Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters

WALTHER VON DER VOGELWEIDE

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Maniger frâget, waz ich klage

1 Maniger frâget, waz ich klage,
unde giht des einen daz ez ihr von herzen gê.
der verliuset sîne tage,
wand im wart von rehter liebe nie weder wol noch wê.
des ist sîn gelücke kranc.5
swer gedæhte,
waz diu minne bræhte,
der vertrüege mînen sanc.

2 Minne ist ein gemeinez wort,
und doch ungemeine mit den werken. dêst alsô.
minne ist aller tugende ein hort,
âne minne wirdet niemer herze rehte vrô.
sît ich den gelouben hân,5
frouwe Minne,
fröit ouch mir die sinne.
mich müet, sol mîn trôst zergân.

3 Mîn gedinge ist, der ich bin
holt mit rehten triuwen, daz si ouch mir daz selbe sî.
triuget dar an mich mîn sin,
sô ist mînem wâne leider lützel fröiden bî.
neinâ hêrre! si ist sô guot,5
swenne ir güete
erkennet mîn gemüete,
daz si mir daz beste tuot.

4 Wiste si den willen mîn,
liebes unde guotes des wurde ich von ir gewert.
wie möhte aber daz nu sîn,
sît man valscher minne mit sô süezen Worten gert,
daz ein wîp niht wizzen mac5
wer si meine?
disiu nôt alleine
tuot mir manigen swæren tac.

5 Der diu wîp alrêrst betrouc,
der hât beide an mannen und an wîben missevarn.
in weiz waz diu liebe touc,
sît sich friunt gegen friunde niht vor valsche kan bewarn.
frowe, daz ir sælic sît!5
lânt mit hulden
mich den gruoz verschulden,
der an friundes herzen lît.

Uns hât der winter geschadet über al

1 Uns hât der winter geschadet über al:
heide und walt sint beide nu val,
dâ manic stimme vil suoze inne hal.
sæhe ich die megde an der strâze den bal
werfen! sô kæme uns der vogele schal.5

2 Möhte ich verslâfen des winters zît!
wache ich die wîle, sô hân ich sîn nît,
daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît.
weiz got er lât ouch dem meien den strît:
sô lise ich bluomen dâ rife nu lît.5

Under der linden

1 Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ mugent ir vinden
schône beide5
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal,
tandaradai,
schône sanc diu nahtegal.

2 Ich kam gegangen
zuo der ouwe,
dô was mîn friedel komen ê.
dâ wart ich enpfangen,
hêre frowe,5
daz ich bin sælic iemer mê.
er kuste mich wol tûsent stunt,
tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt.

3 Dô hat er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
des wirt noch gelachet
inneclîche,5
kumt iemen an daz selbe pfat.
bî den rôsen er wol mac,
tandaradei,
merken wâ mirz houbet lac.

4 Daz er bî mir læge,
wessez iemen ─
nu enwelle got! ─, sô schamt ich mich.
wes er mit mir pflæge,
niemer niemen5
bevinde daz, wan er und ich
und ein kleinez vogellîn.
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sin.

Ich hân ir sô wol gesprochen

1 Ich hân ir sô wol gesprochen,
daz si meniger in der werlte lobt;
hât si daz an mir gerochen,
owê danne, sô hân ich getobt,
daz ich die getiuret hân5
und mit lobe gekrœnet,
diu mich wider hœnet.
frou Minne, daz sî iu getân.

2 Frowe Minne, ich klage iu mêre:
rihtet mir und rihtet über mich.
der ie streit umb iuwer êre
wider unstæte liute, daz was ich.
in den dingen bin ich wunt.5
ir habet mich geschozzen,
und si gât genozzen;
ir ist sanfte und ich bin aber ungesunt.

3 Frowe, ir sult mich lân geniezen ─
daz ich weiz, ir habt strâle mê ─,
muget irs an daz herze schiezen,
daz ir werde mir gelîche wê?
muget ir, edeliu künigîn,5
iuwer wunden teilen
oder die mîne heilen?
sol ich eine alsus verdorben sîn?

