpfen sind?
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Zum Andenken Byrons

Byron, George Noel Gordon] Er hatte den Gipfel seiner schöpferischen Kraft erreicht, und was er auch in der Folge noch gemacht haben würde, so hätte er doch die seinem Talent gezogenen Grenzen nicht erweitern können. In dem unbegreiflichen Gedicht seines Jüngsten Gerichts hat er das Äußerste getan, was er zu tun fähig war.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 18.5.1824

Byron, George Noel Gordon] Ich konnte [in Faust II A III] als Repräsentanten der neuesten poetischen Zeit niemanden gebrauchen als ihn, der ohne Frage als das größte Talent des Jahrhunderts anzusehen ist. Und dann, Byron ist nicht antik und ist nicht romantisch, sondern er ist wie der gegenwärtige Tag selbst. [..] Auch paßte er übrigens ganz wegen seines unbefriedigten Naturells und seiner kriegerischen Tendenz, woran er in Missolunghi zu Grunde ging.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 5.7.1827

Byron, George Noel Gordon] Lord Byron ist zu betrachten: als Mensch, als Engländer und als großes Talent. Seine guten Eigenschaften sind vorzüglich vom Menschen herzuleiten; seine schlimmen, dass er ein Engländer und ein Peer von England war; und sein Talent ist inkommensurabel.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 24.2.1825

Byron, George Noel Gordon] Lord Byron, der täglich mehrere Stunden im Freien lebte, bald zu Pferd am Strande des Meeres reitend, bald im Boote segelnd oder rudernd, darin sich im Meere badend und seine Körperkraft im Schwimmen übend, war einer der produktivsten Menschen, die je gelebt haben.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 11.3.1828

Byron, George Noel Gordon] Seinem stets ins Unbegrenzte strebenden Naturell steht jedoch die Einschränkung, die er sich durch Beobachtung der drei [dramatischen] Einheiten auflegte, sehr wohl. Hätte er sich doch auch im Sittlichen so zu begrenzen gewußt! dass er dieses nicht konnte, war sein Verderben, und es lässt sich sehr wohl sagen, dass er an seiner Zügellosigkeit zu Grunde gegangen ist.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 24.2.1825

Byron, 'Manfred'] Dieser seltsame geistreiche Dichter hat meinen Faust in sich aufgenommen und, hypochondrisch, die seltsamste Nahrung daraus gesogen. Er hat die seinen Zwecken zusagenden Motive auf eigne Weise benutzt, so dass keins mehr dasselbige ist, und gerade deshalb kann ich seinen Geist nicht genugsam bewundern. Diese Umbildung ist so aus dem Ganzen, dass man darüber und über die Ähnlichkeit und Unähnlichkeit mit dem Vorbild höchst interessante Vorlesungen halten könnte; wobei ich freilich nicht leugne, dass uns die düstere Glut einer grenzenlosen reichen Verzweiflung am Ende lästig wird.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Manfred

C. M. B.
info] die Namen der hl. Dreikönige) über der Tür.

Caesars Leben ist nicht lehrreicher für uns als unser eigenes Leben.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Calderon de la Barca, Pedro] Auch Goethe bewundert mehr das wollüstige Farbenspiel, als die Charakteristik Calderons, in der er weit unter Shakespeare stehe. In den Intrigenstücken sei er besonders Meister, und hier müsse der Deutsche noch recht bei ihm in die Schule gehn.
H. Voß, 25.9./9.10.1814

Calderon de la Barca, Pedro] Auf jedem Jahrmarkt getraue ich mir, auf Bohlen über Fässer geschichtet, mit Calderons Stücken, mutatis mutandis, der gebildeten und ungebildeten Masse das höchste Vergnügen zu machen.
Goethe (1749-1832), An H. v. Kleist, 1.2.1808

Calderon de la Barca, Pedro] Bei Calderon dagegen ist dem Zuschauer, dessen Wahl und Wollen nichts überlassen, wir empfangen abgezogenen, höchst rektifizierten Weingeist, mit manchen Spezereien geschärft, mit Süßigkeiten gemildert, wir müssen den Trank einnehmen wie er ist, als schmackhaftes, köstliches Reizmittel, oder ihn abweisen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Calderons Tocher der Luft

Calderon de la Barca, Pedro] Bei Calderon finden Sie dieselbe theatralische Vollkommenheit [wie bei Molière], Seine Stücke sind durchaus bretterrecht,es ist in ihnen kein Zug,der nicht für die beabsichtigte Wirkung kalkuliert wäre. Calderon ist dasjenige Genie, was zugleich den größten Verstand hatte.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 26.7.1826

Calderon de la Barca, Pedro] Dass mein Aufenthalt im Orient mir den trefflichen Calderon, der seine arabische Bildung nicht verleugnet, nur noch werter macht, wie man edle Stammväter in würdigen Enkeln gern wieder findet und bewundert.
Goethe (1749-1832), An J. D. Gries, 29.3.1816

Calderon, 'Der standhafte Prinz'] Man wird, wie bei den vorigen Stücken, aus mancherlei Ursachen im Genuss des einzelnen, besonders beim ersten Lesen, gestört, wenn man aber durch ist und die Idee sich wie ein Phönix aus den Flammen vor den Augen des Geistes emporhebt, so glaubt man nichts Vortrefflicheres gelesen zu haben [..]+ wenn die Poesie ganz von der Welt verloren ginge, so könnte man sie aus diesem Stück wieder herstellen.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 28.1.1804

Calderon, 'Die Tochter der Luft'] Und gewiss, wenn irgendein Verlauf menschlicher Torheiten hohen Stils über Theaterbretter hervorgeführt werden sollte, so möchte genanntes Drama wohl den Preis davontragen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Calderons Tochter der Luft

Camisa ist zu gut, um unverständig, und zu schlecht, um verständig genannt zu werden.
Zentralamerika
info] Die Camisa ist ein Damenhemd von äußerst feiner Gaze, das nur bis zu den Hüften reicht.

Carlyle, Thomas] An Carlyle ist es bewundernswürdig, dass er bei Beurteilung unserer deutschen Schriftsteller besonders den geistigen und sittlichen Kern, als das eigentlich Wirksame, im Auge hat. Carlyle ist eine moralische Macht von großer Bedeutung. Es ist in ihm viel Zukunft vorhanden, und es ist gar nicht abzusehen, was er alles leisten und wirken wird.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 25.7.1827

Cartesianisch: abgeleitet von Descartes, einem berühmten Philosophen, dem Autor des gefeierten Satzes Cogito ergo sum - mit ihm, so nahm er befriedigt an, habe er die Wirklichkeit der menschlichen Existenz bewiesen. Der Satz musste jedoch folgendermaßen verbessert werden: Cogito cogito ergo cogito sum - 'Ich denke, dass ich denke, also denke ich, dass ich hin': die größte Annäherung an die Gewissheit, die je einem Philosophen gelungen ist.
Bierce

Caseus und caepe, die kommen ad prandia saepe.

Caseus und panis sind köstliche fercula sanis.

Catholisch Muss Bleiben.
info] In der Niederlausitz liest man die Buchstaben CMB (Caspar, Melchior, Balthasar), welche zu Grossneujahr (6.1.) vom Geistlichen an die Türen der Katholiken geschrieben werden, in dieser Weise.

Catilinarische Existenzen.
info] Diese Redensart datiert aus dem Jahre 1863 und wird dem preussischen Ministerpräsidenten von Bismarck zugeschrieben. Dr. Büchmann zählt sie zu den 'geflügelten Worten', über welche er am 11. Februar 1863 im königlichen Schauspielhause zu Berlin eine Vorlesung hielt. Er brachte Beispiele davon aus der alten und neuen Geschichte, mit Cäsar's 'Veni, vidi, vici' und 'Jacta est alea' beginnend. Auf die neueste Zeit übergehend, führte er die längst sprichwörtlich gewordenen Aussprüche Manteuffel's: 'Der Starke weicht ruhig zurück', des Grafen Brandenburg dreifaches: 'Niemals, niemals, niemals!', des jetzigen preussischen Kriegsministers von Roon: 'Angenehme Temperatur' und von Bismarck's 'Blut und Eisen', wie dessen 'Catilinarische Existenzen' an. (Schles. Morgenblatt, Breslau 1864, Nr. 43.) Hierzu möchten der grössern Vollständigkeit wegen noch kommen des Grafen Schulenburg- Kehnert 1806 in Berlin gesprochenes Wort: 'Ruhe ist die erste Bürgerpflicht', von Kamptz': 'Burschenschaft ist: Burschen, schafft!', von Rochow's: 'Der Untertanenverstand ist beschränkt', von Savigny's: 'Die Gegenwart hat keinen Beruf zur Gesetzgebung', Hansemann's: 'In Geldsachen hört die Gemüthlichkeit auf', Kühlwetter's (1849 bei Errichtung des Constablerinstituts ausgesprochenes): 'Der beste Staat ist der, welcher die meiste Polizei hat', und von Stahl's: 'Die Wissenschaft muss umkehren.' Auch das Rezept: 'Gegen Demokraten helfen nur Soldaten.'

Cato ward in seinem Alter gerichtlich angeklagt, da er denn in seiner Verteidigungsrede hauptsächlich hervorhob, man könne sich vor niemand verteidigen als vor denen, mit denen man gelebt habe. Und er hat vollkommen recht.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 399

Cato wollte lieber gut sein als seinen.
la] Cato esse, quam videri, bonus malebat.
Sallus, Catilina

Cato wollte wohl andere strafen,
Selbander mocht er gerne schlafen.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien IV

Cato, Marcus Porcius] Cato wollte wohl andere strafen,
Selbander mocht er gerne schlafen.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien IV

Caute! die Bauern verstehen auch Latein.

Caute, caute, ihr Gesellen, der Wirt versteht auch Latein.

Cha me d' Aehri nüme zelle, so lid's Chorn i siebe Woche uf der Selle (= Schwelle, Türselle = Türschwelle).
Luzern

Chalt Händ, früsch Herz.
Luzern

Chapp dich un (ans, in) der fauler Wand.
info] Chappen, polnisch chapać = haschen, greifen. Zur Abwehr einer ungerechten Beschuldigung, falschen Anklage. Um zu sagen: Was willst du von mir? Vergreife dich doch lieber an der Wand.

Charakter hat derjenige, der in den bestimmten Kreisen einer bestimmten Lebensanschauung lebt und waltet, sich gleichsam mit derselben identifiziert und nie in Widerspruch gerät mit seinem Denken und Fühlen.
Heine, Ludwig Börne

Charakter im großen und kleinen ist, dass der Mensch demjenigen eine stete Folge gibt, dessen er sich fähig fühlt.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 839

Charakter im großen und kleinen ist, daß der Mensch demjenigen eine stete Folge gibt, dessen er sich fähig fühlt.
Goethe, Maximen und Reßexionen 839

Charakter ist also Eigenschaft und Gewohnheit zugleich, jenes a priori angesehen, dieses a posteriori.
Goethe (1749-1832), Riemer, 27.8.1808

Charakter ist das, was man hat, wenn keiner zuschaut.

Charakter ist der Inbegriff des bewussten und unbewussten Willens.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes.

Charakter ist nur Eigensinn. Es lebe die Zigeunerin.
Paul Scheerbart

Charakter ist viel leichter zu erhalten als wiederherzustellen.
England

Charakter nennt man die Gebundenheit der Ansichten, durch Gewöhnung zum Instinkt geworden.
Nietzsche

Charakter polierter Nationen! werft die Münze in den Tiegel, wenn ihr ihren Gehalt wissen wollt, unter dem Gepräge fndet ihr ihn in Ewigkeit nicht. So bald eine Nation poliert ist, so bald hat sie konventionelle Wege, zu denken, zu handeln, zu empfinden, so bald hört sie auf, Charakter zu haben.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Charakteristik der vornehmsten europäischen Nationen

Charakter wird durch Wohlstand verdorben.
Eskimo

Charakter, Individualität, Neigung, Richtung, Örtlichkeit, Umgebungen und Gewohnheiten bilden zusammen ein Ganzes, in welchem jeder Mensch, wie in einem Elemente, in einer Atmosphäre, schwimmt, worin es ihm allein bequem und behaglich ist.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften II,17

Charakter: die Summe der Tendenzen, in einer bestimmten Weise zu handeln.
Thomas Henry Huxley

Charaktere machen oft die Schwäche zum Gesetz.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reßexionen 342

Charaktere müssen im Lustspiel sein,
Nicht bloßer Witz, wie keck er sprühe.
Tu ein Stück Fleisch in den Topf hinein;
Das Salz allein gibt schlechte Brühe.
Heyse, Spruchbüchlein, Theater

Charaktere ohne Handlung sind lahm, Handlungen ohne Charaktere blind.
Hofmannsthal

Charakterfestigkeit besitzen heißt, den Einfluss der anderen auf sich selbst erprobt haben. Also bedarf es der anderen.
Stendhal

Charakterfestigkeit heißt, die Wirkung der andern auf sich selbst erprobt haben, also sind dazu die andern nötig.
Stendhal, Über die Liebe

Charakteristisch für den gegenwärtigen Augenblick ist es jedoch, dass die gewöhnliche Seele sich über ihre Gewöhnlichkeit klar ist, aber die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall durchzusetzen.
Ortega y Gasset, Aufstand der Massen, Die Tatsache der Überfüllung

Charakteristisch für die Gedankenlosigkeit ist die Unfähigkeit, in Zusammenhängen denken zu können.
Johannes R. Becher, Auf andere Art so große Hoffnung

Charakteristisch ist es, dass unsern deutschen Schelmen immer eine gewisse Sentimentalität anklebt. Sie sind keine kalten Verstandesspitzbuben, sondern Schufte von Gefühl.
Heine, Geständnisse, Vorwort

Charakterlosigkeit ist ein Mythos, den biedere Individuen geschaffen haben, um damit die Faszinationskraft anderer Leute erklären zu können.
Oscar Wilde

Charakterschwäche und geistige Leere, mit einem Wort alles, was uns hindert, mit uns selbst allein zu sein, bewahrt viele Menschen vor dem Menschenhass.
Chamfort, Maximen und Gedanken

Charaktervoll erscheint ein Mensch weit häufiger, weil er immer seinem Temperament, als weil er immer seinen Prinzipien folgt. Nietzsche, Menschl. Allzumenschl.

Charme ist das, was in anderen ist und das uns zufriedener macht mit uns selbst.
Amiel

Charme ist das, was manche Leute haben, bis sie beginnen, sich darauf zu verlassen.

Charme ist der unsichtbare Teil der Schönheit, ohne den niemand wirklich schön sein kann.

Charme ist die Fähigkeit, den anderen vergessen zu lassen, dass man so aussieht, wie man aussieht.

Charme ist eine besondere Qualität, die jeder Beschreibung trotzt.

Charme wächst, wie die Perle, aus einer kleinen Wunde, die sich langsam schließt.

Charme: die Art, wie ein Mensch «ja» sagt, ohne daß ihm eine bestimmte Frage gestellt worden war.
Albert Camus

Chaser über is treipfe.
info] Wortspiel mit Chaser = Schwein, und dem Zeitwort: überchasern, wiederholen, ähnlich wie: ochsen, büffeln, eseln.

