<<< Weisheiten 0015 >>>

Ach! wer doch wieder gesundete!
Welch unerträgliche Schmerzen!
Wie die Schlange, die verwundete,
Krümmt sichs im eignen Herzen.
Goethe, Zahme Xenien VIII

Ach! wie süß träumt man die frühen Stunden,
Wo man von der Mutterliebe lebt.
Körner, Wiegenlied

Ach! wie unbedeutend erscheint dem Menschen in leidenschaftlichen Augenblicken alles, was ihn umgibt, alles, was ihm angehört!
Goethe, Lehrjahre VIII,2

Ach! zwei liebende Herzen, sie sind wie zwei Magnetuhren, was in der einen sich regt, muss auch die andere mitbewegen, denn es ist nur eins, was in beiden wirkt, eine Kraft, die sie durchgeht.
Goethe, Lehrjahre I,17

Ach!, der Gott in uns ist immer einsam und arm. Wo findet er alle seine Verwandten? Die einst da waren und da sein werden? Wann kommt das große Wiedersehen der Geister? Denn einmal waren wir doch, wie ich glaube, alle beisammen.
Friedrich Hölderlin, Fragment von Hyperion

Ach, alle diese Schriftsteller besitzen nichts als Geist und Kunstfertigkeit.
Voltaire, Der ehrliche Hurone

Ach, allzu lästig scheint, ich weiß es wohl,
Uns unwillkommne Hilfe! Sie erregt
Nur innern Zwiespalt.
Goethe, Natürliche Tochter A IV Sz 3 (Gerichtsrat) Vs 2258

Ach, als ich noch kein Spitzel war,
Welch kreuzerbärmlich Los!
Dreitausend Reichsmark jedes Jahr,
Das macht sich ganz famos.
Karl Henckell, Lockspitzellied

Ach, an der Erde Brust
Sind wir zum Leide da!
Goethe, Faust I, Nacht (Chor der Jünger) Vs 791

Ach, armer Yorik.
i] Hamlets Ausruf aus Akt V, Szene 1
en] Alas, poor Yorik.

Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden!
Ach, wie fühlt ich mich beglückt!
Schiller, Sehnsucht

Ach, Corydon, Corydon, wie hat ein Wahn dich ergriffen!
la] Ah, Corydon, Corydon, quae te dementia cepit.

Ach, da ich irrte, hatt' ich viel Gespielen;
Da ich dich kenne, bin ich fast allein.
Goethe, Gedichte, Zuneigung (Es handelt sich um die Wahrheit)

Ach, damals, wie oft habe ich mich mit Fittichen eines Kranichs, der über mich hinflog, zu dem Ufer des ungemessenen Meeres gesehnt, aus dem schäumenden Becher des Unendlichen jene schwellende Lebenswonne zu trinken und nur einen Augenblick, in der eingeschränkten Kraft meines Busens, einen Tropfen der Seligkeit des Wesens zu fühlen, das alles in sich und durch sich hervorbringt.
Goethe, Werther 1. Buch, 18. August

Ach, das Fieber ist keine Krankheit, aber die Eifersucht ist eine.
Afrika
ho] Wat de liefde niet ziet, dat grijpt ze.

Ach, das Gefühl auf Kamelrücken gewiegt zu werden! Vor sich einen ganz roten Himmel, ganz braunen Sand, einen flammend hingestreckten Horizont, gewelltes Gelände.
Gustave Flaubert, November

Ach, das ist das Schöne an der Jugend, dass sie mit ebensoviel Hoffnungen operiert wie das Alter mit Erinnerungen...
Suttner, Lebenserinnerungen

Ach, das Leben des Menschen ist, wie jeder Strom, bei seinem Ursprunge am höchsten. Es fließt nur fort, indem es fällt - In das Meer müssen wir alle. Wir sinken und sinken, bis wir so niedrig stehen, wie die andern, und das Schicksal zwingt uns, so zu sein, wie die, die wir verachten.
Kleist, an Adolfine von Werdeck, 28. 7. 1801

Ach, das waren noch Zeiten, als ich noch alles glaubte, was ich hörte.
G. Chr. Lichtenberg

Ach, dass der Liebesgott, so mild im Scheine,
So grausam in der Prob' erfunden wird!
en] Alas that love, so gentle in his view,
Should be so tyrannous and rough in proof!
Shakespeare, Romeo und Julia I,1

Ach, daß der Liebesgott, trotz seinen Binden,
Zu seinem Ziel stets Pfade weiß zu finden!
en] Alas that love, whose view is muffled, still
Should without eyes see pathways to his will!
Shakespeare, Romeo und Julia I,1

