Friedrich Rückert

Die Weisheit des Brahmanen, ein Lehrgedicht in Bruchstücken,
Erstes Bändchen, 1836. I


1

Ein indischer Brahman, geboren auf der Flur,
Der nichts gelesen als den Weda der Natur;

Hat viel gesehn, gedacht, noch mehr geahnt, gefühlt,
Und mit Betrachtungen die Leidenschaft gekühlt;

Spricht bald was klar ihm ward, bald um sich's klar zu machen,
Von ihn angeh'nden halb, halb nicht angeh'nden Sachen.

Er hat die Eigenheit, nur Einzelnes zu sehn,
Doch alles Einzelne als Ganzes zu verstehn.

Woran er immer nur sieht schimmern einen Glanz,
Wird ein Betkügelchen an seinem Rosenkranz.


2

Die Flamme wächst vom Zug der Luft, und mehrt den Zug;
So hält sich Leidenschaft durch Leidenschaft im Flug.

Das Feuer schürt der Wind, und löscht das Feuer wieder;
So kämpfet Leidenschaft die Leidenschaft danieder.

Wie still die Lampe brennt am windbeschirmten Ort,
So ein beruhigt Herz in Andacht fort und fort.


3

Wie nur die Schleuder kann in rechter Ferne wirken,
So muß der Sinne Kraft auch eine Grenz' umzirken.

Zu nah den Augen ist nicht besser als zu fern;
Dich selbst durchschaust du nicht, und nicht den Himmelsstern.

Doch zwischen deinem Ich und jenem Dämmersterne
Liegt eine weite Welt, die zu durchschauen lerne!


4

Wer Furcht vor keinem hegt, Furcht keinem auch erregt,
Sieht den furchtbaren Tod von keiner Furcht bewegt.

Wer keine Luft verstört, wen keine Luft bethört,
Erlangt die höchste Luft, wo alle Luft aufhört.

Wem hoch und niedrig gleich, gleichviel ist hart und weich,
Gleichgiltig reich und arm, der ist in Armuth reich.

Wer Lieb' mit Lieb' umfaßt, und selbst den Haß nicht haßt,
Der ist zu Hause dort, hier auf der Welt ein Gast.


5

Bedenke daß ein Gott in deinem Leibe wohnt,
Und vor Entweihung sei der Tempel stets verschont.

Du kränkst den Gott in dir, wenn du den Lüsten fröhnest,
Und mehr noch wenn du in verkehrter Selbstqual stöhnest.

Gott stieg herab, die Welt zu schaun mit deinen Augen;
Ihm sollst du Opferduft mit reinen Sinnen saugen.

Er ist, der in dir schaut und fühlt und denkt und spricht;
Drum was du schaust, fühlst, denkst und sprichst, sei göttlich licht.


6

Alswie der Mensch, so ist sein Gott, so ist sein Glaube,
Aus geist'gem Äther bald, und bald aus Erdenstaube.

Doch doppelt ist der Gott, der Glaube doppelt auch,
Hier selbstentglommner Trieb, dort überkommner Brauch.

Das Eigenste wird ganz nie frei vom Angenommnen,
Doch übt die Eigenheit ihr Recht am Überkommnen.

Man reißt das Haus nicht ein, das Väter uns gebaut,
Doch richtet man sich's ein, wie man's am liebsten schaut.

Und räumt man nicht hinweg ehrwürd'ge Ahnenbilder,
Durch Deutung macht man sie und durch Umgebung milder.

Des Glaubens Bilder sind unendlich umzudeuten,
Das macht so brauchbar sie bei so verschiednen Leuten.


7

Wie Blasen in dem Strom auftauchen und zergehn,
So sah die Fantasie Götter aus Gott entstehn.

Die Kunst, das wirre Spiel der Fantasie zu mildern,
Bezaubernd bannte sie den Geist in Marmorbildern.

Des Sinnbilds Misgestalt will nichts sein, nur bedeuten;
Der Wohlgestalt gebührts, Anbetung zu erbeuten.

Doch soll der Allgeist nicht im engen Haus verkümmern,
Muß mit dem falschen Schein die Schönheit selbst zertrümmern.

Wenn der versöhnte Geist frei mit unschuld'gem Spiel
Begöttert die Natur, dann ist die Kunst am Ziel.


8

Wenn das Erhabne staunt die junge Menschheit an,
Spricht sie im hellen Traum: das hat der Gott gethan.

Und wenn sie zum Gefühl des Schönen dann erwacht,
Bekennt sie freudig stolz: Es hats der Mensch vollbracht.

Und wenn zum Wahren einst sie reift, wird sie erkennen,
Es thuts im Menschen Gott, der nicht von ihm zu trennen.


9

Die Sekten alle sind im Glauben einverstanden,
Es sei ein höchstes Gut zu suchen und vorhanden.

Wo es zu finden sei, das ist die erste Spaltung,
Und wie zu suchen? das des weitern Streits Entfaltung.

Der eine steckte hoch das Ziel, der andre tiefer,
Danach nach seiner Kraft dann kroch er oder lief er.

Der Niedrigste wird auch nach etwas Höchstem geizen,
Das höchste Höchste kann den höchsten Sinn nur reizen.

