Spruchlexikon

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AA, e, i, o, u, die Ochsen schreien Muh.
AA. E. I. O. U. - Alles Erdreich ist Österreich untertan.
Wahlspruch Kaiser Friedrichs III. (1415 bis 1493) Auch: Allein Evangelium Ist Ohn Verlust.
AAuf A folgt B in unserm Abc.
Bei Martial findet sich das Sprichwort: »Das Alpha (A) gehört zu den Gardisten« (Alpha penulatorum. Erasm., 279). Er nennt es den vorzüglichen, den Primaten des Abc, scherzt, dass man ihn ein Alpha genannt hat und droht, sich Beta (B) zu nennen.
ADe A seggt, mutt ôk B seggen.
(Ostfriesland)
AEiner sagt A, der andere B.
Einer setzt fort, was der andere angefangen hat. Auch von denen, die einander nicht verstehen oder nach Willen handeln wollen.
AEr hat kein A dabei gemacht.
Nicht das Geringste bei der Sache gethan.
fr] Il n'y a pas fait une panse d'A.
AEr ist das A und O.
Alles in allem; auf ihn kommt alles an.
la] Ego sum A et O. - Ego sum rerum omnium summa. - Prora et puppis.
AEr kennt das große A noch nicht.
Von sehr Unwissenden.
fr] Il n'a pas fait une pause d'A.
AEr steht noch bei A.
Wei noch wenig, ist noch beim Anfange. Die Griechen sagten von denen, die noch nicht den Anfang einer Sache berührt hatten: Sie sind nicht einmal unter dem Eppich, weil ihre Gärten mit Eppich eingefasst waren und den Eingang in den Garten bildeten. Da man die Kinder, welche zu Wettkämpfern ausgebildet werden sollten, angeblich gleich nach ihrer Geburt in Eppich gestellt haben soll, so ist der Sinn auch hier: noch vor dem ersten Unterricht, beim Anfang einer Sache stehen.
la] Ne inter spia quidem snnt.
AEr will nicht A sagen, um nicht B sagen zu müssen.
AErst A, dann B.
AHe kann gên a of b.
AHe wêt 't van a bet z.
Von Anfang bis zu Ende.
AHeww 'k A seggt, möt 'k ok B seggen.
(Strelitz)
AIch bin das A und das O, der Anfang und das Ende.
Alpha (= A) ist der erste, Omega (= O) der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets; "A und O" bedeutet daher Anfang und Ende.
Off. Joh. 1, 8 A
AIch stehe noch beim A still.
Ich warte noch beim Anfang, überlegend, ich habe noch nicht B gesagt.
ANoch im großen A sein.
Noch im anfange sein.
AUnd seid von Herzen froh!
Das ist das A und O.
Goethe, Gesellige Lieder: Frech und froh A
AVon A bis Z.
Von Anfang bis zu Ende.
la] Ab ovo usque ad mala.
AWäa A sägt, mütt ok B seggen.
(Ukermark)
AWeder A, noch B wissen.
fr] Ne savoir ni A, ni B.
la] Imperitum et omnium rerum rudem esse.
AWem du das A gibst, der reicht dir das B.
Eine Gefälligkeit bewirkt die andere.
AWenn du A greifst, so gibt die Saite nicht B.
AWenn ik A segg, so mutt ik B seggen; wenn ik Gak segg, schall ik Eier leggen, de nix toseggt, dörft nix don; ik will stillswign, segg dat Hohn.
AWer A sagt, kommt zuletzt bis zum Z.
AWer A sagt, muss auch B sagen.
fr] Jamais sottise à demi. - Le premier pas engage au second. - On n'a pas plutôt dit A qu'il faut dire B. - Puisque le vin est tiré, il le faut boire.
It.: Chi ha detto A, bisogna che dica anche B.
pl] Zwiez si? grzybem, le? do torby.
se] Har man sagt A, skall man säga B.
la] Insistendum est destinatis. (Tac.)
Mit der ersten bösen Tat verhält es sich nach J. J. Rousseau wie mit dem ersten im Spiel gewonnenen Taler, beide kosten tausend neue hinterdrein. - Von der geschäftlichen und juridischen Seite angesehen, will das Sprichwort sagen, dass derjenige, welcher das eine genehmigt, auch das andere eingeht. Willigt ein Käufer z.B. in den verlangten Wert der Ware, so hat er sich auch verpflichtet, dasjenige zu erfüllen, was die Gesetze von einem Käufer fordern. Eine scherzhafte Anwendung, die davon als Rechtsprichwort gemacht wird. - Wer A sagt, muss auch sagen B, drum folgt dem O gewöhnlich W. In Waldeck: Wei A säget, mott auk B sägen.
AWer lernt A sagen, soll auch lernen B (Z) sagen.
Wer etwas Gutes anfängt, soll auch streben es zu vollenden. Wer mit der Erlernung einer Kunst, Wissenschaft etc. beginnt, muss rüstig darin fortfahren.
fr] Un engagement en entraîne (emporte) un autre.
la] Cedens in uno cedet in pluribus. - Filum nivisti et acu opus est. - Pertexendum cuique, quod exorsus est. - Semel altum ingressis vela facienda sunt.
AWer sîn A wêt, kann gôt läsen.
(Mecklenburg)
D. h. das Abc, die Anfangsgründe. Wer das Seinige gelernt hat, dem geht das Geschäft leicht von der Hand.
AachenAachen und Köln sind nicht an einem Tage gebaut (und werden nicht an Einem Tage zerschell'n).
nl] Aken en Keulen niet003 te gelijk.
la] Alta die solo non est exstructa Corinthus.
AachenAchen ist des deutschen Reiches Haupt. Deutsche Romanzeitung 1866, Nr. 40, S. 391.
Auch das neue Rom genannt.
la] Urbs Aquavis, urbs regalis, Regni sedes principalis Prima Regum 006curia.
AachenAllaf Ôche, en wenn et versönk!
Es lebe Aachen, und wenn es versänke; eine Rede, die sich vielleicht auf die vulkanische Beschaffenheit des Bodens bezieht.
AachenHe löppt van Aken na Köln.
Um Recht zu finden, oder um zu betteln.
AachenIn Aachen gekrönt, in Rom gehöhnt.
Von dem Unbestande menschlichen Beifalls; Belag Heinrich IV. von Deutschland. Altes Sprichwort, auf die Kämpfe zwischen Kaiser und Papst anspielend.<012/li>
AalAal iss'n swâr (quâd) Mâl (Mahlzeit), ick will lêver Stênen dragen, as eten.
(Ostfriesland)
Er ist schwer zu verdauen; der Witz liegt jedoch darin, dass »dragen un eten« beide auf »Steine« bezogen werden; der Sinn ist: ich will lieber Steine tragen, als Steine essen.
dk] Aal og slimer fisk giör tung sind og ond mave.
AalAal unter den Fischen.
cz] Uhoř mezi rybami (rotivý).
AalAal, Kohl und Verdruss man als Abendkost nicht nehmen muss.
dk] Aal, og kaal, og knur er ond aftensmad.
AalAale fangen.
(Altgriechisch)
Aus Gewinnsucht das Recht trüben, weil man Aale nur fängt, wenn man den Schlamm tüchtig aufwühlt.
AalAn einem Aalschwanz bleibt keine Klette hangen.
AalAuf den Aalfang gehen.
Von denen, die ihres eigenen Nutzens wegen Zwietracht und Aufruhr erregen. - Wenn das Wasser still ist, fangen die Aalfischer nichts, erst wenn es tüchtig gerührt wird
»Alss man nicht lichtlich die Ale venge, men hebbe dan tho vorn dat Water gewlomet.« (Wlomen, jetzt flöwen = trüben.)
la] Anguillam captare.
AalDa smitt sikk en Aal up. (Holstein)
Sagt man von vorlauten Personen, die sich in Gesellschaften durch Reden und Handlungen auszeichnen wollen.
AalDahinter steckt ein Aal.
d. i. ein Betrug.
fr] Il y a anguille, oder: Il y a quelque anguille sous roche.
AalDar is de Aal ôk Ingenieur west.
Sagt der Bauer zu seinem Knecht, wenn er eine schlängelnde Furche gepflügt, oder zu einem Arbeiter, wenn er einen krummen Graben gezogen hat.
AalDat sind tugendhafte Aale, de kann me up Globen nehmen.
(Oldenburg)
Mit dem Wort »sick bätern« drückt der Oldenburger sowol das Fettwerden als Tugendhaftwerden aus; beide Begriffe werden daher von Landleuten, wie hier geschehen, verwechselt. Tugendhafte Aale = fette Aale.
AalDen Aal beim Schwanz fassen (halten).
la] Cauda tenes anguillam.
Wenn jemand mit unzuverlässigen, treulosen Menschen zu tun hat. Unsere Sprache ist reich an Ausdrücken und Redensarten zur Bezeichnung erfolgloser, vergeblicher, überflüssiger, unnötiger, undankbarer u. dgl. Arbeiten, Bestrebungen, Mühen u.s.w. Eine Zusammenstellung der gewöhnlichsten:
Den Aal beim Schwanz fassen. Den Adler fliegen lehren. Ablass gen Rom tragen. Fremden Acker pflügen. Einen Bettelmannsmantel flicken wollen. Böcke melken. Bratwürste im Hundestall suchen. Brot im kalten Ofen backen. Von einem Ei Wolle scheren wollen. Eisen schwimmen lehren. Beim Esel Wolle suchen. Einen Esel scheren. Eulen nach Athen tragen. Einen Felsen auf ein Rohr gründen. Festungen in die Luft bauen. Das Feuer peitschen. Flöhe hüten. Vor dem Hamen fischen. Holz in den Wald tragen. Den Hühnern die Schwänze aufbinden. Der Hyder einen Kopf zertreten. Ein altes Judenweib beschneiden. Einen Kahlkopf scheren. Den Krebs wollen vorwärts gehen lehren. Sein Leid der Stiefmutter klagen. In der Luft rudern. Das Meer ausschöpfen (ausbrennen) wollen. Einen Mohren bleichen. Einen Nackenden ausziehen. Den Nebel balgen. In einen kalten Ofen blasen. Tauben Ohren predigen. Um Rauch streiten. Eine Sackpfeife rupfen. Auf Sand bauen. In Sand säen. Sand ins Meer fahren. Mit dem Schatten fechten. Einen Schlauch berupfen. Schnee im Ofen dörren. Mit einer Stange im Nebel herumfahren. Steine gar kochen. Dem Tauben ein Liedlein lehren. Dem Teufel beichten. Einem Toten etwas ins Ohr sagen. Einen Todten geißeln. Wasser aus dem Bimsstein pressen wollen. Wasser im Mörser stampfen. Wasser in einem Siebe holen. Wasser ins Meer (in den Rhein) tragen. Ins Wasser schreiben. Wein im Glühofen kühlen. Einen Wetzstein mästen. Dem Wolfe das gefressene Schaf abjagen wollen. Die Wolken krämpeln. Den Wind mit Netzen fangen. Den Wind auf Flaschen ziehen. Mit dem Winde reden. Die Wellen im Meere zählen. Ziegel waschen. Von Ziegenwolle reden. Einen Brunnen neben den Fluss graben. Einem Tauben Messe lesen. Ohne Federn fliegen wollen. Die Ente schwimmen lehren. Die Espe zittern lehren. Leeres Stroh dreschen. Eine leere (hohle) Nuss aufbeissen. Einen Mohren baden. Dem Blinden einen Spiegel schenken. Den Fröschen ein Fuder Wein zum Bade verehren. Speck im Hundestalle suchen. Mit dem Arsch eine Nuss aufbeissen wollen. Moses Grab aufsuchen. Nach dem Regenbogen werfen. Ins Wasser schlagen. Scherben zusammenflicken. Wasser im Garn fangen. Seinem Schatten nachlaufen. Den heiligen Geist reden lehren. Unsern Herrgott in die Schule führen.
