Friedrich Rückert

Gesammelte Poetische Werke in zwölf Bänden, Erster Band, 1868
Erste Abtheilung, Lyrische Gedichte, Erstes Buch, Zweites Kapitel
Zeitgedichte 1814 1815


Kriegsruf


Du Ackermanns-Geschlechte,
Willst du nicht lassen den Pflug?
Du hast dich zum Knechte
Geackert lang genug.

Nimm deinen Pflug,
Schmiede Schwerter klug,
Pflüg' deinem Feinde, dem Wicht,
Furchen in's Angesicht.

Laßt euren Stab, ihr Hirten;
Eure Lämmer, die verirrten,
Suchet sie nicht, dazu ist Zeit,
Wann ihr selbst erst geborgen seid.

Theurer als das Eigenthum
Ist Seel' und Leib;
Theurer ist Kind und Weib,
Und theurer noch ist der Ruhm.

Seht ihr eure alten Tannen,
Wie sie noch steh'n so hoch?
Wo seid ihr doch,
Ihr alten Mannen?

Der Feind ist im Lande,
Euer Weib ist die Schande,
Der Bastard euer Sohn;
Blut tilgt Hohn.

Das Land zu verjüngen,
Das ausgesaugte, ist gut;
Auf, es zu düngen,
Mit Feindesblut!


Freiheitslied


Zittr', o Erde, dunkle Macht,
Bis zum Abgrund nieder
Der Gedank' ist aufgewacht,
Schüttelt sein Gefieder,
Will geflügelt dir entflieh'n,
Wenn du nicht wirst fesseln ihn;
Sprich ob du's wirst können!

Wie des Kerkers Fuge kracht,
Wenn von einem Blitze
Dem, der drinnen liegt in Nacht,
Wird gezeigt die Ritze;
Wie das Haupt die Hoffnung hebt,
Und der Geist zur Freiheit strebt,
Und entfleugt den Mauern,

Wie im Arm der Buhlerinn
Einer liegt versunken,
Ihm durch den berauschten Sinn
Plötzlich zuckt ein Funken,
Daß er dort, wo Engel geh'n,
Sieht die reine Liebe steh'n,
Die ihm aufwärts winket:

Zittr' o Erde, dunkle Macht,
Bis zum Abgrund nieder;
Der Gedank' ist aufgewacht,
Schüttelt sein Gefieder,
Will geflügelt dir entflieh'n,
Wenn du nicht willst fesseln ihn;
Sprich, ob du's wirst können!


Ode


Brünstige Nachtigall,
Die du aus schwangerer Seele
Deinen Sohn, den Schall,
Gebierst, o Liederkehle!
Deine Lieder sind schön,
Wenn ihr schwellend Getön,
Ein in Liebe getauchet,
Um sich Liebe verhauchet:

Ich beneide sie nicht;
Denn mit anderen Zungen
Soll mein ernstes Gedicht
Reden, höher entschwungen.
Denn die Lieb' ist wohl gut,
Wenn zu zweien sie ruht,
Unter'm Dache der Myrten,
Die Hirtin bei dem Hirten:

Edeler ist ein Band,
Welches viele umschlinget,
Wenn ein geistiger Brand
Tausend Herzen durchdringet;
Wenn in einen Leib,
Gleich wie Mann und Weib,
Unter der Eintracht Schatten
Ganze Völker sich gatten.

D'rum segn' ich mein Geschick,
Daß es nicht hat in Wehen
Mir geschlossen den Blick,
Bevor ich solches gesehen;
Daß ich ohne Neid
Darf mustern jegliche Zeit,
Weil in hellestem Scheine
Vor jeder strahlt die meine.

Denn Deutschlands Völkerstamm.
War groß von Anbeginne.
Erst der Freiheit Damm,
Dann der Herrschaft Zinne;
Endlich durch Himmelsgunst
Zum Gipfel jeglicher Kunst
Ist es empor gestiegen,
Um auch durch Geist zu siegen.

Aber wenn der Geist
Seine Schwingen entfaltet,
Sinkt der Leib zumeist
Nieder, und erkaltet.
Derweil mein Volk mit Fleiß
Alles erkennt und weiß,
Hat es eines vergessen,
Was es hätte sollen ermessen:

Daß ein Volk es ist!
Daher ist es gekommen,
Daß in kürzester Frist
Der Fremde die Macht genommen:
Die Glieder und das Haupt
Waren einander geraubt;
So konnte das nicht sehen,
Und die nicht widerstehen.

Wie war dein Fall so tief!
Aber als entthöret
Dein Herz zum Himmel rief,
Hat er dich gehöret;
Jetzt singest du Triumpf!
Des Feindes Kling' ist stumpf,
Und sich in Eingeweiden
Fühlt er die deine schneiden.

Schön in einiger Kraft
Fügt nicht fest und fester
Eine Völkerschaft
Sich zur andern als Schwester?
Soweit Himmelsthau
Fällt auf deutsche Au,
Seh' ich, kampfentzündet,
Alle Herzen verbündet.

Riesenhaftig groß
Wächst meines Volkes Jugend,
Ein eherner Koloß
Gliederstark sich fugend;
An des Krieges Gluth
Wird zu Stahl sein Muth,
Stets inniger sich verschmelzend,
Tod auf die Feinde wälzend.

Doch nicht blos im Kampf
Sei der Eintracht Dauer,
Wo zuckt im Arme der Krampf,
Im Herzen fiebrischer Schauer;
Wann, Gesundheit-gleich,
Kehrt des Friedens Reich,
Dann erst soll in Reinheit
Sich recht bewähren die Einheit.

Denn nicht mit Speeren allein
Wird der Feind geschlagen;
Und nicht kann es gedeih'n,
Von den Gränzen ihn jagen.
Aber wenn in der Brust
Bleibt wohnen krieg'rische Lust,
Um auch im Frieden zu streiten,
Das schlägt ihn auf ewige Zeiten.

Darum, wer sich als Mann
Zu Deutschlands Ruhm will gesellen,
Soll stets für sich fortan
Dies Paar von Kämpfern stellen:
Einen gewaltigen Haß,
Kriegend ohn' Unterlaß,
Und eine mächtige Liebe
Von nie ruhendem Triebe.

Künftig sollen vereint
Stehen alle die Hasse
Als Gränzhut gegen den Feind,
Daß er davor erblasse;
Aber die Lieben all
Sollen in buntem Schwall
Auf heimischen Gefilden
Ein Volk von Brüdern bilden.

Wie in der alten Zeit
Patriarchengeschlechte,
In großer Einigkeit,
Herr, Weib, Kinder und Knechte,
Nur von Gesetzen regiert,
Die die Natur gebiert,
Wohnten gleich ihren Heerden:
So soll es wieder werden.

Die von Ursprung aus
Einer Mutter entstammen,
Als ein großes Haus
Sollen sie wohnen beisammen;
Als Bruder soll ein Stand
Reichen dem andern die Hand,
Und der Fürst sei der Vater,
Des Hauses Oberberather.

Die ihr Scepter führt,
Wisset, daß ihr Kinder
Beherrschet, welchen gebührt
Gehorsam, doch nicht blinder:
Mündig ist das Geschlecht,
Darf fragen nach seinem Recht;
Rechnet's ihm nicht zum Verbrechen,
Wenn's mit d'rein will sprechen.

Ihr Völker aber bedenkt,
Daß wenn nicht die Zäume
Ein fester Arm euch lenkt,
Ihr schweift in irre Räume:
Volksherrschaft ist nicht gut,
Schlimm Herrscher aus fremdem Blut:
Am besten vor Fürsten, gezeuget
Aus eigenem Stamm, sich gebeuget.

In dem großen Verband,
Welcher Staat sich nennet,
Zu achten ist jeglicher Stand,
Der seine Pflicht erkennet.
Du Pflüger, der du zu tiefst
Stehst und von Schweiße triefst,
Du streust in aller Namen
Der Wohlfahrt ersten Samen.

Du nimmst zuerst aus dem Grund
Die Frucht und reichst sie weiter,
Die bis zu des Königes Mund
Aufsteigt auf langer Leiter;
Dir unter den Händen reift
Der rohe Stoff; dann greift
Ihn an mit Zangen die Gilde,
Daß sie ihn mannichfach bilde.

Es wird der Edelstein
Veredelt unter'm Schliffe,
Und köstliche Spezerei'n
Werden verführt vom Schiffe:
Zuletzt läuft alles Gut,
Das kreist auf irdischer Flut,
Ein in den Hafen des Geistes,
Und sein Eigenthum heißt es.

Denn was jegliche Zunft
Hat geschafft und gewonnen,
Wird von des Denkers Vernunft
In geistige Fäden gesponnen:
All andres ist Hand und Fuß,
Das rühren und regen sich muß;
Er in seiner Stirne
Trägt des Volkes Gehirne.

Es ist gut und ist recht,
Daß verschiedene Kräfte
Im großen Staatsgeflecht
Sind, jede für eigne Geschäfte,
Wie an einem Haus
Zum Behuf des Bau's
Mannichfache Gewerke
Prüfen ihre Stärke.

Jedem hat Gott zur Hand
Gegeben ein Handwerksgeräthe,
Wenn mit Geschick und Verstand
Er stets den Dienst nur thäte:
Jeder soll führen seins
Wo's Noth thut, alle eins,
Des Staatbau's gründlichsten Hebel,
Den Degen oder den Säbel.

Nicht nur wer obenauf
Setzt des Baues Zinnen
Oder der Säulen Knauf,
Soll Lob und Preis gewinnen;
Gelobt soll jeder sein,
Wer da, groß oder klein,
Arbeitet im tiefsten Gemache,
Oder auf höchstem Dache.

Denn wenn der nicht käme mit Sand,
Und nicht jener mit Kalke,
So stünde nicht diese Wand,
Und läge nicht jener Balke:
Aus dem kleinsten setzt
Sich großes zusammen zuletzt,
Und keins darf fehlen von allen,
Wenn nicht das Ganze soll fallen


Gott und die Fürsten


Napoleon, von Kaiserthronen
Gestürzt auf Elba's nackten Sand!
Seht her, der Erde Nationen,
Seht, und erkennet Gottes Hand.
Ihn hat der Herr im Zorn gerichtet,
D'rum liegt er so in Schmach vernichtet.

Der große Bund der Fürsten kämpfte
Wohl mit dem Argen brav und gut;
Allein der Thau der Großmuth dämpfte
Der Rache so gerechte Gluth.
Sie dachten's friedlich zu entschürzen;
Doch Gott gedacht' ihn ganz zu stürzen.

»Du bist gekehrt von Moskows Brande,
Von argen Niederlagen wund;
Da steh'n die Völker aller Lande
In niegeseh'nem Rachebund;
Doch komm, wir wollen Frieden schließen,
Dabei dir noch soll Lorbeer sprießen.«

Das war das erste Wort der Fürsten,
Doch ihn umflocht der Gotteswahn,
Es trieb ihn seines Hochmuths Dürsten
Noch einmal auf die blut'ge Bahn;
Denn im Verhängniß stand's geschrieben:
Er soll noch besser sein zerrieben.

»Du siehest, wie bei Leipzig deine
Gewalt die letzte Schwinge brach;
Du fliehst gelähmet nach dem Rheine,
Und unsre Schaaren folgen nach;
Doch komm, und mache mit uns Frieden,
Ein rühmlicher sei dir beschieden.«

Das war das zweite Wort der Fürsten.
Doch ihn umflocht der Gotteswahn,
Es trieb ihn seines Hochmuths Dürsten
Noch einmal auf die blut'ge Bahn;
Denn im Verhängniß stand's geschrieben:
Er soll noch besser sein zerrieben.

»Du hast in deinem eignen Lande
Empfunden unsres Zornes Gluth;
Brienne, deine Wieg', im Brande!
Laß ab von der bethörten Wuth;
Wir wollen dir noch Friede gönnen,
Bei welchem du sollst herrschen können.«

Das war das dritte Wort der Fürsten.
Doch ihn umflocht der Gotteswahn,
Es trieb ihn seines Hochmuths Dürsten
Noch einmal auf die blut'ge Bahn;
Doch im Verhängniß stand's geschrieben:
Jetzt soll er völlig sein zerrieben.

Ihr Fürsten, zeiget ihr noch weiter
Anstatt des Schwert's den Heroldstab?
Führt in die Feldschlacht eure Streiter,
Und ruft die Friedensboten ab!
Ich fürchte, daß der Herr euch grollet,
Wenn ihr noch länger schonen wollet.

Den Frevler vor dem Sturz zu warnen,
Gibt Gott, der Herr, dreimal'ge Frist;
Da muß der Wahnsinn ihn umgarnen,
Bis sie umsonst verlaufen ist:
Dann faßt ihn an ein plötzlich Zagen,
Wann er hört seine Stunde schlagen.

