Deutsche Redenarten

  • A Bass passira.
    info] Einen Missgriff machen, ein kleines Unglück haben, auch um ein Misslingen, einen Vorwurf der Ungeschicklichkeit, der Unachtsamkeit, der Nachlässigkeit auszudrücken.
  • Ä Bröde loan.
    Siebenbürgisch-sächsisch
    info] Im Broden liegen. Wird zunächst von Scheintoten gebraucht, dann von Zerstreuten. Broden = Dampf, Dunst, Betäubung.
  • A Broder feine Berge.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] In der Meinung der polnischen Juden stehen die galizischen hoch, unter diesen nehmen wieder die Brodyer die erste Stelle ein. Brody erfreut sich des Rufes einer gebildeten Stadt und erhielt in neuester Zeit den scherzhaften Beinamen 'Jung-Athen.' Was Wunder also, wenn man in jedem 'Broder' einen 'feinen Berge', d.h. einen wohlerzogenen Menschen erblickt.
  • A Bruche auf dein Kopp.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Bruche = Segen. Als Belobung, Aufmunterung.
  • A Bucher wû a Baum, a Mojd wie a S'osnes.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Bucher = Jüngling, junger Mann; Mojd = Maid, Mädchen; S'osnes = Frühling. Von einem hübschen, stattlichen Brautpaar.
  • A Chein wie frischer Chrein.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Chein = Anmut; Chrein = Meerrettig.
  • A chumeziger Borchü.
    Warschau
    info] Uneigentlich von Menschen und Dingen, die ihren frühern Glanz eingebüßt haben. Borchu ist der Anfang des täglichen Abendgebets und heißt wörtlich: Preiset! Am Ausgange des Passah-Festes werden mit diesem Gebete die Feiertage geschlossen und der Genuss von Gesäuertem wieder hergestellt. Dieses Gebet, welches sich während der acht Ostertage einer besondern Weihe erfreute, wird nunmehr zu einem 'chumezigen', das ist zu einem gewöhnlichen, wo es erlaubt ist, Gesäuertes zu genießen, herabgesetzt.
  • A damlanger Hans'l.
    Oberösterreich
    info] Sehr klein von Gestalt sein. Eigentlich der Titel eines Volksbuchs, das allerlei Abenteuer erzählt, die sich mit Hansel, der nur die Länge eines Daumens hatte, zugetragen haben.
  • A darbt's am Halse und frisst's selber.
  • A darf och nich dazu lachen.
  • A dem schmöckti kei Hund.
    Aargau
    info] Der ist so verachtet, dass ihn kein Hund anriecht.
    hdt] Den röche kein Hund an.
  • A denckt, a ies gor Hahn im Kurbe.
    Schlesien
  • A denkt wohl nicht, dass Dreck sein Vetter ist.
  • A denkt, a hôt de Klughett gar gefressen.
  • A denkt, a is Hoan im Kurbe.
    hdt] Er denkt, er ist der Hahn im Korb.
  • A denkt, ich bîn em groade gut genug.
    Schlesien
  • A Dorfshünd.
    Jüdisch-deutsch
    info] Damit wird ein Kleinstädter bezeichnet, der sich in Gesellschaft linkisch benimmt, etwa wie ein 'Dorfhund' in Gesellschaft von 'Stadthunden.'
  • A Dreckel, mei Hertzel.
    info] Abschlägiger Bescheid.
  • A Dreckl mit nischte bestreut.
  • A ducht, a wäir ann Fausch g'fang huoan.
    Sprottau
    info] Ein Glück gemacht haben.
    hdt] Er dachte, er würde einen Fisch gefangen.
  • A Dünner (Donner) hot mich derschliegen.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Ausruf bei plötzlichem Erschrecken.
  • A Dürr'n haben, dass eim de Rippen krachen.
    Oberösterreich
    info] Sehr mager sein.
