Deutsche Redenarten

  • A is belangig wiera schwangeres Weib.
    Oberösterreich
    info] belangig = von: mich belangt nach etwas, ich möchte darnach langen. So nennt man auch manche eine blängige Gras (Griss).
  • A is beschissen wie a Ruthwasser(er).
    Schlesien
    info] Die Vieh-, besonders Pferdehändler aus Rothwasser, Dorf zwischen Bunzlau und Görlitz, haben in Betreff des Verfahrens bei ihrem Geschäft keinen guten Ruf. In einem noch übleren Rufe stellt in England Yorkshire: Shake a bridle over a Yorkshire man's grave, and he will arise and steal a horse.
  • A is beschissen wie der Toifel.
  • A îs besuffa (besoffen) wî an Timfelkräte.
    Schlesien, Riesengebirge
  • A is der rechte Kundmann.
    info] Traue ihm nicht; es ist ein schlauer Fuchs.
  • A is drehnig (schwindlig) wie a Fairkoalb.
  • A is drehnig wie a polsch'r Hech'lmach'r.
    Österr.-Schlesien
  • A is drênig wu a dr' schticktes Loamp.
  • A is giftig wie anne Kröte.
    Hirschberg
  • A îs goar êfeldig (einfältig) wî Wurschtsuppe.
    Schlesien
  • A is gor a hischer Mensch.
    z] Je nu, a is doch gor zu a hischer Mensch, doss a su fleißig is.
  • A is heute ärschlich aufgestanden.
    Schlesien
    info] Sehr verdrießlich. - Der Franzose, der den Grund der Verstimmung eines anderen nicht kennt, fragt, über welches Kraut er gegangen sei (Sur quelle herbe avez-vous donc marché aujourdhui?), eine Redensart, die ihren Grund in dem frühern Glauben an gewisse Kräuter, besonders Johanniskräuter hat)
  • A is kê unabner Narr.
    Schlesien
    z] Der Karle (ein Landstreicher) ist ke unabener Narr, a vergisst sich eigen nich lechte.
  • A is mächtig geschäftig.
    z] Dô iss mê Zimmermann leuft a doch as wenne a Morckt versoimt hatte; a iss gewiss mächtig geschäfftig.
  • A îs mer su uff'n Halse, doss a mier möchte mit Kröhögeln vergan.
    Oberlausitz
    info] Kröhögeln = Krähenaugen, Samen von Strychnos nux vomica)
  • A îs mit sâenden Ôgen blint.
    Schlesien
    hdt] Er ist mit sehenden Augen blind.
  • A îs m'r amôl ais Mass'r (Messer) kumma.
    Österreich.-Schlesien
    info] Es hat sich eine Gelegenheit geboten, ihn zu fassen, ihm meine Meinung derb zu sagen, ihm eine verdiente Lektion zu geben.
  • A is och a Maulfreint.
    Schlesien
    info] Maulfreund = eine Person, welche dem Maule nach, d.h. indem sie es versichert, aber nicht in der Tat, ein Freund einer andern Person ist.
  • A îs of d'r Näge (Neige).
    Österreich-Schlesien
    hdt] Es geht zu Ende.
    z] Ich seh, 's is bei euch alles goar uf der Nege.
  • A îs ofs Schnoat'rbrâtla kumma.
    Österreich-Schlesien
    info] Er hat zu Ende gewirtschaftet, es ist bald aus mit ihm. Damit ist das Brett gemeint, das bei einem Leiterwagen rückwärts vorspringt, eine Latte, auf welcher das Wagengerüst befestigt ist und die wegen des schnatternden Geräusches, das sie bei schnellem Fahren veranlasst, die Schnättrer genannt wird. Wer nun vom Wagen so weit zurückgekommen ist, dass er bloß noch auf der letzten Spitze dieses Schnatterbrets steht, hat nicht mehr weit zum Untensein.
  • A is recht mistfaul.
  • A is schon an alte Krempe.