Und also ist es denn geschehen,
Daß wie von einem Wetterschlag,
Eh' man die Hand hat zucken sehen,
Der, den sie traf, am Boden lag;
Und wir bekennen laut und offen:
Es ist der Herr, der ihn getroffen.

Der Herr hat ihn gefaßt beim Schopfe,
Geschleudert ihn vom goldnen Stuhl,
Gleich einem stauberzeugten Tropfe,
Nicht in den Staub, nein, in den Pfuhl.
Verloren hat er Ehr' und Kronen;
Nun, seines Lebens mögt ihr schonen.


Der grüne Zweig

Deutscher General

Ihr deutschen Grenadier',
Weil ihr nunmehr seid in Frankreich,
So schmückt das Haupt euch allzugleich
Mit grüner Zweige Zier;
Brecht sie euch ab allhier.

Deutscher Grenadier

Ihr Brüder, eilt euch doch,
Brech' jeder sich den grünen Zweig,
Und schmückt euch rechten Siegern gleich;
Ruft alle Deutschland hoch!
Und hoch der grüne Zweig!

Der Franzos

Mein deutscher Herr Gen'ral!
Es tragen eure Leut' zum Putz
Viel grüne Zweig' auf ihrem Mutz;
Mein deutscher Herr Gen'ral,
Geschieht uns das zum Trutz?

Deutscher General

Mein bester Herr Franzos!
Nein gar nicht euch zum Trutz geschichts;
Die grünen Zweig' bedeuten nichts,
Es sind Feldzeichen blos,
Nicht Siegeszeichen groß.

Deutscher Grenadier

Hört ihr des Feldherrn Wort?
Ihr lieben deutschen Grenadier',
Werft ab von euch die eitle Zier;
Die Zweige sind verdorrt
Durch dieses einz'ge Wort

Der Franzos

Ihr Deutschen, euer Glück
Ist dieses, daß ihr selber thut
Die grünen Zweig' von eurem Hut.
Wir rissen sonst in Stück'
Die Zweig' euch sammt dem Hut.

Deutscher Grenadier

Franzosen, euer Glück
Ist dies, daß man's uns nicht erlaubt;
Eh' ihr die Zweig' uns riss't vom Haupt,
Rissen wir euch in Stück',
Wenn es uns wär' erlaubt.

Deutscher General

Damit nicht einen Strauß
Es mit dem grünen Zweig noch setzt;
Soldaten, macht euch fertig jetzt,
Wir zieh'n nunmehr nach Haus,
Weil doch der Krieg ist aus.

Tambur

Weil wir nun ziehen heim,
So rühr' ich meine Trommel gleich;
Ihr Brüder, von dem grünen Zweig
Singt heimwärts einen Reim;
Ich schlag' den Takt zugleich

Die Soldaten

Als Sieger in Frankreich
Sind wir gezogen, hocherfreut,
Wir freuten uns auf reiche Beut':
Was ist die Beut' nun gleich?
Nicht mal ein grüner Zweig.

Als Sieger in Frankreich
Sind wir gezogen stolz und kühn,
Umlaubt vom Zweig der Hoffnung grün;
Wo ist der Stolz nun gleich?
Wo ist der grüne Zweig?

Als Sieger aus Frankreich
Zieh'n wir nach Haus, doch bringen wir
Kein' grünen Zweig, o Deutschland, dir;
O liebes deutsches Reich,
Kommst auf kein' grünen Zweig.


Des heimkehrenden Kriegers Schmachlied


Sechs Monat ist's, seit ich die Fluth
Des Rheinstroms überschritt,
Und bracht' auf Jahr lang Grimm und Wuth
Hieher aus Deutschland mit.

Eh' ich den Vorrath aufgebraucht,
Ist schon der Friede da;
So muß der Grimm nun unverraucht
Zurück nach Deutschland ja.

Wohlan, hier ist die Scheidewand,
Tritt sanfter auf, mein Fuß
Ich grüße dich, mein Vaterland,
Froh, obgleich mit Verdruß.

Aus deinem Schooß den ersten Stein
Nehm' ich, und schleud're frei
Von hier nach Frankreich ihn hinein,
Daß er mein Denkmal sei.

Und wenn sein Fall auf welschem Grund
Noch einen Halm zerknickt,
So sag' ich es mit lautem Mund,
Daß es mein Herz erquickt.

Dir aber, o mein Vaterland,
Dir sag' ich's zürnend an,
Was Schmach im fremden Land ich fand,
Was Schmach mir ward gethan. -

Daß zwanzig Jahr der Uebermuth
Des fremden Volks mit Spott
Dich trat, und sog dein Herzensblut;
Das weißt du selbst und Gott.

Hast's, Mutter, nicht gefühlt mit Gluth
In deiner kalten Brust?
Und ich, dein Kind, hab' heißes Blut,
Zwiefach ich's fühlen mußt.

D'rum als in Flammen-Morgenroth
Der Tag der Rach' anbrach;
Da zog ich aus zu Kampf und Tod,
Zu rächen jene Schmach.

Mir stand vor'm Blick als letztes Ziel
Der doppelte Triumph:
Das Räubernest der Flamme Spiel!
Des Räubers Haupt vom Rumpf!

Wer hat verrückt mir dieses Ziel?
Geraubt mir den Triumph?
Darob in Staub mein Siegsmuth fiel,
Und meine Kling ward stumpf.

Hoch stand ich an der Raubstadt Thor,
Die Fackel schwang ich dräu'nd;
Da zog man einen Vorhang vor,
Und ich stand da als Freund.

Wie soll ich denn dein Freund nun sein,
Du Franzmann, voll von List?
Und fühl' ich's doch durch Mark und Bein,
Daß du mein Erbfeind bist.

Rühr' ich die neue Freundesschwell',
Und tret' als Gast in's Haus;
So guckt aus allen Winkeln hell
Der Haß als Wirth heraus.

Den Becher, den zum Trunk er reicht,
Hat er mir selbst geraubt;
Und die er beut, die Hand, vielleicht
Schlug meines Vaters Haupt.

Setz' auf die Straß' ich meinen Tritt,
Weicht da der Haß wohl? Nein!
Er folgt, und stößt bei jedem Schritt
Den Fuß an einen Stein.

Was ist das für ein Säulen-Thurm?
Und d'ran steht Austerlitz!
Wird denn mein Odem nicht ein Sturm?
Und nicht mein Blick ein Blitz?

Und diese Brück' auf welschem Fluß,
Nach deutscher Stadt genannt!
Kann sie zerstampfen nicht dein Fuß?
Zerbröckeln deine Hand?

Nennt ihr noch Namen meiner Schmach,
Und zeigt darauf mit Hohn?
Ihr seid ja wohl, wie vor so nach,
Die große Nation!

Sie wollen noch besiegt nicht sein,
Und sind auch nicht besiegt;
Sie sind's nicht, bis zerrieben klein
Ein Staub ganz Frankreich liegt.

Doch, Großmuth du, mit deiner Mild'
Und Schonung hast's gemeint
Zu thun! Ja, Großmuth, wo es gilt!
Was Großmuth solchem Feind?

Der Feind ist nicht gedämpft, und nicht
Das Vaterland versöhnt.
Es zürnt', und er in's Angesicht,
O seht, wie er euch höhnt.

Hat er nicht Friedrichs Degen dir,
O Preuß', in Wuth zerstückt?
Nicht dir, o Oestreichs Grenadier,
Den Zweig am Hut zerpflückt?

Weil ihm das Geld im Seckel blieb,
Das er dem Deutschen stahl;
Gab er wohl seinem Gast, der Dieb,
Dafür ein Abschiedsmahl?

Zum Abschied zuckt' er einen Dolch,
Und sang ein Spottlied nach;
Und ihr ruft Schonung nur dem Molch,
Und eurem Volk nur Schmach.

»Um ihn zu schonen, soll durch's Land
Eilfertig zieh'n das Heer!
Wann es zur Gränze kommt, hält's Stand,
Und zieht dann langsamer!«

O Schmach, und durch die Dörfer muß
Geschlossen zieh'n der Zug;
Wenn einer fehlt, nie fehlt der Schluß,
Daß ihn ein Bau'r erschlug.

Wird unser Siegszug denn zur Flucht?
Ganz Frankreich höhnt uns nach;
Und, Elsaß, du entdeutschte Zucht,
Höhnst auch, o letzte Schmach!

Fühlst, Mutter, du's durchzucken nicht
Dein steinernes Gebein?
Dem Grimm, der aus dem Sohn hier spricht,
Kannst du ihm zürnen? Nein!

Doch zürnst du ihm, so schleuß dein Ohr,
Und höre nicht mein Wort;
Doch ich zu meiner Hütte Thor
Trag' meinen Grimm mit fort;

Und ruf' es jeden Tag mir zu,
Nachts ruft der Traum es nach:
In Frankreich, deutsches Herz, hast du
Noch ungeroch'ne Schmach.


Wo Feldmusik und Küraß her?


Wo habt ihr her die Feldmusik,
So klingend überaus?
Ihr seid doch ohne die Musik
Von hier gezogen aus.

Wo habt ihr her die Kürass' auch
So glänzend überaus?
Ihr seid doch ohne Kürass' auch
Gezogen aus dem Haus.

Ja, ohne Küraß zogen wir,
Und ohne Klang und Spiel;
Denn diesmal galt's nicht blanke Zier,
Es galt diesmal kein Spiel.
Der Muth, der uns're Brust gestählt,
War unser Küraß frei;
Und: Gott mit uns! Kein Feind gezählt!
War unser Feldgeschrei.

So zogen wir durch Deutschland hin,
Und so in Frankreich ein;
Und selber kam's uns nicht in Sinn,
Daß es sollt' anders sein.

Doch wann einmal geschlagen wahr,
Und Ruh' ein Augenblick;
Da nahmen wir der Muße war,
Und lernten Kriegsmusik.

Und wenn der Feind zu Haufen lag,
Und Kürass' hatt' am Bauch;
So nahmen wir sie ihm sonach,
Und hatten Kürass' auch.

Der Küraß saß nicht minder gut,
Weil man vom Feind ihn nahm;
Und die Musik klang noch so gut,
Weil sie von selber kam.

Ob wohl, wenn uns der König sieht,
Er uns noch kennen wird,
Wenn er uns so verwandelt sieht,
Von Glanz und Klang umklirrt?

Ich denke, einen Augenblick
Stutzt er, dann fraget er:
Ihr Kinder, wo die Feldmusik,
Wo denn die Kürass' her?

Mein König, dieses ist nicht schwer;
All beides von dem Feind! -
Dann, denk' ich, Brüder, lächelt er
Vor Freuden, oder weint.


Das Glücksroß


Es will zu seinem Haufen
Der Jäger zieh'n in's Feld;
Allein ein Roß zu kaufen,
Hat er gar wenig Geld.

Vor'm Thore steht ein Fahler,
Der wäre gut genug,
Allein für fünfzig Thaler
Kriegt man ihn nicht mit Fug.

Da sprengt auf schönem Thiere
Ein fremder Mann heran:
»Nimm das hier und probiere,
Ob es dir stehet an.«

»Was hilft's? für fünfzig Thaler
Kauft man kein solches Pferd.
Das Pferd für den Bezahler
Ist ja fünfhundert werth.«

»So kannst du's doch probieren!«
Da steigt der Jäger auf;
Auf zweien und auf vieren
Probt er's zu Sprung und Lauf.

Es spricht der Mann: »Schön passen
Zusammen Roß und Held;
Ich will das Roß dir lassen.«
»Wie? für das Lumpengeld?«

»Nein! Mir zum Angedenken.«
Das Roß das bäumt sich sehr;
Wie jener es will schwenken,
Sieht er den Mann nicht mehr.

Nun, Rößlein ohne Mängel,
Geschwind mit mir zur Schlacht!
Dich hat gewiß ein Engel
Vom Himmel mitgebracht


Auch ein Held


Wir kleine freiwillige Schützenschaar,
Wir haben auch unsern Helden fürwahr,
So gut als wie die großen,
Die uns wie nichts verstoßen.

Wir kleine freiwillige Schützenschaar,
Wir haben auch 'nen Helden und das ist wahr,
Der läßt sich nicht verdrießen,
Dem Feind in die Scheibe zu schießen.

Wir freien Schützen, wir standen vor Mainz,
Wir standen aber davor nicht alleins;
Es standen aus vielen Landen
Viel andere noch, wo wir standen.

Wir freien Schützen, da steh'n wir vor Mainz,
Hier ist kein Ruhm zu gewinnen, scheint's;
Es wird kein Blut nicht vergossen,
Es wird nicht gehau'n noch geschossen.

Ihr freien Schützen, und ob's euch verdrießt,
Ich sag's euch, daß mir keiner schießt;
Das Schießen ist verboten
Mit Kugeln und auch mit Schroten.

Da stand wohl unser Schützenheld
Auf einem Posten postirt im Feld,
Ihm stand in langer Hose
Gegenüber ein Franzose.