  • A ês weg wi Wesewosser.
    info] Wesewosser = Wiesenwasser. Das eben nur vorübergehend behufs der Bewässerung auf die Wiesen geleitet wird.
  • A fährt auf wie der Furz im Bade.
    info] Von auffahrenden, leicht zu reizenden Menschen.
    z] Ich hätte mir's nicht eingebildet, dass ihr eines Wortes wegen so auffahren solltet, wie ein Forz im Bade.
    fr] Elle est glorieuse comme un pet.
    fr] Glorieux comme un pet, parcequ'il n'a respect d'aucun.
  • A fährt nei, wie der Bauer in die Stiefeln.
    Schlesien
    ho] Hij valt erin, als een boer in de kousen.
  • A fährt rim, wie der Furz ei der Laterne.
    info] Der Unstete, der nicht weiß wohin.
  • A fällt uf a Sattel und nimmt's Pferd.
  • A fischt gar gerne im Trüben.
  • A fittert zererst 's Grumd, dernô 's Hiä.
    Böhmisch-Friedland
    info] Ein Bauer aus Lusdorf (Dorf in der Herrschaft Friedland in Böhmen), der drei Töchter hatte, wurde angegangen, die jüngste derselben einem jungen Mann zur Frau zu geben. Da ihm daran lag, vor der jüngsten Tochter die zwei ältesten zu verheiraten, antwortete er dem Bewerber: 'Ich fitter' zererst 's Hiä, dernô 's Grumd.' Verfährt nun jemand in entgegengesetzter Weise, so wendet man die obige Redensart an.
  • A flennt wie a Kind.
  • A frisst ihm alls vorm Maule weg.
  • A frisst recht ungenoissig.
  • A furcht sich bîser Liebe.
    info] Er fürchtet Vorwürfe, Strafe, Züchtigung.
  • A furzt wie a Waldesel.
  • A galizianer Mejüches.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Adelicher. Die galizischen Juden stehen bei ihren polnischen Glaubensgenossen im Rufe wohlgesitteter, gebildeter Menschen von guter Abkunft (Mejüches).
  • A gebe a Uhr und a Ôge drümm.
    hdt] Er gäbe ein Ohr und ein Auge darum.
  • A geht rum wie ein Lohgerber, dem de Felle fortgeschwommen sein.
    Schlesien
  • A geht schon auffa letzte Füßen.
  • A geht wohl unter der Erde, dass man ihn nicht sieht.
    Schlesien
  • A geht zan Lacha af'n Bod'n nauf.
    Oberösterreich
    info] Von jemandem, der immer ernst ist, den man nie lachen sieht; er geht, wenn er lachen will, auf den Boden hinauf.
  • A geiht breet wie ane Bratsage.
  • A geiht rum, wie de Kotze um a heese Brey.
    Schlesien
    info] Sich nicht herangetrauen, die Sache nicht anzugreifen wissen oder wagen)
    Jüdisch-deutsch] Geht immer um die Máaroche herum.
    fr] Tourner autour du pot.
    la] Canis circurn intestina.
    la] Lupus circa puteum saltat.
    la] Lupus circum puteum chorum agit.
  • A geiht wî a Ferle.
    Österreich-Schlesien (Flink)
  • A geiht wî a Fitsch'feil.
  • A geiht wî a Lôtschtäubrig.
    info] Von einem latschenden, schleppenden Gange. Latschtauben sind solche mit befiederten Füßen.
  • A geiht, oss wenn a Schtäcke g'frasse hätte.
    info] Sehr steif, hochmütig.
  • A gesagt haben.
    info] Zu Beginn sein Einverständnis gegeben haben und deshalb nicht mehr zurückkönnen. 'Wer A sagt, muss auch B sagen'. A = erster Buchstabe des Alphabets = Beginn einer Angelegenheit, B = zweiter Buchstabe = Fortführung.
  • A Geschäft wo man nimmt mehr heraus, wie man legt herein.
    Jüdisch-deutsch, Warschaui] Euphemistische Bezeichnung für Lavement.
