Deutsche Sprichwörter >>>

A beser Mut äs nit gud.

A bissel, an immer wieder a bissel, so kriegt ma's Fassel vull.
Schlesien
ho] Beetje bij beetje, zei de vrouw, dan komt de ton vol, en toen maakte zij boter.

A bissele dumm isch am End jeder, aber so dumm wie mancher isch doch koiner.

A bravs Madl und a guats Knedl steht ungweckt auf.
Wien

A Brei waart so hiat egh idjen üs'r ap den waart.
Nordfriesland
info] Es wird nicht jedem Befehl, besonders dem zu strengen, sogleich Folge geleistet, wenn er gegeben ist, er wird selten in dem Umfange ausgeführt, in welchem er erlassen ward.
ndt] De Briei wärt altît haiter opgaft ärr 'e giäten wärt.
Arnsberg
ndt] Me ittet den Brî nit sau wârme, osse ennem für'n satt wêrd.
en] Things are never as bad as they look.
fr] Tout s'arrange avec le temps.
it] Non si deve tutto prendere per oro colato.

A breite Tür herein ün a schmale heraus.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Von anscheinend lockenden Geschäften, die uns später viel Sorge machen.

A Bröckl streckt an Aaderl.
Bayern
info] Auch eine kleine Gabe tut Wirkung.
hdt] Ein Bröckchen streckt ein Äderchen.

A Bud is wie Taschlech.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Taschlech heißt die Zeremonie am ersten Neujahrstage, wenn man zum Flusse geht, um dort nach einem kurzen Gebete die Sünden abzuschütteln. Sinn: Ein Bad ist für den Körper, was das Taschlech für den Geist, nämlich reinigend.

A Chussen nemmt män nit zü Gast auf Peissech.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Chussen = Bräutigam; Peissech = Osterfest. Es ist sonst Sitte, einen Bräutigam zu größeren Feiertagen einzuladen. Zu Ostern aber tut man es nicht gern, weil an diesem Feste von den zehn ägyptischen Plagen erzählt wird, was für das Brautpaar ominös werden könnte.

A D und R, sagte der höfliche Bauer, als man ihn fragte, was er vom Schulzen bekommen habe.
Oberlausitz
info] Wird sehr häufig zur Beantwortung der Fragen gebraucht, wo man die Antwort geben will: einen Dreck

A darf nich denken, dass armer Loite Kinder Katzen sein, wenn se gleich rauche Keppe hoan.

A dieu sünd, A dieu schand.

A earger Skelm, a beedar Lok.
Nordfriesland
info] Das Wort Schelm kommt immer mit der Nebenbedeutung vor, dass jemand bei irgendeinem Streich, einer schlimmen Handlung mit besonderer Schlauheit zu Werke geht.
z] Wer weiß, welchem Christen der Schelm das gestohlen hat.
z] Ein pfiffiger Schelm.
hdt] Je ärger Schelm, je besser Glück.

A Ei es schnell gelegt, aber nit schnell ausgebrüt.
Nassau

A enger Handschuh und a weiter Schuh.
Neresheim.

A fauler Scheluech gefind't alle Terügim.
Jüdisch-deutsch in Warschau
info] Scheluech = Bote; Terügim = Ausflüchte. Um einen Gang nicht machen zu müssen, ersinnt ein solcher Bote alle erdenklichen Vorwände, was ihm den Ruf eines halben Propheten eingetragen hat.
la] Nuncius piger.

A fauler Schelüech is a halber Nuwij.
info] Um einen Gang nicht gehen oder ein Geschäft nicht besorgen zu müssen, sagt der Träge, als ob er es schon im voraus wüsste, es sei doch umsonst, es nütze nichts; und so ist der faule Bote (hebräisch Scheliach) ein halber Prophet (hebräisch Nowi).

A Federn am Hut, im Herz frischen Mut.
Tirol

A Ferthinst gongt me a Swin tu Bêd an stênt me a Hannen wedder ap.
Amrum
hdt] Der Verdienst geht mit den Schweinen zu Bett und steht mit den Hühnern wieder auf.

A fetter Ruw ün a mugerer Gallech taugen nit.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Ruw = Rabbiner; Gallech = Pfaffe.

A fiinst Famnen wurd a slordagst Wüffen.
Nordfriesland
hdt] Die feinsten Mädchen werden die schmutzigsten Weiber.

A Floj känn auch beißen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Floj = Floh. Selbst der Kleinste kann schaden.

A Fôglar diar so êder sjong, gung a Kâter iar inj aauer a dik me (wegh me üüb a Dâi).
Amrum
hdt] Die Vögel, die so früh singen, mit denen geht die Katze über den Deich (am Tage weg).

A Gaul, der das Schlagen gewohnt ist, tut nimmer anders.

A G'hag is a Grunddieb.
Oberösterreich
info] In älterer Zeit waren dieselben häufig die Marken und bestanden meistens aus (Hasel-)Pflanzungen.
hdt] Ein Gehege ist ein Grunddieb.

A Gost mag a Gästel mîte brengen.
Schlesien
info] Gost = Gast

A großer Bauch kommt net von kloine Lensa.

A großer Vogel braucht a groß Nest.

A gscheite Supp ka koin Domma schada.

A gülden Nägele zieht a eisern Wägele.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Nägele = Nägelchen

A güt Wort bringt a güte Äntver.
Jüdisch-deutsch
info] Äntver = Antwort. Freundliches Entgegenkommen gewinnt die Herzen.

A gute Red find a guate Statt.

A Guter brauch' kein Klopp, a Schlachten helfen kein Klopp.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Klopp = Schläge

A güter Chasen, thur sich nit schmaden.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] thur = darf; schmaden = taufen lassen. Weil er vermöge seiner Borniertheit nicht fähig ist, selbst einen der vielen Erwerbszweige, die dem Christen offen stehen, zu ergreifen.

A gûter Esser is a schlechter Faster.
Jüdisch-deutsch, Warschau

A Guter gehört auf dem guten Ort.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Unter dem guten Ort ist der Kirchhof verstanden.

A güter Schlittweg is a güter Wugenweg, a güte Tochter is a güte Schnür, a schön Mädel is a schön Weibel.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Schnür = Schwiegertochter. Was von Natur gut ist, bleibt es auch unter allen Verhältnissen.

A guts Rühle got über a guts Brühle.
Schwarzwald
info] Die Brühe oder Suppe ist das Leibessen in Schwaben; dennoch legt das Sprichwort der Ruhe, wenn auch nur einer kleinen, einen noch höhern Wert als der Suppe bei.

A G'vada is a G'vada.
Oberösterreich
info] Eine uns nahestehende geachtete Person.
hdt] Ein Gevatter ist ein Gevatter.

A habernes Ross und an g'schmalzenen Mann, die zwoa reisst koa Teufl zam.
Oberbayern
info] Hafer macht das Pferd, Schmalzkost den Mann arbeitsfähig und stark.

A Handschrift ist für Leben und Sterben guet.

A Heeler as eg beeder üs a Steeler.
Amrum
hdt] Der Hehler ist nicht besser als der Stehler.
ndt] Di Hiäl'ler es ek beedter üs die Stiäl'ler. Sylt

A Hööbh as an lungh Sial.
Amrum
hdt] Die Hoffnung ist ein langes Seil.

A Höön as Bäs üübh san ânj Njoksstâl.
Amrum
hdt] Ein Hahn ist Meister auf seinem eigenen Misthaufen.

A Huat für alle is no net erfundn woarn.

A Huhn, wus kräht; a Goj (Nichtjude) wus jüdisch redt; a Jüden (Jüdin), wus lernt Thojre (Bibel studiert), is nit kein güte Sechojre (Ware).
Jüdisch-deutsch, Warschau

A Hund schickt a Hund; a Ruw (Rabbiner) schickt a Ruw.
Jüdisch-deutsch, Warschau

A Hund, das ne bellt, on a alt Weib, wos ne schempft, die senn olle bede nisch netze.

A ieds Mandl hat sein Brandl.

A jeder Fuchs lobt senn Schwanz; war kann bot, spricht: s is besser ohne Schwanz.

A Jüd geboren, a Jüd verloren.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] In Russland wollte man früher die Soldaten jüdischen Glaubens durch Versprechungen auf Avancement zum Bruche verleiten, was die meisten derselben mit obigen Worten zurückwiesen. Verloren hat hier den Sinn von zu Grunde gehen.

A Jud git sich tummid (immer) an Eize (Rat).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Drückt den Gedanken aus, dass der Jude reich an Scharfsinn oder vielleicht Spitzfindigkeit sei.

A Jud hot in Sinn Weib ün Kind; a pojlischer Puritz (polnischer Edelmann) hot in Sinn Ferd ün Hünd.
info] Der (polnische) Edelmann liebt Jagd und Sport; der Jude sorgt für Frau und Kind.

A Jud mit a großen Spodek (Pelzmütze), aber mit a treiphe Lew (unreinem Herzen).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Die Redensart wird von Scheinheiligen gebraucht, die auf Äußerlichkeiten viel Gewicht legen.

A Juden thur (darf) män nit geben dus gebotene Geld.
Warschau
info] Angeblich weil er sich kränken würde, keinen höhern Preis für die Ware verlangt zu haben.

A jüdisch Aschiren (Reichtum) is wie a Mazowe (Märzschnee).
Jüdisch-deutsch, Warschau.
info] So vergänglich wie Märzschnee ist jüdischer Reichtum. Da die Juden in den meisten Staaten keine Grundstücke erwerben durften, so schmolz ihr schwer erworbenes Vermögen bei der ersten ungünstigen Glückswendung unwiederbringlich dahin.

A jüdische Jerüsche (Erbschaft) is a güldene Ader.
Warschau
info] Das einzige Erbteil, das ein Jude überkomme, soll die goldene Ader sein.

A jüdische Kapote (Rock) is a Rock mit zwei kleinen Säckloch.
Jüdisch-deutsch, Warschau

A jüdische Majd (Maid) känn mä nit nöthen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Man kann sie nicht zum Heiraten zwingen.

A jüng Weib is wie a schön Vögele, was män muss halten in Steigele (Vogelbauer).
Jüdisch-deutsch, Warschau

A junge Haut schreit überlaut.
Schwaben

A junger Fechter, a alder Batler.

A Jüngl (Jüngling) thur (darf man) nit lassen lang zusehen.
info] Zur Erklärung des frühen Heiratens bei den Juden.

A klani Hanor und a große Masor.
Jüdisch-deutsch
hdt] Ein kleines Vergnügen und eine große Last.
info] Beischlaf - Schwangerschaft

A klan's Kind bringt an Wåg'n voll Arbeit.
Niederösterreich

A klein Kind is a Spilechin (Spielzeug), a groß Kind is a Mühlechin.
Jüdisch- deutsch, Warschau
info] Kleine Kinder machen Vergnügen, große Sorgen.

A kleines Donnerwetter is gud, sagte der trunkene Bauer, da warf er Gläser und Töpfe an die Wand.

A klenst'n Hund'na hengt mer di größten Prügel ou (an).
Franken
hdt] Dem kleinsten Hund gibt man die meiste Prügel.

A Kloak as föör a Dommen.
Amrum
hdt] Die Glocke (Uhr) ist für die Dummen.

A Kranken frägt män, a Gesünden git (gibt) man.
Warschau
bm] Kemocných se ptávají, zdravým dávají.
pl] Chorego pytają, zdrowemu daja.

A krümme (lahme) Mühme (Muhme), fort (doch) a Mühme.
hdt] Wenn auch die Muhme lahm ist, so ist sie doch eine Muhme.
info] Die Verwandten soll man schätzen, wenn sie auch Fehler haben.

A Kuh is über'n Dach geflogen än hot an Ei verloren.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Eine starke und doppelte Übertreibung à la Münchhausen, um Aufschneider u. dgl. zu züchtigen.

A Kuküütj sprêgt san ânj Nöom üütj.
Amrum

A kuscherer Topf ün a kuscherer Löffel is kuscher.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Kuscher heißt, was nach den jüdischen Speisegesetzen erlaubt ist. Wenn man regelmäßig verfährt, so ist alles in Ordnung.

A Kuss ist a Schtuss.
jüdisch-deutsch] ein Kuss ist eine Torheit.

A lachete Braut, a woanete Frau.
Oberpfalz
hdt] Eine lachende Braut, eine weinende Frau.
info] Man hält's für ein glückliches Zeichen, wenn die Braut am Altare weint, vermutlich darum, weil sie den Ernst des Schrittes erkennt.

A lafedi Hon kriagt mêr, wi a hockedi.
Franken
hdt] Eine laufende Henne kriegt (findet) mehr als eine hockende oder sitzende.

A langsamer Hund kommt o eis Durf (o. ins Dorf).

A lausiger Schulze, a nisige Gemeind.
info] Wie die Läuse Nise zeugen, so pflegen sich die Mitglieder der Gemeinde nach dem Vorsteher derselben zu bilden und zu richten.

A lediger Leib ist Goldes wert; wer's nett glaubt, ist Henkers wert.
Deisslingen

A Littwak hot a Zeilem (Kreuz) in Kopp.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Die litauischen Juden stehen bei ihren polnischen Glaubensgenossen in keinem guten Rufe. Letztere behaupten nämlich, dass die Littwaki vom Judentum abfallen, sodass jeder von ihnen von vornherein ein Kreuz im Kopfe trägt.

A Littwak starbt nit.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Es wurde bei dem vorangehenden Sprichwort bereits bemerkt, dass die litauischen Juden bei ihren polnischen Brüdern, welche von dem Treiben der Litauer manches zu erzählen wissen, nicht gut angeschrieben stehen. So sagen die Polen: ein Litauer sterbe nie als solcher. Entweder er wandere nach Sibirien und ende als Sträfling, oder er falle vom Judentum ab und heiße dann Getaufter; oder er ziehe nach dem Heiligen Lande, als wenn er als Erez-Isruel-Jüd figuiert. In keinem Fall stirbt er als Littwak.

A lukade Strumpf, des mirk de Hâns, der is a alsa awicha nimma gånz.
Wien
hdt] Ein löcherner Strumpf ist auch auf der Kehrseite nicht heil.

A Mädel is wie a Handtech.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Das leicht Flecke bekommt. Um zu sagen, es soll sehr sorgfältig auf seinen guten Ruf achten.

A magerer Wirt und a kloiner Bürgermoischter verschandlet de Ort.
Allgäu

A Mann a Wort oder a Hundsfott.
Ulm

A Maschken (Pfand) soll män versetzn ön reich soll män sein.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Scherzhafte Hervorhebung des Reichtums.

A Mäusedreck ist koin Kümmich, und a Kuhdreck ist koin Backschmalz.
Bietigheim

A Mensch îss ju kê Hund.

A mießen Mojd (Maid) soll män kein Küsch (Kuss) nit geben.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Weil sie sich leicht überheben und viel darauf einbilden könnte. Müß, mieß = hässlich.

A Mojcher-Sfurim (Buchhändler) is kein Lamden (Gelehrter), a Chalphen (Wechsler) is kein Ojscher (reicher Mann), ün a Kwures-Jüd (Totengräber) is kein Zaddik (frommer Mann, Gerechter).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Nicht immer lässt sich eine Person nach dem Berufe beurteilen. Der Buchhändler, obwohl er viel mit Büchern zu tun hat, ist nicht immer gelehrt; der Wechsler, so viel er von Geldsorten und Werthpapieren redet, nicht stets reich; und der Totengräber, der das 'Memento mori' allzeit vor Augen hat, selten genug fromm.

A Mua un a Wei is a Lei un zwee Ranzen.
Eger
hdt] Ein Mann und ein Weib ist ein Leib und zwei Ranzen.
info] Wenn auch nach der Schrift Mann und Weib ein Leib (zwei in einem Fleische) sind, so bedarf doch dieser Leib die doppelte Nahrung des einfachen, was das obige Sprichwort denen zu bedenken gibt, die eine Ehe schließen, ohne zu wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt zusammen finden werden.

A muar Hüünjen a thanner Slâb.
Amrum
hdt] Je mehr Hunde, desto dünneres Gesöff.

A muar Jongen, a muar Lok.
Amrum
hdt] Je mehr Jungen (hier in dem Sinne von Kindern), je mehr Glück.

A muar Masgonnars, a bendar Lok.
Nordfriesland
hdt] Je mehr Missgönner, Neider, je besser Glück.

A muar Masgonners, a muar Lok.
Amrum

A muar Swin, a thanner Speelang.
Amrum
hdt] Je mehr Schweine, desto dünnerer Spülicht.

A muar'm ûn an Skêt rêrt, e dollar 'r stjonkt.
Nordfriesland
hdt] Je mehr man in einen Schiss (Dreck) rührt, desto ärger stinkt er.

A Müs as iar sat üsh a Uugan.
Nordfriesland
hdt] Der Mund ist früher satt als die Augen.

A Mutter müß huben a breit Vartüch (Schürze), die Chesrojnes vün die Kinder züzüdecken.
info] Chesrojnes, Plural von Chassuren = Fehler.

A Nadel känn män in a Sack nit behalten.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Angeborene, auch wohl anerzogene Fehler lassen sich auf die Dauer nicht verbergen; sie kommen immer zum Vorschein, wie die Nadel in einem Sack.

A nâe Schage schpîrd em de Êlsternûgen.
Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Wer enge Schuhe trägt, fühlt die Hühneraugen.

