<<< Weisheiten 0236 >>>

D' Not greint.
Oberösterreich
i] Sie macht die Menschen mürrisch, zänkisch.

D' Oerta 'n us macha.
i] In Appenzell; in anderen Kantonen auch Uerte, in Glarus nebenbei auch Uerteli = Zeche; in Bündten auch Gastmahl. Bei Hebel: Uerte = Wirtshausrechnung, wie Abrechnung überhaupt. Davon das Zeitwort urten, ürten, ürtnen.
z] Beim Wein ürten oder zechen.
z] Mit dem mag er wohl ürtnen und Trinkhen. Zellwegers Urkunden zu seiner Geschichte des Appenzeller Volks, Trogen 1830-36
z] Um örthen spihlen. Landbuch des Cantons Appenzell, 1585
i] Um die Zeche spielen.

D' Pfeifa b'schneide.
i] Den Übermut dämpfen, die Mittel schmälern.

D' Pfeife ausklopfa.

D' Pfuscher esse 's Brod und d' Mödeler lyde Not.
Solothurn
i] Um zu sagen, dass Pfuscher mehr als sorgfältige, aber langsame Arbeiter verdienen.

D' Ross frässet e Ma, wo nid mit umgoh ka.

D' Ross schlönd enand nu bim leere Bahre.

D' Ross stalled gern, wo's vorher nass ist.

D' Rumplebe, d' Scheißete.
Schwaben

D' Sach isch g'schättert.
i] G'schättert von schatt = geflickt.

D' Sach zum Wort und 's Geld an en Ort.

D' Sâl ût is, d' Sgô sgännt is.
Oldenburg
hdt] Die Sohle heraus, der Schuh geschändet.

D' Säu gelte nie, was sie wert sind.
Luzern
i] Entweder zu viel oder zu wenig.

D' Sau gibt, Vater, gib du.
i] In Schwaben, wenn man bestimmt, wer zuerst die Kosten auszulegen hat.

D' Säu hei eidwederes strauig oder guldig Stile.
Solothurn
i] Je nach der Kartoffelernte werden die Schweine sehr billig oder sehr teuer.

D' Scham hät d' Röth verlore.
Aargau

D' Schelm sy au Lüt, aber nit all' Lüt Schelme.
Solothurn

D' Schelme sind nid alli Müller, aber d' Müller alli Schölme.

D' Schloflüs bysse-n-e.
Solothurn

D' Schneck' auf d' Schwanz schlage, dass se net büllet (bellen).
Ulm
i] Die gewöhnliche Antwort auf die Frage, was jemand treibe.

D' Schnorra all z' vorderest hâ.
i] Das Maul eines Tieres, verächtlich des Menschen. Im Reden vorlaut, schnippisch, naseweis sein.

D' Schuasterweiber und die Schmiedsroß gehen barfuß.

D' Schuhmacher träge de böseste Schuh.
Luzern

D' Schulden essen mit aus der Schüssel.

D' Schulden und 's Wort Gottes bleibn ewig!

D' Simpeler hei Buoben wie Chinija, Maddjini wie Prinzel sine, Gold wie Laub, Fleisch wie Holzbîge, Wî wie Bäch.

D' Soppa heds das wie 's katholische Vateronser, se hed au ke Chraft ond ke Herrligkeit.
hdt] Die Suppe hat, wie das katholische Vaterunser keine Kraft und keine Herrlichkeit.

D' Stadtleut ihr Dreck stinkt aa net besser als der Bauerndreck.

D' Straße war iem bald z' eng.
Oberösterreich
i] Von Betrunkenen, die im Zickzack gehen.

D' Stross isch em z' schmal.
Solothurn

D' Stuet'n hat an Eisen zött.
Oberösterreich
i] Von einem Mädchen, die ledig schwanger geworden. Man pflegt Stuten, die besprungen werden sollen, unmittelbar vorher, damit der Beschäler nicht Schaden leide, die hinteren Eisen abzunehmen.

D' Supp' im Glas (Bier, Wein) versparet Salz und Schmalz.

D' Supp ist's best, sagt der Schwab', wenn sie aber zuletzt käme, ässe niemand mehr davon.

D' Tuub is kein Mensch, d' Tuub ist en Chernedieb.
hdt] Die Taube ist kein Mensch, die Taube ist ein Körnerdieb.
i] Wortspiel; der Angeredete soll verstehen: du bist.

