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Am Tag ist die Eule blind, bei Nacht die Krähe. Wen aber die Liebe (ver)blendet, der ist blind bei Tag und Nacht.
Indien

Am Tag, an dem der Affe sterben soll, werden alle Bäume rutschig.
Namibia

Am Tag, an dem du deine Frau heiratest, heiratest du auch deine Kinder.

Am Tag, da einer alles weiß, lass ihn ruhig sterben!

Am Tage Allerheiligen kleiden sich die Großen warm, an Sankt-Martin tut es Groß und Klein.
Mailand

Am Tage Arbeit, abends Gäste; schwere Wochen, frohe Feste.

Am Tage den Mond und des Nachts die Sonne suchen.

Am Tage der heiligen Katharina muss man sich unter das Federbett stecken.
Tschechien

Am Tage der heiligen Magdalen (22.7.) kann man schon volle Nüsse sehn.

Am Tage der Schlacht marschiert alles nach dem Kanonendonner.
i] Das Wichtigste kommt zuerst.
z] Die alte Soldatenregel: Am Tage der Schlacht marschirt alles nach dem Kanonendonner, ist tief in das preussische Blut übergegangen.

Am Tage der sommerlichen Sonnenwende wurde wieder gesagt, dass die Nacht anfangs nur um einen Hahnenschritt länger wird.
Estland

Am Tage des Sankt Valentein (14.2.), da friert das Rad samt Mühle ein.

Am Tage des Sieges denkt man nicht länger an die Wunden, in der Todesstunde nicht länger an die Arznei.
Bengali, Indien

Am Tage des Sieges lässt man sich keine Strapaze verdrießen.

Am Tage des Todes schämt sich die Liebe.
Haussa, Afrika

Am Tage ein Bettler, nachts ein Dieb.

Am Tage erleiert (erdreiert), des nachts verdreiert (verleiert).
i] Was man bei Tage mit der Leier verdient, das geht des Nachts wieder in den Wind.

Am Tage errungen, am Abend verschlungen.

Am Tage fliegen die Vögel überallhin, in der Nacht aber kehren sie zurück ins Nest.

Am Tage herrscht die Frau über den Mann, aber in der Nacht der Mann über die Frau.
Estland

Am Tage läuft er vor des Büffels Zorn, den Teufel fasst er in der Nacht am Horn.

Am Tage Licht ist Augengift.
Braunschweig

Am Tage nach den Sternen schauen.

Am Tage nach der Wohltat weiß man, wer ein Herz hat.

Am Tage Pauli Bekehr (25.1.) - der halbe Winter hin, der halbe Winter her.

Am Tage Portiuncula (2.8.) ist's leicht, den Kapuzinern zum Tanze pfeifen.

Am Tage Sankt Paul's bricht der Winter das Genick.
Frankreich

Am Tage schlaf nicht, in der Nacht trink kein Wasser, dann brauchst du keinen Arzt.

Am Tage siehst du nichts und in der Nacht schwatzest du.
Griechenland

Am Tage sind die Sterne nicht zu sehen, nachts scheint nicht die Sonne.

Am Tage Tiburti sollen alle Felder grünen.
Bauernregel

Am Tage von Sankt Valentin (14.2.) gehen Eis und Schnee dahin.

Am Tage vor Sanct-Lorenz esst hundert Mandeln, am heiligen Kreuztage (14. Sept.) esst hundert Nüsse.
Sardinien

Am Tage vor Sankt Kilian (8.7.), da säe deine Wicken an.

Am Tage vor Sankt Lorenz (10. August) esst hundert Mandeln, am heiligen Kreuztage (14. September) esst hundert Nüsse.
Italien

Am Tage, als Kunz Saudreck gen Pfingsten reut.

Am Tage, an dem du nackt herumläufst, wirst du bestimmt deine Schwiegermutter treffen.
Suaheli

Am Tage, an dem ich mein Haus nicht fegte, kamen unerwartete Gäste.
Spanien

Am Tage, da einer alles weiß, lass ihn ruhig sterben.
Sudan

Am Takte erkennt man den Organisten (o. Spieler).
z] Auch noch vieles andere; denn Takt ist der Verstand des Herzens.