In ähnlicher Weise sagten die alten Römer (resp. Griechen): Ab asino lanam. Actum agere. Aethiopem lavare. Agnum lupo eripere. Amnis cursum cogere. Apud novercam queri. Aquae inscribere. Aquam crebro aurire. Aquam e pumice postulas. Aquam in mortaris tundere. Aquilam volare docet. Aranearum telas texere. Arenae mandare semina. Arenam metiri. Asinum tondes. Austrum percutis. Cancrum ingredi doces. Calvum vellis. Danai dum dolia implere. De fumo disceptare. De lana caprina. Delphinum natare doces. Delphinum cauda ligas. Ex harena funiculum nectis. Ex puleis inanibus trituram facere. Exurere mare. Ferrum natare doces. Harenae mandas semina. Harenam metiris. Hircum mulgere. Ignem dissecare. Isthmum perfodere. In aere piscari. In aqua scribis. In aqua sementem facere. In frigidum furnum panes immittere. In saxis seminas. Laterem lavare. Littori loqueris. Lumen soli mutuas. Lupi alas quaeris. Lapidem decoquis. Mortuo verba facere. Mortuo verba facis. Mortuum flagellas. Nebulas diverberare. Ovum adglutinas. Parieti loqueris. Penelopes telam retexere. Piscem natare doces. Reti ventos venaris. Surdo oppedere. Utrem vellis. Utrem mergere, vento plenum. Uvas e spinis colligere. Venari in mari. Verberare lapidem. Anguillam cauda capessis. - Anguillam tenere cauda. - Delphinum cauda alligas.
AalDen Aal helt man nicht wol bei dem Schwanz.
AalDen Aal man brät, wie man Frauen führet in der Stadt, den Häring wie man Huren treibt aus der Stadt.
dk] Men skal teoge aal som man lader fruer i bye; man sild son man jager skiöger af bye.
AalDen Aal mit einem Feigenblatt fassen (halten).
Fest, weil die Feigenblätter rauh sind. Geeignete Mittel gegen den anwenden, der leicht entschlüpft.
la] Folio ficulno tenes anguillam.
AalDen Aal mit Öl bestreichen.
Etwas sehr Überflüssiges thun, da ein Aal an sich schon sehr glatt ist.
AalDen Aal schuppen.
la] Anguillae squamis carent. - Impossibilia tentare.
AalDen Aal vom Schwanze häuten.
Etwas verkehrt anfangen.
fr] Ecorcher l'anguille par la queue. - Rompre l'anguille au genou.
AalDer Aal ist ein guter Fisch, er braucht kein Fett zur Sauce.
dk] Aal er en god fisk, mi han dum dypper sig selv.
AalDer Aal ist ein guter Fisch, er trägt seine Sprungfedern bei sich.
AalDer Aal ist kapital.
Die Sache ist vortrefflich. Nach einem Volksliede, das beginnt: Madam, köp he den Aal, he is gans kapital.
AalDer Aal lebt von jedem Fisch, aber er gibt keinem einen Tisch.
dk] Ald fisk föder aal, men aal föder ingen fisk.
AalDer Aal stirbt nicht, er werde denn zuvor mit einem Trunke Wein begossen.
AalDer hat den Aal nicht ganz, der ihn hat beim Schwanz.
fr] Qui prend l'anguille par la queue et la femme par la parole, peut dire qu'il ne tient rien.
It.: Chi piglia l'anguilla per la coda, e la donna per la parola, può dir, che non tiene niente.
la] Non tenet anguillam qui per caudam tenet illam.
AalEin Aal entschlüpft auch wol dem geschickten Fischer.
fr] A grant pescheur eschappe anguille. (Prov. comm., 15. Jahrhundert.) - Pour trop serrer l'anguille, on la perd.
AalEin Aal lässt sich schwer verbergen.
en] You cannot hide an eel in a sack.
AalEin Aal, der Salat essen will, muss ans Land kommen.
Ohne Anstrengung kein Genuss.
AalEin Aalstecher muss manchen Stoß vergeblich tun.
dk] Aalstangeren slaaer mangt et forgieves slag.
AalEin Ahl vffen knien zerbrechen.
AalEin glattes Aalchen entschlüpft gern (leicht).
(Russland)
AalEin grauer Aal ist besser als eine bunte Schlange.
Lass dich ein glänzendes Aeusseres nicht täuschen.
AalEine Aalraupe auswerfen, um einen Kabeljau zu fangen.
AalEinem trocknen Aal geben.
Ihm mit dem Stocke Prügel geben. Um denselben oder einen ähnlichen Gedanken auszudrücken, ist die Provinz Preussen sehr reich an Redensarten.
AalEr entwischt wie ein Aal.
AalEr hält den Aal beim Schwanz.
Von denen, die mit unzuverlässigen und treulosen Menschen umgehen und ihnen Vertrauen schenken.
la] Anguillam tenere cauda. - Anguilla est, elabitur.
AalEr hat auch vom Aal geschwätzt.
Ursprünglich von Kahlköpfigen, dann auch allgemeiner von denen, die wegen der Wahrheit oder wegen Ausplauderung von Geheimnissen Verfolgung erlitten haben, oder in Nachteil gekommen sind.
Zur Erklärung der Redensart heißt es in Theatr. Diabolorum: »Jene Alster kondt reden, vnd veräth die Magd, dass sie den Aal gefressen hat, derhalben kahl geraufft. Vnd als sie einen Mann sahe, mit einer kahlen Stirn, klagte sie jhn, vnd sagte: Ach, du armer Mann, was hastu vom Ahl geschwatzt; meynet, er were vmb desswillen so kahl geraufft als sie, dass er die Wahrheit gesagt hette.«
AalEr hat sich in den Aalkorb geschwatzt.
In seinen Reden gefangen.
Man hat ihm Aalkörbe gestellt.
Man sucht ihn durch List zu fangen.
AalEr macht's wie die Aale von Melun, er schreit, eh' man ihn häutet.
Von denen, die etwas fürchten, was nicht zu fürchten ist, die schreien, ehe man sie schlägt, von Furcht ohne Grund. Der Ursprung dieser Redensart soll folgender sein: Es war früher in den Schulen Frankreichs Brauch, dass die Schüler dramatische Vorstellungen gaben, um ihr Gedächtnis wie ihren Vortrag zu bilden. Die Schüler von Melun gaben nun einst ein Stück, in welchem einer derselben, Namens Languille, die Person des heiligen Bartholomäus vorstellte, der, wie man erzählt, lebendig geschunden ward. Als sich der Vollstrecker ihm mit dem Messer in der Hand näherte, um ihm scheinbar die Haut abzuziehen, begann Languille, von plötzlicher Furcht ergriffen, dermassen zu schreien, dass das Stück unterbrochen ward. Dieser Vorfall ging von Mund zu Mund und ward Sprichwort, dessen man sich bediente, sowol um die Schüler von Melun zu necken, als auch um eine grundlose Furcht zu bezeichnen.
en] Eels don't mind being skinned after they get used to it.
fr] Il ressemble aux anguilles de Melua, il crie avant qu'on l'écorche.
nl] Hij gelijkt den kik vorscher, die schreeuwen, voor men hen ziet.
AalEr windet (ringelt) sich wie ein Aal.
AalEs hält sich wie ein Aal beim Schwanz und ein Weib beim Worte.
se] Han är hat som en ål.
AalEs ist kein Aal so klein, er hofft ein Walfisch zu werden.
(Dänemark)
AalEs ist so klein kein Aal, er meint er sei ein Wal.
dk] Der er aldrig soll liden an aal, han stunder jo at blive en hval.
AalGlatt wie Aal: aalglatter Heuchler.
AalHe hett Aal in de Hasen. (Holstein)
Er hat unaufgezogene Strümpfe an, Falten, als steckten Aale drin.
AalHe hett Aal stêken.
Er ist ins Wasser gefallen. Das Aalstechen wird nicht blos im Winter auf dem Eise durch Eis öffnungen (Wâken), sondern auch im Sommer getrieben.
AalHe hett Aal to kôp.
AalHeute Aal und morgen Aal, das ist eine Qual.
AalIk waer den Aal wol in de Arwten krügen.
(Pommern)
Ich werde den Halunken schon auf der Tat ertappen.
AalMan fängt die besten Aale da, wo man sie nicht erwartet.
AalMan kann nicht Aal stechen und Hasen jagen zugleich.
dk] Man kand ikke stange aal, og voere i hare-jagt paa engang.
AalMan muss die Aale nicht verkaufen, ehe man sie gefangen hat.
AalMan wêt nich, waar de Aal löpt.
(Ostfriesland)
AalNüms rôp Aal, ehr he hum bi de Stêrt hett.