D' Vaseljahr abdienen.
Oberösterreich
i] Elternlose Kinder waren, bis Kaiser Joseph II. dies Gesetz aufhob oder die Observanz abschaffte, verpflichtet, bis in das vierzehnte Jahr bei ihrer Herrschaft um Kost und Lohn zu dienen. Auch die jungen Leute über vierzehn Jahre bis zu ihrer Volljährigkeit konnten, so weit sie im älterlichen Hause entbehrt werden konnten, rechtlich gezwungen werden, bei der Herrschaft drei Jahre hindurch um geringes Lohn zu dienen. Man nannte dies 'die Voaseljahrn abdienen'.

D' Viele gid der G'wün (Gewinn), sagte der Zugerbot, als er in Zug Weggli zu ein Zürcherschilling kaufte und in Luzern zu ein Luzerner Schilling verkaufte, aber aufs Dutzend das dreizehnte umsonst erhielt.
Luzern

D' Walliser si hundert Jahr später ufg'stann als di ussere Kantone.

D' Wänd händ Ohre und d' Stude-n Auge.

D' Weiber hand meh Gwalt wie's Schießpulver.
Allgäu

D' Weiber kochen 's Lachen, 's Belln und 's Weinen in oam Hafn.

D' Weiber und d' Füchs ham neunerneunzgerlei List und no an Binkel (= Bündel) voll dazu.

D' Weiber und d' Katze g'höre a is Haus.

D' Weibleut muss man reden lassen und 's Wasser rinnen.

D' Weibleut san wetterwendisch. Vor der Hochzeit munden 's oam und nach der Hochzeit maulen 's oam.

D' Weibsleut muss man reden lassen, und's Wasser rinnen.
Aus Bayern

D' Weisheit aus de Nägel sauge.
Ulm

D' Weißwurscht muaß vor'm Zwölfeläuten sterben.

D' Welt blîbt Welt und riisst si um's Geld.

D' Welt ist kei Strumpf.

D' Welt ist koa Hennagsteign, - Buama gibt's gnua!

D' Wienerfrucht is in Mutterleib nichts nütz.
Wien

D' Zeit lehrt d' Leut.
ho] De tijd leert staög wijzen en onwijzen.

D' Ziegel uf em Dach wissets.
i] Es ist kein Geheimnis mehr, alle Welt weiß es.

D' Zit bringt Rose, aber z'erst Knöpf.

D' Züricher liidet eh en Schaden als e Schand.

Da aber alles, was sich unter Menschen im höheren Sinne ereignet, aus dem ethischen Standpunkte betrachtet, beschaut und beurteilt werden muss...
Goethe, Principes de Philosophie Zoologique

Da aber die Ewigkeit die Zeit nicht verlässt, so scheint sie sich mit der Zeit zu bewegen, obschon die Bewegung in der Ewigkeit Ruhe ist.
Nikolaus von Kues. Über die Schauung Gottes

Da aber in jeder Art der Ehe die Menschen bleiben, was sie vor der Ehe waren, und die Bürger protestantischer Länder meist Philister sind, so bringt es diese protestantische Monogamie im Durchschnitt der besten Fälle nur zur ehelichen Gemeinschaft einer bleiernen Langeweile, die man mit dem Namen Familienglück bezeichnet.
Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie...

Da aber zu einer glückseligen Lebensführung die drei früher genannten höchsten Güter der Menschen gehören, Rechtschaffenheit, Vernunft und Lust, so sehen wir demgemäß auch drei Lebensformen, deren eine alle, die im Leben ihr eigener Herr sind, bevorzugen: das politische, das philosophische und das Genussleben.
Aristoteles, Endemische Ethik

Da aber zum Glück die bürgerliche Welt unfähig ist, die Forderungen der Arbeiter auch nur einigermaßen zu befriedigenPestalozzi, die ökonomischen Verhältnisse immer trauriger werden, so gehen die Massen nicht auf den Parlamentsleim, mag ihnen der Sirenengesang noch so verführerisch seitens ihrer bisherigen Vertrauensmänner in die Ohren hallen.
August Bebel (1840-1913), an Friedrich Engels, 19. 6. 1885

Da aber, wo der Hunger unser Handeln lenkt, erwächst Zivilisation mit allem dazugehörigen Bösen, mit allen Lasten und Beschränkungen...
Maxim Gorki (1868-1936), Sofia Andrejewna Tolstaja