Ach, dass der Mensch so häufig irrt und nie recht weiß, was kommen wird.
Wilhelm Busch

Ach, dass der Mensch so häufig irrt
Und nie recht weiß, was kommen wird!
Wilhelm Busch. Zu guter Letzt

Ach, dass der Trug so holde Bildung stiehlt
Und Bosheit mit der Tugend Larve deckt!
en] Ah! that deceit should steal such gentle shapes,
And with a virtuous vizard hide deep vice!
Shakespeare, König Richard III. II, 2

Ach, dass der Unbestand immer das Lieblichste bleibt!
Goethe, Weissagungen des Bakis, Nr. 20

Ach, dass die Einfalt, dass die Unschuld nie
Sich selbst und ihren heilgen Wert erkennt!
Goethe, Faust I, Garten (Faust) Vs 3102

Ach, dass die innre Schöpfungskraft
Durch meinen Sinn erschölle!
dass eine Bildung voller Saft
Aus meinen Fingern quölle!
Goethe, Künstlers Abendlied

Ach, dass die Menschen so unglücklich sind!
Gewiss, ich will für ihn manch Requiem noch beten.
Goethe, Faust I, Der Nachbarin Haus (Margarete) Vs 2941

Ach, dass die Stolzen müssten zuschande werden!
Psalm 119, 78

Ach, dass ein Herz von Frühlingswonne
Stets träumt, wenn ihrer es entbehrt!
Grün, Der letzte Ritter

Ach, dass es doch wie damals wär'!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her.
A. Kopisch, Die Heinzelmännchen

Ach, dass Gewerb und Pflicht uns dazu treiben!
Mit wieviel Schmerz verlässt man manchen Ort
Und darf doch nun einmal nicht bleiben!
Goethe, Faust I, Garten (Mephisto) Vs 3086

Ach, dass hienieden nichts dauert, dass das plötzliche Ende desto bittrer ist, je süßer uns die Freude dünkte!
Francesco Petrarca, Petrarca über sich selbst

Ach, dass ich meine armen Kinder so geschlagen, klagte der Bauer, und sie waren des Pfaffen.

Ach, dass ich nicht vergessen mag,
Wie einstens froh die Leute waren!
Froh konnt ein Froher sich gebaren,
Entgegenjauchzt sein Herze wonniglicher Zeit!
Soll das nimmermehr geschehn,
Dann schmerzt mich's, dass ich's je gesehn.
Walther von der Vogelweide

Ach, dass man nicht der Wege zwei zugleich Begehen kann! Indem wir diesen wandern,
Bleibt jener; und auch dieser schien uns gleich,
Weil wir zu sehnlich dachten an den andern.
Johann Georg Fischer, Hüben und Drüben

Ach, dass wir doch, dem reinen stillen Wink
Des Herzens nachzugehn, so sehr verlernen!
Ganz leise spricht ein Gott in unsrer Brust,
Ganz leise, ganz vernehmlich, zeigt uns an,
Was zu ergreifen ist und was zu fliehn.
Goethe, Tasso A III Sz 2 (Prinzessin) Vs 1670f.

Ach, dass wir Menschen nicht, wie die Waldvögelein,
Ein jeder seinen Ton mit Lust zusammen schrein!
Angelus Silesius, Der cherubinische Wandersmann

Ach, dem Landmann ist ein Gatte unentbehrlich. Der Städter mag seiner entbehren, ich will es glauben, das Geräusch der Stadt kann seine geheimen Wünsche unterdrücken, er lernt das Glück nicht vermissen, das er entbehrt. Aber der Landmann ist ohne Gattin immer unglücklich.
Heinrich von Kleist, an Ulrike von Kleist, Mai 1799

Ach, den Lippen entquillt Fülle des Herzens so leicht!
Goethe, Römische Elegien XX

Ach, der Kön'ge hartes Schicksal,
Dass, wenn man sie nicht mehr fürchtet,
Dann nur ihnen Wahrheit spricht! ...
Auch zu andern, andern Zeiten
Sagt man ihnen wohl die Wahrheit;
Aber sie, sie hören nicht.
Herder, Cid, II, 32

Ach, der Liebesschmerz ist der einzige Liebhaber so mancher stillen Mädchenseele...
Gotthelf, Anne Bäbl Jowäger

Ach, der Tugend schöne Werke,
Gerne möcht' ich sie erwischen,
Doch ich merke, doch ich merke,
Immer kommt mir was dazwischen.
Wilhelm Busch, Kritik des Herzens

Ach, der unselige Ehrgeiz, er ist ein Gift für alle Freuden.
Heinrich von Kleist, an Wilhelmine von Zenge, 10. Oktober 1801