Am Tanztag beweint niemand seinen (verstorbenen) Angehörigen.
Kosi, Afrika
i] Man soll alles zu seiner Zeit tun.

Am Thomastag (21.12.) wächst der Tag um einen Hahnenschritt.
it] San Tomé cresce il dì quanto il gallo alza un piè.

Am Thomastag heiratet der schwarze Thomas seine erste Tochter, am Antoniustag (17.1.) die zweite, zur Lichtmess (2.2.) die dritte.
Estland

Am Thomastag kommt (von) der Sonne eine Staubschicht ab, die Sonne wird klarer.
Estland

Am Thomastag stöbert es immer.
Estland

Am Thomastag wächst der Tag nur einen Hahnenschritt.
Bauernregel

Am Thomastag werden die Weihnachtstore vom Himmelsvater geöffnet.
Estland

Am Thomastag wird der rußige Thomas hinausgebracht.
Estland

Am Tisch sei frölich, nicht hader mach, zu afterred sey nicht Ursach.
la] Absint a mensa, detractio, murmur et ira, sed cum laedicia, sumatur potus et esca.

Am Tisch soll man keines Haders gedenken.

Am Tisch und im Bett gehört die rechte Seite dem Mann.

Am Tische hat das Weib recht, im Bett der Mann.

Am Tische sei frölich, frisch und freundlich.

Am Tische soll man keines Haders gedenken.

Am Tische, den ein andrer gedeckt, das Essen meist am besten schmeckt.

Am Tor des Dorfes endet die Macht des Königs.
Vietnam

Am Tor handelt man um ein Füllen, auf der (Dorf)straße um einen Hengst.
Estland

Am Trillern erkennt man die Lerche.

Am trockenen Busen hält sich Weißbrot, am feuchten Gerstenbrot.
Estland

Am trocknen Stamme ist gut Feuer machen.
Litauen

Am Trompetentisch sitzen.
i] Am Bei- oder Nebentisch. Wohl daher, dass bei Gastmählern, besonders der Offiziere, die Trompeter oder Musiker, welche die Tafelmusik besorgen, an einen besondern Tische ihren Platz haben. Die Musiker genossen früher keine besondere Achtung, was sich noch in der Benennung Trompeten- oder Musikantentisch für Neben- oder Katzentisch zeigt.

Am übel gewonnenen Gut hat der dritte Erbe weder Freud noch Mut.

Am Übeltäter zittert selbst der Rock.
Tschechien

Am Ufer ist die Sicherheit, im Heer der Reichtum.

Am Ufer sind viele kluge Köpfe, wenn auf dem Meer ein Unglück geschieht.
Russland

Am Ufer stehen nützt nichts, wenn der Fluss vertrocknet ist.

Am unangenehmsten sind nicht die Neinsager, sondern Leute, die sagen: 'Ja, aber'.
Portugal

Am unglücklichsten ist nicht der Mann, der keine Freunde, sondern der keine Feinde hat.
Spanien

Am unterspülten Ufer ist bös baden.
bm] Koupej se drze se břehu.

Am Vater erkennt man den Sohn, an der Mutter die Tochter.

Am Vater kennt man gemeiniglich die Kinder.

Am Verbrechen eines einzelnen lern alle kennen.
la] Crimine ab uno / disce omnes.

Am verfallenen Altar sind keine Kerzen angezündet.
Sizilien

Am Veronatag soll's vormittags regnen und nachmittags die Sonne scheinen.
Luzern

Am Verstande trägt man nicht schwer.

Am vielen Fragen erkennt man den Narren.

Am vielen Lachen (o. Fragen) erkennt man den Narren.
en] A loud laugh bespeaks a vacant mind.
fr] Au rire on connaît le fou.
fr] Qui rit trop a nature de sot.
it] I matti si conoscono dal molto ridere.
la] Risu inepto res ineptior nulla est.
sp] La olla en sonar y el hombre en hablar.

Am vierten Tag vom Hochzeitsschmaus trollt der Hochzeitsbitter sich nach Haus.