Da Adam hackt (reut) und Eua span, wer war da ein Edelmann?
mhd] Da Adam den Acker bawet, und Eua spann, wer was do ein Edelmann?
mhd] Do Adam reutte, und Euv span, wer was do ein eddelman.
mhd] Aller adel am ersten cham, von Eva und von Adam.
i] Wer mehr sein will, als ein gewöhnlicher Adamssohn, muss sich durch edle Handlungen auszeichnen. Nicht Geburts-, sondern Verdienstadel flößt Achtung ein. Aus der Zeit der Bauernkriege, 15. Jh. ff. Unter Kaiser Maximilian I. (1459-1519) hatte jemand obigen Spruch an eine Wand der kaiserlichen Burg geschrieben. Der Kaiser schrieb darunter: Ich bin ein Mann wie ein anderer Mann, nur dass mir Gott die Ehre gan. Der englische Prediger John Ball predigte, nachdem man ihn aus dem Gefängnis befreit hatte, vor etwa 20.000 Menschen über das Sprichwort: When Adam delv'd and Eve span, who was then a gentleman? John Ball wurde am 15. Juli 1382 als Unruhstifter geschleift, gehängt und geköpft.
z] Als Adma grub und Eva spann,
Wer war da wohl ein Edelmann? John, Ball, engl. Prediger
z] Die frömmsten Edelleute fühlen zu einem Zweifel doch Beruf: Warum wol Gott am fünften Tage nicht einen Herrn von Adam schuf.
z] Als Wilhelm wirkt und Bismark spann, Gott hatte seine Freude dran.
G. Hesekiel, Das Buch vom Graf Bismark, Bielefeld 1870
dä] Adam fik en hak, og Eva fik en rok, deraf er al vor adels ferk.
dä] Adam groo og Eva spandt, hvor fandtes da en adelsmand.
en] When Adam delved and Eve span, who was then the gentleman? Prediger John Ball, Bauernaufstand 1381
fr] Ce n'est plus le temps où Berthe filait. (Die Zeit ist vorbei, in der Bertha* spann.) *Königin, Stifterin einer Benediktinerabtei am Genfer See, 10. Jh.
ho] Tom Adam spitte en Eva span, waar vond men toen den edelman?
ho] Wie was die edelman doe Adam graf ende Eva pan?
la] Adam fodiente, quis nobilior, Eva nente? Walther
la] Cum oret coniunx, et humum curaret Adamus vomere, ubi nomen nobilitatis erat?
la] Dum sarriret Adam, sua pensaque duceret Eva, fastus ubi tumida nobilitatis erat? la] Qui genus jactat suum, aliena laudat. Seneca
pl] Gdy Ewa przędła, Adam ziemię kopał, kto wtedy był szlachcicem, a kto komu chłopał?
sd] När Adam plöjde och Eva spann, en hwar war då en adelsman.

Da Allah den Wipfel der Dattelpalme nicht gebeugt hat, gab er der Giraffe einen langen Hals.
Arabien

Da allen denen, welche aufrechtem Wege wandeln, nur Gutes und Rechtes begegnen kann...
Goethe, An Ch. L. F. Schultz, 1.9.1820

Da alles du dahinten lassen und fortziehen musst, du magst wollen oder nicht, warum klammerst du dich an Wertloses an und suchst nicht das, was wertvoll ist?
Mahâbhârata

Da an eine sittliche Selbstbildung nicht gedacht oder vielmehr in früheren, roheren Zeiten nicht daran geglaubt worden, so ist statt derselben die Spezialbeichte eingeführt, da denn niemand sich mit sich selbst herumzuschlagen braucht, eine empfundene Entzweiung nicht selbst zu vereinen und ins Ganze herzustellen aufgefordert ist, sondern darüber einen Mann von Metier zu Rate zieht.
Goethe, Tagebuch, 7. 9. 1807

Dä ass om Altar bedroge wurde.
Bedburg
i] Ist schlecht, unglücklich verheiratet.

Da baut man und baut man. Häuser und Fabriken und was weiß ich. Und sollte doch eigentlich erst mal diese verpfuschte Welt umbauen. Die ist ja nicht zu brauchen, so wie sie ist! Die Nichtstuer haben die besten Plätze...
Weiskopf, Wer keine Wahl hat, hat die Qual

Da behüte mich S. Velten für.

