Deutsche Redenarten

  • A hat wohl êgen under a Hindern geschlafen, dass er su klug is.
    Schlesien
    info] Hindern = Hühnern. Zur Verspottung der Naseweisheit und Superklugheit.
    z] Nê, nê, der hôt wul egen hoite unter a hînern geschloffen, doss a su klug is. Oder hôt a vieleicht die Klugheit gor gefrassen?
  • A hätte missen frîer ûfschtîn, wenn a mich hätte betrîgen wull'n.
    Schlesien
    hdt] Er hätte früher aufstehen müssen, wenn er mich hätte betrügen wollen.
  • A Haut habe wiera eichene Schinde.
    Oberösterreich
    info] Eine sehr dicke Haut haben, wirklich und bildlich wie Eichenrinde.
  • A hebt nei wie Kröst'l a d' Nutten.
    Böhmisch-Friedland
    info] Von kräftigen Dreschern, im allgemeinen von starken Essern gebraucht.
    hdt] Er haut ein wie Christoph in die Nattern.
  • Ä Hemm offen Balling un äns offen Zaun.
    info] Um große Dürftigkeit zu schildern.
    hdt] Ein Hemd auf dem Leibe und eins auf dem Zaune.
  • A Hemmel hing hat un an sith nen Thriad.
    Nordfriesland
    info] So sagten die alten Friesen bei Sonnenfinsternissen, die Schnitterinnen nahmen ihre Sichel und eilten heim.
    hdt] Der Himmel hängt an einem seidenen Faden.
  • A Hetzebär.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Zu den polnischen Volksbelustigungen gehört auch der Hetzebär, der durch seine plumpen Sprünge das Volk ergötzt, weshalb der obige Ausdruck von komischen Menschen und Dingen gebraucht wird.
  • A hiert hoite mit Hee-Littern.
    info] hiert = hört. Mit Heuleitern, die sehr weite Sprossen haben, also viel hindurchlassen.
  • A hiert nicht, a hôt die Schnuppe.
    info] hiert = hört
  • A hoat an onschlägigen Kopp, wenn a de Treppe nunderfällt.
  • A hoat sich die Nase begossen.
  • A hoat's letzte Töpflein ausgekratzt.
    Schlesien
    info] Ist mit allen seinen zu erwartenden Erbschaften und Ausständen fertig. Von jemandem, der zwar seine Haupterbschaften schon gemacht, aber noch eine geringere als Nachtrag in Aussicht hat; scherzhaft auch wohl von einer bedeutenden Erbschaft.
  • A hôd a Hêkle of mich.
    Österreichisch-Schlesien
    z] Darbee woar auch der Baaltzer, der hotte schun lange a heckel uf a Malcher.
    fr] Avoir une dent de lait contre quelqu'un.
  • A hôd a Rûtkâtla g' fanga.
    Österreich-Schlesien
    info] Seine Nase ist infolge von Kälte gerötet.
  • A hôd 'm goar vîl of a Loada g'macht.
    Österreich-Schlesien
    info] Loada = Laden. Er hat sich viel zu Schulden kommen lassen.
  • A hôd 'n Galle wî 'n Pûd'lmetze.
    Österreich-Schlesien
  • A hod'n lîeb wî ane Pauke.
  • A hod'n lîeb, wî der Krämer a Dîb.
  • A hoht an scharfe Rieche.
    Schlesien
    info] Eigentlich einen scharfen Geruch, uneigentlich von solchen, die fein angelegte Pläne merken und ihr Verhalten danach einrichten.
  • A horcht wie die Sau, wenn sei in's Wasser pullt.
    Grunau bei Hirschberg
    info] pullt = pinkelt
  • A hot (wieder) Christkindel gespielt.
    info] In Trunkenheit oder Zorn seine Umgebung oder die Seinen misshandelt
  • A hot a Gewissen wie a Pimp-Steen.
    info] Bimsstein, sehr porös, lässt viel durch.
  • A hôt a Maul wie a Advokate.
  • A hôt a Maul wie a Schlachtschwart.
  • A hot a Maul wiera Fratschlweib.
    Oberösterreich
    info] Die wiener Fratschlweiber haben ihrer derben volksmäßigen Beredsamkeit halber einen weiten Ruf.
  • A hot a Maul wiera Schleifara.
    Oberösterreich
    info] Ein Maul wie ein Schleifer, d.h. Ein böses Maul haben, zanksüchtig sein wie ein Schleifer.
  • A hot a Maul wiera Stâdlthor.
    Oberösterreich
    info] Wie ein Scheuntor; von jemandem, der einen unförmlich großen Mund hat.
  • A hôt a Rûtkâtl g'fang'n.
  • A hôt an eisgraua Kôp.
  • A hôt an êsgroen Kop.
  • A hot an Flonscha Maul, 's kennda a Poar Schneider an Schuttscha druffe tanza.
    info] Schuttscha = schottischer Tanz
  • A hôt an Korb krikt.