Da kam dem Herrn Franzosen es an,
Mit Hohn zu begegnen dem deutschen Mann;
Er zieht die Hosen vom Leibe,
Und zeigt ihm die nackende Scheibe.

O freier Schütze, es ist nicht Noth,
Daß du jetzt haltest das Gebot;
O laß dich's nicht verdrießen,
Keck in die Scheibe zu schießen.

Den freien Schützen, da faßt ihn der Grimm,
Da geht es dem Herren Franzosen schlimm;
Er schießt ihm keck in die Scheibe,
Daß er nicht Hohn mehr treibe.

Der Franzmann hinkt mit Schmach nach Haus,
Der freie Schütz' ist stolz garaus;
Gar über sein Verhoffen
Hat ihn solch Glück betroffen.

O freier Schütze, dir ist es geglückt,
Daß du die Büchse hast abgedrückt,
Und nach solch einem Ziele,
Wie außer dir wohl nicht viele.

O freier Schütze, dir ist es geglückt,
Daß du allein dich mit Ruhm hast geschmückt;
Wir alle müssen, wir andern,
Nach Hause ruhmlos wandern.

O freier Schütze, wir bitten darum,
Mit deinen Kam'raden theile den Ruhm,
Damit wir, mit Ehre zu melden,
Doch haben auch einen Helden.

Du Schütze, du Held im ersten Glied,
Wir singen auf dich dies Heldenlied,
Doch machen wir's zum Bedinge,
Daß es kein and'rer uns singe.


Johanna Stegen


In den Lüneburger Thoren
Ward ein selt'ner Kampf geseh'n;
Daß der Kampf nicht ging verloren,
Ist durch Mädchendienst gescheh'n.

Bürger griffen zu den Waffen,
Der Franzosen arge Brut
Aus der Stadt hinauszuschaffen,
Weil sie d'rin gehaust nicht gut.

Wie sie gegenüber standen,
Schossen sie nun hin und her,
Bis die städt'schen Schützen fanden
Ihre Taschen pulverleer.

Aber seht, es ist ein Engel
Unterwegs mit schnellem Fuß,
Zu ersetzen eure Mängel
Von des Feindes Ueberfluß.

Ein französcher Pulverwagen
Lag gestürzt an fernem Ort,
Und verstreut am Boden lagen
Haufen von Patronen dort.

Dieses ward ein Mädchen inne,
Die Johanna Stegen hieß,
Die es mit entschloss'nem Sinne
Nicht zu nutzen unterließ.

In die aufgefaßte Schürze
Raffte sie behendlich ein,
Trug die köstlich theure Würze
Ihnen in das Glied hinein.

Schnell geleeret ward die Schürze
Und verschossen auf den Feind,
Dem die eigne gute Würze
Uebel zu bekommen scheint.

Schnell geleeret war die Schürze,
Und Johanna schnell zu Fuß
Wieder fort, und in der Kürze
Wieder da mit Ueberfluß.

Ob auch mancher Schütze stürze
In der Nähe dort und da,
Immer mit der vollen Schürze
Ist Johanna Stegen nah.

Wie auch dichter Kugelregen
Von dem Feinde rings geschah,
Immer ist Johanna Stegen
Mit der vollen Schürze nah.

Und so ist zuletzt geschehen,
Was da zu vermuthen war,
Daß der Feind nicht länger stehen
Konnte vor der Bürgerschaar.

Denn sie sagen, jeder Jäger
War im Laden so geschwind,
Wie natürlich, wo die Träger
Der Patronen Mädchen sind.

Und ein Schuß so gut geladen
Mußte treffen so an's Ziel,
Daß von jedem ohne Gnaden
Immer ein Franzose fiel.


Der Unteroffizier Auguste Friederike Krüger


Dieser Unteroffizier,
Mädchen wie gefällt er dir?
Seine Farben steh'n ihm gut,
Und sein kriegerischer Hut;
Und er schaut so muthig d'rein:
Mädchen, hast ihn Lust zu frei'n?
Mädchen, laß es bleiben.

Dieser Unteroffizier,
Wie ein Mann steht er allhier;
Wenn er seinen Rock zieht aus,
Wird, o weh, ein Mädchen d'raus;
Und wer irgend ihn will frei'n,
Darf fürwahr kein Mädchen sein.
Das sind Wunder Gottes.

Dieser Unteroffizier
War ein Mädchen, so wie ihr;
Aber als der Krieg begann,
Macht' es sich zu einem Mann;
Weil's die Schneiderei verstand,
Macht' es sich ein Mannsgewand,
Zog als Mann zu Felde.

Dieser Unteroffizier
Focht mit rechter Mannsbegier,
Hat erfochten Wunden viel
Und ein eisern Kreuz am Ziel,
Andern Brautschatz auch, der klingt,
Den zum Heirathsgut sie bringt
Dem, der sie will freien.

Dieser Unteroffizier,
Wer ihn frei'n will, glaubet mir,
Muß ein tücht'ger Hauptmann sein,
Wenn der Handel soll gedeih'n.
Ei, ein Hauptmann bringt ihn schon
Zur Subordination,
Trotz dem Kreuz am Halse.


Braut Lenore


Ein schön französisch Mägdlein schaut
Des Nachts im Mondenscheine:
Hier lieg' ich arme junge Braut
In kalter Nacht alleine;
Mein Bräutigam, der mich betrog,
Von hier in's kalte Rußland zog.
Hast du die Lieb' erfroren
Zu Moskow vor den Thoren?

Da tritt es an ihr Bett heran,
Und spricht in dumpfen Tönen:
Thu' auf, daß ich mich wärmen kann!
Da wird's so weh der Schönen.
O weh, wo ist die Rechte dein?
Wo ist dein Arm? wo ist dein Bein?
Du bringst die süßen Glieder
Mir nicht zur Brautnacht wieder.

Mein rechter Arm der liegt im Schnee,
Mein linker Fuß im Eise.
Fein's Liebchen, auf vom Bette steh',
Und schicke dich zur Reise.
Wir reiten, eh' der Hahn erwacht,
Wir reiten hin in einer Nacht;
Du sollst mir meine Knochen
Im Schnee zusammen suchen.

O weh, ich weiß die Wege nicht,
Laß deine Knochen liegen,
Ich reite nicht im Mondenlicht,
Du wirst sie selbst schon kriegen.
Geh, und wenn du sie wieder hast,
So such' zu Nacht dir and're Rast,
Kalt ist's im Mondenscheine,
Ich schlafe gern alleine.


Der deutsche Großvater


Hör' zu, mein lieber Enkel,
Und häng' dein hölzern Schwert
Derweil an seinen Henkel;
Die Sach' ist redenswerth.

Gezogen ist dein Vater
Von hier zum Feind hinaus,
Begierig wie der Kater
Auf seinen Raub, die Maus;

Und ließ uns zwei bei'n Knechten
Daheim im Hinterhalt,
Weil du zu jung zum Fechten
Und, leider, ich zu alt.

Die Zeit uns zu vertreiben,
Komm, setz dich auf mein Knie,
Und laß uns durch die Scheiben
Seh'n auf die Gass' ─ o sieh!

Was zieht für ein Gewimmel
Von Volk das Haus vorbei;
Wohl Niemand als der Himmel
Weiß, wer ein Jeder sei.

Man sieht's an den Gewändern
Und an der Waffenart,
Daß sie aus gar viel Ländern
Zusammen sind geschaart.

Ich kenne wohl die Preußen,
Die Schweden auch zur Noth,
Das aber sind die Reußen
In Dunkelgrün und Roth.

Der mit dem großen Spieße
Auf seinem kleinen Gaul
Wenn der das Reiten ließe!
Doch scheint das Thier nicht faul.

Das nennt man die Kosacken,
Die dort, den Bart voraus,
Den Fitschepfeil im Nacken,
Seh'n wahrhaft heidnisch aus.

Anstatt zur Musik reiten
Im Takt sie zum Gesang;
Es klingt recht sanft von weiten,
Nah macht's doch fast mir bang.

Sie rufen durcheinander
Ganz unverständlich hohl:
Da klang's wie Alexander!
Das ist ihr Abgott wohl.

So zieh'n sie, fremden Schalles,
Und ihres Seins und Thuns
Ist nichts wie hier, und alles
Ganz anders als bei uns.

Am Karren selbst drei Rosse
Zieh'n nebeneinander gar,
Und hinten erst beim Trosse
Kommt wunderliche Schaar.

Kind, wenn du glaubst zu wissen,
Was ganz ich selbst nicht weiß,
Sag' mir, was hat gerissen
Die all' aus ihrem Gleis

Der Vogel, ungescheuchet,
Bleibt gern in seinem Nest;
Nicht springt das Reh und keuchet,
Wenn man in Ruh' es läßt.

Es ruhen Stier und Kälber,
Wenn nichts sie treibt in's Joch;
Die gift'ge Otter selber
Bleibt, ungereizt, im Loch.

Was hat denn diese Völker
In ihrer Ruh' verstört,
Daß sie als wie Gewölke
Sich drängen unerhört?

Hast du noch keinen Geier
Geseh'n, der sich entschwingt
Vor einem Haufen Schreier,
Der folgend ihn umringt?

Die Elstern allenthalben,
Die Dohlen zieh'n heran,
Sogar die frommen Schwalben
Auch nehmen Theil daran.

Die lärmenden Betäuber
Umschwärmen ihn mit Braus,
Und rupfen ihrem Räuber
Im Flug die Federn aus.

Er hat sie lang gereizet
Durch seinen Uebermuth,
Bis daß sie sich gespreizet,
Zu wehren seiner Wuth. ─

Die Vögel unter'm Himmel,
Mein Sohn, sie sind ein Bild
Von diesem Volksgewimmel,
Das unaufhörlich schwillt.

Die auch von einem großen
Würggeier and'rer Art
Aus ihrem Nest gestoßen,
Zieh'n gegen ihn geschaart.

Er rüttelte mit Pochen
An einem Wespenschwarm,
Der jetzt ist ausgebrochen,
Und bohrt in seinen Arm.

Gewachsen ist den Mücken
Ein Stachel kühn und dreist;
Auf scheuer Tauben Rücken
Fährt her ein heil'ger Geist.

Es speien Wuth und Flammen
Die Vöglein klein und kraus,
Und wachsen all' zusammen
Zu einem Vogel Strauß.

Der regt sein Kampfgefieder
Weit über alle Welt,
Dazu sich haben Glieder
Aus jedem Volk gestellt.

Dazu von der Welt Enden
Sind hergekommen die
Mit rauhgestruppten Lenden,
Und suchen and're hie.

Von diesem großen Strauße
Zu sein ein kleines Glied,
Du weißt, aus diesem Hause
Daß auch dein Vater schied.

Die Zeit scheint jung zu werden
Und ich bin alt genug;
Lang sah ich geh'n auf Erden
In gleichem Gleis den Pflug.

Daß nun in neuem Gleise
Der Pflug zum Schwerte wird,
Hat in der alten Weise
Mich Alten fast verwirrt.

Ich sah in meinen Tagen
Den großen Friedrich auch;
Der Feind ward auch geschlagen,
Allein nach ander'm Brauch.

Es galt die alte Regel:
Soldat in's Feu'r hinein,
Der Bauer mit dem Flegel
Sieht zu, und läßt es sein.

Die Regel schien zu fruchten
Nicht gegen diesen Feind,
Bis and'res sie versuchten,
Das anzuschlagen scheint.

Der Landsturm rief den Bauer,
Der schnell ein Kriegsmann ward;
Und künftig soll auf Dauer
Die Sitte sein bewahrt.

Mein Kind, ich selber lerne
Das neue Handwerk nicht;
Du aber lernst es gerne,
Mir sagt es dein Gesicht.

Ich schalt, wenn du mit Bolzen
Geschossen in die Thür,
Bleiklumpen eingeschmolzen,
Und wußtest nicht, wofür.

Ich will dir stören, Bube,
Nicht mehr dein krieg'risch Spiel,
Wähl' in der warmen Stube
Dem jungen Muth ein Ziel.

Geh, nimm das Schwert vom Nagel,
Und dort, der alte Tisch,
Darauf laß einen Hagel
Von Hieben regnen frisch.

Du kannst Franzos ihn taufen;
Spalt ihm's Gedärm im Bauch.
Er wird dir nicht entlaufen,
Und dich nicht fressen auch.

Kind, bitte Gott mit Machten,
Daß er den Vater schützt,
Der jetzt in ernsten Schlachten
Vielleicht sein Blut verspritzt.


Landsturmliedchen


Wer warst du? Ein Schneider,
Ich flickte französische Kleider.
Wer warst du? Ein Schuster,
Schnitt Schuh nach französischem Muster.
Nun denn, ihr beiden,
Was wollt ihr jetzt schneiden?
Mit Scheeren und mit Pfriemen
Französische Häute zu Riemen;
Solch' Handwerk will jetzt uns geziemen.