Man soll sich nicht zu früh freuen, wenn etwas Günstiges in Aussicht steht. Mancher hat schon einen Aal im Netz gehabt und er ist ihm, selbst wenn er ihn schon beim Schwanz gefasst hatte, wieder entschlüpft.
AalSich wie ein Aal krümmen.
nl] Hij krimpt als een aal.
AalSteap ale braden.
D. i. die lebendigen Aale sofort braten, sprichwörtlich für etwas schnell vollführen.
AalWenn der Aal in die Angel gebissen, wird er sich lassen ziehen müssen.
It.: Quando l' anguilla ha preso l' amo bisogna che vada dov' è tirata.
AalWenn man den Aal zu sehr drückt, entschlüpft er.
fr] Par trop presser l'anguille, on la perd.
AalWenn man glaubt, den Aal am festesten zu haben, entschlüpft er.
AalWer einen Aal fangen will, der macht erst das Wasser trübe.
AalWer einen Aal halten will beim Schwanz, dem bleibt er weder halb noch ganz.
fr] Qui tient l'anguille par la cui il ne l'a mie. (13. Jahrhundert.)
la] Delphinum cauda alligas. - Non tenet anguillam, qui per caudam tenet illam.
AalWer einen Aal nimmt beim Schwanz und eine Frau beim Wort, der bringt wenig fort.
It.: Chi piglia l' anguilla per la coda, e la donna per la parola, può dir che non tiene niente.
AalWer einen Aal und Hasen zugleich will fangen, dem bleibt wenig Fleisch an den Fingern hangen.
AalkAalke Burtalke, wa rummelt di de Bûk? dat deit de sûre Karnmelk (Buttermilch), de will dar herût.
Da het Aalk by'n Putt sêten.
(Holstein)
Wenn ein Unheil angerichtet, oder irgendein Spiel verloren ist, wahrscheinlich von einer Alten des Namens, die im Ruf der Hexerei stand.
AalkDa het Aalk by'n Putt sêten.
(Holstein)
Wenn ein Unheil angerichtet, oder irgendein Spiel verloren ist, wahrscheinlich von einer Alten des Namens, die im Ruf der Hexerei stand.
AalkDu weetst nig, wat Aalk im Putt hett.
(Holstein)
Soviel als das Beste kommt nach. Im vorangehenden Sprichworte ist Aalk, Aaltje (Adelheid) eine alte, übelwollende, hier eine wohlwollende Hexe des Namens.
AalkWenn Aalk und Albret tosamen kamt u.s.w.
Diese Redensart wird in Holstein von zwei dummen Menschen zweierlei Geschlechts gebraucht, von denen man sich nicht viel verspricht.
AantDe Aanten dragen hör Recht up de Puckl.
In einem Rechtsstreit mit den Enten ist nicht viel zu gewinnen, sie haben nichts als ihre Federn.
AantDen Aantvogel kann man nix nehmen, as den Kopp.
AantEn Schöt is gên Aantvogl.
AantMênst du, dat ik 'n Aantvogl bin?
Wenn einer dem andern auf den Fuß tritt.
AarAare haben scharfe Augen.
AarAuch der Aar hat erst auf der Erde geflattert, eh' er sich zum Himmel erhob.
AarDen Aar mit dem Uhu vergleichen.
AarDie Aare kümmern sich nicht um Fliegen.
la] Aquilae nesciunt muscas. (Wahlspruch d. Ompteba)
AarDu zeuhest arn vber die Hennen im Hauss.
»Arn vber die Hennen ziehen, wie vilen geschicht, dass sie guckuc in jr besitz setzen, die jn jr eyer vnderlegen vnnd naher dauon fliehen.«
AarEin Aar kämpft stets mit den Schlangen.
Aarfleuch auf du königlicher aar,
dich schwingend in die lüfte!;
junger aar, dein königlicher flug
wird den druck der wolken überwinden.
Bürger an A. W. Schlegel.
AarWenn der Aar seine Schwingen am stolzesten ausbreitet, trifft ihn die Kugel des Jägers.
AarauAarau ist eine schöne Stadt, Biberstein ein Bettelsack, Kilchberg ist ein Butterkübel, Küttiche der Deckel drüber, Suhr das ist der Stämpfel.
Deutsche Romanzeitung
AarjteT is 'n Aartje van Vaartje.
Eine Art von Vater.
AaronAaron (7. April) und Justin (13. April) helfen den Hafer ziehn.
(Wohlau)
AaronNun redt Aron, Moses is es schîte gegange.
AaronUnd Aaron schwieg still.
Wenn einer, der sonst das große Wort führt, nichts mehr zu sagen weiß.
AaronWenn Aaron den Schnupfen hat, so sprich mit Mose.
AasAas ist keine Speise für den Adler.
AasAas lässt sich nicht vor Geiern (Raben, sagen die Wenden) verbergen.
AasAuch ein Aas scheint fett, wenn es voll Luft ist.
AasDas Aas an die Angel stecken.
Einen mit List reizen, fangen.
la] Escam hamo circumponere.
AasDas Aas lockt die Würmer herbei.
se] Aas lockar örnen ut.
AasDas Aas stinkt über sein Lager hinaus.
dk] Aadslet stinker laenger bort, end den sted der ligger.
AasDat Aas hett was lehrt, seggt Coord van Hallen, de kann dör de Welt kamen.
Der Witz liegt darin, dass das Wort »Aas« hier durchaus nicht verächtlich sein soll, wie es sonst ist. Ähnlich sagt man in Ostfriesland: ?T is 'n gelehrter Hund; ?t is 'n Fûlpûp, 'n kloken Bengel, 'n gelehrten Racker u.s.w., ohne damit etwas Schlimmes ausdrücken zu wollen.
AasEin Aas bleibt ein Aas.
AasEin Aas, das der Rabe nicht riechen soll, muss tief liegen.
AasEs git niche schäinikjer Ôs, mä vun Mäinjtschen. (Siebenbürgen-sächsisch)
AasEt äs e fel Ôs. (Siebenbürgen-sächsisch)
AasJe is 'n Aas up sin Clarnette.
Pommersche Geschichten
AasKein grewlicher ass, denn von menschen.
AasMan muss ein Aas legen, so man fangen will.
AasWenn das Aas abgefleischt ist, fliegt der Rabe davon.
AasWer ein Aas schüttelt, macht den Gestank ärger.
(Arabien)
AasWo Aas ist, da sind Fliegen.
AasWo Aas ist, da versammeln sich die Raben.
AasWo Aas ist, werden bald auch Krähen sein.
(Litauen)
AasWo Äser sind, da schwirren die Eulen.
Grimm: esca, cadaver. gilt noch heute vom weggeworfnen todten fleisch, das die thiere lockt, ganz wie luder, während köder nur esca, nicht cadaver ausdrückt.
- er liegt im wasser den fischen zum aase; wo das aas liegt, da samlen sich die adler; die geier witterten das aas; mit frischem aas erfischen;
- wiltu capaunen feiszt machen, so bereit ein aas von kleien und gibs ihnen zu essen. Tabernaemont. kräuterb. 649;
- der gestank der moräste und äser. Kant 10, 160;
- soll ich noch staub auf das aas des gefallnen verräthers werfen?
ein dorrendes geripp, ein halbverbrantes aas. A. Gryphius 1, 214;
- so soll dich auch mein aas noch pochen. Günther 203, (d. i. meine leiche dich noch verhöhnen).
Verachtend und als heftige schelte:
- du aas! ihr äser! du faules oss! H. Sachs I. 5, 511d;
verstärkt schindaas, schindäser, rabenaas, das auf dem schindanger liegt, auf das sich die raben niederlassen. Häufig aber auch aus der schelte übergehend in liebkosung, wie das frankfurtische os, dim. esi der manigfaltigsten bedeutung fähig bald traulich und lobend, bald schimpfend und verachtend zugerufen wird.
- der tact, du aas, zu deiner melodei, sagt Mephistopheles zur hexe.
- ein hübsches rabenäschen. Weise com. probe 60;
- ach du rabenaas! Günther 1001;
komm liebs esi! in solchem sinn kann aas blosz als esca, ohne gedanken an das todte, als reiz und lockung gefaszt werden, wie es auch heiszt freszlieb, einen vor liebe auffressen mögen. Gerade so doppelsinnig sind luder und schelm (ahd. scelmo cadaver, pestis): du luder! hei luder! du freundlicher schelm! schelmenauge! litt. maita aas, eik maita eik! geh luder geh! Nesselmann s. 389.
AasWo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler [oder Geier].
Hiob, 39, 30; Luk. 17, 37; Matth., 24, 28
Richtiger die Aasgeier. Ein altes, schon in der Bibel vorkommendes Sprichwort, das jetzt in sehr mannigfacher Bedeutung gebraucht wird. Man wendet es an auf vornehme Herren, die viel Bedienung halten, bei Glücksrittern, die gewinnsüchtige Leute zum Spiel verlocken, auf feile Dirnen.
»Wo ein ass, ist der Vögel kein Zal noch mass.«
dk] Hvor aadslater, der samles örnem.
nl] Waar eenen dodlichaam is, daar vergoderen de arenden.
la] Sequitur perca sepiam. - Ubicumque cadaver fuerit, statim adest aquila.
se] Der åtelen är, dit samlas ock örnarna.
AasWo ein Aas ist, sammeln sich Raubvögel, wo ein hübsches Weib ist, Schmarotzer.
AasgeierAus einem Aasgeier wird kein Adler (Falke).
en] A carrion kite will never make a good hawk.
fr] D'un buse on ne peut faire un épervier.
AasgeierDer Aasgeier hat keinen Wunsch, als dass das Pferd sterben möchte.
(Surinam)
Jeder ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht.
AasgeierDer Aasgeier hatte immer einen übeln Geruch, und nun er todt ist, erst recht.
(Surinam)
Von denen, die den schlechten Ruf ihrer Jugend mit den Jahren gesteigert.
AasgeierDer Aasgeier liebt das Aas.
(Surinam)
Jeder bewegt sich gern in seinem Elemente.
AasgeierDer Aasgeier sieht den Hinrichtungen zu und kommt, abends die Augen auszupicken.
(Surinam)
Der Dieb ersieht sich erst eine günstige Gelegenheit.
AasgeierDes Aasgeiers Schimpfreden bringen das Pferd nicht um.
(Surinam)
AasgeierWenn man den Aasgeier schimpft, fühlt sich der Truthahn beleidigt.
