<<< Deutsche Sprichwörter 0010 >>>

Aet es gôt, dat kot Köh stuppe Höere hant.
Düren
hdt] Es ist gut, dass böse Kühe stumpfe Hörner haben.

Aet es kê Pöölche su klôr, of (oder) ät mührt (trübt) sich alt ens.
Düren
i] Pöölche = Pfühlchen, Pfützchen. Von Pool (Pôl) stehendes vom Land eingeschlossenes, kleines Wasser: hochdeutsch Pfuhl (Pfütze, Sumpf).

Aet es kêne Mann äsu gôt, of 'â hät 'ne Wolfzank onger dem Hôt.
Düren
i] Es ist kein Mann so gut, er hat einen Wolfszahn unter dem Hut.

Aeten (Essen) unn Drinken holt Liw un Seel tosamen, bäter as'n isern Band.

Aever't ganze Lîv (Leib) gahn laten.
i] Einen Verweis oder eine Strafe abschütteln.

Af den oalde Kaiser lôs lîwen.
Siebenbürgisch-sächsisch

Af der Hochzet wêch Brît, nô der Hochzet Koamer uch Nît.
Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Auf der Hochzeit weißes Brot, nach der Hochzeit Kummer und Not.

Af det Doach (Dach) klôpen.
Siebenbürgisch-sächsisch
i] Anspielung machen, auf den Strauch schlagen.

Af Mutters Fülli rite.
Luzern
i] Zu Fuß gehen.

Aff zwee Beenen wie die Gänse.
Hirschberg
i] Antwort auf die Frage, wie jemand hergekommen sei.

Affe bleibt Affe, auch wenn er goldenes Geschmeide trägt.
Altgriechisch

Affe, was hast du für schöne Jungen!
i] Ironische Bewunderung von hässlichen Kindern und widerwärtigen Taten.

Affekte hindern Herz und Mut, dass man nicht sieht, was recht und gut.

Affekte sind böse Ratgeber; in Gerichts- und Ratsstuben muss man sie in den Winkel stoßen.

Affekten regieren das ganz Hauss eines Menschen, und haben zu Dienern alle Sinn und Glieder.

Affekten und Begierden sind wie Zunder, glimmen und brennen von einem Wort, und hilft kein habitus darvor.

Affekten und Leidenschaften unterworfen zu sein, ist wohl immer Krankheit des Gemüts; weil beides die Herrschaft der Vernunft ausschließt.
Immanuel Kant, Anthropologie in moralischer Hinsicht

Affel (so viel) ond e Chrätli voll. Appenzell
i] Chrätli = kleiner, milchtopfförmiger Korb, den die Kinder beim Beereneinsammeln gebrauchen. Eine Redensart, die nichts heißt; als: 'so viel', und die man nur als scherzhafte Zugabe beim Geben oder Bezeichnen gebraucht, oder als Antwort auf die Frage: Wie viel? anwendet, wofür auch die Redensart: Sibezähni und es Chrättli voll, üblich ist. Man hat in der Schweiz fast auf jedes Fragewort derartige sprichwörtlich gewordene Antworten; a.a.O. findet sich eine Zusammenstellung der dort üblichen Fragen mit den Redensarten und Ausdrücken, die als Erwiderungen im Volksmunde gebraucht zu werden pflegen: Wie? Chrüzwiis und überzwerch. Wie wît? Bis in alten Kaiser in Basel. Wie alt? Der Kopf ist so alt as es F., und 's F. het noch nie zehnet. Warum? Nienerum. Asdorum. Wenn i pfîfe so chumm. Auch: Vo wäge vui und nesba. Worom? Wägen Färber im Schönagrond.

Affen aufm hohen Baum machen sich so wercklich, das die zuseher lachen müssen.

Affen ausnehmen.
i] Etwas Törichtes unternehmen.

Affen bleiben Affen, wenn man sie auch in Sammet kleidet.