4 Ich bin iuwer, frowe Minne;
schiezent dar dâ man iu widerstê.
helfet, daz ich si gewinne.
neinâ frowe, daz sis iht engê!
lât mich iu daz ende sagen:5
und engêt si uns beiden,
wir zwei sîn gescheiden.
wer solt iu danne iemer iht geklagen?

Ich hôrte iu sô vil tugende jehen

1 »Ich hôrte iu sô vil tugende jehen,
daz iu mîn dienst iemer ist bereit.
hæt ich iuwer niht gesehen,
ez schâte mir an mîner werdekeit.
ich wil iemer deste tiurre sîn,5
und bite iuch, frouwe,
daz ir iuch underwindent mîn.
ich lebte gerne, kunde ich leben,
mîn wille ist guot, nu bin ich tump:
nu sult ir mir die mâze geben.«10

2 »Kunde ich die mâze als ich niene kan,
sô wære ich in der welte ein sælic wîp.
ir tuot als ein wol redender man,
daz ir sô hôhe tiuret mînen lîp.
nu bin ich doch tumber danne ir sît.5
waz dar umbe?
doch wil ich scheiden den strît.
tuot ir alrêrst des ich iuch bite:
lêrt ir mich der manne muot,
sô lêre ich iuch der wîbe site.«10

3 »Wir wellen daz diu stætekeit
iu guoten wîben gar ein krône sî.
kunnet ir mit zühten sîn gemeit,
sô stênt liljen wol den rôsen bî.
nu merkent wie der linde stê5
der vogellîne singen,
dar under bluomen unde klê:
michels baz stât iu frowen schœner gruoz.
iuwer minneclîcher redender munt
machet daz man küssen muoz.«10

4 »Ir man frâgent wer uns wol behage:
der übel erkennen kan und guot,
und ie daz beste von uns sage,
dem sîn wir holt, ob erz mit triuwen tuot.
kan er ze rehte ouch wesen frô,5
daz er gedenket
ze mâze weder nider noch ze hô,
so tuot er des daz herze gert.
welch wîp verseit im einen vaden?
guoter man ist guoter sîden wert.«10

Sô die bluomen ûz dem grase dringent

1 Sô die bluomen ûz dem grase dringent,
sam si lachen gegen dem spilnden sunnen
in einem meien an dem morgen fruo,
und die kleinen vogellîn wol singent
in ir besten wîse, die si kunnen,5
waz wunne kan sich dâ gelîchen zuo?
ez ist wol halb ein himelrîche!
nu sprechen alle, waz sich dem gelîche,
sô sage ich waz mir dicke baz
in mînen ougen hât getân,10
und tæte ouch noch, gesæhe ich daz.

2 Swâ ein edeliu frowe schœne, reine,
wol bekleit und dar zuo wol gebunden,
dur kurzewîle zuo vil liuten gât,
hovelîchen hôhgemuot, niht eine,
umbe sehende ein wênic under stunden,5
alsam der sunne gegen den sternen stât ─
der meie bringe uns al sîn wunder,
waz ist dâ sô wunneclîchez under,
als ir vil minneclîcher lîp?
wir lâzen alle bluomen stân,10
und kapfen an daz werde wîp.

3 Sêt, sam mir, welt ir die wârheit schowen!
gên wir zuo des meien hôhgezîte!
der ist mit aller sîner wunne komen.
seht an in und seht an werde frowen,
weder spil daz ander überstrîte:5
daz wæger spil, ob ich daz hân genomen.
und der mich danne welen hieze,
daz ich daz eine dur daz ander lieze,
ahy, wie schiere ich danne kür!
hêr Meie, ir müestent merze sîn,10
ê ich mîn frowen dâ verlür.