Wer warst du? Ein Bauer,
Ich pflügte meinen Acker,
Der Franzmann machte mir's sauer,
Hieß mich Hund und Racker.
Wie denkst du mit Glimpfe
Dich zu rächen am Schimpfe?
Der Ernte mußt' ich entrathen,
Die mir die Feinde zertraten:
Mäh'n will ich sie selber wie Saaten.

Mein Rock hat nicht viel Taschen;
In einer hier hab' ich mein Brot.
Sagt mir, in welche Taschen
Steck' ich das Blei, das mir Noth?
Steck's in Gottes Namen
In Eine Tasche zusammen.
Mög' es wohl behagen!
Dein Brot in deinem Magen,
Dein Blei dem Feind in den Kragen!

Der Feind hat Achselbänder,
Und geht in Golde pur;
Wir haben nicht schöne Gewänder,
Wir haben gar keine Montur.
Will das euch verdrießen?
Hinan mit den Spießen!
Stecht Feinde todt, mit ihren
Kleidern dann sollt ihr euch zieren
Gleichlauter Offizieren.


Unter Hauptmann Wasmer
(Für die Koburgischen Freiwilligen)


Ein Ruf ist erklungen
In freudigem Klang,
Von Alten und Jungen
Erwartet schon lang:
Es sollen frische Gesellen
Zu freien Jägern sich stellen
Unter Hauptmann Wasmer.

Der Wasmer, wer ist er?
Ich kenne ihn nicht.
Ein Biedermann ist er,
Wie Jedermann spricht.
Wir haben's alle vernommen,
Wir werden alle kommen
Unter Hauptmann Wasmer.

Ich habe schon Namen
Gelesen genug
Von denen, die kamen
Zu folgen dem Zug;
Sie sind gedruckt erschienen:
Wollt ihr nicht steh'n bei ihnen?
Unter Hauptmann Wasmer.

Sonst schaut man verwundert
In's Blättlein und spricht:
Da fehlen noch hundert,
Was kommen die nicht?
Ei, ihr müßt euch schämen,
Wollt ihr Dienst nicht nehmen
Unter Hauptmann Wasmer.

Der Herzog, der hohe,
Von Rußland ein Freund,
Ruft selber in's frohe
Gefecht mit dem Feind,
Will selber zieh'n mit den Fahnen;
Wir zieh'n auf seinen Bahnen
Unter Hauptmann Wasmer.

Auf, Brüder, zu heben
Die Arme vereint:
Der Herzog soll leben,
Und wer's mit ihm meint.
Und wer's mit ihm will meinen,
Der soll zum Kampf erscheinen
Unter Hauptmann Wasmer.


Unser's Hauptmann Wasmer's Tod


Süß ist es, im Schwertertanze,
In des Pulverdampfes Grau'n,
Fallend vor des Feindes Lanze,
Sterbend Sieg und Rache schau'n:
Solcher Tod im Himmelslicht,
Unser Hauptmann ward dir nicht.

Süß ist es vielleicht nicht minder,
Auf der heim'schen Lagerstatt,
Um sich habend Weib und Kinder,
Wo der Tod kein Schreckniß hat,
Sterben, Fried' im Angesicht:
Solcher Tod auch ward dir nicht.

Ach, ein schleichender Verräther,
Fieber mit der kalten Hand,
Hat dich, fern der Gruft der Väter,
Hier gestreckt auf fremdes Land,
Wo den letzten Kranz dir flicht
Liebe nicht und Ruhm auch nicht.

Wie zum Kampfe mit dem Leuen
Einer in das Feld auszieht;
Nicht schreckt ihn des Löwen Dräuen,
Wie er muthig vorwärts sieht,
Rückwärts eine Schlang' ihn sticht,
Und zum Löwen kommt er nicht.


Die Sachsen bei Miltenberg


Bei Miltenberg am Maine,
Wo die Sachsen ertranken,
Da geh'n im nächtlichen Scheine
Irrlichter, wo sie versanken.

Bei Miltenberg am Maine,
Wo man begrub die Sachsen,
Da sind um die Grabsteine
Schöne Blumen gewachsen.

Bei Miltenberg am Maine
Sah man den sächsischen Banner,
Gegen den Feind am Rheine
Hinabzuzieh'n begann er.

Bei Miltenberg am Maine,
Mit Waffen schön geschliffen
Wollten sie im Vereine
Ueber den Strom sich schiffen.

Bei Miltenberg am Maine,
Da sie schwebten in Schiffen
Allmitten auf dem Maine,
Hat sie der Strom ergriffen.

Bei Miltenberg am Maine
Sie haben Schiffbruch gelitten,
Sie sind versunken im Maine,
Sie haben am Rhein nicht gestritten.

Bei Miltenberg am Maine,
Die da versanken, die blieben,
Die ander'n zogen zum Rheine,
Und ließen zurück die Lieben.

Bei Miltenberg am Maine,
Da hat man aus dem Sande
Gelesen ihre Gebeine,
Und sie begraben am Strande.

Bei Miltenberg am Maine,
Und die man da nicht gefunden,
Die waren geschwommen zum Rheine,
Wo ihre Brüder stunden.


Die Gräber zu Ottensen

Erstes Grab

Zu Ottensen auf der Wiese
Ist eine gemeinsame Gruft;
So traurig ist keine wie diese
Wohl unter des Himmels Luft.

Darinnen liegt begraben
Ein ganzes Volksgeschlecht,
Väter, Mütter, Brüder, Töchter, Kinder, Knaben,
Zusammen Herr und Knecht.

Die rufen Weh zum Himmel
Aus ihrer stummen Gruft,
Und werden's rufen zum Himmel,
Wenn die Trommet' einst ruft.

Wir haben gewohnt in Frieden
Zu Hamburg in der Stadt,
Bis uns daraus vertrieben
Ein fremder Wüthrich hat.

Er hat uns ausgestoßen
Im Winter zur Stadt hinaus,
Die hungernden, nackenden, bloßen,
Wo finden wir Dach und Haus?

Wo finden wir Kost und Kleider,
Wir zwanzigtausend an Zahl? ─
Die ander'n schleppten sich weiter,
Wir blieben hier zumal.

Die ander'n nahmen die Britten
Und and're die Dänen auf;
Wir brachten mit müden Schritten
Bis hieher uns'ren Lauf.

Wir konnten nicht weiter keuchen,
Erschöpft war unsere Kraft;
Frost, Hunger, Elend und Seuchen,
Sie haben uns hingerafft.

Ein ungeheuerer Knäuel,
Zwölfhundert oder mehr;
Es zieht sich über den Gräuel
Ein dünner Rasen her.

Der deckt nun uns're Blöße,
Ein Obdach er uns gab;
Man merkt des Jammers Größe
Nicht an dem kleinen Grab.

Zweites Grab

Zu Ottensen an der Mauer
Der Kirch' ist noch ein Grab,
Darin des Lebens Trauer
Ein Held gelegt hat ab.

Geschrieben ist der Namen
Nicht auf den Leichenstein,
Doch er sammt seinem Samen
Wird nie vergessen sein.

Von Braunschweig ist's der Alte,
Karl Wilhelm Ferdinand,
Der vor des Hirnes Spalte
Hier Ruh' im Grabe fand.

Der Lorbeerkranz entblättert,
Den auf dem Haupt er trug,
Die Stirn vom Schlag zerschmettert,
Der ihn bei Jena schlug;

Nicht, wo er war geboren,
Hat dürfen sterben er:
Von seines Braunschweigs Thoren
Kam irrend er hieher;

Umirrend mit den Scherben
Des Haupt's von Land zu Land,
Das, eh' es konnte sterben,
Erst allen Schmerz empfand;

Das erst noch mußte denken
Der Zukunft lange Noth,
Eh' es sich durfte senken
Beschwichtigt in den Tod.

Jetzt hat sich's hier gesenket,
Doch hebt sich's, wie man glaubt,
Noch aus der Gruft, und denket,
Das alte Feldherrnhaupt.

Da sieht es die Befreiung
Nun wohl auf deutscher Flur,
Doch auch von der Entweihung
Die unvertilgte Spur.

Da sieht es der Zwölfhundert
Grabstätte sich so nah,
Und ruft wohl aus verwundert:
Ein Feldherr ward ich ja.

O Feldherrnamt wie grausend!
Um mich den Feldherrn her
Gelagert sind die Tausend,
Ein großes Schmerzensheer.

Euch hat auf ander'n Pfaden,
Und doch aus gleichem Grund,
Der Tod hieher geladen,
Ihr seid mit mir im Bund.

Daß ohne Todtenhemde
Ihr auf den Gräbern sitzt,
Das schmerzt mich, weil der Fremde
Noch geht in Purpur itzt.

Ist keiner mehr am Leben,
Den Purpur auszuzieh'n
Dem Fremden, und zu geben
Euch nackten Todten ihn?

Mit seinen dunklen Schützen
Der Oels, mein wackrer Sohn,
Der könnte wohl euch nützen;
Doch fiel auch der nun schon.

Jetzt kann ich keinen nennen,
Da ihn der Tod geraubt;
Und schmerzlich fühl' ich brennen
Die Spalt' in meinem Haupt.

Drittes Grab

Zu Ottensen, von Linden
Beschattet auf dem Plan,
Ist noch ein Grab zu finden,
Dem soll, wer trauert, nah'n.

Dort in der Linden Schauer
Soll lesen er am Stein
Die Inschrift, daß die Trauer
Ihm mag gelindert sein.

Mit seiner Gattin lieget
Und ihrem Sohne dort
Ein Sänger, der besieget
Den Tod hat durch ein Wort.

Es ist der fromme Sänger,
Der sang des Heiland's Sieg,
Zu dem er, ein Empfänger
Der Palm', im Tod entstieg.

Es ist derselbe Sänger,
Der auch die Hermannsschlacht
Sang, eh vom neuen Dränger
Geknickt ward Deutschlands Macht.

Ich hoffe, daß in Frieden
Er ruht' indeß in Gott,
Nicht sah bei uns hienieden
Des Feind's Gewalt und Spott.

Und so auch ruht' im Grabe
Sein unverstört' Gebein,
Als ob geschirmt es habe
Ein Engel vor'm Entweih'n.

Es sind der Jahre zehen
Voll Druck und Tyrannei,
Voll ungestümer Wehen,
Gegangen d'ran vorbei.

Sie haben nicht die Linden
Gebrochen, die noch weh'n,
Und nicht gemacht erblinden,
Die Schrift, die noch zu seh'n.

Wohl hat, als dumpfer Brodem
Der Knechtschaft uns umgab,
Ein leiser Freiheitsodem
Geweht von diesem Grab.

Wohl ist, als hier den Flügel
Die Freiheit wieder schwang,
O Klopstock, deinem Hügel
Enttönt ein Freudenklang.

Und wenn ein sinn'ger Waller
Umher die Gräber jetzt
Beschaut, tret' er nach aller
Beschau'n an dies zuletzt.

Wenn dort ein trübes Stöhnen
Den Busen hat geschwellt,
So ist als zum Versöhnen
Dies Grab hieher gestellt.

Die Thränen der Vertrieb'nen,
Des Feldherrn dumpfe Gruft,
Verschwinden vor'm beschrieb'nen
Stein unter'm Lindenduft;

Wo wie in gold'nen Streifen
Das Wort des Sängers steht:
Saat von Gott gesä't,
Dem Tag der Garben zu reifen.


Allgemeines Grablied


Saat von Gott gesäet, zu reifen
Auf der Garben großen Tag!
Wie viel Sicheln sind zu schleifen
Für so reichen Erntertrag,
Als in allen deutschen Gauen
Hat der Tod gesä't mit Grauen

Saat sie all' und alle Garben
Werden sie dereinstmal sein
Alle die im Kampfe starben,
Ruh' in Frieden ihr Gebein,
All die große Volksgemeinde,
Und mit Freunden selbst die Feinde.

Wenn des Lebens Stürme brausen,
Feinden sich die Menschen an,
Können nicht zusammen hausen,
Friedlich geh'n auf einer Bahn!
Wenn des Odems Hauch entwichen,
Ist der Hader ausgeglichen.

Die einander mußten morden,
Von des Lebens Drang verwirrt,
Ruh'n in stiller Eintracht Orden
In den Gräbern ungeirrt;
Einst vor Gottes Richterschranken
Werden sie sich auch nicht zanken.

Blumen nicht die blutigrothen
Werden nur der Gruft entblüh'n,
Sondern Lieb'- und Friedensboten,
Weiß und blau und stilles Grün;
Wenn dazwischen Lüfte stöhnen,
Wird's nicht wie ein Kriegslied tönen.


Körner's Geist


Bedeckt von Moos und Schorfe,
Ein Eichbaum hoch und stark,
Steht bei Wöbblin, dem Dorfe,
In Mecklenburger Mark.

