Spruchlexikon 002
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Aus Abwerg und Acheln kann man mit allem Hecheln keine Leinwand machen.

Abwesend! Nach Florenz abkommandiert, um König von Italien zu sein.
So hieß es beim Appell des 1. franz. Zuavenregiments, in welchem Viktor Emanuel bis 1870 als Ehrenkorporal geführt wurde.

Lang abwesend ist bald vergessen.
en] Long absent, soon forgotten.

Rühmlichst abwesend.
Georg Wilhelm von Raumer (1800-1856) vom Prinzen Waldemar von Preußen, der bei dem Begräbnis seiner Mutter fehlte (18. April 1846)

Der Abwesende muss Haare lassen.
en] The absent party is always to blame.

Die Abwesenden haben unrecht.
fr] Les absents ont toujours tort. - Les os sont pour les absents.
It.: Gli assenti hanno sempre torto.
se] De frånvarande ha alltid orätt.

Kein Abwesender ohne Vorwürfe (Schuld, Beschuldigungen), kein Anwesender ohne Entschuldigung.
(Spanien)
fr] Absent n'est point sans coulpe ni présent sans excuse.
nl] De afwezigen krijgen altijd de schuld.
It.: Non c' è assente senza colpa, nè presente senza discolpa.
es] Nunca los absentes se hallaron justos.

Über Abwesende geht kein Recht.

Von Abwesenden soll man nicht Böses reden.
la] De absentibus nihil nisi bonum.
Van dem veren sal men alle gût seggen. (Absentem quamvis inimicus rodere noli).

Abwesenheit ist eine Feindin der Liebe.

Kurze Abwesenheit heilt oft viel Leid.
en] Absence is a foil to love.
fr] Un peu d'absence fait grand bien.

Man muss sich selbst erst dreimal abwischen eh' man andre putzen will.
la] Ter abstergere.

Sie wischte dem Monde die Hörner ab, wenn sie ihn erreichen könnte.
Sie übertreibt es mit Scheuern, Waschen, Putzen u.s.w.

Man kann es an den Fingern abzählen.

Sie hat abgezahnt.
Literarisches Centralblatt, Leipzig 1863
D. h. Sie ist bejahrt.

Er wird bald abzickeln.
D. i. sterben.

Entweder ziehe ab, oder ziehe dich aus.
Aus dem Griechischen. Bei den Lacedämoniern war es Sitte, dass bei den öffentlichen Zweikämpfen niemand zum Angriffe gezwungen ward, sondern es wurde das Gesetz vorgelesen: Geh fort, oder ziehe dich aus (d. h. bereite dich zum Zweikampfe vor). Verwandt ist damit das Sprichwort: Trinke oder geh fort! Nimm an der Gesellschaft u.s.w. teil, oder entferne dich.

Er muss abziehen wie er gekommen.
Seine Bemühungen sind erfolglos geblieben.
fr] Il s'en est allé comme il etait venu.

Er zieht ab mit Kind und Kegel.

Er zieht ab, wie der Fuchs (die Katze) vom Taubenschlage.
(Schlesien)

Er zieht ab, wie der Hund ohne Schwanz.
Sehr beschämt.
fr] Il s'en va la queue entre les jambes.

Er zieht ab, wie ein begossener Hund (Pudel).

Er zieht ab, wie eine gebadete (nasse) Katze.

Abzug blasen.
Vom Streit abmahnen.

Beim Abzug nimmt man einem, was er hat.

Einem etwas abzwacken.
(Nürtingen)

Ach steigt aufs schönste Dach.

Ach und Weh über einen schreien (ausrufen).
fr] Il fit de grands hélas. - Crier haro sur quelqu'un. Zeter über jemanden schreien, jemanden festnehmen, indem man haro dabei schreit.

Ach und weh, gibt es aber Mäus' im Bodensee?

Ach und Wehe ist das tägliche Brot in der Ehe.

Auf Ach und Weh folgt Glorie.

Auf Weh und Ach folgt Freude nach.
fr] Les pleurs sont suivis de joie; la joie succède aux pleurs.

Ein Ach wohnt unter jedem Dach.

Half ihm doch kein Weh und Ach.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Lieder, Heideröslein (ged. 1771). Nach einem Volksliede au dem 16. Jahrhundert, vgl. Johann Ludwig Uhland, Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder, Nr. 56, Melodie von Johann Friedrich Reichardt (komponiert 1793), Franz Schubert (komponiert 19. Aug. 1815), Robert Schumann u. a.

Mit Ach und Krach (durchkommen).
Mit genauer Not, z.B. durch das Examen; mit Mühe und Not und Ach-Seufzen und -Stöhnen

Mit Ach vnd wehe vnnd Awe Marya.

Sie ist vor Ach und Pfui bewahrt.
Besitzt nur mittelmäßige Schönheit.

Zwischen Ach und Weh, Kummeraus und Klausen, dazwischen liegt Burghausen.
(Oberösterreich)

Klopf' auf den Ton: in Staub wird er fallen;
Schlag den Achat, und Funken wallen.
Anastasius Grün (1806-1876), Der Pfaff vom Kahlenberg (1850), Vorspiel

Achele', bachele', bōche', is sein' beschte Melōche.
Acheln = essen, bacheln - bechern, bochen für bofen = schlafen.

Das is e Achel-Peter.
Jüdisch-deutsch: Ein Fresspeter, ein Fresser, ein Nimmersatt, vom hebräischen achal = essen. Daher auch: Er achelt gern ebbes (etwas) Gutes.

Je mehr man ach't (Ach ruft, seufzt), je schwerer wird die Bürde.

Se ach't on wui't de ganze Dag.
Ächzt und wehklagt unausgesetzt.

Der gierige Acheron lässt seine Beute nicht.
fr] L'avare Achéron ne lâche pas sa proie.
Jean Baptiste Racine (1639-1699), Phädra (1677), II, 5 (Phädra)

Ein wahrer (zweiter) Achill sein.
(Altrömisch)
Sehr tapfer. So z.B. der Römer Lucius Siccius Dentatus, weil er in 120 Schlachten gegen den Feind gefochten hatte.

Singe den Zorn, o Göttin, des Peleaden Achilleus
Homer (8. Jh. v. Chr.), Ilias, I, 1

Die Achillesferse entdecken.
Die Schattenseiten eines Gegenstandes auffinden.

Eine Achillesferse haben.
Eine verwundene Stelle haben, wie Achilles an der Ferse; - den Achilles tauchte seine Mutter Thetis, um ihn unsterblich zu machen, in den Styx; nur die Ferse, an welcher sie ihn nielt, blieb verwundbar; - ähnliches in der deutschen Sage von Siegfried.
Nach Cajus Jul. Hyginus (um 10 v. Chr.), Fabeln, Nr. 107

Jemandes Achillesferse kennen.
D. h. seine schwache Seite, seine verwundbare Stelle.

Die Achse ist gebrochen.
Der Fortgang des Unternehmens ist auf unerwartete Weise gestört, gehemmt worden.

Alles uf di leicht Achs'l namma.
(Franken)

Ar thuat alles uf die leicht Achsel namma.
(Franken)

Auf beiden Achseln tragen, steht keinem Biedermann an.

Auf beiden Achseln tragen.
la] Duos linis parietes. - Prolixius sic effertur.

Auf beiden Achseln Wasser tragen.
Es mit keiner von verschiedenen Parteien verderben, beiden dienen.
fr] Nager entre deux eaux.
la] Chordas geminas ferire. - Duabus sellis sedere.

Auf einer Achsel Feuer, auf der andern Wasser tragen.

Auf vielen Achseln ist gut tragen.

Bis an die Achsel schwören.
D. h. bis auf einen gewissen Punkt.

Die Achsel einziehen.
»Hierüber zogen etliche die Achsel ein und entschuldigten sich.« (Simplic.)

Die Achsel schupfen.
Bedenken äußern.

Die Achsel zucken (ziehen).
Bedenklichkeiten bei einer Sache, Bedauern über etwas äußern oder dadurch zu verstehen geben, dass man etwas Unabänderliches geduldig tragen müsse.

Du kanst wol auf beiden achseln tragen.
la] Duos binis parietis.

Einem auf den Achseln sitzen.
»Sie sind vns auff die achslen gesessen, oder sie seind vns gar auff gugen gehocket.« (In capite atque ceruicibus nostris restiterunt.) (Henisch)

Einem unter die Achsel greifen.
Ihm aus der Not helfen.

Einen auf den Achseln tragen.
Ihn ungern sehen, weil er lästig ist.

Er kan vff zwuen Achseln tragen.
la] Esse hominem duplici animo. - Ex eodem ore calidum et frigidum efflare, duabus sellis sedere, duos linere parietes.

Er treibt nur das, was unter den Achseln geschieht.
(Altgriechisch)
Von Schmeichlern. Die Ausübung der Schmeichelei ist sehr sinnreich unter die Achseln verlegt, weil diese Stellen vorzüglich kitzelig sind. Also: Er scheut jede Beschäftigung und sucht von der Schmeichelei zu leben.

Es fehlt ihm unter der Achsel.
Er ist faul, arbeitsscheu.

Etwas (nicht) auf die hohe Achsel nehmen.
D. h. es nicht zum besten, es unfreundlich u.s.w. annehmen.

Etwas auf die leichte Achsel nehmen.
Etwas leichtsinnig behandeln, für unbedeutend ansehen; etwas leicht nehmen, sich nicht viel darum kümmern.
fr] Faire peu de cas de quelque chose.
la] Ferre sinu laxo.
Horaz (Quint. Horatius Flacc (65-8 v. Chr.), Satiren (um 30 v. Chr.) II, 3, 172

Etwas auf seine Achseln nehmen.
fr] Charger quelque chose sur son cou.

Jemanden über die Achsel ansehen.
Ihn verächtlich, von der Seite ansehen, verachten; ihn nicht voll würdigen, ihn gering achten.
»Sie sah mich unter ein Achsel an, sie sprach: du bist kein edelmann.« (Ambraser Liederbuch)
»Darum pin ich oft naschen aussgegangen; man hat mich vber die achsel empfangen.« (Fastnachtsspiele)
fr] Il regarde les gens par-dessus l'épaule.
la] Alto supercilio contemnere.
Bereits bei Sebastian Brant (1457-1521), Das Narrenschif (1494), 96, 33 findet man: Man sicht den überd achslen an.

Lass dir auf die Achsel sitzen, so will man dir auf den Kopf.
Lass dir ein Recht ohne Widerstand rauben oder verletzen - man wird immer weiter greifen; dulde eine kleine Ungerechtigkeit, du wirst bald große zu dulden haben.
la] Post folia cadunt arbores. - Veterem ferendo injuriam, invitas novam.

Man muss nicht auf beiden Achseln Wasser tragen.
Man muss es entweder ganz mit der einen oder mit der andern Partei halten; was man ist, muss man ganz sein.
fr] Il faut être tout un ou tout autre.

Mit einem über die Achsel sein.
D. h. gespannt.
»Die Edomiter waren der Juden Brüder, wie Moses sagt; noch waren sie jmmer mit den Israeliten vber einen Achsel von wegen des uralten Hasses.« (Fischer, Psalter)

Wer andere über die Achsel ansieht, verdirbt sich die eigenen Augen.

Wer auf beiden Achseln trägt, sitzt zwischen zwei Stühlen (in die Asche) nieder.

Wer jhm auff die Achsel sitzen lässt, dem sitzt man zuletzt gar vff den kopff.

Sein Achselschmalz sparen.
»Spar den Achselschmalz nicht so.« (Rott. Thal.)

l. Wen Achselsitzen frey erlaubt, dem sitzt man letztlich gar auffs Haupt.

Ein Achselträger sein.

Ein Achselträger trägt auf beiden Achseln Wasser.

Zehn Achselzucken sind leichter als ein Handauftun.

Der Achsennagel ist ein kleines Ding, aber (und) er hält einen großen Wagen zusammen.

Acht dir nichts, g'schieht dir nichts.
(Steiermark)

Acht gegeben, es sind Schindeln auf dem Dache.
Empfiehlt Vorsicht im Reden in Gegenwart der Jugend, welche so leicht Feuer fängt, wie ein Schindeldach.

Acht giewen iß biätter es (besser als) dusend Daler
Münster

Besser in der Acht, denn in der Hacht.
Entweder: Besser verbannt als gefangen, verhaftet; oder allgemeiner: Besser mit Vorsicht handeln, als wegen Gesetzesübertretungen Strafen erleiden.
la] Cum licet fugere, ne quaere litem. - In compitis esse praestat, quam in compedibus. - Melius est proscribi, quam carceri includi. - Praestat uni malo obnoxium esse quam duobus.

Die Acht vnd Macht in der Welt haben, lassen sich nicht gern straffen.

Er gibt Acht wie ein Heftelmacher.
Von jemandem, der mit Anstrengung auf etwas merkt.

Er nimmt's in Acht, wie einen Topf.
Diese Redensart der Litauer ist wahrscheinlich entstanden, als sie den Gebrauch der irdenen Töpfe kennen lernten und diese noch sehr selten waren. Sie umflochten daher dieselben so sehr mit Draht, dass man das Geschirr selbst kaum hindurch erblicken konnte, um es vor dem Zerbrechen zu bewahren.

Gib Acht ist mehr als Reue.

Gib Acht, dass man aus dir keinen Affen (Narren) macht.

Gib Acht, gib Acht! ist kein Gift für Ratten.
Mit dem bloßen Reden ist's oft nicht getan, es gilt zugreifen.

Gib Acht, sonst kommst du fremde Hände in die Haar über.

Hab Acht auf die Schanze!

Hab acht vff dich vnd die deinen, du hast nicht, die dich trewlich meinen.

Hab Acht, dass du dir's nicht versalzest!

Hab Acht, dass du nicht an einen Stock fahrest!

Hab Acht, dass du nicht auf das Maul fallest!

Hab acht, dass du nicht das Maul verfallest.

Hab acht, dass du nicht das muhs versalst.

Hab acht, dass du nicht Russ fangest.

Hab Acht, dass du nicht selbst aus dem Sattel reitest!

Hab auff dich selber acht.

Nehmet euch in Acht vor den Bächen, die von Tieren sprechen.
Spöttischer Zuruf an die Franzosen mit Bezug auf ihre unglücklichen Schlachten bei Rossbach und an der Katzbach. (Illustrirte Zeitung, Leipzig 1859)

Nimm dich in Acht ist ein gut Wort.
en] Take heed is a good read.
es] Cuyda bien de lo que hazes no te fies da rapáces.

Nimm dich in Acht vor Wetterschaden.
Eine allgemeine Warnung.

Nimm dich in Acht, klä Hols is hie.
(Oberharz)
Ermahnung zur Vorsicht bei unberufenen Zuhörern.

Wer Acht hat, findet, und wer arbeitet, hat auch zu schlachten.
Ist im Wohlstande, im Besitz von Schlachttieren.

Wer sich nicht selber nimmt in Acht, bei dem nützt weder Hut noch Wacht.

Wer sich nimmt in Acht, der braucht wenig Wacht.
la] Mater timidi flere non solet.

Lieber dreimal in die Acht, als einmal ins Stockhaus.

Ener van der ghestelken achte.
Einer vom geistlichen Stand.

Acht haben nicht großen Lohn und werden doch reich davon: Förster und Jäger, Amtleut' und Häger, Tutor und Prokurator, Verwalter und Kurator.
2. Acht is mehr as Dusend.
(Ostfriesland)
Wortspiel zwischen dem Zahlwort acht und dem Dingwort Acht (Achtung, Aufmerksamkeit). Acht geben ist besser als Tausende besitzen.

Acht tragen selbst die Schuld, wenn sie beschämt werden: Wer uneingeladen zu einem Gastmahl kommt; wer in eines andern Hause in Gegenwart des Hausherrn befiehlt; wer Ehrerbietung von seinem Feinde fordert; wer Geschenke von einem Geizigen nimmt; wer andern gegen ihren Willen in die Rede fällt; wer hohe Personen schmäht oder gering schätzt; wer einen Platz einnimmt, der ihm nicht gebührt; wer jemandem erzählt, der nicht hören will.

Acht und aber Acht macht sechzehn.
Ein Wort des Markgrafen Albrecht des Jüngern von Brandenburg. »Habt keine Sorge«, sprach er lächelnd, als man ihn warnte, der Kaiser werde ihn in die Acht (Land- oder Unteracht) und Aberacht (Oberacht) erklären, »Acht und aber Acht macht sechzehn; mit denen will ich schon fertig werden.« Der Ausspruch wurde Sprichwort, um damit die kaiserliche und Reichsacht zu verspotten. Das Wortspiel liegt teils in »aber«, das in Aberacht soviel wie Ober bedeutet, aber von Albrecht im wiederholenden Sinne genommen wurde, teils in »Acht«, das er als Zahlwort gebrauchte. Wenn ein Angeschuldigter nicht vor dem Gericht erschienen oder entflohen war, so konnte, nach altdeutschem Gerichtswesen, der Richter die Verfestung gegen ihn aussprechen. Wer verfestet war, konnte vom Kläger mit Gewalt vor den Richter gebracht, und, wenn er sich widersetzte, straflos getötet werden. Die Verfestung wirkte aber nur in dem Sprengel des Richters, der sie ausgesprochen. Wurde sie einem höheren Richter angezeigt, so wurde sie von diesem für alle unter ihm stehenden Gerichtssprengel bestätigt und dadurch wirksamer gemacht. Die vom Kaiser durch die kaiserlichen Gerichte ausgesprochene Verfestung hieß Acht und wirkte im ganzen Reiche. Wer über Jahr und Tag in der Acht blieb, wurde, wenn dies gegen ihn gezeugt ward, in die Aberacht getan »und sein Leib und Gut allermänniglich erlaubt und soll niemand daran freveln können, und soll selbigen Täter und Friedensbrecher niemand behausen, herbergen, atzen, tränken und keiner ihm Vorschub tun in seiner Obrigkeit Eigentum und Gebiet«.

