Heinrich von Veldeke (* vor 1150; † zwischen 1190 und 1200)

Lieder und Sprüche


I.

It sint gûde niwe mâre,
dat die vogele ofenbâre
singent dar man blûmen siet.
Zû dien zîten in dem jâre
stûnde wal dat man frô wâre:
leider des ne bin ich niet.
Mîn dumbe herte mich verriet,
dat mût unsanft unde swâre
dragen dat leit dat mir beschiet.

Die scônist unt die beste frouwe
zwischen dem Roden und der Souwe
gaf mir blîschaft hie bevoren.
Dat is mir komen al ze rouwe
dorch dumpheit, niet von untrouwe,
dat ich ir holde hân verloren,
Die ich zer besten hede erkoren
od in der werlde mohte schouwen:
noch sêre vorhte ich ir zoren.

Lieve und al ze hôe minne
brâhten mich ût deme sinne;
dô ich ir ougen unde ir munt
Sach sô wal stên unde ir kinne,
dô wart mir dat herte inbinne
von sô sûter dumpheit wunt,
Dat mir wîsheit wart unkunt.
des bin ich wal worden inne
mit schaden sint ze maneger stunt.

Dat ubil wort sî verwâten,
dat ich niene konde verlâten,
dô mich betrouch mîn dumbe wân:
Der ich was gerende ûter mâten,
ich bat si in der caritâten,
dat si mich mûste al umbe vân.
So vil ne hede ich niet gedân,
dats ein wênich ûter strâten
dorch mich zunreht wolde stân.


II.

»Ich bin frô, sint uns die dage
liehtent unde werdent lank!«
Sô sprach ein frowe alsunder klage
frîlîch unde ân al gedwank.
»Des segge ich minem glucke dank,
dat ich ein solhe herte drage,
dat ich dorch keinen bôsen drank
an mîner blîschaft niene verzage.

Mir hede wîlen zeiner stunde
vil gedienet ôch ein man,
Sô dat ich im wal gûdes gunde,
des ich im nu niene gan,
Sint dat hi den mût gewan
dat hie eischenne begunde
dat ich im bat entseggen kan,
dan hi't an mir gewerven kûnde.

It quam von dumbes herten râde
it sal ze dumpheit ôch ergân.
Ich warnede in al ze spâde,
dat hi hede missedân.
Wie mohte ich dat vor gût entstân,
dat hi mîn dorpelîche bâde
dat hi mich mûste al umbe vân?

Ich wânde dat hi hovesch wâre,
des was ich im von herten holt.
Dat seggich û wal ofenbâre,
des is hi von mir unverscholt.
Des drage ich mir ein gût gedolt:
mir is sîn schade vil unmâre,
hi iesch an mir ze rîchen solt,
des ich vil wale an ime enbâre.

He iesch an mir te lôser minnen:
die ne vant hi an mir niet.
Dat quam von sînen kranken sinnen,
wande it im sîn dumpheit riet.
Wat of im schade dar an geschiet?
des bring ich in vil wal innen
dat he sin spei zunrehte ersiet:
he brichet êr dan he't gewinne.


III.

Sô wie mir schade an môner frouwen,
deme wunsche ich des rîses,
dar an die dieve nement ir ende.
Sô wie mir dar an schône mit trouwen,
dem wûnsche ich des paradîses
unde valde im mîne hende.
Frâge ieman wie si sî,
die bekenne sie dâ bî:
it is die wal gedâne.
genâde frouwe mir:
der sunnen gan ich dir,
sô schîne mir die mâne.

Sô wie min nôt gefûger wâre,
sô gewunne ich lief nâ leide
unde frowede manechvalde;
Wande ich weit vil lieve mâre:
die blûmen springent an der heide,
die vogele singent in dem walde;
Dâr wîlen lach die snê,
dar stât nu grûner klê,
it touwet an dem morgen:
swie wil die frouwe sich,
nieman nôde es mich,
ich bin unledech von sorgen.


IV.

