<<< Weisheiten 0207 >>>

Bildung ist ein unentreißbarer Besitz.
Menander, Sentenzen in Monostichen

Bildung ist jedem zugänglich, der den einzigen Satz festhält, dass er jeden Abend besser zu Bett gehen muss, als er morgen aufgestanden ist.
De Lagarde, Deutsche Schriften, Verhältnis des deutschen Staates zur Theologie, Kirche u. Religion

Bildung ist jenseits aller Standesunterschiede.
Konfuzius

Bildung ist Kraft.

Bildung jeder Art hat doppelten Wert, einmal als Wissen, dann als Charaktererziehung.
Spencer, Die Erziehung, 1, Welches Wissen ist das wertvollste?

Bildung kann die Zucht verfeinern, aber nicht ersetzen.
Spengler, Untergang des Abendlandes

Bildung macht frei.
Joseph Meyer, Buchhändler

Bildung schien mir das einzige Ziel, das des Bestrebens, Wahrheit der einzige Reichtum, der des Besitzes würdig ist.
Kleist, an Wilhelmine von Zenge, 22. 3. 1801

Bildung setzt etwas zu Bildendes voraus; einen Charakter nämlich, eine Persönlichkeit. Wo die nicht vorhanden ist, wo sich Bildung ohne Substanz gewissermaßen im Leeren vollzieht, da kann wohl Wissen entstehen, nicht aber Liebe und Leben.
Hesse, Eine Bibliothek der Weltliteratur

Bildung wird einem nicht geschenkt. Man muss sie sich in unermüdlicher Arbeit erobern.
Kalinin, Auf der 2. Unionsberatung der Lehrstuhlleiter für MIL an den Hochschulen, 4. 7. 1940

Bildung würde von den Anhängern derselben als die Einsicht definiert werden, mit der man in Bedürfnissen und deren Befriedigung durch und durch zeitgemäß wird, mit der man aber zugleich am besten über alle Mittel und Wege gebietet, um so leicht wie möglich Geld zu gewinnen.
Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 3, Schopenhauer als Erzieher

Bildungstrieb
la] nisus formativus

Bileams Esel sieht mehr und schärfer als sein Herr.
ho] Hij slacht Bileams ezel, hij spreekt, voor dat hij gevraagd wordt.

Billig bekommen, nachlässig gehalten.
Estland

Billig regiert sein und gut, das ist's, was ein nüchternes Volk will.
Beides erreicht es nur, wenn es sich selber regiert. Leuthold, Distichen

Billig soll man allzeit die alten mehr dan junge in ehren halten.
la] Ante senex iuuenem merito captabit honorem.

Billig und gut oder selten (sind nicht immer) beisammen.

Billig und gut sind selten beisammen.

Billig wie Brombeeren.

Billig wird teuer, wenn man's nicht braucht.
it] Ciocchè costa poco è molto caro, tosto che è superfluo.

Billig zu kaufen, teuer zu tragen.
Estland

Billige Furcht erwecket sich ein Volk,
Das mit dem Schwerte in der Faust sich mäßigt.
Schiller, Wilhelm Tell, II, 2 (Walter Fürst)

Billige Ware, schlechte Ware, teure Ware, gute Ware.
Estland

Billiger Fisch, magere (= wäßrige) Brühe.
Estland

Billiger Verkauf hat viel Zulauf.
ho] Die geeft goed koop, krijgt al den loop.

Billiger, Herr Schlepitzka!
i] Ein Wort, das Dr. Zelinka, Bürgermeister von Wien, dem gleichzeitigen Stadtpflastermeister zurief und das für eine Zeit lang zum geflügelten Worte in lokalen Verhältnissen wurde. Wird immer noch angewendet, wo man etwas zu hoch im Preise findet.

Billiges kommt oft am teuersten.

Billigkeit erfordert in gleichen Sachen gleiches Recht.

Billigkeit erhält den Frieden.
la] Aequalitas haud parit bellum.

Billigkeit ist eine Vorenderinge des Rechten.

Billigkeit ist größer als das Recht.
z] Parmherzigkeit, die grösser ist, den das recht.

Billigkeit ist halbe Religion.
z] Sei Räuber, sei Dieb, sagen die Osmanen, nur die Billigkeit lasse nie bei seite.

Billigkeit ist mehr, denn aller Gesetze Lehr'.

Billigkeit ist Veränderung des Rechts.

Billigkeit muss aller Rechte Meisterin sind.

Billigkeit muss das Recht meistern.
dä] Billighed er rettens liv og siel.

Billigkeit muss grundt im rechte haben, sonst gilt sie nichts.

Billigkeit nimmt dem Recht viel von seiner Schärfe. [RSpW]
la] Aequitas de iure multum remittit.

Billigkeit steht niemals im Widerspruch zum Gesetz. [RSpW]
la] Aequitas numquam contravenit legi.