Ledige Achtel (Fässer) schallen sehr.

Achte di klên, wes gern allên, denke stedes up den Dag, den nemand vörbigân mag.
(Lübeck)

Achte du mein, so acht' ich dein.
la] Vicem pro vice reddam tibi, care amice.

Das Ding ist, wie man's achtet.
Alter Spruch

Einer acht's, der andere lacht's, was macht's!
Jeder folge seiner bessern Überzeugung und kehre sich nicht an die widersprechenden Urteile des Publikums.

Einer acht's, der andre verlacht's, der dritte betracht's, was macht's?
Inschrift in der siebenten Nische des Bierkellers im neuen Berliner Rathause; stand auch über der Tür des 1498 erbauten Rathauses zu Wernigerode; es lautet der Spruch: Einer acht's, der ander veracht's, der dritte betracht's, was macht's?

Er achtet ihn, wie einen Hund.

Er achtet nicht auf Glanz, trinkt wol aus einem Hafen.

Ich achte ihn nicht so viel wie meine alten Schuhe.
nl] Ik acht hem als mijn' ouden schoen.

Ich achte nicht des Mondes Schein, so mir die Sonne will gnädig sein.

Ich achte weder Geld noch Gold, der Ehr' und Treu' bin ich doch hold.

Leichter g'acht, als g'macht.
(Steiermark)

Man achtet ihn nicht höher, als einen Affen.

Man achtet ihn, wie einen Hund.
Gewöhnlich, besonders im morgenländischen Sinne, bezeichnet man Hass und Verachtung mit dem Worte Hund. So sagt Horaz: Er wird mehr als ein Hund gehasst.
la] Non magis quam canem.

Man achtet nicht der Seelen, sondern des Seckels.

Man achtet nicht, was die Sau auch schreit.

Sie achtens so wenig als die Sorbonne zu Paris acht, was die newe grusische Akademie zu Leiden beschleusst.

Wer es nicht achtet, dem tut es nicht weh.
It.: A chi non pesa, ben porta. - Chi non duol, ben scortica.

Wer niemand acht, dess acht niemand wieder.

Wie ein jeder wil geachtet sein, also sol er sich auch halten.

Wie man etwas achtet, so ist es; wie man glaubt, so geschieht einem.
fr] Toute chose est comme on l'estime.
It.: Ogni cosa è coma si stima.
la] Proxima remus opinio.

Wie man sich selbst achtet, so wird man geachtet.
dk] Som man agta sig selo, saa agtes man og til.

Wonach sich zu achten, wie der Herr Schulze spricht.

Dai es ächten (hinten) nitt as väören, süss (sonst) könn he met der Fuet (dem Hintern) Nüete (Nüsse) knappen.
(Iserlohn)

Achter in's Lôg wânt (wohnen) ôk Lüde.
Lôg = Dorf, namentlich Pfarrdorf.

Achter un vör beslan wesen.

De van achtern kummt, het kên Geld.

He stickt achter dahl, as Hoffmann bi' n Hund.
Er verfehlt seinen Zweck.

Von achtern is de Koh blind.
(Ostfriesland)

Er ist der Achte unter den sieben Weisen.
Spottweise von denen, die sich sehr weise dünken. »Manch Haupt in der gelehrten Welt sich für den achten Weisen hält.«
la] Sapientum octavus. (Horaz.)

Achterânander her de klen tander Gise.
So sagt man in Hamburg von denen, die ohne Paar und Glied zu halten hintereinander hergehen.

Achteräs äs de Hane krasset.
(Westfalen)

Dat Achterdêl (Podex) weisen.
»Dorchlichting der Kleder îet achtrdeel wisen.« (Hamburger Chronik)

He hett de Achterdöre (Hintertür) âpen (offen)
(Ostfriesland)

He hett 'n gooden Achterdör.
(Ostfriesland)
Eine gute Hintertür.

Een Paar Achterflicken geben.
Eigentlich die Sohle unter dem Absatz; da diese bei Frauenschuhen aber leicht abgelaufen wird, so bezeichnet man mit dem Worte auch ein kleines Trinkgeld, das einem Dienstmädchen gegeben wird.

Up de Achterflicken slân.
Geringschätzung ausdrücken.

Elk höde sick för'n Achterklapp.
(Ostfriesland)
Jeder hüte sich vor Nackenschlägen, uneigentlich: vor Geklatsch, übler Nachrede.

Hoit (wahre) di vor den Achterklapp.
(Osnabrück)
Sei auf der Hut gegen ein Uebel, das auf eine glückliche Begebenheit folgt.

Achterna (hintennach) as Bloom.
Bloom, eigentlich Blume, in der Jägersprache: Schwanz, steht hier als Eigenname. Sinn: das Letzte pflegt nicht das Bessere, Vorzüglichere zu sein.

Achterna as Kese.

Achterna back Eierkoken.
Hintennach ist's zu spät.

Achternä êten si Käse, sagen die Westfalen.
la] Ficus post pisces.

Achterna is wiveruwe.
Hintennach ist Weiberreue, taugt und nützt nichts; klug ist, wer sich zuvor bedacht. Vgl. Liliencron, Hist. Volkslieder: Dat mag men wol loren in guden truwen, dat einem ein ding achterna deit ruwen! Wen he den vogel heft flegen laten, so wil he sik hindenna vele undermaten, so is dar to late katteropen (d.h. Rufen der Katze) in gemein, wan de groteste schade is gescheen.

Achterna ist gôd lachen.
Hintennach lacht sich's leichter als vorher.

Achterna kakeln de Höner.
Nachdem die Sache geschehen, ist das Reden darüber nutzlos.

Achterna kamt de Rekens (Rechnung).

Achterna lopt dünn Beer.
Achterna dat is dunneber. Hintennach das ist Dünnbier, schlechtes Bier, Halb-Bier, das aus dem zweiten Aufguss bereitete Bier, der zweite Absud.

Du kommst achterna, as Bütken mit den Schollen.
la] Sic est ad pugnae partes re peracta veniendum.

Wer is achterna nit weiss.
dk] Bag eftu komma tyndt öll.

Achternanner (hintereinander) as de Eilanders (die Inseln Wangeroog, Spikeroog u.s.w.) un de Göse (Gänse).

Achternanner as de Eilanders un de Gansen (Gänse).
Unter den Eilanders sind die Bewohner der Ostfriesischen und Oldenburgischen Inseln gemeint, die von den Festländern als einfältig und dumm verschrien werden. Der Pastor Cadarius Müller in Stedesdorf erzählt in seinem Manuskript über die friesische Sprache (1691) eine Anzahl Anekdoten von der Einfalt der Insulaner.

Achternanner as de Olenländer Göse.
Von denen, die einzeln hintereinander hergehen.

Wat achteröm (hinten herum) seggen.
(Meurs)

Achteröver (hintenüber) segt Berg, hest mînen Hamel nich sehn?

Achteröver stikt de Bur dat Spêt.
Im Dithmarschen von Leuten, die etwas Verkehrtes tun.

Ja, achteröver.
Es wird nichts draus. Spöttische Verneinungs- und Abweisungsformel.

De Achterport is bi em ümmer aper.

Lât de Achterport (Hintertür) âpen stân un den Dokter sîner Wege gan.
Wohltätiger Einfluss regelmäßiger Ausleerungen auf die Gesundheit.

He settet sick up de Achterpoten.
Er ermannt sich, setzt sich zur Wehr.

Sik up de Achterpoten settn.

He kumt in de Achtersulen.
Sulen = Sellen, Sielen; das Lederzeug, das den Pferden, wenn sie an den Wagen gespannt werden, umgelegt wird. - Er kommt in seinem Geschäft, in seiner Wirtschaft zurück.

Met Achterstîken nappen.
(Waldeck)
Mit Hinterstichen nähen. Von einem Falschen, Hinterlistigen.

Achterût (hintenaus) kleit (kratzen, scharren) de Höner.
(Rastede)

Geit 't erst achterût, dann geit 't harder as 'n Pärd lôpen kann.
(Oldenburg)

Hei hiät en guodden Achterwagen.
(Westfalen)
Seine Sitzpartie ist sehr stark.

Ick bitte Sie um dausend Achtjroschenstücke.
Aber bedenken Sie doch, nehmen Sie Vernunft an!
Berliner Redensart

Durch Achtsamkeit blüht unser Glück am besten,
Nur von der Sicherheit kommt Unglück her:
Verachtet fallen uns die kleinsten Übel schwer,
Beachtet uns die größten.
Christian Wernicke (1661-1725), Uberschriffte Oder Epigrammata (1791)

Achtundachtzig ist a jüdische Klute.
(Jüdisch-deutsch, Warschau)
Ein Lieblingsfluch der Juden ist: »Habe achtundachtzig schwarze (d. i. unglückliche) Jahre.«

Es ist ein Achtundachtziger.
In einer alten Handschrift war diese Redensart durch delator, Sycophanta, und Achtundachtziger erklärt.

Anno achtundvierzig haben sie uns beschossen, achtundfünfzig beschissen.
Der erste Teil bezieht sich auf die Revolution und der andere (Prag) auf die Einführung der österreichischen Verfassung, wodurch faktisch alles im Preise stieg.

Achtung ist besser als Gold.
la] Bona opinio tutior est pecunia.

Achtung verdienen Männer von Gewicht, doch alle, die viel wiegen, nicht.

Ein jeder soll Achtung vor sich selber haben.
la] Tu tibi venerabilis.

Eine Hand voll Achtung ist besser als eine Metze Geld.
Das ägyptische Sprichwort hat: Wejbe, was ein ägyptisches Getreidemaß bezeichnet.

Es ist alweg die achtung größer denn das ding.

Es soll ein jeder Achtung haben: der Kaufmann, wenn die Ware geht; der Schiffer, wenn der Wind sich dreht; der Winzer, wenn die Traube schwillt; der Bauer, wenn der Roggen gilt.

Wer ohne Achtung lebt, der lebt in Schande.
nl] Die zonder achting leeft, die leeft met schande.

Achtzehn gewinnt nie.
Zunächst beim Whist, es müssen zwanzig sein. Doch auch Spielerglaube, der nicht gern auf 18 anlegt, sondern meint, von 16 aus seien die fehlenden 4 Points leichter als von 18 die fehlenden 2 zu erlangen; wenigstens tröste sich der Gegner damit.

Achtzehn oder drei.
Alles oder nichts, das Höchste oder das Geringste. Vom Würfelspiel entlehnt, wo achtzehn die höchste und drei die niedrigste Anzahl Augen sind, die man werfen kann. Von Wagehälsen gebraucht, die alles aufs Spiel setzen.

Achtzehn, wie auf dem Schießhause.

Alle achtzehn (nämlich Augen) werfen.
Vom Würfelspiel entlehnt. Von denen, welchen es besonders glücklich geht. Die Griechen sagten: Achilles hat sechs Würfel geworfen. la] Jecit Achilles duas tesseras et quatuor. Von denen, die einen besonders guten Griff getan hatten, die das Glück besonders begünstigte, sagte man, sie hätten einen »Midaswurf getan«: Wer einen Midaswurf getan, darf um Rat nicht bange han. - Midas in tesseris consultur optimus.

Da (von) gehen achtzehn aufs Dutzend.
»In allen Stätten, Flecken vnd Dörffern werden täglich Leut geboren, die hertz vnd händ haben zu Schiessen, Hawen vnnd Stechen, vnnd kommen offt Achtzehn für ein Dutzet zu Marck.«

Er macht achtzehn, die besten.
Bricht, übergibt sich.
fr] Il rend le pain benit.
Diese französische Redensart bezeichnet: das Wiedergeben dessen, was man erhalten hat. Sie hat ihren Ursprung in einer kirchlichen Feierlichkeit, die an Sonn- und Festtagen stattfindet und wobei geweihtes Brot unter die Anwesenden verteilt wird. Der erste empfängt es vom Glöckner und beteilt sodann seinem Nachbar u.s.f. Daher die Redensart: Das geweihte Brot geben. Für: sich übergeben, wenn man zu viel getrunken hat, sagen die Franzosen auch: den Fuchs schinden (écorcher le renard).

Wer nach Achtzig steigt, der keucht.
Von dem Drückenden des Alters.

Wenn Achtziger tanzen, gibt der Tod Ordonnanzen.

Wenn ein Achtziger spricht, muss man beide Ohren gebrauchen.

Acker um Acker, chuet an Stab.
(Appenzell)
hu] A fekete főldoen tarem a jô buza.

Acker und Pflug, Wein und Krug, durstiger Bruder, Zecher und Luder, Rettich und Ruben, Huren und Buben, Hühner und Hahnen, waren alle Gespanen.

Acker und Wiesen durch den Bauch führen.

Äcker, die außer der Landwehr liegen, sind schwer zu hüten.

Alle Acker geben Zehent.
Stellt die Zehntpflicht als allgemein hin, nur ausnahmsweise konnte es zehntfreies Feld geben. »Ale Äcker gebent Zehent, es sei denn, dass einer wisse, womit er sich der Zehentpflicht erwehren könne.« (Grimm, Weisthümer)
mhd] Alle eckere geben zehenden. (Grimm, Weisthümer)

Auch guter Acker, ungebaut, trägt nichts als Disteln und Unkraut.

Auf dem Acker des Frommen ist gut Aehrenlesen.

Auf dem Acker ist kein besserer Mist, als der an des Herrn Schuhen ist.

Auf Einem Acker wächst nicht jede Frucht (gedeiht nicht jedes Kraut).
dk] En ager baer ey all saad.

Auf einen solchen Acker gehört kein anderer Pflug.
Das verdient keine andere Behandlungsweise.

Auf fremdem Acker steht die Saat gut (immer besser als auf dem eigenen).
dk] Altid bedre paa en andens ager.

Auf schlechtem Acker erntet man selten gutes Getreide.

Auf schwarzem Acker wächst der Weizen wacker.

Auf unfruchtbarem Acker keinen Samen.

Beim Acker ohne Brach lassen die Früchte nach.
Körperliche wie geistige Anstrengungen erfordern ihre Pausen, ihre Ruhe.

Braune Äcker - die besten.
It.: Terra negra buon pan mena.
hu] A fekete földben terem a jó búza.

Danach man den Acker baut, danach trägt er Frucht.
nl] Nae dat men den acker bouwt, draecht hi sijn vrucht.
la] Sicut ager colitur, sic fructibus, hic redemitur.

Das ist der beste Acker, den man eigen hat.

Das ist mein Acker und mein Pflug.
In Ostpreußen: Dat ös mîn Acker on Plôg. Auch: Egg' on Plôg, d.h. mein Beruf.

Den Acker bauen ohn' Verdruss gewähret Brot im Überfluss.

Den Acker pflügen und nichts hineinsäen.

Der Acker bringt nicht Frucht allein, Gott muss ihm geben das Gedeihn.

Der Acker Fridolini.
»Gegenüber ragte niedrig aus den Fluten eine Kiesbank - unbewachsen - oftmals gänzlich überflutet sie die Strömung; scherzend heißt der Mann im Rheintal sie den Acker Fridolini.« (Scheffel, Trompeter)
Er gibt allerhand Acker an.
Macht Händel, treibt lose Streiche.

Der Acker ist das Heu, die Wiese der Knecht.
(Frankenwald)

Der Acker ist der dankbarste Schuldner.
(Sachsen)

Der Acker klît, der Wäinjert (Weingarten) bräinjt nît. (Siebenbürgen-sächsisch)

Der Acker macht die Früchte nicht, sondern die Zeit.
la] Ager non producit sed annuo. (Luther)

Der Acker muss schwächer sein als der Bauer.
la] Oportet agrum imbecilliorem esse. (Columella.)
Virgil sagt zu der Erklärung dieses Sprichworts: »Die zu großen Felder magst du loben, die kleinen aber anbauen.« Ein zu großes Feld macht mehr Arbeit, als verrichtet, werden kann. Auch in Bezug auf Ämter, welche die Kraft des Beamten übersteigen. Das folgende Sprichwort drückt denselben Gedanken aus.

Der Acker spürt's schon, wenn man Weißrübensamen nur darüber trägt.
(Franken)

Der Acker weniger spann' als der Ackersmann.
Eigentlich: Der Acker, das Feld, muss schwächer sein als der Bauer.

Der Acker, den man mit silbernen Scharen pflügt, trägt goldene Früchte.

Der beste Acker bringt allein keine Frucht.
It.: Buona terra ha bisogno di lavoratore.

Der fruchtbarste Acker ist der, den man inne hat.

Ein Acker mit Schätzen ist leicht ins Geld zu setzen.

Ein Acker muss den andern austragen.
Ein Nachbar soll dem andern zum Bestellen der Saat wie zum Einräumen der Früchte den Weg über seinen Acker öffnen, wenn auf andere Weise die Ab- und Zufuhr nicht möglich ist.

Ein Acker ohne Getreid', eine Wiese ohne Weid', ein Keller ohne Wein, ein Heil'ger ohne Schein, ein Stock ohne Reben, ein Mensch ohne Leben, eine Mutter ohne Kind von geringem Werte sind.

Ein Acker vnd Pflug, Ein Wasser vnd Krug, durstige Leute vnd guter Wein, soll allzeit bey einander seyn.

Ein Acker was bawen ist ein nothturfft, gar zu wohl bawen ist schädlich.

Ein Acker, der mit Kalk gedüngt wird, macht nur alte Leute reich.

Ein Acker, der nicht wohl gebawet ist, bringt selten gut Korn.

Ein acker, der vngebauwen leit, seye ihn, als dan er gut korn treit.
la] Fructus non multus fit, ager si non bene cultus.