    Oberösterreich
    info] Ein dürrer Stamm, Ast, Strunk.
  • A is so curplent (korpulent), wie a Bloaseruhr.
  • A is so fett, er möcht aufplatzen.
    Schlesien
  • A is so frumm, der Toifel (Teivel, Teufel) wird rêchern (räuchern) müssa, wenn a kimmt.
    Schlesien
  • A îs sunste gor hartleibig.
    z] 'S giebt viel loite, die suste goar hortlebig seen und sîch nich gaarne übergaben; ober wenns uf de Schaandfleck ônkimmt, su seense fregebig gnug.
  • A is suste goar fix mit der Noase uf a Ärmel.
    Schlesien
  • A is vu durte, wu de grusse Reisige wachsa.
    Schlesien
    z] Ich bin vu durte, drube wu de grusse Reissga wachse mit de hohla langa Stiela.
  • A is wie anne Jungfer su erber (ehrbar).
  • A îs wie de Stênseiffner, a stiehlt grade nicht, aber a nimmt garn woas mit.
    info] Steinseiffen ist ein Dorf im schlesischen Riesengebirge und liegt unmittelbar am Fuße der Schneekoppe.
  • A is wie uff'n Orsch gepfruppt.
    Hirschberg
    info] Unbrauchbarer Mensch, mit dem nichts anzufangen ist.
  • A îs wul uf der Nase gegangen.
    Schlesien
  • A iss a rechte Hünneprüter.
    info] Ein Mensch, der untätig in der Stube sitzt. Müsste nach schlesischer Aussprache geschrieben sein: Hinnebrêter.
  • A iss a rechter Davidl.
    info] Von einem Menschen kleinen Wuchses)
  • A iss a rechter Hauss-Narr.
  • A iss am Gesichte ausgefahren, wie eine birkne Rinde.
    info] Ist voll Blattern, Ausschlag usw.
  • A iss mächtig furzprällig.
    Schlesien
    info] Kurzab im Antworten, unangenehm abweisend, übellaunig, abstoßend.
  • A iss wie Hans in allen Gassen.
  • A Jahr mit a Midtwoch.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Zur Bezeichnung eines langen Wartens. Im Talmud heißt es, dass ein Mädchen von ihrer Verlobung bis zur Hochzeit ein ganzes Jahr warten müsse und die Hochzeit einer Jungfrau nur am Mittwoch stattfinden solle. Hat nun das Mädchen ein volles Jahr gewartet, so muss es noch obendrein bis zur nächsten Mittwoch warten.
  • A jüdische Malke (Königin).
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Zur Bezeichnung einer schönen, stattlichen Frau.
  • A jüdische Mojd (Maid) versitzt nit.
    hdt] Ein jüdisches Mädchen bleibt nicht als alte Jungfer sitzen.
    info] Da die Juden keine Klöster haben, so suchen die Eltern ihre Töchter so früh als möglich zu verheiraten.
  • A jüdisches Neschume (Seele).
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Unterzieht sich jemand einer religiösen Handlung, die man von ihm nicht erwartet hätte, so sagt man, dass eine jüdische Seele nicht genug zu schätzen sei.
  • A Jung mit Sporen (auch: mit Beinen).
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Ein tüchtiger geriebener Junge.
  • A kan em de Backen balde aufblasen.
    la] Buccas inflare. (Die Römer gebrauchten diese Redensart für Zorn wie für Hochmut)
  • A kann durch a Brât (Brett) sehn, wenn's a Loch hat.
    info] Spott auf einen Schwachkopf, auch Überklugen.
    ho] Hij kan wel zien door eene eeken plank, daar eenen gat in es.
  • A kann knop uf dreie zählen.
  • A kann nimmermehr fertig werden.
  • A kann schräcklich hindrem Berge halten.
  • A kann sich die Backen bald bis zun Ohren aufblosen.
  • A kanns nicht übers Herze bringen.