Chasonim sind Narronim.
Jüdisch-deutsch
info] Der Chassen muss ein Narr sein. Chasonim = Mehrzahl von Chassen, Narronim, von Narr, des Reims wegen mit hebräischer Biegung.

Chast nu Täller säge, so git's no e Warst derzue.

Chatzeliebi foot mit Schnoren aa und hört mit Chratzen uuf.
Schwiizertütsch

Chäuf (Kauf) und Läuf göh verschide.
Solothurn
info] Im Handel geht es nicht immer gleich.

Chaufwi (Kaufwein), Bottwi - thüre Wi.
Hauenstein

Chaussee und Vollgesöff sind Herr.

Chelbene gehört nach darunter.
Jüd.- deutsch
info] Nämlich Galbaum (2 Mos. 30, 34), ein stark und widrig riechendes Gummi Syriens, das auch unter das Räucherwerk im Tempel getan wurde, um anzudeuten, dass unter den Frommen auch der Sünder geduldet werden müsse.

Chelmer Narrunim (Narren).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Die Stadt Chelm in Polen steht wegen ihrer Einwohner in einem ähnlichen Rufe wie Schilda, Schöppenstädt, Polkwitz u.a. in Deutschland. Es sind eine Menge ergötzlicher Anekdoten von ihnen im Umlauf, die den Abderitenstreichen und schildaer Stücklein an die Seite gestellt werden können. Unter andern sollen sie den Ofen in der Synagoge dadurch vor dem Wegstehlen geschützt haben, dass sie folgende Inschrift anbringen ließen: 'Dieser Ofen gehört in die Synagoge zu Chelm.'

China und Japan hatte ich vor einem Jahre [in der Lektüre] fleißig durchreist und mich mit jenem Riesenstaat ziemlich bekannt gemacht.
Goethe (1749-1832), An Ch. H. Schlosser, 23.1.1815

Chind erzühe ischt au gwerchet.
Schwiizertütsch

Chinesische Herrscher geben sich nicht mit Barbaren außerhalb der Großen Mauer ab.
China

Chinesische, indische, ägyptische Altertümer sind immer nur Kuriositäten, es ist sehr wohl getan, sich und die Welt damit bekannt zu machen, zu sittlicher und ästhetischer Bildung aber werden sie uns wenig fruchten.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 763

Chleini Lüt' (Leute), Teufelshüt'.
Aargau

Chlîne Lüt (Leute) hett Gott erschaffen und die große Bengel wachse-n-im Wald.
info] Wortspiel mit Bengel = Knüttel und grober Mensch.

Chlini Ämtli bringe churzi Ehr u lange Chöste.
Luzern

Chlini Beiji steche-n-au.
Solothurn

Chlini Chind - chlis Leid,
grossi Chind - grosses Leid:
sy si chly, so trampe si eim uf d Füess;
sy si gross, so trampe si eim uf ds Härz.
Schwiizertütsch

Chlîni Ding fröuwe d' Ching.
Bern

Chlini Ross blibe lang Füli.
Solothurn
info] Kleine Pferde haben lange ein jugendliches Ansehen, gilt auch von kleinen Menschen.

Chlîni Vögeli chönna d' Schnäbeli o wît ûftûe.
Bern

Chlyni Beiji stächen au. Schwiizertütsch
hdt] Kleine Bienen stechen auch.

Chodowiecki ist ein sehr respektabler und wir sagen idealer Künstler. Seine guten Werke zeugen durchaus von Geist und Geschmack. Mehr Ideales war in dem Kreise, in dem er arbeitete, nicht zu fordern.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1131

Chojresch (Bestechung) macht kein Risches, Bosheit, Schlechtigkeit.
Warschau jüdisch-deutsch

Chojsik Narr hot sein eigen Weib nit derkännt.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Bezieht sich auf eine unbekannte Anekdote.

Chojsik Narr will aushüngern Chelm.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Der jüdische Eulenspiegel Chojsik drohte einst, die Stadt Chelm auszuhungern, indem er sich vor das Stadttor hinstrecken wollte, um auf diese Weise der Stadt die Zufuhr von Lebensmitteln abzuschneiden.

Chömme d' Schneegäns im Herbst gly zue-n-is, so git's e früeche-n und sträng Winter, göh si aber im Früelig gly wider furt, so git's e früeche'n und warme Summer.
Solothurn

Chordirigent
la] regens chori

Chorherren und Pfeiffern sol man gütlich thun, sie dienen dem beruf.

Chorherrisch leben.
info] Leichtfertig, schimpflich, epikuräisch.

Chräit der Güggel (Hahn) vor Mitternacht, git's wüescht's, chräit er noh Mitternacht, git's schön's Wätter.

Chresdag (Christtag) an der Dühr, Ostern öm et Für.

Chresdag an der Dühr, Ostern öm et Für.

Chresdag an der Dühr,
Ostern öm et Für.

Chrisam: Gleitmittel ins Jenseits.
Alexander Eilers

Chrisamskinder rührt kein Schinder.

Chrischan, lot de Katt de Fisch stahn.
Pommern

Christ hat vns gefreit vor allem leid.

Christ ist ein gemein gut.

Christ mein, wo läufst du hin? der Himmel ist in dir.
Was suchst du ihn dann erst bei eines andren Tür?
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Christ, es ist nicht genug, daß ich in Gott nur bin:
Ich muß auch Gottessaft zum Wachsen in mich ziehn.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Christ, flieh doch nicht das Kreuz: du mußt gekreuzigt sein.
Du kommst sonst nimmermehr ins Himmelreich hinein.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Christ, so du kannst ein Kind von ganzem Herzen werden,
So ist das Himmelreich schon deine hier auf Erden.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Christen an der König Höf sind Wildtprät.

Christen dürfen nur eine Frau heiraten. Man nennt das Monotonie.
Robert Lembke, Das Beste aus meinem Glashaus. Humoristisches und Satirisches

Christen haben ausswendig streit, inwendig furcht.

Christen haben ein Seel voll Gottes und einen Leib voll leidens.

Christen haben keine Nachbarn.

Christen haben keine Planeten sondern Gott allein zum Propheten.

Christen haben keine Planeten, sondern Gott zum Propheten.

Christen haben keine Planeten,
Sondern Gott zum Propheten.

Christen lassen Gott alles walten.

Christen seind dünn gesehwet.

Christen sind allenthalben in trübsal.

Christen sind dünn gesät.

Christen sind edle seulen der Welt.

Christen sind Kreuzträger.
la] Acerra philologica.

Christen sind nicht weideschaff, sondern schlachtschaff.

Christen sollen wenig Wort und viel That machen.

Christen und Könige sollen wissen, was sie glauben.

Christen werden nicht geboren, sondern wiedergeboren.
info] Man hat dieses Sprichwort, das sich auf Joh. 3, 3 bezieht, den Adelsbrief der Christen genannt.

Christen werden viermal geboren, durch die Mutter, durch die Taufe, durch die Bekehrung und durch den Tod.

Christenglaube gath uff steltzen.

Christengut hat sanften muth.

Christenleut sind auff Erden arme leut, aber in Gott die reichesten.

Christens Görgel, der Bock hat ein Auter (Euter).
Rott-Thal
info] Ausruf bei etwas Seltsamem, Ungewöhnlichem.

Christenthumb erbet (vererbt sich) nicht.

Christentum ein ewiger Feiertag.

Christentum ist (ein) ewiger Feiertag.

Christentum ist ewiger Feiertag.

Christentum ist Platonismus fürs 'Volk'.
Nietzsche, Jenseits von Gut u. Böse, Vorrede

Christentum muss man nicht so sehr den Arbeitern wie den nicht arbeitenden Herren predigen.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1906)

Christentum predigen ist gar ein schwer und gefährlich Amt. Hätt ich's etwan gewusst, so wollt ich mich nimmermehr dazu hergeben haben, sondern gesagt mit Mose: Sende, wen Du willst!
Luther, Deutsche Schriften 59

Christentum vererbt sich nicht.

Christentum, Revolution, Aufhebung der Sklaverei, gleiche Rechte, Philanthropie, Friedensliebe, Gerechtigkeit, Wahrheit: alle diese großen Worte haben nur Wert im Kampf, als Standarte: nicht als Realitäten, sondern als Prunkworte für etwas ganz anderes (ja Gegensätzliches!).
Nietzsche, Wille zur Macht

Christi blut ist der Christen bestes gut.
dk] Christ er det navn, som lykke er til god havn.

Christi Bräute sollen nicht von Hosen träumen, predigte Pater Abraham den Nonnen in Wien.

Christi gnad und ehr verdorret falsche lehr.

Christi Himmelfahrt
la] ascensio Domini

Christi Kreuz muss Lästerer haben.

Christi Leben und Wandel sind eines Christen bester Katechismus.

Christi leiden allgemein erlöset gross und klein.

Christi leiden ist genug für alle, kompt aber wenigen zu gut.

Christi Lieb' macht auch seine Boten lieb.

Christi Passion ist unsere Religion.

Christi Ritter müssen leiden vil.

Christi Schifflein mag wol sincken, aber nicht versinken.

Christi schmerz, angst und leid ist unser aller freud.

Christi Triumph hilfft uns ins Himmelreich.

Christi verdienst ist vnser gewinnst.

Christi vnschuld decket unser schuld.

Christi wort ist fett und süss, aber es lest sich nicht leichtlich verdawen.

Christian (3. oder 12.4.) fängt zu säen an.

Christianos ad leonem!
Tertullianus
dt] Werft die Christen den Löwen vor.

Christkindlein trägt die Sünden der Welt,
Sankt Christoph das Kind über Wasser hält,
Sie haben es beid uns angetan,
Es geht mit uns von vornen an.
Goethe (1749-1832), Sprichwörtlich

Christlich getauft sein macht keinen Christen, sondern christlich tun.

Christlich ist es, Sünde hassen, göttlich aber, Sünd' erlassen.

Christlich reden ist keine halsbrechende Arbeit (Tugend).
fr] Parler chrétien.

Christliche Mys tiker sollte es gar nicht geben, da die Religion selbst Mysterien darbietet. Auch gehen sie immer gleich ins Abstruse, in den Abgrund des Subjekts.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 338

Christliche oder Evangelische Freiheit ist die Freiheit des Gewissens, dadurch das Gewissen frei wird von Werken, nicht also, dass keine geschehen, sondern dass es sich auf keine verlässt.
Luther, Lateinische Schriften

Christliche Treue ist Grund und Anfang aller guten Werke.
dk] Kristiliga tru vera grundvaull ok upphof allra godtverka.

Christlichen dienst soll man nit verkauften.

Christo gelobt man nichts mit schall, es sey dan fast verloren all.
la] Christo quando datur res, spes bona tuus tribulatur.

Christtag (24.12.) feucht und nass, gibt leere Speicher und Fass.

Christum erkennen ist der höchste schatz.
fr] Par argent obtient-on maintes choses caduques et le salut par la grâce en Jesus-Christ.

Christum lieb haben ist besser, denn alles Wissen.
fr] O combien qui en Christ croit est heureux.
la] Si Christum bene scis satis est, si cetera nescis.

Christum predigen ist gar ein schwer und gefährlich Amt; hätte ich's etwan gewußt, so wollt ich mich nimmermehr dazu hergegeben haben, sondern gesagt mit Mose: Sende, wen du willst!
Luther, Deutsche Schriften

Christus bekehrt keine Hohepriester, wol aber ihre Jünger.

Christus buss'n (küssen) wollen, und 'n Juden treffen.
Oberösterreich
info] Eine jemandem zugedachte Gunst oder Ehre infolge eines Zufalls, eines Missverständnisses einer Person erweisen, der sie nicht bestimmt war. Von gläubigen Katholiken entlehnt, welche die Figur Christi oder irgend eines Heiligen aus Verehrung küssen.

Christus dachte einen alleinigen Gott, dem er alle die Eigenschaften beilegte, die er in sich selbst als Vollkommenheiten empfand. Er ward das Wesen seines eigenen schönen Innern, voll Güte und Liebe wie er selber.
Goethe (1749-1832), zu Eckermann, 28. Febr. 1831

Christus der recht Held ist sieghafft, wider den todt und all sein krafft.
la] Est pugilfortis, qui frangit uincula mortis.

Christus ein Gott vom Himmel kam,
Ein Mensch auf Erden wundersam,
Als Gott und Mensch, als Mensch und Gott,
Anbetung ward ihm, Schand und Spott,
Zuletzt zu unserer Seligkeit
Ging er durchs Grab zur Herrlichkeit.
Goethe (1749-1832), Invectiven

Christus hat den Juden nicht den Fuchsschwanz durchs Maul gezogen, sondern ihnen gestrelet mit der Hechel.

Christus hat dich allein erlöset, drum ruff jhn an, und sey getröst, gib ihm allein allzeit die ehr, du bedarffst sonst keine mutter mehr.
la] Sola diuina saluandus sum medicina.

Christus hat durch erstes Kommen
uns des Teufels Reich genommen.
Kommt er jetzt nicht bald hernieder,
kriegt der Teufel alles wieder.
Friedrich Logau, Sinngedichte, Die Zukunft Christi

Christus hat durch seine wunden vnsern schaden verbunden.

Christus hat gesagt: ich bin ein Hirt (o. Säemann, Weinstock), hätte er gesagt: ich bin ein Junker, wehe uns gemeinen Leuten.

Christus hat kein Glück auf Erden.

Christus hat Recht, uns auf die Kinder zu weisen, von ihnen kann man leben lernen und selig werden.
Goethe (1749-1832), An Charlotte v. Stein, 22.9.1781

Christus hat vergebens gelebt und ist vergebens gestorben, wenn er uns nicht gelehrt hätte, unser ganzes Leben nach dem ewigen Gesetz der Liebe einzurichten.
Mahatma Gandhi (1869 - 1948)

Christus hat viel Diener, aber wenig Nachfolger.

Christus hat viele Diener, aber wenig Nachfolger.

Christus in allem trübsal ist vnser bestes labsal.

Christus in Zachäi Haus war ein lieber Gast.

Christus ist der allgemeine Ablas Meister, der das Fegfewer aussgelescht.

Christus ist der Papisten Weisenberg, aber nicht Kronen Weisenberg.

Christus ist der rechte Hertzog in Oesterreich.

Christus ist der Welt Widerchrist.
Sebastian Franck bei Zinkgref, Apophth.

Christus ist mein Leben und Sterben Gewinn.
la] Mihi enim vivere Christus est et mori lucrum.

Christus ist mein unmittelbarer, wie sie sagen, Bischof, Abt, Prior, Herr, Vater und Meister. Einen andern kenne ich nicht mehr.
Luther, Lateinische Schriften

Christus ist nicht in der Kammer.

Christus ist nicht Steuermann, sondern Steuerknecht im römischen Schiff der guten Werke.

Christus ist sauer essens nit ungewohnt, und kan widerumb noch viel sauers kochen, wehe denen, die es essen müssen.

Christus ist um Geld verraten worden.
Neugriechisch

Christus ist unbegreiflich, niemand kann ihn in diesem Leben auslernen, dass er recht verstünde, was und wer er wäre; denn er ist Gott.
Luther, Deutsche Schriften

Christus ist uns schon viele Jahre vorausgegangen, deswegen muss man wol beritten sein, wenn man ihm folgen will, sagte der Abt, als ihn einer fragte, warum er reite, während sein Herr und Meister zu Fuße gegangen sei.