A Narr hört sich gern lobe.
la] Gaudet stultus, dum laudatur.

A Narr hot a schön Weib.
Warschau
info] Man will bemerkt haben, dass Narren in der Regel schöne Frauen haben.

A Narr hot a schöne Welt.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Dem Dummen erscheint die Welt um so schöner, als er von manchen ihrer Übel und Leiden nicht berührt wird.

A Narr hot lieb Süß.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Diese auch in Deutschland verbreitete Meinung rührt, wie Hr. Bernstein mir schreibt, vielleicht davon her, dass kleine Kinder gewöhnlich Süßigkeiten gern haben.

A Narr is a Gsar.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Ein (schlimmes) Verhängnis.

A Narr is a Kaleke auf alle vier.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Polnisch = Krüppel. Um zu sagen: Dummheit ist eine Krankheit, der so schwer zu helfen ist, wie einem an Händen und Füßen Gelähmten.

A Narr is sein eigener Musser (Verräter).
Jüdisch-deutsch, Warschau

A Narr känn män nit ausgenarren.
Warschau
info] Durch List ausforschen. Seine Dummheit entzieht sich jeder Berechnung.

A Narr lacht drei mûl (mal).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Der Narr lacht beim Anhören einer Geschichte, ohne ihren Sinn zu verstehen, bloß weil alle lachen. Befragt, worüber er eigentlich lache, lacht er wiederum, und nachdem man ihm den Witz erklärt hat, lacht er erst recht.

A Narr narrt män vün 'm Bud heraus.
Jüdisch-deutsch, Warschau
hdt] Einen Narren narrt, d.i. lockt man selbst aus dem Bade heraus.
info] Der Einfältige lässt sich selbst von öffentlichen Orten verdrängen.

A Narr schickt män voraus.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Um den Weg zu bahnen.

A Narr thur (darf) män keine halbe Arbeit nit weisen (zeigen).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Weil des Fragens kein Ende sein, er sie auch vielleicht verderben würde.

A Narreschkeit gedenkt sich.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Eine Dummheit. Als Einschaltung bei sehr ausführlicher Erzählung eines frühern Erlebnises.

A närrischer Schenker: er hot Bronfen (Branntwein) ün verkauft ihm.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Ein Trunkenbold wundert sich, dass der Schenkwirt den Schnaps verkauft, anstatt ihn selber auszutrinken.

A Nêgel (Neige, Bischen) Suppe schadt am (einem alten Hunde) nischt.

A Nehmer is nit kein Geber.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Wer gern Geschenke, Bestechung annimmt, der ist gegen andere nicht freigebig.

A neuer Besen kehrt gut.
info] Vom Eifer neuer Beamten und Diener.

A niade hat an Broand ein Oa'sch, brinnt e' nit, so schmöcht e'.
Innsbruck
hdt] Ein jeder hat einen Brand in der Asche, brennt er nicht, so glimmt er.

A Nobesch Kenger un Renger vergibt mer sich net.
Bedburg
info] Nachbarskinder kennt man und dessen Rinder auch.

A Paffesack iem e Drêchder däi weane sei Leawe näit voll.
Oberhessen
info] Ein Pfaffensack und ein Trichter werden lebenslang nicht voll, wenn man auch noch soviel hineinschüttet. Zur Erklärung sagt man, der Pfaffensack, den die Pfaffen früher zur Aufnahme des Zehnten auf ihrem Speicher aufhielten, habe unten ein Loch oder gar keinen Boden gehabt, sodass der abliefernde Bauer nie genug Frucht von zu Hause mitnehmen konnte.

A Peter Chettefyr (1.8.) göh d' Storche furt.
Solothurn

A Piss uhn (ohne) a Forz is wie a Regen uhn a Dünner.
Jüdisch-deutsch, Warschau

A poar Fimfbihmer (Fünfböhmer) sein weg, eh die Katze a Ei legt.
Hirschberg

A Podeschwe in Honig gepregelt (gekocht, geschmort) is auch süß.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Polnisch Podeszwa = Ledersohle. Das Unangenehmste kann durch Zubereitung genießbar gemacht werden.

A Post'n is dös, was draußen steht, wenn die andern drin sind, sagte der Rekrut, als er es dem Lieutenant erklären sollte.

A Praester skal a Klaker nicks ufstridj.
Nordfriesland
info] Der Priester, Geistliche wird dem Küster nichts abstreiten.

A Prahla (Prahler), a schlechta Zahla.

A preld (brüllt), oss wi a Schtrangoxe (Strangochse).
Österreich-Schlesien

A Prêster pretjet man ians.
Amrum
hdt] Der Priester predigt nur einmal.
info] Wenn man etwas zweimal sagen soll.

A Prêster sprêgt a Klâker nicks uf.
Amrum
info] Der Priester spricht dem Küster nichts ab.

A Rebbizin hot a korz Ohjer (Ohr) ün a lange Hand.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Es wird in dem Sprichwort behauptet, die Rabbinerin höre die Parteien nicht und nehme gern Geschenke, wie es auch wohl andere Beamtenfrauen tun, die keine Rabbinerinnen sind.

A Red is kan Pfeil, a Forz is kan Donnerkeil.
Wien

A reicha Schwieger bringt älles wieder.
info] Ein Verschwender tröstet sich mit der Hoffnung auf eine reiche Frau.

A richtiger Rat: drei Bauern, sechs Stiefel.
Rotttal

A Ross und a Has is an u'gliksalögs As.
Oberösterreich

A Roter (oder Geeler) ist a Ramj.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Ein Rothaariger ist ein Betrüger. Ein bei vielen Völkern vorhandenes Vorurteil gegen rote (und gelbe) Haare.

A Ruw (Rabbiner) is güt ubzüklauben (aufzufinden, zu wählen), ober schwer ubzüsugen (loszuwerden).
Warschau
info] Die Wahl ist leicht, aber das Kündigen schwer.

A Ruw uhn a Rebbizin is a halbe Maasse.
Jüdisch-deutsch, Warschau
hdt] Ein Rabbiner ohne Rabbinerin (Rabbinersfrau) ist ein halbes Märchen (Geschichte).
info] Die meisten jüdischen Volksmärchen beginnen mit den Worten: 'Es war einmal ein Ruw und eine Rebbizin u.s.w.' Ist dennoch nur ein Ruw und keine Rebbizin da, so ist das Märchen halb. Uneigentlich wird damit das Lob der Frauen ausgedruckt: Wo keine Frau im Hause ist, die den Mann unterstützt und ihm das Leben angenehm macht, da ist auch kein volles Glück zu finden.

A Sau tuet an Granssa, wan 's baroan vabeigeht.
Oberösterreich
info] Gegen die, welche, ohne zu grüßen, bei andern vorübergehen: 'Sogar eine Sau grunzt, wenn sie vorbeigeht.' Der Bauer hält das Grüßen für etwas, was sich für den Menschen zieme. Der oberösterreichische Bauer grüßt, indem er mit den Worten: 'Grüß dich Gott, Freund, Nachbar u.s.w.' ihm die rechte Hand reicht, die seine drückt und schüttelt. Der Kuss ist ihm fremd; nur in Augenblicken der höchsten Freude kommt das Halsen vor, indem jeder von beiden seine Arme um den Hals des andern schlägt und Haupt und Antlitz an seine Brust zieht. Höchstens kleine Kinder busse, geben einen Kuss (einen Busserl); die etwas größeren müssen schon das 'schan Handel' (das schöne, d.i. rechte Händchen) reichen.

A Sau un en Amma (Ammann) behalt immer de Namma.

A Schakren (Lügner) muss a gute Sikoren (Gedächtnis) habe.
Jüdisch-deutsch

A schämedig (schamhaftes) Weib is güt zü schlugen.
Warschau
info] Weil es, um keinen Skandal zu machen, den Vorgang niemand erzählt.

A scheni Schüssel gibt scheni Scherbe.
Wien
info] Schöne Mütter, schöne Kinder.

A Schicker (Trunkenbold) känn sich ausschlufen, ober a Narr känn nit klüger werden.
info] Beim Säufer ist noch Besserung möglich, beim Narren ist Hopfen und Malz verloren.

A Schickse beim Ruw käm auch a Schale paskenen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Eine Christenmagd beim Rabbiner kann auch eine Rechtsfrage in religiösen Dingen entscheiden. Sinn: Übung macht den Meister. Jene Pfarrköchin pflegte ja auch zu sagen: Wir können heute nicht taufen, trauen, begraben.

A schlecht Weib is ärger wie der Tod.
Jüdisch-deutsch, Warschau

A schlechter Aorbete' ve'saumt nix (beim Ausruhen) und a guate' bringt's meahr ei'che'.
Unterinntal

A schlechter Purim is a guter Schüschen-Pürem.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Am Purimfeste kommen die Armen, das sogenannte Purimgeld einzusammeln. Wer also an der allgemeinen Lustigkeit nicht teilnimmt, weil er mit dem Geldsammeln beschäftigt ist, der kann, wenn die Ernte eine gute war, das Versäumte am folgenden Tage, dem Susa-Purim, nachholen und sich gütlich tun. Die alten Griechen sagten in ähnlicher Weise: Über die Ölbäume hinaus gehen, allerdings in dem Sinne: die vorgeschriebene Grenze überschreiten oder etwas tun, was zur Sache nicht gehört. Die Rennbahnen für Wettläufer waren durch reihenweis gesetzte Ölbäume auf beiden Seiten umzäunt, welche zu überschreiten nicht erlaubt war.

A Schneider und a Muck des sind zwoa rare Stuck; die Muck, die is so keck und wirft a Schneider in Dreck.

A Schneiders a Weib îs kein Ojsses-Isch (Ehefrau).
Jüdisch-deutsch, Warschau

A schneller Grosch ist besser als a langsamer Sechser.
Schwaben

A Schoaß (Schiss) und drei Fürz sind mehr als kein Trumpf in da Hintahand!

A Schoaß und drei Fürz san mehr als koa Trumpf in da Hintahand!

A schön Punim (Gesicht) kost Geld.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Wer alles fein und gut haben will, muss auch gut bezahlen. Auch im Sinne von: Noblesse oblige.

A schön Weib is a halbe Parnusse.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Parnusse = Brotzweig, Nahrung. Im allgemeinen um auszudrücken, welche Gunst der Besitz einer schönen Frau gewähre. Aber auch von Leuten gebraucht, welche die Reize ihrer Frauen verwerten.

A schöne Tochter îs a halber Naden (Mitgift).
Jüdisch-deutsch, Warschau

A Schönern legt män ün Grüb (Grab) herein.
Warschau
info] Er sieht so erbärmlich aus, dass sogar ein Toter, den man ins Grab legt, schöner ist als er.

A Schuldiger is wie a Sündiger.
Warschau
info] Beide sind allerlei Verfolgungen ausgesetzt.

A schüne, reine Kappura.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Sühnopfer. Ausruf, wenn man einen kleinen Schaden oder Verlust meldet.

A schwarze Kuh gibt aa (auch) weiße Milli (Milch).

A Schwein un a Kaufmann müssen ausgenommen sein, ehe mer sieht, was dran is.

A Schwiegermutter im Haus macht den Frieden gar aus.

A sech brinkala Kaffee doas îs schuck îw'r a Goatten.
Österreich-Schlesien
info] Das ist von gar keinem Belang.

A Sechswocha steht der Himmel offa.
info] Sagen die Bauern in Österreich, wenn eine Sechswöchnerin stirbt.

A Seger, wu's steht, ist besser wie a Seger, wu's schlecht geht.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Eine stehende Uhr zeigt während des Tags wenigstens die Zeit zweimal richtig, während eine unrechtgehende uns stets irre führt.

A so lang dus Rädel dreht sich, dreht es sich.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Von unsoliden Geschäften. So lange das Räderwerk im Gange ist, merkt man den Schwindel nicht. Im Talmud wird das Glück mit einem kreisenden Rade verglichen.

A sölle Stadtl wie Meran gibt's in der ganzen Welt nit.
info] Behaupten die Bewohner des Burggrafenamts, für welche Meran noch jetzt die 'Stadt' überhaupt ist, wie sie dieselbe früher für den Mittelpunkt alles Glanzes und aller Vergnügungen hielten.

A Sprichwort is lehawdil a Thojre.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] lehawdil = mit Unterschied; Thojre = Lehre, Gesetz. - Wird gebraucht, wenn man eine profane mit einer heiligen Sache vergleicht. Das Sprichwort gilt allgemein als Orakel.

A starke G'wald (Gewalt) dauert nicht läng.
Wien

A Tanz geht nit var an Essen.
Jüdisch-deutsch, Warschau
ndt] Et es nit god danze mit leddige Ranzen.
z] Es geht kein Tanz vor dem Essen. Erst muss der Magen befriedigt sein, erst dann ist an Arbeit wie an Vergnügen zu denken.'
fr] Après la panse vient la danse.

A Tapp ün a Kusch ale dalejnie rusz.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Mit dieser Redensart rufen weibliche Personen ihrem etwas zu weit gehenden Liebhaber Einhalt zu. Cajolieren und ein Kuss, aber nicht weiter. Der polnische Nachsatz bedeutet: aber weiter rühre mich nicht an.

A Tippel, anna Krîgel anna Puckel vull Prîgel.
Schlesien
info] Scherzhafte Antwort auf die Frage: Was wirst du mir schenken; ein Töpflein und ein Krügel und den Buckel voll Prügel.

A toater Hund beisst net und a hinerne Henn legt net.
hdt] Ein toter Hund beisst nicht und eine tote Henne legt nicht.

A Toten trugt män nit zurück.
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Nämlich vom Friedhof.

A tummediker (immer vorhandener) Groschen ist besser wie an amuledig Rändel (Dukaten).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Besser wenig und sicher als viel und selten.

A verzagte Möntsch (Mensch) isch im Himmel nid sichar.
Bern

A verzunft Moilchen (Mäulchen) machen.
Schlesien
z] 'S gieng auch eina verbee, die machte sua verzunft Moilchen, as mar hette sillen a Wirmle os der Gusche ziehn.

A Vogel ei der Hand ies besser as zehn uff'm Dache, sagte Hans, als er Nachbars Tauben sitzen sah, und einen Molkendieb in der Hand hatte.

A Wearelt as trinj üsch'n Hingsthaad, man egh üschen Pankuuk.
hdt] Die Welt ist rund wie ein Pferdekopf, aber nicht wie ein Pfannkuchen.

A Weib is öm Taif'l san Leib.
Oberösterreich
hdt] Ein Weib ist dem Teufel sein Leib.

A Weib ohne Ma ist wia a Haus ohne Dach. Schwäbisch

A Weib und a Kuh guckt nur zu.
info] Beide wollen geschont und nicht zu anstrengenden Arbeiten herangezogen werden.

A Weib und a Roß, a Madl und a Gwehr - leiht ma net her.

A Weib z' schlaget ist a schlechte Kunst.
Ulm

A Weib z' schlaget ist kein Kunst, aber a Schand'.
Ulm

A Wiard klinkt üs an Klaak.
Nordfriesland
hdt] Die Wahrheit klingt wie eine Glocke.
info] Sie ist so sicher erkennbar und vernehmbar, wie eine Glocke. Wenn man eine Glocke hört, weiß man sogleich, dass es eine Glocke ist. Ähnlich ist es mit der Wahrheit.

A Wiard komt altidj för ferflöden Dörren.
Nordfriesland
hdt] Die Wahrheit kommt allezeit vor verschlossene Türen.

A Wirm krêlt föör a duas.
Amrum
hdt] Ein Wurm krümmt sich vor dem Tode.

A Witfrau (Witwe) ist wia a Garten ohne Zaun.
Schwäbisch

A Wort is asoj güt wie a Chsimes-Jad (Unterschrift).
Jüdisch-deutsch, Warschau
hdt] Ein Wort (vor Zeugen) ist so gut wie eine Unterschrift.

A Wort ün a Forz känn män nicht zurücknehmen.
Jüdisch-deutsch, Warschau

A Wugen is a Seiger (Uhr), a Schlitten is a Peiger (toter Körper).
Jüdisch-deutsch, Warschau
info] Eine Fuhrmannsregel, welche dem Wagen einen Vorzug vor dem Schlitten gibt. Jener besitzt ein Räderwerk wie eine Uhr, während dieser gleich einem Cadaver geschleift werden muss.

A Zimmermannshaar misst an Zoll und a Schneiderfurz a gschlagene Elln.

A, e, i, o, u, die Ochsen schreien Muh.

Aachen ist des deutschen Reiches Haupt.
i] Auch das neue Rom genannt.
Deutsche Romanzeitung 1866, Nr. 40, S. 391.
la] Urbs Aquavis, urbs regalis, Regni sedes principalis Prima Regum curia.

Aachen und Köln sind nicht an einem Tage gebaut (und werden nicht an einem Tage zerschell'n).
la] Alta die solo non est exstructa Corinthus.
nl] Aken en Keulen niet te gelijk.

Aal iss'n quâd (böses) Mâl.
Ostfriesland

Aal iss'n swâr Mâl (Mahlzeit), ick will lêver Stênen dragen, as eten.
Ostfriesland
info] Er ist schwer zu verdauen; der Witz liegt jedoch darin, dass »dragen un eten« beide auf »Steine« bezogen werden; der Sinn ist: ich will lieber Steine tragen, als Steine essen.
dk] Aal og slimer fisk giör tung sind og ond mave.