Bim Geldbül schedt sik de Fröndskop.
Westfalen
hdt] Beim Geldbeutel scheidet sich die Freundschaft.
bm] Pokud mesce, potud prítele.
bm] Rádi se mejme, a kazdy svuj mesec dbejme.

Bim Schlage profitiert niemert meh as de Metzger.
Zürich

Bimbo.
en] Idiom

Bime bööse Nochber und binere bööse Frau sell mi nid säge: 'Gott stroof mi', me isch scho gestrooft gnue.
Schwiizertütsch

Bims bringt selten Wasser.

Bi'n April un bi die Frau, nie säker up gaut Wäder bu!

Bîn Baddellüen (Bettelleuten) spêlt Schmâlhans Kökenmester (Küchenmeister).
i] Schmalhans - der personifizierte Hunger.
i] Dennoch preisen sie ihren Beruf im Liede:
Bettelleut' han's gut,
Sie brauchen kein' Karren zu schmieren,
Sie brauchen kein' Garben zu führen.

Bin die Verschwendung, bin die Poesie,
Bin der Poet, der sich vollendet,
Wenn er sein eigenst Gut verschwendet.
Auch ich bin unermeßlich reich
Und schätze mich dem Plutus gleich...
Goethe, Faust II A 1, Weitläufiger Saal (Knabe Lenker) Vs 5573f.

Bin ich allein, was bin ich?
Talmud

Bin ich anders ein witzig Mann, ich nemme den Dotter für die Schalen an.
la] Sicut ego novi, plus testae pars valet ovi.

Bin ich auch schwarz, so bin ich doch kein Zigeuner.

Bin ich auch von Natur nicht ehrlich, so bin ich's zuweilen aus Zufall.
Shakespeare, Wintermärchen, IV, 3 (Der Dieb Autolykus)

Bin ich auf dem Meer, so heisst's: Gebetbuch her.

Bin ich berufen Schafe zu hüten, so lass' ich es Geißen sein.

Bin ich dabei, hat es nicht viel zu sagen; bin ich nicht dabei, ist nicht viel verloren.

Bin ich der Flüchtling nicht, der Unbehauste?
Der Unmensch ohne Zweck und Ruh,
Der wie ein Wassersturz von Fels zu Felsen brauste,
Begierig wütend, nach dem Abgrund zu?
Goethe, Faust I, Wald und Höhle (Faust) Vs 3348

Bin ich doch froh, mein Leben hinter mir zu haben, was ich geworden und geleistet, mag die Welt wissen, wie es im einzelnen zugegangen, bleibe mein eigenstes Geheimnis.
Goethe, F. v. Müller, August 1830

Bin ich ein Gott? mir wird so licht!
Ich schau in diesen reinen Zügen
Die wirkende Natur vor meiner Seele liegen.
Goethe, Faust I, Nacht (Faust) Vs 439

Bin ich ein Mönch, so werd ich hart gestriegelt; bin ich ein Soldat, so werd ich oft gepriegelt; bin ich ein Bauer, so werd ich geschunden; bin ich ein Dieb, so werd ich gebunden; bin ich ein Doktor, so muss ich studieren; bin ich ein Narr, so tut man mich vexieren; bin ich reich, so leb ich in Sorgen; bin ich arm, so will man mir nichts borgen; bin ich jung, so hab ich viel Hitz; bin ich alt, so sing ich bald schmitz; bin ich hoch, so leid ich viel Mucken; bin ich nieder, so tut man mich trucken; bin ich ledig, so hab ich keine Freuden; bin ich verheirat, so muss ich viel leiden.

Bin ich ein Schwein, sagte der Kerl, so schneide man Speck aus meinen Beinen.
ho] Ben ik een varken, zei kaatje, zoo eet spek van mijn' aars.

Bin ich ein Wischlappen?
i] Wenn man sich durch irgendeine Behandlung beeinträchtigt, verletzt fühlt, um etwa zu sagen: Bin ich nicht so gut wie andere? Verdiene ich eine solche Behandlung?
jüdisch-deutsch] Is denn mein Neschume (Seele) vün Klotsche (Werch, poln. kłocza)?

Bin ich erst (nur) reich, wie man über mich denkt, ist mir gleich.
la] Sine me vocari pessimum ut dives vocer.

Bin ich für 'ne Sache eingenommen,
Die Welt, denk ich, muss mit mir kommen,
Doch welch ein Greuel muss mir erscheinen,
Wenn Lumpe sich wollen mit mir vereinen.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Bin ich herein, so muss ich auch wieder hinaus.
ho] Ik ben erin en moet erdoor, al waren er duizend hagen voor.
la] Intravisti, excedendum tibi.

Bin ich hungrig, häng' ich's Maul, bin ich satt, so bin ich faul.