Am Vorabende großer Ereignisse stehen.
i] Meist ironisch gebrauchte Redensart, um auszudrücken, dass nichts von Bedeutung geschehen werde.
z] Lassen Sie in Paris bekannt machen, dass wir am Vorabende eines großen Ereignisses, à la veille d'un grand évenement, stehen. Napoleon

Am vorderen Tor wehrt man den Tiger ab, durch das hintere kommt der Wolf ins Haus.
China

Am Vormittag der Heilige Elias, am Nachmittag Allah.
Bosnien

Am Wachstum hindert den Menschen oft das eigene Dach überm Kopf.

Am Wams kann man nicht sehen, wer ein Brandmal trägt.
nl] Het is aan het wambuis niet te zien, wie een brandmerk draagt.

Am Wappen erkennt man die Münzen.
nl] Aan de wapens kent men de munten.

Am warmen Kamin träumt es sich gut vom Schneesturm.
USA

Am warmen Ofen (v)erfriert man nicht.
Rheinpfalz

Am Wege enden alte Pferde und alte Soldaten ihr Leben.
nl] Aan den weg en aan de straat rekken oude paarden en trouwe veteranen hun leven.

Am Weibe schlägt der Mann seine Schande.

Am Weiser kann man sehen, was an der Glocke ist.
ndt] Hä is wie de Wîser an de Klock, hä geiht, we ein'n 'n stellt.
nl] Men kan aan den wijzer wel zien, wat de klok heeft.

Am Werk der Nacht findet der Tag immer etwas auszusetzen.
Irland

Am Werk sieht man zu aller Frist, was meisters drob gewesen ist.
fr] A l'ouvre on connaît l'artisan (l'ouvrier).
fr] C'est à la muraille qu'on connaît les maçons.
nl] Aan het werk kent men den meester.

Am Werke erkennt me den Werkmann (Arbeiter).
la] Indicat artificem res operata suum.

Am Werktag schaffe alle Ding,
Am Sonntag bete, hör und sing!

Am Widerrist erkennt man ein gutes Pferd, am Maul einen guten Esser.
Estland

Am Wildfangen ist kein Gewinn.

Am Windeskreuztag (d.i. Jürgenstag) bekam das Pferd seinen Schlüssel in die Hand.
Estland

Am Winterfirsttag (12. März od. 14.1.) wird der Hahn über den Dachfirst geworfen, denn er hat unter dem einen Fuß Körner, unter dem anderen Schnee.
Estland

Am Wissen trägt man nicht schwer.

Am Wohlgebornen übel steht, wenn er der Tugend Weg nicht geht.
la] Bene natis turpe est male vivere.
la] Honeste natis turpe est male vivere.

Am wohlsten fühlt sich ein Brunnenfrosch im Brunnen.
China

Am würdigen Alten in Treue halten, am kräftigen Neuen sich stärken und freuen, wird niemand gereuen.

Am Zapfen sparen und am Spundloch herauslassen spart nicht.

Am Zapfen sparen und am Spundloche wieder herauslaufen lassen, das spart nicht.

Am Zaum erkennt man das Pferd.
pl] Uzda konia, język człowieka, smak potrawę pokazać ma.

Am zehnten Januar Sonnenschein
Bringt viel Korn und Wein.

Am Zeichen erkennt man die Warenballen, und an den Reden die bösen Zungen.
fr] Aux marques l'on connoit les bâles, et au parler les langues males.

Am Zeiger kann man sehen, ob die Uhr verrückt ist.
i] Vom Antlitz und äußern Betragen ist leicht ein Schluss auf den innern Menschen zu machen.

Am Zeiger kann man sehen, wie spät es (o. was an der Zeit) ist.

Am Zorn erkennt man den Toren.

Am zweiten Weihnachtstag (26.12.) wird der Tag um einen Hahnenschritt länger.
Estland

Ambassaden sind aller Orten frei.
[RSpW]
i] Die Völkersitte hat von jeher die Gesandten für unverletzlich gehalten.

Ambieren und anhalten ist keine Schande.
i] Wer eine Stellung haben will, darf sich keine Mühe verdrießen lassen.
lat] Ambitio opportuna est petitio honorum licita apud alios.