  • A Geschrei wie beim Chorben Beiss-ha-mikdesch.
    Warschau
    info] Chorben = Zerstörung; Beiss-ha-mikdesch = heiliger Tempel. Ein großes Jammergeschrei, wie bei der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem.
  • A gestoppter Lamden.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Ein mit Gelehrsamkeit vollgestopfter Mensch, der sie nicht nützlich zu verwerten weiß.
  • A gewogen Rändel.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Ein Dukaten. So bewährt und allgemein anerkannt wie ein vollwichtiger Dukaten.
  • A gibt mir weder das Kalte, noch's Warme.
    Schlesien
  • A ginnt kem Mensche nischt.
    Schlesien
    z] Mene Nuchbern, dos missginstige Web, gint kim Mensche nischte, auch nich de Lufft, mir weider 's koalde, noch 's woarme.
  • A git (er geht) of Schtälza.
    info] Schreitet stolz einher.
  • A gît rem wi a Lehmtreter.
    info] a gît rem = er geht herum
  • A gît rem wi Pott Lehmsâk.
    Österreich-Schlesien
    info] a gît rem = er geht herum. Gedankenlos, betrübt.
  • A gît rem wi Tripstrill.
    info] a gît rem = er geht herum. Blöde, betrübt, gedankenlos.
  • A gläserner Bär.
    Jüdisch-deutsch, Warschau
    info] Ein plumper Mensch. Zur Schwerfälligkeit des Bären wird hier noch die Zerbrechlichkeit des Stoffes hinzugesellt.
  • A gönnt ehme weders kalte nochs warme.
  • A gönnt einem nicht die Luft.
    nl] Hij gunt niemand iets goeds dan zich zelven.
  • A gönnt kenem Menschen nischte.
  • A grän hêsse bittere Zähren.
    info] grän = greint
  • A greift um sich wie a Flêscher.
    z] A hat an gude Posaune, mit dar a schune a wing rackarn koan. Se seldan 'n amol bloß'n sahn un hiern; a stisst nei un grefft im sich wie a Flêscher.
  • A g'schlagena Stund'.
    info] So viel als eine Glockenstunde.
  • A guata Klinga schlaga.
    Würzburg
  • A guate Hund ve'laft se' nit u an schlecht'n is kua Schad.
    Unterinntal
    info] ve'laft se' nit = verläuft sich nicht
  • A guats Pfoad findt ma auf da Stra und net auf'n Tumlplatz.
    info] Pfoad vom mhd. pfeit, altsächs. peda, gothisch paida. Wörtlich: ein gutes Hemd findet man auf der Streu und nicht auf dem Tummelplatz; in dem Sinne: ein häusliches Mädchen findet man bei der Arbeit im Hause oder in der Scheune und nicht auf dem Tanzboden.
  • A guats Ross wird nie a Mähre.
  • A gud Redhaus habe.
    Oberösterreich
    info] So sagt man von jemandem, der seinen Mund gut zu gebrauchen weiß, ein gut Mundwerk besitzt, wohl von dem mittelhochdeutschen redehûs. Ort in Klöstern zur Besprechung und Unterhaltung mit Laien.
  • A guet'n Heunt.
    hdt] (Ich wünsche) einen guten Morgen.
  • A Gurg'l hab'n wier' ä Stief'lrehrn.
    Oberösterreich
    info] Von einem, der im Trinken Ungewöhnliches leistet, sagt man: Er hat eine Gurgel wie eine Stiefelröhre.
  • A Häfelesgucker.
    Nürnberg
    info] In Oberösterreich Hafarlgucka. Einer der gern in die Häfen oder Töpfe schaut. Von einem Manne, der sich um die kleinen häuslichen Geschäfte, die den Frauen zustehen, bekümmert und besonders viel in der Küche herumschnüffelt.
    fr] C'est Jocrisse qui mène les poules pisser.