Ein naher Acker vnd a weite Schwieger (Vater) ist's fürm hast für da Bauer.
(Schwaben)

Ein unbebauter Acker trägt nicht gut.
Bei Tunnicius: Ein ungebouwet acker drecht nicht wohl. (Est incultus ager nulli frumenta daturus.)

Ein ungebauter Acker bringt selten viel Korn.

Ein vnbesehter Acker steht nicht wacker.

Ein vngebawter Acker bringt distele vnd Hecken.

Er ist (wieder) auf seinem eigenen Acker.

Es ist besser den Acker bawen, denn vnersettliche lieb zu Gold vnd Silber haben.

Es ist ein artlicher Acker um ein Amt, der einem sobald die Scheunen füllt.

Es ist jm acker vnd wisen durch den Bauch gefaren.

Es ist kein Acker so stolz, als der zum ersten mal im Meer gelegen hat.

Es ist kein Acker, der nicht einmal brache liegt.
Perioden des Stillstandes kommen in dem Leben jedes, auch des tätigsten Menschen vor.

Es klebt kein Acker an dem, was er spricht.
In seiner Rede ist nichts Gemeines, Alltägliches, Niedriges, Triviales; sie zeigt von feiner Bildung.
la] Nihil ex agro dicis.

Fetter Acker bringt nicht stets die meiste Frucht.
fr] Aulcunes foy le laboureur par trop fumer n'a le meilleur.
la] Colonum interdum fallet nimium pinguis ager.

Fremde Äcker pflügen, so eigene brache liegen.

Fremde Äcker pflügen.
Seine Kräfte dem eigenen Wirkungskreise entziehen und damit in fremde Geschäftssphären eingreifen. - Auch von dem Umgang mit anderer Frauen.
la] Alienum arare fundum. (Plaut.)

Gang mer net über mein Äckerle.
(Ulm)

Gezogen Acker gibt Zehent auf den Grund als andere Zehent.

In bestellten Acker ist gut säen.
dk] Godt al saa i tilrudt ager.

In gutem Acker wächst auch Unkraut.

Je mehr man dem Acker gibt (nämlich Arbeit und Düngung), desto mehr gibt er wieder.

Kein Acker ohne Disteln (ohne Unkraut).
Darum kein allgemeines Verdammungsurteil.

Kein Acker war nie so wohl gebawet, das darin nicht vnnutz Kraut wuchs.

Man find kein Acker ohne vnkraut.

Man kan den Acker auch wohl zu viel düngen.

Man muss den Acker nicht zu viel düngen.

Man muss von keinem Acker fordern, was er nicht tragen kann.
dk] I ager dyr kning skat alte dagles hvad hoer slad kand taats.

Man soll den Acker nicht zu wohl bauen.
la] Nihil minus expedit, quam agrum optime colere (Plinius)

Me sell z' Acher fahre-n-, 'ass d' Sunne-n-rein nit uff d' Wägesse schynt.
(Solothurn)
Man soll so tief pflügen, dass die Pflugschar von der Sonne nicht beschienen wird.

Mit einem zu Acker gehen.
Ihn derb vornehmen.

Nicht ein jeder Acker trägt allerlei Frucht.

Nicht jeder Acker bringt dieselben Früchte, nicht jedes Land hat dieselben Wichte.

Nicht jeder Acker trägt Kohl oder Hopfen.
Wie man sagt: Non omnis fertissima tellus.

Schwartzer Acker tragt gut Brot Korn.

Sein Acker ist so faul, wie er.
fr] Tant vaut l'homme, tant vaut sa terre.

Soll der Acker Saaten treiben, darf der Pflug nicht müßig bleiben.

Soll sich der Acker wohl lösen, so soll man ihn auch wohl gürten.
Empfiehlt Fleiß des Ackersmanns.

Soll wachsen auff dem Acker Korn, so muss man düngen vnd pflügen vorn.

Ungebauter Acker bringt (trägt) selten gute Frucht (gutes Korn).
nl] Unghebouwt acker draecht selden goed coorn.
la] Fertilis assiduo si non moveatur aratro, nil nisi cum spinis gramen habebit ager. - Fructus non multus, ager est ubi non bene cultus. - Rus nolens colere fructu solet ille carere.

Ungebauter Acker kann sich des Unkrauts (der Disteln) nicht erwehren.

Veil Acker, wing Dinger, brengt olle Joahre winger.
In der Gegend von Militsch (in Schlesien), wenn auf einer Landschaft im Verhältnis zur Bodenfläche zu wenig Vieh gehalten wird.

Viel Acker werden vbel gebawet.

Vom Acker geht der Zehent.

Von schlechtem Acker erntet man selten gut Korn.
dk] Man skiaer sjelden korn of ond ager.

Was dein Acker kann geben, das sollst du ihm schonungslos nehmen.
Regel für Landwirte.

Was der Acker bringt, verzehrt's Gesind.
(Rott.-Tal.)

Was der Acker nicht trägt, muss der Buckel tragen.
So sagen die Felddiebe; aber man gebraucht es auch als Rechtfertigung für die ihnen erteilten Prügel.

Was der Acker trägt, muss Zehenten geben.

Was noch auf dem Acker steht, folget dem Erbe.
mhd] Daz noch uffe dem acker stet, daz voget dan erbe. (Ortog.)

Was nützt es, den Acker pflügen, wenn man nichts drein säet (pflanzt).
Was nützen Kenntnisse, wenn man sie nicht anwendet.

Welches acker steht auff festen grund, der kan sein frölich zu aller stund.

Wenig Acker, wollgebawet, seind ein Hausschatz.

Wenn der Acker des Jahres nicht einmal wohl aussfreurt, so bringt er kein gut Korn.

Wenn der Acker gut gebaut ist, so trägt er gut.
Bei Tunnicius: Wan de acker wohl gebouwet is, so drecht he wohl. (Si bene cultus ager, segetes cum gramine profert.)

Wenn man den Acker betrieget, betrieget er seinen Herrn wieder.
D. i. wer ihn nicht, wie es sich gehört, düngt, bestellt, pflegt, der hat keinen lohnenden Ertrag.

Wenn man den Acker nicht baut, so trägt er nur Farrnkraut.
Empfiehlt Bildung des Geistes und Herzens.
la] Neglectis urenda filix innascitur agris. (Horaz)

Wenn man einen Acker nicht eggt, ist schon das erste Wetter darübergegangen.

Wer dem Acker gibt, dem gibt der Acker wieder.

Wer dem Acker hat gegeben, der kann vom Acker leben.

Wer den Acker aus der Westentasche düngt, die Ernte leicht in die Rocktasche bringt.

Wer den Acker betrügt, der betrügt sich selbst.

Wer den Acker nicht baut, erntet nichts als Unkraut.
la] Neglectis urenda silix innascitur agris. (Horaz.)

Wer den Acker nicht will graben, wird nichts als Unkraut haben.

Wer den Acker pflegt, den pflegt der Acker.

Wer den Acker säet, der mähet.
Während das römische Recht die Früchte einer Aussaat in streitigen Fällen dem Eigentümer des Bodens zuspricht, so erkennt das deutsche sie dem zu, der den Acker angebaut hat.

Wer den Acker zu gut baut, wenig Früchte schaut.
Zu gut kann man eigentlich etwas nicht machen; indess will dies alte, schon in Plinius vorkommende Sprichwort nur sagen, dass man in keiner Sache die Grenze überschreiten dürfe.

Wer den Acker zu sehr düngt, bekommt Kraut statt Knollen.

Wer fremden Acker baut, teilt sein Gut.
Er verliert Saat und Arbeit, weil er, sofern es wissentlich geschah, von der rechtswidrigen Benutzung fremden Gutes keinen Gewinn beanspruchen kann. Hatte jemand dagegen aus Irrtum fremden Acker bebaut, so bleiben ihm ein Teil der Früchte.

Wer hat einen steinigen Acker, ein froh Pferd, jung und wacker, ein bösen Zaum und stumpfen Pflug, den wird zu schaffen genug.

Wer ihm (sich) einen Acker kaufft, der verkaufft sein Hauss.
D. i. »wer der Landwirtschaft lebet, der kann nicht in der Stadt wohnen, auch nicht im Hause bleiben.«

Wer seinen Acker bauet, der wird Brotes die Fülle haben.
dk] Hov som dyrken sin jörd, skat maettes med bröd.
fr] Labourez pendant que le paresseux dont, et vous aurez du blé à vendre et à garder.

Wer seinen Acker brach liegen lässt, dem läuft Schaf- und Hornvieh darüber.

Wer seinen Acker fleißig bauet, der macht seinen Hauffen groß.

Wer seinen Acker fleißig baut, macht den Haufen groß.
dk] Man kand og giöde sin ager for meget.

Wer seinen Acker mit armer Leute Schweiss will düngen, dem wird er keine Segengarben bringen.

Wer seinen Acker mit Fleiß baut, soll Brotes genug haben.

Wer seinen Acker wohl baut, genießt sein auch wohl.
nl] Die wel aen sijem acker doet, die doet gewis hem weder goet.

Wer seinen Acker wohl düngt, der hat desto mehr zu ernten.

Wer spärlich seinen Acker düngt, der weiß schon, was die Ernte bringt.

Wer unfruchtbaren Acker baut, vergeblich nach der Ernte schaut.
la] Sterilem agrum ne colas. (Plato.)

Wer vom Acker lebt und vom Vieh, lebt wohl, wenn - er nicht wird zum Vieh.

Wie der acker ist, so ist der Sam.
la] Qualis ager, talia mihi semina et quales flores, tales et colores.

Wie der Acker, so das Getreide, wie die Wiese, so die Weide, wie der Herr, so der Knecht, wie der Krieger, so das Gefecht.

Wie der Acker, so das Getreide.

Wie der Acker, so die Rüebe, wie der Aetti, so die Büebe.

Wie du den Acker wirst eggen, so wird das Getreide sich legen.

Wie man den Acker baut (bestellt), so trägt er auch Frucht.
»Als man den acker bawen thut, so tregt er frucht, böss oder gut.« (Loci comm.)
fr] Le champ rend des fruits sclon qu'il est cultivé.
It.: Secondo che si coltiva il campo rende i frutti.
la] Fructus non multus, ager est ubi non bene cultus. - Sicut ager colitur, sic fructibus hic redimitur.

Wo der Acker braun, ist reiche Frucht zu schaun.

Wo der Acker leidet not, da fehlt's dem Bauer bald an Brot.
dk] Laed agermand er ey maden vand.

Ackerbau und Bergwerk soll man nicht lassen feiern.

Ackerbau und Viehzucht sind die zwei Brüste, die den Staat sicherer säugen, als die Gold- und Silberminen Perus.
Karl Julius Weber (1767-1832), Der Landwirt oder Bauer

Ackerbau vnd Bergwerck soll man nicht feyren lassen.

Ackerbau, Ochsenschau und eine hübsche junge Frau machen ins Christentum manche Sau.

Der Ackerbau ist die Wurzel aller Bildung in der Welt.
Berthold Auerbach (1812-1882), Schwarzwälder Dorfgeschichten (1843-1854), 2

Glückselig jener, der, entfernt dem Weltgeschäft,
Sein Vaterland mit eignen Stieren wohl durchpflügt.
(Akerbau betreibt). Lat: Beatus ille qui procul negotiis
... Paterna rura bobus exercet suis.
Horaz (Quint. Horatius Flacc (65-8 v. Chr.), Epoden (um 30 v. Chr.), 2, 1 u. 3

Süß ist's, tätig die Zeit beim Ackerbau zu verbringen.
la] Tempus in agrorum cultu consumere dulce est.
Ovid (Publ. Ovidius Naso) (43 v. Chr.-17 n. Chr.), Briefe an den Pontus, Buch 2, 7 , 69

Wer die Tiefe seines Ackerbodens mehrt, tut ebenso viel, als wenn er die Fläche des Ackers vergrössert.

Aus einem Ackergaul wird kein Reitpferd.
en] A kindly aver will never make a good horse.

Ackergurren lässt man weiden ohne Zaum; die köstlichen Stuten werden wohl gehütet.

Ackerland hält stets Bestand.

Erst habe Ackerland, dann rechne nach Lofstellen.
(Lettland)

Er meint, jedes Äckerli müss' er säen, und jedes Wiesli mähen.

Kein Äckerli, das er säet, kein Wiesli, das er mähet.

Was die Äkermähren (mit dürrem Rücken) bauen, das können die Barrenhengste kauen.

Siehe, ein Ackermann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und ist geduldig.
Jak. 5, 7

Ackermanntje (Bachstelze) wipp up Stert; wel hett di dat Wippen lehrt.
Ein Kinderspruch.

Wo sichtig Ackermaß vorhanden, das soll nicht für Neubruch gehalten werden.
Wahrscheinlich hat man, um zum Anbau öder Landstrecken anzureizen, für einige Zeit Zins und Zehntfreiheit verheißen, mit der Beschränkung jedoch, dass sie da nicht zur Anwendung kommen solle, wenn sich nur irgendeine Spur bereits stattgehabter Kultur zeige.

Besser ackern und düngen, als beten und singen.
Sagen die Bauern in der Gegend von Zobten in Schlesien, wenn man sie zu frommen Vereinen einlädt.

Da geschieht fürs Ackern wenig genug, wo der Bauer lauft vom Pflug, der Ochse verwirft das Joch und das Ross sein Kummet noch.

Det drätmôl akere' git fir îmôl mässten (misten, düngen).
(Siebenbürgen-sächsisch)

Drämol akern äs îmôl mässten.

Gut ackern ist halbe Düngung.
(Frankenwald)

Ich ackere, sagte die Ameis, da saß sie auf dem Ochsenhorn.

Man muss mit ihm ackern.
Angestrengt arbeiten, z. B. vom Lehrer, der einen schwach begabten Schüler zu unterrichten hat. Auch wohl, er muss sich mit ihm abackern, müde arbeiten.

Man muss nicht mehr ackern, als man eineggen kann.
(Wendische Lausitz)

Mancher darf nicht ackern und nicht säen und kann doch Getreide mähen.
la] Citra arationem citraque sementem. (Lucian.)

Mit dem kann man ackern.
(Böhmen)
So gut, so fügsam und willig ist er. Er lässt sich für jeden Zweck gebrauchen.

Bist du ein Ackerochs, so begehr' keinen Sattel.

Die Ackerpferde fressen am wenigsten.

Von Ackersenf leben.
Dürftig. Es ist eine Pflanze, die als Unkraut wächst, aber auch wohl genossen wird.
la] Lapsana vivere. (Plin.)

Ein Ackerleng fern.
Hans Sachs, ILXXXIII

Er nähm' eine Ackerslänge Weges für einen Spieß und wäre so freudig als ein anderer.

Ackersmann - Schlackersmann, eck lobe mui den Handwerksmann.

Ackersmann - Slackersmann; viel beeter is en Handwerksmann.
(Westfalen)
Im Lippeschen heißt der Nachsatz: Eck lobe mui den Handwerksmann. Kothmann von slackern = sich beschmutzen.

Der Ackermann muss den Acker bauen, ehe er die Frucht genießt.

Der Ackersmann erwirbt's, der Kriegsmann verdirbt's.

Der Ackersmann ist das folgende Jahr reich.

Der geschickteste Ackersmann macht einmal eine krumme Furche.
it] Non è si sperto aratore, che alcuna volta non faccia un solco torto.

Een Ackersmann segget (säet) sick wohl gries, awwer nich wies.
(Lippe)
Er säet sich greis, aber nicht weis.

Ein Ackermann soll zween Pflüge haben.
Nämlich einen zur Arbeit, den andern als Ersatz.

Ein Ackermann, ein Wackermann.
dk] Agermand skal vaere vakermand.
la] Agricolam impigrum esse oportet.

Ein Ackersmann lernt nie aus.
dk] Agermanden bliver aldrig viis.

En Ackermann - en Plackermann, ghuad aere bai en Handwiärk kan, sach de Bessenbänner (Besenbinder).
(Grafschaft Mark)

En Ackermann, en Schlackermann, et geht nit für, wei 'n Handwerk kann.

Es steht schlimm um den Ackersmann, der sich umdreht und sieht die Furchen.
it] Tristo a quel bifolco, che si volta in dietro.
(Aus: Guardar il solo)

Kein Ackersmann ist so gut, er macht bisweilen krumme Furchen.

O Ackersmann, du Klackersmann, wohl dem, der ein Handwerk kann, seggt de Bessembinne tom Bû'rn.
(Jerrentowitz)

Wenn de gäle Ackermann kömt, sau bringet he en foier hou mêe under 'n Swanze.
Das gelbe Ackermännchen oder die gelbe Bachstelze (Mola cilla flava) trifft etwas später ein als das weiße im April; und da mit diesem Monat der Frühling beginnt und das Gras zu wachsen anfängt, so sagt das Sprichwort: er bringe ein Fuder Heu unter dem Schwanze mit.

Acker-Studenten und Pfluge-Docktores müssen immer lernen mores.

Ackerwerk - Wackerwerk.

Ackerwerk hat Mühe.

Ackerwerk soll nähren.

Wer sein Ackerwerk nicht verlässt, den wird es auch nicht verlassen.

Mit Adalbert kommen die Schwalben.
Den 24. April. (S. Albertstod, Albertstag.)

St. Adalbert (24. April) ist des Ochsen Trost (Freude).
Der masurische Landmann gönnt an diesem Tage seinen Ochsen völlige Ruhe; er ist ihr Feiertag, wie der St. Georgstag (23. April) der Ruhetag der Pferde ist.
pl] Wojciecha wotowa pociecha.

A peere Adem.
Jüdisch-deutsch, Warschau
Ein jähzorniger, aufbrausender Mensch. Von Ismael, dem Stammvater der Araber, heißt es 1 Mos. 16, 12: »Und er wird sein ein wilder Mensch ...«

Adam an Ef woren zwên Eppeldâf.