Aller werdekeit ein füegerinne

1 Aller werdekeit ein füegerinne,
daz sît ir zewâre, frowe Mâze.
ein sælic man, der iuwer lêre hât!
der darf sich iuwer niht beschamen inne
beide ze hove noch ouch an der strâze.5
dur daz sô suoche ich iemer iuweren rât,
daz ir mich ebene werben lêret.
wirbe ich nidere, wirbe ich hôh, ich bin versêret.
ich was vil nâch ze nidere tôt,
nu bin ich aber ze hôhe siech,10
unmâze enlâzet mich ân nôt.

2 Nideriu minne heizet diu sô swachet
daz der lîp nâch kranker liebe ringet:
diu liebe tuot unlobelîche wê.
hôhe minne heizet diu daz machet
daz der muot nâch werder liebe ûf swinget:5
diu winket nu, daz ich ir mite gê.
nun weiz ich, wes diu mâze beitet.
kumt herzeliebe, sô bin ich verleitet.
doch hât mîn lîp ein wîp ersehen,
swie minneclîche ir rede sî,10
mir mac wol schade von ir geschehen.

Ich minne, sinne, lange zît

Ich minne, sinne, lange zît,
versinne Minne sich,
wie sie schône lône mîner tage.
nu lône schône, daz ist min strît:
vil kleine meine mich,5
niene meine kleine mîne klage,
unde rihte
grôz unbilde,
daz ein ledic wîp
mich verderbet10
gar âne schulde.
ze ir gesihte
werde ich wilde.
mich enhabe ir lîp
vröide enterbet,15
noch ger ich ir hulde.
wære mære stæter man,
sô solte, wolte si, mich an
eteswenne denne ouch sehen,
sô ich gnuoge fuoge kunde spehen.20

Zwô fuoge hân ich doch, swie ungefüege ich sî

1 Zwô fuoge hân ich doch, swie ungefüege ich sî,
der hân ich mich von kinde her vereinet.
ich bin den frôn bescheidenlîcher fröide bî
und lache ungerne swâ man bî mir weinet.
durch die liute bin ich frô,5
durch die liute wil ich sorgen.
ist mir anders danne alsô,
waz dar umbe? ich wil doch borgen.
swie si sint sô wil ich sîn,
daz si niht verdrieze mîn.10
manigem ist unmære
swaz einem anderen werre;
der sî ouch bi den liuten swære.

2 Hie bevor, dô man sô rehte minneclîche warp,
dô waren mîne sprüche ouch fröiden rîche.
sit daz diu minneclîche minne alsô verdarp,
sît sanc ouch ich ein teil unminneclîche.
iemer als ez danne stât,5
alsô sol man danne singen.
swenne unfuoge nu zergât,
sô singe aber von hübschen dingen.
noch kumt fröide und sanges tac,
wol im, ders erbeiten mac!10
der mirz gelouben wolde,
so erkande ich wol die fuoge,
wenne unde wie man singen solde.

3 Ich sage iu waz uns den meisten schaden tuot.
diu wîp gelîchent uns ein teil ze sêre.
daz wir in als liep sîn übel alse guot,
seht, daz geliehen nimt uns fröide und êre.
schieden uns diu wîp als ê,5
daz si sich ouch liezen scheiden,
daz gefrumt uns michels mê,
mannen unde wîben, beiden.
waz stêt übel, waz stêt wol,
sît man uns niht scheiden sol?10
edeliu wîp, gedenkent
daz si ouch eteswaz kunnen;
gelîchent si iuch, ir sît gekrenket.

4 Wîp muoz iemer sîn der wîbe hôhste name,
und tiuret baz danne frowe, als ichz erkenne.
swâ der deheiniu sî diu sich ir wîpheit schame,
diu merke disen sanc und kiese ouch denne.
under frowen sint unwîp,5
under wîben sint si tiure.
wîbes name und wîbes lîp
diu sint beidiu vil gehiure.
swiez umb alle frowen var,
wîp sint alle frowen gar.10
zwîvellop daz hœnet,
als under wîlent frowe:
wîp ist ein name ders alle krœnet.