  • A kanss Tumpitern nich lassen.
    info] Er kann's nicht lassen, den dummen Peter zu spielen, Knaben-, Jugend-, dumme Jungenstreiche zu machen.
  • A Katz oder a Jendyk, abi an Of auf Schabbes.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    hdt] Eine Katze oder ein Truthahn, wenn es nur Geflügel zum Sabbat ist. (Von Leuten, die in ihren Mitteln nicht wählerisch sind)
  • A kennt kêne Note, an wenn se so gruss wär' wie an Schnupptebaktuse.
    z] De Note koan ich au nimme, wenn se au a su gruss wäre wie an Schnupptebaktuse.
  • A kimmt vum Stuhl uf a Schemel.
    info] Es geht mit seiner Wirtschaft rückwärts.
  • A Klapp (Schlag) auf 'n Rambam.
    info] Zur Bezeichnung endgültiger Entscheidung. Das Gesetzbuch, welches nach dem Verfasser ebenfalls Rambam genannt wird, gilt als letzte Entscheidungsstelle in Prozesssachen.
  • A koan a Mantel schröcklig noch'm Winde drehn.
  • A koan a Püttch (Ranzen, Bauch) neh vul kriga.
  • A koan de Predigt aus'm Ärmel schütteln.
  • A koan rächt schmeicheln.
    en] To piss down one's back.
  • A koan's au ne dorch de Rîben schwätzen.
    info] Zur Entschuldigung für einen, der geschlechtlichen Umgang gepflogen. Er soll's durch die Rippen schwitzen.
    ndt] Ik kann't nit döor de Ribben schwëiten.
    Westfalen
  • A Kojne (Käufer) vön Mittwoch.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Die Mittwochskäufer galten bei den Juden für sehr genau.
  • A kommt vom Hunde uff a Schwanz.
    info] In der Gegend von Militsch von jemandem, der so schlecht wirtschaftet, dass er an den Bettelstab kommt. In Österreichisch-Schlesien: Er ist vom Faden aufs Stroh gekommen. Er ist auf den Hund, 'of's Schnoaterbrâtla' kommen. Er hat gewirtschaftet, bis ihm die Krücke im Ofen geblieben.
  • A kon een a su anne Lüge en de Hand drehen.
  • A kon ên a Pelz schun worm machen.
  • A kon geigen ock nich fingern.
    hdt] Er kann geigen, aber nicht greifen.
    info] Spott zunächst auf solche, welche sich rühmen, etwas zu können, aber nur Stümperhaftes leisten.
  • A kon Pferde Eere assen, wenn ich mit annem Hüneree muss verlieb nahmen.
    ndt] He kann wel Per(de)eier êten, wenn ander Lü(de) Hönereier et't.
  • A Kopp (Kopf) auf Räder.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Ein Kopf, der beständig rollt.
  • A Kopp (Kopf) wie a Rathaus.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] So groß wie ein Rathhaus, das viel fassen kann.
  • A kriegt noch a Tippel zum Auskratzen.
    Schlesien
  • A krîjt 's Noab'llaien (Nabelleiden).
    Österreich-Schlesien
    info] Er ist in Verlegenheit.
  • A kühle Ausred.
    Pfalz
    info] Eine leere Entschuldigung.
  • A kümmbt (kommt) groade, ass wenn a geruffen wär.
  • A kuphel-sche mojne Narr.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Ein achtmal gedrehter, d.i. ein sehr großer Narr.
  • A kuscher Lämmele.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Hier so viel wie fromm. Die Redensart wird ironisch von einem Wolf im Schafspelz gebraucht.
  • A lacht als säg a an polsche Laus.
    z] Die andern machta a Gelächter ols säga se an pulsche Laus.
  • A lachte, doss em der Bauch wackelte.
    Schlesien
    fr] Rire à ventre déboutonné.
  • A laight (lügt), doass a schworz wird.
  • A laight, doass sich olle Bäme bîgha.