Ambition (Ehrgeiz) zeugt Probleme (Schwierigkeiten).
Senegal

Amboss und Hammer machen das Eisen nicht weicher.
dk] Ambotten og hammeren gjör jernet ikke blödere.

Ambrosia auf sie Straße schütten.
i] Weise Reden vor Toren.

Ambrosius (4.4.) schneit oft den Bauern auf den Fuß.

Ambrosius schickt ins Feld den letzten Pflug, entlässt die Imme zum Honigflug.
Bauernregel

Ameis' und Spinne auf allen Pfaden, dann wird das Wetter gut geraten.

Ameisen gehen unter die Erde und jeder weiß es.
Afrika

Ameisen haben auch Galle.
i] Auch der Wehrloseste sträubt sich gegen Misshandlungen, auch der Schwächste und Gutmütigste kann zuletzt zornig werden.
z] Die Ameisen und die Bienen, item die Bawren und Armen haben auch jren Zorn, aber er hat nicht die wehre, sondern ist ein kurtzes, kleines und geringes Zörnlein und Füncklein, nach dem Versslein: Vana est sine viribus ira: Haben Groll und Zorn ohne Nachdruck, ist verlorn.
Richter, Axiomata

Ameisen ins Bett tragen.

Ameisen können mit einem Reiskorn angreifen.
Madagaskar

Ameisen können sich dem Zucker nicht nähern, ohne davon zu essen.
Thailand

Ameisen kriechen nicht in leere Scheuern.

Ameisen sterben für Zucker.
Afrika

Ameisen suchen.
i] Sich vergebliche, unnütze Mühe machen.
la] Formicae semitas quaerere.

Ameisen umgeben den sterbenden Elefanten.
Botswana

Ameisen zernagen des Löwen Fleisch.
i] So nagt der Neid am Rechtschaffenen.

Ameisenhut ist für (gegen) Schlafen gut.
fr] Celuy qui est trop endormy doit prendre garde à la fourmy.

Amen es ût, sed (= sagte) Beckroth, alle rôe (= roten) Schelmen dögen nit.
Meurs

Amen ist des lieben Gottes (großes) Siegel.

Amen Selah, die Katz goht de Bach na!
Breitingheim

Amen, sagte der Küster, und die Kirche war aus.

Amene Wiib und anere Müli isch alliwil öppis z verbessere.
Schwiizertütsch

Amerika hat noch nicht gelitten. Man täuscht sich, wenn man ihm schon die hohe Fähigkeit des Herrschens zubilligen möchte.
>Sprüche der Weisen, Der Aufstand der Massen

Ämm is 'n gôden Titt affsnäden.
Altmark
i] Er hat eine bedeutende Hilfe, Unterstützung verloren, es ist ihm eine Nahrungsquelle verstopft.

Amme Mittwoche schläft de Mus in es ander Loch.
i] Nach dem Volksglauben wird am Mittwoch keine Reise angetreten.

Amme, du bist Herrin, solange das Kind trinkt.

Ammenlieder lullen nur Kinder in den Schlaf.

Ammenmärchen
la] aniles fabellae

Ammenmären können keine Männer nähren.

Ammenpflege ist keine Mutterpflege.
fr] Les soins d'une nourrice ne sont pas ou ne valenu pas ceux d'une mère.

Ammer und Haubenlerche sagen, der Winter ist hinterm Berge.

Amor bleibet ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen!

Amor hasst die Faulen.
la] Amor odit inertes.

Amor hasst die Tätigen.
la] Amor odit agentes.

Amor hat dir zugeniest.

Amor ist ein Krieger, der vor jeder Feste Sieger.
it] A ogni impresa.
la] Amor restat vincens.

Amor ist ein Maulwurf, Hymen ein Luchs.
i] In der Liebe sieht man gar keine, in der Ehe zu viele Fehler.

Amor und Hymen bauen eine gute Hütte, ist Plutus der dritte (o. in ihrer Mitte).
i] Ehen sind in der Regel glücklicher, wenn zu der vorhandenen Zuneigung auch einige materielle Mittel kommen.