Ach, des Geistes wurde ich oft müde, als ich auch das Gesindel geistreich fand!
Nietzsche, Zarathustra, II, Vom Gesindel

Ach, des Himmels Gründe,
Sandbänke sind sie gegen dieses Auges Tiefen!
Christ. Dietr. Grabbe, Don Juan u. Faust (1829), A. 2, Sz. 1 (Faust)

Ach, des Lebens schönste Feier
Endig auch den Lebensmai,
Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
Reisst der schöne Wahn entzwei!
Schiller, Lied von der Glocke

Ach, die bleiche Wintersonne! Sie ist traurig wie eine glückliche Erinnerung.
Gustave Flaubert, November

Ach, die Elenden, die Kriege führen!
Lukan, Der Bürgerkrieg

Ach, die Erde kühlt die Liebe nicht.
Goethe, Die Braut von Korinth

Ach, die meisten Menschen sind nicht geeignet, nichts zu machen!

Ach, die Menschen sind gar zu albern, niederträchtig und methodisch absurd, man muss so lange leben als ich, um sie ganz verachten zu lernen.
Goethe, F.v.Müller, 11.6.1822

Ach, die Schande, die brennt nur kurz, die Wunde verheilt und tut nicht weh, wenn das Mal auch in Ewigkeit bleibt.
Kraszewski, Gräfin Cosel

Ach, die Welt ist Sterbenden so süß.
Schiller, Elegie auf den Tod eines Jünglings

Ach, die Welt wurde für Männer geschaffen, nicht für Frauen.
Wilde, Eine Frau ohne Bedeutung

Ach, die zärtlichen Herzen! ein Pfuscher vermag sie zu rühren,
Sei es mein einziges Glück, dich zu berühren, Natur!
Goethe, Venezianische Epigramme 77

Ach, diese Armut der Seelen zu zweien! Ach, dieser Schmutz der Seelen zu zweien! Ach, dieses erbärmliche Behagen zu zweien! Ehe nennen sie dies alles, und sie sagen, ihre Ehen seien im Himmel geschlossen.
Friedr. Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Ach, diese dumme Gefälligkeit, sobald jemand was will, sagt man ja.
Franziska Gräfin zu Reventlow, Tagebücher

Ach, diese lange tiefe Qual,
Wie dauert sie auf Erden!
Goethe, Sehnsucht

Ach, du armer Zoale.
Schlesien
i] Rufen Frauen aus beim Anblick eines kleinen, sehwächlichen Kindes. Auch Ausdruck des Mitleidens und Erbarmens frierender Bettelkinder.

Ach, du kriegst 'n Dot in de Woten (Waden).
Ukermark
i] Ausruf des Schreckens.

Ach, du liebe Rute, du tust mir viel zu Gute.
i] Aus einer 1540 unter dem Titel: Von den sieben bösen Geistern, welche Küster und Dorfschulmeister regieren, erschienenen Schrift.

Ach, du lieber Augustin, alles ist hin!
Stock ist hin, Rock ist hin, Madl ist hin, Geld ist hin!
Ach, du lieber Augustin, alles ist hin!
Wiener Gassenhauer

Ach, du lieber Gott, gib unserm Herrn ein'n sel'gen (o. bald'gen) Tod, auf dass uns bleibt ein Bissen Brot.

Ach, du meine Güte!
i] Ausruf des Erstaunens, Güte = Gott.
berlinisch] Ach, du dicker Vater! (mit dem Zusatz: Hast du dünne Kinder!). - Ach, du dicke Eiche!

Ach, du, mein Ludewig, komm her und nudle mich.
Pommern

Ach, dürft ich fassen
Und halten ihn
Und küssen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen Küssen
Vergehen sollt!
Goethe, Faust I, Gretchens Stube (Gretchen) Vs 3408

Ach, dus is a Schmückler.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Bortenmacher, Posamentier. Euphemistisch für Schwindler, der seine Worte drehen und wenden kann, wie es ihm sein Vorteil gebietet, ungefähr wie die Bortenmacher mit den seidenen Schnüren verfahren.

Ach, einem Mädchen zu traun,
Ist eitel Torheit.
L. da Ponte, Figaros Hochzeit, IV, 22 (Figaro)

Ach, es geschehen keine Wunder mehr!
Schiller, Die Jungfrau von Orleans

Ach, es ist der Erde Los
Blühen, tragen und zerfallen.
Just. Kerner, Vom morschen Baum

Ach, es ist niemandem erlaubt, auf die unwilligen Götter zu vertrauen!
Vergil, Aeneis

Ach, es ist so dunkel in des Todes Kammer,
Tönt so traurig, wenn er sich bewegt
Und nun aufhebt seinen schweren Hammer
Und die Stunde schlägt.
Claudius, Der Tod

Ach, es ist zu spät' sagte die Frau, da ging sie der Knecht beim Leichenzug ihres Mannes um die Heirat an.