5 Ich sanc hie vor den frowen umb ir blôzen gruoz,
den nam ich wider mîme lobe ze lône.
swâ ich des geltes nu vergebene warten muoz,
dâ lobe ein ander, den si grüezen schône.
swâ ich niht verdienen kan5
einen gruoz mit mîme sange,
dar kêre ich vil hêrscher man
mînen nac alder ein mîn wange.
daz sprichet: ›mir ist umbe dich
rehte als dir ist umbe mich.‹10
ich wil mîn lop kêren
an wîp diu kunnen danken.
waz hân ich von den überhêren?

Herzeliebez vrowelîn

1 Herzeliehez vrowelîn,
got gebe dir hiute und iemer guot!
kund ich baz gedenken dîn,
des het ich willeclîchen muot.
waz mac ich nu sagen ,5
wan daz dir nieman holder ist? owê dâ von ist mir vil wê.

2 Si verwîzent mir, daz ich
nider wende mînen sanc.
daz si niht versinnent sich
waz liebe sî, des haben undanc!
siu getraf diu liebe nie,5
die dâ nâch dem guote und nâch der schœne minnent. wê, wie minnent die!

3 Bî der schœne ist dicke haz,
zuo der schœne niemen sî ze gâch.
liep tuot dem herzen baz,
der liebe gêt diu schœne nâch.
liebe machet schœner wîp.5
des mac diu schœne niht getuon, sine gemachet lieben lîp.

4 Ich vertrage als ich vertruoc
und als ich zeiner wîle vertrage.
du bist schœne und hâst genuoc,
waz mugen si mir dâ von gesagen?
swaz si sagen, ich bin dir holt5
und nim dîn glesîn vingerlîn vür einer küneginne golt.

5 Hâst du triuwe und stætekeit,
sô bin ich sîn âne angest gar
daz mir iemer herzeleit
mit dînem willen widervar.
hâst aber du der zweier niht,5
so müezest du mîn niemer werden. owê..., ob daz geschiht!

Bin ich dir unmære

1 Bin ich dir unmære,
des enweiz ich niht: ich minne dich.
einez ist mir swære,
du sihest bî mir hin und über mich.
daz solt du vermîden.5
ine mac niht erlîden
solhe liebe âne grôzen schaden.
hilf mir tragen, ich bin ze vil geladen.

2 Sol daz sîn dîn huote,
daz dîn ouge mich sô selten siht?
tuost du daz ze guote,
sône wîze ich dir dar umbe niht.
sô mît mir daz houbet,5
daz sî dir erloubet,
und sich nider an mînen fuoz,
sô du baz enmugest: daz sî dîn gruoz.

3 Swanne ichs alle schouwe,
die mir suln von schulden wol behagen,
sô bist duz mîn frouwe,
daz mac ich wol âne rüemen sagen!
edel unde rîche5
sint si sumelîche,
dar zuo tragent si hôhen muot.
lîhte sint si bezzer. du bist guot.

4 Frowe, du versinne
dich ob ich dir zihte mære sî.
eines friundes minne
diu ist niht guot, da ensî ein ander bî.
minne entouc niht eine,
si sol sîn gemeine,
sô gemeine daz si gê
dur zwei herze und durch dekeinez mê.

Muget ir schouwen, waz dem meien

1 Muget ir schouwen, waz dem meien
wunders ist beschert?
seht an pfaffen, seht an leien,
wie daz allez vert!
grôz ist sîn gewalt ─5
in weiz ob er zouber kunne ─
swar er vert in sîner wunne,
dân ist niemen alt.

2 Uns wil schiere wol gelingen,
wir suln sîn gemeit,
tanzen lachen unde singen,
âne dörperheit.
wê, wer wære unfrô?5
sît diu vogellîn alsô schône
singent in ir besten dône,
tuon wir ouch alsô!

3 Wol dir, meie, wie du scheidest
allez âne haz,
wie wol du die bluomen kleidest,
und die heide baz!
diu hât varwe mê.5
›du bist kurzer, ich bin langer‹,
alse strîtent si ûf dem anger,
bluomen unde klê.