Adam hat das Obst gegessen und wir haben das Fieber davon.

Adam hat genascht verbotne Bissen und wir müssen dafür büßen.

Adam hatte sieben Söhne,
Sieben Söhne hatt' Adam.
Sie aßen nicht, sie tranken nicht,
Sie waren alle liederlich,
Sie machten's alle, so wie ich:
(der Deklamierende macht irgend etwas vor, das die Spieler nachmachen).
Vielbekannter Kinderspielvers

Adam is in de Pott.
(Kleve)
Um zu sagen, dass nichts mehr da, dass alles aufgezehrt ist.

Adam iss.
Von der Verführungsgewalt, welche das schwache Geschlecht seit Eva's Zeit über das starke ausübt.
Der Apfel aber, den Eva brach,
Bracht' uns in alles Ungemach
singt der Dichter, und Fischart leitet von diesem Spruche das Weiberregiment ab.

Adam mit Naschen hat verricht', all das Übel, das uns anficht.

Adam mit seinem naschen zuricht, dass vns nun alles vbel anficht.
la] Mala, mali, malo, contulit omnia mundo.

Adam muss eine Eva ha'n,
Die er zeihe, was er getan.
Schildert die ziemlich allgemeine Neigung, in anderen den Grund unserer fehlerhaften Handlungen zu suchen; andere für die eigenen Dummheiten verantwortlich zu machen.
cz] Petr na Pavla, a Pavel na Havla.

Adam schiebt die Schuld auf Eva, und Eva auf die Schlange.
dk] Adam gaf (skjöd) Skylden paa Eva, og Eva paa Slangen.
la] Se quisque absolvere gestit. - Transfert et proprias aliena incrimina culpas.
se] Adam sköjt skulden på Eva och Eva på ormen.

Adam sulde eyns gebotis phlegen, das selbige bisher undervegen. Nu sulle wir leysten Xgebot und sint krenker den Adam, das weis got.
Haupt, Zeitschrift für deutsches Altertum, Neue Folge, 1. Bd.

Adam sündigt im Paradies, Luzifer im Himmel.
Der Ort schützt nicht, nur die sittliche Macht im Menschen.
dk] Adam syndede i Paradis, Luzifer i Himmelen.

Adam un Ev' wieren twa Deef. (Niedersachsen)
Adam und Eva waren zwei Diebe.

Adam und Eva den Apfel aß; so entgelte ich, dass ich nie genas.

Adam und Eva fuhren auf der Schlefa (Kinderschlitten), Adam vorne weg, Eva fiel in Dreck.
Schles. Provinzial-Blätter, 1871

Adam und Eva ginga zusamma nach Huse. Adam hot a Krug zerschloan, Eva muss de Scherb'n troan.
Schles. Provinzialblätter, 1871

Adam und Samson, David und Salomon, die hatten Wisheit unde Kraft, doch twang sie Wibes Meisterschaft.

Adam, Samson, David, Salomon Weibslist beruckt, wer kan bestohn.

Adam, was hast du getan!

Adam, wo bist du?
Als jemand von einem Diebstahl erzählte, sagte er: »Wie ich mir nun das ansah, dacht' ich mir: Adam, wo bist du? Ich werde dich schon fassen.«

Adams Apfelbiss bringt uns den Tod gewiss.
dk] Adam og san Eve, tagde store leve.

Adams Apfelmus macht uns allen viel Verdruss.

Adams Kinder sind Adam gleich.
hu] Kiki jól bele harapott az almába. - Kiki közülünk Adámfi.

Adams Kinder sind alle von der Natur entweiht.

Adams Kinder sind nicht alle gleich.

Adams Kinder, geschwinde Finder, große Sünder.

Adams Natur und Schuld lassen sich nicht mit Feigenblättern bedecken.

Adams Rippe bringt nicht Heilung, nur die Grippe.

Adams Rippe ist schlimmer als die Grippe.
Der Franzose sagt: sie bringt mehr Schaden als Nutzen: La côte d'Adam n'a pas tant de bien que da dam.

Adams Rippen vnd Rebensafft hat mannichen in groß Armut bracht.

Adams ryb vnd reiffennass macht manchen froe, der trurig was.

Alles von Adam und Eva beginnen.
la] A linea incipere. - Ab ovo Ledae incipere.

Als Adam den Apfel aß, ist ihm das Bitzzi in dem Hals stecken geblieben.
Bitzzi = das Kerngehäuse des Obstes.

Als Adam hackt' (grub, reutet) und Eva spann, wer (wo) war da wohl ein Edelmann.
Do Adam reutte, vnd Euv span, wer was do ein eddelman. (Agricola)
Wer mehr sein will, als ein gewöhnlicher Adamssohn, muss sich durch edle Handlungen auszeichnen. Nicht Geburts-, sondern Verdienstadel flößt Achtung ein. Unter Kaiser Maximilian I. (1459-1519) hatte jemand obigen Spruch an eine Wand der kaiserlichen Burg geschrieben. Als der Kaiser es bemerkte, schrieb er darunter: Ich bin ein Mann wie ein anderer Mann, nur dass mir Gott die Ehre gan.
»Die frömmsten Edelleute fühlen zu einem Zweifel doch Beruf: Warum wohl Gott am fünften Tage nicht einen Herrn von Adam schuf.« - Diesen Spruch parodierend haben mehrere Hausbesitzer Berlins ihren Häusern folgende Inschrift gegeben: »Als Wilhelm wirkt und Bismark spann, Gott hatte seine Freude dran.«
mhd] Aller adel am ersten cham, von Eva und von Adam.
dk] Adam groo og Eva spandt, hvor fandtes da en adelsmand. - Adam fik en hak, og Eva fik en rok, deraf er al vor adels ferk.
en] When Adam delved and Eva span, where was than the gentleman?
Niederl.: Tom Adam spitte en Eva span, waar vond men toen den edelman?
la] Adam fodiente, quis nobilior, Eua nente. - Dum sarriret Adam, sua pensaque duceret Eva, fastus ubi tumida nobilitatis erat? - la] Qui genus jactat suum, aliena laudat. (Sen.)
se] När Adam plöjde och Eva spann, en hwar war då en adelsman.

Als Adam sich gesonnt, wer war da wohl gevont (von Adel).

Als Adam von eim apfel aß, all welt must entgelten dass.
la] Adam primus homo, damnauit secula pomo.

Als Adam war tot, backte Eva kleineres Brot.
dk] Adam og saa Eve, bagede store leve, da Adam var död, bagedes mindre bröd.
en] Adam and Eve baked great loaves; when Adam was dead, baked Eve less bread.
se] Adam och Eva bakade stor lefva, när Adam var dôd, bakade Eva mindre bröd. - Adam och Eva slogos om slefa, när Adam var död, bakade Eva mindre bröd.

Da Adam hackt (reut) vnd Eua span, wer war do ein Edelmann?
Da Adam den Acker bawet, vnnd Eua spann, wer was do ein Edelmann?
Das Sprichwort findet sich schon in den Prov. comm. von 1480. Der englische Prediger John Ball predigte, nachdem man ihn aus dem Gefängnis befreit hatte, vor etwa 20.000 Menschen über das Sprichwort: When Adam delv'd and Eve span, who was then a gentleman? John Ball wurde am 15. Juli 1382 als Unruhstifter geschleift, gehängt und geköpft.
Niederl.: Wie was die edelman doe Adam graf ende Eva pan?
la] Adam fodiente, quis nobilior, Eva nente. - Cum oret coniunx, et humum curaret Adamus vomere, ubi nomen nobilitatis erat?

Das hat schon Odom an Chawe (Eva) erzählt, und Chawe hat drauf gesagt: eine alte Geschichte. (Jüdisch-deutsch)
Wenn jemand alte, längst bekannte Dinge und Geschichten erzählt.

De ôle Adam jökt em.
(Holstein)
»Wenn einem schon der Brotkorb hoch hängt, lässet einem doch der alte Adam nicht ungefoppet.«
Niederl.: De oude Adam zit er al vroeg in.

Dem alten Adam hofieren.

Den alten Adam austreiben (ausziehen).
Literarisches Zentralblatt, Leipzig 1863
en] To put off the old man.
fr] Dépouiller le vieil homme.
it] Spogliarsi del vecchio uomo.
se] Afkläda sig den gamla menniskan.

Den faulen Adam mit Sporen reiten.

Den Herrn von Adam hat der Schöpfer gemacht am ersten Feiertag. Er tat es noch zum Überfluss, als alles fertig vor ihm lag.

Der alte Adam guckt heraus.
Niederl.: Daar kwam de oude Adam weder boren. - De oude Adam kijkt uit de mouw.

Der alte Adam lebt noch.

Der alte Adam steckt noch in ihm.
fr] Vivre selon le vieil Adam.

Der alte Adam.
Diese Redensart wird in den mannichfachsten Verbindungen gebraucht, stammt aber nicht aus der Bibel, sondern aus dem vierten Hauptstück des kleinen Katechismus von Luther, wo auf die Frage »Was bedeutet solch Wassertaufen?« geantwortet wird: »Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße ersäuft werden soll.«
Den alten Adam ausziehen (ein anderer Mensch werden; - Paulus stellt den alten Adam als die Personifikation der Sünde und darum des Todes hin).
Nach Röm., 6, 6

Durch Adams Fall ist Triptis verderbt, und Auma liegt daneben. In Weide ist kein Heller Geld und Neues kanns nicht geben. In Ziegenrück ist große Not, in Ramis ist kein Bissen Brot, in Pausa ist die Schwester, sind das nicht leere Nester?
Deutsche Romanzeitung, Nr. 42

Er ist vff Adams Hochzeit gewesen, vnd hat Noe Wein helffen lesen.

Es ist Adams Rhetorik, die Schuld auf andere schieben.

Es ist, wie Adams Klage über den Verlust des Paradieses.
Von vergeblichem Gram, besonders vom Klagen um Verstorbene.

Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
1. Mos. 3, 9

Herr Adam und Frau Eva lebten auf der Welt, saßen im Paradiese und hatten auch kein Geld.
Auf einem Strohhause zu Fischbach bei Baden.

Keiner, so nit nach Adam smeke, und der Eva Unterröcke.

Nach dem alten Adam schmeckt jeder.
fr] Tous furent de Eve et d'Adam.

Nun heff ick den ôlen Adam recht utstâkt.
So sagt die holsteinische Hausfrau, um zu bezeichnen, dass sie ihr Haus von allem Unrat gereinigt habe.

Ohn Adam's Rib vnd guten Wein kan niemand recht frölich seyn.

Seit Adam ist die Leibfarbe der Esel grau.

Sich über Adams Nabel streiten.
Um etwas sehr Unnützes oder schwer zu Entscheidendes. Von einem Streite, den man früher darüber geführt, ob Adam, als unmittelbar von Gott geschaffen, einen Nabel gehabt habe oder nicht.

So lang als Adam und Eva im Paradies.
D. h. nicht lange, wie die Theologen versichern, kaum einen Tag.

So lang man den alten Adam am Halse tregt, bedarf man des Salzens bis in die Grube.

Von Adam an.
cz] Adam ova léta od zacátku sveta.

Von Adams wegen.
Zum Beispiel verwandt, sehr entfernt.
Niederl.: Van Adam's wege. - 'T is vrende van Adam's ende. - Zij zijn familie van Adam's wege.

Was Adam hat getan, das zeigt das Beinhaus an.

Wenn Adam auch ist tot, backt Eva dennoch Brot.

Wenn der alte Adam ausgetrieben, muss ein Engel das Paradies bewachen.
Es ist nicht genug, alte Sünden und böse Gewohnheiten abzulegen, man muss sich auch vor der Annahme neuer Fehler sorgfältig hüten.

Wenn der rechte Adam kommt, geht Eva mit.
Niederl.: Als de rechte Adam komt, gaht Eva meê.

Wer ist nicht Adams Sohn!
dk] U ore ulle Adams sönner.

Wir sein doch all von Adamsholtz.

Wir sind alle Adam's Kinder, ausgenommen der eine in Lumpen, der andere in Seide.
dk] Vi ere alle Adams sönner.
fr] Nous sommes tous de côte d'Adam. - Nous sommes tous enfants d'Adam.
Isl.: Aller ega aett til Adams ad telja.
Norw.: D'er alle Adams Born. - D'er Adams art i alle.
se] Adams born äro vi alla.

Wir sind alle Adam's Kinder, sagte der Bettler zum Edelmann.
(Brandenburg)

Wir sind von Adam her verwandt.
Um ein sehr entferntes Verwandtschaftsverhältnis auszudrücken.

Wo ein Adam stirbt, leben zwei junge auf.

Adamsäpfel sind nie reif.

Ein iderer (jeder) muss mit Adamsblatt sich bedekken.
Quirinus Kuhlmann in Sonnenblumen, Jena 1671.

Mit der Adamsgabel essen.
Zwei ausgestreckte Finger.
Niederl.: Eten met de Adamsvorken.

Mit Adamsgerten (penis) pfeffern (strafen).
Fastnachtsspiele

Es haben alle Adamskinder ein Würmlein im verbotenen Apfel gegessen.
la] Eva genus nostrum filicibus expulit arvis.

Wir sind alle Adamskinder.

Es ist eine üble Adamsrippe.

Wammer op Adam un Eva's dâg 'nen Appel iss, dann blîv einem de Ketsch (Kerngehäuse) em Stross (Gurgel, Kehle) stäche. (Köln.) - I, 477, 263.

Ade (Adje) sagen.

Ade, Liebe, ich kann nicht weinen; verlier' ich dich, ich weiß noch einen.

Ade, Tugend, ab' ich gelt, so bin ich lieb.

Ade, Welt, ade!
Gryphius.

Adje, Welt, ich geh' ins Kloster.

Adje, Welt, ich geh' ins Tirol.

Er hat (der Welt) Ade gesagt (ist gestorben).
fr] Il a dit bon soir à la compagnie.

Trostwort solcher, welche nicht gesonnen sind, in Werters Fusstapfen zu treten.

De Arebor hett se in 't Bên büten.
Hausfreund, 1872
Man pflegt den Kindern zu sagen, wenn die Mutter infolge der Entbindung zu Bett liegt, der Storch habe sie ins Bein gebissen.

De Arebor hett wat brät.
Hausfreund, 1872
Es ist ein Kind geboren.

De Arebor soll kämen.
Hausfreund, 1872
Es wird Kindessegen erwartet. - Dar sall de Adebar kamen.

Dôr sünt mêr Adeboars as Poggen.
Mehr Störche als Frösche.

Je dicker (zahlreicher) de Adebars, je dünner (seltener) de Pogge.
Je mehr gebraucht wird, desto knapper der Tisch, weil zu genau eingeteilt werden muss.

Sprich nicht vom Adebar, der Storch ist ja noch nicht hier.

Wer den Adebar (im Frühjahr) zuerst klappern hört, wird viel zerbrechen; wer ihn zuerst stehen sieht, wird faul; wer ihn zuerst fliegen sieht, fleißig sein.

Wo Adebars sünd, dar sünd ok Poggen.

Wûer de Adeboar bügt up 't Hus, treckt Gott as Früden in 't Hus.
Die allgemeine Volksanschauung bezeichnet den Storch als Glücks- und Kindbringer. In einigen Gegenden heißt er daher auch Heilebar, Heilebard. »Ein Hausadebar ist unserm Landmann heilig. Glück und Segen, glaubt er, wird ihm unter seinem Neste zu Teil. Auch hält er sich unter seiner Obhut vor Feuersgefahr sicher.« (Mecklenburg, 1790)

Einen Adebarschnabel maken.
Um zu sagen: eine lange Nase.

Aber wer het kein tugent nit,
Kein zucht, scham, er, noch gûte sit,
Den halt ich aales adels lär,
Ob joch ein fürst sin vater wer.
Sebastian Brant (1457-1521), Das Narrenschiff (1494), 76, V. großem ruemen

Adel - Tadel.
So schön die Wörter reimen, so wenig vertragen sich die Begriffe. Adelig muss sein untadelig. Stammbäume nützen nichts, wo jede Tugend mangelt. Adel kommt von Tugend, und Edelleute sind nur die, welche edle Taten voll bracht. Ein Federstrich kann adelig machen, doch edel kann kein Kaiser machen. Kardinal Richelieu sagte: »Ich will so viel Herzöge machen, dass es eine ebenso große Schande sein soll, einer wie keiner zu sein.«
»Adel, tadel. Gelt ist der Adel, gelt ist ohne tadel.«
fr] Il n'y a generation où il n'y ait putain ou larron.
es] No ay generacion, do no ay puta o ladron.

Adel allein bei Tugend steht, aus Tugend aller Adel geht.
it] La vera nobiltà male non fà.

Adel allein bei Tugend steht, aus Tugend aller Adel geht.
fr] Noblesse vient de vertu. Aber auch: La source de noblesse est fraude et vitesse.

Adel entspringt nicht aus Blut, er ist der Tugend Heiratsgut.
fr] La vraie noblesse est celle du coeur.
nl] De adel der ziel is meer waardig dan de adel des geslachts.
la] Nihil est nobilitas generis, nisi morum nobilitas adsit et humanitas.

Adel gehet auss tugent.

Adel gehet nicht für Ehrbarkeit.

Adel gesellt sich nicht zu Plebs.
nl] Adel moet bij adel, en stront bij zijn' broêr wezen.

Adel hat kein Erbrecht.
la] Miserum est, alienae incumbere famae. (Juvenal) - Nam genus et proavos et quae non fecimus ipsi. (Ovid) - Non genus virum ornat, generi vir sorti loco. (Accius)

Adel hin und Adel her, wer edel tut, ist ein Edelherr.
dk] Adel her, adel der; hvo aedelt giör, vist adel er.

Adel ist auch in der sittlichen Welt. Gemeine Naturen
Zahlen mit dem, was sie tun, edle mit dem, was sie sind.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Gedichte, Votivtafeln, Unterschied der Stände (ged. 1796)

Adel ist der Tugend kron vnd lohn.