Amoris macht, Veneris bracht, Cupidinis swerth hant manchen verzert.

Amors Pfeile sind unbesiegbar.
la] Invicta gerit tela Cupido.

Amors Streifschüsse nennt man Flirt.

Ampel und Docht verschlucken viel Öl und werden doch nicht feist davon.

Amptleut und Pfleger, Förster und Heger, Kastner und Schösser, bawen Häusser und Schlösser, haben kleinen lohn, werden reich davon. Nun zeug mir an, wie das sein kann. Ihr griff, die weiss nicht iederman, sie schreiben ein X vor ein U, so kommen sie mit der Rechnung zu.

Ams amma amma - bellen alle Hunde.
Litauen

Amsterdam ist die Perle aller Städte.
i] Als solche galt es früher, wie als Sitz und Sammelplatz des Reichtums).

Amsterdam, du grote Stadt, büst gebaut up Palen, wenn du nun ins umme fallst, wel sall dat bitalen.
i] Nicht allein in Amsterdam, sondern in ganz Holland ruhen beinahe alle Häuser auf Rosten. An und für sich ist indes die Befürchtung des Umfallens eine kindische Vorstellung. Dennoch gab im vorvorigen Jahrhundert eine Erscheinung einigen Grund zu dieser Befürchtung. Um das Jahr 1730 fanden sich nämlich plötzlich Würmer ein, wahrscheinlich mit Schiffen aus Indien gekommen, welche in kurzer Zeit die Wände der Schiffe und die Pfähle an den Dämmen durchbohrten und unbrauchbar machten. Die Besorgnis war groß, da man kein Vertilgungsmittel kannte. Man fürchtete, sie würden die Pfähle angreifen, worauf Amsterdam ruht. Sie verloren sich indes nach einigen Jahren infolge eines strengen Winters wieder.

Amsterdam, haaste Geld, ik hewwe Waare, sagte de Besenbinner.
Westfalen

Amsterdamer Ränder (Giljones).
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Es ist hier der Bücherrand gemeint. Die Amsterdamer Ausgaben des Talmud sind von den Juden ihrer schönen Ausstattung und breiten Ränder wegen sehr gesucht und gut bezahlt. Es wird daher mit diesem Ausdruck ein Mensch (oder eine Sache) bezeichnet, dessen (deren) innerer Gehalt hinter seiner (ihrer) schönen äußern Form zurücksteht.

Amsterdamken, as ik dir noch ênmol so guamm, sullt du nêt völ behollen, sä de Feling, do harr he de 30 Gülden mitbrocht.
i] Der Westfälinger war auf seinem Hausierhandel bis Amsterdam gekommen, wo er für 30 Gulden seine Ware abgesetzt hatte, er fürchtete, wenn er noch einmal so viel Ware hinbringe, dass die Zahlungsmittel der Stadt erschöpft werden würden.

Amt adelt niemand.
[RSpW]
i] Nicht der Amtsbesitz führt zum Adel, sondern der Adel besitzt die Ämter. Die Rechte und Ämter, die der Adel besaß, erwarben sie durch den Geburtsstand, es waren Folgen, nicht Ursachen des Adels.

Amt bringt Ehre, aber die Tugend nicht immer Amt.
dk] Som ved amt erlangen ere, sau bör amt erlanges ved dyd.

Amt bringt Käppchen.

Amt bringt Samt.

Amt gibt Kappen(, sind's nicht Kappen, so sind's doch Lappen).
i] Der Ursprung dieses Sprichworts fällt nach den Berichten Grunar's in seiner 'Preussischen Chronik' in die Zeit des Hochmeisters Heinrich von Richtenberg, der von 1470-77, obwohl in großer Armut, regierte, da Preußen sich nach dem verderblichen dreizehnjährigen Kreige noch nicht erholt hatte. Diese Dürftigkeit drückte auch die Ordensbrüder, und oft war nicht einmal so viel Geld in der Kasse, dass ihnen die nötigen Kleider angeschafft werden konnten. Einer darunter, Matthias von Beybelen, bat den Hochmeister zu wiederholten malen um ein neues Kleid, zeigte ihm die zerrissenen Lappen, erhielt aber immer schlechten Trost. Auf fortgesetztes anhaltendes Bitten gab ihm endlich der Hochmeister das Amt, die Zinskäse von den Schäfern einzunehmen, wobei er bald so viel erwarb, dass er sich ein neues Kleid anschaffen konnte. Als sich nun viele über die schleunige Verbesserung seiner Umstände wunderten und ihn darum befragten, pflegte er zu antwowrten: Amt gibt Kappen. Diese Antwort wurde zum Sprichwort, auch außerhalb Preussens, und wird gebraucht von denen, welche bei geringer Besoldung sich Nebenzugänge zu verschaffen wissen)