Christus ist unser Fleisch und wir sein Gebein.

Christus ist unsers lebens zielstatt, zweck und fürbild.

Christus konnte wol die Reichthümer verachten, er bedurfte ihrer nicht, hätte er aber alles kaufen müssen, er würde anders gesprochen haben.

Christus lässt wohl sinken, aber nicht ertrinken.

Christus läßt wohl sinken,
Aber nicht ertrinken.

Christus leidet am meisten von den Gelehrten.

Christus möge segnen, was gut begonnen ist.
la] Christus bene coepta secundet.
Erasmus, Colloquia familiaria, Auspicanti quippiam

Christus muss wachsen, ich aber abnehmen, sagt Johannes.
info] So sagt man am Tage der Geburt Johannes, weil die Tage um diese Zeit abnehmen und Christi Geburt näher rückt.

Christus regiert, Christus überwindet, Christus triumphiert.
Karl der Große bei Zinkgref, Apophth.

Christus segne dieses Haus.
la] C. M. B.
info] Christus mansionem benedicat bzw. Caspar, Melchior, Balthasar.

Christus und Belial lassen sich nicht vertragen.

Christus und der Belial stehen nimmer in einem Stall.

Christus verdient's, der Glaube begreift's, die Werke bezeugen's.

Christus wäre nimmermehr bei Zachäo eingekehrt, wenn er nicht vom Maulbeerbaum herabgestiegen wäre.
info] Empfiehlt Bescheidenheit.

Christus wird noch täglich gekreuzigt.

Christus, da er Menschen ziehen wollte, musste er Mensch werden. Sollen wir Kinder ziehen, so müssen wir auch Kinder mit ihnen werden.
Luther, Deutsche Schriften

Christus, vnser rüster, ist aller Christen muster.

Chromatische Betrachtung und Gleichnisse. Lieben und Hassen, Hoffen und Fürchten sind auch nur differente Zustände unseres trüben Inneren, durch welches der Geist entweder nach der Licht oder Schattenseite hinsieht. Blicken wir durch diese trübe organische Umgebung nach dem Lichte hin, so lieben und hoffen wir, blicken wir nach dem Finstern, so hassen und fürchten wir. Beide Seiten haben ihr Anziehendes und Reizendes, für manche Menschen sogar die traurige mehr als die heitere.
Goethe (1749-1832), Tagebuch, 25.5.1807

Chuder (Kauder) im Chopf hâ.
info] Närrisch, verrückt, verwirrt sein.
ho] Men weet wel, in welk gezelschap men is, als ratten en muizen koeterwaalsch spreken.

Chuma (kommen) n'i nid hütt, so chuma n'i de morn und vilicht gar üb'rmorn.
Bern
info] Trostspruch der Faulen und Lahmen.

Churzi Haar sî glî b'bürstet.
Bern

Churzi Predigt, langi Brootwürst.
Schweiz

Churzi Ross und längi Rind, e rychi Frau und weni Chind, das hilft huse.
Solothurn

Chutzpe (Dreistigkeit, Keckheit, Frechheit) muss mer habe' (wenn man im Leben fortkommen will).
Jüdisch-deutsch

Chutzpe muss mer habe'.

Cis Rhenum schiede den Krieg.

Claudius, Matthias] Irrtum wolltest du bringen und Wahrheit, o Bote von Wandsbeck,
Wahrheit, sie war dir zu schwer, Irrtum, den brachtest du fort!
Goethe (1749-1832), Xenien 18 - Erreurs et vérité

Claus speiset mit worten.
la] Verba importat Hermodorus.

Clauss meint, es sei geritten, wenn er den Sattel auf'm Kopfe getragen.
info] Um einen einfältigen Menschen zu schildern.

Co Komin, to Dunin.
info] Dem berühmten Peter Dunin soll die heilige Jungfrau versprochen haben, dass seine Nachkommenschaft sich in so viel Familien ausbreiten solle, als er Kirchen bauen werde; und deren soll er 77 erbaut haben.

Coellen (Köln) in Duyschlant, London in engelant, Parijs in vrankrych, Roma in Italien.
info] In der Köhlhof'schen Chronik von 1499, in der dieses Sprichwort vorkommt, wird Köln die 'hochwürdige und heilige Stadt', die 'Metropolis und Hauptstadt vom ganzen deutschen Lande' genannt.

Cogito ergo sum. Ich denke und mithin so bin ich; Ist das eine nur wahr, ist es das andre gewiss.
Goethe/Schiller, Xenien

Cöllen (Köln) eine Kroin boven allen Städten schoin.
info] Altdeutscher Spruch, der sich unter dem Bilde auf dem silbernen Tafelaufsatz befindet, den 1858 die Stadt Köln dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, jetzigem Kronprinz (1869), zum Hochzeitsgeschenk überreichte.

Columbus, Christoph] Ein merkwürdiges Beispiel, wie die Nachwelt irgendeinem Vorfahren die Ehre zu rauben geneigt ist, sehen wir an den Bemühungen, die man sich gab, Christoph Colomb die Ehre der Entdeckung der neuen Welt zu entreißen. Freilich hatte die Einbildungskraft den westlichen Ozean schon längst mit Inseln und Land bevölkert. [.. Freilich waren die Nachrichten von Asien her schon weit herangerückt, Kühngesinnten und Wagehälsen genügte die Küstenschiffahrt nicht mehr, durch die glückliche Unternehmung der Portugiesen war die ganze Welt in Erregung, aber es gehörte dem doch zuletzt ein Mann dazu, der das alles zusammenfaßte, um Fabel und Nachricht, Wahn und Überlieferung in Wirklichkeit zu verwandeln.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Erfinden und Entdecken

Concilium hin, Concilium her, ist's Menschenlehr, so gilt's nicht mehr.

Concilium hin, Concilium her,
Ist's Menschenlehr, so gilt's nicht mehr.

Concordia ist zu allen Dingen gut.

Corneille hat, wenn ich so sagen darf, große Menschen dargestellt, und Racine vornehme Personen.
Goethe, Lehrjahre III,17

Corneille, Pierre] Corneille hat, wenn ich so sagen darf, große Menschen dargestellt, und Racine vornehme Personen.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre III,17

Corneille, Pierre] Durch die despotische Unvernunft des Kardinal Richelieu war Corneille an sich selbst irre geworden.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 94

Corneille, Pierre] Eine tiefe innere Selbständigkeit ist der Grund aller seiner Charaktere, Stärke des Geistes in allen Situationen ist das Liebste, was er schildert.
Goethe (1749-1832), Theatralische Sendung II,2

Corneille, Pierre] Von Corneille ging eine Wirkung aus, die fähig war, Heldenseelen zu bilden. Das war etwas für Napoleon, der ein Heldenvolk nötig hatte, weshalb er denn von Corneille sagte, dass, wenn er noch lebte, er ihn zum Fürsten machen würde.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 1.4.1827

Cöslin darf eine Torheit tun, und darf sie auch bezahlen.
info] Zur Zeit der Reformation lebte dort ein katholischer Barbier, der eines Tages zu viel trank und sich zur Störung des Gottesdienstes mit einem Glase Branntwein in der Hand und einer quakenden Ente unter dem Arme in die Kirche hineindrängte. Darüber gerieten die Cösliner in solche Entrüstung, dass sie ihn in einen Sack näheten und lebendig ersäuften. Sie mussten wegen dieser Tat nicht allein 4000 Gulden bezahlen, sie erhielten auch den Namen Sacksöfers deshalb. Sie haben aber auch noch andere Spitznamen gehabt. So sagte man Horsa Cöslin, weil sie einmal gegen ihren Landesherrn Bogislaf X. zwar einen mutigen, aber unbesonnenen Angriff gemacht hatten. Man schimpfte sie dann auch wieder Musum Cöslin, oder Mus Cöslin, weil ihr Bürgermeister Heidenreich ihnen den Ratsschatz mausete und damit nach Lübeck entwich, der Lübecker Rat aber den Schatz mit Beschlag belegte und davon einen festen Turm baute, den man dort Musum Cöslin nannte.

Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser. Ausdauer, das ist die Hauptsache.
Theodor Fontane, Der Stechlin

Courage schützt vor Blamage.

Courage, Kraut und Lot (Pulver und Blei) hilft manchem aus der Not.

Courage, verlass mich nicht, wenn's angeht, so entlauf' ich.
Schwaben

Courier ist ein großes Naturtalent, das Züge von Byron hat, sowie von Beaumarchais und Diderot. Er hat von Byron die große Gegenwart aller Dinge, die ihm als Argument dienen, von Beaumarchais die große advokatische Gewandtheit, von Diderot das Dialektische, und zudem ist er so geistreich, dass man es nicht in höherm Grade sein kann.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 21.3.1831

Cousin, Viktor] Was Cousin betrifft, so kann er zwar uns Deutschen wenig geben, indem die Philosophie, die er seinen Landsleuten als etwas Neues bringt, uns seit vielen Jahren bekannt ist, allein er ist für die Franzosen von großer Bedeutung.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 3.2.1830

Cras, cras ist der Raben Sang.

Cras, cras schreyen die Raben, d.h. morgen, morgen will ich Busse tun.

Cresole, ein armer Ort, man hat nicht Brot, nicht Krümchen dort.
it] A Cresole - non v' è nè pan nè fregole (= briccioli).

Cretenser seind lügner, faul beuch, und böse vihe.
la] Cretensis cretensem.

Crispin macht den Armen um Gotteslohn Schu, er stahl aus Erbarmen das Leder dazu.

Crispinus stillt dat Ledder, un gift de Schoh um Gotts willen.
info] Die stahlen das Leder und machten armen Leuten Schuhe daraus.

Cum pleno titulo ist Eifersucht des Teufels Zuflucht, und fast in der ganzen Welt kein größere Torheit als diese.
Abraham a Santa Clara (1644-1709), Der eifersüchtige Narr

Cura prima finxit: Dieses Seiende hat den Ursprung seines Seins in der Sorge. Cura teneat, quamdiu vixerit: Das Seiende wird von diesem Ursprung nicht entlassen, sondern festgehalten, von ihm durchherrscht, solange dieses Seiende, in der Welt ist.
Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1. Hälfte

Cuvier, der große Naturkenner, ist bewundernswürdig durch seine Darstellung und seinen Stil. Niemand exponiert ein Faktum besser als er. allein er besitzt fast gar keine Philosophie.
Goethe, Eckermann, 3.2.1830

Cuvier, Georges] Cuvier, der große Naturkenner, ist bewundernswürdig durch seine Darstellung und seinen Stil. Niemand exponiert ein Faktum besser als er. allein er besitzt fast gar keine Philosophie.
Goethe (1749-1832), Eckermann, 3.2.1830

Cyprian von Karthago erzählt von einem Kind, das Überreste einer heidnischen Opfermahlzeit genossen hatte und sich von dem Diakonen, der ihm den Kelch des Herrn reichen wollte, abwandte. Dem Diakon gelang es aber doch, dem Kind etwas Wein einzuflößen. Da erbrach es sich, denn der zum Blut des Herrn geweihte Trunk konnte nicht in dem entheiligten Magen bleiben.
Aberglaube

D' Advokaten wissen, wia ma die wächserne Nasn draht.

D' alt'n Glâb'n (Glauben) und d' alt'n Zäu(ne) fallen ei'.
Innsbruck

D' Arbat is koa Frosch, die hupft oam net davo.

D' Arbeit ist kein Has', die lauft nicht davon.

D' Auge uf oder der Geldseckel.
Luzern
ndt] D'Aen oder der Beidel op. Luxemburg

D' Batenberger hei' d's Mul über der Nase.
Schweiz
info] Die Batenberger wohnen nämlich am Thunersee in der Höhe auf einem Vorsprunge, welcher die 'Nase' heißt.

D' Bedenke' kann e kengem ferdenken.

D' Biérge' begene' sech net, ower d' Leit.

D' Blaumüüler (= Silberstücke) sind die beste Reiskamerade.
Schweiz.

D' Box (Hose) unhun.

D' Brunnenliese hätt' g'sat: Lug' d' Bire a.
info] So antwortet man in St.-Gallen dem, welcher gute Ware zu teuer findet. Die Brunnenliese gab ihre Birnen zwar teuer, hatte aber immer vortreffliches Obst, daher sie zu den über den Preis sich beschwerenden Käufern wohl sagen konnte: Lug d' Bire a, d.h. sieh was für gute Früchte du für dein Geld bekommst.

D' Bure lure so lang si dure.
Solothurn

D' Bure si Lure und Schelme vo Nature.
Emmental, Schweiz
mhd] So wist dat nijt so sugr, inis as van arde em gebugr, wan e dat hie up stigende is, hie is gijr ind valsch, des sijt gecoijs.

D' Chind si eim nid am Schiibei gwachse.
Schwiizertütsch

D' Chriesi hend Stei für keinen allein, d' Chriesi hend Stiel, 's 'kas essen, wer will.

D' Chue (Kuh) machen.
Luzern
info] Der Narr im Spiel sein.

D' Ehrlichkeit isch us der Welt g'reist und der Kredit is närrisch worden.
Solothurn

D' Eltere erzühed d Chind und d Nochbere verhürootet s.
Schwiizertütsch

D' Engele mach'ns Bett.
Elsass
info] Wird gesagt, wenn's schneit.

D' Feindschaft hat an kloan Kopf, findt überall eini.

D' Flejel (Flügel) lapple lon.
info] Entmutigt sein, keine Anstrengung mehr machen, den Fittich hängen lassen.

D' Frau ha Hosen a und ist Meister un nit de Ma.
info] Wahrscheinlich schrieb auch deshalb Luther an seine Frau: 'Lieber Herr Käthe.'

D' Freud' leit (liegt) im Bach.
Würtemberg

D' frühen Vögl falln gern aus 'm Nest.

D' Fuchswildhaub'n afhab'n.
Oberösterreich
info] In leidenschaftlicher Aufregung, fuchswild sein.

D' Gofa ond d' Narra (oder die: rüschiga Lüt) sägid d' Wohreht.
info] Gof = ein niedriger, doch in der Schweiz nicht auffallender Ausdruck für das in der edlern Sprache gebräuchliche Chend (Kind).

D' Gurgel is iem z' weit.
Ob der Enns
info] Von einem starken Trinker.

D' Güte isch mengsmol es Stuck vo d'r Liederlichkeit.
Aargau

D' G'vaternhund beißen a.
Oberösterreich
info] Die Hunde der Gevattersleute beißen auch.

D' Haar einzeln ausgrissn ist no lang net geschorn.

D' Hammel muss mer scheren, so lang er Wolle hat.
Teplitz

D' Händ an' Emm b'schissa.
info] Durch den Umgang mit jemand in Schande kommen.

D' Hand drüber schloh.
Luzern
info] Beschwichtigen.

D' Händ öber enand tue.
info] Müßig sein, die Hände in den Schoß legen.

D' Händ unter d' Füß lege.
Luzern

D' hand von der Buttn, - san Weinbeerln drein!