Adel ist ein sehr günstig Ding.
Wegen der bedeutenden Vorzüge, die dieser Stand genoss. Wer ihm angehörte, war vollständig frei. Mit dem Begriff der Freiheit verband die mittelalterliche Anschauung die Vorstellung von Gerechtigkeit, Weisheit, Tugend und alle löblichen Eigenschaften, während sie den Unfreien jede Schalkheit zumaß.
Altfries.: Diu adelheit is em seer gonstich thing.

Adel ist nichts on Tugent.

Adel ist sterblich, die Dummheit ist erblich.

Adel ist von Bauern her.
fr] Le tiers estat est le seminaire de noblesse.

Adel kommt von Natur und nicht von Amt.
Nach mittelalterlicher Anschauung ist der Adelige geborener Heerführer, Richter, Beamter. Alle Rechte und Ämter sind Folgen, nicht Ursachen seines Adels. Das Amt kann niemand adeln.
mhd] Adel komet von naturen unde nicht von ammecht.

Adel macht den Kohl nicht fett.
nl] Adel is een arm geregt. - Adel is eene dunne schotelspijs.
it] La nobiltà è una magra vivanda in tavola del povero nobile.

Adel muss man durch Tugend erstreben, er wird durch Geburt nicht gegeben.
fr] Nulle noblesse de paresse.
it] La nobiltá non s'acquista nascendo ma virtuosamente vivendo.

Adel ohne Geld gilt wenig in der Welt.
en] Gentility without ability is worse than plain beggary.
it] La nobiltà poco si prezza se vi manca la richezza.

Adel ohne Tugend ist eine Nussschale ohne Kern, ein Ei ohne Dotter.

Adel ohne Tugend und eine Laterne ohne Licht leuchten beide nicht.
dk] Adel uden dyd er en lygh uden lys.
it] La vera nobiltà deve esser accompagnata con l'honestà.
se] Adel utan dygd är lykta utan ljus.

Adel sitzt im Gemüte und nicht im Geblüte.
Entgegen der mittelalterlichen Anschauung, nach welcher lediglich der Geburtsstand das Maß der Tugend ist und Freiheit wie Eigenschaft im Blute rollt.
la] Stemmata quid prosunt, si virtus deficit omnis. - Virtute decet non sanguine niti.
se] Adel sitter i modet, icke i blodet.

Adel stehet wohl bei Tugend.

Adel und Stände muss man nicht mehr soutenieren, sagt Kaunitz.
Nämlich als sie nach dem Frieden von 1763 die weiteren Steuern verweigerten.

Adel verpflichtet.
fr] Noblesse oblige.
Wahlspruch der Herzöge de Lévis u. a. Titel eines Romans von Friedrich Spielhagen

Adel, Pfaffen und Fledermäuse, Huren, Juden und Filzläuse, wo die nehmen überhand, sind verloren Leut' und Land.

Adel, Tugend und Talente sind nichts ohne Rente.

Adel, Tugend, Kunst, sind ohne Geld umsunst.
Dadurch wird der Geldadel zum vornehmsten erhoben, obgleich er unstreitig der erbärmlichste ist. Der Geburtsadel lebt wenigstens in der Erinnerung ehemaliger Größe; der Geldadel aber nährt den dümmsten Stolz auf ein totes Metall und macht die Seele und die Finger zugleich schmutzig.
la] Nihil sine pecunia; hoc est: nisi habueris pecunias, nec nobilitas, nec scientia, aut virtus proderit.

Adel, tugent, kunst seind on gelt vmbsonst.

Adels Mutter ist die Ehre, Adels Tochter ist die Wehre.

Adels Schwester ist Demut, kein Menschen sie verachten tut.

Aller Adel hat einen Misthaufen zum Vater und die Fäulnis zur Mutter.

Alter Adel und alte Ritterschaft entsprießt dem Könige.
König oder Kaiser bezeichnen in der Rechtssprache des Mittelalters den Träger der höchsten Gewalt.
mhd] Aller adel unde alle ritterschaft enspruzit von dem koninge.

An Habe steh' ich arm,
Ein Los, infolgedessen auch der Adel sinkt.
Euripides (480-406 v. Chr.), Elektra, 37-38 (Landmann)

Armer Adel frisst das Land.
Justus Möser vergleicht in einer erbaulichen Betrachtung den Staat mit einer Pyramide. Diese darf an der Spitze nicht zu dick sein, das heißt: die landesherrliche Familie darf nicht zu zahlreich sein, ebenso wenig darf sie in der Mitte eine zu große hohe Dienerschaft am Halskragen, oder zu viel unbegüterten Adel am Bauche haben. Unten kann sie nicht leicht zu zahlreich, zu stark und nicht leicht zu gut gefugt sein.

Auch den alten armen Adel kan man mit eim Judenspieß erobern.

Auch der Adel braucht die Nadel.
Der Höchste bedarf der Dienste der Niederen.

Auf alten Adel leiht der Jude keinen Pfennig.
Wie viel der Christ?

Dann wer nicht ohne Tadel,
Der ist auch nicht recht vom Adel.
Johann Michael Moscherosch (1601-1669), Wunderliche und Warhafftige Gesichte Philanders von Sittewalt (1643) 3, Gesichte 6. Höllenkinder, Adels Urtheil

Das kan der adel lychnam wol,
Bezalen mit dem hasen zol!
Mit leeren Worten.
Thomas Murner (1475-1537), Narrenbeschwerung (1512), 73, Uß einem holen hasen reden

Dein Adel ist verspilt, so du nicht selber fromb sein wilt.

Dem fehlt der Adel, der nichts kennt, als Tadel.

Den Adel, zu dem du dich nicht kannst selbst erheben,
Kann auch kein Adelsbrief dir geben.
Daniel Sanders (1819-1897), 366 Sprüche (1892), Nr. 288, Adel

Der Adel besteht in Stärke des Leibes bei Pferden, bei Menschen in guter Denkart.
Matthias Claudius (1740-1815), Sämtlich Werke des Wandsbeker Boten, Teil 1 (1775), Denksprüche aler Weisen

Der Adel ist ein köstlicher Schmuck der bürgerlichen Gesellschaft. Er ist das korinthische Kapitell wohlgeordneter und gebildeter Staaten.
en] Nobility is a graceful ornament to the civil order. It is the Corinthian capitol of polished society.
Edmund Burke (1729-1797), Betrachtungen über die Revolution in Frankreich (1790), Abs. 231

Der Adel ist nichts anderes, als der höhere Grad von Bildung, Ehre und Vaterlandsliebe, den man billig bei Personen aus guter Familie, die einer sorgsameren Erziehung als andere genießen können, voraussetzen darf.
Friedrich der Große (1712-1786), Sämtliche Werke (1789)

Der Adel macht die Klöster reich und die Klöster den Adel arm.
Durch Fürsten, Grafen, Ritter u.s.w. wurden die meisten Klöster gestiftet und so reichlich begabt, dass ihre Familien den Verlust so vieler Güter empfanden und zuletzt in Armut sanken, während die Klöster aufblühten und in Ruhe die erhaltenen Reichtümer verzehrten.

Der Adel muss einen Bogen haben und sollte die Trommel die Saiten (Sehnen) spannen.
nl] De adel moet eenen boog hebben, al' zou de drommel de pees spannen.

Der Adel sieht sich als einen Obelisken an, dessen Spitze der Fürst und dessen Postament das Volk bildet.
Ludwig Börne (1786-1837), Gesammelte Schriften (1862-1863), Fragmente u. Aphorismen, 287

Der Adel tut wie die Schwein, die Bawren wie die Hunde, die stehen nicht fest einer bey dem andern.

Der Adel und der Hühnerhund machen die Liebe der Jäger zu den Hasen kund.
Chamfort sagt: »Der Adel sei der Vermittler zwischen dem Monarchen und dem Volke wie der Hühnerhund zwischen Jäger und Hasen.«

Der Adel wohnt in keinem Kinderrocke.

Der höchste Adel ist der, der sich von Herzen schreibt.
Peter Sirius (1858-1913), Tausend u. Ein Gedanken (1899), Würden u. Würde

Der neubackene Adel vergisst, wie die Leute heißen.

Der rechte Adel nicht aussen Geblut, sondern auss Tugend herspringen tut.

Der Teufel, der Adel und die Jesuiten existieren nur so lange, als man an sie glaubt.
Heinrich Heine (1797-1856), Reisebilder, Italien (1828-1829), Reise von München nach Genua, K. 9

Dess Adels Anfang ist der Vnedel.

Die Geburt gibt die Schönheit wie den Erbadel; kluge Leute bilden sich nichts darauf ein.
August Friedrich Ferdinand von Kotzebue (1761-1819), Falsche Scham (1798)

Die Tugend ist der Maßstab des echten Adels.
Ulrich von Hutten (1488-1523), Schriften

Die von Adel haben viel Schritt neher zur Tugend als der gemeine Mann.

Echter Adel verletzt niemand.
fr] Vraie noblesse nul ne blesse.

Einem seinen Adel benehmen.

Eines adels seind wir alle.

Eines Adels sind wir alle, sprach zur Perle die Glaskoralle.
Von denen, welche glauben adlig genug zu sein, wenn sie in äußerem Pomp erscheinen, ohne den Adel der Gesinnung zu besitzen.

Er ist vom Adel, so die Nase an den Ärmel wischt.

Er ist von Adel, er hat ein Grübchen im Kinn.
nl] Hij is zeker van adel, want hij heeft eene kloof in de kin.

Er ist von gutem Adel; sein Vater ging mit einem Paar Ochsen zur Jagd.
(Schweiz) Spott auf die Neugeadelten.
fr] Il est gentilhomme, son père allait à la chasse avec un fouet.

Es sind nie weniger von Adel gewesen, als da jedermann will vom Adel sein.

Fromm, redlich, weiß und milt,
Gehört inn deß Adels schilt.
Alter Spruch

Für Adel kauft man (gibt) kein (Bäcker) Brot.

Ich bestreite, ... daß der Adel in Preußen unpopulär sei.
Otto von Bismarck (1815-1898), in der zweiten Kammer des preußischen Landtages (24. Okt. 1849)

Ich hielt die Tugend und die Wissenschaft
Für größre Gaben stets, als Adel sind
Und Reichtum.
en] I held ever
Virtue and cunning were endowments greater
Than nobleness and riches.
William Shakespeare (1564-1616), Perikles (1609) III, 2 (Cerimon)

Ich verachte den Adel, welchen bloß das Glück der Geburt erteilt, und der nicht durch persönliche Verdienste erworben und unterstützt ist.
Ulrich von Hutten (1488-1523), Schriften

Je älter der Adel, je morscher der Baum.
fr] Cent ans bannière et cent ans civière.
la] Generosa in ortus semina exsurgunt suos. (Plaut.)

Jeder Adel hat seinen Tadel.
Auch der Beste hat seine Fehler.
fr] Nul sans vice.

Lass dem Adel seine Jagden, den Bauern ihre Kirchweih und den Hunden ihre Hochzeiten, so bleibst du in Ruhe.

Lebt der Adel ohn' Vernunft, so g'hört er in die Bauernzunft.

Magel ist hartes Los!
Mein Adel macht mich nicht satt.
Friedrich von Schiller (1759-1805), Szene aus den Phönizierinnen des Euripides (ged. 1788) (Polynices)

Man leugnete stets, und man leugnet mit Recht,
Daß je sich der Adel erlerne.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Gedichte, Lyrisches, Ballade vom vertriebenen und zurückkehrenden Grafen (ged. Okt. u. Nov. 1813)

Morscher Adel und steifer Knecht dienen ihrem Herren schlecht.

Nachdem der Adel hat angfangen, erblich auch an böse zu langen, hett sein würde vnd eigenschafft, wohl halb verloren seine krafft.
la] Postquam degeneres coeperunt nobilitati, nobilitas coepit in multis degenerare.

Neugebackner Adel vergisst der Leute Namen.

Nicht Adel, adelicher stam, die Tat adelt, die man recht fürnam.

Nur wer ein Adler, sei von Adel!
Georg Herwegh (1817-1875), Gedichte eines Lebendigen (1841-1843), An den König von Preußen

Rechten Adel spürt man an adeligen Tugenden, nicht an Kleidern oder Ketten.

Sein Adel riecht nach Knoblauch und Pfeffer.
Sagt der alte Adel spöttisch vom späteren.
fr] C'est un noble de nouvelle Impression.

Seinen Adel aus dem Geldsack haben (oder: auf den Geldsack stützen).
Von denen, die wegen ihres Vermögens eine vornehme Rolle spielen, ohne durch Bildung, Verdienst oder Geburt dazu berechtigt zu sein.
la] Generosus es ex crumena.

Sie ist an Geist und Herzen ohne Tadel,
Verbindlich gegen jedermann,
Und (was man fast nicht glauben kann),
Bei allem dem, von altem deutschen Adel.
Leopold Friedrich Günther von Göckingk (1748-1828), Sinngedichte (1772), Buch 1, Auf das Fräulein von ***

Syt das der adel ist verdorben,
Hondt sy nach burgers töchtern geworben.
Thomas Murner (1475-1537), Narrenbeschwerung (1512), 37, Roßbreck schwymmen

Tugend ist der einzige (o. beste) Adel.
en] Nobility is the only virtue.
Wahlspruch Benjamin Franklins. Vgl. Decimus Junius Juvenalis (um 47-113), Satiren 8, 20

Verdiene stets das Glück, das dir dein Stand gegeben,
Den Adel erbt man nicht, durch den wir ewig leben!
Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769), Sendschreiben an den jungen Herrn von. H. (1743)

Von gutem Adel sein.
fr] Noble comme le roi.
la] Ab Eleabutadis ducit genus.

Vor allem Adel Tugend geht, mit Adel Tugend wohl besteht.
la] Nobilitas sola est atque unica virtus.

Was der Adel unter adeligen Tugenden versteht, kann man zum Teil aus den Zunamen ersehen, den früher adelige Geschlechter führten. Bei den Dänen finden wir die gekrönten Juuls, die kühnen Vinds, die treuen Kruses, die schönen Marsvins, die guten Grubbs, die lustigen Brahes, die kostbaren Lyckos, die hochgesinnten Skrams, die beredten Parsbergs, die schwarzbärtigen Munks, die bösen Brusks u.s.w.

Was hilfft Adel, wo kein Gelt ist.

Wer den Adel bloß im Namen hat, dess Stammbaum reicht nicht in den Himmel.

Wer in den Adel erheben will, muss selbst von Adel sein.

Wer seinen Adel adelt, ist adelig geadelt; wen nur sein Adel adelt, wird adelig getadelt.

Wer Tugend hat, ist wohlgeboren;
Adel ohne Tugend ist verloren.
Mittelhochdeutsch: Swer tugende hât, derst wol geborn;
Ân tugent ist edele gar verlorn.
Bridantes Bescheidenheit (1225-1240), 18, v. edele u. tugende

Wer will haben etwas zu schaffen,
Bemeng mit Adel sich unf Pfaffen.
Alter Spruch

Wo Adel vnd Ehr beysammen seyn, dabey gehet Ehr auss vnd ein.

Wo kommt der adel her?
Von Tugend, Lehr' und guter Wehr.
Der ist nicht adelig mehr,
Der aller drei ist leer.
Stammbuchinschrift (1657)

Aalheid un Klunkerfood danssen alle beid nich good.
(Holstein)
»Klunkerfood« heißt im Holsteinischen ein schwankender, hinkender Fuß oder Mensch. »Aalheid« ist das zusammengezogene Adelheid, scheint aber hier die Gans zu bedeuten, die in »Reineke Voss« Alheit heißt.

Adelheit ist dreyerley, eine auss der Tugend, die ander auss der geschicklichkeit, die dritt auss der geburt oder reichtum.

Dich adeln konnt' ein Federstrich,
Doch edeln kann kein Kaiser dich.
Lugwig Heinrich von Nicolay (1737-1820), Vermischte Gedichte (1778-1786), Sinngedichte

Ich kann in einem Tag tausend adeln und zu Rittern machen; aber so mächtig bin ich nicht, daß ich in tausend Jahren einen Gelehrten machen könnte.
Kaiser Sigismund von Luxemburg (1368-1437, reg. 1410-1437)

Wer adeln will, muss edel sein.

Wer sich selbst adelt, der ist adelig.
it] Gentiluomini son quelli, che fanno le cose gentili.

Adelsbrief' und Hofsuppen sind niemand versagt.

Adelsbrief' und Hofsuppen sind zu Hof gemeiner (wohlfeiler) denn ein Bauernjuppen.

Er hat wohl einen Adelsbrief (gekauft), aber die Bauern nennen ihn Vetter.

Er trägt seinen Adelsbrief in der Tasche.
nl] Hij draagt zijnen adelbrief in den zak.

Mit einem Adelsbrief muss nie der echte Sohn
Minervens und Apolls begnadigt heißen sollen;
Denn edel sind der Götter Söhne schon,
Die muss kein Fürst erst adeln wollen!
Gottfried August Bürger (1747-1794), Gedichte (1796-1797), Auf d. Adeln d. Gelehrten

Adelschaft bringt Tadelschaft.

Adelsrecht - Adelspflicht.
fr] Noblesse oblige.

Adelstolz sitzt auf einem Pferde von Holz.

Er ist so adelsstolz, dass er nur zum Herrn von Jesus betet.

Da soll der Adelung drein schlagen.

Da soll ihn doch der - Adelung holen.
Unwille über grobe Sprachfehler.
nl] Hij zal de grammatica krijgen.