Aal, Kohl und Verdruss man als Abendkost nicht nehmen muss.
dk] Aal, og kaal, og knur er ond aftensmad.

Aale in flachem Wasser zeigen ihre Farbe.
Hawaii
i] Der Unwissende wird an seinen Handlungen erkannt)

Aale sind Aale, und Schlangen sind Schlangen.
Haiti

Aalheid un Klunkerfood danssen alle beid nich gôd.
Holstein
info] Klunker - hangender Quast, Klunkerfôd - ein ungewisser, schwankender, hinkender Fuß oder Mensch.

Aalke Burtalke, wa rummelt di de Bûk? dat deit de sûre Karnmelk (Buttermilch), de will dar herût.

Aan Gannev (Dieb) haasst den anderen Achbrosch (Spitzbube).
Jüdisch-deutsch

Aane Distel wie 'ne Hand gitt en Täller vull Schmand.
Waldeck

Aanmol (einmal) müssen mer all dran.
info] Dem Tode kann keiner entgehen.

Aarau ist eine schöne Stadt, Biberstein ein Bettelsack, Kilchberg ist ein Butterkübel, Küttiche der Deckel drüber, Suhr das ist der Stämpfel.
Deutsche Romanzeitung, III, 44, 633

Aard lett nich von Aard.

Aare haben scharfe Augen.

Aaron (7. April) und Justin (13. April) helfen den Hafer ziehn.
Wohlau

Aaron und Justin helfen den Hafer ziehn.
Bauernregel

Aas ist keine Speise für den Adler.

Aas lässt sich nicht vor Geiern (Raben, sagen die Wenden) verbergen.

Aaweschein öss kaan Hexerei. Trier
ndt] Aeschein as keng Hexerei. Luxemburg

Ab - salon war ein Königssohn.
Rottenburg
i] Eine Redensart beim Rülpsen.

Ab - sätze macht der Schuster.
i] Scherzhafte Redensart, wenn jemand schluckt.

Ab Auge, ab Herz.
Luzern

Ab dreißig ändert sich das Gesicht.
China

Ab dreißig kann ein Mann das Wetter schon fast vorausbestimmen.

Ab einem gewissen Alter fängt man an, die richtigen Fragen zu stellen.

Ab Jakob (Jakobstag, 25.7.) ist die Roggenernte, ab Pärt (Bartholomäustag, 24. VIII) die Gerstenernte.
Estland

Ab Marientag (25.3.) soll der Mann an der Fleischplatte und der Ochs an der Heukrippe sein.
Estland

Ab nach Kassel!
i] Hinaus!, fort! Mit dem Untertanenverkauf der hessischen Landesfürsten an die Engländer zur Teilnahme am nordamerikanischen Kolonialkrieg in Zusammenhang gebracht, die Sammelstelle war Kassel.
z] Auf einem darin wiedergegebenen Flugblatt erscheint Napoleon III. als gebrochener Mann. Rechts und links von ihm stehen Moltke und Bismarck. Bismarck weist gebieterisch mit einem Arm nach Osten. Unter der Darstellung steht: 'Ab nach Cassel!' Joseph Kürschner, Der große Krieg 1870/71 in Zeitungsberichten, 1895

Ab Schlangenmarientag (8.9.) soll die Schlange in den Grashügel beißen.
Estland

Ab sieben Jahren sollen Knaben und Mädchen nicht mehr auf derselben Matte sitzen.

Ab und zu muss man die Zähne zeigen, nur nicht dem Zahnarzt, das geht ins Geld.
Zitat

Ab Walpurgistag (l.5.) ist des Pferdes Haferfutter im Wald.
Estland

Abbezahlt ist der Sohn von Frei.
Indien, Sindhi

Abbitte ist die beste Buße (o. Genugtuung).
dk] Afbede er beste bod.
la] Errantia medicina confessio.
se] Afbedja är bästa bot.

Abbitte nicht, aber Halsstarrigkeit ist Schande.
i] Jene zeigt ein edles, diese aber ein böses Herz an.

Abbitten ist besser als leugnen.

Abbrech und Teufelsabbiss muss sein.

Abderitenstreiche machen.
la] Abderitanae pectora plebis.

Abdingen ist auch (o. ist der erste) Gewinn.

Abend rot, morgen Not.

Abend und Morgen sind nicht gleich gut, der Morgen sorgt, der Abend verzehrt.

Abendandacht bringt Morgensegen.

Abendbrot geht vor Abendrot.
z] »Welch' köstliches Abendrot! sprach eine poetisch gestimmte Frau zu ihrem Gatten. Ein köstliches Abendbrot wäre mir lieber, erwiderte der hungernde Gatte.«

Abendessen um fünf, zu Bett um neun.

Abend-Gäste und Abend-Wolken gehen nicht mit leeren Händen fort.
Pandschab, Indien

Abendgebet schließt das Auge.

Abendlicher Schlaf soll dem Schlafenden Glück, morgendlicher Schlaf Liebe bringen.
Estland

Abendliches Gespültes ist besser als morgendliches Gewaschenes.
Estland

Abendred vnd morgenred, dye wollen nicht vberein tragen.

Abendrede und Morgenrede kommen selten überein.
i] Wortspiel mit Röte und Rede, weil auch die Abendröte selten der Morgenröte gleicht.
dk] Aftenrede og morgenrede ere ikke eens.
dk] Aftentale og Morgenteele ec altid eens.
dk] Morgenrede og aftenrede ikke hinandens lige.
it] Le parole della sera non correspondona sempre a quelle della mattina.
se] Aftonprat och morgenrat stämma ej altid (sälban) öfverens.

Abendrôd gaud Wederbôd, Morgenrôd, dat et up der Aeren flôt (= dass es auf der Erde floss).
Die Böhmen behaupten das Gegenteil: Der Aufgang brennt, der Untergang löscht.
bm] Východ horí, zapad hasí.
bm] Ranní cervánky jasno vecerní dést anamenají.
es] Aurora ruvia, o viento o lluvia.

Abendrôd, morgengôd, Morgenrôd bringt Water in den Sôt.
Holstein
info] Hellroter Morgenhimmel verspricht den Brunnen Wasser am Tage

Abendrodt, dem andern doch gut Wetter both, Morgenrodt den auwend an dem thune floth.

Abendrot - ein guter Tag, Morgenrot - ein kotiger (sehr schlechter) Tag.

Abendrot - Gutwetterbot', Morgenrot mit Regen droht.

Abendrot - Gut-Wetterbot.
i] Ein geröteter, wolkenreiner Horizont am Abend ist meist der Vorbote eines schönen Tags.

Abendrot - Gutwetterbrot.
la] Nocte rubens coelum cras indicat esse serenum;
cum rubet mane, tunc tempus adest pluviale.

Abendrot - morgen got, Morgenroth - pladdert got.
info] Der Wunsch, das Wetter vorausbestimmen zu können, ist ein uralter; daher begegnen wir allerorten einer Menge meist aus früher Zeit herrührender Regeln, denen aber dann alle Berechtigung abgesprochen werden muss, wenn sie auf Wochen, Monate und länger hinaus den Witterungsverlauf feststellen zu können vorgeben.

Abendrot - Morgenrot.

Abendrot am Abend - des Winters Verlängerung.
Estland

Abendrot backt Brot.

Abendrot bei West, gibt dem Frost den Rest.

Abendrot bringt gut Morgenrot.

Abendrot gibt en gut Morgenbrot.

Abendrot Gut-Wetterbot.

Abendrôt is gôd, man Mörgenrôt gift Water in de Slôt (= Graben).
Ostfriesland
se] Aftonrodnad ger klar natt morgonrodnad en våt katt. (Im Monat Juni bei Westwinden)
se] Aftonrodnad'n gör fager nat, morgonrodnad'n - gör daggig hatt.

Abendrot kündigt schönes Wetter an, Morgenrot deutet auf Regenwetter.

Abendrot und Morgenhell sind ein guter Reisegesell.
en] The evening red and the morning grey, is a sign of a fair day (and sets forth the pilgrim on his way).
la] Nocte rubens coelum cras indicat esse serenum.

Abendrot und Morgenrot kommen nicht immer überein.
fr] Rouge au soir, blanc au matin, c'est la journée du pélerin.

Abendrot, Morgen gôd.
Holstein

Abendrot, morgen Handschuh not.
Steiermark

Abendrot, morgen Wind oder Kot.
Österreich

Abendrot, mörjen moje Wer (= schön Wetter).
ndt] Avendrôt, Awendrôt, morgen moie wer.

Abendrot, Schönwetterbot.
it] Rosso di sera bel tempo si spera.

Abendröte bei West gibt dem Froste den Rest.

Abendröte bringt klare Zeit, Morgenröte Regen bedeut.

Abendröte und Morgenröte muten (= kleiden, putzen) oft nicht überein.
dk] Aftenröde og Morgenröde ere ec eens.

Abendröte, Gutwetterschöne.
schweiz] Obetröthe, Guetwetterschöne.

Abendröte, Morgenschöne.

Abends ein Löwe, Faulenzer am frühen Morgen.
Italien

Abends geschwelgt, morgens gekelcht.

Abends ist warm der Herd, morgens der Stêrt.

Abends ohne Schulden ist morgens reich.

Abends putzt sich des Kuhhirten Frau.
i] Die Frau des Kuhhirten, welche am Tage mit den Kühen und im Schmutz zu schaffen hat, zieht erst am Abend etwas Reines an.

Abends rot ist morgens gut, morgens rot tut selten gut.

Abends rot, morgens tot.
fr] Rouge soir et blanc matin, c'est la journée du pélerin.

Abends soll man allein weidenden Kühen nicht zu nahe kommen

Abends suchen Raben und Wölfe die Kaiben, Mücken den Milchhafen und Mönche, was sie freut.

Abends vull, morgens null.

Abends wart de Faulen flitig.
info] So sagt der Holsteiner spöttelnd von einem, der den ganzen Tag faulenzt, weil da bald wieder Feierabend wird.

Abends werden die Faulen fleißig.

Abends wie ein Bär, morgens wie ein geschossener Adler.
dk] Om aften som en biörn, em morgen som en skudt örn.

Abends wird der Faule (o. werden die Faulen) fleißig.
i] Von einem, der den ganzen Tag faulenzt, weil da bald wieder Feierabend wird.
ndt] Abends wart de Faulen flitig.
ndt] To de Nacht kriegen de Fulen de Macht.
ndt] Wenn die Dach is von hinnen, denn willen die Fulen beginnen.

Abends zechen, morgens ratschlagen.

Abendsegen, Morgensegen.

Abendstege sind der Liebe Pflege.

Abendtau im Mai bringt Korn, Wein und Heu.

Abendtau im Mai, gibt das rechte Heu.

Abendtau und kühl im Mai, bringt Wein und Heu.
Rostock 1864

Abendversprechen sind wie Butter: Morgen kommt, und alles ist geschmolzen.
Marokko

Abendworte trägt der Wind fort.
Italien

Abendwunsch ist auch ein Wunsch.
i] Ein Wunsch bleibt, kommt er auch spät, doch ein Wunsch.

Abenrôd, morgengôd, Morgenrôd bringt Water in den Sôt.
Holstein
info] Hellroter Morgenhimmel verspricht den Brunnen Wasser am Tage.

Abenteuer bringt Vorteil.

Abenteuer erleben nur die (o. sind für den) Abenteurer. USA
en] Adventures are to the adventurous.

Abenteuer ist (o. sind) selten geheuer.
fl] Avontuur is rond.

Abenteuer ist selten allein.
mhd] Die eventure is mannichvalt.
mhd] Dat eventur is mannichvolt.

Abenteuer ist selten geheuer.
fläm] Avontuur is rond.

Abenteuer kommen nicht zum Frühstück.
fläm] Avontuur komt niet bij vroeg opstaan.

Abenteuer werden meistens abends teuer.

Abenteuern soll man nicht in wichtigen Dingen.

Abentewr bringt vorteil.

Aber ach und weh, gibt es Mäuse im Bodensee.

Aber ach, ich wohne unter den Dornen!
i] Unter Dornen wohnen bezeichnet, wie unter Dornen sitzen, Trübsal leiden.
mhd] Och och, ik wone under den dôrnen.
la] In spinis versor, vepres mea corpora laedunt.

Aber auch nicht eine von allen Schwiegermüttern lobt die Schwiegertochter und umgekehrt.
Vietnam

Aber ein Mädchen lässt nur seine Augen leuchten.
Polen

Aber Freude hat einen schlanken Körper, der zu früh bricht.
Afrika

Aber hat hinten einen Schwanz.

Aber Schwester, wer wird sich denn mit so schwerem Panzer tragen, sagte die Kröte zur Schildkröte.

Aber unser Pferd ist ja immer froh, wenn es abgespannt ist, sagte das Mädchen, als die Mutter klagte, sie sei trübe gestimmt, weil sie abgespannt sei.

Aber war im Sumpf von Emmu ertrunken.
Estland

Aber welche Hälfte, sagte die Frau, als ihr die Freundin riet, dem Manne nur die Hälfte zu glauben.

Aber, Wenn und Gar sind des Teufels War'.

Aberellaschnee isch bess'r, wed'r Schafmist.
Bern

Aberglaube hat Bohnen in den Ohren.

Aberglaube ist ein morscher Stab, wer sich darauf stützt, der fällt hinab.
bm] Povĕra jest hůl, kdo jí vĕró, tentĕ vůl.

Aberglaube ist nicht Wissenschaft.
Finnland

Aberglaube und Schwindsucht erben von Geschlecht zu Geschlecht.

Aberglauben ist die Religion der schwachen Geister.
England

Abermal nicht mehr, liebes Kind.

Aberwitz ist keinem nütz.

Aberwitz und Narrenhand malet sich auf jede Wand.
en] He is a fool and ever shall, that writes his name upon a wall.

Abführen und Beichten muss man nicht verschieben.

Abgaben und Steuern sind keine Ehrgeschenke, sondern Pflicht.
dk] Skat og skyld er ingen aeregaer, man en pligt.

Abgebrannt wie ein Mohr.
z] »Ich bin abgebrannt wie ej Muhr.«

Abgebrüht (o. abgestumpft) sein

Abgedankte Soldaten haben Würmer im Gewissen, zerrissene Kleider, zerhackete Leiber, wohlgebrauchte Weiber, ungewisse Kinder, weder Pferd noch Rinder und weder Geld noch Brot im Sack.

Abgefallen, sagte Don Carlos, als seine Leute zu Alfons überliefen.

Abgefallene Blüten lassen ihren Duft zurück.
Japan

Abgefeimter als ein Luchs, als Kernessig.

Abgeflossenes Wasser mahlt nicht mehr.
it] Acqua passata non macina più.

Abgegriffen wie ein alter Groschen.

Abgegriffen wie ein Gesangbuch.

Abgegriffen wie ein Sechser.

Abgegriffen wie eine Accisklinke.

Abgegriffen wie eine Badstubentür.

Abgehauene Maien bleiben ein Weil grün, so man sie ins Wasser stellt.
i] Alte Leute sind ihnen zu vergleichen; Arznei und Diät hilft ihnen, aber nicht viel.

Abgehauener Kopf braucht keine Sturmhaube mehr.

Abgehen mit Dampf.

Abgehen ohne Musik.

Abgelegener Wein macht ungelegene Köpfe.

Abgeleitete Wörter treten in die Fußstapfen des Vaters.
var] Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
la] Derivata patris naturam verba sequuntur.

Abgemacht ist abgemacht.

Abgemacht mit großem Knall, sagte der Orgelbauer, als er von der Leiter fiel.
Lausitz

Abgemacht! Sela!
i] Aus französisch 'c'est la'. 'Sela' steht am Ende eines Abschnittes und zur Bezeichnung eines Zwischengesanges in den Psalmen.

Abgemacht, segt Kapler, abgemacht.
Lüneburg

Abgemacht, Seife!
i] Einverstanden! Seife, in der berlinischen Form 'Seefe' (aus französisch 'c'est fait')

Abgemacht, Sela, spricht der Berliner.
la] Factum transactum.

Abgemüht wie eine Accisklinke.

Abgenutzte Mühlsteine und große Manschettenknöpfe sind schwer zu verwenden.

Abgenütztes Werkzeug ehrt den Meister.

Abgerechnet ist gut bezahlt.

Abgeredet vor der Zeit gibt (o. bringt) nachher keinen Streit.
i] abreden = verabreden

Abgeredet vor der Zeit, gibt nachher keinen Streit.

Abgeschlagen, wie ein Bettelmannsstecken.
la] In turpibus Argus, in disciplinis talpa.

Abgeschlagene Beeren geben wenig Öl.
i] Gewaltmittel bringen keinen Segen.

Abgeschnitten Brot hat keinen Herrn.
fr] Pain coupé n'a point de maître.

Abgesetzt wie ein Coburger Sechser.

Abgesetzt wie ein dänischer Schilling.
In Pommern und Mecklenburg
i] Bezieht sich auf eine frühere Reduktion des dänischen Geldes.

Abgesetzte Priester geben die besten Küster.
dk] Man faaer ingen bedre degn end en afsadt præst.

Abgestandene Fisch' will Gott nicht haben auf seinen Tisch.

Abgestumpft sein.
en] To have one's feelings blunted.

Abgetakelt sein.
i] Ungepflegt aussehen, alt und gebrechlich.