4 Rôter munt, wie du dich swachest,
lâ dîn lachen sîn!
scham dich daz du mich an lachest
nâch dem schaden mîn.
ist daz wol getân?5
owê sô verlorner stunde,
sol von minneclîchem munde
solhe unminne ergân!

5 Daz mich, frowe, an fröiden irret,
daz ist iuwer lîp.
an iu iemer ez mir wirret,
ungenædic wîp.
wâ nemt ir den muot?5
ir sît doch genâden rîche:
tuot ir mir ungenædeclîche,
sô sint ir niht guot.

6 Scheident, frowe, mich von sorgen,
liebet mir die zît,
oder ich muoz an fröiden borgen.
daz ir sælic sît!
muget ir umbe sehen?5
sich fröit al diu weit gemeine:
möhte mir ein vil kleine
fröidelîn geschehen!

Min frowe ist ein ungenædic wîp

1 Min frowe ist ein ungenædic wîp,
daz si an mir als harte missetuot.
nu brâht ich doch einen jungen lîp
in ir dienst und dar zuo hôhen muot.
owê, dô was mir sô wol.5
wie ist daz nu verdorben!
waz han ich erworben?
anders niht wan kumber den ich dol.

2 Ich gesach nie houbet baz gezogen;
in ir herze kunde ich nie gesehen.
ie dar under bin ich gar betrogen,
daz ist an den triuwen mir geschehen,
möht ich ir die Sternen gar,5
mânen unde sunnen,
zeigene hân gewunnen,
daz wær ir, so ich iemer wol gevar.

3 Owê mîner wunneclîcher tage,
waz ich der an ir versûmet hân!
daz ist iemer mînes herzen klage,
sol diu liebe an mir alsus zergân.
lîde ich nôt und arebeit,5
die klagete ich vil kleine;
mîne zît aleine,
hab ich die verlorn, daz ist mir leit.

4 Ich gesach nie sus getâne site,
daz si ir besten friunden wære gram.
swer ir vîent ist, dem wil si mite
rûnen; daz guot ende nie genam.
ich weiz wol wiez ende ergât.5
vient und friunt gemeine,
der gestêt si aleine,
sô si mich und jen unrehte hât.

5 Miner frowen darf niht wesen leit,
daz ich rîte und vrâge in frömediu lant
von den wîben die mit werdekeit
lebent. der ist vil mengiu mir erkant
und die schœne sint dâ zuo.5
doch ist ir deheine,
weder grôz noch kleine,
der versagen mir iemer wê getuo.

Si wunder wol gemachet wîp

1 Si wunder wol gemachet wîp,
daz mir noch werde ein habedanc!
ich setze ir minneclîchen lîp
vil hôhe in mînen werden sanc.
gerne ich allen dienen sol,5
doch hân ich mir dise ûz erkorn.
ein ander weiz die sînen wol,
die lob er âne mînen zorn.
hab im wîse unde wort
mit mir gemeine: lob ich hie, sô lob er dort.10

2 Ir houbet ist sô wünnenrîch,
als ez mîn himel welle sîn.
wem möhte ez anders sîn gelîch?
ez hât ouch himeleschen schîn.
dâ liuhtent zwêne sternen abe,5
dâ müeze ich mich noch inne ersehen,
daz si mirz alsô nâhe habe!
sô mac ein wunder wol geschehen:
ich junge, und tuot si daz,
und wirt mir gernden siechen seneder sühte baz.10

3 Got hât ir wengel hôhen flîz,
er streich sô tiure varwe dar,
sô reine rôt, sô reine wîz,
da rœseloht, dâ liljenvar.
ob ichz getar von sünden sagen:5
ich sæhe si iemer gerner an
danne alle himel oder himelwagen.
owê waz lob ich tumber man?
mache ich mir si ze hêr,
vil lîhte wirt mînes mundes lop mîns herzen sêr.10