Er ist mit dem Adelung über den Fuß gespannt.
Macht im Sprechen oder Schreiben grobe Verstöße gegen die Gesetze der deutschen Sprache.
Die Franzosen sagen: Er gibt dem Vaugelas Ohrfeigen (donner un soufflet à Vaugelas). - Claude Faure de Vaugelas war unter Kardinal Richelieu Mitglied der französischen Akademie und ein Hauptmitarbeiter an dem berühmten Wörterbuch. Zu der sprichwörtlichen Redensart hat aber besonders die von ihm unter dem Titel »Bemerkungen über die französische Sprache« verfasste Schrift Veranlassung gegeben.
dk] Priscianus faaer tit hug. (Priscianus graeder, naar en forseer sig mo grammatica).
nl] De grammatica voorlezen.

Ader und Geld lassen sich nicht (ver)bergen.

Da sleit em kên Ader na.
Dazu ist er nicht geneigt.

Das geht mich mit keiner Ader an.

De dredde Ader sleid naan Paen.
Durch das Wort: Die dritte Ader schlägt nach dem Paten hin, ist die Annahme der Kirche ausgedrückt, dass durch die Gevatterschaft eine geistige Verwandtschaft entstehe, die auf die Charakterbildung des Täuflings Einfluss habe.

Die Ader ist reich genug.

Die neunt' Ader g'rät 'n Thouten (Paten) nach.
(Franken)

Dieselbe Ader zum zweiten mal öffnen.

Eine Ader vom Narren hat jeder.

Eine goldene Ader ist der Same zu allem Hader.

Er hat eine gute Ader getroffen.
Ein glücklicher Zufall hat ihn auf den Weg, sein Glück zu machen, gebracht.
fr] Il est tombé sur une bonne veine.

Er hat ihm die Ader geschlagen.

Er hat jhm die Ader recht troffen.

Er hat keine Ader von ihm (von seinem Vater).
Gleicht ihm in keinem Stücke.

Er hat keine gute Ader dazu.
Neigung und Geschicklichkeit fehlen ihm dazu.

Er hot nit kein jüdische Uder in sich.
Von Leuten, die sich über alle Religionsvorschriften hinwegsetzen.

Es is kaan jüdische Ader an 'm.
Es fehlt ihm der jüdisch-religiöse Sinn.

Es ist kein redliche Ader in jhm.

Es ist keine böse Ader an ihm.
In Holstein: Et is kên gode Ader in em.

Es ist keine gute Ader in ihm.
Er taugt durchaus nichts. Die Adern galten früher als Sitz des Seelenlebens.

Es wird oft einem die Ader geöffnet und tausende müssen bluten.

He hett nene Ader van den Öllern.

Ich bitte, mir eine Ader zu öffnen, sagte der Dieb, als man ihn zum Galgen führte, da der erste Aderlass vor dem Tode schützen soll.

Ich denke mit keiner Ader daran.
nl] Daar is gen aan niga tyt, dat craan denkt.

Lass zur Ader, lass purgieren und wenn der Kranke stirbt, begrab ihn.
Gegen die seiner Zeit herrschende und von einer ärztlichen Partei gepflegten Vorliebe für Aderlässe und Brechmittel, welche in vielen Fällen eher zum Tode als zur Genesung führten.
pt] Sangrai-o, purgai-o, e se morrer, enterrai-o.
es] Sangrarle y purgarle; si se murcere, enterrarle.

Nachdem einer Adern hat, muss man ihn schneppen.

Sie haben ihn zur Ader gelassen.
Ihm einen bedeutenden Verlust beigebracht.

Solange noch eine Ader in mir schlägt.
fr] Tant que l'âme me battra dans le corps (dans le ventre).

Wenn du die Ader öffnest, so sei bereit, Blut zu sehen.

Wer Ader lässt, muss den Puls schonen.

Wer eine Ader öffnen will, streicht sie erst, eh' er schlägt.
Mit Glimpf richtet man am meisten aus.

Wer eine Ader schlägt, muss auch verbinden können.

Wer keine Ader öffnet, kann kein Blut fließen sehen.

Wer nicht eine Ader vom Narren hat, ist kein Mensch.

Der Aderlass muss sich nach dem Arm richten.

Der erste Aderlass rettet das Leben.
dk] Förste aderladende frier döden.

Die Aderlässe sind zu meiden, so Bauern mit langen Eisen auf den Kirchmessen schneiden.

Ein tüchtiger Aderlass.

Wer von einem Aderlass ohnmächtig wird, taugt nicht zum Schnepper.

Aderlassen ist gut, so oft es von nöten tut; wer's nicht bedarf, dem ist lassen das Beste.
Das Aderlassen war im 17. Jahrhundert wie Essen, Trinken und Schlafen ein Lebensbedürfnis. Die Blutentziehungen erfolgten massenweise und waren in ein System gebracht. Ein Kölner Arzt (Avicenna N. Crusius) hatte in seinem »Regimen sanitatis« für alle Monate im Jahre eine feste Regel dafür gegeben. So heißt es: »Im Jenner ist gut Häuser bauen, Hochzeit machen, aber niemals Aderlassen. Im Hornung ist gut Hölzer spalten, warm sich halten und am besten - Aderlassen. Im Märzen ist gut Bäume schneiden und am Daumen Aderlassen« u.s.w. durch alle Monate. G. Hesekiel hat in einer Erzählung aus dem Dreißigjährigen Kriege diese Regeln vollständig verwoben.

Aderlassen ist gut, wenn es not tut; wer's aber nicht bedarf, dem ist lassen das best.

Aderlassen, Abführen und Beichten Leib und See' erleichten.

Beim Aderlassen ist - Lassen das Beste.
Denn die Böhmen sagen: Zur Ader lassen, heißt den Nagel in den Sarg schlagen: Krev pustiti, hrebík v rakev vraziti.

Es ist gut Aderlassen, wenn's dem Bader an Geld fehlt.
dk] Det er altid god aareladen, naar barskoren fattes penge.

Jemanden zur Ader lassen.
Jemanden etwas abnahmen, bildlich: das Geld abnehmen.

Man kann wohl Aderlassen, man darf aber die Pulsader nicht fassen.
dk] Skulde den grove ader slaaes, vilde blodet snart löbe ham tit dödr.

Man kann wohl andern zu Liebe Aderlassen, aber nicht - glauben.

Man soll so zur Ader lassen, dass keine Ohnmacht erfolgt.
dk] Man skal saa aarlade undendanerne, at de ey fald i afmagt.

Soll das Aderlassen bekommen wohl, so sei den ersten mäßig, den zweiten fräßig, den dritten toll und voll.

Wer aderlassen will, muss auch verbinden können.
dk] Hvo som vil aderlade, moa og kunnt forbinde.

Wer einen will zu Ader lassen, der muss ihn auch verbinden können.

Einem das Äderlein treffen.
»Ich habe jhnen das Äderlein getroffen, darumb seind sie rasend wider mich.«

Er hat ka(n) gutes Äderle am ganze(n) Leib.
(Ulm)

A ädert mich ufn Tûd.
(Schlesien) Quält, martert.

Ädern und rädern.
Luther

Adieu, Welt, nu reise äk na Tirol.
Ich verschwinde, gehe schlafen.

Adjeh, Liesken, sechs Dreier liggen up't Trepp'.
(Uckermark) Wird als Witzwort gebraucht, um sich scherzhaft oder spöttisch zu verabschieden.

Adjüs seggt 'n wenn 'n weggeiht.
(Pommern) Adieu sagt man, wenn man weggeht; als Ergänzung wird vorausgesetzt: Wenn man kommt, sagt man guten Tag. Das Wort wird nämlich gebraucht, wenn jemand kommt, ohne »guten Tag« zu sagen.

Adelers Federn tun großen Schaden, wenn sie unter fremde gemengt werden.

Adler brüten keine Tauben.
nl] Arenden brengen geene duiven voort.
it] D' aquila non nasce colomba. - Non è onore all' aquila il vincer la colomba.

Adler fangen keine Fliegen.
Edle und erhabene Naturen befassen sich nicht mit Dingen, die unter ihrer Würde sind. Hoher Sinn verachtet das Gemeine.
mhd] Ze großen dingen scholt dich piegen von chain adler vàhet fliegen.
cz] Orel much nelapá.
en] A goss-hawk beats not a bunting.
fr] L'aigle ne s'amuse point à prendre les mouches.
nl] Arenden vangen geene vliegen.
it] L'aquila non caccia (mangia piglia) mosche. - L' aquila non fa guerra ai ranocchi.
la] Aquila non captat muscas.
se] Örnen fångor inga flugor.

Adler fliegen gern allein.
»Der Starke ist am mächtigsten allein.« (Schiller)

Adler haben große Flügel, aber auch scharfe Klauen.
Die Großen der Erde haben wohl große Macht, aber auch große Gewalt, wehe zu tun.

Adler kriegen nicht mit Fröschen.

Adler legen ihre Eier nicht in Spatzennester.

Adler zeugen Adler.
Großes stammt von wahrhaft Großem.

An einem toten Adler rupft jede Krähe.

Auch ein Adler darf nicht zu hoch fliegen.
dk] Naar örnen fly ver for högt, saa braender han fierene.

Auch ein Adler kann nicht hoch fliegen, wenn er einen Balken am Bein hat.
Sorge und Kummer drückt auch einen kühnen Geist danieder.

Beschneide dem Adler die Flügel, er bleibt ein Adler.

Besser von einem Adler verzehrt, als von einem schwarzen Raben gefressen.
(Kronstadt)

Dem Adler trägt es wenig Ehre ein, Besieger einer Taube sein.
it] Niuna gloria è ad an' aquila aver vinto una colomba.

Den Adler mit der Nachteule vergleichen.
Der Adler, der in die Sonne sehen kann, und die Nachteule, die nicht Tageslicht erträgt.
la] Aquilam noctuae comparas. (Martial)

Den Adler zum Hüter der Austernbank machen.

Der Adler erzeugt einen Aler.
Die Eule aber gebiert eine Eule.
(Russland)

Der Adler fängt keine Mücken.
Rollenh. Froschmeysler

Der Adler geht auf die Fliegenjagd.
Wenn sich große Männer zu sehr um Kleinigkeiten bekümmern.
la] Aquila venatur muscas.

Der Adler hoch von Muth hat furchtsam Tauben nie gebrut.

Der Adler ist wahrscheinlich aus dem Preußischen herüber gekommen, sagte der Österreicher zu einem Landjunker, der es nicht glauben wollte, dass der geschossene Vogel ein Adler sei, weil er nur einen Kopf habe.

Der Adler sieht das Luder wohl (oder: sieht wohl den Fang), aber nicht den Jäger.

Der Adler steigt allein, Kühe und Schafe gehen miteinander.

Die Adler nisten hoch vnd fallen doch auffen Boden.

Drumm ist nichts, dass man Adler führt,
Wann man den Adlers Mut nicht spürt.
Johannes Fischart (1546-1590), Ernstliche Ermanung an die lieben Teutschen usw.

Ein Adler bleibt ein Adler, ein Schröter muss sich seines eigen Leubs behelffen.

Ein Adler brütet keine Kibitzeier.

Ein Adler fängt nicht Mücken (Fliegen).
it] L' aquila non mangia mosche.

Ein Adler fliegt hoch, aber ein Königlein viel höher.

Ein Adler fürchtet sich nicht, wenn auch hundert Staare um ihn schreien.

Ein Adler hecket keinen Spatz.

Ein Adler heckt keine Taube (kein Zeislein).
Aber eine Taube auch keinen Adler. - Dem Furchtbaren und Grausamen darf man keine sanfte, liebevolle Handlungsweise zutrauen.
fr] Un loup n'engendre pas une brebis.
it] D'Aquila non nasce colomba; oder: L'Aquila non genera colomba.
la] Aquila non generat columbam.
hu] Nem lesz a bagolynak soha sólyom fia.

Ein Adler in Taten, eine Schnecke im Rathen.

Ein Adler lässt sich auf keinen Rohrhalm nieder.

Ein Adler schläft auch zuweilen.

Ein Adler sieht sich nicht nach Holzböcken um.
Zwar entgehen sie seinen scharfen Augen nicht; aber er verschmäht es, sie zu verfolgen. Wahrhafte Größe verachtet das Kleinliche.
la] Aquila thripes aspiciens.

Ein Adler wird eher das Fliegen vergessen - als dass dies oder jenes geschehen wird.
Abraham a Sancta Clara, Lauberhüttenfest, 1721

Ein Adler, der zur Sonne will, muss nicht die Flügel hängen.
Mutlosigkeit verträgt sich mit großen Zwecken nicht.

Ein alter Adler ist besser als ein junger Zaunkönig.
Von einem rüstigen und kräftigen Alter, welches vorzüglicher ist als manche Jugend; denn ein alter Adler ist einem Zaunkönige im besten Alter vorzuziehen.

Ein alter Adler ist stärker als eine junge Krähe.
Ein rüstiges, kräftiges Alter leistet mehr als eine kraftlose Jugend.
la] Aquilae senectu, corydi juventa.

Ein guter Adler hat den Schnabel stets gewetzt.

Ein junger Adler kann mit seinem weichen Schnabel mehr ausrichten als ein alter Rabe mit seinem harten.

Ein junger Adler, der nicht in die Sonne sehen kann, wird aus dem Nest geworfen.
dk] Den örne-unge, som ikke kand stirre paa selen, nedstödes af reeden som vanslaegtning.

Einem Adler steht die ganze Luft, dem weisen Manne die ganze Erde offen.

Einen Adler, der nicht soll in die Ferne blicken, muss man jung erdrücken.

Einen doppelten Adler machen.
Besonders von uneinigen Eheleuten, die einander im Bett den Rücken zukehren.
Auch: Den russischen Adler machen, um zu sagen: Einander erzürnt den Rücken kehren. - »Als hätten sie einen doppelten Adler präsentieren wollen.« (Grimmelshausen, Vogelnest)
Du kannst mit mir in Adler kommen. (Schwaben)

Er will den Adler fliegen lehren.
Jemanden darin unterrichten, worin er selbst Meister ist, also etwas sehr Überflüssiges und Undankbares tun.
la] Aquilam volare doces.

Es ist zu haben wie ein Adler in den Wolken.
Von etwas Großem, das nicht bald erreicht wird, oder von solchen, die andern weit überlegen sind.
la] Aquila in nubibus.
(Plutarch)

Es meint mancher, er sey ein Adler, und ist kaum eine Mücke.

Glaubst du, dieser Adler sei dir geschenkt?
Johann Friedrich Kind (1768-1843), Der Freischütz (ged. 1817-1818), I, 1 (Kaspar); komponiert von Karl Maria von Weber (Uraufführung 18. Juni 1821 Berlin)

Je höher der Adler schwebt, desto kleiner erscheint ihm die Krähe.

Kann der Wurm im Staub berechnen wollen,
Wohin der Adler seinen Fittich trägt?
Karl Theodor Körner (1791-1813), Rosamunde (ged. 28. Okt. - 8. Nov. 1812), II, 2 (Richard)

Kannst du ein Adler sein, so herrsche nicht bloß über Spatzen.

Kannst du nicht ein Adler sein, halt dich wie die Schnecke fein.

Kein Adler hackt dem andern die Augen aus.
Rollenh. Froschmeysler, 1595

Mit einem Adler wird man keinen Zaunkönig fangen.

Nicht wehrlose Tauben werden gezeugt vom beherzten Adler.
la] Neque inbellem feroces
Progenerat aquilae columbam.
Horaz / Quint. Horatius Flacc (65-8 v. Chr.), Oden (um 18 v. Chr.), II, 4, 31-32

Nu muset der Adalar.
Der Kaiser wechselt, oder verliert nun die Federn.

Und sollt' in aller Welt auch kein Adler leben,
Wer wird sich Eulen drum ergeben?
Johann Gottfried Herder 1744-1803), Gedichte, Alte Fabeln mit neuer Anwendung (ged. 1773), 15

Was man am Adler lobt, das tadelt man an Tauben.

Was zum Adler geboren ist, bleibt keine Krähe.

Wenn auch der Adler stirbt, so wird die Eule noch nicht König.

Wenn der Adler ausfliegt, kommen alle Kleinvögel zusammen.

Wenn der Adler singet, so schweigen die vogel still.

Wenn der Adler tot ist, kann ihm eine Krähe die Augen aushacken.

Wenn die jungen Adler das erste mal ausflattern, fliegen die alten mit.
Älterliche Sorgfalt.

Wenn es auch an Adlern fehlt, wird die Eule noch nicht Königin.
»Es wird doch niemand sich der Eulen Schutz ergeben, ob auch schon in der Welt kein Adler sollte leben.« (Pers. Rosenthal)

Wenn sich die Adler einst einmal auf den Mäusefang legen, dann jagen sie nie mehr einen Hasen auf.

Wer beim Adler keine Hilfe findet, darf sie nicht bei der Eule suchen.
dk] Den ey kand faae hjelp af örnen han söge den ey hos uglen.

Wer ein Adler sein kann, muss sich nicht unter die Krähen mischen (muss keine Krähen regieren).
la] Aquila cum esse queas inter graculos primus ne opta.
(Nazian.)

Wer nicht hat des Adlers Augen, muss der Sonne Strahlen weichen.
Friedrich von Logau (1605-1655), Deutsche Sinn=Getichte (1654), Mittelweg

Wo der Adler nistet, kleckst die Schwalbe nicht an.
Klopstock, Gelehrtenrepublik, 1774

Wo der Adler zu schwach ist, muss der Zaunkönig helfen.

Wo ein Adler nicht fortkann, findet die Fliege zehn Wege.
Oft ist die Größe beschwerlich; auch Kleinheit und Niedrigkeit haben ihre Vorteile.

Adleraugen sind nicht Eulenaugen.

Er hat Adlersaugen, siehet vonn weiten durch neunfach, wie vil gelt einer im seckel habe.

Er sieht mit Adleraugen um sich.
Sehr scharf und genau.