Tristrant mûste sunder dank
stâde sîn der kuniginne,
Wande in poisûn dar zû dwank
mêre dan die kraht der minne
Des sal mir die gûde dank
weten, dat ich niene drank
solhen pîn und ich si minne
bat dan hi, und mach dat sîn.
wal gedâne
valsches âne
lâ mich wesen dîn
unde wis du mîn.

Sint die sunne ir liehten schîn
gegen der kalde hât geneiget
Und die kleinen vogelkîn
al ir sanges sint gesweiget,
Trûrech is dat herte mîn,
wande it wil nu winder sîn
die uns sîne kraht erzeiget
an dien blûmen, die man siet
liehter varwe
erbleichet garwe.
dar von mir beschiet
leit und lieves niet.


V.

In dien zîden von dem jâre
dat die dage werdent lank,
Und dat weder wider klâre
- - sunder sînen dank,
Sô verniwent ofenbâre
merlikîn ir lieve mâre.
Gote mach hi sîn weten dank,
swie hât rehte minne sunder rouwe und âne dwank.
Die mich drumbe willen nîden,
dat mir lieves iet beschiet,
Dat mach ich vil sanfte lîden
unde enwil dar umbe niet
Mîne blîdeschalt vermîden,
noch gevolgen dien unblîden,
dar nâ dats mich gerne siet,
die mich dorch die minne lange pîne dolen liet.

Ich wil frô sin dorch ir êre
die mir dat nu hât gedân,
Dat ich von der rouwe kêre.
die is mir nu sô vergân,
Die mich wîlen errete sêre,
dat ich bin rîch grôt und hêre,
sint ichs mûste alumbe vân,
die mir rehte minne sunder wîch gaf unde wân.


VI.

In dien zîden dâr die rôsen
erzeigent manech schône blat
Flûchet man dien froudelôsen
die rugâr sint an maneger stat,
Dorch dat si minnen sint gehat
und minnen ôsen.
von dien bôsen
lôse uns got: wat schadet in dat?

Die werlt is der lihtecheide
alze rûmechlîchen balt.
Harde krank is ir geleide,
dat dût nu der minnen gwalt.
Die lôsheit die man wîlen schalt,
die's unversûmet:
wal gerûmet
sint ir wege manechvalt.

Des bin ich getrôst ie mêre
dat die nîdigen mich nîden.
Nit und alle bôse lêre
mûte in dat herte snîden,
Dat si sterven und dest ê.
mit den blîden
wil ich't lîden,
swî it mir dar umbe ergê.


VII.

Die blîschaft sunder rouwe hât
mit êren, die is rîche.
Dat herte, dar die rouwe in stàt,
dat levet jâmerlîche.
Hi is edel unde frût,
swie mit êren
kan gemêren
sine blîschaft, dat is gût.

Die schône die mich singen dût,
si sal mich sprechen lêren
Dar ave, danne ich mînen mût
niet wal kan gekêren.
Hi is edel unde frût,
Swie mit êren
kan gemêren
sîne blîschaft, dat is gut.


VIII.

Als die vogele frôlîche
den sumer singende entphân,
Und die walt is louves rîche,
und die blûmen schône stân,
Min reht is, dat ich nie wîche
dar mîn herte stâdechlîche
von minnen ie was underdân.

Dô man der rehten minne plach
dô plach man ouch der eren.
Nû mach man naht unde dach
die bôsen side lêren.
Swie dit nu siet und jent dô sach,
owê wat die nu klagen mach:
dugende welnt sich nû verkeren.

Die man nesint nu niet frût,
want sie die frouwen schelden.
Ouch sint sie dar wider gût,
dat sin's niet wal vergelden.
Dar hi sich bi generen mût,
swie dat schildet die missedût,
die prôvet selve melden.

Swie zer minne is alsô frût,
dat hi der minne dienen kan,
Und hi dorch minne pîne dût,
wal im die is ein sâlich man.
Von minne komet uns al gût,
die minne machet reinen mût:
wat solde ich sunder minne dan?