Abgetrennt vom Leibe, gedeiht kein lebendes Glied mehr; Menschen, von Menschen getrennt, sind ein entfallenes Haar.
Herder, Blumenlese aus morgenländischen Dichtern

Abgetrieben wie ein altes Droschkenpferd.

Abgetriebene Ochsen geben zähes Fleisch.

Abgeviert wie ein Burghauser Würfel.
i] Geviaren heißt : zubereiten, tüchtig machen.

Abgeviert wie ein Würfel.
i] Tüchtig, zubereitet, erfahren.
la] Homo quadratus.

Abgewickelt werden.
en] To be shut down. - To be closed down (Firmen, Unternehmen). - To be wound up (nur GmbHs und AGs). - To be laid off, sacked, fired, made redundant.

Abgötterei ist ein natürlich Erbe.

Abgötterei ist Gottesgespei und bringt Jammer mancherlei.
ndt] Abgötterey ist Gottes Gespey und bringt immer mannicherley.

Abgötterei und Blutdurst laufen allezeit miteinander.
ndt] Abgötterey und Blutdurst buffen allzeit miteinander.

Abgötterei und Gleissnerei will allweg schön sein.
ndt] Abgötterey und gleissnerey will allweg schön sein.

Abgunst bringt manchen hohen Mann zu (o. zum) Fall.

Abgunst hebt auch den reichen Mann aus dem Sattel.

Abgunst ist schwer und doch gemein, denn ihr nachhängt beide Groß und Klein.

Abgunst richtet selten Gutes an.

Abgunst stößt manchen Reichen aus dem Sattel.

Abgunst verfolgt nicht die Toten.

Abgunst verzehrt Mark und Bein.

Abia
i] Zauberwort in Formeln wie 'abia, obia, sabia' oder 'abia, dabia, fabia' u.ä. Die Formel wird zu sicherem Schuß auf den Flintenlauf geschrieben oder auf einen Stock, um jemand aus der Ferne zu prügeln.

Abibeudln wie da Hund Fleh.
Oberösterreich
i] Etwas, z.B. eine Rüge, abschütteln.

Abkratzen.
i] Sterben.
en] To kick the bucket. - To snuff it. - To peg out (dated).

Abkürzungen sind die längsten Wege.
Schweden

Ablass gen Rom tragen.
it] Portar indulgenza a Roma.
it] Menar l' orso a Modena.
la] Ululas Athenas ferre.

Ablass in Bern holen und kein Geld mitbringen.
Schweiz

Ablass ist ein göttlich Betrügen.

Ablass und Arznei soll man auf gleiche Weise brauchen.
i] Jener ist überflüssig und diese nur in kleinen Gaben zu empfehlen.

Ablassbriefe sind Melkbriefe.

Abnehmen und sterben.
Nach 1. Mos. 25, 8

Abnehmen, wie der abnehmende Mond.
Litauen
i] Vom Kranken.

Abraham darf den Sohn wohl binden, aber nicht schlachten.

Abraham
i] 1. Der biblische Erzvater, der gemäß der Legende 1000 Jahre nach dem Sündenfall den von Gott ausgerissenen und auf die Mauer des Paradieses geworfenen Baum der Erkenntnis fand und ihn in seinen Garten pflanzte, worauf eine Stimme ihm verkündete, dass dies der Baum sei, an dessen Holz der Heiland werde gekreuzigt werden.

Abrahams Kinder scheuen das Eis.
nl] De kinderen Abrahams darven zich niet ligt op zwak ijs wagen.

Abrahams Schoß.
Lucas XVI. 22

Abraxas
i] Gottesname; die häufigere Form ist nicht Abraxas, sondern Abrasax. Der Dämon Abrasax ist der Jahresgott; sein Name besteht aus 7 Buchstaben (Tage der Woche) und hat den Zahlenwert 365 (Tage des Jahres)

Abrechnen ist das Ende der Freundschaft.
Irland

Abrechnen ist gute Zahlung (o. gut bezahlen, bezahlt). [RSpW]
Es wird damit eine Aktiv- und Passivschuld zugleich berichtigt und überdies kann auf diesem Wege ein böser Schuldner noch zur Leistung seiner Zahlung gezwungen werden)

Abrechnung erhält die Freundschaft.
it] Conti spessi amicizia lunga.

Absahnen.
en] To cash in (on sth). - To rake it in. - To make a pretty penny (out of sth).

Absalon war ein Königssohn.
Rottenburg
i] Eine Redensart beim Rülpsen.

Absätze macht der Schuster.
i] Scherzhaft, wenn jemand schluckt.

Absatznagel.
Nürtingen
i] Auch Absatzschuhnagel ist mit Absalon der Text für die Musik eines Rülpses oder Magenseufzers (schwäbisch = Kopper) vom Betreffenden selber beigefügt, während das Auditorium applaudiert: Appel heißt mei Weib und d' Sau will's aischt (erst) net leide.

Abschaum der Menscheit.
Nach 1. Kor. 4, 13

Abschied bedeutet immer, ein wenig zu sterben.
Frankreich

Abschied gut, alles gut.

Abschied ist die innigste Form menschlichen Zusammenseins.

Abschied ist ein bisschen wie sterben.
fr] Partir, c?est toujours mourir un peu!

Abschied ist immer ein Stückchen Tod.
fr] Partir, c'est toujours un peu mourir.

Abschied nehmen bedeutet immer ein wenig sterben.
fr] Partir, c'est mourir un peu.

Abschied nehmen ist immer ein Stückchen Tod.
Frankreich

Abschied nehmen ist immer schmerzlich, selbst wenn es nur für kurze Zeit ist.

Abschied nehmen, wie das Hündlein von Bretten.

Abschiede sind immer traurig, egal was der morgige Tag uns bringt.

Abschiedsstunden sind die feierlichsten.

Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen.
Theodor Fontane, Cécile

Abschlag ist gute Bezahlung (o. Zahlung).
[RSpW]
i] Abschlagen: eine Schuld durch die andere aufheben, was in den Rechten als Bezahlung angesehen wird, sowohl im römischen als deutschen. Wegen der Vorteile, die sie bietet, hat Karl der Große sogar verordnet, dass jemand, der sich mit einem anderen in Abrechnung einzulassen weigert, seine ganze Forderung verlieren soll.
nl] Abslag is goede betaling.

Abschließendes Urteil: Erster tastender Versuch, eine Sache zu verstehen.

Abschneiden ist leichter als ansetzen.
dk] Bedre at skiere end at saette til.
dk] Bedre for viid kiortel end skarved.

Abschwitzen ist besser als abfaulen.

Absicht ist die Seele der Tat.
i] Der Wille beschleunigt das Vorhaben. Die Absicht ist maßgebend dafür.
fr] C'est l'intention qui fait l'action.
fr] L'intention est reputée le fait.

Absichtlich, vorsätzlich
la] de industria

Absolute Souveränität bleibt, solange sie nicht die der Menschheit ist, der Ursprung von Freiheit.

Absolute Wahrheit ist die gefährlichste aller Lügen.

Abspringen wie die Flöhe.
i] Als beim Oberlandesgericht zu Glogau einst einige Auskultatoren die Verlegung des zweiten Examens nachsuchten, sagte der zur Prüfungskommission gehörende Geheime Rat Merckel: »Sie springen ja ab, wie die Flöhe.«

Abstand hält die Freundschaft frisch.
England

Abstieg zur Unterwelt
la] ad inferos descensus

Abstinenz ist die beste Medizin.
Tamilen

Abstinenzler sind Leute, die vom Verzichten nicht genug bekommen können.

Abstrafen (am Leibe) und dabei schelten, ist zu viel.

Absurd ist, wenn ein konfessionsloser Richter einen gottlosen Gauner ins Gebet nimmt.

Abt und Kloster sind ein Ding.
fr] Abbé et couvent ce n'est qu'un, mais la bourse diverse.
nl] Een abt en zijn konvent zijn een, maarde beurzen zijn verschillend.

Äbte und Mönche sind des Teufels täglich Brot, keiner wird mehr heilig.

Abteien sucht man lieber als das viertägige Fieber.

Abteien und Maulwurfshaufen muss man auf keinem Kiesboden suchen.

Äbten und Bischöfen wäre gut Peterle um Kanzel und Altäre säen, sie vertreten ihn nicht.

Abwarten bringt schöne Tage.

Abwarten schlägt den Eilenberg.

Abwarten und Tee trinken!
i] Sei nicht so ungeduldig!

Abwarten, sagt der Amtmann, bis der Teufel ein Loch schlägt.

Abwarten, sagt der Schulmeister, bis der Teufel den Pfaffen holt.

Abwarten, wie der Hase läuft

Abwaschen kann man nur den Körper, aber nicht die Seele.
Jüdisch

Abwechslung ergötzt (o. ist angenehm).
la] Iucunda vicissitudo rerum.
la] Varietas (variatio) delectat.
Nach Euripides u. a.

Abwechslung in den Speisen mehrt den Appetit.
Aretino, Die Gespräche des Pietro Aretino

Abwechslung in der Rede liebt der Türke und der Schwede.
fr] Changement de propos réjouit l'homme.

Abwechslung ist des Lebens Reiz, was freilich jede glückliche Ehe zu widerlegen scheint.
Theodor Fontane

Abwechslung ist die Würze des Lebens.
en] Variety is the spice of life.

Abwechslung ist mein Wahlspruch.
fr] Diversité, c'est ma devise.
Lafontaine, le Pâté d'Anguille 4

Abwechslung mot sin, seggt de Dîwel, on frett de Bottermelk mött de Müstgawel
Ostpreußen

Abwechslung muss sein, sagte der Hanswurst und fraß die Buttermilch mit der Mistgabel.
ndt] Abwechselung mot sin, seggt de Dîwel, on frett de Bottermelk mött de Müstgawel.
Ostpreußen

Abwechslung nimmt den Überdruss.
en] Variety takes away satiety.

Abwechslung ohne Zerstreuung wäre für Lehre und Leben der schönste Wahlspruch, wenn dieses löbliche Gleichgewicht nur so leicht zu erhalten wäre!
Goethe (1749-1832), Wahlverwandtschaften II, 7

Abwechslung verschafft (o. stärkt den, macht) Appetit.
i] Sie lockt zu neuen Abenteuern.
fr] Changement de corbillon donne appetit de pain benit.
fr] Changment de viande met en appetit.
pl] Odmiana rzeczy słodzi.

Abwechslung von Weide macht fette Kälber.
en] Change of pasture makes fat calves.

Abwesend ist kein Freund zu achten,
Der immer für uns denkt und strebt
Und, wie es auch die Zeiten brachten,
Für uns in gleichem Sinne lebt.
Goethe (1749-1832), Inschriften, Denk- und Sendeblätter - 70 - Toast zum akademischen Mittagsmahl am 22. 4. 1820

Abwesend! Nach Florenz abkommandiert, um König von Italien zu sein.
i] So hieß es beim Appell des 1. franz. Zuavenregiments, in welchem Viktor Emanuel bis 1870 als Ehrenkorporal geführt wurde.

Abwesenheit ist der Feind der Liebe; wie die Entfernung von den Augen ist, so ist sie vom Herzen.
Bolivien

Abwesenheit ist der Mörtel in der Mauer der Liebe.
Arabien

Abwesenheit ist der Wind, der das kleine Feuer auslöscht und das große anfacht.
Spanien

Abwesenheit ist die Mutter der Enttäuschung.
Spanien

Abwesenheit ist eine Feindin der Liebe.
Spanien

Abwesenheit lässt die Liebe wachsen.
England

Abwesenheit lässt ein Kind nicht gedeihen.
Ghana

Abwesenheit macht das Herz zärtlicher.
i] Zu Abwesenden ist die Leidenschaft immer hitziger.
en] Absence makes the heart grow fonder.
la] Semper in absentes felicior aestus amantes.

Abwesenheit macht die Liebe schärfer, Gegenwart macht sie stärker. England

Abwesenheit vervollkommnet Leidenschaft, Gegenwart verstärkt es.
Togo

Abzug blasen.
i] Vom Streit abmahnen.

Accidentia hol die Pestilenzia.
z] Wenn man mit den Leuten umgehet, wie der Gärtner mit dem Buchsbaum, das sind Accidentia. Wenn man die Untertanen schröpft, wie der Bader eine alte Weiberhaut, wenn man die Handwerker traktirt, wie die Beisszange die Hufnägel, wenn man im Amt so treulich handelt, wie die Maus im Speisegewölbe, wenn man die Ausgabe für die Herrschaft mit einer längern Elle misst, als den Empfang, wenn man keinem Gehör vergönnt, der Opferstock habe denn seine Vision.

Ach Baldrian und Dost, dos hon ech net gewosst.
i] Mit diesen Kräutern und Hexenkraut (Circaea) suchte man früher die Kühe gegen Hexerei zu schützen, indem man sie denselben, wenn sie gekalbt hatten, eingab, oder auch überhaupt damit räucherte, sie in den Stallecken usw. aufsteckte, weil die Hexen davor zurückschrecken sollten. Von einer derselben rühren auch die obigen Worte her, die sie ausrief, als sie zu einem Stelle hineinguckte und die Kräuter gewahr wurde.

Ach du großer Gott, was lässt du für kleine Kartoffeln wachsen.

Ach du grüne Neune!
i] Ausruf der Verwunderung.

Ach du lieber Augustin, Schapköt'l sind kein' Rosien'n.
Pommern

Ach Gott vom Himmel, hätt' ich Tscheschen und Gimmel, hätt' ich Hünern und Dahse, hätt' ich Fröschen und Lahse, hätt' ich Groß-Panken und Klein-Panken, wollt' ich Gott vom Himmel danken.
i] Acht unweit Winzig im Kreise Wohlau gelegene Dörfer

Ach Gott, ach Gott, seggt Leidig's Lott, all Jahr e Kind on kein Mann!
Insterburg

Ach Gott, ach Gott, wat büst vör'n Gott, nimmst mi de Koh un lettst mi dat Wief.

Ach Gott, ach Not, kein Geld, kein Brot, kein Kleid, kein Schuh, viel Läus', kein Ruh'.

Ach Gott, den Weg möten wi all, säd' de oll Frû, dôr füert de Schinner mit de Koh ût'n Stall.
z] Einer Frau war die Kuh gestorben. Als dieselbe vom Schinder nach der Schindergrub gefährtet ward, sagt sie: was ist da zu tun, wir müssen alle diesen Weg.

Ach Gott, der du die Lilien auf dem Felde kleidest, sagte der Pastor, kleide doch auch meine Frau und Tochter!

Ach Gott, Herr Wenk, helpe se doch, helpe se doch.
Germau, Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Fischhausen

Ach Gott, lass dich erbarmen, die Reichen fressen die Armen, der Teufel frisst die Reiche, so werden sie gefressen zugleiche.

Ach Gott, meine arme Dreizehn, sagte der Töpfer und fiel mit zwölf Töpfen vom Boden.

Ach Gott, wât is de Welt grôt, säd' de Jung, un sêt achter'n Kohlkopp.
Holstein

Ach Gott, wie geht es immer zu, an arme wischt man stets die schuh.

Ach gott, wie gerne ich wissen wolt, wem ich auf erden vertrauen solt. Wenn einer zu mir spricht: Gott grüße dich! so spricht das Herz: hüte dich!

Ach hätte dich doch deine Mutter aufgegessen und die Hühnchen übriggelassen, die würden wenigstens noch gackern.

Ach ich habe viel zu bedenken, sagte der Schultheiss, da er im Bade saß und nit wusst, ob er gezwagt hatt'.

Ach ich wünschte - hat nie ein Haus gebaut.
Libanon

Ach ja, Herr Amtmann, ja.
i] Ist als Schlusswort einer Gellert'schen Fabel sprichwörtlich geworden, in der es auch seine Erklärung findet.

Ach könnte man doch Verstand kaufen, und sei er noch so teuer.

Ach lasst uns heut nicht klug sein.
ndt] Last vns heint nicht klug sein.
la] Qui addit scientiam, addit dolorem.

Ach steigt aufs schönste Dach.
i] Sorgen gibt es überall.

Ach tröstet euch, unser Herrgott hat's g'tan; es ist doch no nit der Verlust von er Chuo.

Ach und Weh über einen schreien (o. ausrufen).

de] Zeter über jemand schreien, jemand festnehmen, indem man haro dabei schreit.fr] Crier haro sur quelqu'un.
fr] Il fit de grands hélas.

Ach und weh, gibt es aber Mäus' im Bodensee?

Ach und Wehe ist das tägliche Brot in der Ehe.

Ach wär' i Landvogt, wie wett i d' Bure strofe; wie wett i d' Lüt zwinge, dass s'mer müesstid Geld is Hûs bringe; wie wett i d' Lüt bocke ond ene 's Geld onder de Negle vöra drocke.
info] Auch dieser, auf Bedrückung hinausgehende Wunsch hat seine Entstehung in dem alten Landvogtei-Wesen der Schweiz.

Ach wat sall dat lang' Toben, sä' de Frû, har är Mann är väör rûtsloan, hâr s' hinn' wedd'rrinngoan.
info] Was soll das lange Warten, Zögern, Grollen, Sträuben, sagte die Frau, hatte der Mann sie vorn herausgeschlagen, ist sie hinten wieder hineingegangen.

Ach watt, dat sünd Fîsemetenten.
Mecklenburg
info] Ausflüchte, listige Streiche, Chicanen.

Ach wer daheimen wer.