D' Händle versteckt, dass kei Mäusle dra schmeckt.
Ulm
info] Zu kleinen Kindern.

D' Henna (Henne) badid si, es ged ruh (regnerisches) Wetter.

D' Herre (Geistlichen) zeige eim allemal d'r Weg in Himmel und - göhnd en selber nit.
Aargau

D' Herre esse Schnepfedreck, d' Bure esse Krut und Speck, und äser eins soll geng nüt ha.
Bern

D' Hoa (Haare) senn ma dapai ge Pea gstign.
Steiermark

D' Hoasa (Hase) drascha bain'm.
Troppau
info] Ist in Furcht, besonders in Fällen, wenn jemand seiner Handlungen wegen entdeckt zu werden fürchtet.

D' Hörner ausstrecke.
Schwaben

D' Hühner göh gern y (ins Hühnerhaus), 's git schön Wätter.
Solothurn

D' Hühner göh nit gern y, 's git wüescht Wätter.
Solothurn
info] wüescht = von wüst = unansehnlich, schlecht, hässlich, z.B. wüst tun = lärmen, zanken; ein wüstes (d.h. abgenutztes hässliches) Kleid; wüste, d.i. schmuztige Hände; wenn der Himmel sich überzieht, sagt man: es wüstet.

D' Hühner si uff de Bäume, 's git wüescht Wätter.
Solothurn

D' Hühner und d' Rebe gänd nüd vergebe.
Luzern

D' Hund bissid en and nid.
Luzern

D' Hund und d' Herrn lassen die Türen offen.
Oberösterreich

D' Hündle versteckt, dass koi Mäusle dran schmeckt.
Ulm

D' Ima (Imme) thüend nüd ala Lüta guet.
info] Entschieden denen nicht, die sie nicht angemessen und gut behandeln.

D' Jugend muss tobet ha, hätt de Bettelma g'seit, do ischt em s Chind zum Bündel usgheit.
Schwiizertütsch
info] Keiten = fallen.

D' Jungfraun und d' Oar derf ma net z' lang aufhebn.

D' Karte müsse's gebe, hat der Beckabu g'sait, hat's Zaindle sammt de Wecke verspielt.

D' Kend'r (Kinder) macht ma mid'm Pôp'l forchtich, d' Grûssa mid'm Taif'l.
Österreich-Schlesien

D' Kirch' ist sein G'vatterin.
Schwaben

D' Knödel sein gessen - jetz waar was zum Essen recht!

D' Koh (Kuh) melkt dörch'n Hals.
Seehausen
info] Je besser sie gefüttert wird, desto mehr Milch gibt sie.

D' Kotz kreit mer de Buckel nauf.
Ulm
hdt] Die Katze kriecht mir den Buckel hinauf.

D' Kriesi (Kirschen) händ Stiel, s' cha näh, wer will; d' Kriesi händ Stei, si g'höre nid eim allei.
Luzern

D' Kroide (Kreide) schrîb and'rsch.
info] Es kam nicht so, wie erwartet war.

D' Kue (Kuh) schlot em de Kübel um.
info] Seine Bestrebungen misslingen ihm.

D' Kuh vergisst, dass sie a Kalb gewea ist.
Württhemberg
dä] Koen har glemt at hun var kalv.
fr] Il est advis à vielle vache qu'elle ne fust oncques et veau.
ho] De koe is vergeten, dat zij een kalf geweest is.
sd] Koon will intet meer witta aff at hon haar warit kalff.

D' Kundschaft verschla.
dt] Die Kundschaft verlieren
info] Den Kredit, den guten Namen einbüßen.

D' Kuttelfleck kommen aus dem Dreck, kommen wieder drein, müssen immer Kuttelfleck sein.
Augsburg
info] Die zur Speise zubereiteten Kaldaunen.

D' Längi macht d' Strängi.

D' Laubagüss kimt ganz gwis.
Oberösterreich
info] Vom Laubfall im Oktober.

D' Leut lässt ma redn - d' Küah schelln - und d' Hund belln.

D' Leut lernst aufm Markt kennen, net in der Kirchen.

D' Leut lernt man auf'm Markt kennen, net in der Kirchen.

D' Leut' müss'n was z' rede haba, d' Hund was z' belle.
Oberösterreich

D' leut nemen sich zu tod.

D' Leut reden viel, wenn der Tag lang is.

D' Leut redn immer vom Saufen, aber nia vom Durscht.

D' leut sindt nit guldin.

D' Liab (Liebe) is a narrisch Ding, den måchts schwer und den måchts g'ring, den machts kålt und den machts warm, den machts reich und den machts arm.
Wien

D' Liab druckt 's Herz und da Knödl 'n Magen.

D' Liab macht blind - beim Arsch und beim Grind (= Kopf).

D' Lieb neigt sich auf dö Seit'n, wo d' Taschen hängt.
Österreich
la] Amor vergit ad crumenam.
sd] Kiärleken hånger wed taskan.

D' Liebe mues zangget ha, und wenn si enangere mit Schitere würf.
Schwiizertütsch

D' Liebi dringt dur d' Händsche dure.
Schwiizertütsch
ho] De liefde klapt uit hare oogen, en dringt door den handschoen heen.

D' Liebi ist blind, fallt ebe so liecht uf e Küedr as uf e liebs Kind.

D' Liebi ist blind; es küsst e Mueter ihres rotzig Kind.

D' Liebi muess zangget ha, und wan si enangere mit Schitere würf.
Oberaargau

D' Lippe hänge, wie e Ross vor der Schmidd.
Münstertal

D' Lippe îs g'schwolla wî a Bänd'r pôtscha.
Österreich-Schlesien

D' Lob hoam gea.
info] Erlittenes Unrecht rächen, wieder vergelten.

D' Lumpe si Lüt, und us Narre gits nüt.
Solothurn

D' Lüt (Leute) lan rede, d' Hünd lan waulen, d' Vögel lan gappen und geng grad usi de rächt Weggen.

D' Lüt thüend doch nie schüliger, as um die hälig Zit umme.
info] Die meisten Ausschweifungen fallen in die Zeit der kirchlichen Feste.

D' machst j'a a G'sichte, wie de Kotze, wenn's dunnert (waterlecht).
Freistadt

D' Manne hei alli es Schît im Rügge, wenn 's nit brönnt, so mottet's.
Schwiizertütsch

D' Manne hei Chnöpfli u d' Wiber Häftli.
Bern

D' Maus gat no oimaul in d' Fall'.
Ulm

D' Max'n sein ihm ausgegangen.
info] Die Maxdore; das Geld ist zu Ende.

D' Midicha- und d' Montabräut' habet nie koan rechte Freud'.
Oberösterreich
info] Es herrscht der Glaube, dass Ehen, die Montags und Mittwochs geschlossen werden, nicht glücklich seien. An vielen Orten halten Brautleute, von denen ein Teil verwitwet ist, an diesen Tagen Hochzeit. Mädchen, wurden und werden in der Regel nur noch au Dienstagen 'z'samgöben' oder getraut. Ein Rest von Tagewählerei, wovon sich im Volksglauben noch reiche Spuren finden. Die Heiden wählten für ihre Unternehmungen die Tage aus; und da die Taufe nicht kräftig genug ist, allen Aberglauben, alle verkehrten Ansichten abzuwaschen, so ist auch sie ins Christentum wie vieles andere übergegangen. Wenn ein Fremder am Montage zur Stubentür hineinsieht, ohne ganz hineinzugehen, so folgt daraus, dass der Mann seine Frau schlägt. Wer am Grünen Donnerstag oder drei Freitage hintereinander fastet, der ist dasselbe Jahr vom Fieber frei, wer es hat, verliert es. Freitags soll man Kinder nicht baden, weil sie aus ihrer Ruhe kommen. Wenn Sonnabends der Wocken nicht abgesponnen wird, so wird aus dem Flachs und Werch kein gut Garn und bleicht sich nicht weiß. Am Mittwoch geborene Kälber sollen von der besten Art sein, dagegen soll man am Mittwoch kein Kalb anbinden, man soll an diesem Tage nicht ein- oder ausziehen u.s.w. Einige halten den Mittwoch, andere den Donnerstag, andere den Freitag zu Unternehmungen für unglücklich u.s.w.

D' Miller unn d' Becke händle mit nander.
Elsass

D' Moasenfâa soll ma' alsand hâa.
Oberösterreich
hdt] Die Meisenfänger soll man allesammt hängen.
info] Weil die Meisen zu den vorzüglichsten Insektenvertilgern gehören. Die Weisthümer setzen auf ihren Fang die höchste Buße; aber erst in neuerer Zeit haben die Tierschutzvereine wieder für ihre Schonung gewirkt.

D' Morgastund hat Gold im Mund, sie hat aber ganz natürlig pfundweis Blei im Fürlig (= Hintern).

D' Müller und d' Becke stäled nid, me bringt ne's.

D' Müller, Schnîder und Wäber wöred nid g'hänkt, 's Handwerk ging sust ûs.

D' Nachbarschaft dakena.
Oberösterreich
info] Die Nachbarschaft er- oder anerkennen, auch nachbarlich sein, sagt man in Oberösterreich von Nachbarn, die in gutem Einvernehmen, das sich besonders dadurch ausspricht, dass die Männer an Feiertagen gern zusammenkommen, sich mit Gespräch und Spiel unterhalten.

D' Nacht, d' Liebi und de Wî gänd verkehrti Gedanken ii.
Schwiizertütsch

D' Narre (Narren) si au Lüt.
Schweiz

D' Narre si au Lüt, aber nid wie ander.

D' Narre si au Lüt, aber nit all' Lüt Narre.
Solothurn

D' Narre tüend e Zeiche.
Schweiz

D' Narre wachse, me brûcht si nid z' b'schütte.
info] B'schütte = mit Dünger begießen.

D' Nase z'vorderst ha.
Luzern
info] Der erste sein wollen.

D' Nochrichd hod an Pauannknechd daholdd'n.
Steiermark
hdt] Das Nachgericht, der Nachtisch, hat den Bauerknecht erhalten, nämlich im Dienst.

D' Norre und Narre sind z' tür, wie me's kauft.

D' Not greint.
Oberösterreich
info] Sie macht die Menschen mürrisch, zänkisch.

D' Oerta 'n us macha.
info] In Appenzell; in anderen Kantonen auch Uerte, in Glarus nebenbei auch Uerteli = Zeche; in Bündten auch Gastmahl. Bei Hebel: Uerte = Wirtshausrechnung, wie Abrechnung überhaupt. Davon das Zeitwort urten, ürten, ürtnen.
z] Beim Wein ürten oder zechen.
z] Mit dem mag er wohl ürtnen und Trinkhen. Zellwegers Urkunden zu seiner Geschichte des Appenzeller Volks, Trogen 1830-36
z] Um örthen spihlen. Landbuch des Cantons Appenzell, 1585
info] Um die Zeche spielen.

D' Pfeifa b'schneide.
info] Den Übermut dämpfen, die Mittel schmälern.

D' Pfeife ausklopfa.

D' Pfuscher esse 's Brod und d' Mödeler lyde Not.
Solothurn
info] Um zu sagen, dass Pfuscher mehr als sorgfältige, aber langsame Arbeiter verdienen.

D' Ross frässet e Ma, wo nid mit umgoh ka.

D' Ross schlönd enand nu bim leere Bahre.

D' Ross stalled gern, wo's vorher nass ist.

D' Rumplebe, d' Scheißete.
Schwaben

D' Sach isch g'schättert.
info] G'schättert von schatt = geflickt.

D' Sach zum Wort und 's Geld an en Ort.

D' Sâl ût is, d' Sgô sgännt is.
Oldenburg
hdt] Die Sohle heraus, der Schuh geschändet.

D' Säu gelte nie, was sie wert sind.
Luzern
info] Entweder zu viel oder zu wenig.

D' Sau gibt, Vater, gib du.
info] In Schwaben, wenn man bestimmt, wer zuerst die Kosten auszulegen hat.

D' Säu hei eidwederes strauig oder guldig Stile.
Solothurn
info] Je nach der Kartoffelernte werden die Schweine sehr billig oder sehr teuer.

D' Scham hät d' Röth verlore.
Aargau

D' Schelm sy au Lüt, aber nit all' Lüt Schelme.
Solothurn

D' Schelme sind nid alli Müller, aber d' Müller alli Schölme.

D' Schloflüs bysse-n-e.
Solothurn

D' Schneck' auf d' Schwanz schlage, dass se net büllet (bellen).
Ulm
info] Die gewöhnliche Antwort auf die Frage, was jemand treibe.

D' Schnorra all z' vorderest hâ.
info] Das Maul eines Tieres, verächtlich des Menschen. Im Reden vorlaut, schnippisch, naseweis sein.

D' Schuasterweiber und die Schmiedsroß gehen barfuß.

D' Schuhmacher träge de böseste Schuh.
Luzern

D' Schulden essen mit aus der Schüssel.

D' Schulden und 's Wort Gottes bleibn ewig!

D' Simpeler hei Buoben wie Chinija, Maddjini wie Prinzel sine, Gold wie Laub, Fleisch wie Holzbîge, Wî wie Bäch.

D' Soppa heds das wie 's katholische Vateronser, se hed au ke Chraft ond ke Herrligkeit.
hdt] Die Suppe hat, wie das katholische Vaterunser keine Kraft und keine Herrlichkeit.

D' Stadtleut ihr Dreck stinkt aa net besser als der Bauerndreck.

D' Straße war iem bald z' eng.
Oberösterreich
info] Von Betrunkenen, die im Zickzack gehen.

D' Stross isch em z' schmal.
Solothurn

D' Stuet'n hat an Eisen zött.
Oberösterreich
info] Von einem Mädchen, die ledig schwanger geworden. Man pflegt Stuten, die besprungen werden sollen, unmittelbar vorher, damit der Beschäler nicht Schaden leide, die hinteren Eisen abzunehmen.

D' Supp' im Glas (Bier, Wein) versparet Salz und Schmalz.

D' Supp ist's best, sagt der Schwab', wenn sie aber zuletzt käme, ässe niemand mehr davon.

D' Tuub is kein Mensch, d' Tuub ist en Chernedieb.
hdt] Die Taube ist kein Mensch, die Taube ist ein Körnerdieb.
info] Wortspiel; der Angeredete soll verstehen: du bist.

D' Vaseljahr abdienen.
Oberösterreich
info] Elternlose Kinder waren, bis Kaiser Joseph II. dies Gesetz aufhob oder die Observanz abschaffte, verpflichtet, bis in das vierzehnte Jahr bei ihrer Herrschaft um Kost und Lohn zu dienen. Auch die jungen Leute über vierzehn Jahre bis zu ihrer Volljährigkeit konnten, so weit sie im älterlichen Hause entbehrt werden konnten, rechtlich gezwungen werden, bei der Herrschaft drei Jahre hindurch um geringes Lohn zu dienen. Man nannte dies 'die Voaseljahrn abdienen'.

D' Viele gid der G'wün (Gewinn), sagte der Zugerbot, als er in Zug Weggli zu ein Zürcherschilling kaufte und in Luzern zu ein Luzerner Schilling verkaufte, aber aufs Dutzend das dreizehnte umsonst erhielt.
Luzern

D' Walliser si hundert Jahr später ufg'stann als di ussere Kantone.