(Surinam)
AasgeierWer den Aasgeier sieht, spuckt aus, wer aber das Tjotjo-Vögelchen (ein Singvogel) sieht, pfeift.
(Surinam)
Man richtet sein Verhalten nach der Person ein.
AasigEr ist ganz aasig.
Ihm ist aasig zu Mute. Aasig = krank, aber auch träge, faul.
AasseiteStöt em in de Aasside.
Gib ihm einen Stoß. Aasseite ist die innere Seite der Haut, die auf dem Fleisch gesessen hat.
AbackernSich mit einem abackern müssen.
AbarDar sünt mehr Äbärs (= Storch) as Poggen.
AbarDat sünd mehr Abars als Poggen.
Mehr Brotesser als Brotverdiener.
AbarDe Abar (= Storch) is sîn Feeren nett so gôd nödig als de Lünick (Schatz).
AbarDe Äbär is sin Feddern eben so god nödig, as de Lüning (Sperling).
AbarDe Abars nögd, mutt Poggen hebben.
Wer Störche (große Gäste) einlädt, muss Frösche (entsprechende Speisen) vorzusetzen haben.
AbarDe Äbärs nögt, mutt Poggen hebben.
AbarWor Äbärs sünt, dar sünt ok Poggen (Frösche).
AbcA hôt's Abc om Puck'l ûfgeschmîrt. (Österreich-Schlesien)
AbcAbc, beim x will ich anfangen.
Wenn die Schlesier von einem sagen wollen, dass er sehr wenig Lob verdient, so sprechen sie: Man müsste ihn durchs ganze Abc loben und beim x anfangen.
AbcBedenkt in Wohl und Weh
Dies goldne Abc.
Goethe, Gesellige Lieder: Frech und froh.
AbcBeim Abc anfangen.
la] A linea incipere. (Aristid.)
AbcDas Abc hat nur Ein W, unser Leben hat hundert und meh.
AbcDas Abc macht das meiste Weh.
AbcDas Abc macht dem Pfarrer das meiste Weh.
AbcEine Pfarre ohne Abc haben.
Pfarrer in einem Orte ohne Adel, ohne Beamten und ohne Collegen sein.
AbcEinen wieder beim Abc anfangen lassen.
Ganz von vorn.
fr] Remettre quelqu'un à l'Abc.
AbcEr ist das kleine und große Abc durch.
Er hat viel erfahren, ist durchtrieben.
AbcEr ist kaum über das Abc hinaus.
la] Ne Aesopum quidem trivisti. (Suidas.)
AbcEr ist noch (nicht) im Abc.
Er hat noch nicht die ersten Schritte zur Bildung getan, hat noch nicht einmal den äußersten Vorhof der Wissenschaft betreten. Cicero sagt: Ne eruditum quidem illum pulverem attigit.
AbcEr ist noch im Abc.
Er ist über's kleine Abc hinaus.
Jüdisch-deutsch in Warschau: Er känn in die kleine Ojssiëlech. Er ist gebildet, hat etwas gelernt. Ojssiëlech ist eine Verkleinerungsform vom hebräischen Oss = Zeichen, Buchstabe.
AbcEr kommt nun aus dem Abc.
AbcHinter dem U kommt gleich das Weh,
Das ist die Ordnung im A B C.
Kapuziner in Schiller, Wallensteins Lager, 8. Auftritt.
AbcJemanden aufs Abc verweisen.
Ihn unwissend schelten, ihn als Schüler behandeln.
fr] Renvoyer quelqu'un à l'Abc.
AbcMit dem Abc kann man richten, Krieg und große Sachen schlichten.
AbcMit einem Abc kan man Krieg vnnd grosse sachen schlichten.
AbcNicht das Abc können.
Durchaus unwissend sein. Die Alten sagten von einem Unwissenden, Ungebildeten: Er ist nicht einmal über den Aesop gegangen. Er hat den Aesop nicht einmal gelesen. Die Aesop'schen Fabeln waren jedem bekannt.
fr] Ne savoir ni A ni B.
la] Ne Aesopum quidem trivisti. (Suidas.)
AbcWer das Abc nicht ertragen kann, dem muss man keine Bibel geben.
AbcWer das Abc recht kann, hat die schwerste Arbeit gethan.
AbcWer selber das Abc nicht kann, muss andere nicht das Buchstabieren (Lesen) lehren (wollen).
AbcWie fein ist es, wenn einer das Abc hinder sich vnd vor sich gelernt hat vnd auffsagen kan, sagte jener als er truncken die Treppe herabgefallen war.
AbcschützEr ist noch ein Abcschütz darin.
Wie Feld- und Bretschütz, welche Feldhüter und Obergesell bedeuten, Feld und Arbreitsbret hüten, so der Abcschütz seine Fibel oder Abctafel. Aus der Zeit der "fahrenden Schüler" (15. u. 16. Jahrhundert). Heute zur Bezeichnung kleiner Schuljungen gebraucht.
AbcteufelEr ist (nur) ein junger Abcteufel, der noch nicht buchstabieren kann.
Von unbedeutenden, nicht durch gelehrte Autorität ausgezeichneten Gegnern.
»So unverschämt zugreift, das ist entweder ein junger ABC Teuffel oder Schulteuffelin.« (Luther's Werke, VI, 341a.)
AbdankenEr hat abgedankt wie der Ulmer Kuhhirt.
(Rottenburg)
Der seinen Dienst kündigte, als er vernahm, dass man ihn absetzen oder entlassen wolle.
AbdarbenEr darbt's am Halse ab und frisst's selber.
AbdeckenEinen abdecken.
Ihn durchprügeln.
AbderitenstreicheAbderitenstreiche machen.
Törichtes, dummes Zeug tun; - die Bewohner Abderas in Thrazien waren ihrer Dummheit wegen bekannt; vgl. Lucian (um 150), Wie man Geschichte schreiben muss; ebenso Christoph Martin Wieland, Abderiten (1774), wodurch diese Redensart allbekannt geworden ist.
la] Abderitanae pectora plebis. (Martial)
AbdingenAbdingen ist auch (ist der erste) Gewinn.
AbdreschenEs ist bereits abgedroschen.
Schon zu fade.
AbdruckDer letzte Abdruck.
Das Verb »abtrucken« in diesem Sinne findet sich in Simplic., IV, 600.
la] Extremus vitae habitus.
AbdruckEr ist zum Abdrucke reif.
Sein Tod steht nahe bevor.
AbelEs ist allezeit ein Abel gewesen zum Leiden und ein Kain zum Peinigen.
AbelIst Abel tot, wird Kain rot.
Nach der Sünde wacht das Gewissen auf.
AbelJeder Abel hat seinen Kain.
»Christ sein und ohne Ursach gehasset werden, gehört zusammen.« (Heinrich von Schubert in Altes und Neues aus dem Gebiete der Seelenkunde, Leipzig 1851, I, 208)
AbelWas konnte der fromme Abel davor, dass sein Bruder ein Schalck war.
Grimmelshausen, Vogelnest, I.
AbelschHeb di nich so abelsch.
Stell dich nicht so albern.
AbendAbend wird es wieder:
Über Wald und Feld
Säuselt Frieden nieder,
Und es ruht die Welt.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Lyrische Gedichte. Nr. 1. Dichterleben. Jugend- u. Mannesjahre. Abendlied (gedichtet 17. April 1887). Melodie von Friedrich August Jakob (1845) u. Karl Groos (1848).
AbendAbend wird's, des Tages Stimmen schweigen.
Körner, Die Eichen
AbendAll Abend, bevor ich zur Ruhe geh' ...
Verfasser unbekannt (vor 1840). Melodie von Franz Abt.
AbendAller Tage Abend ist noch nicht gekommen.
Die Sache ist noch nicht zu Ende, noch nicht abgetan. Man muss den Erfolg abwarten und nicht zu voreilig urtheilen.
In Siebenbürgen: Et äs nôch net aler Dâg Ôwend.
dk] Alle dages aften er ikke endnu kommen.
fr] Il sera encore demain soir. - Il n'est pas encore soir pour tous les jours. - Le dernier jour n'est pas encore passé.
Isl.: Ekki er aldra daga komid kvöld.
It.: Non e'ancor sera a Prato.
la] Nescis quid serus vesper vehat. - Nondum omnium dierum sol occidit.
Norw.: Dat kjem dag etter denne dag. - Der fleire dagar atter i aust. (Trondhjem)
se] Alla dagars afton är ännu icke kommen.
AbendAm Aba nit nid'r, am Morga nid ûf, isch all'r fule Lüüte Bruch.
(Bern)
AbendAm Abend gekammert, am Morgen gejammert.
AbendAm Abend geschwelgt, am Morgen gekelcht.
Dafür gebüßt, gelitten.
AbendAm Abend ist warm der Herd, am Morgen der Steert.
AbendAm Abend noch ein Edelmann, am Morgen spricht er die Leute an.
AbendAm Abend wird man klug
Für den vergangenen Tag,
Doch niemals klug genug
Für den, der kommen mag.
Rückert, Vierzeilen 2. Hndrt. Nr. 73
AbendAm Abend zeigt es sich, ob die Nacht hell sein wird.
Die Ägypter wollen damit sagen, dass eine Person von ihrer frühesten Jugend Zeichen ihrer künftigen Tugenden gibt.
AbendAn einem Abend kann man nicht zwei Räusche haben.
AbendAnder dag Abend is noch nich e kommen.
(Braunschweig)
AbendAuch noch am Abend kann die Taub' ein Ölblatt bringen.
AbendAuf den Abend soll man den Tag loben.
la] A solis occasu, non ab ortu, describe diem. - Diem vesper commendat.
AbendAuf einen fröhlichen Abend folgt ein trauriger Morgen.
Hier ist hauptsächlich der Polterabend gemeint.
AbendAuf einen traurigen Abend kann ein fröhlicher Morgen folgen.
AbendBei hellem Abend und trübem Morgen ist der Wanderer geborgen.
AbendBesser sind drei abend als sieben morgen.
AbendBevor man am Abend einschläft, frage man sich: was hast du am Tage getan?
AbendBleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget.
Luk. 24, 29
AbendDa ward aus Abend und Morgen der erste Tag.
1. Mos. 1, 5
AbendDa wird es Abend oder gar Nacht.
(Nürtingen)
Nämlich bevor das geschieht, um zu sagen, dass es nicht geschehen werde.