Ach wie ist das ein schwere pein, dienen ohn verdienst, arbeiten ohn Lohn, lieben ohn widerlieb.

Ach wie weit ist der Himmel! Von der Hölle trennt uns nur ein Zaun.
Walachei

Ach wie zackig! Breslau
i] Ironischer Aufruf für: Ach, wie schön! Daher, weil die zackig geschnittenen Säume u.s.w. den Frauen besonders für schön gelten.

Ach, Corydon, Corydon, wie hat ein Wahn dich ergriffen!
la] Ah, Corydon, Corydon, quae te dementia cepit.

Ach, das Fieber ist keine Krankheit, aber die Eifersucht ist eine.
Afrika
nl] Wat de liefde niet ziet, dat grijpt ze.

Ach, dass ich meine armen Kinder so geschlagen, klagte der Bauer, und sie waren des Pfaffen.

Ach, du lieber Augustin, alles ist hin!
Stock ist hin, Rock ist hin, Madl ist hin, Geld ist hin!
Ach, du lieber Augustin, alles ist hin!
Wiener Gassenhauer

Ach, du lieber Gott, gib unserm Herrn ein'n sel'gen (o. bald'gen) Tod, auf dass uns bleibt ein Bissen Brot.

Ach, du meine Güte!
i] Ausruf des Erstaunens, Güte = Gott.
berlinisch] Ach, du dicker Vater! (mit dem Zusatz: Hast du dünne Kinder!). - Ach, du dicke Eiche!

Ach, du, mein Ludewig, komm her und nudle mich.
Pommern

Ach, dus is a Schmückler.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Bortenmacher, Posamentier. Euphemistisch für Schwindler, der seine Worte drehen und wenden kann, wie es ihm sein Vorteil gebietet, ungefähr wie die Bortenmacher mit den seidenen Schnüren verfahren.

Ach, es ist zu spät' sagte die Frau, da ging sie der Knecht beim Leichenzug ihres Mannes um die Heirat an.

Ach, Herr Pastor, ich verlange nichts dafür, sagte das Mädchen, als er sie fragte, was sie mit ihren Sünden verdient habe.

Ach, ich Armer!
la] Vae misero mihi!

Ach, ich wünschte - hat noch nie ein Haus gebaut.
Libanon

Ach, lieber Jänner, sei doch recht kalt und mach' einen Fenner bei Jung und Alt.
Wohlau

Ach, liebste Madam Ludewig, ne, so was dut der Peter nich.
Stettin

Ach, Mensch, betracht', wie Gott verlacht all deinen Pracht, der in einer Nacht wird zu nichts gemacht.

Ach, Mudder, all dit Gêle.
Pommern
hdt] Ach Mutter, all dies Gelbe.
i] Scherzhafte Verwunderung über die Menge von irgendetwas.

Ach, Mutter, i cha nit spinne, der Finger tut mehr weh; der Gyger spannt d' Saite, tanze chönt i eh.
Schweiz

Ach, Scheiden, wie tust du so weh, sagte der Fünfte, dem war das Hemd in Arsch gebacken.

Ach, welch ein Kummer, Frau Nachbarin: Der Hirsch wechselt sein Geweih nur einmal im Jahr und Euer Gatte alle Tage!
es] Ay, que trabajo, vecina: El ciero muda el penacho cada año ¡y vuestro marido cada dia!

Ach, wenn du nur noch Hörner hättest!
Kroaten

Ach, wenn ich nur schon geprügelt wäre, sagte der Junge, als er eine Flasche mit Bier zerschlagen hatte.

Ach, wenn ick doch man schêten (Manschêden) harr.
Pommern
i] Eigentlich, wenn ich doch nur geschissen hätte, soll aber, einen aufallend über seine Mittel Geputzten verspottend, heißen: wenn ich doch Manschetten hätte.

Ach, wenn's Brot wäre, sagte jener Hungrige, als er eine Perle fand.

Ach, wer ich daheym.
la] Utinam domi sim.

Ach, wie ist das eine schwere Pein, sich plagen und ohne Verdienst zu sein.

Ach, wie schön war die Wirtsfru, sagte der Knecht; ach wie hässlich ist die Rechnung, sagte der Herr.

Achele', bachele', bōche', is sein' beschte Melōche.
info] Acheln = essen, bacheln = bechern, bochen für bofen = schlafen.

Achele', bachele', boche', is sein' beschte Meloche
i] Acheln = essen, bacheln - bechern, bochen für bofen = schlafen.

Achselträger.
i] Ein unaufrichtiger Höfling, Konjunkturritter.
fr] Nager entre deux eaux.
la] Duabus sellis sedere.
la] Duos linis parietes.
la] Prolixius sic effertur.
la] Chordas geminas ferire.
la] Duabus sellis sedere.

Acht Ding reimen sich wohl zusammen: ein Koch und Fleisch, Bottenlauffer und ein ebener Weg, Gasterey und Fröhligte, ein zierlich Kleid und schöner volliger Mensch.

Acht Ding Sein, die ihnen selbst und anderen schaden: ein Narr, der nichts weiß, sich selbst für weise helt und andre lehren will, wer da suchet, das er nicht finden mag, ein gewaltiger, der ein Schalk ist, einer, der niemandes Rat begehrt und sich allein der weisesten schätzet, der Sich herren Dienst annimbt und weder Vernunft noch Klugheit hat, der vom Thoren Recht fordertt, wer in Seinem befohlenen ambte vntreuw ist, und ein Vngehorsamer, der sich nicht viel straffen lesset.

Acht Ding wohl zu versuchen sind: der Ochs im Pflug, der Starck im Streit, der König, der seim zorn nachgeit, der Geistlich in seim Ebenbild, der Reich an seiner Mild, der Arme an seiner willigkeit, der Kauffmann bey seiner wahr allzeit, und ein Frommer bey seiner Trew, der sich allzeit der wahrheit frew.

Acht Dinge bringen in die Wirtschaft Weh: Theater, Putzsucht, Ball und Tee, Zigarren, Pfeife, Bierglas und Kaffee.

Acht Dinge gehören zu einem guten Gastmahl: Freundliche Gesichte, viel gute Gerichte, Weine von Gewichte, eine schöne Nichte, eine lustige Geschichte, ein Zimmer geräumig und lichte, beim Sitzen nicht zu dichte und zuletzt eine gute Verpichte.

Acht Dinge haben von Natur Feindschaft gegeneinander: der Bauer und der Wolf, Katze und Maus, Habicht und Taube, Storch und Frosch.

Acht Dinge kann man in des Narren Apotheke erblicken: Gehirn von einer Mücken, das Blaue vom Himmel, bösen Gelds Schimmel, für den Sod Johannisbrot, für den Schweiß Harn von einer Geis, Kuckucksang, Schellenklang und zum Tanz Affenschwanz.

Acht Dinge machen den Reigen ganz: der Metzen ein Tanz, der Märgen (Mariechen) ihr Hans, einem jungen Laffen ein Kranz, dem Spieler eine Schanz, dem Fraß eine nördlingsche Gans, dem Hofmann ein Fuchsschwanz, dem Barfüßer sein Franz, dem Pfaffen seine Monstranz.

Acht Dinge sind gemeiniglich beisammen: Weiber und Flammen, Ross und Wagen, Hals und Kragen, Metzger und Schragen.

Acht Dinge sind, die nicht zusammengehören: Nacht und Tag, Gerechte und Ungerechte, Gutes und Böses, Leben und Tod.

Acht Dinge trifft man im Verein: Fass und Wein, Koch und Brei'n, Acker und Pflug, Wasser und Krug.

Acht Dinge werden durch acht Dinge nicht gesättigt: der Weise durch Kenntnisse, der Reiche durch Schätze, der Tod durch Geschöpfe, der Mensch durch Wünsche, das Denken durch Erwägung, das Himmelsgewölbe durch Umdrehung, die Lampe durch Öl, das Feuer durch Holz.
Arabien

Acht Dinge zieren acht andere: der Altar die Kirche, die Ware den Markt, das Getreide den Acker, die Scheide den Degen, der Zaum das Pferd, der Saum das Kleid, die Blume den Garten und ehrlicher Ruhm den Mann.

Acht dir nichts, g'schieht dir nichts.
Steiermark

Acht Edelleute aus dem osmianischen Gebiet führen eine Ziege auf den Markt.
Polen
i] Von der Armut des dortigen Landadels.

Acht Eier gehen auf einen Batzen, für den Meier gibt man aber auch da, wo man ihn nicht kennt, zwei und ein halbes.'
i] Urteil der Bauern über den herrschaftlichen Beamten.

Acht geben ist besser als Tausende besitzen.

Acht geben ist mehr als Reue.

Acht gegeben, es sind Schindeln auf dem Dache.
i] Empfiehlt Vorsicht im Reden in Gegenwart der Jugend, welche so leicht Feuer fängt, wie ein Schindeldach.

Acht giewen iß biätter es (besser als) dusend Daler.
Münsterland

Acht haben nicht großen Lohn und werden doch reich davon: Förster und Jäger, Amtleut' und Häger, Tutor und Prokurator, Verwalter und Kurator.

Acht is mehr as Dusend.
info] Wortspiel zwischen dem Zahlwort acht und dem Dingwort Acht (Achtung, Aufmerksamkeit). Acht geben ist besser als Tausende besitzen.

Acht is mehr as Dusend
Ostfriesland
i] Wortspiel zwischen dem Zahlwort acht und dem Dingwort Acht (Achtung, Aufmerksamkeit). Acht geben ist besser als Tausende besitzen.

Acht kein ort on ein or.
la] Nullum puta sine teste locum.

Acht' nicht sehr der Sterne Schein, wenn dir die Sonne will gnädig sein; wer aber ohne Sonne muss sein, der nehm' in Acht der Sterne Schein.

Acht nicht, was der Kläffer spricht, wenns nit Gott und ehren geschicht.

Acht Reiche und neun Arme können in einem Dorf nicht in Frieden leben.
Russland

Acht stück in einer Summ gehören zum Christentum: glaub, lieb, Hoffnung, geduld, beständigkeit, Unschuld, andacht, Mäßigkeit.

Acht stück sind bei der Alchimey: Rauch, Asch, viel Wort und gross vntrew, erseufftzen tieff und schwer arbeit, armut und allerley Kranckheit. So du dafür wilt sicher sind, gehe nicht zum laboratorio ein.

Acht stück sindt allenthalben zu viel und auf allen Gassen feil: Lugen, falsche Zeitung, vnzüchtige Weiber, falsche Freundt, Neid, betrügliche Wirt, Bossheit, vergebliche Hoffnung.

Acht Stücke sind zu Hofe wohlfeil: große Lügen, verdrehte neue Zeitung, verlorene leichtfertige Weiber, falsche Freunde, steter Neid, doppelte Bosheit, eitle Worte und vergebliche Hoffnung.
z] Aber warum zu allen Teufeln, habt ihr denn auch Höfe?
Rabelais
z] An manchem Hofe wird ein gar gottlos Sauleben geführt, sodass man daran um Leib und Seele kommt.
Luther

Acht Tage oder acht Wochen hungern müssen, bleibt sich gleich.

Acht Tage vor, acht Tage nach Mariä Geburt fängt der Herbst an.
Sardinien

Acht tragen selbst die Schuld, wenn sie beschämt werden: Wer uneingeladen zu einem Gastmahl kommt; wer in eines andern Hause in Gegenwart des Hausherrn befiehlt; wer Ehrerbietung von seinem Feinde fordert; wer Geschenke von einem Geizigen nimmt; wer andern gegen ihren Willen in die Rede fällt; wer hohe Personen schmäht oder gering schätzt; wer einen Platz einnimmt, der ihm nicht gebührt; wer jemand erzählt, der nicht hören will.

Acht un viirtig Schilling sünt ok 'n Doaler.
Strelitz

Acht und aber Acht macht sechzehn.
i] Ein Wort des Markgrafen Albrecht des Jüngern von Brandenburg. »Habt keine Sorge«, sprach er lächelnd, als man ihn warnte, der Kaiser werde ihn in die Acht (Land- oder Unteracht) und Aberacht (Oberacht) erklären, »Acht und aber Acht macht sechzehn; mit denen will ich schon fertig werden.« Der Ausspruch wurde Sprichwort, um damit die kaiserliche und Reichsacht zu verspotten. Das Wortspiel liegt teils in »aber«, das in Aberacht soviel wie Ober bedeutet, aber von Albrecht im wiederholenden Sinne genommen wurde, teils in »Acht«, das er als Zahlwort gebrauchte. Wenn ein Angeschuldigter nicht vor dem Gericht erschienen oder entflohen war, so konnte, nach altdeutschem Gerichtswesen, der Richter die Verfestung gegen ihn aussprechen. Wer verfestet war, konnte vom Kläger mit Gewalt vor den Richter gebracht, und, wenn er sich widersetzte, straflos getötet werden. Die Verfestung wirkte aber nur in dem Sprengel des Richters, der sie ausgesprochen. Wurde sie einem höheren Richter angezeigt, so wurde sie von diesem für alle unter ihm stehenden Gerichtssprengel bestätigt und dadurch wirksamer gemacht. Die vom Kaiser durch die kaiserlichen Gerichte ausgesprochene Verfestung hieß Acht und wirkte im ganzen Reiche. Wer über Jahr und Tag in der Acht blieb, wurde, wenn dies gegen ihn gezeugt ward, in die Aberacht getan »und sein Leib und Gut allermänniglich erlaubt und soll niemand daran freveln können, und soll selbigen Täter und Friedensbrecher niemand behausen, herbergen, atzen, tränken und keiner ihm Vorschub tun in seiner Obrigkeit Eigentum und Gebiet«.

Acht wohlfeile Dinge sind in der Welt: Große Lügen, falsche neue Zeitung, leichtfertige Weiber, falsche Freunde, steter Neid, doppelte Boßheit, eitle Wort und vergebliche Hoffnung.

Achte auf anderer Leute Gut.

Achte auf deine Gedanken! Sie sind der Anfang deiner Taten.
China

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.
Talmud

Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Talmud

Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Talmud

Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Talmud

Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.
Talmud

Achte auf den Pfennig, und die Pfunde werden auf sich selbst achtgeben.
en] Take care of the pence, and the pounds will take care of themselves.

Achte beim Holzsammeln auf den Skorpion.
Simbabwe

Achte das Kleine nicht klein,
Es bewahrt die Keime des Großen.
Pfennig auf Pfennig gespart,
Türmt sich zum silbernen Berg.
Ist nur die Jugend gewonnen zum emsigen Sparen,
Lebt in der Zukunft gewiss froh ein zufriedenes Volk.

Achte deine Frau, doch die Zügel lass nicht aus der Hand.
Kurdistan

Achte den anderen, dann wirst auch du geachtet werden.
Ägypten

Achte den Arzt, bevor (o. ehe) du ihn brauchst!
Israel

Achte den Augenblick und genieße ihn, er ist das Beste, was wir haben, und das Einzige, was vergeht.
Australien

Achte di klên, wes gern allên, denke stedes up den Dag, den nemand vörbigân mag.
Lübeck

Achte di klên,
wes gern allên,
denke stedes up den Dag,
den nemand vörbigân mag.
Lübeck

Achte dich klein, sei fein und rein, mit niemand zu gemein, so wirst du wohlgelitten sein.

Achte dich klein,
mit niemand gemein,
so wirst du wohl gelitten sein.

Achte dich selbst.
la] Decora te ipsum.

Achte die Bräuche des Dorfes, in das du kommst.
Russland

Achte du mein, so acht' ich dein.
la] Vicem pro vice reddam tibi, care amice.

Achte eine gute Sippe ohne Ansehen des Lagers.
Russland

Achte eine Schlange nicht deshalb geringer, weil sie keine Hörner hat; niemand weiß, ob aus ihr nicht einmal ein Drache wird.

Achte keinen Ort ohne ein Ohr.

Achte nicht auf den Namen des Vogels, sondern auf seinen Gesang.
Russland

Achte nicht auf den, der spricht, achte auf das, was gesprochen wird.
tü] Söyleyene bakma, söylenene bak.

Achte nicht bloß auf das, was andere tun, sondern auch auf das, was sie unterlassen.

Achte nicht den, der dich nicht achtet.
Wales

Achte nicht, wer zu dir spricht, nur was man zu dir spricht.

Achte sicher darauf, dass deine Decke deine Füße bedeckt.
Aserbaidschan

Achte sie und sie wird auch dich achten.
Marokko

Achte(st) du mein,
so acht' ich dein.
la] Vicem pro vice reddam tibi, care amice.

Achte, dass du nicht ein Zaunstecken bleibest, womit man die Sau im Kessel treibt.

Achter Allmanns Fers gan.

Achter Allmann's Oars goahn.

Achter in's Lôg (= Dorf, namentlich Pfarrdorf) wânt ôk Lüde.

Achter in's Lôg wânt (wohnen) ôk Lüde.
i] Lôg = Dorf, namentlich Pfarrdorf.

Achter in't Lôg wânt ôk Lüde.
info] Dorf, namentlich Pfarrdorf, lateinisch: locus = Ort, Stätte, Haus.
hdt] Hinten im Dorfe wohnen auch Leute.

Achter Johannisdage (24.6.) mutt man nich um Regen bidden, wenn Een ok dat Swêt von der Swaren loppt.

Achter Moders (Mutters) Kohlpott (Mûspott) sittn blibn.