Darunter ist von Steine
Ein neues Grab gemacht,
D'raus steigt im Mondenscheine
Ein Geist um Mitternacht.

Er richtet auf die Rinden
Des Baum's den Blick, und liest
Den Namen, der zu finden
Dort eingegraben ist.

Dann sucht er mit den Händen
Ein Schwert, das liegt am Ort,
Und gürtet um die Lenden
Sich dieses Schwert sofort.

Langt dann nach einer Leier,
Nimmt sie vom Ast herab,
Und setzt in stiller Feier
Sich singend auf sein Grab:

Ich war in Jugendbrause
Ein rascher Reitersmann,
Bis hier im dunklen Hause
Ich Ruh und Rast gewann.

Ich war ein freier Jäger
In Lützow's wilder Schaar,
Und auch ein Zitterschläger,
Mein Schwertlied klang so klar.

Nun reiten die Genossen
Allein auf ihrer Fahrt,
Da ich vom Roß geschossen,
Und hier begraben ward.

Ihr mögt nur weiter traben,
Bis daß Ihr kommt an's Ziel,
Ihr habet mich begraben,
Wie es mir wohlgefiel.

Es sind die beiden Lieben,
Die mir im Leben werth,
Im Tode mir geblieben,
Die Leier und das Schwert.

Ich seh' auch meinen Namen,
Daß er unsterblich sei,
Geschnitten in den Rahmen
Der Eiche schön und frei.

Es sind die schönsten Kränze
Gegeben meiner Gruft,
Die sich in jedem Lenze
Erneu'n mit frischem Duft.

Die Eich' ob meiner Scheitel,
Wie ist der Kranz so groß;
Mein Ringen war nicht eitel,
Ich ruh' in ihrem Schooß.

Man hat in Fürstengrüften
Bestatten mich gewollt;
Hier in den frischen Düften
Ihr ruh'n mich lassen sollt.

Hier sei noch oft mit Kräuseln
Der Eiche Laub bewegt,
Wenn in des Windes Säuseln
Mein Geist die Saiten schlägt.


Vorreiter Schill


Ihr kühnen Lützow'schen Jäger,
Die ihr reitet im Mondenlicht,
Ihr kühnen Lützow'schen Jäger,
Vergeßt doch eu'ren Vorreiter nicht.

Ihr kühnen Lützow'schen Jäger,
Wo reitet Ihr hin im Mondenlicht?
Ihr kühnen Lützow'schen Jäger,
Kennt ihr eueren Vorreiter nicht?

Ich bin vor euch her geritten,
Ich hab' im Stillen euch Bahn gemacht;
Ich bin vor euch hergeritten,
Vier Jahre schon vor der Lützener Schlacht.

Ich bin vor Euch her geritten,
Und hätten alle wie ich es gemacht,
So wäre die Freiheit erstritten,
Und hätte bedurft nicht der Lützener Schlacht.

Ich bin vor euch her geritten,
Mit kleinerem Häuflein als ihr noch seid,
Freihin durch Deutschlands Mitten,
Es war gar nicht vor den Feinden mir leid.

Ich bin hindurch geritten,
Es hat mich gefangen kein Franzenheer,
Ich habe mich durchgestritten,
Und bin geritten bis an das Meer.

Ich habe mich durchgestritten,
Ich bin geritten bis nach Stralsund;
Da wollt' ich hinüber zum Britten,
Da hat mich gebissen ein franzischer Hund.

Er hat mich in'n Schenkel gebissen,
Daß ich von meinem Schimmel fiel;
Er hat mir den Kopf abgerissen,
Und hat damit getrieben sein Spiel.

Ihr kühnen Lützow'schen Jäger,
Nehmt Euch vor den franzischen Hunden in Acht,
Daß sie's nicht euch machen, ihr Jäger,
Wie sie's eurem Vorreiter gemacht.

Ihr kühnen Lützow'schen Jäger,
Die ihr reitet im Mondenlicht,
Ihr schwarzen Gewandes Träger,
Ihr Rächer, vergeßt euer'n Vorreiter nicht.

Ihr kühnen Lützow'schen Jäger,
Wo reitet ihr hin im Mondenschein?
Ich bin nur ein Geist, doch kein träger,
Ich kann noch jetzt euer Vorreiter sein.

Ihr kühnen Lützow'schen Jäger,
Laßt mich euer'n Vorreiter sein;
Ihr deutscher Rache Träger,
Mir nach! Ich reit' euch voran zum Rhein.


Körner's Schwester

An den Bruder

Verklungen ist der Kampfestos,
Und Lützow's wilde Jagd;
Und du einst, Bruder, ihr Genoß,
Ruh'st schweigend in der Nacht.

Verklungen ist die Jagd, verweht,
Gleich ihrer Hörner Klang
Und nur allein ihr Abglanz steht
Noch hell in deinem Sang.

Ich sahe, wie mit trunk'nem Muth
Du rittst begeist'rungsvoll,
Mir zu von ferne, daß von Gluth
Das Herz mir höher schwoll.

Ich hörte, wie dein Nam', o Held,
Scholl durch die Gau'n in Fei'r,
Und was du hast auf deutschem Feld
Gethan mit Schwert und Lei'r.

Vor tausend Kriegsgestirnen klar
Warst du der Jugend Stern;
Wer wär' gewesen, was ich war,
Nicht deine Schwester gern?

Und als von seiner Höh' darauf
Der Stern schoß in die Nacht;
Da war mit deinem Flammenlauf
Der meine still vollbracht.

Eh', Bruder, ich zu deinem Grab
Nun geh', bei dir zu ruh'n,
Ist eins nur noch, das hier ich hab',
Und das für dich, zu thun.

Du hast dein eig'nes Ehrenmal
Gesetzt im deutschen Hain;
Aus Leiergold und Schwertesstahl,
Wird's unvergänglich sein.

Du hast gemalt dein eig'nes Bild
Zu deiner Lieder Hauch;
Mit Kunst der Farben hell und mild
Will ich's nun malen auch.

Schön wie du warst im Leben einst
In Jugend-Morgenroth,
Und wie du schöner noch erscheinst
Mir jetzt im Heldentod;

Will ich dich malen, Zug für Zug,
Daß es der Welt erklärt:
So war er, der die Leier schlug,
Und schwang dazu das Schwert.

Weil ich mein Liebeswerk vollbracht
So öffne du dein Haus,
Daß deine Schwester, Held der Schlacht,
Dir ruh' zur Seiten aus.

Du hast hier keine Braut bei dir,
Als deine Eisenbraut;
Nicht eifersüchtig wehrt sie's mir,
Daß mich der Tod dir traut.

Ich habe keinen Bräutigam;
Hätt' ich ihn, den Verlust
Verschmerzt' ich doch, und ohne Gram
Ruht' ich an deiner Brust.

Auf ew'gem Ruhmesfittig zieht
Dein Name durch die Welt;
Und ewig bleibet deinem Lied
Das Bild von mir gesellt.

Und wer vernimmt des Liedes Hauch,
Sieht auch das Bild, das strahlt,
Und denkt bei'm Bild des Bruders auch
Der Schwester, die's gemalt.


Braunschweigs Preis


Bürger Braunschweigs, die ihr heute
Den verehrten Fürstensohn,
Dessen Ruhm die Welt erfreute,
Rückempfangt auf euern Thron!

Der, beraubt einst seiner Lande
Von des fremden Siegers Streich,
Doch nie auf sich lud die Schande,
Zu entsagen seinem Reich;

Der mit seinen kühnen Schaaren,
Deren Sinnbild war der Tod,
Frei durch Deutschland hingefahren,
Rings von Uebermacht umdroht;

Der den einen klug entschlüpfte,
Andre keck begegnend schlug,
Bis das Meer entgegenhüpfte
Jauchzend seinem Wunderzug;

Als die stolze Brittenflotte
Salutirend ihn empfing,
Und geehrt gleich einem Gotte
Er nach Englands Haupstadt ging.

Damals hat der Damen Mode
Dort sich ihm bequemt sogar,
Daß sie ihren Putz vom Tode
Lieh, wie er und seine Schaar.

O wie war bei Mann und Frauen
Damals unser deutscher Held
Hochgeehrt in Englands Gauen,
Hochgeehrt in aller Welt.

Aber wie im Spiele Knaben
In der eig'nen Vaterstadt
Damals ihn geehret haben,
Hört, wie man's erzählt mir hat!

Als auf seinem kühnen Zuge
Er aus Böhmen brach hervor,
Streift' er im Vorüberfluge
Bis an seines Braunschweigs Thor.

Schnell mit seiner Handvoll Reiter
Schlug er ein westphälisch Heer,
Und dann zog er eilends weiter,
Seinem Ziele zu, dem Meer.

Ach, er zog gewiß mit Schmerzen,
Wie mit Schmerz man zieh'n ihn sah;
Doch in seiner Bürger Herzen
Blieb sein Angedenken da.

Und die Knaben, die vernahmen
Von des Herzogs Thaten viel,
Wenn sie auf den Marktplatz kamen,
Ahmten nach den Kampf im Spiel.

Ein Theil sich Westphalen nannte,
Braunschweiger der andre Theil;
Wenn dann ihre Schlacht entbrannte,
Blieb die Haut nicht immer heil.

Doch man sagt, daß die Westphalen,
Wenn auch stärker an der Zahl,
Theu'r den Namen mußten zahlen
Den Braunschweigern jedesmal.

Und der kind'sche Kampf bewegte
Die Gemüther so mit Macht,
Daß die Polizei sich legte
D'rein am Ende mit Bedacht;

Ließ die jugendlichen Kämpfer
Greifen, und der Prügel ward
Ihres Schlachteneifers Dämpfer,
Aber auf besond're Art.

Denn gestraft ward nicht mit gleicher
Zahl von Prügeln dort wie hier;
Es bekam acht der Braunschweiger,
Der Westphälinger nur vier.

Hat die Polizei, die wälsche,
Nicht dadurch gar schön erklärt,
Halb soviel sei der westphäl'sche
Ruhm, als der Braunschweig'sche, werth?

So auch dachte wohl ein Knabe,
Der stets ein Braunschweiger war,
Welcher einst des Büttels Stabe
Heimfiel mit der andern Schaar.

Als es kam an's Ausbezahlen,
Maß der Büttel unbedacht,
Zählend ihn zu den Westphalen,
Ihm der Prügel vier statt acht.

Meint ihr, wird der kleine Brave
Lassen sich mit gutem Glimpf
G'nügen die gering're Strafe,
Oder hält er sich's zum Schimpf?

Mit gewalt'gen Zorns Entlodern
Tritt er vor den Büttel hin:
Ich muß noch vier Prügel fodern,
Weil ich ein Braunschweiger bin.

Und als jener seinem Rücken
Vier der allerstärksten mißt,
Darf er weder schrei'n noch zücken,
Weil er ein Braunschweiger ist.

Bürger Braunschweigs, die ihr heute
Den verehrten Fürstensohn,
Dessen Ruhm die Welt erfreute,
Rückempfangt auf euern Thron!

Geht, und holt doch jenen Knaben,
Der vielleicht jetzt ist ein Mann,
Daß der edle Herzog laben
Sich an seinem Anblick kann.


Braunschweigs Fall


Der Herzog Wilhelm von Braunschweig,
Der Braunschweig Oels genannt,
Bei diesem Ehrennamen
In aller Welt bekannt.

Der Herzog Wilhelm von Braunschweig,
Ein Held besond'rer Art,
Schneeweiß von Augenbraunen,
Braun von Gesicht und Bart.

Der Herzog Wilhelm von Braunschweig,
Der einst den Todtenkopf
Zum Schmuck trug an der Mütze,
Oft faßt' ihm der Tod nach dem Schopf.

Der Herzog Wilhelm von Braunschweig,
Mit seinem starken Arm
Hielt er den Tod sich vom Leibe,
Er that ihm keinen Harm.

Der Herzog Wilhelm von Braunschweig,
Als er den Todtenkopf
Nicht mehr trug vorn auf der Mütze,
Da faßte der Tod ihn beim Schopf.

Der Herzog Wilhelm von Braunschweig,
Als er in Bunt und Roth
Auszog zum neuen Kriege,
Da faßt' ihn der bleiche Tod.

Der Herzog Wilhelm von Braunschweig,
Jenseit dem deutschen Fluß
Getroffen von zwei Kugeln
Aus einem Kartätschenschuß.

Der Herzog Wilhelm von Braunschweig,
Fiel fern auf fremdem Grund,
Doch um sein Grab in Braunschweig,
Bellt kein französischer Hund.


Prinz Karl


Prinz Karl, du theurer Held,
Mein Herz ist dir gewogen;
Ziehst du nicht mehr zu Feld,
Wie du zu Feld gezogen?