4 Sie hât ein küssen, daz ist rôt,
gewünne ich daz für mînen munt,
sô stüende ich üf von dirre nôt
und wær ouch iemer mê gesunt.
swâ si daz an ir wengel leget,5
dâ wær ich gerne nâhe bî.
ez smecket, sô manz iender reget,
alsam ez vollez balsemen sî.
daz sol si lîhen mir,
swie dicke siz hin wider wil, sô gibe ichz ir.10

5 Ir kel, ir hende, ietweder fuoz,
daz ist ze wunsche wol getân.
ob ich da enzwischen loben muoz,
wæne ich beschowet hân.
ich hete ungerne ›decke blôz!‹5
gerüefet, do ich si nackent sach.
si sach mich niht, swie si mich schôz,
daz mich noch stichet als ez stach,
swanne ich der lieben stat
gedenke, dâ si reine ûz einem bade trat.10

Ir sult sprechen ›willekomen‹

1 Ir sult sprechen ›willekomen‹,
der iu mære bringet, daz bin ich.
allez daz ir habent vernomen,
dâst gar ein wint: nu frâgent mich.
ich wil aber miete.5
und wirt mîn lôn ihr guot,
ich sage lîhte daz iu sanfte tuot.
sehet waz man mir êren biete!

2 Ich wil tiutschen frowen sagen
solhiu mære daz si deste baz
al der werlte suln behagen.
âne grôze miete tuon ich daz.
ze rîcheme lône5
sint si mir ze hêr;
sô bin ich gefüege, und bite si nihtes mêr
wan daz si mich grüezen schône.

3 Ich hân lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war.
übel müeze mir geschehen,
kunde ich ie mîn herze bringen dar
daz ime wol gevallen5
wolde frömder site.
waz hulfe mich, ob ich unrehte strite?
tiutschiu zuht gât vor in allen.

4 Von der Elbe unz an den Rîn
und her wider unz in Ungerlant
sô mugen wol die besten sîn,
die ich in der werlte hân bekant.
kan ich rehte schouwen5
guot gelâze und lîp,
sem mir got, sô swüere ich wol daz dâ diu wîp
bezzer sint danne anderswâ die frouwen.

5 Tiutsche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu wîp getân.
swer si schildet, der ist betrogen;
ich enkan sîn anders niht verstân.
tugent und reine minne,5
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant, dâ ist wünne vil.
lange müeze ich leben dar inne!

6 Der ich vil gedienet hân
unde iemer gerne dienen wil,
diu ist von mir vil unerlân,
iedoch sô tuot si leides mir sô vil.
si kan sêren5
mir daz herze und den muot.
nu vergebez ir got daz si an mir missetuot.
her nâch mac si sichs bekêren.

Die verzagten aller guoter dinge

1 Die verzagten aller guoter dinge
wænent daz ich mit in sî verzaget,
ich hân trôst daz mir noch fröide bringe,
der ich mînen kumber hân geklaget.
ob mir liep von der geschiht,5
sô enruoch ich wes ein bœser giht.

2 Nît den wil ich iemer gerne lîden.
frowe, dâ solt du mir helfen zuo,
daz si mich von schulden müezen nîden,
sô daz mîn liep in herzeleide tuo.
schaffe daz ich frô gestê,5
so ist mir wol, und ist in iemer wê.

3 Friundîn unde frowen in einer wæte
wolte ich an iu einer gerne sehen.
ob ez mir sô rehte sanfte tæte
als mir mîn herze hât verjehen?
friundinne daz ist ein süezez wort,5
doch sô tiuret frowe unz an daz ort.

4 Frowe, ich wil mit hôhen liuten schallen,
werdent diu zwei wort mit willen mir.
sô lâze ouch dir zwei von mir gevallen,
daz ein keiser kûme gæbe dir.
friunt und geselle diu sint beidiu dîn,5
sô sî friundîn unde frowe mîn.

Owê, hovelîchez singen

1 Owê, hovelîchez singen,
daz dich ungefüege dœne
solten ie ze hove verdringen!
daz die schiere got gehœne!
owê, daz dîn wirde alsô geliget,5
des sint alle dîne friunde unfrô.
daz muoz eht also sîn; nu sî alsô:
frô Unfuoge, ir habt gesiget.