D' Wänd händ Ohre und d' Stude-n Auge.

D' Weiber hand meh Gwalt wie's Schießpulver.
Allgäu

D' Weiber kochen 's Lachen, 's Belln und 's Weinen in oam Hafn.

D' Weiber und d' Füchs ham neunerneunzgerlei List und no an Binkel (= Bündel) voll dazu.

D' Weiber und d' Katze g'höre a is Haus.

D' Weibleut muss man reden lassen und 's Wasser rinnen.

D' Weibleut san wetterwendisch. Vor der Hochzeit munden 's oam und nach der Hochzeit maulen 's oam.

D' Weibsleut muss man reden lassen, und's Wasser rinnen.
Aus Bayern

D' Weisheit aus de Nägel sauge.
Ulm

D' Weißwurscht muaß vor'm Zwölfeläuten sterben.

D' Welt blîbt Welt und riisst si um's Geld.

D' Welt ist kei Strumpf.

D' Welt ist koa Hennagsteign, - Buama gibt's gnua!

D' Wienerfrucht is in Mutterleib nichts nütz.
Wien

D' Zeit lehrt d' Leut.
nl] De tijd leert staög wijzen en onwijzen.

D' Ziegel uf em Dach wissets.
info] Es ist kein Geheimnis mehr, alle Welt weiß es.

D' Zit bringt Rose, aber z'erst Knöpf.

D' Züricher liidet eh en Schaden als e Schand.

Da aber alles, was sich unter Menschen im höheren Sinne ereignet, aus dem ethischen Standpunkte betrachtet, beschaut und beurteilt werden muss..
Goethe (1749-1832), Principes de Philosophie Zoologique

Da aber die Ewigkeit die Zeit nicht verlässt, so scheint sie sich mit der Zeit zu bewegen, obschon die Bewegung in der Ewigkeit Ruhe ist.
Nikolaus von Kues. Über die Schauung Gottes

Da aber in jeder Art der Ehe die Menschen bleiben, was sie vor der Ehe waren, und die Bürger protestantischer Länder meist Philister sind, so bringt es diese protestantische Monogamie im Durchschnitt der besten Fälle nur zur ehelichen Gemeinschaft einer bleiernen Langeweile, die man mit dem Namen Familienglück bezeichnet.
Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie..

Da aber zu einer glückseligen Lebensführung die drei früher genannten höchsten Güter der Menschen gehören, Rechtschaffenheit, Vernunft und Lust, so sehen wir demgemäß auch drei Lebensformen, deren eine alle, die im Leben ihr eigener Herr sind, bevorzugen: das politische, das philosophische und das Genussleben.
Aristoteles, Endemische Ethik

Da aber zum Glück die bürgerliche Welt unfähig ist, die Forderungen der Arbeiter auch nur einigermaßen zu befriedigenPestalozzi, die ökonomischen Verhältnisse immer trauriger werden, so gehen die Massen nicht auf den Parlamentsleim, mag ihnen der Sirenengesang noch so verführerisch seitens ihrer bisherigen Vertrauensmänner in die Ohren hallen.
August Bebel (1840-1913), an Friedrich Engels, 19. 6. 1885

Da aber, wo der Hunger unser Handeln lenkt, erwächst Zivilisation mit allem dazugehörigen Bösen, mit allen Lasten und Beschränkungen..
Maxim Gorki (1868-1936), Sofia Andrejewna Tolstaja

Da Adam hackt (reut) und Eua span, wer war da ein Edelmann?
mhd] Da Adam den Acker bawet, und Eua spann, wer was do ein Edelmann?
mhd] Do Adam reutte, und Euv span, wer was do ein eddelman.
mhd] Aller adel am ersten cham, von Eva und von Adam.
info] Wer mehr sein will, als ein gewöhnlicher Adamssohn, muss sich durch edle Handlungen auszeichnen. Nicht Geburts-, sondern Verdienstadel flößt Achtung ein. Aus der Zeit der Bauernkriege, 15. Jh. ff. Unter Kaiser Maximilian I. (1459-1519) hatte jemand obigen Spruch an eine Wand der kaiserlichen Burg geschrieben. Der Kaiser schrieb darunter: Ich bin ein Mann wie ein anderer Mann, nur dass mir Gott die Ehre gan. Der englische Prediger John Ball predigte, nachdem man ihn aus dem Gefängnis befreit hatte, vor etwa 20.000 Menschen über das Sprichwort: When Adam delv'd and Eve span, who was then a gentleman? John Ball wurde am 15. Juli 1382 als Unruhstifter geschleift, gehängt und geköpft.
z] Als Adma grub und Eva spann,
Wer war da wohl ein Edelmann? John, Ball, engl. Prediger
z] Die frömmsten Edelleute fühlen zu einem Zweifel doch Beruf: Warum wol Gott am fünften Tage nicht einen Herrn von Adam schuf.
z] Als Wilhelm wirkt und Bismark spann, Gott hatte seine Freude dran.
G. Hesekiel, Das Buch vom Graf Bismark, Bielefeld 1870
dä] Adam fik en hak, og Eva fik en rok, deraf er al vor adels ferk.
dä] Adam groo og Eva spandt, hvor fandtes da en adelsmand.
en] When Adam delved and Eve span, who was then the gentleman? Prediger John Ball, Bauernaufstand 1381
fr] Ce n'est plus le temps où Berthe filait. (Die Zeit ist vorbei, in der Bertha* spann.) *Königin, Stifterin einer Benediktinerabtei am Genfer See, 10. Jh.
ho] Tom Adam spitte en Eva span, waar vond men toen den edelman?
ho] Wie was die edelman doe Adam graf ende Eva pan?
la] Adam fodiente, quis nobilior, Eva nente? Walther
la] Cum oret coniunx, et humum curaret Adamus vomere, ubi nomen nobilitatis erat?
la] Dum sarriret Adam, sua pensaque duceret Eva, fastus ubi tumida nobilitatis erat? la] Qui genus jactat suum, aliena laudat. Seneca
pl] Gdy Ewa przędła, Adam ziemię kopał, kto wtedy był szlachcicem, a kto komu chłopał?
sd] När Adam plöjde och Eva spann, en hwar war då en adelsman.

Da Allah den Wipfel der Dattelpalme nicht gebeugt hat, gab er der Giraffe einen langen Hals.
Arabien

Da allen denen, welche aufrechtem Wege wandeln, nur Gutes und Rechtes begegnen kann..
Goethe (1749-1832), An Ch. L. F. Schultz, 1.9.1820

Da alles du dahinten lassen und fortziehen musst, du magst wollen oder nicht, warum klammerst du dich an Wertloses an und suchst nicht das, was wertvoll ist?
Mahâbhârata

Da an eine sittliche Selbstbildung nicht gedacht oder vielmehr in früheren, roheren Zeiten nicht daran geglaubt worden, so ist statt derselben die Spezialbeichte eingeführt, da denn niemand sich mit sich selbst herumzuschlagen braucht, eine empfundene Entzweiung nicht selbst zu vereinen und ins Ganze herzustellen aufgefordert ist, sondern darüber einen Mann von Metier zu Rate zieht.
Goethe (1749-1832), Tagebuch, 7. 9. 1807

Dä ass om Altar bedroge wurde.
Bedburg
info] Ist schlecht, unglücklich verheiratet.

Da baut man und baut man. Häuser und Fabriken und was weiß ich. Und sollte doch eigentlich erst mal diese verpfuschte Welt umbauen. Die ist ja nicht zu brauchen, so wie sie ist! Die Nichtstuer haben die besten Plätze..
Weiskopf, Wer keine Wahl hat, hat die Qual

Da behüte mich Sankt Velten für.

Da beim Menschen nichts Überflüssiges ist, so kann er auch nichts entbehren und verlieren, und was er verliert, kann er deswegen auch nicht ersetzen (Haare und Nägel ausgenommen und die geringe Reproduktionskraft in Rücksicht auf Haut, Fleisch und Knochen), dagegen bei den Tieren, und je niedriger die Tiere stehen, die Reproduktionskraft ebenso wie die Zeugungskraft größer ist. Die Reproduktionskraft ist nur eine unabgelöste Zeugung, und umgekehrt.
Goethe (1749-1832), Riemer, 23.11.1806

Da beisst d' Maus koin Fade a.
Schwaben
info] Das bleibt so, daran wird nichts abgehandelt, zugegeben, nachgelassen, geändert, davon geht nichts ab.
z] Die Chemie geht von dem Satze der Ewigkeit, der Unzerstörbarkeit, der Nichterschaffung der Materie aus; davon beisst keine Maus einen Faden ab.

Da beisst die Maus keinen Faden ab.

Da beisst man mit guten Zähnen übel.
Nürtingen

Da bekam man Ostern und Pfingsten zu sehen.
Ostpreußen

Da bekommt man keine Käsespitze.
info] Nicht das Geringste, Wertloseste. Nach dem Volksglauben sitzt der Hauskobold in der Käsespitze, dem spitzen Ende eines langen Käses, das zuletzt übrig bleibt und das man daher zu essen vermeidet.

Da bellt kein Hund und kräht kein Hahn.
info] Ort, Gegend ohne Leben; Einöde, Wüste.
dä] Hvor man hverken hører hund eller hane.

Da bin i gange und ha der Sack to hange, und hed e niemer g'no, so hanget er iez noh.
Luzern

Da bin ich am Zaun.
info] In dem Sinne: Da stehen die Ochsen am Berge; ich weiß keinen Rat, ich kann nicht weiter.

Da bin ich bekannt wie ein Dreier.
Berlin

Da bin ich daheim wie in meiner Tasche.

Da bin ich ihm zuvorgekommen, sagte der Bauer, da hatte er sein zweites Kind selber getauft.

Da bin ik schön to Markt brögt.
Holstein
info] Da bin ich schlimm wieder weggekommen, da habe ich schlecht eingekauft.

Da bist du schief gewickelt.
info] Du bist im Irrtum, siehst die Sache falsch an.

Da bist du vor der rechten Schmiede!

Da bitte ich um eine Flasche Lebensverlängerungselixir, sagte der Delinquent zum Richter, der ihm erlaubte, sich vor seiner Hinrichtung noch einen Trunk zu wählen.

Da bläst die Katze den Abendsegen.
Franken
info] Da ist nicht viel zu holen.

Da bleiben so viel Äpfel als Feigen.

Da bleibt dem Manne viel zu dulden;
Wo er nur hinsieht, da sind Schulden.
Goethe (1749-1832), Faust, II,
(Der Abgemagerte)

Da bleibt kein alt Weib am Spinnrade.
nl] Dan blijft er geen oud wijf aan haar spinnewiel.

Da bleibt kein Auge trocken, sagte der Betrunkene und begoss auch seine Hühneraugen mit Spirituosen.
[ASpW]

Da bleibt mir der Denker (Verstand) stehen.
Köthen

Dä bliev op em Pfennig dud.
Bedburg
info] Übertriebene Sparsamkeit.

Da blüht ihm keine Rose.
Nürtingen

Da brennt die Hölle.
info] Sinn: Da ist Feuer im Dach.

Da bring' ich's, sagte Paul und - fiel damit zur Tür hinein.
ndt] Da bring ick't, se(de) Hans, un full darmit tor Dör herin.

Da bring ich's, sagte Paul und fiel damit zur Tür hinein.

Da bring ich's, sagte Paul, und fiel damit zur Tür hinein.

Da bring' wi dat Swîn (Schwein) na'n Swînmark hen.
Hamburg
info] Rufen die Gassenjungen einem Betrunkenen nach.

Da bringen mich zehn Pferde nicht fort.
ndt] Da krigge mich kein' hundert Pääd derzo. Köln

Da bringt man mich nicht mit zehn Gäulen fort.
Nürtingen
info] So gut gefällt es mir hier.

Da Christus war allein, war er in Teufels Gemein'.

Da dacht ich: ehrlich sein
Ist doch das beste,
War es nur kümmerlich,
So steht es feste.
Goethe (1749-1832), Divan - Buch der Betrachtungen - Wie ich so ehrlich war..

Da dank ich Euch, denn mit den Toten
Hab ich mich niemals gern befangen.
Goethe (1749-1832), Faust, Prolog im Himmel
Mephisto Vs 318

Da danzt Bomholm hen.
info] Als im Jahre 1312 die hanseatischen Seestädte den Übermut des dänischen Königs gezüchtigt und ihn durch einen Besuch in Kopenhagen zum Frieden gezwungen hatten, lud er zum Geburtstage der Königin die Hauptleute der hanseatischen Flotte zu sich aufs Schloss. Der Admiral, der Lübecksche Bürgermeister Johann Wittenberg, lud die Königin zum Tanz ein, welche die Einladung zwar anfänglich ablehnte, aber später unter der Bedingung annahm, dass ihr der Admiral die Insel Bornholm zusicherte. Sie tanzte darauf den ganzen Abend nur mit dem Bürgermeister, die Lübeckschen aber, die es sahen, sagten: 'Da danzt Bornholm hen.'

Da darf auch kein Tipfelchen daran fehlen.
info] Es darf nicht das Geringste, auch nicht ein Stäubchen davon abgehen. Zur Bezeichnung des Sorgfältigen und Pünktlichen, aber auch des Habgierigen, der nicht das Geringste nachlässt.

Da darf man nicht lang zinkfeuerlen.
Nürtingen
info] Keine Zeit mit Vorbereitungen verlieren.

Da das gerstenkorn sitzt, da kann das Rockenkorn nicht hinkommen.
z] Wenn der Magen voller biers ist, so will er kein essen einlassen.
bm] Kde je pivovár, tam netreba pekare.
bm] Kde jecne zrno lezí, tu nemûze lezeti zitné.
lett] Kur meefchu grauds gull, tur rudfu ne warr gulleht.
lit] Kur mezei gul, ruggei ne telpa.

Da das Gold im Rhein liegt.

Da das Halten wilder Tiere gesetzlich verboten ist und die Haustiere mir kein Vergnügen machen, so bleibe ich lieber unverheiratet.
Karl Kraus, Aphorismen

Da das Kamel Hörner begehrte, verlor es auch seine Ohren.

Da das Leben durch unsichere Gefahren fragwürdig ist,
sieh jeden weiteren Tag als Gewinn an.
la] Cum dubia incertis versetur vita periclis,
pro lucro tibi pone diem, quicumque sequetur.

Da das Pferd pflügt, lasst uns den Esel satteln.

Da das Theater immer nur ein gestoppeltes und gestückeltes Wesen bleibt.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,4

Da das Volk nach den Gesetzen zu leben wünscht, die Mächtigen aber den Gesetzen befehlen zu dürfen glauben, so können sie unmöglich miteinander auskommen.
Niccolò Machiavelli, Geschichte von Florenz

Da das Wohlwollen verschönt und sich jedermann mit Wohlwollen ins Spiegel besieht, so kann man behaupten, dass jeder sich auch mit Wohlgefallen erblicken müsse, selbst wenn er sich dagegen sträuben wollte.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit II,6

Dä dât kann, dä kann dat, har de Kärl saght, doa harre 'n Snîder üawer de Hûsdüar smieten.
Halver in der Grafschaft Mark

Da Date die Händ hat zugetan, ist Dabitur krumb und lamb worden.