AbendDem soll es früh genug Abend werden.
AbendDer Abend Allerheiligen ist noch nicht.
AbendDer Abend des Guten ist labend.
la] Conscientia bene actae vitae jucundissima est.
AbendDer Abend des Lebens gibt mir geheimnisvolle Weisheit,
Und künftige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.
Thomas Campell, Lochiels Warnung
AbendDer Abend ist labend, der Morgen voll Sorgen.
AbendDer Abend lobt den Tag und das Ende das Leben.
en] The evening crowns the day.
It.: Al fine loda la vita, ed alla sera il giorno.
se] Aftonen kröner dagen. - Aftonen kröner morgonen.
AbendDer Abend preist den Tag, der Tod das Leben.
AbendDer Abend rot, der Morgen grau, gibt das schönste Tagesblau.
AbendDer Abend rot, und weiß das Morgenlicht; dann trifft den Wanderer böses Wetter nicht.
AbendDer Abend versammelt die Herde, die Nacht die Wächter der Erde.
AbendDer Abend zeigt sich, wie der Tag gewesen ist.
cz] Ve?er uká?e, jaký den byl.
AbendDer letzte Abend ist noch nicht gekommen.
AbendDes Abends den Tag in die Nacht und des Morgens die Nacht in den Tag tragen.
AbendDes Abends ein Menuett, doch Nachts im Bett.
dk] En god aftens-mand som gider lange seddet og rallet om aftenen, det kand dog gesai til ad vaere god aftens mand non ei antmand.
AbendDes Abends lange aufbleiben und morgens spät aufstehen.
AbendDes Abends soll man frölich seyn, auff den morgen sol man von Klugheit reden.
AbendDes Oawens goat se hüppen un springen, des Morgens könnt so de Bückse nit finnen.
(Westfalen)
AbendDet Âens warren (werden) de Fülen flîtig.
(Strelitz)
AbendDet Awends nich to vollbringen, det Morgens nich to fingen.
(Danzig)
AbendDie am Abend lustig singen, am Morgen oft die Hände ringen.
dk] God aften-sang giör tit sonigfuld ottesang.
AbendDrei Abende sind besser, denn sieben Morgen.
Das Nachtessen war bei den Alten das Hauptmahl.
AbendDu weißt (noch) nicht, was der späte Abend bringt.
la] Nescis, quid vesper serus vehat.
Marc. Terentius Varro (um 116-27 v. Chr.), Titel einer Schrift.
Nach Aul. Gellius (um 125-175), Attische Nächte, B. 1, K. 22, § 4.
AbendEin Abend ist oft angenehmer (fröhlicher) als viel (vier) Morgen.
Daher, weil die Alten das Nachtessen allein für ein recht Mahl gehalten haben.
dk] En aften lystigere end mange morgener.
la] Quid sit futurum cras, fuge quaerere.
AbendEin Abend ohne Freude ist lang.
AbendEin guter Abend ist besser als drei schlechte Morgen.
mhd] Hell ein âbens des er gat, er waers tûsent morgen wert.
(Freidank)
AbendEin guter Abend kommt heran,
Wenn ich den ganzen Tag getan.
Joh. Wolfg. von Goethe, Werke (1827-1830), Gedichte. Epigrammatisch. Lebensgenuß.
AbendEin guter Abend währt nicht lange.
Die Nacht folgt rasch.
AbendEr soll heut Abend barfuß zu Bette gehen.
(Holstein)
Eine spaßhaft witzige Strafzuerkennung.
AbendEr wünscht Abend, aber keine Nacht.
AbendErst am Abend muss man den Tag loben, und den Buben, wenn er einen Bart hat.
AbendEs ist besser, bei Abend anfangen als gar nicht.
AbendEs ist no' all Tag Obed (Abend) worde.
(Alpenland)
AbendEs ist noch lange bis zum Abend.
Man stirbt noch nicht bald, man hat noch viel Zeit zur Vernunft zu kommen.
cz] Je?t? daleko do ve?era. - Je?t? daleko velikij oltář.
AbendEs ist noch nicht aller Tage Abend.
la] Nondum omnium dierum solem occidisse. Titus Livius (um 59. v. Chr.-17 n. Chr.), Römische Geschichte. 39, 26, 9
AbendEs kann vor Abend anders werden, als es am frühen Morgen war.
la] Nescimus quid serus vesper vehat.
AbendEs will Abend werden.
Wenn etwas seinem Ende sich naht.
AbendEth is noch nit aller awendt gefeiret.
In der kölnischen Mundart lautet es noch: Et ess noch nit aller Dag' Ovend.
la] Nondum omnium dierum sol occidit.
AbendGegen den Abend gehen die Visch.
AbendGuten Abe Leneli! Z' esse hei mer weneli, z' trinke hei mer gnug beim Bach; gell mer hei 'ne schöne Sach'.
(Schweiz Gegend am Thunersee)
AbendHat der Abend auch keine Sonne, so hat er doch Sterne.
AbendHätt' ein Abend, das er gert, er wär' tausend Morgen wert.
AbendHe mäckt alle Owends mit de Welt glick.
(Meurs)
AbendHeller Abend - heitrer Morgen.
AbendHerr, bleib' bei mir, es will Abend werden.
Nach Luk. 24, 29. Spruch an einem Wirtshaus am Wege nach Feldbach bei Graz.
AbendIst der Abend auch labend, redet doch oft der Morgen von Sorgen.
AbendJe lâter up 'n Avend, je moier (schöner) de Lü (de).
(Ostfriesland)
AbendJe näher der Abend, je weiter nach Haus.
Von Leuten, die, je länger sie reden, sich je mehr vom Ziele entfernen.
AbendJe später der (o. um den) Abend, je schöner die Leute (Gäste).
Ein Kompliment, mit dem der Holsteiner um die Abendzeit anlangende liebe Besuche zu empfangen pflegt.
AbendJe später up'n Abend, je schöner de Lüde.
dk] Je sildigere om aftenen, je smukkere folk.
fr] Le dernier venu est le mieux aimé.
se] Ju längere på dagen, ju wackrare folk.
AbendJe wärmer der Abend, je mehr quaken die Frösche.
AbendKomm', stiller Abend, nieder!
Georg Karl Claudius, Abendlied (gedruckt 1780), Melodie vom Verfasser
AbendLustiger Abend, macht unlustigen Morgen.
dk] Lang aften - glode giör lang morgen - stede. - Lystig aften giör ulystig morgen.
AbendMan soll den Abend nicht vorm Tage, die Jungfrau nicht vorm Morgen loben.
D. h. nichts voreilig und bevor mau Überzeugung gewonnen hat.
AbendMan soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Altes Sprichwort, z. B. auch Schiller, Wallensteins Tod 5, 4
AbendO wenn doch erst de Abend kêm, da man sülvst snitt un sülben itt.
Wunsch nach Selbständigkeit. Bezieht sich auf die ostfriesische Sitte, nach welcher es an den heiligen Abenden, d. i. an den Vorabenden der hohen Feste, den Kindern gestattet war, sich ihre Portion Fleisch selbst zu schneiden, die ihnen sonst vorgeschnitten ward.
AbendO wie wohl ist mir am Abend, mir am Abend,
Wenn zur Ruh die Glocke läutet, Glocke läutet: Bimbam, bimbam, bimbam!
Kanon, Musik v. Karl Schulz (1784-1850)
AbendRöt Abend vnd weiss Morgenröt macht, dass der Wandersmann dapffer geht.
AbendRoter Abend und brauner Morgen sind des Pilgers Wunsch und Sorgen.
fr] Rouge soir et blanc matin c'est la journée de pèlerin. - Rouge soir et blanc matin, renjoye au c?ur de pélerins. - Rouge vespre et blanc matin est la joie au pélerin.
la] Rubrum vesper, album mane peregrino.
AbendRoter Abend und grauer Morgen bringen einen schönen Tag.
AbendSchönen Abend vör'n Âben, säd' de Nachtwächter, dâr güng de Sünn' up.
(Hamburg)
AbendUnd dennoch sagt der viel, der "Abend" sagt.
Hugo v. Hofmannsthal: Ballade des äußeren Lebens (1879-1929)
AbendVor Abend kann das Wetter leicht sich ändern.
dk] Der bliver tit andel veyr inden aften.
AbendVor'n Abend noch'n mal, sagt der Mann, vor Pfingsten nicht mehr.
AbendWas am Abend dunkel scheint, erleuchtet der Morgen.
(Russland)
AbendWas den Abend tun gute gesellen, soll den Morgen niemand erzählen.
AbendWas du am abend tun magst, spar nit bis an morgen.
AbendWas du kannst am Abend tun, lass nicht bis zum Morgen ruhn.
AbendWas man des Abends aufgehoben, wird man des Morgens zum Frühstück loben.
en] Evening orts are good morning fodder.
AbendWas man zu Abend um vieri tut, kommt ei'm zu Nacht um nüni gut.
(Schweiz)
AbendWenn der Abend rot, ist morgens gut Wetter an Bord.
Geht die Sonne abends hell unter, so ist dies den Matrosen ein Zeichen, dass ein schöner Tag folgen werde. Sinn: Wer abends heiter schlafen geht, wird morgens mit guter Laune aufstehen.
AbendWenn es will Abend sein, verliert die Sonne Hitz' und Schein.
AbendWenn ich genug habe, wenn mir's leid ist, hör' ich auf.
AbendWenn's Abend ist, macht man die Tür zu.
AbendWer am Abend anfängt, hört noch vor Morgen auf.
AbendWer am Abend noch schlecht ist, der ist niemals gut.
AbendWer am Abend zur Hochzeit gewesen ist, dem schmeckt das Essen den folgenden Tag nicht.
fr] On ne dîne pas le matin, quand on est de noces le soir.
AbendWer auf einen truncknen Abent stilt, der muss auf einen nüchternen Morgen hengen.
AbendWer des Abends nicht satt isst, guten Schlaf vermisst.
AbendWer des Abends zu Haus bleibt, der hört des Morgens neue Zeitung.
AbendWer gut zu Abend isst, schläft gut.
It.: Chi ben cena, ben dorme.
AbendWer ist des Abends truncken, der redet nach Gedunken.