Ich minne die schônen sunder dank,
ich weit wale ir minne is klâr.
Of mîn minne mit valsche is krank,
sone wirt ouch nimmer minne wâr.
Ich segge ir mîner minne dank:
bî ir minne stât mîn sank:
hi's dump swie't niet gelouvet gar.


IX.

Man seit al vor wàr
nu manech jâr,
Wîf haten grâwez, hâr:
dat is mir swâr,
Und is ir misseprîs,
die liever habet ir âmis
dump danne wis.

Des mêr noch des min,
dat ich grâ bin:
Ich hâte an wiven kranken sin,
dat s' niwez zin
Nement vor aldez golt.
si jehent si sîn dien jungen holt
dorch ungedolt.


X.

In dem aberillen
sô die blûmen springen,
sò louvent die linden
und grûnent die buchen,
Sô hebbent ir willen
die vogele die dâ singen,
want si minne vinden
al dâr sie si sûchen
Rehte an ir genôt.
ir blîschaft is grôt:
der mich nie verdrôt,
doch sir singen al den winder stillen.

Dô si an dem rîse
die blûmen gesâgen
bî dien bladen springen,
dô wâren sie rîche
Ir manechvalden wîse,
der si wîlen plâgen:
si hûven unde sungen
lûde und frôliche,
Nider unde hô.
mîn mût stât alsô,
dat ich wil wesen frô:
reht is dat ich mîn gelucke prîse.

Mohte ich erwerven
mîner frouwen holde,
konde ich die gesûchen,
als it ir gezâme!
Ich sal verderven
al von mîner scholde;
sie ne wolde rûchen,
dat si von mir nâme
Bûte sunder dôt:
up gnâde und dorch nôt!
wand it got nie gebôt,
dat dehein man gerne solde sterven.


XI.

Got sende ir ze mûde,
dat si't meine ze gûde,
wand ich vil gern behûde,
dat ich ir iet spreche ze leide
und immer von ir scheide,
mich bindent sô vast d'eide,
minne und trouwe beide:
des vorhte ich sie alsô dat kint die rûde.


XII.

Si is so gût und ouch sô schône
die ich nu lange hân gelovet;
Sold ich ze Rôme dragen die krône
ich satte sie ir up ir hovet.
Manech sprâche »siet, he dovet?«
Got geve dats mir lônê,
wand ich dâde ich weit wal wie:
levet si noch als ich si lie,
sô is si dort und ich bin hie.

Si dede mir, dô s' mir sîn gunde,
vil ze lieve und ouch ze gûde,
Dat ich noch z'etlîcher stunde
singe, sô mirs wirt ze mûde.
Sint ich sach, dat sie die hûde
sô bedriegen kunde
sam die hase dût den wint,
son gesorget ich nimmer sint
umb mînes sones tohterkint.


XIII.

Gerner hedich mit ir gemeine
dûsent marke swâ ich wolde
unde einen schrîn von golde,
danne ich von ir wesen solde
verre, siech und arm und eine.
des sal si sîn von mir gewis,
dat dat die wârheit an mir is.


XIV.

It dûnt die vogelkin vil schîn,
dat si die boume sient geblût.
Ir sank macht mir den mût sô gût,
deich frô bin, trûrech niet kan sîn.
Got êre sie die mir dat dût
al uber den Rîn;
dat mir der sorgen gebût,
aldâr mîn lîf is verre in enelende.


XV.

It hânt die kalden nehte gedân,
dat die louver an der linden
winderlîche vale stân.
Der minne hân ich gûden wân
und weit sîn nu ein vil lief ende;
dat's mir zem besten al ergân,
Dâr ich die minne gût ervinde
und ich mich ir al underwinde.


XVI.a

Die noch niene worden verwunnen
von minnen alse ich nu bin,
Die ne mogen noch enkunnen
niet wale gemerken mînen sin.
Dâr mîne minne schinen min,
dan die mân schin bî der sunnen
al dâr hân ich minne begunnen.


XVI.b

Man darf niet dien bôsen flûchen,
in wirt dicke unsanfte wê,
Want si warden unde lûchen,
als die springet in dem snê.
Des sint si vil des mêr gevê.
des ne dart doch nieman rûchen,
want si sûchent birn up bûchen.