Achter öwer, segt Berg, häst minen Hammel nich sehn?

Achter Rücken lehrt man einen besser kennen.

Achter un vör beslan wesen.

Achter ût kleît de Höner.
info] Kleien heißt in der Marsch: eine Grube reinigen vom Schlamm, Gräben ausschlämmen, dann: sudeln, schmieren, im Kot wühlen; ferner, wie in der obigen Redensart, kratzen, krauen, liebkosen; hüm söt kleien = ihm etwas abzuschmeicheln suchen.

Achterânander her de klen tander Gise (Gänse).
info] So sagt man in Hamburg von denen, die ohne Paar und Glied zu halten hintereinander hergehen)

Achterânander her de klen tander Gise.
i] So sagt man in Hamburg von denen, die ohne Paar und Glied zu halten hintereinander hergehen.

Achteräs äs de Hane krasset.
Westfalen

Achterlei Händelstück bringen neunerlei Ungelück.

Achtern Barge holen.
hdt] Hinterm Berg halten.

Achtern Kachelaven liggen.
hdt] Hinterm Kachelofen liegen.
i] Faulenzen, oder die Arbeit in der Kälte scheuen.
z] Zwischen dem geräumigen Ofengebäude und der Wand ein genügender Raum mit einer Bank, sich von Kälte und Beschwerde, von des Tages Not zu erholen, aber auch Raum genug für einen oder zwei zu einem warmen Nachtlager, außen am Ofengestelle bleibend angebracht, um Kleider u.s.w. zu trocknen, kurz der Kachelofen einst der wesentlichste Teil des häuslichen Behagens.

Achtern Smack kam'n.

Achterna (= hintennach) as Bloom.
info] Bloom, eigentlich Blume, in der Jägersprache: Schwanz, steht hier als Eigenname. Sinn: das Letzte pflegt nicht das Bessere Vorzüglichere zu sein.

Achterna (hintennach) as Bloom.
i] Bloom, eigentlich Blume, in der Jägersprache: Schwanz, steht hier als Eigenname. Sinn: das Letzte pflegt nicht das Bessere, Vorzüglichere zu sein.

Achterna as Kese.

Achterna back Eierkoken.
i] Hintennach ist's zu spät.

Achterna dat is dunneber.
hdt] Hintennach das ist Dünnbier.
info] Schlechtes Bier, Halb-Bier, das aus dem zweiten Aufguss bereitete Bier, der zweite Absud.

Achternä êten si Käse, sagen die Westfalen.
la] Ficus post pisces.

Achterna fleuten (flöten).
info] Vergeblich wieder zurückrufen, wie z.B. ein Vogelsteller, wenn die Vögel fort sind, oder wenn jemand seinem Hunde umsonst nachpfeift.

Achterna is wiveruwe.
hdt] Hintennach ist Weiberreue.
info] Taugt und nützt nichts, klug ist, wer sich zuvor bedacht.
z] Dat mag men wol loren in guden truwen, dat einem ein ding achterna deit ruwen! Wen he den vogel heft flegen laten, so wil he sik hindenna vele undermaten, so is dar to late katteropen (d.h. Rufen der Katze) in gemein, wan de groteste schade is gescheen. Liliencron, Hist. Volkslieder

Achterna is wiveruwe.
i] Hintennach ist Weiberreue, taugt und nützt nichts; klug ist, wer sich zuvor bedacht.
zit] Dat mag men wohl loren in guden truwen, dat einem ein ding achterna deit ruwen! Wen he den vogel heft flegen laten, so wil he sik hindenna vele undermaten, so is dar to late katteropen (d. h. Rufen der Katze) in gemein, wan de groteste schade is gescheen.

Achterna ist gôd lachen.
i] Hintennach lacht sich's leichter als vorher.

Achterna ist gôd lachen.
info] Hintennach lacht sich's leichter als vorher.

Achterna kakeln de Höner.
i] Nachdem die Sache geschehen, ist das Reden darüber nutzlos.

Achterna kakeln de Höner.
info] Nachdem die Sache geschehen, ist das Reden darüber nutzlos.

Achterna kamt de Rekens (= Rechnung).

Achterna kamt de Rekens (Rechnung).

Achterna lopt dünn Beer.

Achterna lopt dünn Beer.
var] Achterna dat is dunneber.
i] Hintennach das ist Dünnbier, schlechtes Bier, Halb-Bier, das aus dem zweiten Aufguss bereitete Bier, der zweite Absud.

Achternanner (= hintereinander) as de Eilanders (= die Inseln Wangeroog, Spiekeroog usw.) un de Göse (= Gänse).

Achternanner (hintereinander) as de Eilanders (die Inseln Wangeroog, Spikeroog u.s.w.) un de Göse (Gänse).

Achternanner as de Eilanders un de Gansen (Gänse).
i] Unter den Eilanders sind die Bewohner der Ostfriesischen und Oldenburgischen Inseln gemeint, die von den Festländern als einfältig und dumm verschrien werden. Der Pastor Cadarius Müller in Stedesdorf erzählt in seinem Manuskript über die friesische Sprache (1691) eine Anzahl Anekdoten von der Einfalt der Insulaner, von denen einige an ihrem Orte als Beispielsprichwörter aufgeführt sind.

Achternanner as de Olenländer Göse.
i] Von denen, die einzeln hintereinander hergehen.

Achternanner as de Olenländer Göse.
info] Von denen, die einzeln hintereinander hergehen.

Achternao löpp dünne Beer.

Achteröver (= Hintenüber) segt Berg, hest mînen Hamel nich sehn?

Achteröver (hintenüber) segt Berg, hest mînen Hamel nich sehn?

Achteröver stikt de Bur dat Spêt.
Dithmarschen
info] Von Leuten, die etwas Verkehrtes tun.

Achteröver stikt de Bur dat Spêt.
i] Im Dithmarschen von Leuten, die etwas Verkehrtes tun.

Achterrût (hintenaus) kleit (kratzen, scharren) de Höner.
Rastede

Achtersielen.

Achter't Netz fisken.

Achterût (hintenaus) kleit (kratzen, scharren) de Höner.
Rastede

Achtest du die Ehre deines Volkes nicht, solltest du mit ihm auch nicht essen und trinken.
Russland

Achtest du mein, so acht ich dein.

Achtkantig hinauswerfen.
en] Turf sbd out. - To chuck (o. boot) sbd out. - To throw sbd out on his ear.

Achtsamkeit auf geringfügige Dinge ist die Wirtschaftskunst der Tugend.
China

Achttein (achtzehn) Handwerk is nägentein (neunzehn) Unglück.

Achtundachtzig ist a jüdische Klute.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Ein Lieblingsfluch der Juden ist: 'Habe achtundachtzig schwarze (d.i. unglückliche) Jahre.'

Achtundachtzig ist a jüdische Klute.
Jüdisch-deutsch, Warschaui] Ein Lieblingsfluch der Juden ist: »Habe achtundachtzig schwarze (d. i. unglückliche) Jahre.«

Achtung gewinnt Achtung.

Achtung ist besser als Gold.
la] Bona opinio tutior est pecunia. (Publ. Syr.)

Achtung ist der jüngere Bruder der Liebe.
England

Achtung ist manchmal besser als Liebe.
Frankreich

Achtung verdienen Männer von Gewicht, doch alle, die viel wiegen, nicht.

Achtung vor dem Alter! Die Torheit vorm Alter schützen!
[ASpW]

Achtzehn gewinnt nie.
i] Zunächst beim Whist, es müssen zwanzig sein. Doch auch Spielerglaube, der nicht gern auf 18 anlegt, sondern meint, von 16 aus seien die fehlenden 4 Points leichter als von 18 die fehlenden 2 zu erlangen; wenigstens tröste sich der Gegner damit.

Achtzehn göttinnengleiche Töchter sind einem buckligen Sohn nicht gleichwertig.
China

Achtzehn oder drei.
i] Alles oder nichts, das Höchste oder das Geringste. Vom Würfelspiel entlehnt, wo achtzehn die höchste und drei die niedrigste Anzahl Augen sind, die man werfen kann. Von Wagehälsen gebraucht, die alles aufs Spiel setzen.

Achtzehn, wie auf dem Schießhause.

Ächzt du arbeitend, isst du gierig.
Estland

Acker um Acker, chuet an Stab.
Appenzell
hu] A fekete földoen tarem a jô buza.

Acker um Acker, chuet an Stab.
Appenzell
un] A fekete földoen tarem a jô buza.

Acker und Pflug, Wein und Krug, durstiger Bruder, Zecher und Luder, Rettich und Ruben, Huren und Buben, Hühner und Hahnen, waren alle Gespanen.

Acker und Wiesen durch den Bauch führen.

Äcker, die außer der Landwehr liegen, sind schwer zu hüten.

Ackerbau ist der beste aller Berufe, Handel ist mittelmäßig, Dienen verächtlich, und Betteln der letzte Ausweg.
Bhojpur, Nepal

Ackerbau ist der beste Beruf, aber der Bauer muss selbst im Felde sein.
Marathi, Indien

Ackerbau und Bergwerk soll man nicht lassen feiern.
ndt] Ackerbau und Bergwerck soll man nicht feyren lassen.

Ackerbau und Literatur sind die beiden Hauptberufe.
China

Ackerbau, Ochsenschau und eine hübsche junge Frau machen ins Christentum manche Sau.

Ackergurren lässt man weiden ohne Zaum, die köstlichen Stuten werden wohl gehütet.

Ackerland hält stets Bestand.

Ackermanntje (Bachstelze) wipp up Stert, wel hett di dat Wippen lehrt.
Kinderspruch

Ackern und Düngen ist besser als Beten und Singen.

Ackersmann - Slackersmann; viel beeter is en Handwerksmann.
Westfalen (slackern = sich beschmutzen)

Ackersmann, Schlackersmann, ich lobe mir den Handwerksmann.
ndt] Ackersmann - Schlackersmann, eck lobe mui den Handwerksmann.
ndt] Ackersmann - Slackersmann, viel beeter is en Handwerksmann.
Westfalen
i] slackern = sich beschmutzen
ndt] En Ackermann, en Schlackermann, et geht nit für, wei 'n Handwerk kann.

Acker-Studenten und Pfluge-Doktores müssen immer lernen mores.

Ackert der Mann nicht, hungert die ganze Familie. Webt die Frau nicht, friert die ganze Familie.
China

Ackerwerk hat Mühe.

Ackerwerk soll nähren, Kriegswerck soll wehren.

Ackerwerk, Wackerwerk.

Ad Jemos ha-Meschüjech.
Jüdisch-deutsch, Warschau
hdt] Bis zu den Tagen des Messias.
i] Bis zum jüngsten Gericht.

Adam - der erste Entwurf für Eva.

Adam hat das Obst gegessen und wir haben das Fieber davon.

Adam hat den Apfel gegessen, und uns tun die Zähne davon weh.
Ungarn

Adam hat genascht verbotne Bissen und wir müssen dafür büßen.

Adam hatte sieben Söhne,
Sieben Söhne hatt' Adam.
Sie aßen nicht, sie tranken nicht,
Sie waren alle liederlich,
Sie machten's alle, so wie ich: (der Deklamierende macht irgend etwas vor, das die Spieler nachmachen).
Kinderlied

Adam is in de Pott.
Kleve
i] Um zu sagen, dass nichts mehr da, dass alles aufgezehrt ist.

Adam iss.
i] Von der Verführungsgewalt, welche das schwache Geschlecht seit Evas Zeit über das starke ausübt.
z] Der Apfel aber, den Eva brach,
Bracht' uns in alles Ungemach.

Adam mit Naschen hat verricht', all das Übel, das uns anficht.
ndt] Adam mit seinem naschen zuricht, dass vns nun alles vbel anficht.
la] Mala, mali, malo, contulit omnia mundo.

Adam muss eine Eva han, der er zeihe, was er getan.
i] Schildert die ziemlich allgemeine Neigung, in anderen den Grund unserer fehlerhaften Handlungen zu suchen, andere für die eigenen Dummheiten verantwortlich zu machen.
bm] Petr na Pavla, a Pavel na Havla.

Adam schiebt die Schuld auf Eva, und Eva auf die Schlange.
dk] Adam gaf (skjöd) Skylden paa Eva, og Eva paa Slangen.
la] Se quisque absolvere gestit.
la] Transfert et proprias aliena incrimina culpas.
sd] Adam sköjt skulden på Eva och Eva på ormen.

Adam sulde eyns gebotis phlegen, das selbige bisher undervegen. Nu sulle wir leysten Xgebot und sint krenker den Adam, das weis got.

Adam sündigt im Paradies, Luzifer im Himmel.
i] Der Ort schützt nicht, nur die sittliche Macht im Menschen.
dä] Adam syndede i Paradis, Lucifer i Himmelen.

Adam und Ev' wieren twa Deef.
Niedersächsisch
ndt] Adam an Ef woren zwên Eppeldâf.
hdt] Adam und Eva waren zwei Diebe.

Adam und Eva den Apfel aß, so entgelte ich, dass ich nie genas.

Adam und Eva fuhren auf der Schlefa (Kinderschlitten), Adam vorne weg, Eva fiel in Dreck.

Adam und Eva ginga zusamma nach Huse. Adam hot a Krug zerschloan, Eva muss de Scherb'n troan.

Adam und Eva sprachen von ihrer Liebe auf Persisch, und der Engel der sie aus dem Paradiese trieb, sprach Türkisch.

Adam und Eva waren zwei Diebe.

Adam und Samson,
David und Salomon,
die hatten Wisheit unde Kraft,
doch twang sie Wibes Meisterschaft.

Adam war nichts als ein roher Entwurf, und die Schöpfung des Menschen ist Gott erst völlig gelungen, als er Eva erschaffen hat.

Adam, Samson, David, Salomon Weibslist beruckt, wer kan bestohn.

Adam, was hast du getan!

Adam, wo bist du?
i] Scherzhaft nach 1. Mos. 3,9, auch Name eines Suchspiels, scherzhaft gerufen, wenn man jemanden (o. etwas) nicht finden kann. Vorwurf, wenn sich jemand seiner Verantwortung entzieht; scherzhaft, wenn jemand etwas nicht finden kann
z] Wie ich mir nun das ansah, dacht' ich mir: Adam, wo bist du? Ich werde dich schon fassen.

Adams Apfelbiss bringt uns den Tod gewiss.
dk] Adam og san Eve, tagde store leve.

Adams Apfelmus macht uns allen viel Verdruss.

Adams Kinder sind Adam gleich.
un] Kiki jól bele harapott az almába.
un] Kiki közülünk Adámfi.

Adams Kinder sind alle von der Natur entweiht.

Adams Kinder sind nicht alle gleich.

Adams Kinder, geschwinde Finder, große Sünder.

Adams Natur und Schuld lassen sich nicht mit Feigenblättern bedecken.

Adams Rippe bringt mehr Schaden als Nutzen.

Adams Rippe bringt nicht Heilung, nur die Grippe.

Adams Rippe bringt weniger Nutzen als Schaden.
Polen
var] Adams Rippe bringt mehr Schaden als Nutzen.

Adams Rippe ist schlimmer als die Grippe.
fr] La côte d'Adam n'a pas tant de bien que da dam.
i] Sie bringt mehr Schaden als Nutzen.

Adams Rippen und Rebensafft hat mannichen in groß Armut bracht.

Adams ryb (Rippe) und reiffennass macht manchen froe, der trurig was.

Adams Sohn kann ohne Arbeit nicht Brot essen.

Adamsäpfel sind (werden) nie reif.

Adamsapfel.
i] Da Adam das Kerngehäuse des verbotenen Apfels im Halse steckengeblieben war und sich so der Kehlkof des Mannes gebildet hat.

Adamskinder sind wir alle, aber die Seide unterscheidet uns.
England

Ade (adje) sagen.

Ade (Adje), Welt, ich geh' ins Kloster (o. Tirol).

Ade (Adjeh), Liesken, sechs Dreier liggen up't Trepp'.
i] Wird als Witzwort gebraucht, um sich scherzhaft oder spöttisch zu verabschieden.

Ade ihr lieben Fässer, der Herbst ist eingebracht!

Ade Sünde, ade Schande!

Ade Welt, ade!

Ade Welt, du bist mir langweilig, ich gehe ins Kloster.

Ade Welt, ich gehe ins Tirol.

Ade, du liebes Waldesgrün!
Vogl, Ade, du liebes Waldesgrün

Ade, Lieb, ich kann nicht weinen; verlier' ich dich, ich weiß noch einen.
i] Trostwort solcher, welche nicht gesonnen sind, in Werthers Fußstapfen zu treten)

Ade, Tugend, ab' ich gelt, so bin ich lieb.

Adebar, der Storch.
Nach Reineke Fuchs, dem Tierepos (um 1200)

Adel - Tadel.
i] Adelig muss untadelig sein.
z] Adel, tadel. Gelt ist der Adel, gelt ist ohne tadel.
fr] Il n'y a generation où il n'y ait putain ou larron.
sp] No ay generacion, do no ay puta o ladron.

Adel allein bei Tugend steht, aus Tugend aller Adel geht.
fr] La source de noblesse est fraude et vitesse.
fr] Noblesse vient de vertu.

Adel bringt den Topf nicht zum kochen.
Schottland

Adel entspringt nicht aus Blut, er ist der Tugend Heiratsgut.
fr] La vraie noblesse est celle du c?ur.
nl] De adel der ziel is meer waardig dan de adel des geslachts.
la] Nihil est nobilitas generis, nisi morum nobilitas adsit et humanitas.