Als ich ein Knabe war,
Sah ich Kriegsfeuer brennen;
Da in demselben Jahr
Hört' ich zuerst dich nennen.

Es war in Frankenland
Im Jahre sechs und neunzig;
Damals mit blut'ger Hand
Dort schlugen Feind und Freund sich.

Zurück zog Oestreichs Heer,
Nach die Franzosen kamen,
Gar mächtig rings umher
Das ganze Land einnahmen.

Sie standen dort und hie,
An allen Ort und Ecken;
Bis plötzlich über sie
Auf einmal kam ein Schrecken.

Ich habe wol geseh'n
Die einz'len flücht'gen Haufen,
Und konnt' es nicht versteh'n,
Warum sie mochten laufen.

Da hat man mir's gesagt,
Das mochte mir behagen:
Prinz Karl hat sie gejagt,
Prinz Karl hat sie geschlagen.

Tief aus der obern Pfalz
Floh'n sie durch Franken nieder,
Recht über Kopf und Hals,
Und kamen dies Jahr nicht wieder.

Du hast sie sonder Fehl
Bei Würzburg abgeschnitten
Und dann die Festung Kehl
Berannt in Winters Mitten.

Prinz Karl, du theurer Held,
Mein Herz ist dir gewogen;
Ziehst du nicht mehr zu Feld,
Wie Du zu Feld gezogen?

Drauf als ich größer ward,
Und Künste mußte lernen,
Hört' ich auf manche Art
Dich preisen aus den Fernen.

In jedem neuen Krieg
Warst du der Held der Schlachten,
Und zwangst durch manchen Sieg
Den Feind noch, dich zu achten.

Mein armes Deutschland fällt
Erdrückt von Unheils Wetter;
Doch, wo du stehst, o Held,
Da bist du noch ein Retter.

O könntest du zugleich
Nur steh'n auf allen Seiten,
So müßte nicht das Reich
In diesen Abgrund gleiten.

Wir sah'n von nah und fern
Im Todesungewitter
Auf dich, den letzten Stern,
Schon aus der Knechtschaft Gitter.

Und achtzehnhundert neun,
Als nach dem deutschen Reiche
Des Feindes grimmes Dräu'n
Führte die letzten Streiche;

Da hast du noch die Schlacht,
Die große Schlacht geschlagen;
Die Schlacht bei Aspern macht,
Daß wir nicht gar verzagen.

Prinz Karl, du theurer Held,
Mein Herz ist dir gewogen;
Ziehst du nicht mehr zu Feld
Wie du zu Feld gezogen?

Erstehst du, Held, nicht auch?
Es ist dein Volk erstanden,
Da ihm mit einem Hauch
Gott hat gelöst die Banden.

Bist du nicht auch erwacht,
(Du warst ja nie in Schlummer)
Da Gott aus langer Nacht
Erweckt hat unsern Kummer?

Führst du dein Volk nicht aus?
Es hat dich nicht vergessen,
Und du in deinem Haus
Vergaßt es nicht indessen.

Dir hat's an keinem Stück
Als an dem Glück gefehlet;
Und jetzt hat sich das Glück
Den unsern zugezählet.

Bist du der starke Thurm
Im Unglück nur alleine?
Ein Obdach nur im Sturm,
Nicht Fahn' im Sonnenscheine?

Den Siegesdornenkranz
Hast du nur wollen finden?
Der frische Lorbeer-Glanz
Soll and'rer Haupt umwinden?

Ziehst du nicht mehr zu Feld,
Wie du zu Feld gezogen?
Prinz Karl, du theurer Held,
Mein Herz bleibt dir gewogen


Prinz Koburg


Prinz Koburg, Friederich,
Feldmarschall der Oestreicher,
Ein Feldherr dem kein gleicher
In seinen Tagen glich.

Er hat die Feldherrnkraft
Im Feld wohl lassen wirken;
Es sprechen noch die Türken
Von seiner Feldherrnschaft.

D'rauf siegreich lang genug
Hat schlagend er bestanden
Den Feind in Niederlanden,
Bis daß der Feind ihn schlug.

Gedenk, o alter Aar,
Du hast es ganz indessen
Vor lauter Kampf vergessen,
Wie nah' dein sechzigst' Jahr.

Steck ein dein Feldherrnschwert
Und trag' es ohne Schande
Heim zu dem Vaterlande,
Und bau' des Friedens Herd.

Da baut er sich ein Haus,
Zu Koburg auf dem Graben,
Um Rast daselbst zu haben,
Und zieht nicht mehr hinaus.

Am Haus ein schöner Gruß,
In goldenen Buchstaben
D'ran ausgeprägt erhaben:
Actis laboribus.

Das heißt: Nach Kriegsthat Ruh!
Das hat er sich erkrieget.
Jetzt, junge Aare, flieget,
Der alte sieht euch zu.

Laßt doch in Deutschlands Herz
Nicht ein die Geier dringen,
Und rupfen eure Schwingen!
Dem alten Aar macht's Schmerz.

Es war ein and'rer Brauch
Zu seiner Zeit im Kriege;
Nicht gab's wohl lauter Siege,
Wohl Schlappen gab es auch.

Doch Sieg und Schlappe nahm
Man in Feindslanden ferne;
Daß so's in Deutschlands Kerne
Jetzt geht, das macht ihm Gram.

Doch als man endlich frei
Den Feind hinausgeschlagen,
Da war, ich kann's euch sagen,
Der Feldmarschall dabei.

Es hat als wie im Krampf
Die alte Faust gezucket,
Das Schwert hat sich gerucket,
Als wollt's nochmal in Kampf.

Bleib' nur in deinem Haus,
Und wollst dich nicht beklagen;
Bleib' nur, und ich will sagen,
Wie du mit zieh'n sollst aus.

Du hast der Neffen drei;
Die heldengleichen Neffen,
Die schick' hinaus in's Treffen,
So bist du selbst dabei.

Und als der Held der Schlacht,
Der Blücher drang, der Vater,
In Frankreich ein, da hat er
Des Feldmarschalls gedacht.

Er schrieb ihm einen Brief:
Du bist in Niederlanden
Vordem, o Held, gestanden,
Hineingedrungen tief.

So schicke mir, o Held,
Was davon aufgeschrieben
Dir auf Papier geblieben,
Daß ich's benutz' im Feld.

Das freut den Feldmarschall;
Dem alten Vater Blücher
Schickt er die Tagebücher
Aus seinem Feldzug all.

Sieh'st du, o alter Held,
Das Glück ist dir gewogen;
Du bist nicht ausgezogen,
Und stehst nun doch im Feld.

Im Feld, wo Blücher steht,
Stehst du mit deinen Planen;
Er sieht nach deinen Bahnen,
Wenn er die seinen geht.

Und ob's unmöglich scheint?
Als Blüchers Kampfgefährte
Schlägt jetzt mit Blüchers Schwerte
Vielleicht dein Plan den Feind.

So soll es seh'n die Welt,
Und soll's geschrieben lesen:
Wer einst ein Held gewesen,
Ist immerdar ein Held. ─

So hab' ich recht mit Lust
Geschrieben und mit Liebe;
Doch dem, für den ich's schriebe,
Ist's blieben unbewußt.

Als er sich hatte satt
Gefreut der deutschen Siege,
Ging er dorthin, wo Kriege
Nicht weiter haben Statt.

Wohin er nicht mit trug
Die Feldmarschallamtsbürden,
Und doch in and'ren Würden
Wird strahlen hell genug.

Ihm war der Lorbeerzweig
Nicht Noth, den ich geboten;
Sein Staub ruht bei den Todten
Auch ohn' ihn sanft und weich.

Allein der schöne Gruß,
Der über'm Eingang thronte
Des Hauses, wo er wohnte
Bis zu des Lebens Schluß;

Es soll der schöne Gruß
Dort sein hinweggenommen,
Weil er nicht mehr kann frommen,
Wo jetzt weilt and'rer Fuß:

Es soll der schöne Gruß
Mit goldenen Buchstaben
Sein auf sein Grab gegraben:
Actis laboribus.


Hofer, Commandant von Tyrol


Aus Mantua von dem Walle
Komm' ich geschritten her,
Wo noch von meinem Falle
Ein Fleck ist blutig sehr;
Die Augen unverschlossen,
Von der Franzosen Hand,
Ward ich allda erschossen,
Ich Tyrols Commandant

Im Jahre, da man setzte
In Insurrection
Tyrol, das Schwerter wetzte
Für Oestreichs Kaiserthron,
War ich es, den erkannten
Die Häupter der Partei
Als Tyrols Commandanten,
Daß ich's für Oestreich sei.

O Oesterreich, ich habe
Die Commandantenschaft
Bewahret bis zum Grabe
Für dich mit treuer Kraft;
Es hat mich nicht verdrossen,
Daß als Verräther ich
Vom Feinde ward erschossen,
Weil ich es ward für dich.

O Oesterreich, ich habe
Die Commandantenschaft
Bewahret auch im Grabe
Für dich mit treuer Kraft;
Mußt' auch mein Blut zerstieben
Auf fremden Mauern wohl,
Im Tod bin ich geblieben
Commandant von Tyrol.

Ich hab' als treuer Hüter
Nachdem ich längst erblich,
Behütet die Gemüther,
O Oesterreich für dich.
Als Geist bin ich geschritten
Stets dies mein Land hindurch,
Und habe unbestritten
Bewahrt dir deine Burg.

Nun heut', da unser Hoffen
Gekommen ist zum Ziel,
Daß Tyrol frei und offen
Zurück an Oestreich fiel;
Hier von mir eingehändigt
Nimm hin das theure Pfand:
Heut' ist mein Amt geendigt
Als Tyrols Commandant.

Nimm hin dies Land der Treue,
Das dein von Anfang war,
Das dein jetzt ist auf's neue,
Und dein sei immerdar.
Aus meiner Hand ich thue
Den Commandantenstab,
Und gehe so zur Ruhe
Zufrieden in mein Grab.


Der Kapuziner Haspinger


Der Kapuziner Haspinger
Mit seinem rothen Bart,
Der einst in dem Tyrolerkrieg
Beim Land zu hohen Ehren stieg,
Sein Name sei bewahrt.

Der Kapuziner Haspinger
Mit seinem rothen Bart;
Er hieß sich selbst den Rothbart gern,
Der Rothbart war ein rother Stern,
Der'm Feinde furchtbar ward.

Der Kapuziner Haspinger
Mit seinem rothen Bart;
Beim Angriff ging er uns voran,
Daß wir auf seinen Bart nur sah'n,
Wie nach Blutfahnen Art.

Der Kapuziner Haspinger
Mit seinem weißen Stab,
Ging einstmals wieder uns voran,
Und zeigt uns auf den Feind die Bahn,
Der auf uns Salven gab.

Der Kapuziner Haspinger
Scheut keine Kugelsaat;
Da springt ein Baier auf ihn her,
Der ihn von vorn mit dem Gewehr
Lust zu durchstoßen hat.

Der Kapuziner Haspinger,
Der Pater ist in Noth!
Springt ein Tyroler Schütz' heran,
Legt auf des Paters Schultern an,
Und schießt den Baier todt.

Der Kapuziner Haspinger,
Das rettet ihn vom Tod.
Der Schuß hat ihm den Bart versengt;
Der Bart, der sonst war roth gesprengt,
Ist jetzt zündfeuerroth.


Spekbacher


Der Spekbacher, der Spekbacher!
Wenn der die Schützen rief;
Der Tag und Nacht, und Nacht und Tag,
Den Feinden auf der Fährte lag,
Und gar des Nachts nicht schlief.

Zum Schlafen nahm er nie sich Zeit,
Als wenn er Nachts wo ritt;
Wenn dann das Pferd des Wegs fort lief,
So saß der Held darauf, und schlief,
Und kam vom Fleck damit.

Und wenn wo kam ein Scheideweg,
So stand der kluge Gaul;
Aufwacht der Held, und wohlgemuth,
Als hätt' er recht die Nacht geruht,
War er den Tag nicht faul.

Der Spekbacher, der Spekbacher!
Als er vor Kufstein lag,
Ging er auf Kundschaft selbst zur Stadt,
Zu seh'n, ob sie noch Vorrath hat,
Und sich noch halten mag.

Und als auf ihn Verdacht gefaßt
Der Festung Commandant,
Ließ er ihn hin in's Zimmer steh'n,
Von Leuten ihn beim Licht beseh'n,
Die ihn sonst wohl gekannt.

Da sah der Held so muthig d'rein,
So seltsam ganz und gar,
Daß er von keinem ward erkannt,
Und ihn entließ der Commandant
Hinaus zu seiner Schaar.

Der Spekbacher, der Spekbacher!
Wenn er zum Kampf zog aus,
Da lief sein kleiner Bub' ihm nach,
Und was der Vater droht' und sprach,
Er blieb doch nicht zu Haus.