Amt hat Würde, aber die Würde nicht stets das Amt.
dk] Som ambt besidder vaerdighed, burde vaerdighed besidder ambt.

Amt lehrt den Mann.

Amt macht verdammt.
i] Wenn es schlecht verwaltet wird.

Amt ohne Sold ist ein Schlüssel zu der Untertanen Gold.

Amt ohne Sold macht Diebe.
dk] Bestilling uden lön giver tyve.

Amt ohne Verstand gilt wenig im Land.
la] Est decor obtusus cui nullus competit vsus.
sd] Lithin makth aer vm then hedher aenghin dygdh fölgher.

Amt und Können sind nicht zur Last.

Amt und Person soll man unterscheiden wohl.

Amt und Werk zeigen an, was der Mann kann.
fr] L'office et la somme, monstreront quel soit l'homme.

Amt wird keinem zur Ehe gegeben, drum soll man's brauchen, weil man's hat.

Ämtchen bringen Käppchen,
Ämtchen bringen Läppchen,
Reißen oft die Kappen
Und das Kleid in Lappen.
Goethe (1749-1832), Zahme Xenien VIII

Ämtchen bringt Käppchen.
i] Mönche tragen Kapuzen, Bischöfe Mützen, Äbte 'Käppchen', Kardinäle Hüte, der Papst eine dreifache Krone. Jedes kleine Amt wirft Vorteile ab.
ndt] Alle Ämter gevt Kappen.
ndt] Empter geben Kappen.
nl] Het ambt geeft kappen.
fr] Il n'y a point d'emploi sans bénéfice.
fr] On ne peut manier le beurre, qu'on ne s'engraisse les doigts.
la] Quodlibet officium lucri pinguedine crassum.

Ämter geben Töpfe, aber keine Köpfe.
fr] Point de bénéfice sans charges.

Ämter geben Würde und Bürde.
[RSpW]
i] D. h. Rechte und Pflichten.
la] Capere (o. Tradere) provinciam. Plato

Ämter kommen oben, die Eheleute werden unten zusammengeschoben.
nl] Brui loften en officiën worden van den hemel toegeschikt.

Ämter machen wohl dicke Bäuche, aber keine vollen Köpfe.

Ämter sind Brunnen.
dk] Bestilling erne (em beder) ere guds, dog personnerne ere tis dievelens.

Ämter sind Gottes, die Amtleute des Teufels.

Ämter und Ehren stehen ihm an, wie dem Ochsen ein Sattel und dem Esel eine Bischofsmütze.

Ämter und Posten hängen nicht am Baum, aber am Schiebkarren (= Gönner).
nl] Ambten en posten hangen niet ann den boom, maar wel aan den kruiwagen.

Ämter und Zünfte müssen so rein sein, als wenn sie von den Tauben gelesen wären.
i] Wer in eine Zunft oder Gilde aufgenommen zu werden verlangt, darf nicht in Ansehung seiner Geburt, noch seines Lebenswandels beurteilt werden. Den Gedanken: Wer zu einem Amte gekommen ist, muss es nach Ehre und Würde desselben führen, drückten die Griechen in dem Sprichwort aus: Wer nach Sparta gekommen ist, schmückt es!
la] Spartam nactus est, hanc orna.

Ämter wären schon gut, wenn nur die Rechenschaft (o. das Rechnungslegen, Rechnungtun) nicht wäre.

Ämter, die besten, darben, tragen Stroh statt Garben.