Adel gehet aus Tugend.

Adel geht nicht für Ehrbarkeit.
i] Nicht immer sind Adlige auch ehrenhaft.

Adel gesellt sich nicht zu Plebs.
nl] Adel moet bij adel, en stront bij zijn' broêr wezen.

Adel hat kein Erbrecht.
la] Miserum est, alienae incumbere famae. Juvenal
la] Nam genus et proavos et quae non fecimus ipsi. Ovid
la] Non genus virum ornat, generi vir sorti loco. Accius

Adel hin und Adel her, wer edel tut, ist ein Edelherr.
dk] Adel her, adel der, hvo aedelt giör, vist adel er.

Adel ist der Tugend Kron und Lohn.

Adel ist ein sehr günstig Ding.
i] Wegen der bedeutenden Vorzüge, die dieser Stand genoss. Wer ihm angehörte, war vollständig frei. Mit dem Begriff der Freiheit verband die mittelalterliche Anschauung die Vorstellung von Gerechtigkeit, Weisheit, Tugend und alle löblichen Eigenschaften, während sie den Unfreien jede Schalkheit zumaß.
altfries] Diu adelheit is em seer gonstich thing.

Adel ist nichts ohn Tugend.

Adel ist sterblich, die Dummheit ist erblich.

Adel ist von Bauern her.
fr] Le tiers estat est le seminaire de noblesse.

Adel kommt von Natur und nicht von Amt.
[RSpW]
i] Amtsbesitz adelt nicht. Nach mittelalterlicher Anschauung ist der Adelige geborener Heerführer, Richter, Beamter. Alle Rechte und Ämter sind Folgen, nicht Ursachen seines Adels. Das Amt kann niemand adeln.
mhd] Adel komet von naturen unde nicht von ammecht. Sächsisches Weichbildrecht

Adel kommt von Tugend.
fr] Noblesse vient de vertu.

Adel legt Pflichten auf.
Frankreich

Adel macht den Kohl nicht fett.
fr] La nobilità è una magra vivanda in tavola del povero nobile.
nl] Adel is een arm geregt.
nl] Adel is eene dunne schotelspijs.

Adel muss man durch Tugend erstreben, er wird durch Geburt nicht gegeben.
fr] Nulle noblesse de paresse.
it] La nobilità non s'acquista nascendo ma virtuosamente vivendo.

Adel ohne Geld gilt wenig in der Welt.
en] Gentility without ability is worse than plain beggary.
it] La nobilità poco si prezza se vi manca la richezza.

Adel ohne Tugend ist eine Nußschale ohne Kern, ein Ei ohne Dotter.

Adel ohne Tugend und eine Laterne ohne Licht leuchten beide nicht.
dk] Adel uden dyd er en lygh uden lys.
it] La vera nobilità cleve esser accompagnata con l'honestà.

Adel sitzt im Gemüte und nicht im Geblüte.
i] Adlig ist nur, wer sich auch edelmütig verhält.
en] Handsome is that handsome does.
en] Birth is much, but breeding is more.
fr] Beauté sans bonté ne vaut pas un dé.
fr] Noblesse vient de vertu.
it] Bello è chi bello fa.
la] Generositas uirtus, non sanguis.
it] La vera nobilità sta nel cuore.
la] Nobilitas sola est atque unica virtus.
la] Stemmata quid prosunt, si virtus deficit omnis.
la] Virtute decet non sanguine niti.
sd] Adel sitter i modet, icke i blodet.
sp] Cada uno es hijo de sus obras.
sp] El corazón muestra la nobleza verdadera.
sp] El varón es quien ennoblece.
sp] La sangre se hereda, la virtud no.

Adel stehet wohl bei Tugend.
it] La vera nobiltà male non fà.

Adel und Stände muss man nicht mehr soutenieren, sagt Kaunitz.
i] Nämlich als sie nach dem Frieden von 1763 die weitern Steuern verweigerten.

Adel vereinsamt, wer weiß es besser als ich? Arbeit verbindet.
Ernst Weiß, Der Aristokrat, 1. Teil, Kap. 6

Adel verpflichtet.
fr] Noblesse oblige. (Wahlspruch der Herzöge von Lévis)i] Der Adelige muss adelig handeln, oder im weiteren Sinne: Man muss sich standesgemäß benehmen.
pl] Szlachectwo zobowiązuje.

Adel, Pfaffen und Fledermäuse,
Huren, Juden und Filzläuse,
wo die nehmen überhand,
sind verloren Leut' und Land.

Adel, Tadel.

Adel, Tugend und Talente sind nichts ohne Rente.

Adel, Tugend, Kunst sind ohne Geld umsunst.
i] Dadurch wird der Geldadel zum vornehmsten erhoben, obgleich er unstreitig der erbärmlichste ist. Der Geburtsadel lebt wenigstens in der Erinnerung ehemaliger Größe, der Geldadel aber nährt den dümmsten Stolz auf ein totes Metall und macht die Seele und die Finger zugleich schmutzig.
mhd] Adel, tugent, kunst seind on gelt vmbsonst.
la] Nihil sine pecunia, hoc est: nisi habueris pecunias, nec nobilitas, nec scientia, aut virtus proderit.

Adel, Tugend, Wissenschaft und Kunst, sind ohne Geld umsonst.

Adelheid im weißen Kleid verkündet gute Sommerzeit.
Bauernregel

Adelheit ist dreierlei: eine aus der Tugend, die andere aus der Geschicklichkeit, die dritte aus der Geburt oder Reichtum.

Adelig und edel sind (o. ist) zweierlei.

Adelig und edel sind verwandt wie Rossschweif und Fliegenwedel.

Adelig, was ehrlich.

Adels Mutter ist die Ehre, Adels Tochter ist die Wehre.

Adels Schwester ist Demut, kein Menschen sie verachten tut.

Adelsbrief und Hofsuppen sind gemeiner denn ein Bauernjuppen.

Adelsbrief' und Hofsuppen sind niemand versagt.

Adelsbrief' und Hofsuppen sind zu Hof gemeiner (o. wohlfeiler) denn ein Bauernjuppen.

Adelschaft bringt Tadelschaft.

Adelsrecht - Adelspflicht.
fr] Noblesse oblige.

Adelstolz sitzt auf einem Pferd von Holz.

Ader und Geld lassen nicht nicht bergen.

Aderlassen ist gut, so oft es von nöten tut (o. wenn es not tut), wer's nicht bedarf, dem ist lassen das Beste.
i] Das Aderlassen war im 17. Jahrh. wie Essen, Trinken und Schlafen ein Lebensbedürfnis.
z] Im Jenner ist gut Häuser bauen, Hochzeit machen, aber niemals Aderlassen. Im Hornung ist gut Hölzer spalten, warm sich halten und am besten - Aderlassen. Im Märzen ist gut Bäume schneiden und am Daumen Aderlassen.

Aderlassen ist gut, wen es nottut, wer's aber nicht bedarf, dem ist lassen das Beste.

Aderlassen, Abführen und Beichten Leib und Seel' erleichten.

Ädern und rädern.
Luther

Adieu Lieb, ich kan nit weinen, wilt du nit, ich weiß schon einen.
z] Wenn dir dein Liebchen untreu war, musst du dich nur nicht gleich ermorden; vielleicht nach einem halben Jahr, wärst gern du selbst sie los geworden.
bm] Stará láska nehasne (nzarzaví.)

Adieu, Profit.
la] Vale charum lumen.

Adieu, Schneppe.
i] In dem Sinne: Hin ist hin.

Adieu, Welt, nu reise äk na Tirol.
i] Ich verschwinde, gehe schlafen.

Adje Brûd (Braut), de Frû is ût.
Holstein

Adje, Partie. Rottenburg
i] Das tue ich nicht, da bin ich nicht dabei.

Adje, Welt, ich geh' ins Tirol.

Adjeh, Liesken, sechs Dreier liggen up't Trepp'.
Ukermark
i] Wird als Witzwort gebraucht, um sich scherzhaft oder spöttisch zu verabschieden.

Adjüs seggt 'n wenn 'n weggeiht.
Pommern'
hdt] Adieu sagt man, wenn man weggeht.
i] Als Ergänzung wird vorausgesetzt: Wenn man kommt, sagt man guten Tag. Das Wort wird nämlich gebraucht, wenn jemand kommt, ohne 'guten Tag' zu sagen.

Adler brüten keine Tauben.
en] A wild goose ne'er laid tame eggs.
en] Owls do not breed falcons.
en] Brave men breed no cowards.
fr] Les loups n'engendrent pas de moutons.
it] D'aquila non nasce colomba.
it] Il lupo non figlia agnelli.
sp] De águila no nace paloma.
la] Aquila non generat columbam.

Adler fangen (o. fängt) keine Fliegen (o. Mücken, Flöhe).
i] Ein großer Geist verachtet des Kleinliche und Erbärmliche.

Adler fängt keine Mücken.
fr] L'aigle ne s'amuse point à prendre les mouches.

Adler fliegen (gern) allein.
z] Der Starke ist am mächtigsten allein.
Schiller

Adler fliegen allein, aber Schafe scharen sich zusammen.
USA

Adler fliegen alleine, Schafe gehen in Herden.
China

Adler fliegen hoch unter den Wolken, Schmetterlinge niedrig über dem Gras.
Estland

Adler haben große Flügel, aber auch scharfe Klauen.
i] Die Großen der Erde haben wohl große Macht, aber auch große Gewalt, wehe zu tun.

Adler kriegen nicht mit Fröschen.

Adler legen ihre Eier nicht in Spatzennester.

Adler zeugen Adler.
i] Großes stammt nur von Großem ab.

Adleraugen sind nicht Eulenaugen.

Adlerfedern verzehren die Taubenfittiche.

Adlers Federn tun großen Schaden, wenn sie unter fremde gemengt werden.

Adlersfedern haben immer die fetten Taubenfedern verzehrt.

Adlersfedern verzehren die Taubenfittiche.

Adlertag ist ein Fliegenjahr (o. Mückenjahr).

Adlicher mut tut ungezwungen, was da gut.

Adlig und edel sind verwandt wie Rossschweif und Fliegenwedel.

Adlig und edel sind zweierlei.

Adlig und tugendsam schicken sich gar wohl zusamm.
fr] Noble et vertueux.

Adlig was ehrlich.
sd] Adelig och ärlig.

Adlig wie ein Stiftsherr.

Adliger als Kodrus.
Griechenland
i] Spott auf die, welche sich verrauchter Ahnenbilder rühmen.

Adressen zeigen großen Mut, denn sie kosten ja kein Blut.

Advokat, dass heißt, einer, der aus jeder Sache etwas zu machen weiß?
Goethe (1749-1832), zu F. J. Frommann, 1827

Advokaten - Schadvokaten.
i] Auch von Rechthabern. Daher entbrannte der Zorn des deutschen Volkes nach der Freiheitsschlacht unter Hermann am heftigsten gegen die römischen Advokaten, deren Justizkunst sie für eitel Rechtsverdrehung achteten, so dass keiner am Leben blieb.
it] L'avvocato non ha l'occhio alla borsa del cliento, ma alla sua.

Advokaten - Teufelsbraten.
Schaumburg

Advokaten haben lange Tagwerke.

Advokaten halten es nicht wie die Kutscher: sie nehmen das Trinkgeld, bevor sie starten.

Advokaten leben nicht von Prozessen, sondern von der Elle, womit sie sie messen.

Advokaten lieben Dukaten.
it] Agli avvocati piacciono i ducati.

Advokaten treiben es wie Kutscher, sie halten die Hand auf, bevor sie starten.
England

Advokaten und Ärzte leben gut von anderer Schaden.
dk] Lov-kjön og barsker have gavn af andres skade.

Advokaten und Lachse machen oft seltsame Sprünge.

Advokaten und Maler können leicht aus Weiß Schwarz und aus Schwarz Weiß machen.
dk] Lov-kjön og maler kand snart gjöre hvidt hvad sort er, og sort hvad hvidt er.

Advokaten und Soldaten sind des Teufels Spielkameraden (o. Spielgenossen).
i] Ein tüchtiger, redlicher und mutiger Advokat ist die beste Schutzwehr gegen Willkür, Ränke und Rechtsverdrehung. Wo es in unseren Tagen einen Rechtskampf des Volks galt, da haben wir stets die hervorragendsten Namen dieses Standes in den vordersten Reihen erblickt. Solche Elemente aber, die das Recht verdrehen und das Volk ausbeuten, finden wir auch in anderen Ständen.
fr] Si enfer n'est plein, jamais n'y aura d'advocat sauvé.

Advokaten und Wagen gehen nicht ohne Schmiere.

Advokaten und Wagenräder wollen gut geschmiert sein.
ndt] Advocoten un Wagenreader möt beide smeart weren.
Westfalen

Advokaten und Wiegen sieht man 'über und 'nüber fliegen.
z] Etliche Advokaten sind wie eine Wiege, die bald hin-, bald herwankt.

Advokaten werden leben, solange es ein Mein und Dein wird geben.

Advokaten, die Bratenwender der Gesetze, die so lange die Gesetze wenden und anwenden, bis ein Braten für die dabei abfällt.
Heinrich Heine

Advokaten, die sich lassen die roten Männlein betriegen und bovem in lingua tragen.

Advokaten, Schadvokaten.

Advokatenbart - böse Art.
fr] Barbe d'avocat, qui croît par articles.

Advokatenfedern und Winzermesser schneiden gleich gut.
it] La penna dell'avvocato è un coltello di vendemmia.

Advokatenrat ist teuer.

Advokatenzungen müssen mit Gold geschmiert werden.

Adzofu sieht nach einem sehr schlechten Getränk, sie gaben ihm stattdessen eine Medizin.
Afrika

Ae Bissel schief is engelsch.
Oberharz

Ae Dieb hot ä gross Recht.
Oberharz

Ae frühlich Herz, en fresche Moth magd Scha' (Schaden) wier jod, hölpt ouch noch witt enn schlête Zitt.
Aachen
hdt] Ein fröhlich Herz, ein frischer Mut macht Schaden wieder gut, hilft auch noch weiter in schlechter Zeit.

Ae gratter Mantel, do kan 'm thi oal Knecht san Stört egh sä.
Föhr
hdt] Ein großer Mantel, so kann man des Teufels des alten Knechts Schwanz nicht sehen.
i] Das vornehme Kleid deckt vieles zu. Je tiefer sich der Mensch in seinen Deckmantel hüllt, desto weniger ist er zu erkennen.

Ae griener Dingrich sein.
Oberharz
i] Nur im verächtlichen Sinne von Personen, die im ersten Jünglingsalter stehen, um Unerfahrenheit, Unreife auszudrücken. In Amerika nennt man die erst Eingewanderten und daher mit den dortigen Verhältnissen Unbekannten Grüne, auch Grünhörner.

Ae gut Gefäll (auch: ân guten Iwerfall) ha'n.
Oberharz
i] Von Leuten, die beim Trinken gute Züge tun.

Ae gut Gewissen schläft ruhig ufen Kissen.
Waldeck

Ae is ä langer Baumlich.
Leipzig
i] Unbeholfener Mensch.

Ae is 'n rechter Sammelsack.
Leipzig
i] Ist sehr saumlelig in seinen Geschäften, braucht eine Zeit, bevor er von einem Gange zurückkehrt.

Ae jeder muss seine Hühner salwer trampen.

Ae Linksmacher sein.
Oberharz
i] Von jemandem, der eine Sache verdreht, aus rechts links macht.

Ae lûs (kluges, pfiffiges) Huhn läät og alt ens en de Bröönässle.
Düren

Ae stinkig Fellche mäht klinkig Gellche.
Köln
hdt] Ein stinkendes Fell macht klingendes Geld.
i] Von dem einträglichen Geschäft der Lohgerber
nl] Stinkende vellekens geven klinkende gellekens.

Ae Talligfalten sein.
Oberharz
i] Ein Valentin aus Talg, ein Einfaltspinsel.

Ae wenijer em än de Kächen (Küchen) dît, ä biesser schmackt se.

Aeinmoal (einmal) is alle Dage nit, un tweimoal is nit faken (oft).
Arnsberg

Aeirst de Pype (Pfeife) ân un dan 't Piärd iuten Grâwen, sach de Biur, doa was iäm sin Piärd 'rin fallen.

Aem a Krîn sâlzn.
Österreich-Schlesien
i] Ihn zurechtweisen, züchtigen.

Aem a Kunza gaija.
Österreich-Schlesien
i] Heimleuchten

Aem aus 'm Salze lâsa.
i] Eine derbe Zurechtweisung erteilen.

Aem de Gehannesdoag (24.6.).
Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Um den Johannistag.
i] Um die Zeit des Sommers zu bestimmen, was auch durch folgende Redensarten geschieht: Won em bôd (wenn man badet); Aem Aren (um die Ernte). Won en sich af't Hîwt trit (wenn man sich aufs Haupt tritt, nämlich im Schatten). Won der Heangd de Zeang hê lêt (wenn der Hund die Zunge hängen lässt). Won em än de Kirschebeangert zecht (wenn man in die Kirschenbaumgärten zieht). Won em Kukurutz (türkischen Weizen, Mais, walachisch: Gugoritza) drist.