2 Der uns fröide wider bræhte,
diu rehte und gefüege wære,
hei wie wol man des gedæhte
swâ man von ime leite mære!
ez wære ein vil hovelîcher muot,5
des ich iemer gerne wünschen sol.
frowen unde hêrren zæme ez wol.
owê, daz ez nieman tuot!

3 Die daz rehte singen stœrent,
der ist ungelîche mêre
danne die ez gerne hœrent.
doch volge ich der alten lêre.
ich enwil niht werben zuo der mül,5
dâ der stein sô riuschent umbe gât
und daz rat sô mange unwîse hât.
merkent, wer dâ harpfen sül!

4 Die sô frevenlîchen schallent,
der muoz ich vor zorne lachen,
daz si in selben wol gevallent
mit alsô ungefüegen sachen.
die tuont sam die frösche in eime sê,5
den ir schrîen sô wol behaget,
daz diu nahtegal dâ von verzaget,
sô si gerne sunge mê.

5 Der ungefüege swîgen hieze ─
waz man danne fuoge funde! ─
und si von den bürgen stieze,
daz unfuoge dâ verswunde!
wurden ir die edelen habe benomen,5
daz wære allez nâch dem willen mîn,
bî den gebûren lieze ich si wol sîn:
dannen ist si her bekomen.

In einem zwîvellîchen wân

1 In einem zwîvellîchen wân
was ich gesezzen und gedâhte,
ich wolte von ir dienste gân,
wan daz ein trôst mich wider brâhte,
trôst mac ez niht geheizen, owê des!5
ez ist vil kûme ein trœstelîn,
sô kleine, swenne ichz iuch gesage, ir spottent mîn.
doch fröwet sich lützel ieman, er enwizze wes.

2 Mich hât ein halm gemachet vrô:
er giht, ich süle gnâde vinden.
ich maz daz selbe kleine strô,
als ich hie vor gesach bî den kinden.
hœret unde merket ob siz denne tuo.5
›si tuot, sin tuot, si tuot, sin tuot...‹
swie dicke ich alsô maz, sô was daz ende ie guot.
daz trœstet mich. dâ hœret ouch gloube zuo!

3 Swie fiep si mir von herzen sî,
sô mac ich doch vil wol erlîden
daz ir sîn ie die besten bî.
ich darf ir werben dâ niht nîden.
ich enmae, als ich erkenne, des gelouben niht5
daz si ieman sanfte in zwivel bringen müge.
mir ist liep daz die getrogenen wizzen waz si trüge,
und alze lanc dazs iemer rüemic man gesiht.

Saget mir ieman, waz ist minne

1 Saget mir ieman, waz ist minne ─
weiz ich des ein teil, sô west ich gerne ouch darumbe mê.
swer sich rehte nu versinne,
der berihte rehte mich wie si tuot wê.
minne ist minne, tuot si wol;5
tuot si wê, sône heizet si niht minne.
sus enweiz ich wie si danne heizen sol.

2 Ob ich rehte râten künne
waz diu minne sî, sô sprechent denne jâ.
minne ist zweier herzen wünne,
teilent sie gelîche, sô ist diu minne dâ.
sol aber ungeteilet sîn,5
sô enkan si ein herze aleine niht enthalden.
owê, woldest du mir helfen, frowe min!

3 Frowe, ich eine trage ein teil ze swære,
wellest du mir helfen, sô hilf an der zît.
sî aber ich dir gar unmære,
daz sprich endelîche, sô lâze ich den strît
unde wirde ein ledic man.5
du solt aber einez wizzen: daz dich rehte
lützel ieman baz danne ich geloben kan.

4 Kan mîn frowe süeze siuren?
wænet si daz ich gebe liep umbe leit?
sol ich si dar umbe tiuren,
daz si ez wider kêre gar an mîne unwerdekeit?
sô kunde ich unrehte spehen.5
wê waz sprich ich ôrenlôser ougen âne!
den diu minne blendet, wie mac der gesehen?

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