Bin ich jemals glücklich, außer wenn ich Schwierigkeiten zu überwinden habe?
Katherine Mansfield, Tagebücher

Bin ich meinem Amte in der Tat nicht gewachsen, so ist der Chef zu tadeln, der es mir anvertraut.
Schiller, Der Parasit II, 4 (Selicour)

Bin ich mir auch a Küh, ün geh kein (gen) Olmütz ün peiger (krepier) nur auch.
Jüdisch-deutsch. Warsch
dt] Ich bin eine Kuh, gehe nach Olmütz und sterbe dort
i] Sagt in eitler Selbstüberhebung ein kleines Kalb zu seinem Genossen. Nach Olmütz werden nämlich aus der Ukraine große und starke Ochsen getrieben. Das hochmütige Kalb stellt sich diesen gleich und bemerkt gleichzeitig, dass es auch der dort ausgebrochenen Viehseuche erliegen werde.

Bin ich mir doch bewußt, dass zwar die Lüge an Gefärbtem und Erdachtem Freude hat, die Wahrheit jedoch an Offenem und Einfältigem.
Petrarca, an den Dogen von Venedig, Andrea Dandolo

Bin ich mir selber
einzig genügsam,
Nicht will ich Goldes,
noch der Ehre Lohn,
Selbst das Umleuchten
Wetterleuchtenden Ruhmes
Schwindet ins Dunkel.
Goethe, Gedichte, Paralipomena

Bin ich nicht reich, bin ich nur gut.

Bin ich nit hübsch, so bin ich dennoch freundlich.

Bin ich reich, so bin ich klug, klüger als ein Bibelbuch.
bm] Bohatým býti není povinnost, ale ctnostnym.
pl] Zaden nie powinien być bogatym, jeno cnotlivym.

Bin ich schon schwarz und krumm, bin ich doch redlich und krumm.

Bin ich schuld, lasst meinen Namen bersten, ist aber er schuld, lasst ihn selbst bersten.
Griechenland

Bin ich tot, so gilt mir ein Rübenschnitz so viel als ein Dukaten.

Bin ich über den Zaun gekommen, so komm' ich auch über den Strohhalm.

Bin ich viel schuldig, man darff mich nicht drumb töten.

Bin ich zerbröckelnde Mauer,
Säule am Wegrand, die schweigt?
Oder Baum der Trauer,
Über den Abgrund geneigt?
Johannes R. Becher, Verfall

Bi'n iersten Schäpel Roggen möt de Mann de Frau toliehren, nåst is't to låt.

Bin ik arm, so bün ik dat vör mi.

Bin in Bautzen gewesen und hab die Stadt nicht gesehen.

Bin männlichen Geschlechts, der Geiz!
Goethe, Faust II A I, Weitläufiger Saal (Der Abgemagerte) Vs 5665

Bin müde wie a Hund.

Bî'n Saat- und Wullenhandel is de êste Kâpman de beste.
i] Raps und Wolle soll der Landmann nicht lange liegen lassen, der erste Kaufmann ist der beste. Vielleicht wegen starker Preisschwankungen.

Bin überall willkommen, weil ich die Menschen lasse wie sie sind, niemanden etwas nehme, sondern nur empfange und gebe.
Goethe, An Christiane v. Goethe, 6.10.1815

Bin weder Fräulein, weder schön,
Kann ungeleitet nach Hause gehn.
Goethe, Faust I, Straße (Margarete)

Bin
Ich darum aus der Welt geschieden, ich
Für mich, um mich für andere mit der Welt
Noch erst recht zu verwickeln?
Lessing, Nathan der Weise, IV, 1 (Klosterbruder)

Bind dir eine Katze vors Knie: was du nicht siehst, sieht sie.

Bind' ihm ein Paar Schuhe an die Tür, so da heißen: Surge et ambula!

Bind mich ün warf mich zwischen dus Meinige.
Warschau

Bind' mich, un werf mich unter die Meinen.
i] Der Fremde nimmt nie einen solchen Anteil an uns, als der Angehörige, der Religions- und Volksgenoße. Bitter ist das Brot der Fremde.

Binde den Esel dahin, wo der Herr will und lass ihn hernach den Wolf fressen.

Binde den Gaul an einen Gerstensack, so läuft er nicht davon.

Binde den Sack zu, auch wenn er nicht voll ist.
Italien

Binde die Gazelle neben den Esel an, entweder lehrt er sie das Ausschlagen oder das I-a.

Binde ihn, wie einen Dieb, so wirst du ihn finden wie einen Bruder.
Litauen

Binde mich los von Pfeiler zu Pfeiler; vielleicht werd' ich so frei.
i] Mache mich hier los und binde mich dort an; es ist möglich, dass ich auf diese Weise mich befreien kann. Der Unglückliche ergreift den geringfügigsten Umstand, in der Hoffnung, sich zu helfen.

Binde schon einen neuen Besen mit einem Reif oder gib einem großmäuligen Menschen Verstand.
Estland

Binde zu den Sack, soland er voll gepackt.

Binde, aber verknüpfe nicht Serbien

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