Da beim Menschen nichts Überflüssiges ist, so kann er auch nichts entbehren und verlieren, und was er verliert, kann er deswegen auch nicht ersetzen (Haare und Nägel ausgenommen und die geringe Reproduktionskraft in Rücksicht auf Haut, Fleisch und Knochen), dagegen bei den Tieren, und je niedriger die Tiere stehen, die Reproduktionskraft ebenso wie die Zeugungskraft größer ist. Die Reproduktionskraft ist nur eine unabgelöste Zeugung, und umgekehrt.
Goethe, Riemer, 23.11.1806

Da beisst d' Maus koin Fade a.
Schwaben
i] Das bleibt so, daran wird nichts abgehandelt, zugegeben, nachgelassen, geändert, davon geht nichts ab.
z] Die Chemie geht von dem Satze der Ewigkeit, der Unzerstörbarkeit, der Nichterschaffung der Materie aus; davon beisst keine Maus einen Faden ab.

Da beisst die Maus keinen Faden ab.

Da beisst man mit guten Zähnen übel.
Nürtingen

Da bekam man Ostern und Pfingsten zu sehen.
Ostpreußen

Da bekommt man keine Käsespitze.
i] Nicht das Geringste, Wertloseste. Nach dem Volksglauben sitzt der Hauskobold in der Käsespitze, dem spitzen Ende eines langen Käses, das zuletzt übrig bleibt und das man daher zu essen vermeidet.

Da bellt kein Hund und kräht kein Hahn.
i] Ort, Gegend ohne Leben; Einöde, Wüste.
dä] Hvor man hverken hører hund eller hane.

Da bin i gange und ha der Sack to hange, und hed e niemer g'no, so hanget er iez noh.
Luzern

Da bin ich am Zaun.
i] In dem Sinne: Da stehen die Ochsen am Berge; ich weiß keinen Rat, ich kann nicht weiter.

Da bin ich bekannt wie ein Dreier.
Berlin

Da bin ich daheim wie in meiner Tasche.

Da bin ich ihm zuvorgekommen, sagte der Bauer, da hatte er sein zweites Kind selber getauft.

Da bin ik schön to Markt brögt.
Holstein
i] Da bin ich schlimm wieder weggekommen, da habe ich schlecht eingekauft.

Da bist du schief gewickelt.
i] Du bist im Irrtum, siehst die Sache falsch an.

Da bitte ich um eine Flasche Lebensverlängerungselixir, sagte der Delinquent zum Richter, der ihm erlaubte, sich vor seiner Hinrichtung noch einen Trunk zu wählen.

Da bläst die Katze den Abendsegen.
Franken
i] Da ist nicht viel zu holen.

Da bleiben so viel Äpfel als Feigen.

Da bleibt dem Manne viel zu dulden;
Wo er nur hinsieht, da sind Schulden.
Goethe, Faust, II,
(Der Abgemagerte)

Da bleibt kein alt Weib am Spinnrade.
ho] Dan blijft er geen oud wijf aan haar spinnewiel.

Da bleibt kein Auge trocken, sagte der Betrunkene und begoss auch seine Hühneraugen mit Spirituosen.
[ASpW]

Da bleibt mir der Denker (Verstand) stehen.
Köthen

Dä bliev op em Pfennig dud.
Bedburg
i] Übertriebene Sparsamkeit.

Da blüht ihm keine Rose.
Nürtingen

Da brennt die Hölle.
i] Sinn: Da ist Feuer im Dach.

Da bring' ich's, sagte Paul und - fiel damit zur Tür hinein.
ndt] Da bring ick't, se(de) Hans, un full darmit tor Dör herin.

Da bring' wi dat Swîn (Schwein) na'n Swînmark hen.
Hamburg
i] Rufen die Gassenjungen einem Betrunkenen nach.

Da bringen mich zehn Pferde nicht fort.
ndt] Da krigge mich kein' hundert Pääd derzo. Köln

Da bringt man mich nicht mit zehn Gäulen fort.
Nürtingen
i] So gut gefällt es mir hier.

Da Christus war allein, war er in Teufels Gemein'.

Da dacht ich: ehrlich sein
Ist doch das beste,
War es nur kümmerlich,
So steht es feste.
Goethe, Divan - Buch der Betrachtungen - Wie ich so ehrlich war...

Da dank ich Euch, denn mit den Toten
Hab ich mich niemals gern befangen.
Goethe, Faust, Prolog im Himmel
Mephisto Vs 318

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