Es fliegt auf Adlerfittichen.
Um den schleunigen Gang einer Sache zu bezeichnen.

Adlersfedern haben immer die fetten Taubenfedern verzehrt.

Adlersfedern verzehren die Taubenfittiche.

Aus Adlersfedern macht man Pfeile.
Daher, sagt der Perser, wird der Adler durch seine eigenen Schwingen gefällt.

Ein Adlertag ist ein Fliegenjahr (od. Mückenjahr).

Adeliger als Kodrus.
(Griechenland)
Spott auf die, welche sich verrauchter Ahnenbilder rühmen.

Adlig und edel sind verwandt wie Rossschweif und Fliegenwedel.

Adlig und edel sind zweierlei.

Adlig und tugendsam schicken sich gar wohl zusamm.
fr] Noble et vertueux.

Adlig was ehrlich.
se] Adlig och ärlig.

Adlig wie ein Stiftsherr.
Höfer, Erzählungen, Stuttgart 1855

Das heißt adelig gelebt, wenn man nach Tugend strebt.
en] He is noble, that hath noble conditions.

Denn mancher edeln Stammes (adlig) ist ein Bösewicht.
Euripides (480-406 v. Chr.), Elektra (um 416 v. Chr.), 551 (Greis)

Der heget adelig Gemüt,
Dem selbst der Mut in Freiheit blüht.
Johannes Fischart (1546-1590), Bündnuß v. Verain d. Freien Stätt Zürich, Bern u. Straßburg (1588)

Ein adelich's Gemut
Tut von sich selbst das Gut'.

Geh' mal ins Beinhaus
Und such' einen adligen Schädel heraus.
Alter Spruch

Nichts ist Adlig, Ehrlich ist dess Adels Gebärerin.

Oft der adelig und verständig ist, der Bauern und Unflätern dient zu Tisch.

Was hilft es dich, wann deine Voreltern herrlich und ehrlich seind gewest, du aber nit? Wann du von den Eltern das Leben hast und nit das löbliche, so bist du nit adelich.
Abraham a Santa Clara (1644-1709), Judas, d. Ertz=Schelm (1689-1695)

Was recht adelig und tugendhaft, ist auch schamhaft.

Wer adelig tut, den will ich halten für edel.

Wer sich adelig hält, der ist adelig (edel).
it] Colui è nobile, che nobilmente si comporta.

Sie ist mit einem Adligen einmal von der Bank gefallen.
fr] C'est une Demoiselle faite à la hâte.

Verachtet steht der Edle (Adlige), welcher dürftig ist.
Euripides (480-406 v. Chr.), Phönizierinnen, 442 (Polyneikes)

Der Admiral hat geschossen.
Der Gastgeber beginnt die Mahlzeit und die Gäste folgen seinem Beispiel. Von einer Flotte entlehnt, wobei vom Admiralschiffe durch Schüsse die Zeichen für das Verhalten der andern Fahrzeuge gegeben werden.

Ein guter Admiral bekümmert sich auch um die Mäuse auf seinem Schiff.

Man kann leichter einen Admiral schaffen als eine Flotte.

Er (Sie) ist ein wahres Adressbureau (Stadtklatsche).
fr] Cette femme est un vrai bureau d'adresses.

Adressen zeigen großen Mut, denn sie kosten ja kein Blut.

Sie ist ein lebendiger Adresskalender.

Sie werden im Adresskalender nachgesehen haben, sagte der Knabe, als der Lehrer fragte, wie die Weisen aus dem Morgenlande die Wohnung des Christkindes aufgefunden haben.

Das Frewlein Adulatio trumpelt Kayser, Chur- Fürsten, Graffen vnd Obrigkeiten auffm maul, vnd müssen tun, was sie haben will.

Vor Advent den Donnerschlag, das Korn gar wohl vertragen mag.

Wenn der Advent viel Duft aussend't, er viel Obst den Bauern spend't.
(Eifel)

Wenn im Advent das Wetter mild, und sich Morgen- und Abendrot zeigt, so missrät das Korn und bekommt im Mai die Röte.

Wenn's im Advent viel Biecht git, so git's im nächste Jahr vil Obs.
(Solothurn), Biecht = Duft, gefrorner Nebel.

Wenn in der ersten Adventwoche gut Wetter ist, so bleibt's gut bis Weihnacht.
(Luzern)

Advokaten - Schadvokaten.
Daher entbrannte der Zorn des deutschen Volks nach der Freiheitsschlacht unter Hermann am heftigsten gegen die römischen Advokaten, deren Justizkunst sie für eitel Rechtsverdrehung achteten, so dass keiner am Leben blieb.
it] L'avvocato non ha l'occhio alla borsa del cliento, ma alla sua.

Advokaten - Teufelsbraten.
(Schaumburg)
In den Vereinigten Staaten Nordamerikas befanden sich Anfang 1868 37.396 Advokaten; im Staate New York gab es deren 5.205, in Pennsylvanien 6.623, Ohio 2.360, Westvirginien 346, in der Stadt Pittsburg 210, Washington 266, Philadelphia 695, Cincinnati 330, New York 2.632. (Wächter am Erie, 1868)

Advokaten haben lange Tagewerke.
Sprichwörter wie diese, welche das Volksurteil über einen ganzen Beruf, über eine Genossen- oder Religionsgesellschaft, über einen Stand u.s.w. aussprechen, sind nach der Zeit zu beurteilen, in der sie entstanden sind. Sie fordern zwar zu Vergleichungen mit unsern gegenwärtigen Zuständen heraus; man würde sie aber missbrauchen, wenn man das, was sie unter andern Verhältnissen ausgesprochen haben, ungeprüft ohne weiteres auf die jetzigen anwenden wollte.

Advokaten leben nicht von Prozessen, sondern von der Elle, womit sie sie messen.

Advokaten lieben Dukaten.
it] Agli avvocati piacciono i ducati.

Advokaten und Ärzte leben gut von anderer Schaden.
dk] Lov-kjön og barsker have gavn af andres skade.

Advokaten und Lachse machen oft seltsame Sprünge.

Advokaten und Maler können leicht aus Weiß Schwarz und aus Schwarz Weiß machen.
dk] Lov-kjön og maler kand snart gjöre hvidt hvad sort er, og sort hvad hvidt er.

Advokaten und Soldaten sind des Teufels Spielkam'raden.
Versteht sich, mit Unterschied. Ein tüchtiger, redlicher und mutiger Advokat ist die beste Schutzwehr gegen Willkür, Ränke und Rechtsverdrehung. Wo es in unsern Tagen einen Rechtskampf des Volks galt, da haben wir stets die hervorragendsten Namen dieses Standes in den vordersten Reihen erblickt. Solche Elemente aber, die das Recht verdrehen und das Volk ausbeuten, finden wir auch in andern Ständen. Langbein hat dies Sprichwort in einem Gedicht behandelt.
fr] Si enfer n'est plein, jamais n'y aura d'advocat sauvé.

Advokaten und Wagen gehen nicht ohne Schmiere.

Advokaten und Wiegen sieht man 'über und 'nüber fliegen.
»Etliche Advokaten sind wie eine Wiege, die bald hin-, bald herwankt.«

Advokaten werden leben, solange es ein Mein und Dein wird geben.

Advokaten, die sich lassen die rothen Mänlein betriegen vnd bovem in lingua tragen.

Advokoten un Wagenreader möt beide smeart weren.
(Westfalen)

An dem is 'n Avkate verdorben.
(Schaumburg)

An eines Advokaten Tür muss man nicht mit eisernem Hammer klopfen.
it] Alla porta dell' avvocato altro ci vuol che martello.

Da sölt de Afkaaten nix vun hebben.
(Holstein)
Das wollen wir unter uns ohne Prozess und Streit abmachen.

Das kann einen philadelphischen Advokaten in Verlegenheit setzen.
(Nordamerika)
Ein amerikanischer Advokat hat mehr Schwierigkeiten zu überwinden, um sich in seinem Fache auszuzeichnen, als irgendein Advokat in der Welt, weil er nicht nur die englischen Gesetze, sondern auch die Statuten jedes Staats der Union kennen muss. Für die scharfsinnigsten in der Beweisführung und die tüchtigsten in wissenschaftlicher Rechtskenntnis gelten die Rechtsanwälte Philadelphias. Ihr Ruf ist in dieser Hinsicht so begründet, dass er zu obigem Sprichwort Veranlassung gegeben hat.

Das muss ein schlechter Advokat sein, der Wasser trinkt.

Dem Advokaten, Beichtvater und Arzte muss man nichts verschweigen.
Beim Beichtvater wird es wohl so genau nicht genommen; wenn aber Advokat und Arzt helfen, wenn sie den Kranken oder den Gegenstand des Prozesses nicht falsch behandeln sollen, so dürfen ihnen auch die geringsten Umstände nicht verschwiegen bleiben.
it] Al medico, e all' avvocato non tener il ver celato.
la] Stultorum incurata pudor malus ulcera colat. (Hor.)
es] Al confesor, médico y letrado no le hayas engañado.

Der Advokat ist dem Silber hold, der Richter liebt das Gold.
it] La borsa trema innanzi la porta del giudice e dell' avvocato.

Der Advokat kann die Sache führen wie er will, wenn sie nicht vor seiner Tür liegt.
Man urteilt über Dinge, die uns nicht selbst betreffen, in der Regel anders.

Der Advokat zieht den Prozess wie der Schuster das Leder.

Der Advokaten Beutel und der Hölle Rachen sprechen nie: es ist genug.

Der beste Advokat, der schlimmste Nachbar.

Der Teufel, denn er hat alle Advokaten auf seiner Seite!
Karl Julius Weber (1767-1832), Demokritos (1832-1840), Die Juristen u. Advokaten, Antwort des Dekans Swift auf die Frage eines Advokaten, wer gewinnen würde, wenn Geistlichkeit und der Teufel miteinander prozessieren würden.

Des Advokaten Feder ist ein Winzermesser.
it] La penna dell' avvocato è un coltello di vendemmia.

Die Advokaten fressen Geld.

Die Advokaten lernen das Aufspielen von den Richtern.

Ein Advokat und ein Wagenrad wollen geschmiert sein.

Ein Advokat wie Pilatus.
Der erklärte: »Ich finde keine Schuld an ihm« und gab den Angeklagten den Anklägern preis. Ungefähr dasselbe Verfahren, als wenn eine Volksvertretung beschließt: »Dem Petenten ist Unrecht geschehen, darum wollen wir zur Tagesordnung übergehen.«

Ein gescheiter Advokat ist im kleinsten Gässlein zu finden.

Ein schlechter Advokat, der nicht einen Prozess verlor.
Sachsen

Einem Advokaten träumt sein Lebtage von Hader und Zank.

En Afkâte ône Leigen, en Jude ône bedreigen, 'ne Zêge ône Bârd, dat sint Dinge sellener Ard.

Fürr Affekâten un Beddelbrod, do bewahre uns de lewe God.

Gute Advokaten sind schlimme Nachbarn.
Weit mehr gewiss schlechte (Winkeladvokaten).
fr] Bon avocat, mauvais voisin.
it] Nessun buon avvocato piatisce mai. - Un buon avvocato è un cattivo vicino.

Je mehr Advokaten, je mehr Prozesse.
Man könnte vielleicht ebenso richtig sagen: Je mehr Schneider, je mehr Kleider.

Junge Advokaten und verlorene Prozesse stehen beieinander wie am Brunnen die Kresse.
fr] Jeune avocat, procès perdu; jeune médecin, cimetière bossu.

Manchen Advokaten muss man goldene Lichter anzünden, wenn er das Recht suchen soll.

Mit Advokaten rechten, heißt mit dem Teufel fechten.
it] È cosa difficile litigar contro un avvocato.

Sein Advokat brauchte selber einen Advokaten.
dk] Diu forlover behöver en anden forlover.

Sieht dein Advokat den Lohn, so trägst du den Sieg davon.

Soll dich ein Advokat berathen, so sei nicht sparsam mit Dukaten.

Vor Advokaten und vor Bettelbrot behüte uns der liebe Herregott!

Wat de Advokat gebört, wat de Richter kört. (Ostfriesland)

Wenn Advokaten reden von Vergleich, dann sind die Clienten arm und sie sind - reich.

Wenn der Advokat tut, was sein Gewissen befiehlt, so glaubt der Blinde, was seine Augen sehen.

Wenn en Afkâte störwet, sau folget de Düvel se Grawe.

Wenn sich die Advokaten streiten, muss der Bauer die Kosten bezahlen.
Die Russen: Der Krieg zwischen den Eulen und Raben gereicht dem Landmann zum Vorteil.

Wie machend's unsre Advokaten? So machen sie's: Sie stönd halte hinter d' Stubentür und gend de Lüte d' Wort letz für.

Advokatenbart - böse Art.
fr] Barbe d'avocat, qui croît par articles.

Advokatenfedern und Winzermesser schneiden gleich gut.
it] La penna dell' avvocato è un coltello di vendemmia.

Durch ein Advokatengewissen kann man mit einem Fuder Heu fahren.
(Westfalen)
fr] Tout avocat beau diseur ressemble a besoin de jongleur.
la] Causidicus pluit iscalatorius.

Er hat ein Advoketengewissen.
Ein weites Gewissen.
en] He has a lawyer's conscience.

Ein Advokatenhaus ist mit Narrenköpfen gepflastert.
fr] Les maisons des avocats sont faites de la teste de fols.

Es sind Advokatenkniffe.

Advokatenrat ist teuer.

Die Advokatenstreiche verstehen.

Es sind Advokatenstreiche.

Es ist ein Advokatenstückchen.

Advokatenzungen müssen mit Gold geschmiert werden.

He dremmelt sich wat af.

Ik hew' em wat afdremmelt.
(Pommern)
Dem Geizigen, dem das Geben sauer wird. Dremmel heißt die derbe, feste, fast verhärtete Ausleerung im Gegensatz zu der weicheren oder gar flüssigen Masse der schnellen Kackereien. Sprachlich dürfte Dremmeln aus drängeln = Diminutiv von drängen zu erklären sein.

Es äft sich wie eine Katze.

Wer etwas äfert, macht Fürsten uneins.
Äfern, auch äffern = das vergessene Unangenehme wieder zur Sprache bringen.

Aapke, bed' nau, wöllst ok e Plum?
Wenn jemand einen andern dumm anstiert, wird meist die andere Hälfte allein gebraucht. Im Samlande heißt es: Schânke (Jan = Christian), bed' nau.

Âpke, spring' äwer.
(Königsberg)
Spottend zu denen, der auffallend gekleidet geht.

Âpke, wöllst Nät, oder ver e Frät.
(Königsberg)

Ohpke, geist nau Appke?
(Königsberg)
Äffchen, gehst nach Abken? Sprichwörtliche Scherzfrage; Wortspiel. Abken ist ein im Walde von Wilkie bei Königsberg gelegener Krug (Wirtshaus).

Affe, was hast du für schöne Jungen! -
Ironische Bewunderung von hässlichen Kindern und widerwärtigen Taten.

Affen aufm hohen Baum machen sich so wercklich, das die zuseher lachen müssen.

Affen ausnehmen.
Etwas Törichtes unternehmen.

Affen bleiben Affen, wenn man sie auch in Seide, Sammet und Scharlach kleidet.
Die geschmückte Außenseite macht keinen Unwürdigen achtungswert. So, sagt Erasmus (»Lob der Narrheit«), bleibt ein Weib ein Weib, was für eine Rolle sie auch immer spiele.
en] An ape 's an ape, a varlet 's a varlet, tho' they be clad in silk or scarlet. - Jack will never make a gentleman.
fr] Qui naît fou, n'en guérit jamais.
it] La scimia resta scimia, benchè vestita di seta.
la] Simia est simia, et si aurea gestet insignia.
pl] Namazty chlopa pizmem przecie on dziegciem smierdzi.
es] Anunque se vista de seda, la mona se queda.
hu] A majom, ha legszebb is, mégis rút.

Affen fahet man mit großen Bundschuhen.
Bundschuh heißt auch Verschwörung.

Affen fängt man in Stiefeln und hängt sie dann an Ketten.

Affen fängt man nicht mit Stricken.
Von Schlauen, die sich nicht auf plumpe Weise bestricken lassen.
la] Simia non capitur laqueis.

Affen feil haben.

Affen können wohl Menschengebärden nachtun, aber nicht den Verstand.

Affen scheren.

Affen sind Affen, wenn sie auch Chorröcke anhaben (tragen).

Affen und Esel lieben ihre Jungen am meisten.

Affen und gaffen.

Affen und Pfaffen frei sind der Strafen.

Affen und Pfaffen lassen sich nicht strafen.
Bezieht sich auf den besondern Gerichtsstand der Geistlichen.

Affen und Pfaffen machen viel zu schaffen.

Affen und Pfaffen.

Affen und Pudel lassen sich nur einmal (auf dieselbe Weise) anführen.
Die Menschen haben das Vorrecht, zeitlebens Esel zu bleiben.

Affen weisen.

Affen zu Affen und Meerkatzen zu Meerkatzen.
Auf der früheren Unterscheidung von Affen und Meerkatzen beruhend.

Affen zur Hölle führen.
Sprichwörtliche Beschäftigung für alte Jungfern. (Vgl. Shakespeare)

Affen, Frauen, trunkner Mann, kein Ding lang heimlich halten kann.
Das Sprichwort liebt Zahlen und Reim, besonders drei und vier. Beides ist hier verbunden, wodurch der Gipfel der Volkspoesie erreicht ist. Das Sprichwort schildert die Geschwätzigkeit der Trunkenen.

Alle kennen den Affen, aber der Affe kennt keinen.
se] Alla känna apan, men apan känner ingen.

Als der Affe einen Holtzhawer geben wollte, fieng er sich selber.

Alt Affen fahet man schwerlich.

Alte Affen sind schwer zu fangen.