Affen bleiben Affen, wenn man sie auch in Seide, Sammet und Scharlach kleidet.
i] Die geschmückte Außenseite macht keinen Unwürdigen achtungswert. So, sagt Erasmus, bleibt ein Weib ein Weib, was für eine Rolle sie auch immer spiele.

Affen brauchen nicht auf reife Zwetschgen zu warten.

Affen des gleichen Alters spielen zusammen.
Kongo

Affen fängt man in Stiefeln und hängt sie dann an Ketten.

Affen fängt man mit großen Bundschuhen.
i] Bundschuh heißt auch Verschwörung.

Affen fängt man nicht mit Stricken.
i] Von Schlauen, die sich nicht auf plumpe Weise bestricken lassen.
la] Simia non capitur laqueis.

Affen feil haben.
i] Maulaffen feil halten.

Affen können wohl Menschengebärden nachtun, aber nicht den Verstand.

Affen machen alles nach.

Affen pflücken die Früchte gemeinsam.
Liberia

Affen pflücken mit Affen Obst.
Liberia

Affen scheren.

Affen sind Affen, wenn sie auch Chorröcke anhaben (o. tragen).

Affen sind nie tierischer, als wenn sie Menschenkleider tragen.
England

Affen und Esel lieben ihre Jungen am meisten.

Affen und gaffen.

Affen und Pfaffen frei sind der Strafen.

Affen und Pfaffen lassen sich nicht strafen.

Affen und Pfaffen machen viel zu schaffen.

Affen und Pfaffen.

Affen und Pudel lassen sich nur einmal (auf dieselbe Weise) anführen.

Affen unter sich lachen über des anderen tiefe Augenhöhlen.
Bantu

Affen verspotten sich gegenseitig.
Simbabwe

Affen warten nicht auf reife Früchte.
Simbabwe

Affen weisen.

Affen wissen, wie man auf Bäume klettert.
Trinidad/Tobago

Affen zu Affen und Meerkatzen zu Meerkatzen.
i] Auf der früheren Unterscheidung von Affen und Meerkatzen beruhend.

Affen, Frauen, trunkner Mann, kein Ding lang heimlich halten kann.

Affenartige Beweglichkeit.
i] Wurde dem Preussischen Heere Ende Juni 1866 von der Wiener Zeitung Die Presse zum Vorwurf gemacht. Sehr häufig wird der Ausdruck in affenmäßige Geschwindigkeit verändert.

Affenartige Geschwindigkeit

Affengeil.
i] Jugendsprache = 'sehr gut'. Mittelhochdeutsch 'geil' = froh.
en] Right on. - Safe. - Wicked - Ace - Magic - Cool - Brill - Fucking brilliant. - Really really good.

Affenmäßige Geschwindigkeit.

Affenrat und Buhlerwerk treibt der Aff' von Heidelberg.

Affenrespekt (vor jemandem) haben.
i] Sehr wenig, da der Affe ein possierliches, lächerliches Tier ist.
la] Non pluris quam simias.

Affenschmeer haben.
i] Allerhand Täuschungsmittel, Überredungskünste besitzen und anwenden.

Affenvolk hört keinen Rat, es komm' ihm denn ein großer Schad'.

Äffst du mich, so äff' ich dich.
en] Claw me and I'll claw thee.

Afgunst (Abgunst) der lüde kann nich schaden, watt Gott will det mot wohl geraden.
Hildesheim

Aflâte (ablassen) kömmt ömmer tomât.
Königsberg
i] Im Handel gilt es auf hohe Preise zu halten, ablassen kann man stets.

Afn Hund keme.
Oberösterreich

Afoh (= Anfangen) ist gut, aber höre (= aufhören) no besser.
Luzern

Afrika bringt immer etwas Neues.
i] Auf Neuigkeitskrämer, die seltsame, aber oft unglaubliche Dinge auftischen. Weil man früher aus diesem Erdteile, als dem unbekanntesten, die fabelhaftesten Dinge erzählte.
la] Ex Africa semper aliquid novi.