In das Gewehrfeu'r lief er 'nein,
Da wies man ihn hinaus:
Da macht' sich seitwärts hin der Bub',
Wo Kugeln schlugen ein, die grub
Er mit dem Messer aus.

Und wie er sieht, den Schützen fehlt
Es an Munition;
Läuft er damit hinein in's Glied,
Und bringt, daß es sein Vater sieht,
Sein Hütlein voll davon.

Der Spekbacher, der Spekbacher!
Als es nun lang' gewährt,
Der Held nun geh'n mußt auf die Flucht,
Ward er von Reitern aufgesucht,
Für vogelfrei erklärt.

Im Winter tief im Schneegebirg'
Mußt' er umirren geh'n;
Als er sich in das Wetterloch
In seiner höchsten Noth verkroch,
Hatt' er viel auszusteh'n.

Im Muthe der Verzweifelung
Trieb's ihn zuletzt heraus;
Er wagt's, in's Thal hinabzugeh'n,
Sein treues Weib einmal zu seh'n,
Schlich er sich in sein Haus.

Da fängt sein treuer Knecht ihn auf:
Im Haus kein Flecklein ist,
Die Reiter liegen überall;
Er muß den Herrn im Pferdestall
Eingraben unter'm Mist.

Der Knecht trägt ihm das Essen zu
In seinem schlimmen Bett;
Da liegt er mit begrab'nem Leib,
Und darf nicht einmal seh'n sein Weib,
So gern gethan er's hätt'.

Da lag er einen Monat lang,
Und etwa länger noch;
Da mußt' er auch von da nun fort;
Sein treues Weib wollt' er am Ort
Zuletzt nur sprechen doch.

Da weinete das edle Weib
In ungestillter Qual,
Das ihr vor Schmerz das Herz zerbrach,
Weil liegen mußt in solcher Schmach
Ihr edeler Gemahl.


An Habsburgs Adler


Adler, der du hast genistet,
Lang auf deutscher Eiche Stamm,
Bis von Schlangen überlistet
Du heruntersankst zum Schlamm:
Willst nicht in den alten Kronen,
Alter Adler, wieder wohnen?

Warum blickst du ungeduldig,
Deutscher Adler, südwärts nur,
Wo dir Früchte fremd und guldig
Winken auf ital'scher Flur?
Willst in Wäldern von Citronen
Deutscher Eichenadler, wohnen?

In den süßen Blüthendüften
Findest du dich nicht zu Haus,
Von den weichen, welschen Lüften
Gehen dir die Federn aus.
Willst nicht in den heim'schen Zonen,
Wo du groß geworden, wohnen?

Nicht die fremde Pomeranze
Ist's, die dir gehört zunächst,
Der Reichsapfel, der im Glanze
Hier an deutscher Eiche wächst.
Willst bei Apfel, Stab und Kronen
Nicht auf unsrer Eiche wohnen?

Willst du einen andern lassen
Auf der deutschen Eiche bau'n?
Oder soll sie gar verlassen
Bleiben, ohne Schirm und Zaun?
Willst nicht in den alten Kronen
Alter Adler, wieder wohnen?


Sieben und zwanzig Franzosen in einer fränkischen Schmiede


Sieben und zwanzig Franzosen
In einer fränkischen Schmieden;
Der Schmied soll die Säbel fegen,
Sie lassen ihm keinen Frieden.

Sieben und zwanzig Franzosen,
Sie haben anderthalb Säbel,
Die andern hat ihnen genommen
Ein russischer Feldwebel.

Sieben und zwanzig Franzosen,
Der Schmied ist voll Verdruß,
Er deutet auf sein rußiges Schurzfell,
Und schreit: Ruß! Ruß! Ruß!

Sieben und zwanzig Franzosen,
Da fangen sie an zu zappeln,
Sie denken, Russen sind draußen,
Sie hören die Pferde schon trappeln.

Sieben und zwanzig Franzosen,
Zur Thür hinaus und fort,
Und lassen zu seinem Lohn dem Schmied
Die anderthalb Säbel noch dort.

Sieben und zwanzig Franzosen,
Die Säbel behält der Schmied,
Und schmiedet auf die Franzosen
Beim Feierabend dies Lied.


Leipzigs Ehrenname


Im Jahr tausend acht hundert
Sechs, sprach Napoleon,
Daß man drob war verwundert,
Wie mit prophet'schem Ton:
Die Stadt hier, scheinend Freundin,
Ist Frankreichs größte Feindin.

Es währt der Jahre sieben,
Das Wort begriff man nicht,
Bis man dreizehn geschrieben,
Da trat's uns vor's Gesicht,
Als er hier ward geschlagen
In den Octobertagen.

Vom großen Lügengeiste
Ward vieles prophezeit,
Wovon das allermeiste
Blieb unerfüllt zur Zeit.
Das ein' ist eingetroffen,
Wohl gegen sein Verhoffen.

O Leipzig, unsre Freundin,
O auserwählter Ort,
Sei Frankreichs größte Feindin,
Ewig genannt hinfort,
Zur Ehr' der Prophezeihung,
Und unserer Befreiung.


Auf Ostermann's Becher


Dem Ostermann, der, Böhmens Thor
Vertheidigend, einen Arm verlor,
Weiht diesen Becher das Land Böhmen,
Gefüllt mit seines Dankes Strömen.
Leicht ist der Becher, daß ein Mann
Mit einer Hand ihn halten kann.


Scharnhorst's Grabschrift


Scharnhorst, der edle Horst der Schaaren,
Der unermüdet seit fünf Jahren
Ein Preußenheer im Stillen schuf;
Als er das Heer in's Feld geführet,
Und sah', es hielt sich, wie's gebühret
Starb er: erfüllt war sein Beruf.


Blücher und Gneisenau


Der Blücher hat die Macht,
Der Gneisenau den Bedacht,
D'rum hat's Gott wohl gemacht,
Der sie zusammen gebracht;
D'rum sei den beiden,
Den beiden
Ein Lebehoch gebracht!

Der Gneisenau in der Nacht
Hat guten Plan erdacht,
Der Blücher am Tage der Schlacht
Hat's d'rauf noch besser gemacht;
D'rum sei den beiden,
Den beiden
Ein Lebehoch gebracht!


Auf einen Pfeifenkopf mit Blücher's Bild


Füll' mich mit edlen Blättern an,
Weil Blücher's Bild hier steht,
Und zünde sie als Opfer an,
Daß ihn der Rauch umweht.

Der alte Held, von Pulverrauch,
Gebräunt in manchem Kampf,
Bleibt hier bei seinem alten Brauch,
Und glüht, umwallt von Dampf.


Deutscher Spruch auf den deutschen Stein


Das ist der deutsche Stein,
Von Trug und Falsch entblößt;
Wer an den Stein sich stößt,
Der kann kein Deutscher sein.

Das ist der deutsche Stein,
Mit Treu' und Muth betraut;
Wer auf den Stein nicht baut,
Das muß kein Deutscher sein.

Das ist der deutsche Stein,
In Noth und Tod erprobt;
Und wer den Stein nicht lobt,
Das muß ein Welscher sein.


An die Widersacher des deutschen Steins


Ihr seid gewiß nicht ächtes deutsches Gold,
Und scheut euch vor der Probe,
Weil ihr davon durchaus nichts hören wollt,
Daß man den Prüfstein lobe.

Den, der den Busen hat voll Eisenerzen,
Zieht der Magnetstein an;
Ihr habt gewiß nur Koth in euren Herzen,
Weil er nicht zieh'n euch kann.


Cur der Undeutschen


Ihr Zwitterdeutsche, trächtig
Von selbstischen Entwürfen;
Ihr scheint, dem Arzt verdächtig,
Der Cur noch zu bedürfen:
Was ordnen wir euch nur
Geschwind für eine Cur?

Ich seh's an bösen Flecken:
Es sind des Franzthum's Seuchen
Die noch im Blut euch stecken.
Wenn ihr sie wollt verscheuchen,
So braucht zu eurer Cur
Den rheinischen Merkur.


Die vier Namen


Vier Namen flecht' ich in den Sang,
Wie ich's vermag, auf's beste,
Daß man darauf mit Becherklang
Anstoßen kann beim Feste.
Ihr lieben Namen alle vier,
Ich hoffe doch, ihr werdet hier
Euch miteinander vertragen.

Der erste Nam', und das ist Arndt,
Der hat zu allen Zeiten
Vor'm fremden Wesen streng gewarnt,
Und ließ nie ab vom Streiten;
Er stellt' als unverdross'ner Scherg
Sich vor den welschen Venusberg,
Der wahre treue Eckart.

Der zweite Nam', und das ist Jahn,
Der unser Volksthum geschrieben,
Von dem, da es fraß Feuerszahn,
Die Ueberschriften uns blieben;
D'rauf hat er noch mit gutem Stift
Geschrieben eine Runenschrift
Der nordische Runenmeister.

Der dritte Nam' an dieser Statt
Das ist der begeisterte Görres,
Der auch ein Blatt beschrieben hat,
Ein grünendes, kein dörres;
Darauf mit dem Merkuriusstab
Er hoch und tiefe Deutung gab,
Der Himmelszeichendeuter.

Den vierten Namen nenn' ich stracks,
Und werde gern sein Preiser,
Das ist von Schenkendorf der Max,
Der sang von Reich und Kaiser:
Der ließ die Sehnsucht rufen so laut,
Daß Deutschland ihn, die verlass'ne Braut,
Nennt ihren Kaiserherold.

Das sind die Namen, deren Klang
Ich war bemüht auf's Beste
Zu flechten hier in meinen Sang,
Sie herzubringen zum Feste;
Und sind euch lieb, wie mir, die vier,
So stoßt die Becher an mit mir
Auf mein vierblätt'riges Kleeblatt.


Zusatz


Was hilft's, daß Eckart-Arndt
Vor'm Bösen treulich warnt,
Wenn doch die wilden Haufen
Zum Venusberge laufen?

Was hilft's, daß Meister Jahn
In Runen zeigt die Bahn,
Wenn man auf Eiderdunen
Verschlafen will die Runen?

Was hilft's, daß der Merkur
Uns aufwärts weist die Spur,
Wenn man den Götterboten
Hinab bannt zu den Todten?

Was hilft's, daß in die Gruft
Der Kaiserherold ruft,
Wenn d'raus kein Kaiser steiget,
Und seinem Volk sich zeiget.


Trost der Deutschheit


Wo willst du hin, o ed'les Weib,
Und wie bist du genannt?
Du trägst fürwahr an deinem Leib
Gar seltsames Gewand.

»Die Deutschheit zubenannt ich bin,
Und altdeutsch ist dies Kleid;
Daß dir es däucht in deinem Sinn
So seltsam, thut mir leid.«

Und wo denn willst du hin so schnell?
Berichte du mich deß.
»Wie du mich siehst, geh' ich zur Stell'
Nach Wien jetzt zum Congreß.«

Wohl freilich ja, es handelt sich
Daselbst um dich auch mit;
Doch welchen Sprecher hast du, sprich,
Der dich dabei vertritt?

»Ich brauche keinen Sprecher nicht,
Die Sprech'rin selbst bin ich.«
Wenn man nun dort französisch spricht,
Kannst du französisch? sprich!

»O weh, ich arme deutsche Frau,
Französisch kann ich nicht;
Wo find' ich nur auf deutscher Au
Gleich einen, der es spricht.«

Oh, mehr als einer findet sich,
Der gut französisch spricht;
Doch, ob er gut es spricht für dich,
Das weiß ich freilich nicht.


Der rückkehrenden Freiheit Lied


Ich edele Jungfraue,
Freiheit bin ich genannt;
Allhier auf deutscher Aue
War einst mein Vaterland,
Von wo ich ward vertrieben
Mit schweren Geißelhieben.

Ich saß am Fuß der Eiche,
Und hütete mein Lamm,
Als vom Verrätherstreiche
Getroffen ward der Stamm;
Die Fäuste sah ich greifen,
An Haaren mich zu schleifen.

Da sprang ich auf und flohe
Die Länder all hindurch,
Wo vor des Wüthrichs Drohe
Ich fände sich're Burg,
Und keine war zu finden
Vor seinem Ueberwinden.

Fast hätt' er mich ergriffen,
Da kam ich noch an's Meer,
Da flog auf freien Schiffen
Die Rettung mir daher;
Aufnahm auf meine Bitte
Mich in sein Schiff der Britte.

Und führte mich willkommen
Nach England hin als Gast,
Wo ich ward aufgenommen
Im herrlichsten Palast;
Da war ich aufgehoben
Vor der Tyrannen Toben.

Daselbst hab' ich gewohnet
In Ehren frei und froh,
Bis daß der ward entthronet,
Vor dessen Grimm ich floh:
Nun kehr' ich ohne Schande
Zurück zum festen Lande.