Alte Affen tun Meerkatzen gern einen Gefallen.
Eine hässliche Dame hatte den Präsidenten eines Gerichts einen alten Affen genannt und er hatte es erfahren. Da ihre Sache gerecht war, gewann sie den Prozess; und als sie ihm dankte, erwiderte er obige Worte, die bald bekannt, oft wiederholt und Sprichwort wurden.

Alte Affen, junge Pfaffen, wilde Bären, soll niemand in sein Haus begehren.
Von jungen Geistlichen, die ihren Weltsinn nur mit dem kirchlichen Charakter bedecken.
la] Inveterata peti non simia debet in aedes ursus sylvestris presbiter et juvenis. (Illustrirte Zeitung, Leipzig 1872) - Non intret tua limina quisquam frater vel monachus, vel quavis lege sacerdos. - Non recipiendos in domum: iuniorem sacerdotem, vetulas simias, et feras immansuetasque ursas.

Ap, wat hest du wackere Kinner.
(Oldenburg)
Spott auf die Affenliebe vieler Eltern, welche ihre Kinder für die schönsten und wohlbegabtesten halten.

Âpe, knicke dick, Esel bücke dick, segt de Bûere un slut 'n Slagbôm.
(Lüneburg)

Ape, wat hest du moje Jungen.
(Ostfriesland)
nl] Aap, wat hebt gij mooije jongen. - In demselben Sinne: Schipper, welk een mooi wijf hebje.

Auch ein schlauer Affe wird keinen Fuchs betrügen.

Bat es doch en Âpe en spaßig Menske, sach de Biur.
(Kirchspiel Hemer, Grafschaft Mark)

Beter en Âp, as en Schâp.
(Holstein)

Da hett seck 'ne Âpe lûset, segt de ole Kampiksche, as êr dat Geld stôlen wâs.
(Hildesheim)

Das ist unter dem Affen.
Hackländer, Dunkle Stunden, Stuttgart 1863

Das sind nur Affen.
Dumme Spielereien, Fratzen u.s.w.

Dat di de Ape luse!

Dem Affen Zucker geben.

Dem alten Affen den Apfel, dem jungen die Nüsse.
en] An old ape hath an old eye.
fr] La pomme est pour le vieux singe. (I, 30.)

Den Affen aus dem Ärmel springen lassen.
Seine Gesinnung zeigen. Diese Redensart ist, wie viele andere, von den weiten Ärmeln entlehnt, die man ehedem trug und in denen man viel verbergen konnte.

Den Affen bekleyden, scheren, vnd mit purpur schmücken.

Den Affen geigen lehren.
»Ich lehr' vil eh'r einen Affen geygen, denn eine böse Zunge schweigen.« (Murner)

Den Affen im Garn finden.

Den Affen in Stiefeln zu sehen und die Sau im Chorrock, ist eine Lust.

Den Affen kennt jeder, der Affe kennt niemand.
dk] Alle kiende abe, abe kiender ingen.
se] Alla känna apa, apa käner ingers.

Den Affen legen.
Eine Summe Geldes zahlen.

Den Affen mit Purpur kleiden.
la] Simia in purpura.

Den Affen nähen.
»Die Weiber können all ein kunst, d. i. den Narren been, den Affen neen, den Rappen das muss einstreichen, vnd was sich zum bösen reimbt.«

Den Affen tragen.
D. h. den Tornister.

Den Affen weisen.

Den Apen de Loge (Lauge) up 'n Kopp bruwen.
Spöttische Bezeichnung dafür, dass den Katholiken in den Fasten die mit Asche belegten Köpfe mit Weihwasser besprengt werden.

Denn müsste ja mein Herz 'n Affe sind.
Berliner Redensart
Ich müsste ja ein Tor, dumm sein, wenn ich das täte; ich tue es nicht.

Der Aff liebt (druckt für liebe) seine Jungen zu tot.
en] The ape claspeth her young so long tat at last, she killeth them.
la] Caecus amor prolis.

Der Affe bleibt ein Aff, und würd' er König oder Pfaff'.

Der Affe bleibt ein Affe, und trüg' er einen goldenen Ring.
Niederl.: Een aap is en aap, al draagt hij een' gouden ring.

Der Affe dreht (schlägt) Rädlein ungebeten.
Rädlein schlagen = Possen treiben.

Der Affe hat kein schön Gesichte und findet doch die besten Früchte.

Der Affe hat seine Nägel nicht umsonst.

Der Affe ist ein hässlich Ding. - 374.
Mit aller Nachahmung ist's etwas Hässliches.

Der Affe kennt nichts Schöneres als seine Jungen und der Narr nichts Klügeres als seine Taten.
dk] Aben kalder sine unger kjönnest, og daaren sin tale klogest.

Der Affe leckt so lange an der Feile, bis die Zunge abgeleckt.
dk] Aben slikki de saa lange paa fiilen tel den afslikkede sin egen tunge.

Der Affe muss dich kratzen.
(Oberlausitz)

Der Affe nimmt die Pfoten der Katze, um die Kastanien aus dem Feuer zu ziehen.

Der Affe springt ihm aus dem Ärmel.
Er zeigt seine wahre Natur. Die Äffchen mögen sich bei Schelmen in die weiten Ärmel der Schlafröcke verstecken, und dann unerwartet zum Vorschein kommen, um zu kratzen oder irgendeinen Streich auszuführen, und dabei ihre wahre Natur zeigen.

Der Affe steigt nicht umsonst auf die Bäume.
it] Alla simia piace le cirege.

Der Affe tut nach der Menschen Hand, aber nicht nach ihrem Verstand.

Der Affe wirft die Kastanien ins Feuer und lässt sie die Katze herausholen.
Um zu sagen, dass jemand eine Sache wohl anfängt, aber sie, sobald Gefahren und Schwierigkeiten sich erheben, einen andern ausführen lässt.

Der schönste Affe ist ein hässlich Ding.
Ein Wink, dass es um alle Nachäffung etwas Hässliches sei.

Der schönste Affe ist ein Unflat.
Flat hieß früher schön; jetzt ist nur die verneinende Zusammenstellung Unflat noch vorhanden.
la] Simiarum pulcher rima deformis est.
hu] A' majom, ha legszebb is, mégis rút.

Die kleinsten Affen haben die längsten Schwänze.
Die engsten Köpfe oft die längste Zunge.

Du wirst doch nicht mein Affe sein?
(Schlesien)

Ei, lieber Aff', dich erst besich, darnach lob' oder schelte mich.

Ein aff bleibt alzeit ein aff, ob er gleich mit sammtte kleydt were.

Ein Aff bleibt ein Aff, er sei gleich ein Fürst, Bürgermeister oder Pfaff.

Ein Aff bleibt ein Aff, ob er gleich vff einen guldnen stul sess.

Ein Aff laust den andern.
la] Far facetiam.

Ein Aff lesset sich nicht mit einem strick fangen.

Ein Aff schmecket schärpffer vnnd besser denn ein Mensch.
la] Nos aper auditu, nos vincit aranea tactu, nos canis olfactu, linx visu, simia gustu.

Ein Aff', ein Pfaff' und ein Schleifstein kommen sehr wohl überein.

Ein Affe bat einige Teufel, ihn zu beherbergen. »Junger Herr«, antworteten sie, »es ist kein Brot im Hause.«
Es ist eine vergebliche Mühe, die Milde von Schurken anzusprechen.

Ein Affe bewachte ein Tormusfeld. Da sagte jemand: »Schau den Wächter und die Saat.«
(Ägypten)
Von einer verachteten Person, die ein verachtetes Geschäft besorgt. Tormus, eine sehr gemeine Bohne von bitterm Geschmack und wenig geachtet.

Ein Affe bleibt ein Affe und käme er nach Rom.
la] Coelum, non animum mutant, qui trans mare currunt. - Peregrinatio non facit medicum, non oratorem.
pl] Stanislaw z izby, Stanislaw do izby.

Ein Affe bleibt ein Affe, auch wenn er goldene Ehrenzeichen und goldene Ringlein trägt.
Der Glanz des Glücks gibt dem Charakter und Geiste des Menschen keinen höheren Wert.
fr] Un singe habillé de soie est toujours un singe.
it] La scimia resta scimia, benchè vestita di seta.
la] Simia est simia etiam si aurea gestet insignia. (Lucian)

Ein Affe bleibt ein Affe, ob er wird König oder Pfaffe.
fr] Le singe est toujours singe, et fust-il desguisé en prince. - Singe, tu seras toujours singe.

Ein Affe bleibt ein Affe, wenn er auch in der Purpurjacke einherschwänzt.
Luther

Ein Affe guckt (sieht, stürt, lacht) den andern an.
dk] En abe kommer en anden tit at gloe og gabe.

Ein Affe ist ein Affe und hätt' er auch einen Chorrock an.

Ein Affe ist ein Affe, hätte er gleich ein goldenes Halsband.

Ein Affe ist listig, aber wer ihn fängt, noch listiger.

Ein Affe kann den Fuchs nicht betrügen.
De ape en kan den vos nich bedreigen. (Simia conatur nequicquam imponere vulpi).

Ein Affe macht viel Affen.

Ein Affe verdurstet nicht, wenn er auch keine Kanne zum Wasserschöpfen hat.
Er schöpft, wie einst Diogenes tat, mit der hohlen Hand.

Ein Affe wird ausgelacht, wenn er auch die Zähne zeigt.
Der Einfältige, Schwache macht sich durch seinen Zorn nur lächerlich.

Ein Affe, der Kunststücke machen soll, muss jung gefangen werden.

Ein Affe, der sich geschminkt hat.
Von einem eiteln alten Weibe, oder von jemand, der die schlechte Ursache seiner Rede mit viel Schmuck bemäntelt.
la] Simia fucata.

Ein alter Affe wird zwar spät gefangen, aber zuletzt doch.
la] Anus simia sero quidem (sc. capitur).

Ein alter Affe zieht kein hübsches Gesicht.
fr] Oncques vieil singe ne fit belle moue.

Ein jeder Aff lobt sein Kind.

Einem einen Affen drehen (machen, nähen oder verbinden).
Das Wort Affe wird im Mittelhochdeutschen sehr oft für Larve (z. B. noch jetzt der Affenwurm, d. h. die Larve der Wassermücke), Maske, Fratze gebraucht. So in der vorstehenden Redensart.

Einen Affen gibt man wohl ein goldenes Halsband, aber keinen Orden.

Einen Affen haben.
Etwas zu viel getrunken oder einen Rausch haben. Affe wurde gleich dem Esel als Bezeichnung für Narr gebraucht, und im Rausch ist man närrisch.

Einen Affen schleiern.
Eine (humoristische) Erklärung der Redensart: »Sich einen Affen kauffen«. Etwas Schlimmes im Schilde führen.
la] Monstrum alunt. (Ter.)

Ein'n Affen bringt man mit nach Haus und morgens wird ein Kater draus.

En livländsche Aap.
So wird in Hamburg in untern Volksklassen ein Lizentiat genannt.

Er gleicht eher einem Affen, als ein Domherr einer Tabackspfeife.
Von einem lächerlichen Menschen sagten die Alten: Es ist ein bärtiger oder ein geschwänzter Affe.
la] Simia barbata seu caudata.

Er hat den Affen erhascht.
Wenn man auf irgendeine Weise Geld bekommen hat. Nach den holländischen Schriftstellern Winschoten und Weiland soll das Wort aap eine Summe Geldes, einen Schatz bezeichnen.

Er hat einen Affen in seinem Ärmel.
Verbirgt seine Listigkeit.

Er hat einen fetten Affen geerbt.
Ist durch die Gunst des Glücks zu Reichtum gelangt.

Er hat sich einen Affen gekauft.
Hat sich betrunken. Auch hier hat das Wort Affe die mittelhochdeutsche Bedeutung Larve. Er hat sich zur Fratze gemacht.

Er ist ein Aff' von Ripenscheit.

Er ist hurtig wie ein Affe.
Viele Sprünge, aber wenig Gedanken.

Er ist sein Affe.
Macht ihm alles nach.

Er macht Affen.
Närrische Fratzen.

Er macht's wie der Affe mit seinen Jungen.
Von übertriebenen Liebkosungen, oder wenn Erwachsene sich im Kinderspiel allzu närrisch gebärden.

Er ruft: Affe, was für schöne Junge hast du!
Wenn man jemand foppt, um ihn bei guter Laune zu erhalten, wie als wenn jemand dem Affen seine hässlichen Jungen lobt. Die Affen sollen für Schmeichelreden nicht unempfindlich sein, es fühlen, wenn man sie oder ihre Jungen lobt; die Griechen hatten dafür die Redensart: Der schöne Pithon.
la] Pithon formosus.

Er sieht auf keinen Affen, wenn er aus Indien kommt.
Einmal: sie erregen seine Neugier nicht, und dann, er legt keinen großen Wert darauf; wer aus Ostindien kommt, ist freigebig, er macht leicht einen Affen zum Geschenk, da es dort daran nicht fehlt. Nach andern, denen Affe Geld bedeutet, kommt es dem, der Schätze in Ostindien erworben hat, auf eine Summe nicht an.

Es dünckt dem Affen, er hab die schönsten Kinder.

Es einem Affen an den Hintern schreiben.
Etwas auf eine schmutzige Weise veröffentlichen.

Es haben wohl zwei Affen einander vexirt.

Es ist der Affe von Heidelberg.
Auf der Heidelberger Brücke steht ein steinerner Affe mit der Inschrift: »Was tuest mich angaffen, hast nie gesehn alt' Affen? Zu Heidelberg schau hin und her, du findest meinesgleichen mer.«

Es ist ein Affe in der Löwenhaut.
la] Simia in pelle leonis.

Es ist ein Affe in Purpur.
Von denen, deren niedriger Charakter trotz alles Putzes aus Gesicht und Handlungsweise erkannt wird.
la] Simia in purpura.

Es ist ein geschmückter Affe.
Von einem alten Weibe, die sich durch Schminke und Patz jung machen will. Oder von jemand, der seine verdächtige Handlungsweise mit schönen Beweggründen bemäntelt, oder »durch Bart und Pallium Heiligkeit heuchelt«.

Es war ein kluger Affe, der mit der Katzenpfote die Kastanien aus dem Feuer scharrte.
it] Ben l'intese la scimia, che cavò le castagne dal fuoco con le zampe del gatto.

Hans Aff.

He hett der 'n Ap in fröten.
(Ostfriesland)
Er hat einen Affen (Narren) daran gefressen.

Ich Affe, steh' und gaffe; und weil ich gaff' und steh', so könnt' ich weiter geh'.
(Hausinschrift)

Ich dachte, mich hätte der Affe gelaust (der Affe sollte mich lausen).
Von einem Affen gelaust werden, heißt eine zweideutige, mit mehr Schmerz als Wohlbehagen vermischte Empfindung haben.
»Potz Zipfl, was giebts da fer einen Schnautzhanen? den hat gewiss der Affe gelauset.«
In Ostpreußen: Öck docht, mi sull de Aap luse.

Ich dummer Aff', sitz' und gaff', je me ich gaffe, so minder ich schaffe.

Ich flöhe Affen, willst du den Sack aufhalten?
Als Antwort auf die Frage: »Was machst du?« Zur Abweisung lästiger Frager.

Ich will nicht der Affe sein, der die Kastanien aus dem Feuer holt.
Um zu sagen, dass man sich nicht zu eigenem Schaden für andere aufopfern wolle. Man erzählt seinen nach Welschland fallenden Ursprung so, dass ein Affe seinen Herrn Kastanien mit der Gabel aus den Kohlen habe langen sehen, und später, als der Herr weggegangen und die Gabel mitgenommen, es mit den Fingern nachgemacht habe, wobei er sich nicht nur diese empfindlich verbrannt, sondern auch noch einen Denkzettel für die Näscherei erhalten habe.

Ich will zu einem Affen werden.

Immer bleibt der Aff' ein Affe,
Werd' er König oder Pfaffe.

Ja, segt de Bur, je höger de Ap stigt, desto mir wiss he den Niers.

Je höher der Affe steht, desto mehr zeigt er den Schwanz.
Je höher ein Untüchtiger steigt, desto mehr verrät er seine Schwäche.

Je höher der Affe steigt, je lächerlicher er sich zeigt.
en] The higher the ape goes the more he shews his tail.

Je höher der Affe steigt, je mehr er den Hintern zeigt.
»Je höher der Affe die Leiter ersteigt, je mehr er die Blöße des Hintersten zeigt.« (Assmann, Sinngedichte)
en] The higher the ape goes, the more he shows his tail.
fr] Plus le singe s'élève, plus il montre son cul pelé.
nl] Als Apen hooge klimmen willen, dan siet men eerst haer naeikte billen.
it] Tu fai come la scimia, che più va in alto più mostra il culo.

Je länger ein Affe in den Spiegel sieht, desto ärger schneidet er die Gesichter.

Je schöner ein Affe, desto hässlicher seine Jungen.
Die eben geborenen Affen sind alle sehr hässlich; wenn aber die Mutter einer niedlichen Gattung angehört, so tritt der Abstand um so mehr hervor.

Jeder Affe liebt seine Jungen.
Nur etwas stark.
it] Ogni scimia vuol bene a suoi scimiotti.

Jemandem Affen drehen.
Ihn bei der Nase herumführen, ihn äffen.

Kein Affe, er schwört, er habe die schönsten Kinder.
it] All' orsa pajon belli i suoi orsattoli.
hu] A majomnak is szép a magas.

Leert kên alen Af Grimasse' machen.

Lieber Aff' sieh erst auf dich, dann lobe oder schelte mich.

Man sieht auf keinen Affen, wenn man aus Ostindien kommt.

Man soll die affen suchen, biss man sie facht.

Mit Affen ist bös Nüss essen, sie verschlingen die Kern, vnd speyen einem die Hülsen vnter die Augen.

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