Ämter, wobei die darben, die sie verwalten, sind Diebesanstalten.

Ämterlaufbahn
la] cursus honorum

Ämtle - Schlämple.
i] Schlamp = nachlässiges Tun oder Nebengewinn.

Amtleute geben dem Herrn ein Ei und nehmen dem Bauern (o. den Untertanen) zwei.

Amtleute haben die Schlüssel zu der Bauern Gelde.

Amtleute hüten wie der Fuchs die Gänschen, und richten wie der Wolf über die Schafe.

Amtleute kommen eher in Gefahr als ein Schiffmann.

Amtleute machen ein Loch auf und stopfen das andere zu.

Amtleute müssen klug sein.

Amtleute müssen manche Pille verschlucken.

Amtleute nehmen die Leilaken (Inletten) von einem Bette und decken sie aufs andere.

Amtleute nehmen von den Füßen und decken (schmücken) damit den Kopf.

Amtleute nehmen von einem Altar und schmücken damit den anderen.

Amtleute schneiden das beste Stück vom Tuch, Gott geb', dass dem Herrn zu einem Rock übrig bleibt.

Amtleute sollen den (o. die) Bauern hegen und nicht fegen, sich ihrer erbarmen und sie nicht verarmen, in der Not erfreuen, nicht mit Strafe bedräuen, ihre Arbeit ehren und nicht beschweren.

Amtleute und Pfleger,
Förster und Häger,
Schaffner und Jäger,
Schösser und Prokurator,
Verwalter und Kurator
haben nicht großen Lohn,
werden gleichwohl reich davon.

Amtleute und Schösser bauen schöne Schlösser.
z] Amtleute und Schösser (Zoll- und Steuerheber) bauen große Häuser und Schlösser, und kriegen doch wenig Sold, sind nicht treu noch hold, die Rechnung kann nicht fehlen, die Diebe müssen stehlen. Preußischer Hausfreund, Berlin 1810

Amtmann - verdammt man.

Amtmann Bär
Schickt mich her,
Ich sollte holen
Zwei Pistolen,
Eine für dich
Und eine für mich,
Ich bin ab
Und du noch nicht.
Abzählvers

Amtmänner kommen schwer in den Himmel.
z] Der Teufel war einst in einer Spielgesellschaft, da bekam er Nachricht, dass nächsten Tag ein Amtmann begraben werde.

Amtseid wird manchem leid.

Amtssessel.
la] sella curulis

Amul hot a Meisel a Heisel.
Jüdisch-deutsch, Brody
hdt] Manchmal hat ein Mäuslein ein Häuslein.
i] Wenn sich jemand auf unbedeutende Dinge viel einbildet. In Warschau auch, um ein gewisses Siegesgefühl darüber auszudrücken, dass man endlich in den Besitz einer Sache gelangt ist, die man lebhaft gewünscht hat; so wie etwa die Maus stolz auf ihr Loch ist, das zu ihrer Wohnung führt.

Amüsiere dich, denn es gibt nichts in der Welt, dass wir unser Eigen nennen können.
Malta

Amyris ist wahnsinnig.
i] Dies altgriechische Sprichwort wurde gebraucht, wenn einer allein eine Gefahr voraussah und sich deshalb bei Zeiten in Acht nahm, andere ihn aber deswegen zum Narren hielten, bis sie endlich ihren Schaden einsahen, dass sie Narren gewesen. - Amyris, ein Sybarite, war von seinen Landsleuten nach Delphis geschickt worden, um das Orakel zu fragen, wie lange sie sich ihres glücklichen Zustandes zu erfreuen haben würden, worauf er die Antwort erhielt: so lange, bis sie würden anfangen die Menschen mehr als die Götter zu ehren. Als Amyris glaubte, dass ein solcher Fall eingetreten sei, packte er seine Sachen zusammen und zog fort, die Sybariten nannten ihn wahnsinng, mussten aber erfahren, dass ihn ein richtiger Blick dem Unglück zu rechter Zeit entzogen habe.

An (seidenem) Faden hängen
la] pendere filo

An Aegidius man säen muss.
Masuren
pl] Jelzi, si ac wygelziij

An Agathe (10.1.) Sonnenschein bringt viel Korn und Wein.