Aem de Gürgendoag (23.4.).
Siebenbürgen-Sachsen
i] Diese Redensart wird zur Bestimmung der Frühlingszeit gebraucht. Für denselben Zweck hat man in Siebenbürgen auch die folgenden Redensarten: Aen Ausdägen, d.h. in den Endtagen des ausgehenden Frühlings. Won et grän wît (grün wird). Won der Kukuk kreischt. Won de Schwalwe kun (kommen). Won de blésch Nôhtegôle sangen = wenn die walachischen Nachtigallen (scherzhaft für Frösche) singen.

Aem de Mächelsdog (29.9.).
Siebenbürgen/Sachsen
i] Um die Herbstzeit zu bestimmen, wofür man auch folgende Redensarten hat: Aen Aendagen (in den Eintagen, d.h. in der Zeit, da das Jahr einwärts, seinem Ende, oder dem kürzesten Tage zugeht). Won em list (wenn man Weinlese hält). Won de Schwalwen zän (wenn die Schwalben ziehn). Won der Bäsch der wît (wenn der Busch, Wald dürr wird).

Aem de Sattel det Ruoss (geben).
Siebenbürgen/Sachsen

Aem März wirt der Schni madig.
Siebenbürgen/Sachsen

Aen ai Krênôbs (Kreenobst) nâma.
i] In strenge Behandlung.

Aen de Gass gohn.
Siebenbürgen-Sachsen
i] Zur Geliebten gehen.

Aen de Mônscheng (Mondschein) teanken (tunken).
Siebenbürgen/Sachsen
i] Nichts zu essen haben.

Aen krähend Huhn äs nit gut.
Waldeck

Aen ollen Lüning (Sperling) fängt me nit mit Koff.
Sauerland

Aen 't oald Eise kun.
Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Ins alte Eisen kommen.
i] Wertlos werden.

Aene brave Mann, de get (gibt), wat he kann.
Aachen

Aene domme Mann, de mieh get, as he kann.
Aachen

Aeneas roch Lavendelduft und kannte seine Mutter.

Aerme Manns Rinder un rîche Manns Kinder sin bâl bestât (untergebracht).
Köln

Aes der Mierz (März) hîs ug drêch, se môcht hie de Gebouer rech.
Siebenbürgen/Sachsen

Aes 'e 't (als er es) balle verstund, da verreckte de Hund, hadde de Buer sagt; dei hadde dem Iesel willt dat Fasten lehren.
Westfalen

Aesen isch, wenn Späck und Fläsch im Hafen isch.
i] Gehört zu den in der Schweiz sehr häufigen Sprichwörtern, die mit einer alltäglichen Gewohnheitsrede beginnen, an welche sich ein scherzhafter, gern reimender Nachsatz anschließt, wie: Jo jo, säll glaub' ich, die Müller sind staubig. Ase, fangt me d' Hase bi der Nase, we me 's überchunnt. So isch es, so goht's, wenn's bricht, so loot's. Jo, liebi Frau Bas, wenn's rägnet, wird me nass; wenn's schneit, wird me wiss; wenn's g'friert, so git's Is. So goht's i der Welt, der eint het de Sekel der ander 's Gelt.

Aest af der Gass afklauwen.
Siebenbürgen-Sachsen
hdt] Etwas auf der Gasse auflesen.

Aest än't Drech brangen.
Siebenbürgen/Sachsen
hdt] Etwas ins Trockene bringen, versorgen.

Aest un de grîs Klôek hên.
Siebenbürgen-Sachsen
hdt] Etwas an die große Glocke hängen, d.i. ausposaunen.

Aet es êns, wie de Koh (Kuh) hêsch, wan se äkkersch (nur) gôt Melch git.
Düren

Aet es gôt, dat kot Köh stuppe Höere hant.
Düren
hdt] Es ist gut, dass böse Kühe stumpfe Hörner haben.

Aet es kê Pöölche su klôr, of (oder) ät mührt (trübt) sich alt ens.
Düren
i] Pöölche = Pfühlchen, Pfützchen. Von Pool (Pôl) stehendes vom Land eingeschlossenes, kleines Wasser: hochdeutsch Pfuhl (Pfütze, Sumpf).

Aet es kêne Mann äsu gôt, of 'â hät 'ne Wolfzank onger dem Hôt.
Düren
i] Es ist kein Mann so gut, er hat einen Wolfszahn unter dem Hut.

Aeten (Essen) unn Drinken holt Liw un Seel tosamen, bäter as'n isern Band.

Aever't ganze Lîv (Leib) gahn laten.
i] Einen Verweis oder eine Strafe abschütteln.

Af den oalde Kaiser lôs lîwen.
Siebenbürgisch-sächsisch

Af der Hochzet wêch Brît, nô der Hochzet Koamer uch Nît.
Siebenbürgisch-sächsisch
hdt] Auf der Hochzeit weißes Brot, nach der Hochzeit Kummer und Not.

Af det Doach (Dach) klôpen.
Siebenbürgisch-sächsisch
i] Anspielung machen, auf den Strauch schlagen.

Af Mutters Fülli rite.
Luzern
i] Zu Fuß gehen.

Aff zwee Beenen wie die Gänse.
Hirschberg
i] Antwort auf die Frage, wie jemand hergekommen sei.

Affe bleibt Affe, auch wenn er goldenes Geschmeide trägt.
Altgriechisch

Affe, was hast du für schöne Jungen!
i] Ironische Bewunderung von hässlichen Kindern und widerwärtigen Taten.

Affekte hindern Herz und Mut, dass man nicht sieht, was recht und gut.

Affekte sind böse Ratgeber; in Gerichts- und Ratsstuben muss man sie in den Winkel stoßen.

Affekten regieren das ganz Hauss eines Menschen, und haben zu Dienern alle Sinn und Glieder.

Affekten und Begierden sind wie Zunder, glimmen und brennen von einem Wort, und hilft kein habitus darvor.

Affekten und Leidenschaften unterworfen zu sein, ist wohl immer Krankheit des Gemüts; weil beides die Herrschaft der Vernunft ausschließt.
Immanuel Kant, Anthropologie in moralischer Hinsicht

Affel (so viel) ond e Chrätli voll. Appenzell
i] Chrätli = kleiner, milchtopfförmiger Korb, den die Kinder beim Beereneinsammeln gebrauchen. Eine Redensart, die nichts heißt; als: 'so viel', und die man nur als scherzhafte Zugabe beim Geben oder Bezeichnen gebraucht, oder als Antwort auf die Frage: Wie viel? anwendet, wofür auch die Redensart: Sibezähni und es Chrättli voll, üblich ist. Man hat in der Schweiz fast auf jedes Fragewort derartige sprichwörtlich gewordene Antworten; a.a.O. findet sich eine Zusammenstellung der dort üblichen Fragen mit den Redensarten und Ausdrücken, die als Erwiderungen im Volksmunde gebraucht zu werden pflegen: Wie? Chrüzwiis und überzwerch. Wie wît? Bis in alten Kaiser in Basel. Wie alt? Der Kopf ist so alt as es F., und 's F. het noch nie zehnet. Warum? Nienerum. Asdorum. Wenn i pfîfe so chumm. Auch: Vo wäge vui und nesba. Worom? Wägen Färber im Schönagrond.

Affen aufm hohen Baum machen sich so wercklich, das die zuseher lachen müssen.

Affen ausnehmen.
i] Etwas Törichtes unternehmen.

Affen bleiben Affen, wenn man sie auch in Sammet kleidet.

Affen bleiben Affen, wenn man sie auch in Seide, Sammet und Scharlach kleidet.
i] Die geschmückte Außenseite macht keinen Unwürdigen achtungswert. So, sagt Erasmus, bleibt ein Weib ein Weib, was für eine Rolle sie auch immer spiele.

Affen brauchen nicht auf reife Zwetschgen zu warten.

Affen des gleichen Alters spielen zusammen.
Kongo

Affen fängt man in Stiefeln und hängt sie dann an Ketten.

Affen fängt man mit großen Bundschuhen.
i] Bundschuh heißt auch Verschwörung.

Affen fängt man nicht mit Stricken.
i] Von Schlauen, die sich nicht auf plumpe Weise bestricken lassen.
la] Simia non capitur laqueis.

Affen feil haben.
i] Maulaffen feil halten.

Affen können wohl Menschengebärden nachtun, aber nicht den Verstand.

Affen machen alles nach.

Affen pflücken die Früchte gemeinsam.
Liberia

Affen pflücken mit Affen Obst.
Liberia

Affen scheren.

Affen sind Affen, wenn sie auch Chorröcke anhaben (o. tragen).

Affen sind nie tierischer, als wenn sie Menschenkleider tragen.
England

Affen und Esel lieben ihre Jungen am meisten.

Affen und gaffen.

Affen und Pfaffen frei sind der Strafen.

Affen und Pfaffen lassen sich nicht strafen.

Affen und Pfaffen machen viel zu schaffen.

Affen und Pfaffen.

Affen und Pudel lassen sich nur einmal (auf dieselbe Weise) anführen.

Affen unter sich lachen über des anderen tiefe Augenhöhlen.
Bantu

Affen verspotten sich gegenseitig.
Simbabwe

Affen warten nicht auf reife Früchte.
Simbabwe

Affen weisen.

Affen wissen, wie man auf Bäume klettert.
Trinidad/Tobago

Affen zu Affen und Meerkatzen zu Meerkatzen.
i] Auf der früheren Unterscheidung von Affen und Meerkatzen beruhend.

Affen, Frauen, trunkner Mann, kein Ding lang heimlich halten kann.

Affenartige Beweglichkeit.
i] Wurde dem Preussischen Heere Ende Juni 1866 von der Wiener Zeitung Die Presse zum Vorwurf gemacht. Sehr häufig wird der Ausdruck in affenmäßige Geschwindigkeit verändert.

Affenartige Geschwindigkeit

Affengeil.
i] Jugendsprache = 'sehr gut'. Mittelhochdeutsch 'geil' = froh.
en] Right on. - Safe. - Wicked - Ace - Magic - Cool - Brill - Fucking brilliant. - Really really good.

Affenmäßige Geschwindigkeit.

Affenrat und Buhlerwerk treibt der Aff' von Heidelberg.

Affenrespekt (vor jemandem) haben.
i] Sehr wenig, da der Affe ein possierliches, lächerliches Tier ist.
la] Non pluris quam simias.

Affenschmeer haben.
i] Allerhand Täuschungsmittel, Überredungskünste besitzen und anwenden.

Affenvolk hört keinen Rat, es komm' ihm denn ein großer Schad'.

Äffst du mich, so äff' ich dich.
en] Claw me and I'll claw thee.

Afgunst (Abgunst) der lüde kann nich schaden, watt Gott will det mot wohl geraden.
Hildesheim

Aflâte (ablassen) kömmt ömmer tomât.
Königsberg
i] Im Handel gilt es auf hohe Preise zu halten, ablassen kann man stets.

Afn Hund keme.
Oberösterreich

Afoh (= Anfangen) ist gut, aber höre (= aufhören) no besser.
Luzern

Afrika bringt immer etwas Neues.
i] Auf Neuigkeitskrämer, die seltsame, aber oft unglaubliche Dinge auftischen. Weil man früher aus diesem Erdteile, als dem unbekanntesten, die fabelhaftesten Dinge erzählte.
la] Ex Africa semper aliquid novi.

Afrika fängt bei den Pyrenäen an.
Spanien
i] Man will dadurch die Unkenntnis schildern, die im übrigen Europa über die inneren Zustände Spaniens, die für uns gleichsam afrikanisch sind, herrscht.
Danach gebildet: Der Balkan fängt hinter Wien an.

Af's Gassel gian.
Tirol
i] Nächtliche Besuche bei der Geliebten abstatten - fensterln.

Af't Hierdâk (Herdecke) schlôn.
Siebenbürgisch-sächsisch
i] Ein Gericht (Essen) herbeizaubern.

Afterei, Murren und Zorn über Tisch sich nicht gehor'n.

Afterred' und Zorn gehören sich nicht über Tisch.
i] Über die Beherrschung des Zorns.

Afterreden - böse (schlimme) Reden.

Afterreden erschüttern einen Weisen nicht.

Afterreden hat alle Zungen vergiftet.

Afterreden heißt in Gottes Gericht greifen.

Afterreden und Zorn gehören sich nicht über Tisch.

Aftersprache und Hinterrede haben großen Schaden gemacht.

Afwäselong mot sên, sät Ülespêjel, do kitel den 'n (kitzelte er) sin Jro'smoder möt de Misjafel.

Âfwäselong mot sên, sät Ülespêjel, do kitel den 'n (kitzelte er) sin Jro'smoder möt de Misjafel.

Agathe (5.2.), unsere Gottesbraut, die macht, dass Schnee und Eis wegtaut.

Ägidi Dâg (1.9.), gud on städ, e guden Hörbsd vorsäd.
Trier

Ägidius (1.9.) Regen kommt ungelegen.

Ägidius Regen kommt ungelegen.
Bauernregel

Agitator: Politischer Weichmacher.

Agtreagi un Pisel, an delfal un Bussam.
Nordfriesland
hdt] Die Treppe hinaufsteigen im Pisel (d.i. dem zweiten Wohnzimmer im friesischen Wohnhause) und herunterfallen in den Stall.
i] Wer hoch hinauswill, wer aus Hochmut nach eiteln Dingen strebt, fällt schnell und schimpflich.

Ägypten ist für den, der hin will, nicht weit.
Arabien

Ägyptische Finsternis.
dk] Egypti mørk.
la] Cimmeriae tenebrae.

Ah Attrapé, Musje Schwarzsauer.
i] Halt, Musje Schwarzsauer. Die Redensart findet ihre Erklärung in der Anekdote von einem französischen Soldaten, welchem von seinem deutschen Quartiergeber eine im Keller aufbewahrte Neige Schwarzsauer mit Klößen u.s.w., wohinein sich aber eine Kröte verlaufen hat, vorgesetzt wird. Während der Franzose von diesem ihm wunderbaren Gerichte speist, versucht die Kröte zu entwischen, die er aber mit dem obigen Ausruf durch den Löffel zurücktreibt. Die Redensart wird scherzhaft angewandt, um jemanden zurückzuhalten.

Ah, da bitt' ich um eine Abschrift.
i] Damit protestiert der Wiener gegen irgendeine starke Zumutung.

Ah, da legst dich nieder.
Wien
i] So heißt es bei einer Erzählung, welche die Hörer in Erstaunen versetzt.

Ah, meine Tochter, wenn du alle Schwierigkeiten der Ehe kennen würdest, würdest du keinen Mann nehmen.
Indianer

Ah, meine Tochter, wenn du alle Vergnügungen der Ehe kennen würdest, hättest du schon längst einen Mann genommen.
Indianer

Aha, das ist ein ander Korn, sagt der Müller, hat in ein Mausbemmerl bissen.

Ahin ün, aher ün, in der Mitt a Loch.
Warschau
i] Etwa in dem Sinne wie unser hochdeutsches: Viel Geschrei und wenig Wolle.

Ahn hengers dank.
i] Ohne jemandes Dank, unnützerweise. Henker gehört zu den Glimpfformen unserer Sprache und steht hier als Verhüllung für Teufel. Ausdrücke und Redensarten, in denen Henker in dieser Weise vorkommt: Zum Henker! Zuem Henker au! Bîm Henker! Was Henkers au! D'r Deihenker! (Dei = Teufel.) Ei d'r Deihenker! Was Deihenkers! Pfi Deihenker! Potz Deihenker! Bîm (zuem) Deihenker! 'S Deihenkers Dank (für Teufels Dank, auch bloß Henkers Dank).
mhd] Ane dank.

Ahnenstolz und Bauernstolz sind Geschwisterkinder.

Ähnlich wie ein Quarksack dem ungemachten Käse.
v] Blaw als der himmel in einer farb. Brennt wie feuer. Brinnt wie strow. Dürr als im Sommer. Faul als ein Esel. Frässig als ein Wolff. Fortschnell als ein Hass. Glitzend als ein schmid vor Tage. Gifftig als eine Schlang. Grymmig als ein Löw. Hochfartig als ein Pfaw. Hurtig als ein Affe. Kalt wie eiss. Keusch als eine Turteltaube. Listig als ein Fuchs. Neidig als ein Hund. Rauch als der mertz. Richig als ein Beer. Sänfft als der Mey. Vnkeusch als ein Spatz. Unstät als das Wetter im Aprill. Vergleicht sich wie wyss und schwartz. Wüst als eine Saw. Zerschmilzt wie schnee.' Ferner: 'Bitterer weder ein gall. Gelber dann ein saffran. Grüner dann grass. Harter dann stein. Liechter weder die Sonn'. Rötter dann Blut. Schwärtzer dann ein kol. Süßer weder Honig. Vester dann ein maur. Vinsterer weder die nacht. Weycher dann wachs. Weisser denn schnee.

Ähnlicher als eine Feige der anderen.
i] Im Scherz von sehr ähnlichen Dingen.
la] Similior ficu.

Ähnliches Sprichwort in Deutschland: Jeder strecke sich nach seiner Decke.)
Syrien

Ähnlichkeit ist nichts anderes als Wiederkehr.

Ahnungslosigkeit ist eine gute Waffe.

Ähre auf Ähre gibt auch Brot.

Ährenleser küren nicht (o. sind nicht kürisch).
fr] Celui ne choisit pas qui glane.

Deutsche Sprichwörter
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