Nicht, wie man sonst Verbannte
Aus den Exilen holt,
Durch fürstliche Gesandte,
Ward ich zurückgeholt;
Die Fürsten sind, die frommen,
Selbst dazu hergekommen.

Hinüber selbst gefahren
Sind sie nach Albion;
Da konnten sie gewahren,
Wie ich dort saß zu Thron,
Und sich ein Beispiel nehmen,
Wenn sie nach Hause kämen.

Ihr Fürsten, die berufen
Mich habt zu diesen Au'n,
Und wollt mit neuen Stufen
Allhier ein Haus mir bau'n,
O baut doch Dach und Halle
Daß es mir wohlgefalle.

Ich saß, ihr wißt, auf Thronen
An der Verbannung Strand;
Nicht schlechter will ich wohnen
Allhier im Vaterland:
O baut mir meinen Tempel
Nach Albions Exempel.


Deutschlands Heldenleib


Zu welch' hohem Heldenleibe
Einer Riesin voller Mark
Könntest du aus schwachem Weibe
Wachsen, Deutschland, groß und stark!

Da vom Moder der Verwesung,
Wo du lagest schwer und tief,
Gott zu plötzlicher Genesung
Dich des neuen Lebens rief!

Wenn nur auf dem Bau der Glieder
Gleich ein kriegerisches Haupt
Oben wollte wachsen wieder,
Das man dir im Schlaf geraubt!

Wenn nur Glieder nicht, die kleinen,
Statt ein Leib zu sein vereint,
Selber Leiber wollten scheinen,
Oder gar dem Ganzen feind!

Zu welch' hohem Heldenleibe
Einer Riesin voller Mark
Könntest du aus schwachem Weibe
Wachsen, Deutschland, groß und stark!


Deutschlands Feierkleid


Mit wie herrlich weitem Kleide
Ganz bedeckend deinen Leib,
Könntest du in Sammt und Seide
Prangen, Deutschland, edles Weib!

Da du aus dem Sack der Aschen
Standest auf nach langer Rast
Endlich, und dein Kleid gewaschen
In dem Blut des Feindes hast!

Wenn nur in der Hand des Bösen
Deines Kleides nicht ein Stück,
Statt es ganz dir einzulösen,
Man vergessend ließ zurück!

Wenn nur jetzt nicht deine Kinder,
In nicht liebevollem Streit,
Jedes für sich einen Flinder
Riss' aus ihrer Mutter Kleid!

Mit wie herrlich weitem Kleide
Ganz bedeckend deinen Leib,
Könntest du in Sammt und Seide
Prangen, Deutschland, edles Weib!


Der Dom zu Köln


Der hohe Dom zu Köln!
Ein Denkmal alter Zeit,
Der deutschen Herrlichkeit,
In Alter längst ergraut,
Und noch nicht ausgebaut.
Der hohe Dom zu Köln!

Der hohe Dom zu Köln!
Der Meister, der's entwarf,
Baut es nicht aus, und starb;
Niemand mocht' sich getrau'n,
Seitdem ihn auszubau'n,
Den hohen Dom zu Köln!

Der hohe Dom zu Köln!
Die deutsche Herrlichkeit
Ging unter mit der Zeit;
Wer dacht', in solchem Grau'n,
Daran, ihn auszubau'n,
Den hohen Dom zu Köln!

Der hohe Dom zu Köln!
Es lag in Finsterniß
Des Meisters Plan und Riß;
Jüngst hat man aus der Nacht
Den Plan an's Licht gebracht
Vom hohen Dom zu Köln!

Der hohe Dom zu Köln!
Umsonst ward nicht entdeckt
Der Plan, der war versteckt.
Der Plan sagt es uns laut:
Jetzt soll sein ausgebaut
Der hohe Dom zu Köln!


Barbarossa


Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird'schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloß verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit,
Und wird einst wiederkommen,
Mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt:
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt alswie im Traume,
Sein Aug' halb offen zwinkt;
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh' hin vor's Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.


Ein Gleichniß

von den Hirschen dem wilden Jäger, und was St. Hubertus
sprach, ao. 1814.

Es war ein alter Eichenwald
Deß Ruhm in aller Welt erschallt,
Mit vielen Bäumen hoch und dicht;
Seines Gleichen war auf Erden nicht.
Es wohnt' im selben Eichenwald
Ein Volk von Wildpret mannichfalt,
Die Hirsch' von schönst- und größter Art,
Die Hindinnen recht weiblich zart.
Die gingen d'rin auf ihrer Weid',
Und thaten Niemand was zu Leid';
Sie waren gut und fromm und treu,
Mitunter etwas allzuscheu.
Sie hatten kein recht Selbstvertrau'n,
Auf ihr Geweihes Kraft zu trau'n,
Das sie gar wohl hätt' können schützen,
Wenn sie es wußten recht zu nützen.
Allein, so lang' als wird gedacht,
War's so bei ihnen hergebracht,
Daß sie zerstreut in einzeln Rudeln,
Sich ließen nach Gefallen hudeln.
Es war kein Hund so butzig klein,
Wollt' er der Hirsche Meister sein;
Es war kein noch so schlechter Jäger,
Verstört' er dieses Wildes Läger,
Bedrängt die Thiere scharf und heiß,
Kühlt seinen Muth in ihrem Schweiß.
Seit langer Zeit der Eichenwald
Von ew'gem Jagdgeschrei erschallt,
Der Boden ward gefärbt vom Blut
Der heimisch jungen Hirschenbrut,
Und sie sind oftmals schrecklich worden
Gehetzt von fremden Jägerhorden.
Doch was von ihnen übrig blieb,
Nach altem Brauch es weiter trieb:
Sucht jeder sich in seiner Eck'
Für seine Haut nur ein Versteck,
Und wenn sie hatten ihre Weid,
Nicht dachten an der Brüder Leid.
Und so noch trieben sie's wohl jetzt,
Doch gar zu arg kam es zuletzt
Ein wilder Höllenjäger kam,
Der gar nicht Schonung kannt' noch Scham;
Dem zu der Hetzjagd selbst der leid'sche
Teufel gab in die Hand die Peitsche.
Der mit entsetzlich blut'ger Spur
D'rauf in den Wald der Hirschen fuhr,
Mit seines Jagdzugs tollen Koppeln
Den ganzen Wald zertrat zu Stoppeln.
Zuvor in seinen Sold er nahm
'ne Hunderasse, die sonst zahm,
Jetzt aber völlig war verwildet,
Recht zu Bluthunden ausgebildet;
Die alle Sitte hatt' vergessen,
Den eig'nen Herren aufgefressen,
Und aller Greuel sich erfrecht:
Die waren jenem just so recht.
Die Hunde auch als neuen Herrn
Erkannten ihn und folgten gern;
Und also zog mit seiner Meute
Er durch den Forst zu Blut und Beute.
Die Hunde recht mit Zähneknirschen
Ausrissen Fleisch den armen Hirschen;
Ihr Schütz' konnt' gar nicht satt sich birschen.
Als er sie eben wollt' zertreten,
Huben die Hirschlein an zu beten.
St. Hubertus, der Jagdpatron,
Im Himmel hört' den Jammerton,
Sah seiner Hirsche Blut verspritzen,
Und fuhr hernieder, sie zu schützen.
Sein Augenmerk ließ er vor allen
Auf einen Sechzehnender fallen,
So schön im ganzen Forst war keiner,
Und keiner war von Flecken reiner;
Der König einer großen Schaar
Der argbedrängten Hirsche war.
Der böse Feind mit argem Hohn
Wollt' reißen ihm vom Haupt die Kron'.
Hubertus stand auf einer Eichen,
Macht' über ihn ein heilig's Zeichen,
Ein flammend Kreuze sichtbarlich
Zeigt über jenes Haupte sich;
Und siehe, das erhob'ne Kreuz,
Dem Volk der Hirsche Rettung beut's.
Die Hirsche sammeln sich mit Muth
In ihres Kronenträgers Hut,
Und brennen ganz in Wunderflammen;
Die Schaar der Hunde schreckt zusammen,
Und der bestürzte Jäger flieht,
Wie er das Kreuz erhoben sieht.
Doch damit war es nicht gethan:
Hubertus faßt beim Schopf ihn an,
Und unter gellendem Gewinsel
Schleudert ihn fern auf eine Insel;
Daß seine Hunde staunend stehn,
Die plötzlich sich verlassen seh'n.
Auf ihn nicht mehr sie können pochen,
Da sind sie schnell zu Kreuz gekrochen.
Hubertus schritt davon in Glanz
Und stellt es frei den Hirschen ganz,
Selbst an den Hunden sich zu rächen,
Das Urtheil über sie zu sprechen.
Das Urtheil d'rauf nach Hirschenart
Von ihnen so gesprochen ward:
Die Hirsche sollen frei allein
In ihrem Walde wieder sein,
Die Hund in ihrem Hundeloch,
Und stehen unter'm alten Joch
Des Stammesherrn, des Erben dessen,
Den sie zur Ungebühr gefressen.
Sie sollen richten ihren Zahn
Nicht mehr auf ihren Herrn fortan;
Sie sollen auch auf Gass' und Straßen
Die Leute sonst in Ruhe lassen,
Und mit den Hirschen Friedschaft halten,
Im übrigen bleibt es beim Alten.
Die Hirsche, da sie's so erdacht,
Meinten, sie hätten's gut gemacht,
Gingen in ihres Waldes Aeste
Zurück, und hielten Friedensfeste.
Da sprach aus eines Eichbaum's Ast
Hubertus zornig rauschend fast:
Ihr, freilich Hirsche, keine Leuen
Fast sollte mich der Schutz gereuen,
Den ich so treu an euch gethan,
Weil ihr so schlecht ihn wendet an.
Meint ihr, daß Art von Art so schnell
Wird lassen, und weil sein Gebell
Er laut nicht lassen hören darf,
Des Hund's Gebiß sei minder scharf?
Sie haben euer Mark gefressen,
Und auf dem Nacken euch gesessen:
Das können sie noch nicht vergessen.
Sie wollen kaum den Maulkorb dulden
Von ihres neuen Herren Hulden;
Sie sehen noch sich grimmig stumm
Nach ihrem blut'gen Treiber um,
Der sie das Handwerk hat gelehrt,
Das sie gemacht hat so geehrt.
Sie hoffen allweg, daß der Böse
Den Maulkorb ihnen wieder löse.
Ihr neuer Herr darf kaum sich rühren,
Sie thun's ihm zu Gemüthe führen:
Wir fraßen ja schon einen auf;
Wenn du uns nun nicht freien Lauf
Willst lassen, merk' dir unsern Brauch
So fressen wir dich eben auch.
Er nennt umsonst sie Freund' und Kinder;
Die Hund' nur folgen desto minder.
Er darf nur seine Sorg' verdoppeln,
Sonst reißen ihn die argen Koppeln
Mit sich selbst wider Willen hin,
Auf neue Hetzjagd auszuzieh'n,
Ihr Hirsche, seht, so ist's gekommen,
Weil ihr die Zeit schlecht wahrgenommen.
Warum habt ihr zur rechten Zeit
Sie nicht gelähmt auf Ewigkeit?
Zerschlagen sie bis auf die Knochen,
Die Zähne ihnen ausgebrochen?
Denn and're Eintracht wird gefunden
Niemalen zwischen Hirsch und Hunden.
Habt ihr's nicht noch zuletzt geseh'n,
Als ihr nach Hause wolltet geh'n,
Wie sie den Aerger schlecht verkappten,
Zum Abschied heimlich nach euch schnappten?
Ihr ließ't von ihnen an euch pissen,
War't froh, daß sie euch nicht zerrissen.
Das nun nicht mehr zu ändern steht;
Doch jetzt, ihr Hirsche, hört und seht:
Gebt acht, wie ihr euch sicher stellt
In eurem grünen Laubgezelt;
Daß ihr dem Eichwald Ehre macht,
Wenn euer Erbfeind neu erwacht.
Gott gab auf's Haupt euch gute Hörner,
Und euern Forsten scharfe Dörner;
Gott geb' euch seinen guten Geist,
Daß ihr zusammen stehet dreist,
In wohlgegründeter Verfassung,
Euch selbst zu schützen ohn' Ablassung;
Daß ihr nicht kehrt mit Unvernunft
Gegen euch selber eure Brunft,
Mit euren Zacken euch zerreißt,
Statt daß ihr sie den Feinden weis't.
Gott geb' euch einen edlen Herrn
Aus eures Eichwalds festem Kern,
Der als ein Forstherr klug und stark,
Zäun' um euch her solch' einen Park,
Daß ihr darin könnt ruhig hecken,
Kein fremder Schnapphahn euch darf schrecken;
Ein Herr, der euch zur Lust bei'm Fest
Im Grünen um sich spielen läßt,
Nicht sich mit wildem Sinn ergetzt,
Wenn euch ein Vogt mit Peitschen hetzt:
Wünscht St. Hubertus euch zuletzt.


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