Dä daug vun Huck (Haut) un Hôr nit. Köln

Da deit de Hund wat in.
Hamburg

Da denkt kein Russe dran.
info] Lieblingswort Berliner Gassenjungen.

Da der Arm saß, da war es entweder trucken oder nass.

Da der Bauer den fliegen die stette nicht gunte, und wolt sie mit einem Strohwisch verbrennen, steckte er das gantze Haus an.

Da der Dichter durch Antizipation die Welt vorwegnimmt, so ist ihm die auf ihn losdringende, wirkliche Welt unbequem und störend, sie will ihm geben, was er schon hat, aber anders, das er sich zum zweitenmale zueignen muss.
Goethe (1749-1832), Tag- und Jahreshefte bis 1780

Da der eine Spott und Schaden gekauft hat, da kann ihn der andere umsonst kriegen.

Da der Esel nicht wollte nasse Haut tragen, muss er endlich raue Ziegel tragen.

Da der Esel nicht wolte nasse heut tragen, muss er endtlich rauhe Ziegel tragen.

Da der Gipfel dessen, was Kunst und Genie darstellen, eine leichte Erscheinung ist, so werden die Nachkommenden gereizt, sich's leicht zu machen und auf den Schein zu arbeiten.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Propyläen, Einleitung

Da der größte Teil der Menschen so schwachsinnig ist, an diesen kleinen Dingen Geschmack zu finden, so sind die, welche sich weigern, ihnen um so wohlfeilen Preis gefällig zu sein, in meinenAugen noch schwachsinniger als jene.
Chesterfield, Briefe an seinen Sohn, Bath, 29. 9. 1746

Da der Herrgott seine Esel kannte, ließ er sie alle ohne Hörner.

Da der Kranke genas, nie er ärger was.

Da der Kranke genaß, er Gott vergaß.

Da der kranke genaß, je (nie, viel) er ärger was.
z] Vor Zeiten sagten die Klosterleute: Daemon languebat, tunc monachus esse volebat, sed dum convaluit, mansit ut ante fuit.
z] Mancher der spricht, o lieber Gott: ich will fromb werden, hilff aus not; alsbald er aber tut genesen, kehrt er zum vorigen sündlichen wesen.
mhd] Dô der siech man genas, dô was er als er ê was.
mhd] Si gedenken aber an daz Sprichwort nicht: dô der sieche lîp genas, do beliep er, als er ê was.
mhd] Wen sprichet: dô der siech genas, dô was er der er ouch ê was.
mhd] Dem spricht man, dô der siech genas, dô wart er boeser dann er was.
ho] Als de kranke weêr genas, was't erger, dan't te voren was.
la] Quando languebat, monachus bonus esse uolebat: sed cum conualuit, mansit ut ante fuit.
la] Surgens aegrotus reprobus fit denique totus.

Da der Mann von Geist sich immer wieder seiner Unwissenheit bewußt wird, zieht er fast aus allen Büchern Lehren für sich selbst.
Helvetius, Vom Geist

Da der Mensch doch einmal die Sehnsucht nicht los werden soll, so ist es heilsam, wenn sie sich nach einem bestimmten Objekte hinrichtet, wenn sie sich bestrebt, ein abgeschiedenes großes Vergangene ernst und harmlos in der Gegenwart wieder darzustellen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Literatur - Tiecks Dramaturgische Blätter

Da der Mensch einmal von Kindesbeinen an ein eitles und stolzes Geschöpf ist, so schmeichle man seiner Eitelkeit wenigstens in wirklich guten Dingen und halte seinen Stolz auf etwas, das zu seinem wahren Vorteil gereicht.
Locke, Gedanken über Erziehung

Da der Mensch für seine Liebe dieselbe Einheit sucht, die er für seine Vernunft begehrt, so ist er so lange für oder wider Völker parteiisch, als er ihre Unterschiede nicht unter einer höhern Einheit auszugleichen weiß.
Jean Paul, Vorschule der Asthetik

Da der Mensch nicht immer schaffen und hervorbringen kann, obschon solches freilich für ihn das Wünschenswerteste bleibt, so unterhält und erfreut ihn doch, wenn er das Verlorene aufsucht, das Zerstörte wieder herstellt, das Zerstreute sammelt, ordnet und belebt.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - Ausgrabungen

Da der Mensch, wenn er einigermaßen resolut ist, auch das Notwendige selbst zu wollen übernimmt..
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,12

Da der Pfaff ein Weib nahm, verschlug er seine Pfaffheit.
info] Der katholische Geistliche, welcher nach empfangener Weihe heiratet, geht seiner geistlichen Würde verlustig.
mhd] Do der phaffe wib nam, do vorslug er die phaffheit.

Da der Schmied den Ambos hämmert, hämmert ihm der Mönch die Frau.

Da der Staat entstanden ist aus dem Bedürfnis, Klassengegensätze im Zaum zu halten, da er aber gleichzeitig mitten im Konflikt dieser Klassen entstanden ist, so ist er in der Regel Staat der mächtigsten, ökonomisch herrschenden Klasse, die vermittelst seiner auch politisch herrschende Klasse wird und so neue Mittel erwirbt zur Niederhaltung und Ausbeutung der unterdrückten Klasse. Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates

Da der Tor die Törin nahm, ward der Tor der Törin Mann.

Da der wein wächst, da trinkt man den schlechsten.
z] Also diejenigen, und die ort, davon man alle Tugendt und Christlichen wandel lernen und erwarten soll, seind im tun und Leben ärgerlich.

Da der Wirt ein Hahnrei ist, ziehen die Gäste gerne ein.

Da der Wolf gefangen war, da wollt er fromm werden.

Da der Wolf liegt, da beisst er nicht.

Da der Zaun am niedrigsten ist, will jedermann übersteigen.

Da die alten Sprichwörter meist auf geographischen, historischen, nationellen und individuellen Verhältnissen ruhen, so enthalten sie einen großen Schatz von reellem Stoff.
Goethe (1749-1832), An Schiller, 16.12.1797

Da die Artischocken in großer Herren Gärten wuchsen, waren sie angenehm, jetzo da sie bey Bauern zu finden, helt man nichts darauf.

Da die bildenden Künste allein vermögend sind, die Schönheit der Form hervorzubringen, da sie hierzu der Hülfe keiner andern Kunst bedürfen, da andere Künste gänzlich darauf Verzicht tun müssen: so ist es wohl unstreitig, dass diese Schönheit nicht anders als ihre Bestimmung sein kann.
Lessing, Laokoon

Da die Ehe (in ihren verschiedenen Formen) eine wirtschaftlichpolitisch-soziale Form ist (und nicht eine sentimentalerotische), so vollzieht sich die Zeugung der nächsten Generation zu allen Zeiten zum großen Teil außer der Ehe.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Da die Götter menschlicher noch waren, waren Menschen göttlicher.
Schiller, Die Götter Griechenlands

Da die Grammatik die Kunst sein soll, die Schwierigkeiten einer Sprache zu lösen, darf der Hebel nicht schwerer sein als die Last.
Antoine Comte de Rivarol, Maximen und Reflexionen

Da die Großen nun auch einmal Menschen sind, so denkt sie der Bürger, wenn er sie lieben will, als seinesgleichen, und das kann er am füglichsten, wenn er sie als liebende Gatten, als zärtliche Eltern, als anhängliche Geschwister, als treue Freunde sich vorstellen darf.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit I,5

Da die Hitze alle Körper ausdehnt, so sind die Jahre in dem warmen Italien viel länger als in dem kalten Deutschland.
Heinrich Heine

Da die Kirche die Liebe nicht unterdrücken konnte, hat sie sie zumindest desinfizieren wollen, und darum die Ehe eingesetzt.
Charles Baudelaire (1821-1867), Tagebücher

Da die Kunst die Natur nachahmt, und die Natur alles immer so gut wie ihr nur möglich ist macht, ist auch die Kunst irrtumsfrei wie die Natur.
Robert Grosseteste, De gener. son

Da die Menschen in ihrem Tun sich ungern nach der Vorschirft Christi ausrichten ließen, haben sie seine Lehre wie einen Maßstab aus weichem Blei nach den Sitten gestreckt, damit eben beides noch einigermaßen übereinstimme. Ich weiß nicht, was sie damit erreichen, außer dass man mit besserem Gewissen Böses tun darf.
Thomas More, Utopia I

Da die Menschen schlecht sind, ist das Gesetz notwendig, um sie für besser anzusehen, als sie sind.
Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu, Vom Geist der Gesetze

Da die Menschen so verschiedene Köpfe haben, können sie nicht alle gleich stark von einem Beweis gerührt werden, besonders in Glaubensfragen.
Jean-Jacques Rousseau, Dritter Brief vom Berge

Da die Menschen zu allen Zeiten dieselben Leidenschaften gehabt haben, so sind zwar die Anlässe, welche große Veränderungen hervorbringen, verschieden, die Ursachen aber sind immer die nämlichen.
Montesquieu, Betrachtungen über die Größe der Römer und ihren Verfall

Da die Motive, welche die Erscheinung des Charakters oder das Handeln bestimmen, durch das Medium der Erkenntnis auf ihn einwirken, die Erkenntnis aber veränderlich ist, zwischen Irrtum und Wahrheit oft hin- und herschwankt, in der Regel jedoch im Fortgange des Lebens immer mehr berichtigt wird, freilich in sehr verschiedenen Graden; so kann die Handlungsweise eines Menschen merklich verändert werden, ohne dass man daraus auf eine Veränderung seines Charakters zu schließen berechtigt wäre.
Schopenhauer (1788-1860), Welt als Wille und Vorstellung

Da die Nachkommen gewöhnlich denken, mit ihnen fange die Welt und das Leben erst an, oder wie er [Goethe] es ausdrückte: Ihr Tauftag solle der Schöpfungstag sein.
Goethe (1749-1832), zu Riemer, 1803-1814

Da die Philosophie keinen Weg zur inneren Ruhe hat finden können, der allgemein gültig wäre, muss jeder diesen Weg in seinem Inneren suchen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Da die Produzenten nützlicher Dinge die einzigen der Gesellschaft nützlichen Menschen sind, sind sie die einzigen, die zusammenwirken sollten, um ihren Lauf zu regeln
Saint-Simon, Die Industrie

Da die Rechtsordnung zugleich Friedensordnung ist, wird ihr in mancher Bagatellsache am besten gedient, wenn um des 'lieben Friedens' willen auch auf das 'gute Recht' verzichtet wird.
Radbruch

Da die Rede die Sinne und das innere Vorstellungsvermögen vertreten muss, so muss sie auch zu diesen reden und der Ausdruck sinnlich und repräsentativ sein.
Goethe (1749-1832), Riemer, 24.12.1810

Da die Schönheit unteilbar ist und uns den Eindruck einer vollkommenen Harmonie verleiht, so lässt sie sich durch eine Folge von Worten nicht darstellen.
Goethe (1749-1832), Schriften zur Kunst - De Gérard: Portraits Historiques

Da die Sprache das Organ gewesen, wodurch ich mich während meines Lebens am meisten und liebsten den Mitlebenden mitteilte, so musste ich darüber, besonders in spätern Zeiten, reflektieren und hierbei hat mir's niemals an trefflichen Freunden gefehlt, die, zu Forschern in diesem Fache berufen, großen und anhaltenden Fleiß darauf verwendeten. Wenn ich nun gleich nach meiner eingebornen Art und Unart auf Korrektheit und Reinlichkeit niemals genugsamen Fleiß zu wenden im Stande war, so habe ich doch aufs deutlichste begreifen lernen, dass die Sprache nur ein Surrogat ist, wir mögen nun das, was uns innerlich beschäftigt, oder das, was uns von außen anregt, ausdrücken wollen.
Goethe (1749-1832), An Ch.L.F.Schultz, 11.3.1816

Da die stolze Kuh keine Milch geben wollte, ward sie zum Reiten abgerichtet.
Jakuten

Da die Trefflichkeit einer Gesellschaft in letzter Linie von der Natur ihrer Bürger abhängt, und da die Natur der Bürger durch eine frühzeitige Gewöhnung mehr beeinflusst werden kann als alles andere, so sind wir genötigt, die Wohlfahrt der Familie als die Grundlage der Wohlfahrt der Gesellschaft zu betrachten.
Spencer, Die Erziehung

Da die Treue ward geboren, da kroch sie in ein Jägerhorn; der Jäger blies sie in den Wind, daher man keine Treu' mehr find't.

Da die Treue ward geborn,
Da kroch sie in ein Jägerhorn;
Der Jäger blies sie in den Wind,
Daher man keine Treu mehr find't.

Da die Treue ward geborn,
Floh sie in ein Jägerhorn,
Der Jäger blies sie in den Wind,
Daher man sie jetzt selten findt.
Hans Rudolf Grimm, Poetisches Lust-Wäldlein
la] Nusquam tuta fides.
Virgil

Da die Weide Palmen trug, nannte sie sich gleich einen heiligen Baum.

Da die Wespe keinen Honig machen kann, macht sie Galläpfel.

Da die Zeit kurz ist, begrenze deine lange Hoffnung!
Horaz, Lieder

Da diejenigen, welche wissenschaftliche Versuche anstellen, selten wissen, was sie eigentlich wollen und was dabei herauskommen soll, so verfolgen sie ihren Weg meistenteils mit großem Eifer, bald aber, da eigentlich nichts Entschiedenes entstehen will, so lassen sie die Unternehmung fahren und suchen sie sogar anderen verdächtig zu machen.
Goethe (1749-1832), Maximen und Reflexionen 1169

Da diese Welt doch nur ein Gaukelstück,
Hoffst du umsonst in ihr auf wahres Glück.
Und jene Feder, die dein Schicksal schrieb,
Sie kehrt um deinetwillen nicht zurück.

Da dir zu sterben bestimmt, so genieße, was du besitzest;
Aber, des Lebens gedenk, brauche mit sparsamer Hand.
Der heißt weise mit Recht, der, dies und jenes bedenkend,
Brauchend und sparend zugleich, nimmer des Maßes vergisst.
Lukianos

Da Doabm (Darm) ged'n nian aus.
Steiermark
info] Es fehlt ihm nie an Gesprächs- und Unterhaltungsstoff.

Da doch die Aussprüche des Verstandes eigentlich nur einmal, und zwar in dem bestimmtesten Falle, gelten und schon unrichtig werden, wenn man sie auf den nächsten anwendet.
Goethe (1749-1832), Lehrjahre V,1

Da doch sowohl das Beispiel der ältern Weisen als die Erfahrungen an dem neuern Tun und Treiben uns hätten aufmerksam machen sollen, dass man seinen Zweck vernichtet, indem man ihn voraussagt, dass eine Handlung, wenn sie glückt, nicht kostestiert wird, wohl aber nichts mehr Widerspruch erleidet, als eine vor, ja sogar nach der Tat ausgesprochene Maxime.
Goethe, An F. L. Passow, 20.10.1811

Da donnern sie Sanfmut und Duldung aus den Wolken und bringen dem Gott der Liebe Menschenopfer wie einem feuerarmigen Moloch, predigen Liebe des Nächsten und fluchen den achtzigjährigen Blinden von ihren Türen hinweg, stürmen wider den Geiz und haben Peru um goldner Spangen willen entvölkert.
Schiller, Die Räuber II, 3
Moor

Dä drät et Hûs fêl.
Bedburg
info] Vom Plauderer und Schwatzhaften.

Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft'ge Welt.
Eichendorff, Ahnung und Gegenwart, I, Im Walde der Heimat

Da drehen sich einem die Kutteln um.
Nürtingen
info] Die Eingeweide, Kaldaunen. Um Mitleiden oder Unmut auszudrücken.

Da dreht es sich (wendet sich das Blatt).

Da dreht sich mir der Magen
en] that makes your stomach turn over
fr] ça me soulève le cour
it] mi si rivolta lo stomaco

Da du kein Syrer bist, benimm dich nicht wie einer.
Altgriechisch
info] Wie ein Barbar.

Da du nach dem Stande eines Ehemannes und Vaters trachtest - hast du auch dessen Pflichten recht erwogen?
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst
Und fragst, wie alles sich bei uns befinde,
Und du mich sonst gewöhnlich gerne sahst,
So siehst du mich auch unter dem Gesinde.
Goethe (1749-1832), Faust, I, Prolog im Himmel (Mephisto)

Da dürfft er nich mit ufgezogen kummen.

Da Ehefrauen sogut wie Prostituierende ihren Lebensunterhalt durch Preisgabe ihrer sexuellen Reize verdienen, geben sie sich nicht mehr nur dann hin, wenn ihr eigener Instinkt es verlangt. Das hat dem Liebesspiel großen Eintrag getan, und gerade das Liebesspiel bildet die naturgemäße Sicherung der sexuellen Leistungsfähigkeit.
Bertrand Russell, Marriage and Morals

Da ein Schriftsteller sich muss gefallen lassen, dass so manches wunderlich genug genommen und beurteilt wird, so findet er sich freilich sehr getröstet, wenn seine Arbeit einmal bei einem gebildeten Individuo als Naturprodukt wirkt, und zwar in seiner ganzen Breite und Tiefe.
Goethe (1749-1832), An Sarah Wulff 9.2.1797

Da ein werdender junger Mensch überall wesentlich aus der Erfahrung lernt, so hat auch das Gebiet der Skandale, mögen sie noch so schmutzig sein, eine lehrreiche Seite.
Hauptmann, Das Abenteuer meiner Jugend

Da eine jede Gesellschaft ein Vertrag ist, kein Vertrag aber recht ist, darinnen Dinge versprochen werden, die dem Gesetze der Natur zuwider laufen, so kann auch keine Gesellschaft recht sein, die etwas zu ihrer Absicht hat, was dem Gesetz der Natur zuwider ist.
Christian Freiherr von Wolf, Vernünfftige Gedancken von dem gesellschaftlichen Leben der Menschen

Da eine Kuh böset, da bösen sie alle miteinander.
info] Lascivire. Gewöhnlich biesen, bisen, bisern, pisen. Vom Rindvieh, wenn es bei großer Hitze von Bremsen gestochen und verfolgt mit aufgestelltem Schwanze hin- und herläuft. Aber auch von lustigen, schwärmenden Menschen.
z] Nemb war, die Kuh hebt an zu bisen, sie scherzt, sam sei sie auf der wiesen.
z] Es hütt ein Knab auf einer Wisen, ließ seine schaf und zigen pisen.
z] Da wer kein Awen feld und Wisen, da nicht die Geiss thet umbher bisen.

Da einer das kröpflein veracht, dem wird das hünlein nicht, sagen die Kinder.

Da einer ins Kloster fuhr, erbt er keinen Pfennig.
[RSpW]
info] Zu den Fällen, welche erbunfähig machten, gehörte auch der Eintritt ins Kloster. Nach dem Sachsenspiegel und den Goslarischen Statuten tritt sofortige Erbfolge ein, als wäre die in den Orden getretene Person schon gestorben, weil der Mönch für die Welt verloren. Auch nach dem kanonischen Rechte verlieren Personen, die ins Kloster treten, die Fähigkeit beerbt zu werden, folglich können sie auch kein Erbe empfangen.
dä] Sidhæn han for i clostær tha æruær han ængæn pænning.

Da einer mit umgehet, das hangt jhm nach.

Da einmal Wasser ist gesin, mag wider wasser kommen hin.
la] Locis quod grauius proponderat undique pondus.

Da er alt ward, fing er an klug zu werden.

Da er das Kamel nicht bewältigen kann, beisst er in den Sattel.

Da er den dritten Tag wollt naschen, wird ihm der Hof abgeblasen.

Da er der Kuh nichts kann, stößt er das Kalb.

Da er es (das Geld) ablehnen wollte und mit einiger Schalkheit zu verstehen gab, dass er nicht so abgebrannt sei, als es aussehen möchte.
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit

Da er seiner Schwiegermutter nicht gewachsen war, band er mit seiner Frau an.
Ägypten
info] Wenn er sieht, dass sein eigentlicher Feind ihm überlegen ist, so greift er einen Schwachen und Unschuldigen an. Schwiegermutter steht hier allgemein für feindliche, widerwärtige Personen.

Da erhebet sich der Bettlertantz.

Da Erkenntnisse immer im Zusammenhang stehen mit sprachlicher Genauigkeit, ist die klassische Literatur die Schöpferin des wissenschaftlichen Geistes in Deutschland.
Heinrich Mann, Die Macht des Wortes

Da erschien ihm ein Engel und gab ihm Kraft.
Lukas 22, 43

Da es aber einmal nicht in unsern Plan geht, und man an seinen Lebensverhältnissen nicht so viel zupfen und zerren, nicht immer was Neues an sie heranziehen soll.
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften I,2

Da es aber, im Verfolg wissenschaftlichen Bestrebens, gleich schädlich ist, ausschließlich der Erfahrung als unbedingt der Idee zu gehorchen..
Goethe (1749-1832), Geschichte meines botanischen Studiums

Da es Bücher gibt, so wertvolle und königliche, dass ganze Gelehrtengeschlechter gut verwendet sind, wenn durch ihre Mühe diese Bücher rein erhalten und verständlich erhalten werden diesen Glauben immer wieder zu befestigen, ist die Philologie da.
Nietzsche

Da es dem Narren mislang, die Glut mit Schwefel zu dämpfen, so versucht er, das Feuer mit Öl zu löschen.
Russland

Da es dem Trinker von geworden, da vergehts ihm wieder von.

Da es dem Wolfe nichts hilft, auf die Schafe zu lauern, so holt er sie aus der Hürde.

Da es eine Zeit ist zu spalten und eine andere wieder zu vereinen, eigentlich aber doch nur die Menschen, die Zeit machen, so sehe ich in den jungen Männern, die das letztere bewirken, ganz eigentlich gute Dämonen, welche das Versöhnen und Einen als notwendigen Naturtrieb empfinden.
Goethe (1749-1832), An K. E. Schubarth, 7.11.1821

Da es en rechten Güörtenteller (Grützenzähler).
Iserlohn
info] Ein knickeriger Mensch.
ho] Het is een gorten-teller.

Da es keinen Menschen gibt, der aufwächst und lebt, ohne von der Außenwelt beeinflusst zu werden - also von gesellschaftlichen, das heißt politischen Geschehnissen -, so existiert keine Literatur, die nicht vom ersten bis zum letzten Wort von Politik beeinflusst ist.
M. Scheer, Internationales Seminar der Literatur

Da es mir wohl erging auf Erden, wollten alle meine Freunde werden; da ich kam in Not, waren alle Freunde tot.

Da es nun ferner ausgemacht ist, dass die Frauen sich nur füreinander putzen und untereinander den Putz zu steigern unermüdet sind..
Goethe (1749-1832), Dichtung und Wahrheit III,12

Dä es we' ne Wimpel om Dag.
Köln

Dä es zo domm (dumm), duss zo dun.
Köln

Dä ess ens räet an de Lîmroth (Leimrute) kumen.
Bedburg
info] Zu Schaden, durch List übervorteilt worden.

Dä ess ens räet durch de Zäng getrocke wurde.
Bedburg
info] Durch die Zähne gezogen, durchgehechelt.

Dä ess êns rät öm et Liet (Lid) gefôt wurde.
Bedburg
info] In dem Sinne: über den Löffel barbiert.

Dä ess jetzt wie 'ne Vogel op de Heck.
Bedburg
info] In unsicherer Stellung.

Dä ess von alle Mäede (Märkte) widderkumme.
Bedburg
info] Hat Erfahrung, Weltkenntnis, ist durchtrieben.

Dä ess wie en wasse Nase.
Bedburg
info] Unbeständig, launenhaft.

Da fahr' ich voll drauf ab!

Da fährt des Teufels Braut.
info] Wenn Feuer aus dem Steinen sprüht.

Da fällt der Dreck zu einem Krüppel.
Nürtingen
info] Zunächst von sehr hoch angebrachten Abtritten.

Da fällt mir all' mein Weißzeug bei.

Da Fama tausend Zungen hat, so setzt sie gewöhnlich dem Übel drei Nullen zu.
Goethe (1749-1832), An Ch. G. v. Voigt, 21.6. 1798

Da fängt der Hirsch die Hunde.
la] Cervus canes trahit.

Da Fauli trogg si z'tod, da Flaissigi ged genod.
Steiermark
info] Der Fleißige geht so oft, als es nötig ist.

Da fehlt auch nicht das Pünktlein auf dem i.

Da fehlt die Feile.
info] Die Arbeit ist noch rauh, mangelhaft, bedarf der Politur.
ho] Het heeft de vijl noodig.

Da fehlt nicht das Tüpfli aufs i.
Nürtingen

Da fidei, quae fidei sunt.
Francis Bacon
dt] Gib dem Glauben, was des Glaubens ist.

Da finden sieben Katze keine Maus.
ndt] Dau findet siebe Katze kä Maus. Ulm

Da findt man keinen g'sattelten Gaul.
Nürtingen
info] Zur Bezeichnung arger Unordnung.

Da Flecka (Flecken) helfa heba und lega.
info] Im Glück wie im Unglück der Gemeinde mit Rat und Tat beistehen, unter allen Umständen für das Wohl der Gemeinde wachsam und tätig sein.

Da flehen die Menschen die Götter an um Gesundheit und wissen nicht, dass sie die Macht darüber selbst besitzen. Durch ihre Unmäßigkeit arbeiten sie ihr entgegen und werden so selber durch ihre Begierden zu Verrätern an ihrer Gesundheit.
Demokritos

Da fliegen Scheben, wo Flachs gehechelt wird.

Da folgen die Kinder wie die Orgelpfeifen.
info] Wenn sie so aufeinanderfolgen, dass, wie die Dänen sagen, das eine Kind Zähne, wenn das andere Hände bekommt.

Da fraget Kuntz ohn sorg vil nach.
la] Non est curae Hippoclidi.

Da fragt der Weise den Narren um Rat.
nl] De wijze vraagt den zot om raad.

Da fragt Kuntz on sorgen wenig nach.
la] Non est curae Hippoclidi, non curas, quanti veneat frumentum.

Dä Frau géit (geht), as 'ne Gäus, dä 't Ai nit los wer(d)en kan.
Grafschaft Mark

Da freu' ich mich druf wie der Chosen (Bräutigam) uf die Kalle (Braut).
Jüdisch-deutsch (Auch in ironischer Bedeutung)

Da friert Mark und Bein zusammen.
Nürtingen

Da friss ich (auch) keinen Salzstein.
Nürtingen
info] Keinen Stein Salz, da bleib' ich nicht lange.

Da gaben wir dem Cäsar,
Was dem lieben Gott gehörte.
Heine, Romanzero: Himmelsbraut

Da gab's ein Gerede, man weiß nicht wie,
Das nennt man eine Akademie.
Goethe (1749-1832), Parabolisch: Séance

Da gaoh wi hiär (da gehen wir her), sagg de Kreihe, dao hadd' ehr de Hawk in 't Muel.

Da geb' ich nicht einen faulen Rappen für.

Da geh' ich auf alle Viere über die Ringstrasse.
Wien
info] Zu ergänzen: Ehe ich das tue.

Da gehen achtzehn aufs Dutzend.
z] In allen Stätten, Flecken und Dörffern werden täglich Leut geboren, die hertz und händ haben zu Schiessen, Hawen vnnd Stechen, vnnd kommen oft Achtzehn für ein Dutzet zu Marck.

Da gehen doch eher die Krebse mit dem Hasen davon.
nl] Dan gaan de krabben nog met den haas door.

Da gehen wir Botaniker, sagte die Kuh zum Kräuterweibe.

Da gehen wir Künstler, sagte der Schuhflicker zum Bildhauer.

Da gehen wir Musikanten, sagte die Kuh zum Pfeifer, als sie eine Schelle bekommen hatte.

Da gehet der Wind aus einem andern Loche.

Da gehet es aus einem anderen Fasse.

Da gehet es gut, wenn schon ein ganzes Dorf verbrennt, wenn nur des Pfaffen Haus aufrecht bleibt.

Da gehets zu, wie beim Teufel in der Hölle.

Da gehet's zu, wie im Venusberge.

Da gehst du und siehst einen Hund laufen, der einen Menschenknochen durch die Steppe schleift. Und du bist so müde, dass du keine Lust hast, auf ihn zu schießen.
Siatonow, Februar 1943

Da geht alles widerwärtig zu, wo man den Esel auf den Sack ladet.

Dä geht dem Hohnderei noh un ließ et Gängsenei leggen.
Bedburg

Da geht die Mutter vom Kinde.

Da geht die Uhr richtig.
info] Da weht der Wind von der rechten Seite.

Da geht ein Licht auf.
nl] Daar gaat een licht op.

Da geht einem die Pfeife aus.
info] Es ist, um aus der Haut zu fahren, um katholisch, um des Kuckucks, des Teufels, um toll zu werden.
fr] Cela ferait enrager la bête et le marchand.
fr] Cela ferait renier chrême et baptême.
fr] C'est à crever dans sa peau.
fr] Il y aurait de quoi lasser la patience d'un capucin.
fr] Le diable s'en pendrait.

Dä geht en et hundert, dat et tusend voll wird.
Bedburg

Da geht er hin und singt nicht mehr?
F. Gumbert, Die Kunst geliebt zu werden, 18. Szene

Da geht es alle hin, sagte Scheißinsbett.

Da geht es alle hin, sagte Sch-insbett.

Da geht es übel, wenn Frevel die Frommen schlägt und Hoffart das Fähnlein trägt.

Da geht Gewalt für Recht.

Da geht ihm ein guter Wurm ab.
info] Dem Spieler, der eine Karte beigeben muss, die er noch gut zu verwerten gerechnet hatte.

Da geht kein Loch durch.
z] Wer theurer verkauft, als die Sache wert, ist des Teufels; da geht kein Loch durch, denn es ist wider die brüderliche Liebe.

Da geht kein Streich verloren, außer der daneben geht.
info] Der verdient sie alle.

Da geht Leib und Gut miteinander.

Da geht mein (sein) Leib und Gut miteinander.
info] Von denen, die weiter nichts besitzen, als was sie auf dem Leibe tragen.