  • A hot an Nase wie a vergulter Blitzobleiter.
    Schlesien
    info] vergulter = vergoldeter
  • A hot de Schnuppe, a hîrt nicht.
    info] Besonders wenn jemand etwas nicht hören will.
  • A hot êgen Pappe am Maul.
    info] Der undeutlich, unverständlich Redende.
    z] Er hätte sollen reden lernen; so steht er, als hätte er Pappe im Maule.
  • A hot êgen wîder woas uwa Kopp geschloan.
  • A hot em anne Rutte uff a Hingern gebunden.
  • A hôt em rechten Wein eigeschankt.
    Schlesien
  • A hot em traflich 's Maul verbrannt.
  • A hot ems (hat sich) Maul recht eyde (in die) falten geruckt.
  • A hot en Leib wie ane Pauke.
  • A hot en recht hinders Licht geführt.
  • A hot fürwahr die Schnuppe nich.
    la] A te sudor abest, saliva mucusque.
  • A hot gor anne dinschâlige Nase.
  • A hot hieren die Mücken niesen.
  • A hôt immer sei Maul vurnefîr.
    Schlesien
  • A hôt immer viel Mauls, und wann's zum Treffen kimmt, so sitzta, als wär'n ins Maul gethoan.
  • A hôt käne rächte Schnaide.
    Österreich-Schlesien
    info] Er will sich der Sache nicht unterziehen.
  • A hot Loise (Läuse), dass krübelt.
  • A hot Loise su gruss wie a Wirtel.
  • A hot Loise, dass starrt.
  • A hôt 'n schlemma Wert'l oag'schraubt.
    Troppau
    info] Er trägt mir etwas nach, hat einen stillen Groll auf mich.
  • A hôt nich mê enn Rôk und enn Gôt.
    Schlesien
  • A hot Protzen wie a Bâr.
    z] Ihr wisst, Bâlzer hot Protzen, wie a Bâr, und iss a rechter ganzer Karle.
  • A hot se finger(oder kribel-)dicke hinger a Ohren sitzen.
  • A hot sei Maul en allem Dr--.
  • A hot seine Schöffe schun ieß troige brucht.
    z] Ich muss bei zeiten nur die Schaff ins Trockne bringen.
  • A hot sich aus Mutterleibe herausgelogen.
  • A hôt's Abc om Puck'l ûfgeschmîrt.
    Österreich-Schlesien
  • A hot's am Lebe (Leibe), a kons gân.
  • A hôt's of d'r Schippe.
    info] Es geht zu Ende mit ihm oder seinem Geschäft.
  • A hôtt d' Kûe (Kühe) oach nôch baim Schwanze.
  • A ies a aalde Hühner-Fresser.
  • A ies a alter deutscher Degen-Knopf.
    info] Ohne Falsch, treu, ehrlich und aufrichtig.
  • A ies a Kind-frummer Mensch.
    z] Sagte ich, er habe sie (die Lüge) fingersdick hinter den Ohren, so hieß es: o, er ist ein kindfrommer Mensch.
  • A ies a rechter Lindetritt.
  • A ies a rechter Schussborttel.
    info] Ein närrischer Mensch.
    z] War er auch fleißig, so hatte er doch dabei das flüchtige und wühlige Wesen der Leute, für die man in Schlesien das Wort Schussbartel gebildet hat.
    z] Ich wuste schun, daass a a rechter Schaussbartl iss, und dachte glech: nu wird der Botteltanz ongihn.
  • A ies a wunderlicher Heiliger.
    pl] Jest to swiety, ale nie pojety.
  • A ies furchtsam wie a Haase.
  • A ies gor a wormer Gost.
    info] So sagt man in Schlesien von jemand, den man für wohlhabend hält, man hört auch wohl statt dessen: warmer Jünger.
  • A ies gor der Mann dernoch.
  • A ies immer Mester Fix.
  • A ies lange über olle Barge.
  • A ies noch mit annem blauem Auge dervon kummen.
  • A îes schlimm, wenn a sich buckt.
    z] Eine breslauer Kräuterin über ihre Nachbarin: O seit se, de Ursche iss gaar zu a hisch Web, se dorbt's am Holse und frisst's solber, ferwuhr se is schlimm, wenn sie sich bickt, oaber gleibt's og, se is eifeltig, wie Worschtsuppe.
  • A ies so faul, dass er stinkt.
    nl] Hij stinkt van vuiligheid.
  • A ies su Korpulent, wie a Blose-Ruhr.
  • A ies su mager, a möchte brennen.
  • A ies üm anne (um eine) frische Lüge unbekümmert.
  • A ies vuller Kinste (Künste), wie de Sau vuller Muskaten-Nisse.
    sd] Han är full med Lärdom som en koo af muskat.
  • A ies wie doss Ding, woss wieder kümmt.
  • A iess a rechter Grün-Schnabel.