AbendWer sich am Abend den Magen nicht überlädt, dem tut des Morgens der Kopf nicht weh.
dk] Om aften som en biörn, om morgen som en skudt örn.
la] Qui cum Platone coenant, etiam postero die bene se habent. - Ut sis nocte levis, sit tibi coena brevis.
AbendWer sich nicht satt am Abend macht, muss sich drehn die ganze Nacht.
It.: Chi va a letto senza cena, tutta la notte si dimena.
AbendWer trinckt den Abend also sehr, dass jhm sein Kopff kompt auss der Kehr, der mach morgen eins vor was, so kompt jhm sein Kopff wieder zu Pass.
AbendWer weiß, was der Abend bringt!
cz] Neví?, co ve?er v sebou přinese.
dk] Man veed ei, hwad inden aften vil hendes.
la] Quid vesper ferat, incertum est.
AbendWie sich die Sonne erhebt, steigen die Morgennebel wie Rauchsäulen aus den Tälern empor, verschwinden aber bald in der sich immer mehr erwärmenden Luft. Abends findet der entgegengesetzte Prozess statt; die sich allmählich abkühlende Luft zieht sich zusammen, die Wolken sinken an den Bergen herab und lösen sich in der erwärmten Luft wieder auf. Dies Hellwerden ist aber kein Zeichen dauernder Heiterkeit. Die Franzosen sagen daher: Temps, qui se fait beau la nuit dure peu quand le jour luit.
en] An evening red and a morning grey is a sign of a fair day.
It.: Il rossor della sera buon tempo mena. - Sera rosso e negro mattino allegra il pellegrino.
AbendWillkommen, o seliger Abend,
Dem Herzen, das froh dich genießt!
Fritz von Ludwig, Gedichte. Der Maiabend (vor 1795). Melodie von Wilhelm Gottlieb Becker (1799).
AbendWun der Ôvend kit, schliesst eni de Dîr ze. (Siebenbürgen-sächsisch)
AbendZ' Obde isch nit früeh: Wer lang schiebt uf, hat Müch.
(Gegend am Thunersee)
AbendZu Abends toll vnd voll, zu Morgens siech vnd kranck.
AbendbrotAbendbrot geht vor Abendrot.
»Welch' köstliches Abendrot! sprach eine poetisch gestimmte Frau zu ihrem Gatten. Ein köstliches Abendbrot wäre mir lieber, erwiderte der hungernde Gatte.«
AbendbrotAuf zu gutes Abendbrot folgt eine schlechte Nacht.
es] Por mucha cena, nunca noche buena.
AbendbrotDen würd' ich noch nach dem Abendbrot verspeisen.
cz] Necht' se obouvá je?t? v mé ?korn?.
AbendbrotFreude wird jedesmal dein Abendbrot sein, wenn du den Tag nützlich zugebracht hast.
Thomas a Kempis, Die Nachfolge Christi 1, Hauptstück 25
AbendbrotFrühes Abendbrot bringt keine Not.
Weit eher hat spätes Abendessen üble Folgen.
It.: Chi cena a buon' ora, non cena in malora.
AbendbrotHe trett en dat Avendbrot af.
Er tritt ihm auf die Fersen.
AbendbrotKurz Abendbrot gedeiht am besten.
cz] Domáci ve?eře nejlépe sv?d?i.
Ill.: Domaía ve?era najbolje probade.
AbendbrotKurz Abendbrot macht lange Lebenszeit.
Slov.: Kratka vecerja, dolgo ?ioljenje.
AbendbrotLanges Abendbrot macht dem Magen große Not.
dk] Sterk altens maal ura og qval.
la] Ex magna coena stomacho fit maxima poena.
se] Nattmål giör bucken qwål.
AbendbrotLeichtes Abendbrot erhält das Betttuch rein.
en] Light suppers make clean sheets.
AbendbrotLieber ohne Abendbrot zu Bette gehn, als mit Schulden aufstehn.
en] Better go to bed supperless, than get up in debt.
fr] Allez plutôt vous coucher sans souper, que de vous lever avec des dettes. - Faim fait diner, passe-temps souper.
se] Bättre gå till sängs utan aftonward, än stiga upp med gäld.
AbendbrotNach mäßigem Abendbrot hat's mit dem Schlafen keine Not.
cz] Kdo chce spati sladce, nech ve??rí krátie. - Kratkó v?ceře lehká noe.
AbendbrotTrocknes Abendbrot macht langes Leben.
AbendbrotWer ein gutes Abendbrot findet, hat nicht zu lange gewartet.
dk] Han bider ikkefor länge, som fanger en god nadver.
AbendbrotWer ohne Abendbrot zu Bett geht, hat eine unruhige Nacht.
Die Portugiesen sagen im Gegenteil: Wer eine üble Nacht haben will, gehe nach dem Abendessen schlafen.
It.: Chi va a letto senza cena, tutta la notte si dimena.
pt] Sequeres enfermar, cea, et varte deitar.
AbendessenAuf mäßig Abendessen folgt ruhiger Schlaf.
dk] Paa aedra nadver fölger rolig sövn.
AbendessenBesser ohne Abendessen zu Bette gehen, als mit Schulden aufstehen.
AbendessenDas Abendessen hat mehr getötet, als Avizena geheilt hat.
(Spanien)
AbendessenDas Abendessen mit Saufen und die Frühmette mit Husten anfangen.
AbendessenDas Abendessen nach dem Tage, Schlafen bis zum Tage.
(Masuren)
pl] Wiecaerza dnia spal do dnia.
AbendessenDie sich ohne Abendessen legen, müssen sich die ganze Nacht bewegen.
nl] Wie sonder eten gaet te bedt die wort van slapen licht belet.
AbendessenFröhlich sei mein Abendessen!
Don Juan in Mozarts gleichnamiger Oper 2, 5 (1787), Text von da Ponte.
AbendessenNach dem Abendessen soll man gehn, nach dem Mittagstisch sich legen.
(Spanien)
AbendessenSpäte Abendessen machen verdrießliche Morgen.
Vgl. Luther's Werke von O. von Gerlach, XXIII, 120. In den Unterredungen, wie die Priester ihren Lebenswandel führen sollen.
AbendessenVorm Abendessen ein Glas Wein, lässt die Krankheit nicht zum Hause ein.
AbendessenWer sich ohne Abendessen legt, schwitzt (träumt) die ganze Nacht.
fr] Qui va se coucher sans souper, toute la nuit ne fait remuer.
AbendföhnObeföhn machts Wetter schön.
AbendgebetAbendgebet schließt das Auge.
AbendgebetAuf ein fromm Abendgebet folgt ein glücklicher Morgen.
dk] Lig blödt, svo södt, tag en pade i favn, glem ey nerrens navn.
AbendgesangAuf lustigen Abendgesang folgt oft ein trübes Morgenlied.
dk] God aftensang giör lit sorrigfuld ottesang.
AbendgesangSei der Tag drückend, sei der Tag lang,
Endlich doch tönet der Abendgesang.
Engl. Kirchenlied
AbendglockenläutenDes Himmels Wolken tauten
Der Erde Frieden zu,
Bei Abendglockenläuten
Ging die Natur zur Ruh.
Fr. Rückert, Abendlied
AbendglöckleinAbendglöcklein tönt von ferne.
Lied aus Offenbachs Singspiel: Die Verlobung bei der Laterne.
AbendhimmelRoter Abendhimmel verspricht einen heitern Morgen.
AbendlandDer Untergang des Abendlandes.
Titel eines bekannten Werkes von Oswald Spengler (1918-1922)
AbendliedDas Abendlied gen Himmel zieht.
Der dankbare Aufblick nach vollbrachtem Tagewerke ist Gott besonders angenehm.
AbendmahlDas Abendmahl auf etwas nehmen können.
Sprichwörtliche Beteuerung (aus den Gottesurteilen des Mittelalters).
AbendmahlIch will das heilige Abendmahl darauf nehmen.
Beteuerungsformel, die in den Ordalien und zwar in der Probe des geweihten Bissens und des Abendmahls ihren Ursprung hat, wobei dem Angeschuldigten die geweihte Hostie in der Meinung in den Mund gelegt wurde, er werde ersticken, wenn er die Unwahrheit sage; - stammt von den Gottesurteilen des Mittelalters her; konnte jemand eine geweihte Hostie hinunterschlucken, so war er unschuldig.
AbendmahlLass mich durch diß Seelen-Essen (das Abendmahl)
Deine Liebe recht ermessen,
Dass ich auch, wie itzt auf Erden,
Mag dein Gast im Himmel werden.
Johann Frank, geistlich Sion (1674). Vorbereitung zum heiligen Abendmahl. Schlussverse
AbendmahlMan muss das Abendmahl mäßiglich halten, will man am Morgen lustig walten.
AbendmahlzeitAus einer langen Abendmahlzeit erwächst dem Magen das größte Leid.
AbendmahlzeitKurze Abendmahlzeit macht lange Lebenszeit.
cz] Krátká ve?eře, dlouhý ?ivot.
fr] Abréger le souper, allonge la vie.
AbendnebelDicke Abendnebel hegen öfter für die Nacht den Regen.
AbendprassDer Abend Prass beschwert den Magen, kurtz essen kan man bass tragen.
AbendredeAbendred vnd morgenred, dye wollen nicht vberein tragen.
AbendredeAbendrede und Morgenrede kommen selten überein.
Wortspiel mit Röte und Rede, weil auch die Abendröte selten der Morgenröte gleicht.
dk] Aftenrede og morgenrede ere ikke eens. - Aftentale og Morgenteele ec altid eens. - Morgenrede og aftenrede ikke hinandens lige.
It.: Le parole della sera non correspondona sempre a quelle della mattina.
se] Aftonprat och morgenrat stämma ej altid (sälban) öfverens.
AbendredeAvendrede un Mörgenrede kumt nich altîd mit nanner överên.
Beim (Abend-) Trunk verspricht man oft, was man nach ausgeschlafenem Rausch nicht hält.
AbendredeAwendred' sön nich Morgenred.
AbendregenDar brött' en Abendregen vun, harr de Maid seggt, harr nich na Melken wullt.
Wenn sich das Wetter allmählich zum Regnen einrichten will, so sagt man: es brütet.
AbendregenWann aber schlägt die Abendfeierstunde...
Dann schüttelt
Von euch die Sorgen, frei erhebt das Haupt.