Afrika fängt bei den Pyrenäen an.
Spanien
i] Man will dadurch die Unkenntnis schildern, die im übrigen Europa über die inneren Zustände Spaniens, die für uns gleichsam afrikanisch sind, herrscht.
Danach gebildet: Der Balkan fängt hinter Wien an.

Af's Gassel gian.
Tirol
i] Nächtliche Besuche bei der Geliebten abstatten - fensterln.

Af't Hierdâk (Herdecke) schlôn.
Siebenbürgisch-sächsisch
i] Ein Gericht (Essen) herbeizaubern.

Afterei, Murren und Zorn über Tisch sich nicht gehor'n.

Afterred' und Zorn gehören sich nicht über Tisch.
i] Über die Beherrschung des Zorns.

Afterreden - böse (schlimme) Reden.

Afterreden erschüttern einen Weisen nicht.

Afterreden hat alle Zungen vergiftet.

Afterreden heißt in Gottes Gericht greifen.

Afterreden und Zorn gehören sich nicht über Tisch.

Aftersprache und Hinterrede haben großen Schaden gemacht.

Afwäselong mot sên, sät Ülespêjel, do kitel den 'n (kitzelte er) sin Jro'smoder möt de Misjafel.

Âfwäselong mot sên, sät Ülespêjel, do kitel den 'n (kitzelte er) sin Jro'smoder möt de Misjafel.

Agathe (5.2.), unsere Gottesbraut, die macht, dass Schnee und Eis wegtaut.

Ägidi Dâg (1.9.), gud on städ, e guden Hörbsd vorsäd.
Trier

Ägidius (1.9.) Regen kommt ungelegen.

Ägidius Regen kommt ungelegen.
Bauernregel

Agitator: Politischer Weichmacher.

Agtreagi un Pisel, an delfal un Bussam.
Nordfriesland
hdt] Die Treppe hinaufsteigen im Pisel (d.i. dem zweiten Wohnzimmer im friesischen Wohnhause) und herunterfallen in den Stall.
i] Wer hoch hinauswill, wer aus Hochmut nach eiteln Dingen strebt, fällt schnell und schimpflich.

Ägypten ist für den, der hin will, nicht weit.
Arabien

Ägyptische Finsternis.
dk] Egypti mørk.
la] Cimmeriae tenebrae.

Ah Attrapé, Musje Schwarzsauer.
i] Halt, Musje Schwarzsauer. Die Redensart findet ihre Erklärung in der Anekdote von einem französischen Soldaten, welchem von seinem deutschen Quartiergeber eine im Keller aufbewahrte Neige Schwarzsauer mit Klößen u.s.w., wohinein sich aber eine Kröte verlaufen hat, vorgesetzt wird. Während der Franzose von diesem ihm wunderbaren Gerichte speist, versucht die Kröte zu entwischen, die er aber mit dem obigen Ausruf durch den Löffel zurücktreibt. Die Redensart wird scherzhaft angewandt, um jemanden zurückzuhalten.

Ah, da bitt' ich um eine Abschrift.
i] Damit protestiert der Wiener gegen irgendeine starke Zumutung.

Ah, da legst dich nieder.
Wien
i] So heißt es bei einer Erzählung, welche die Hörer in Erstaunen versetzt.

Ah, meine Tochter, wenn du alle Schwierigkeiten der Ehe kennen würdest, würdest du keinen Mann nehmen.
Indianer

Ah, meine Tochter, wenn du alle Vergnügungen der Ehe kennen würdest, hättest du schon längst einen Mann genommen.
Indianer

Aha, das ist ein ander Korn, sagt der Müller, hat in ein Mausbemmerl bissen.

Ahin ün, aher ün, in der Mitt a Loch.
Warschau
i] Etwa in dem Sinne wie unser hochdeutsches: Viel Geschrei und wenig Wolle.