    Österreich-Schlesien
  • A lamentiert, ols sell' a olle Viere strecka.
    z] Wu mag doas orme Harz ock stecka, dass 's goar su ängstlich lamentiert, ols sell' es olle Viere strecka?
  • A lässt sich nich balde über a Tölpel warffen.
  • A leefft herum wie e strumzoiliger Hund.
    info] strumzoilig, strumzalig = stummelschwänzig; ein Hund mit gestutztem Schwanze, zoilig = zagelig.
  • A lêft (läuft), was huste, was kanste.
    Schlesien
  • A lêft wi a Herschel.
    Schlesien
  • A lehmener Gojlem.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Die Sage erzählt von dem Prager Rabbiner, genannt der 'hohe Rabbi Löb', er habe sich einst eine Menschenfigur aus Lehm gebildet, die er dadurch zu beleben und sich dienstbar zu machen suchte, dass er den auf Pergament geschriebenen Namen Gottes auf ihre Stirn band. Kaum aber wurde das Pergament entfernt, was jeden Freitag Abend geschah, als auch der Erdenkloß leblos wurde.
  • A leit a brinkel huch ei dr Gewerbstoier.
    Oberlausitz
    hdt] Er liegt ein wenig hoch in der Gewerbesteuer.
    info] Wird von jemandem gesagt, der dem Branntweingenuss sehr ergeben ist.
  • A Letjen san eg kimmen am a gratten uun a Eers to kreppen.
    Amrum
    hdt] Die Kleinen sind nicht gekommen, um den Großen in den Arsch zu kriechen.
  • A lett kän Taubendreck unb'rest'elt.
    Österreich-Schlesien
    info] Er hat an allem etwas auszusetzen, er bekrittelt alles.
  • A Loch in de Tag nei schlaufe.
    Ulm
  • A Loch macht a Gannev (Dieb).
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Gelegenheit macht Diebe.
  • A lóft (läuft) so weit als 'n de Bêne troagen.
  • A loigt (lügt) ärger aß a leefft.
  • A loigt sirrer (sehrer, mehr) as a lêft.
    Schlesien
  • A loigt, wenn as Maul uftut.
    info] Ein breslauer Kräuterweib sagt zu einem Zimmermann: 'Do hat ers troffen, woos haut ihr ich im unser âns zu bekimmern, macht og dass me Haus fertig wird und der nauch schoart ich hei, wu ihr harkummen sed, denn ich seh wul, ihr liegt, wenn er's moal ufthut.'
    fr] Avaleur de charrettes ferrées.
    fr] C'est un grand abatteur de bois, de quilles.
    fr] Il en abat beaucoup.
    fr] Il courbe les poutres en mentant.
    fr] Il n'en rage pas pour mentir.
    fr] Il ne prend point d'argent pour mentir.
    fr] Menteur comme une oraison funèbre.
    fr] Menteur comme un arracheur de dents.
    ho] Hij liegt, zoodra hij de mond open doet.
    pl] Lże, aż ściany schna. Lże, jak kalendarz.
  • A Lügen mit a Wortzeichen.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Wenn man eine Lüge durch Scheinbeweise glauben machen will.
  • A macht a G'sechte (Gesicht) wi a Hündlein, wänn's g'schissa hat, und a Arsch zusoamma zieht.
    Österreich-Schlesien
  • A macht a G'sicht, als wollt' a einen fress'n.
    info] Sieht sehr finster aus, blickt einen drohend, feindselig an.
  • A macht a paar verliebte Augen wie anne tote Ratte.
  • A macht a spitzig Guschel, ass wenn a eem welde an Wurm ausem Orss ziehen.
    hdt] Er macht ein spitzes Gesicht, als wenn man ihm einen Wurm aus dem Arsch zieht.
  • A macht alles ärslich. Schlesien
    info] Falsch, verkehrt. Im Altenburgischen sagt man dafür: Etwas ärscheln machen, oder angreifen, z.B. das Buch ärschlen halten.
  • A macht olles mit.
    info] Der Lebemann.
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