Chamisso, Nachhall
AbendrotAbendrôd gaud Wederbôd, Morgenrôd, dat et up der Aeren flôt (dass es auf der Erde floss)
Die Böhmen behaupten das Gegenteil: Der Aufgang brennt, der Untergang löscht: Východ hoří, zapad hasí. - Ranní ?ervánky jasno ve?erní dé?t anamenají.
es] Aurora ruvia, o viento o lluvia.
AbendrotAbendrot - Gut-Wetterbot.
Ein geröteter, wolkenreiner Horizont am Abend ist meist der Vorbote eines schönen Tags.
AbendrotAbendrot - morgen got, Morgenrot - pladdert got.
Der Wunsch, das Wetter vorausbestimmen zu können, ist ein uralter; daher begegnen wir allerorten einer Menge meist aus früher Zeit herrührender Regeln, denen aber dann alle Berechtigung abgesprochen werden muss, wenn sie auf Wochen, Monate und länger hinaus den Witterungsverlauf feststellen zu können vorgeben.
AbendrotAbendrot - Morgenrot.
AbendrotAbendrot backt Brot.
AbendrotAbendrot bringt gut Morgenbrot.
AbendrotAbendrot gibt en gut Morgenbrot.
AbendrotAbendrôt is gôd, man Mörgenrôt gift Water in de Slôt (Graben).
(Ostfriesland)
se] Aftonrodnad ger klar natt morgonrodnad en våt katt. (Im Monat Juni bei Westwinden.) - Aftonrodnad'n gör fager nat, morgonrodnad'n - gör daggig hatt.
AbendrotAbendrot und Morgenhell sind ein guter Reisegesell.
en] The evening red and the morning grey, is a sign of a fair day (and sets forth the pilgrim on his way).
la] Nocte rubens coelum cras indicat esse serenum.
AbendrotAbendrot und Morgenrot kommen nicht immer überein. Auf Sylt: Ins'reil an Miärrensreil kum ek aaft aurjen.
fr] Rouge au soir, blanc au matin, c'est la journée du pélerin.
AbendrotAbendrot, dem andern doch gut Wetter bot, Morgenrot den auwend an dem thune floth.
AbendrotAbendrot, Morgen gôd.
(Holstein)
AbendrotAbendrot, morgen Handschuh not.
(Steiermark)
AbendrotAbendrot, morgen Wind oder Kot.
(Österreich)
AbendrotAbendrot, mörjen moje Wer (schön Wetter).
AbendrotAbendröte bei West gibt dem Froste den Rest.
AbendrotAbendröte und Morgenröte muten (kleiden, putzen) oft nicht überein.
dk] Aftenröde og Morgenröde ere ec eens.
AbendrotAbendröte, Morgenschöne.
AbendrotAbenrôd, morgengôd, Morgenrôd bringt Water in den Sôt.
(Holstein)
Hellroter Morgenhimmel verspricht den Brunnen Wasser am Tage.
AbendrotAvendrod mäckt Wedder god.
AbendrotAvendrôt, Awendrôt, morgen moie wer.
AbendrotInjriad an Mârenriad kem eg altidj rauer ians.
(Amrum)
AbendrotOab'nroat - d' Sun ei d' Schroat, Morgenroat - schmatzt ei's Koat.
(Innsbruck)
AbendrotObetrot, Guetwetterbot.
(Appenzell)
AbendrotObetröte, Guetwetterschöne.
AbendrotOwendraud gut Wedder baut, Morgenraud den Owend de Bicke (Bach) flaut.
(Waldeck)
AbendrotOwendreöt guet Weär bedeöt, Morgenreöt füllet den Peöl (Pfütze).
(Lippstadt)
dk] Aftene röde, morgen godt veyr; morgenröde, aftenblöde.
AbendrotRot Abend- und weiße Morgenröt, macht dass der Wandrer freudig geht.
se] Aftenröd och morgen grå vaskert väder gerna spå. - Aftonrådo sköon morgen bådar.
AbendsAbends geschwelgt - morgens gekelcht.
AbendsAbends ist warm der Herd, morgens der Stêrt.
AbendsAbends ohne Schulden ist morgens reich.
AbendsAbends putzt sich des Kuhhirten Frau.
Die Frau des Kuhhirten, welche am Tage mit den Kühen und im Schmutz zu schaffen hat, zieht erst am Abend etwas Reines an (schmückt sich).
AbendsAbends rot ist morgens gut, morgens rot thut selten gut.
AbendsAbends rot, morgens tot.
fr] Rouge soir et blanc matin, c'est la journée du pélerin.
AbendsAbends suchen Raben und Wölfe die Kaiben, Mücken den Milchhafen und Mönche, was sie freut.
AbendsAbends vull - morgens null.
AbendsAbends werden die Faulen fleißig.
Abends wart de Faulen flitig.
So sagt der Holsteiner spöttelnd von einem, der den ganzen Tag faulenzt, weil da bald wieder Feierabend wird.
AbendsAbends wie ein Bär, morgens wie ein geschossener Adler.
dk] Om aften som en biörn, em morgen som en skudt örn.
AbendsAbends zechen, morgens ratschlagen.
AbendsDe Oawends in der Julen dann spinnet du Fiulen, geit dat Rad de Klipp de Klapp, se hädden so geren upen Haspel wat.
(Westfalen)
Julen = Dämmerung, Zeit der Eulen, auch Julenflucht.
AbendsDes Abends is dei Heerd warm, des morgens is dei Steert warm.
Darum fürchtet man sich im Winter abends ins Bett und morgens heraus.
AbendsDet Oawens huck, det muorgens tuck.
AbendsDie abends weinen, werden morgens lachen.
cz] Ve?er plá?, a zjitra radost.
AbendsEines vollen abends soll keiner nicht in argk gedenken.
AbendsÔmens blô, morjens schrô; ômens geel, morjens schnel.
(Trier)
Trübes Wetter. Ein Fischersprichwort aus Triers Vorort Barbele.
AbendsOmens ruhd, morjens gud; morjens ruhd duhd selde gud. Omens blass, morjens nass.
(Trier)
AbendsOwends däut me de Döer tau.
(Westfalen)
AbendsWen man des Abends satt nicht macht, der rühret sich die ganze Nacht.
AbendsWenn nicht aus Lust, doch aus Not.
AbendsWer abends geigt, kann morgens tanzen.
AbendsWer abends ohne Schulden, hat morgens einen Gulden.
D. h. ist reich!
AbendsWer die abends stiehlt, bringt sie morgens wieder.
AbendsegenAbendsegen - Morgensegen.
AbendsegenEin guter Abendsegen trocknet die Mittagstränen.
AbendsegenKlâs Abendsegen.
(Mecklenburg)
AbendsegenNu to'n drüddenmal, säd de oll Frû, un las'n Abendsegen.
AbendsonneDie Abendsonne ist schön, aber sie reift keine Trauben.
dk] Mod aften mister solen sin varnu og skin.
AbendsonneGoldne Abendsonne,
Wie bist du so schön,
Nie kann ohne Wonne
Deinen Glanz ich sehn!
Anna Barbara Urner, An die Abendsonne (ged. Aug. 1788). Melodie von Hans Georg Nägeli (komponiert 1815).
AbendsonnenstrahlEs blüht ein Blümchen irgendwo,
In einem stillen Tal,
Das schmeichelt Aug und Herz so froh
Wie Abendsonnenstrahl.
G. A. Bürger, Das Blümchen Wunderhold
AbendstegeAbendstege sind der Liebe Pflege.
Die Abendstege erfahren viele Dinge.
AbendsternO du mein holder Abendstern.
Wilhelm Richard Wagner, Tannhäuser (Wolfram). (Uraufführung 19. Okt. 1845 in Dresden).
AbendtauAbendtau im Mai bringt Korn, Wein und Heu.
AbendtauAbendtau im Mai, gibt das rechte Heu.
AbendtauAbendtau und kühl im Mai, bringt Wein und Heu.
AbendwolkenGuter Mond, du gehst so stille
Durch die (oder: in den) Abendwolken hin.
Volkslied um 1780
AbendwunschAbendwunsch ist auch ein Wunsch.
Ein Wunsch bleibt, kommt er auch spät, doch ein Wunsch.
AbenteuerAbenteuer ist selten allein.
mhd] Die eventure is mannichvalt. - Dat eventur is mannichvolt.
AbenteuerAbenteuer ist selten geheuer.
Vläm.: Avontuur is rond.
AbenteuerAbenteuer kommen nicht zum Frühstück.
Vläm.: Avontuur komt niet bij vroeg opstaan.
AbenteuerAbentewr bringt vorteil.
AbenteuerAuf Abenteuer schauen (warten).
Bei den Handwerkern auf gut Glück arbeiten.
AbenteuerDat will en Eventür wesen.
Das wird aufs Glück ankommen.
AbenteuerEr hat viel Abenteuer durchgemacht.
Viel erfahren, gefährliche Dinge unternommen.
cz] Divna on pro?el pra?eta.
AbenteuerHe mut sin Eventür stân.
Er muss seine Gefahr laufen.
AbenteuerUp Eventür.
Aufs geratewohl.
AbenteuerlichEs stat abentürlich.
Hieß im 14. Jahrhundert soviel als: die Wege und Straßen sind unsicher vor Raubrittern.
AbenteuernAbenteuern soll man nicht in wichtigen Dingen.
AbenteuernIk mag et nig eventüren.
Ich mag's nicht machen.
AberAber doch!
AberAber, ein ungeschlachter Schlagbaum vor dem Tore der Erwartung.
Ludwig Bechstein, Arabesken (1832)
AberAber, Wenn und Gar, sind des Teufels War'.
AberDas Aber ist ein Zaun, über den sich wenige traun.
AberDas wörtlein aber ist klein vnnd hat ein grossen Rock, man kan viel darunter verbergen.
AberEs ist ein Aber dabei.
Wenn man Bedenken trägt, eine Sache zu unternehmen, oder wenn man weiß, dass jemand gewisse Ursachen hat, sich in die Sache nicht einlassen zu wollen. Eine jüdisch-deutsche Redensart heißt: Es is e Wajhi (ein Übel) dabei, weil man annahm, dass jede Erzählung der Bibel, die mit dem Worte wajhi (und es war) beginne, ein Übel enthalte, vielleicht wegen der Ähnlichkeit des Wortes mit waj hi (wehe ist's).
se] Det var ett Aber.
AberEs ist kein Mensch ohne ein Aber.