XVIc

Sô wie dien frouwen settet hûde,
die dût dicke dat ubil stât.
Vil manech man dreit die rûde,
dar he sich selven mede slât.
Sô wie den ubilen side gevât,
die gêt vil ofte rail zorngem mûde:
desn plicht niet die wîse frûde.


XVII.

Die zît is verklâret wale,
desn is doch die werelt niet,
Want sis drûve unde vale.
die si rehte nu besiet,
Die ir volgent mit, die giet,
dat si bôset ie leng sô mê,
want si der minnen ave ziet
die ir wîlen dienden ê.


XVIII.

Die schône sumer gêt uns an,
des is vil manech vogel blîde.
want si frouwent sich ze strîde
die schônen zît vil wal z'enphân.
jârlank is reht dal die ar
winke dem vil sûten winde:
niwes louves an der linden
bin ich worden al gewar.


XIX.

Die Minne bidde ich unde mane,
die mich hât verwunnen al,
Dat si die schônen dar zû spane
dal si mêre mîn geval.
Geschiet mir alsô deme swane,
die dâ singet als hi sterven sal,
sô vlûse ich alze vil dar ane.


XX.

Die Minne bedwank Salomône,
die was die alre wîsist man
Die ie getrûch kuneges krône
wie mohtich mich erweren dan,
Sin dwunge ouch mich gewaldechlîche
sint si solken man verwan,
die wlse was und ouch so rîche:
den solt hân ich von ir ze lône.


XXI.

Schônû wort mit sûtem sange
trôstent dicke swâren mût,
Die mach man gerne halden lange
want si sint alzoges gût.
Ich singe mit vil drûvem mûde
der schônen frouwen und der gûden.
up ir trôst ich wîlen sank:
si hât mich missetrôstet des is lank.


XXII.

Ir stûnde bat dat sie mich trôste
dann ich dorch si gelige dôt,
Want si mich wîlen êr erlôste
ût maneger angestlîcher nôt.
Als si't gebût, ich bin ir dôde,
wan iedoch sô sterve ich nôde.

Ich levede ê mit ungemache,
als si gesên hât und gehôrt,
Seven jâr, êr ich iet sprâche
wider ir willen ein wort,
Und wil doch dat ich klage mîn sêre:
joch is die minne als sie was êre.


XXIII.

Swenne die zît alsô gestât,
dat uns komt blûmen unde gras,
Sô mach sîn alles werden rât,
dar von mîn herte trûrech was.
Des froweten sich die vogelkîn
worde immer sumer alsam ê:
liet die werlt mîn eigen sîn,
mir dâde iedoch die winder wê.

Dorch sînen willen, of hie wil,
dûn ich einz und anders niet.
Des selven mach in dunken vil,
dat nieman in sô gerne siet.
Ich wil behalden mînen lîf,
ich hân vil wale genomen war,
dat dicke werdent schônû wîf,
von solheme leide missevar.


XXIV.

Die dâ willen hôren mînen sank,
ich wil, dats' mir sîn weten dank
stâdechlîche und sunder wank.
Die ie geminden od noch minnen
die sint frô in manegen sinnen,
des die dumben nien beginnen,
Want si die minne noch nie dwank
noch ir herten rûchte enbinnen.


XXV.

Swie wal gedienet unde erbeiden kan,
deme ergêt it wal ze gûde.
dar an gedahte ich manegen dach.
Got weit wal, do ich ir kûnde alrêrst gewan,
sint diende ich ir mit solhem mûde,
dat ich nie zwîveles geplach:
Lônes mir die gûde,
wir zwei bedriegen unser hûde.

Wâre ich unfrô, dar nâch als it mir stêt,
dat wâre unrêcht unde wunder,
sint al mîn leit nâch lieve ergêt.
Die minne is die mîn herte al umbe vât,
dar n'is dehein dorpeit under,
wan blîschaft die die rouwe slât.
Des bin ich des gesunder:
rouwe is mir ie langer unkunder.


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