  • A hat a sitzade Hose.
    Oberösterreich
    info] Er bleibt gern lange hocken, wo er zum Sitzen kommt.
  • A hat alle Händ viel zu tun, wie a Kater im März.
    Schlesien
  • A hat an Arsch wie die Bärweiber.
    info] Frauen, die in den Wald gehen, um Beeren zu sammeln, und die meist sehr dick gekleidet sind
    la] Callipygi.
  • A hat an Fratze wie's Berliner Steinpflaster.
    Schlesien
    info] Von stark Pockennarbigen.
  • A hat an Gnadenspitzrig (weg-)gekriegt.
    info] Eine Gunst, eine Gnadenbezeigung, oft aber ironisch. Wohl vom Einschenken hergenommen.
  • A hat an Tole.
    Schlesien
    info] Tole = Dohle. Er ist betrunken
    z] Wenn a Abends aus 'm Kretschen kimmt un an Tole hot, limmelt er sich an e Gartentürle.
  • A hat Angst wi a ruthköppig Farkel.
  • A hat auch immer was zu braten.
    info] Von denen, die andere mit ihren Angelegenheiten oft behelligen.
  • A hat aus manchem Backufen Brod gefressen.
  • A hat Bên' wie a Sâjehbügl.
    Lusdorf bei Böhmisch-Friedland
    hdt] Seine Beine sind so krumm wie ein Sägebügel ist.
  • A hat dass kriebelt und wiebelt und starrt.
    info] Von dem mit Insekten bevölkerten Habenichts.
  • A hat de Bibel im Kuppe bis auf de Bratel, de Klausuren hängen 'm schon zur Nase râs.
    info] râs = heraus. Damit bezeichnet der Schlesier scherzweise die Bibelfesten.
    ho] Die man is bijbelvast.
    ho] Hij heeft den bijbel wel in den mond, maar niet in het hart.
  • A hat eine schlüpfrige Gusche.
    Schlesien
    info] Gusche = Mundwerspan
  • A hat Geld wie Heu, nur nicht so lang.
    info] Spott der Schlesier auf einen armen Prahlhans und Gernreich.
  • A hat gewiss Beschursch gemacht.
    info] Beschurs so viel wie Betrug. In der Rothwälschen Grammatik: beschora machen - einen Vergleich stiften, jüdsch peschore: Vergleich, und peschore machen = Streitende vergleichen)
  • A hat g'Heirat.
    Böhmen-Friedland
    info] So sagt man beim Kegelspiel, wenn der König zuerst, und von ihm geschlagen, ein zweiter Kegel fällt.
  • A hat hieren de Flöhe furzen.
  • A hat mich derschröckt, doss mer de Putter ies fum Brudte gefallen.
    hdt] Er hat mich erschreckt, dass mir die Butter vom Brot gefallen ist.
  • A hat schrecklich vîl Feiertage nei gemacht.
    Schlesien
  • A hat schrecklich vîl Hôsen ze woschen.
    Schlesien
  • A hat schrecklich vîl Igel ze birschten.
    Schlesien
  • A hat sich a Arsch orntlich b'rennt.
    Österreich-Schlesien
    info] Sieht sich in seinen Hoffnungen getäuscht, ist zu Schaden gekommen.
  • A hat sich ai a Bart g'schnita.
    Österreich-Schlesien
    info] Ist zu Schaden gekommen.
  • A hat sich ausgeheult wie a Hund.
  • Ä hat sich eingepudert wie a gebieren Kindl.
    Schlesien
  • A hat sie fingersdicke hinter a Ohren.
    info] Nämlich die Mucken, die Schelmenstreiche.
  • A hat suffel hoiser versuffen und ies em doch ken Sporn im Halse stecken blieben.
    info] suffel = so viel; hoiser = Häuser; Sporn = Sparren
  • A hat wohl êgen a Brât am Rücken, dass a sich nich biegen kann.
    Schlesien
    info] Brât = Brett
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