Spervogel I (um 1180)

Ich sage iu, lieben süne mîn,
iu enwáhset kórn nóch der wîn,
ich enkán iu niht gezeigen
diu lêhen noch diu eigen.
Nu genâde iu got, der guote,
und gebe iu saelde unde heil.
vil wol gelanc von Tenemarke Fruoten.


Mich riuwet Frúot über mer
und von Hûsen Walther,
Héinrîch von Gebechenstein,
und von Stoufen was ir noch ein.
Got gnâde Wernharte,
der ûf Steinsberc saz
und niht vor den êren versparte.


Wér sól ûf Steinsberc
würken Wernhartes werc?
hei, wie er gap unde lêch!
des er dem biderben man verzêch,
Des enmóht er niht gewinnen.
daz was der wille: kom diu state,
si schieden sich ze jungest mit minnen.


Dô der guote Wernhart
an dise welt geborn wart,
dô begónde er teilen al sîn guot.
dô gewán er Rüedegêrs muot,
Der saz ze Bechelaere
und pflac der marke menegen tac.
der wart von sîner vrumecheit sô maere.


Steinsberc die tugende hât,
daz ez sich nieman erben lât
wan ein, der ouch êren pfligt.
dem strîte hât ez an gesigt.
Nû hât ez einen erben:
der werden Oetingaere stam
der wil im sînen namen niht verderben.


Wan seit ze hove maere,
wie gescheiden waere
Kerlinc unde Gebehart.
sie liegent, sem mir mîn bart.
Zwêne brúoder die gezürnent
und underziunent den hof,
si lânt iedoch die stigelen unverdürnet.


Mich müet daz alter sêre,
wan ez Hérgêrè
alle sîne kraft benam.
ez sol der gransprunge man
Bedenken sich enzîte,
swenne er ze hove werde leit,
daz er ze gwissen herbergen rîte.


Wie sich der rîche betraget!
sô dem nôthaften waget
dur daz lant der stegereif.
daz sich zu bûwe niht engreif,
Dô mir begonde entspringen
von alrêst mîn bárt,
des muoz ich nû mit arbeiten ringen.


Weistu, wie der igel sprach?
«vil guot ist [guot ist] eigen gemach.»
zimber ein hûs, Kerlinc.
dar inne schaffe dîniu dinc.
Die hêrren sint erarget.
swer dâ heime niht enhât,
wie maneger guoter dinge der darbet.


Swíe dáz wéter tuo,
dér gást sol wesen vruo.
der wirt hât truckenen vuoz
vil dicke, sô der gast muoz
Die herberge rûmen.
swer in dem alter welle wesen
wirt, der sol sich in der jugent niht sûmen.


Ez was ein wolf grâwe
und ein man alwaere.
diu liute wolten slâfen,
er lie den wolf zen schâfen.
Do begíenc er in der stîge,
daz man in des morgens hienc
und iemer mêre sîn künne ane schrîet.


Ein wolf und ein witzic man
sazten schâchzabel an,
si wurden spilnde umbe guot.
der wolf begonde sînen muot
Nâch sînem vater wenden.
dô kom ein wider dar gegân,
dô gap er beidiu roch umbe einen venden.


Ein wolf sîne sünde vlôch,
in ein klôster er sich zôch,
er wolde geistlîchen leben.
dô hiez man in der schâfe pflegen.
Sît wart er unstaete.
dô beiz er schâf unde swîn.
er jach, daz ez des pfaffen rüde taete.


«Ez mac der man sô vil vertragen»,
hôrt ich Kerlingen sagen,
«daz man in deste wírs hât ».
sô wirt sîn sus vil guot rât,
Ist er widersaeze.
zwêne húnde striten umbe ein bein,
dô truoc ez hin ze jungest der raeze.


Zwêne húnde striten umbe ein bein
dô stuont der boeser unde grein.
waz half in al sîn grînen?
er muostez bein vermîden.
Dér ánder truoc ez
von dem tische hin ze der tür.
er stuont zuo sîner angesiht und gnuoc ez.


Er ist gewaltic unde starc
der ze wîhen naht gebórn wárt.
daz ist der heilige Krist,
jâ lobt in allez, daz dir ist,
Niwan der tievel eine.
dur sînen grôzen übermuot
sô wart im diu helle ze teile.


In der helle ist michel unrât.
swer dâ heimüete hât,
diu sunne schînet nie sô lieht,
der mâne hilfet in nieht
Noch der liehte sterne.
jâ müet in allez, daz er siht.
jâ waer er dâ ze himel alsô gerne!


In himelrîch ein hûs stât,
ein guldîn wec dar in gât,
die siule die sint marmelîn,
die zieret unser tréhtîn
Mit edelem gesteine.
dâ kúmpt níeman in,
ern sî vor allen sünden alsô reine.


Swer gerne zuo der kirchen gât
unde âne nît stât,
der mac wol vroelîchen leben.
dem wirt ze jungest gegeben
der engel gemeine.
wol in, daz er íe wárt!
ze himel ist daz leben alsô reine.


Ich hân gedienet lange
leider einem manne,
der in der helle umbe gât.
der brüevet mîne missetât.
Sîn lôn der ist boese.
hilf mir, heiliger geist,
daz ich mích von sîner vancnisse erloese.


Mich hungerte harte.
ich steic in einen garten.
dâ was obez innen,
des moht ich niht gewinnen.
Daz kom von unheile.
dicke wégt ích den ast.
mir wart des óbezès nie niht ze teile.


Swâ ein gúot bóum stât
und zweier hande obez hât,
beide süez unde sûr,
sô sprichet ein sîn nâchgebûr:
«Wir suln daz obez teilen.
wirt ir einez drunder vûl,
ez bringet uns daz ander ze leide.»


Swel man ein gúot wîp hât
unde zeiner ander gât,
der bezeichent daz swîn.
wie möht ez iemer erger sîn?
Ez lât den lûtern brunnen
und leit sich in den trüeben pfuol.
den site hât vil manic man gewunnen.


Ein man sol haben êre
und sol iedoch der sêle
under wîlen wesen guot,
daz in dehein sîn übermuot
Verleite niht ze verre,
Swenne er urloubes ger,
daz ez im an dem wege niht enwerre.


Kórn sâte ein bûman,
dô enwolte ez niht ûf gân.
ime erzornte daz.
ein ander jâr er sich vermaz,
Daz erz ein egerde lieze.
er solde ez ime güetlîche geben,
der dem andern umbe sîn dienest iht gehieze.


Crist sich ze marterenne gap,
er lie sich legen in ein grap.
daz tet er dur die goteheit.
dâ mite lôste er die cristenheit
Von der heizen helle.
er getuot ez niemer mêr.
dar an gedenke, swér sô der welle.


An dem ôsterlîchen tage
dô stuont sich Crist von dem grabe.
künic aller keiser,
vater aller weisen
sîne hántgetât erlôste.
in die helle schein ein lieht:
sô kom er sînen kinden ze trôste.


Wúrzè des waldes
und érzè des goldes
und elliu abgründe
diu sint dir, hêrre, künde,
Diu stênt in dîner hende.
allez himelschlîchez her
ez enmöhte dich niht volloben an ein ende.


Güsse schadent dem brunnen,
sam tuot dem rîfen diu sunne,
sam tuot dem stoube der regen.
armuot hoenet den degen.
Sô schadet ouch dem jungen man, wil er ze vil gehalten.
triuwe unde wîser rât daz zieret wol den alten.


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