Ahn hengers dank.
i] Ohne jemandes Dank, unnützerweise. Henker gehört zu den Glimpfformen unserer Sprache und steht hier als Verhüllung für Teufel. Ausdrücke und Redensarten, in denen Henker in dieser Weise vorkommt: Zum Henker! Zuem Henker au! Bîm Henker! Was Henkers au! D'r Deihenker! (Dei = Teufel.) Ei d'r Deihenker! Was Deihenkers! Pfi Deihenker! Potz Deihenker! Bîm (zuem) Deihenker! 'S Deihenkers Dank (für Teufels Dank, auch bloß Henkers Dank).
mhd] Ane dank.

Ahnenstolz und Bauernstolz sind Geschwisterkinder.

Ähnlich wie ein Quarksack dem ungemachten Käse.
v] Blaw als der himmel in einer farb. Brennt wie feuer. Brinnt wie strow. Dürr als im Sommer. Faul als ein Esel. Frässig als ein Wolff. Fortschnell als ein Hass. Glitzend als ein schmid vor Tage. Gifftig als eine Schlang. Grymmig als ein Löw. Hochfartig als ein Pfaw. Hurtig als ein Affe. Kalt wie eiss. Keusch als eine Turteltaube. Listig als ein Fuchs. Neidig als ein Hund. Rauch als der mertz. Richig als ein Beer. Sänfft als der Mey. Vnkeusch als ein Spatz. Unstät als das Wetter im Aprill. Vergleicht sich wie wyss und schwartz. Wüst als eine Saw. Zerschmilzt wie schnee.' Ferner: 'Bitterer weder ein gall. Gelber dann ein saffran. Grüner dann grass. Harter dann stein. Liechter weder die Sonn'. Rötter dann Blut. Schwärtzer dann ein kol. Süßer weder Honig. Vester dann ein maur. Vinsterer weder die nacht. Weycher dann wachs. Weisser denn schnee.

Ähnlicher als eine Feige der anderen.
i] Im Scherz von sehr ähnlichen Dingen.
la] Similior ficu.

Ähnliches Sprichwort in Deutschland: Jeder strecke sich nach seiner Decke.)
Syrien

Ähnlichkeit ist nichts anderes als Wiederkehr.

Ahnungslosigkeit ist eine gute Waffe.

Ähre auf Ähre gibt auch Brot.

Ährenleser küren nicht (o. sind nicht kürisch).
fr] Celui ne choisit pas qui glane.

Deutsche Sprichwörter
0001 0002 0003 0004 0005 0006 0007 0008 0009 0010 0011 0012 0013 0014 0015 0016 0017 0018 0019 0020 0021 0022 0023 0024 0025 0026 0027 0028 0029 0030 0031 0032 0033 0034 0035 0036 0037 0038 0039 0040 0041 0042 0043 0044 0045 0046 0047 0048 0049 0050 0051 0052 0053 0054 0055 0056 0057 0058 0059 0060 0061 0062 0063 0064 0065 0066 0067 0068 0069 0070 0071 0072 0073 0074 0075 0076 0077 0078 0079 0080 0081 0082 0083 0084 0085 0086 0087 0088 0089 0090 0091 0092 0093 0094 0095 0096 0097 0098 0099
0100 0101 0102 0103 0104 0105 0106 0107 0108 0109 0110 0111 0112 0113 0114 0115 0116 0117 0118 0119 0120 0121 0122 0123 0124 0125 0126 0127 0128 0129 0130 0131 0132 0133 0134 0135 0136 0137 0138 0139 0140 0141 0142 0143 0144 0145 0146 0147 0148 0149 0150 0151 0152 0153 0154 0155 0156 0157 0158 0159 0160 0161 0162 0163 0164 0165 0166 0167 0168 0169 0170 0171 0172 0173 0174 0175 0176 0177 0178 0179 0180 0181 0182 0183 0184 0185 0186 0187 0188 0189 0190 0191 0192 0193 0194 0195 0196 0197 0198 0199

<<< operone >>>