Da geht mir der Dâm (Daumen) vor.
Oberösterreich
info] Man verweigert mit dieser Redensart etwas unwillig, eine Bitte, ein Verlangen.

Da geht unser Student, sagen die Greifswalder.
info] Um eitle Selbstüberhebung zu verspotten. Von dem alten Witz, dass der einzige greifswalder Student, wenn er sporenklingend durch die Straßen schritt, die gesammte Bürgerschaft an die Fenster trieb und zu dem obigen Ausruf veranlasste.

Da geht's durcheinander wie in einem Ameisenhaufen.
Nürtingen

Da geht's klein unter.
info] Es herrscht dort Dürftigkeit und Armut.

Da geht's nach Gunst und nicht nach Kunst.

Da geht's ordentlich zu, wie bei Nobals Schaffscheren.
info] Wobei gut gegessen wurde.

Da geht's spanisch zu.
nl] Het gaat er Spaansch toe.
ho] Het ziet er Spanisch uit.

Da geht's Tschühü und Doho.
info] Tschühü und Daho sind Fuhrmannsrufe für rechts und links zum Antreiben der Pferde. Wenn es in einem Hause planlos und unordentlich hergeht, so wendet man die obige Redensart an.

Da geht's übel zu, wo Frevel die Trommel schlägt und Hoffart das Fähnlein trägt.

Da geht's warm her.
Oberösterreich
info] Da gibt es etwas zu gewinnen; da wirft's was ab, trägt's was ein.

Da gehts zu als wie im Türkekrieg.

Da geht's zu wie auf der Accise.
info] Wo viel Personen kommen und gehen, viel Besuche sind, ein großer Verkehr ist.

Da gehts zu wie in einem Imen (Bienenstock.)
Nürtingen
Da geht's zu, wie in einem Ameisenhaufen (oder Wespennest).

Da geht's, mein Herr, nicht immer mutig zu;
Doch schmeckt dafür das Essen, schmeckt die Ruh.
Goethe (1749-1832), Faust, I, 12 (Margarete)

Da geiht e hen un holt en Tügen (Zeugen).
info] Der Justizrat C. zu M. schoss auf einer Jagdpartie in demselben Augenblick, als man sich zum Frühstück lagern wollte, einen Hasen. Ein jüngerer Jäger, welcher sich der Beute bemächtigen wollte, wurde von C. mit den Worten zurückgehalten: z] Lassen Sie uns erst ruhig frühstücken, der Hase macht sein Testament.' Aber kaum hatte er das Wort gesprochen, als sich Lampe aufmachte und davonlief. Ein durch seinen Humor bekannter Jagdgefährte, der dies zuerst bemerkte, sagte darauf in seiner trockenen Weise die obigen Worte.

Dä géit (geht) daheär as de Rüe na der Hochtîd.
Grafschaft Mark

Da geit he hen, as de Hund ân Swans.
Holstein
info] Ist übel an- oder weggekommen.

Da geschieht auch der erste Stich zu einem Paar kalbledernen Schuhen, sagte der Bauer, als der Stier auf die Kuh stieg.
Württemberg

Da geschieht fürs Ackern wenig genug,
wo der Bauer lauft vom Pflug,
der Ochse verwirft das Joch
und das Roß sein Kummet noch.

Da getts zua, wi uf an läusige Koupf.
Franken

Da gewt 't wat af.
info] Es setzt Hiebe.

Da gibt es den Ängstlichen, der unter sein Bett schaut, und den Ängstlichen, der sich nicht einmal traut, unter sein Bett zu schauen.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht. Aus dem Tagebuch von Jules Renard

Da gibt's arme Ritter in Elendsfett.

Da gibt's keine Würst'l.
Wien
info] Weigern nützt nichts, da hilft kein Widerstreben.

Da gibt's mehr Fische als Wasser.
info] In den Steppen des Orinocogebiets hat man das Sprichwort: Im Apure gibt es mehr Cariben als Wasser. Der Caribe ist, wenn auch nur von der Größe eines Goldfisches, einer der gefährlichsten Süßwasserfische, denn mit seinen sägeförmigen Zähnen durchschneidet er sogar Stahl- und Kupferdrähte.

Da gibts Sache, als wann mar erst g'heiratet hätt.
Oberösterreich

Da gibts viel zu tappen (aber) wenig zu schnappen.
Rotttal

Da gift et keinen andern Rat als Konrad.
Wolfenbüttel
info] Man muss nunmehr zum Stocke greifen.

Da gilt noch Treue und Glauben.

Da ging der Schimmel seinen richtigen Schritt.
info] Es war alles in Ordnung.

Da ging erst der Gaul.
info] Nachdem dies alles geschehen war, kam die Sache erst in Gang.

Da Gold geht den Reichen nach.
var] Es regnet gewöhnlich dahin, wo es schon vorher nass ist.
en] Riches fall on the richest.
fr] Le bien cherche le bien
it] Il denaro è fratello del denaro.
sp] Llueve sobre mojado.
sp] Vase el bien al bien y las abejas á la miel.

Dä gönnt net un mag ah selvs net.
Bedburg

Da Gott den Hahnrey schuff, da schuff er die gut Geduld dabey.

Da Gott den Menschen schuf, hat er auch jedem sein Geschick verliehen.

Da Gott die Wipfel der Palme nicht herabgebeugt hat, so hat er das Haupt der Giraffe emporgehoben.
Abessinien

Da Gott nicht alles alleine machen wollte, schuf er Mütter.

Da Gott so verborgen ist, kann keine Religion, die nicht sagt, dass Gott verborgen ist, wahr sein; und keine Religion, die nicht den Grund für diese Verborgenheit angibt, ist fähig, uns zu unterweisen.
Pascal, Gedanken

Da greifen zehn Katzen nicht eine Maus.
info] Nämlich in einem zerlumpten Kleidungsstück.

Da greoss Hund is san Vöda.
Oberösterreich
hdt] Der große Hund ist sein Vetter. (Er hat einflussreiche Bekannte oder Verwandte)

Da grêsdê Râfâ griagd de meist'n Schlêg.
Niederösterreich
hdt] Der größte Raufer kriegt die meisten Schläge.

Da guckt der Schulmeister heraus.
info] In einigen Sprichwörtern hat das Wort Schulmeister eine verächtliche Nebenbedeutung, doch erhalten die jüdischen Elementarlehrer einen weit weniger ehrenden Beinamen.
jüdisch-deutsch] Var wus is a Melammed (Lehrer) a Schwanz? Weil er geht bejn - Regel le Regel. Warschau (Die jüdischen Elementarlehrer werden mit dem Spitznamen Schwanz-Melammed belegt, weil er (der Lehrer) zwischen den Beinen (Regel) herumschlendert. Das Wort Regel hat nämlich eine doppelte Bedeutung: erstens der Fuß, das Bein und zweitens bezeichnet es jedes der drei großen Feste: Ostern, Wochen- und Laubhüttenfest, an welchen, besonders zu Ostern und Laubhütten als am Beginn des Schulsemesters, der Melammed herumgeht, seine Schüler zu werben. Also er heißt so, weil er zwischen den Beinen oder zwischen den Feiertagen herumgeht.
ho] Hij hangt den schoolmeester uit.

Da guckt man nicht drum zum Fenster 'naus.
Meiningen

Da hab ich deutlich gesehen, dass es vorzügliech darin liegt, dass jeder sein Haus, Frau, Kinder und eine reine menschliche Existenz in der nächsten Notdurft hat: das schließt aneinander, und speit, was feindlich ist, sogleich aus.
Goethe (1749-1832), An Knebel, 30.11.1779

Da hab' ich ein Ei, ich hätt' gern zwei.
Nürtingen
info] Wird mit den Einleitungsworten: 'Da heißt's auch' angewandt, wenn ein Armer einem Wohlhabenden etwas schenkt.

Da hab ich einen Einfall: mir ists, als wenn das Zeichnen mir ein Saugläppchen wäre, dem Kind in [den] Mund gegeben, dass es schweige und in eingebildeter Nahrung ruhe.
Goethe (1749-1832), An Charlotte v. Stein, 13./16.9.1777

Da hab' ich mir eine schöne Geschichte eingefädelt, sagte der Schneider.
info] Etwas Schlimmes eingerührt.
info] Zur Zeit, als der Präsident der Vereinigten Staaten Nordamerikas, Johnson, durch sein verfassungswidriges Verfahren unter Anklage gestellt war, vernahm man dort das obige Wort als Anspielung auf seinen frühern Beruf.

Da hab' ich Naaches (Ruhe, Zufriedenheit) davon, wie von meinem ersten Hemd.
info] Vom ersten Hemd hat man wohl ebenso viel Vergnügen als vom letzten.

Da habe ich nun in meinem Leben viele Verse gemacht, darunter sind ein paar gute und viele mittelmäßige, da macht der Eyck ein solches Bild, das mehr wert ist als alles, was ich gemacht habe.
Goethe (1749-1832), W. Grimm, 20.9./6.10.1815

Da haben die Läuse Rand.
Rottenburg
info] Raum. Von einem, der Kopf und Hals voll Drüsen und Grind hat.

Da haben die Spatzen ihr Nest hineingebaut.
info] Von einem skrofulös zerfressenen Halse.

Da haben die wilden Schweine gegrast.
nl] De wilde zwijnen hebben hier gegraasd.

Da haben sie das Wesen der falschen Ehre. Sie macht uns abhängig von dem Schwankendsten und Willkürlichsten, was es gibt, von dem auf Triebsand aufgebauten Urteile der Gesellschaft, und veranlaßt uns, die heiligsten Gebote, die schönsten und natürlichsten Regungen ebendiesem Gesellschaftsgötzen zum Opfer zu bringen.
Fontane, Schach von Wuthenow

Da haben Sie ja nichts als Sommersprossen, sagte jener, als die Frau sagte, ihre Kinder wären alle in den Monaten Juli und August geboren.

Da haben wir das Ei.
info] Die Bescherung.

Da haben wir das Fest und keinen Kuchen.
ndt] Da hebbe we de hilgen Dage un kêne Kauken. (Gerade das nicht, was der Augenblick fordert)

Da haben wir den Dreck, sagte der Pastor und ließ das Kind fallen.

Da haben wir den Dreck.
info] Da haben wir's, nämlich das Unangenehme, die widerwärtige Bescherung.

Da haben wir den Salat und keinen Essig dazu.
Köthen

Da haben wir die Kaltschale.
ndt] Doar hebb'n wî de Kollschâl (auch: Konnschâl). Mecklenburg
info] Soviel wie: Da haben wir die Geschichte.

Da haben wir Gottes Wort schwarz auf weiß, sagte der Bauer, da sah der den Priester auf einem Schimmel.
ndt] Da siacht ma das Wort Gottes schwarz auf weiß, hat der Bauergsagt, wia da Herr Pfarra auf an Schimmel gritten is.

Da haben wir 's liebe Gut, und es ist nicht ausgebacken.
info] Ein junger Mensch, der unwissend, sittenlos und unbrauchbar von der Universität oder von seinen kostspieligen Reisen zurückkommt.

Da habt ihr das Vallentön'l, rief die Hebamme, und warf vor Schrecken das Kind in einen Eimer Wasser.

Da habt ihr den Regen ohne den Wind.
Kreis Nimptsch in Schlesien
info] Beim Eintritt eines unerwarteten Ereignises.

Da habt ihr den Teufel in Leinwandhosen, und 's heißt immer, er hätte keine.
Oberlausitz

Da habt ihr den Teufel, ob er nicht schwarz ist.

Da habt ihr die Pastete.
Köthen
info] Den schlimmen Erfolg, die Unannehmlichkeiten.
ho] Daar ligt eene pastei.

Da habt ihr euern Juden.
Köthen
info] Während der Cholerazeit war in dem Hause eines Einwohners zu Köthen ein alter Jude gestorben, dessen Leiche er ohne Zögern fortgeschafft wissen wollte. Da es ihm nicht gelang, dies durchzusetzen, auch keiner der Glaubensgenossen sich zu der Leiche wagte, lud er dieselbe auf einen Schubkarren und brachte sie so nach der Wohnung des Schames (jüdischen Küsters), indem er die obigen sprichwörtlich gewordenen Worte hineinrief. Sein Verfahren blieb indes nicht ohne Ahndung.

Da habt ihr's nun! mit Narren sich beladen,
Das kommt zuletzt dem Teufel selbst zu Schaden.
Goethe (1749-1832), Faust, II, 1 (Mephisto)

Da habt ihr's, Mutter, beseht's.
z] Sagt ich's nicht? hab' ich nicht geschrieben: du sollst aufrichtig sein?

Da habt jhr das, ist weit besser, dann wolt jhr das.

Da half kein Kumst (Kohl) und kein Schnaps mehr.
z] Der Türke schlug die Russen von der Donau weg und half da (obgleich sie 15-20 Jahre dienen) kein Kumst und kein Schnaps mehr.

Da hängt das Geld fest.
info] Um auszudrücken, dass von der Seite kein Geld zu erhalten sei, dass, wer da etwas zu fordern habe, sich auf keine Zahlung verlassen könne, sagen die Holländer: Het geld is op den rooster geteld.

Da hängt die Schere heraus.

Da hängt's ihm heraus.
Nürtingen
info] Da will's hinaus.

Da hast die Gans, sagte der Advokat zu seinem Kollegen, ich hab sie b'roft, b'rof sie auch.

Da hast du deinen: es tut dir nichts.

Da hast du deinen: 's tut dir nichts.

Da hast du den Korb, geh damit gen Markt.
la] Dulcis amica vale, mandatum do tibi tale.

Da hast du dir einen Igel in die Unterhose gesteckt.
Bulgarien

Da hast du etwas, damit dir der Wachs nicht vergeht.
info] In der Niederlausitz zu Kindern, die von einer Speise, einer Leckerei gern etwas haben wollen. Es scheint die Meinung zu Grunde zu liegen, die unbefriedigte Sehnsucht der Kinder könne ihrer körperlichen Entwickelung, ihrem Wachstum Nachteilig sein.

Da hast du Kuckucks Dank.
info] Weil die jungen Kuckucke ihre Mutter aufressen sollen. Man kann aus jeder Naturgeschichte ersehen, dass der Kuckuck bloß von Insekten lebt.

Da hast du's Birkhuhn, fünf Fallen für Wölfe und du bist darin.
Litauen

Da hast du's, wie's gebacken und gebraten ist.
info] In aller Vollständigkeit und Vollkommenheit.

Da hat a gut Mondstück.
Ungar. Bergland
ndt] Sie hot a guat's Mundstück.
Würzburg

Da hat auch ein blind Huhn eine Erbse gefunden.

Da hat das Recht keine Gewalt, wo die Gewalt Recht hat.

Dä hät de Böck geschoren.
Bedburg
info] Den Nutzen davon.

Da hät de Nüss geschlagen.
Bedburg
info] Seinen Nutzen in der Tasche, sein Schäflein geschoren.

Da hat der Dieb den Spitzbuben gefangen.

Da hat der Esel ein Pferd geworfen.

Da hat der Flegel unnütze Mühe, sagte der Autor, als er hörte, der Recensent habe seine Schrift abgedroschenes Zeug genannt.

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