  • A iess a rechter Pflostertrater.
  • A ieß a rechter Rutzlöffel.
    z] Ich pflege des Rotzlöffels Bücher keines zu lesen.
    Luther
    z] Wer hat dir Rotzlöffel dieses auf die Nase gehenkt?
    z] Wilt du, ungewaschener Rotzlöffel, deine Nase auch in den Dreck stecken?
    z] Hürst du's, junger Rotzlöffel? Wer hiss dich deine Nase in unsern Dräk stecken? Gryphius
    z] Einen Liebhaber und Jungfernknecht hieß man ehemals nur Löffel, wenn er aber zu jung war, einen Rotzlöffel.
    fr] C'est un jeune levron.
    fr] Si on lui tordoit le nés, il en sortiroit du lait.
  • A is a blutormer Mensch.
    Schlesien
    z] Su a blutormer Mensch darf a sau reden!
  • A is a Madelhengst.
    Lusdorf bei Friedland
    info] Ein Mann, der den Mädchen nachläuft.
  • A is a rechta G'moanstier (Gemeindestier).
    Oberösterreich
    info] Von einem Manne, der mit viel weiblichen Personen Umgang hat.
  • A is a rechta Kindskîdl.
    Oberösterreich
    info] Gewand, wie ein kleines Kind es trägt. Von einem Menschen, der sich kindisch beträgt.
  • A îs a rechta Rîpel.
    Oberösterreich
  • A is a rechta Spörmoasn.
    Oberösterreich
    info] Durch Sparmeise verhochdeutscht, weil die Redensart in Oberösterreich in demselben Sinne gebraucht wird, wie: Er schaut aus, als wenn er alle Tage eine Grille ässe, d.i. mager, abgezehrt, vertrocknet. .ph3> A is a rechta Thaded'l.
    info] Anton Hasenhut, der im September 1787 an dem Theater in der Leopoldstadt zu Wien Stellung erhielt, schuf einen in Österreich sehr beliebt gewordenen, dumm-komischen Charakter, Thadedel.
  • A is a rechte Bedazapfl.
    Oberösterreich
    info] Ein abergläubischer, dummer, einfältiger Mensch. Aus Peter Zapfel zusammengezogen, welchen Namen in dem Lügenschmied von Rupert Gansler ein einfältiger Bauer führt.
  • A is a rechter Blôstrump.
    info] Mit dem Ausdruck Blaustrumpf bezeichnet man in Nürnberg einen Verräter. Es ist auch ein englischer Spottname auf gelehrte Frauenzimmer, deren federgeübte Finger nicht dazu kommen können, Strümpfe zu waschen, weshalb jene Damen angeblich blaue Strümpfe tragen sollen, um den Schmutz zu verbergen. Darauf anspielend, schrieb einmal Byron in sein Tagebuch: 'Morgen Einladung bei der blauen Miss**.' (Börne's Briefe aus Paris) Nach einer englischen Erzählung soll übrigens ein Herr die erste Veranlassung zu dem unter dem Namen Bas-bleu-Coterie bekannten Damencirkel der Mistress Vesey im 18. Jahrhundert sein, die in Bath Hof hielt und in deren Gesellschaft man in blauen Strümpfen erschien.
    z] Mrs. Montagu war die erste, die in ihren Gesellschaften an Stelle des Kartenspiels Unterhaltung an die erste Stelle setzte, ein Vorgang, in dem ihr die Damen Vesey und Ort nachfolgten. In diesen Gesellschaften zeigte sich zuweilen Mr. Benj. Stillingfleet, der etwas wunderlich in seiner Kleidung war. Seine blauen oder richtiger grauen Strümpfe gaben dem Admiral Boscaven zu dem Witz Anlass, diese Gesellschaften Blue-Stocking Societies zu nennen, was ein Fremder mit Bas-blue wörtlich übersetzte. Der Name der Blaustrumpf bezog sich nicht auf die Gesellschaft der Montagu allein, er ward allen Gesellschaften gegeben, wo Damen präsidierten und Gelehrte willkommen waren. Einen Blaustrumpfklub hat es nie gegeben. Man sprach von Gesellschaften der Montagu, Vesey und Ort ohne allen Unterschied als von Blaustrumpf-Gesellschaften.
  • A is a rechter Maulmacher.
  • A is a rechter Schmierflegel.
  • A is a rechter trübe Timpel.
    info] Von stillen, kopfhängerischen Menschen.
  • A is a Schnidl ön iede Suppe.
    Oberösterreich
    info] Man kann ihn in jede Suppe brocken, er passt überall hin, ist ein Allerweltsmensch.
  • A is a schtênfremder Mensch.
    Schlesien
  • A îs a stênrêcher Mann.
  • A is anne recht fege Memme.
    fr] Cet homme n'a point de sang dans les veines.
  • A is ausgefoaren wî anne berkene Rinde (a sem ganzen Leibe).
    Schlesien
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