Sprichwort
AberIhr füttert die Pferde mit Wenn und mit Aber.
Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
Hat sicher aus Häckerling Gold schon gemacht.
Bürger, Der Kaiser und der Abt
AberJeder hat sein Aber.
fr] Chacun a ses défauts.
nl] Niemant en is sonder dat.
la] Jam vix sunt visi qui cavere nisi.
AberKein Mensch ist ohne Aber (oder: Jede Sache hat ihr Aber).
AberOhne Aber ist nichts in der Welt.
la] Beatum ab omni parte nihil est. (Horaz)
AberOhne Aber kein Mann, keine Zeit ohne Wenn und Dann.
la] Nunquam sunt visi qui caruere nisi.
AberStill mit dem Aber! Die Aber kosten Überlegung.
Gotthold Ephraim Lessing, Emilia Galotti (1772), IV, 3 (Orsina).
AberWäre kein Aber dabei, so wäre Rattengift Arzenei.
AberWäre nicht das Aber, jedes Pferd hätte seinen Haber.
AberWenn das Aber nicht war', hätte mancher einen guten Ruf.
la] Si nisi non esset perfectus quilibet esset.
hu] Ha ha nem volna, minden szegény gazdag volna.
AberWenn das Aber nicht wär', so söffen manche das ganze Meer.
fr] Avec un Si on mettrait Paris dans bouteille (oder dans sa poche).
AberWenn das Aber und Wenn nicht wär', so hätte niemand viel Beschwer.
AberWenn man das Aber nicht hette, so were mancher bei gutem Lobe.
AberWer das Aber nicht bedacht, dem hat's zum Schluss einen Strich gemacht.
AberglaubeAberglaube bedeutet Mangel an Selbstvertrauen.
AberglaubeAberglaube hat Bohnen in den Ohren.
AberglaubeAberglaube ist das Kennzeichen eines schwachen Geistes.
Honoré de Balzac
AberglaubeAberglaube ist die Form der Ehrfurcht, die selbst den Zufall als eine Anordnung höherer Mächte anerkennt.
Carl Ludwig Schleich (1859-1922)
AberglaubeAberglaube ist ein morscher Stab, wer sich darauf stützt, der fällt hinab.
cz] Pov?ra jest h?l, kdo jí v?ró, tent? v?l.
AberglaubeAberglaube ist keine Wissenschaft.
AberglaubeAberglaube und Schwindsucht erben von Geschlecht zu Geschlecht.
AberglaubeAuch der Aberglaube profitiert vom jeweiligen Stand der Wissenschaft.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
AberglaubeDas einzige Mittel gegen Aberglauben ist Wissenschaft. Nichts anderes kann diesen Pestflecken aus dem menschlichen Geiste hinwegwischen. Ohne sie bleibt der Aussätzige ungereinigt und der Sklave unbefreit.
en] The only remedy for superstition is knowledge. Nothing else can wipe out that plague-spot of the human mind. Without it, the leper remains unwashed, and the slave unfreed.
Henry Thomas Buckle, Gesch. d. Zivilisation (1858-1861). K. 15
AberglaubeDem Aberglauben wachsen die Federn, der Zufall mag ihm dienen oder schaden.
Jean Paul, Leben Quint. Fixlein (1796)
AberglaubeDer Aberglaub', in dem wir aufgewachsen,
Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum
Doch seine Macht nicht über uns. - Es sind
Nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.
Gotthold Ephraim Lessing, Nathan der Weise (1779), IV, 4 (Tempelherr)
AberglaubeDer Aberglaube gehört zum Wesen des Menschen und flüchtet sich, wenn man ihn ganz und gar zu verdrängen denkt, in die wunderlichsten Ecken und Winkel, von wo er auf einmal, wenn er einigermaßen sicher zu sein glaubt, wieder hervortritt.
Joh. Wolfg. von Goethe, Werke (1827-1830), Maximen und Reflexionen, Abteilung 1
AberglaubeDer Aberglaube gemeiner Leute rührt von ihrem frühen und allzu eifrigen Unterricht in der Religion her.
Georg Christoph Lichtenberg, Verm. Schriften (1800-1806), Bd. 1, Nr. 3, Bemerk. verm. Inhalts, Nr. 11, Allerhand
AberglaubeDer Aberglaube ist das ungeheure, fast hilflose Gefühl, womit der stille Geist gleichsam in der wilden Riesenmühle des Weltalls betäubt steht und einsam.
Jean Paul, Vorschule der Ästhetik (1804)
AberglaubeDer Aberglaube ist die Poesie des Lebens; deswegen schadet's dem Dichter nicht, abergläubisch zu sein.
Joh. Wolfg. von Goethe, Werke (1827-1830), Maximen und Reflexionen, Abteilung 3
AberglaubeDer Aberglaube ist ein Kind der Furcht, der Schwachheit und der Unwissenheit.
Friedr. d. Große, Sämtl. Werke (1789)
AberglaubeDer Aberglaube trauet den Sinnen bald zu viel, bald zu wenig.
Gotthold Ephraim Lessing, Sämtl. Schriften. Theologische Streitschriften (1777). Das Testament Joh.
AberglaubeDer Aberglauben macht die Gottheit zum Götzen, und der Götzendiener ist um so gefährlicher, weil er ein Schwärmer ist.
Joh. Gottfr. von Herder u. Liebeskind, Palmblätter (1787-1800), Teil 4, Erzählung 1
AberglaubeDer Aberglauben schlimmster ist, den seinen
Für den erträglichen zu halten.
Gotthold Ephraim Lessing, Nathan der Weise (1779), IV, 4 Tempelherr
AberglaubeDer Tod ist das Ende aller Dinge des menschlichen Lebens, nur des Aberglaubens nicht.
Plutarch, Moral. Abhdlgn.: Vom Aberglauben (Kaltwasser).
AberglaubeDringt durch des Aberglaubens Nacht,
Die euch zu finstern Köpfen macht.
Christ. Fürchtegott Gellert, Fabeln u, Erzählungen (1746), Buch 2, Der Freigeist
AberglaubeEin jeder Aberglaube versetzt uns in das Heidentum.
Justus von Liebig (1803-1873), Chemische Briefe
AberglaubeEs gibt sehr viele Leute, die glauben - aber aus Aberglauben.
Blaise Pascal (1623-1662)
AberglaubeEs ist schon viel mit der guten Vorbedeutung gewonnen, und der Aberglaube selbst ist nützlich, wenn er im Vertrauen bestärkt.
Karl Wilh. von Humboldt, Briefe an eine Freundin (Febr. 1835)
AberglaubeGlaube, dem die Tür versagt,
Steigt als Aberglaub' ins Fenster;
Wenn die Götter ihr verjagt,
Kommen die Gespenster.
Emanuel Geibel, Gedichte u. Gedenkblätter (1864), Spr. Nr. 44
AberglaubeJe weniger die Leute glauben, desto abergläubischer werden sie.
Jeremias Gotthelf (1797-1854)
AberglaubeLaßt euch nicht mit falschen Göttern ein!
1 Johannes 5, 21
AberglaubeLeichtgläubige Menschen verfallen leicht dem Aberglauben.
AberglaubeNur Glaube existiert, Aberglaube ist ein monströser Begriff.
Gerhart Hauptmann (1862-1946)
AberglaubeO Aberglaube, dickste Nacht,
Wie drückst du schwer die Welt!
Das Licht, es ist umsonst erwacht
Am hohen Sternenzelt!
Karl Aug. Georg Max Graf von Platen-Hallermund, Gedichte. Verm. u. Gelegeheitsgedichte. In Palermo (ged. 1835)
AberglaubeSklaverei und Aberglaube können Kampanien zu einem Lande von Bettlern machen und die Ebene von Enna in eine Wüste verwandeln.
en] Slavery and superstition can make Campania a land of beggars, and can change the plain of Enna into a desert.
Thomas Babington Lord Macaulay, Reden. Reden zur Eröffnung d. Glasgow College (21. März 1849)
AberglaubeStets liegt, wo das Banner der Wahrheit wallt,
Der Aberglauben im Hinterhalt.
Karl Aug. Georg Max Graf von Platen-Hallermund, Die neuen Propheten (gedichtet 1817), Die Nationale
AberglaubeVernichten wir den Elenden (den Aberglauben).
fr] Écrasons l'infâme.
Voltaire, Briefe, (1759-1768), An verschied. Personen
AberglaubeVom Aberglauben ist Unglauben stets begleitet,
Und Aberglauben hat zum Glauben oft geleitet.
So im Unglauben ist der Glaube schon enthalten;
Durch Gottes Kraft geweckt, wird er sich draus entfalten.
Friedr. Rückert, D. Weisheit d. Brahmanen (1836-1839). B.18, Nr. 43 (Stufe 6. Prüfung. Nr. 341)
AberglaubeWuchern wird der Aberglaube,
Wo man weg den Glauben warf.
Friedr. Rückert, Gesammelte Gedichte (1835-1838). Bd. 3
AberglaubeZuschanden werden alle, die den Bildern dienen, die der Götzen sich rühmen.
Psalmen 97,7
AbergläubigDer wird gar leicht berückt, wer abergläubig ist.
Karl Wilh. Ramler, Fabellese (1783-1790). Bd. 4, Nr. 25. D. Gärtner
AbergläubischDer Mensch, der sich vieles Glücks und seiner Schwäche bewusst ist, wird abergläubisch, flüchtet zum Gebet.
Georg Christoph Lichtenberg, Verm. Schriften (1800-1806). Bd. 2, Nr. 2. Bemerk. verm. Inhalts. Nr. 4. Beobachtungen über d. Menschen
AbergläubischDie Menschen sind aus Gewohnheit abergläubisch und aus Instinkt Schurken.
Voltaire (1694-1778)
AbergläubischeDer Abergläubische lässt den Himmel einfallen, wenn eine Mücke niest.
AbermalAbermal nicht mehr, liebes Kind.
AbernEr abert beständig.
fr] Il a toujours des mais.
AbernWer ewig abert, holt keinen Hasen ein.
Wer vor lauter Bedenklichkeiten nicht zum Anfange einer Sache gelangt, wird wenig vollbringen und erreichen.
AberwitzAberwitz ist keinem nütz.
AberwitzAberwitz und Narrenhand, malet sich auf jede Wand.
en] He is a fool and ever shall, that writes his name upon a wall.

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