Än äht versöfn seng.
Siebenbürgen/Sachsen
i] In etwas ersoffen sein, tief darin stecken

An Ai is an Ai, sad thi Pruwst, man hi greab doch efter at gratst.
Föhr
hdt] Ein Ei ist ein Ei, sagte der Propst, aber er griff doch nach dem größten.
i] Man will damit sagen, dass Geistliche wohl die Eitelkeit und Verachtung irdischer Güter predigen, aber da, wo es Gelegenheit zum Zulangen gibt, gerade nicht blöde sind

An Akschen (Eigensinniger) fallt in der Blote herein.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Blote = Polota, polnisch = Strassenkot. Das gewöhnliche Los des Eigensinnigen ist, dass er sich beschädigt, zu Nachtheil kommt, den Kürzern zieht

An Albertus Sonne, im Winter wenig Wonne.
Bauernregel

An Albertus Sonnenschein, tritt ein harter Winter ein.
Bauernregel

An allem ist zu zweifeln.
i] Wahlspruch von Karl Marx
la] De omnibus dubitandum.

An allem Ort und Ende
Soll der gesegnet sein,
Den Arbeit seiner Hände
Ernähret still und fein.
Friderici Ehren-Liedlein (1614), Familiengemälde

An allen Ecken und Enden.

An allen Gliedern zittern.
i] Von sehr Furchtsamen

An allen Instrumenten sind die Männer begabt, nur das Instrument der Treue bereitet ihnen Schwierigkeiten.
Kroatien

An allen orten dieser welt wirdt Gottes macht uns fürgestellt.
la] Omnis in orbe locus, fert Deitatis opus

An allen Orten ist gut leben.

An allen Türen anbossen.

An Allerheiligen (1.11.) sitzt der Winter auf den Zweigen.

An Allerheiligen geh' in den Wald,
nimm von der Birke einen Span,
und da siehst du es ihm gleich an,
ob der Winter warm ist oder kalt:
Ist der Span trucken,
wird ein warmer Winter anrucken,
aber ist er naß genommen,
wird ein kalter Winter kommen.

An Allerheiligen sitzt der Winter auf den Zweigen.
Bauernregel

An Allerheiligen Sonnenschein, tritt der Nachsommer ein.
Bauernregel

An alles kommt ein Ende außer an Frauenarbeit und und Qual in der Hölle.

An Allmende graben, die da frieden.
[RSpW]
i] Das Privateigentum musste von der Allmende nicht bloß durch einen Zaun, sondern auch durch einen neben dem Zaun gezogenen Graben geschieden sein, den der Privatbesitzer ziehen musste. Frieden - die Grenzen so klar stellen, dass kein Streit zwischen Nachbarn entstehen kann

An alta Hahn und an alta Mann sind um fünf Kreuzer gnue.
Oberösterreich
i] Teuer genug bezahlt

An alte Drênl.
i] Von drehen (kreisen). Eine alte Weibsperson, welche viele Jahre in einem Hause sich geschäftig umherbewegt hat

An alte Hiebe muss man nicht denken.
i] Alte Hiebe schmerzen aufs neue, wenn man ihrer gedenkt

An alte Scherben sein.
Oberösterreich
i] So werden wohl alle gebrechliche Leute in Oberösterreich genannt

An alte Schuh' is alsfort zu flicke'!
Jüdisch

An altem Kessel beschmeisst man sich gern.

An altem Kuhfleisch ist viel Kochens.

An altem Kuhfleisch kocht man lange (ist lange Kochens).
i] In schwierigen, verwickelten Angelegenheiten ist lange zu beratschlagen

An alten Flinten, die nicht schießen, fehlt es nicht.

An alten häfen (Kesseln) und schälcken ist alls waschen verlorn.

An alten Häfen ist alles waschen, purgieren oder arzneien verloren.

An alten Häfen und Schälken ist das Waschen verloren.

An alten Häusern und alten Weibern ist stets was zu flicken.

An alten Hunden ist Chrisam und Tauff verloren.

Deutsche Sprichwörter
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