Ach, es muss öde und leer und traurig sein, später zu sterben als das Herz - aber noch lebt es.
Heinrich von Kleist, an Caroline von Schlieben, 18. Juli 1801

Ach, es war nicht meine Wahl!
Schiller, Die Jungfrau von Orleans IV, 1

Ach, flüchtig entgleiten die Jahre!
la] Eheu fugaces, Postume, Postume, labuntur anni.
Horaz, Oden

Ach, Freundchen, rede nicht so wild,
Bezähme deine Zunge!
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
Kriegt augenblicklich Junge.
Wilhelm Busch, Schein und Sein: Niemals

Ach, goldne Ruhe, kehre wieder!
Schikaneder, Mozart: Die Zauberflöte, II, 19

Ach, hätt ich fleißiger studiert,
Dem Wein entsagt, der Lust am Weibe,
Gesitteter mich aufgeführt,
Gesichert wären Bett und Bleibe.
Villon, Das Testament

Ach, hätte die Welt nie von Gott gewußt, sie würde glücklicher sein!
Karl Gutzkow, Vorrede zum Neudruck von Schleiermachers Briefen über Schlegels Lucinde

Ach, Herr Pastor, ich verlange nichts dafür, sagte das Mädchen, als er sie fragte, was sie mit ihren Sünden verdient habe.

Ach, himmlischer Gott, was schwindelt man sich alles vor, wenn es ein wenig Frühling ist, sogar, dass die Menschen nicht entsetzlich wären.
Franziska Gräfin zu Reventlow, Tagebücher

Ach, ich Armer!
la] Vae misero mihi!

Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede, komm', ach komm' in meine Brust!
Goethe, Wandrers Nachtlied

Ach, ich bin gelaufen, gelaufen und hingefallen, wieder aufgestanden, umgeworfen, wieder aufgesammelt, bis ich da angekommen bin, wo mein Ziel anfängt.
Franziska Gräfin zu Reventlow, Tagebücher

Ach, ich fühl es wohl, wir scheiden
Kaum so schwer von wahren Freuden
Als von einem schönen Traum.
Grillparzer, Ahnfrau, II

Ach, ich fühl es! Keine Tugend
Ist so recht nach meinem Sinn; - Stets befind ich mich am wohlsten,
Wenn ich damit fertig bin.
Dahingegen so ein Laster,
Ja, das macht mir viel Pläsir;
Und ich hab die hübschen Sachen
Lieber vor als hinter mir.
Wilhelm Busch, Kritik des Herzens

Ach, ich habe sie verloren!
Gluck, Orpheus und Eurydike

Ach, ich kann es nicht erreichen,
Und das Herz bleibt ungestillt.
Schiller, Jüngling am Bache

Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!
Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Goethe, Der Zauberlehrling

Ach, ich sah den Himmel offen
Und der Sel'gen Angesicht!
Doch auf Erden ist mein Hoffen,
Und im Himmel ist es nicht!
Schiller, Die Jungfrau von Orleans IV, 1

Ach, ihr Götter! große Götter
In dem weiten Himmel droben!
Gäbet ihr uns auf der Erde
Festen Sinn und guten Mut,
O wir ließen euch, ihr Guten,
Euren weiten Himmel droben!
Goethe, Menschengefühl

Ach, in der Ferne zeigt sich alles reiner,
Was in der Gegenwart um nur verwirrt.
Goethe, Tasso A IV SZ 2 (Leonore) Vs 2402

Ach, irdische Größe erlischt wie ein Traum.
Lortzing, Zar und Zimmermann

Ach, Lieb und Treu ist wie ein Traum,
Ein Stündlein wohl vor Tag.
Mörike, Ein Stündlein wohl vor Tag

Ach, Liebe, du wohl unsterblich bist!
Nicht kann Verrat und hämische List
Dein göttlich Leben töten.
Goethe, Der Müllerin Reue

Ach, lieber Herr,
Das Wasser schmeckt mir gar nicht sehr,
Dieweil darin ersäufet sind
All sündhaft Vieh und Menschenkind.
Kopisch, Historie von Noah

Ach, lieber Jänner, sei doch recht kalt und mach' einen Fenner bei Jung und Alt.
Wohlau

Ach, liebste Madam Ludewig, ne, so was dut der Peter nich.
Stettin

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