Ein Höchstes ist Genuß, ein Höh'res sel'ge Ruh;
Was dir das Höchste gilt, Erkenntnis suche du.

In der Erkenntnis ist Genuß das Suchen schon,
Und einst wird sel'ge Ruh seyn der gefundne Lohn;

Wenn alles du als gut im höchsten Gut erkennst,
Und einen bösen Schein allein das Böse nennst.

Inzwischen mußt du Gut und Böses unterscheiden,
Und für das Gute selbst den Schein des Bösen meiden.

Erkenntnis, Ruh, Genuß, ist nie bei bösem Muth;
Nur auf des Guten Pfad kommst du zum höchsten Gut.


10

Drei Eigenschaften gibts, die sich verschieden gatten
In dir und jedem Ding: Licht, Finsternis und Schatten.

Urgöttlich ist das Licht, ungöttlich Finsternis,
Und zwischen beiden sind die Schatten ungewis.

Die Schatten suchen Theil am Licht, um zu entstehn,
Und durch die Finsternis bestehn sie und vergehn.

Ob sie in Finsternis vergehen, ob im Licht?
Im Kampf vergehen sie, den dis und jene ficht.

Im Kampf, in welchem sie vergehn, entstehn sie immer,
Versöhnen wollen sie den Kampf und könnens nimmer.

Sie legen, um den Kampf zu sühnen, sich dazwischen,
Und müssen in den Kampf sich wider Willen mischen;

Alswie ein Brudervolk sich in zwei Völker spaltet,
Wenn um die Krone Streit von zweien Häuptern waltet.

Das ist der große Kampf, der ringt durch die Natur,
Und alles Groß' entringt sich diesem Kampfe nur.


11

Aus Finsternis zum Licht steigt eine Stufenleiter,
Die dunkel ist am Fuß und an der Spitze heiter.

Im Schatten siehst du nicht, wie hoch die Leiter du
Aufklommest, doch du klimmst zum Licht auf, klimm nur zu!

Wenn du im Licht erkennst, wie aus dem Licht erstanden
Nothwend'ge Finsternis, dann ist die Welt verstanden.

War Finsternis einst Licht, so wird sie Licht einst seyn,
Wann das Entsprungne geht in seinen Ursprung ein.

Jedweder Sieg des Lichts im schwachen Geist vollbracht,
Weissagt den ew'gen Sieg der lichten Geistermacht.

Ihn profezeit die Sonn' an jedem Tage tagend,
Mit einem Stral von Licht ein Heer von Schatten schlagend.

Am Abend wird sie roth vor Scham daß sie erlag,
Und träumt die Nacht hindurch vom großen ew'gen Tag.


12

Als Knabe hab' ich einst die Frucht am Baum gesehn,
Und sehe nun als Greis die Blütenknospen stehn.

Vom Menschen wird nur das, was er nicht hat, gesucht,
Der Blütentrieb vom Greis, vom Kind die reife Frucht.

Warum nach reifer Frucht das Kind begierig greift?
Weil es die Blüt' ist, die der Frucht entgegen reift.

Warum das alte Herz an jungen Trieben hängt?
Weil die getriebne Frucht zu neuen Trieben drängt.

Wo trägt die Gegenwart der Zukunft Blütenkrone?
Wo sich ein Vater sieht verjüngt in seinem Sohne.

Der Gärtner sei gelobt, der diesen Baum begießt,

Wo Frucht aus Blüt' und Blüt' aus Frucht unendlich sprießt.


13

Stell dich in Reih und Glied, das Ganze zu verstärken,
Mag auch, wer 's Ganze sieht, dich nicht darin bemerken.

Mag auch, wer 's Ganze sieht, dich nicht darin bemerken;
Das Ganze wirkt, und du bist drin mit deinen Werken.

Stell dich in Reih und Glied, und schaare dich den Schaaren;
Und theilst du nicht den Ruhm, so theilst du die Gefahren.

Wird nicht der Musterer den Einzelmann gewahren,
Mit Lust doch wird er sehn vollzählig seine Schaaren.

Damit im Lanzenwald nicht fehlet eine Lanze,
Heb deine fein, und sei gefaßt auf jede Schanze.

Sei nur ein Blatt im Kranz, ein Ring im Ringeltanze,

Fühl' dich im Ganzen ganz, und ewig wie das Ganze!


14

Wenn es dir übel geht, nimm es für gut nur immer;
Wenn du es übel nimmst, so geht es dir noch schlimmer.

Und wenn der Freund dich kränkt, verzeih's ihm, und versteh:
Es ist ihm selbst nicht wohl, sonst thät' er dir nicht weh.

Und kränkt die Liebe dich, sei dir's zur Lieb' ein Sporn;

Daß du die Rose hast, das merkst du erst am Dorn.


15

Zwei Spiegel sind, worin sich selber schaut mit Wonne
Die hohe Himmels- und die höchste Geistersonne:

Ein Spiegel ist das Meer, von keinem Sturm empört,
Ein andrer das Gemüth, von keinem Drang verstört.


16

Baumeisterin Natur scheint für sich selbst zumeist
Zu baun, und baut zuletzt doch Alles für den Geist.

Der schrankenlose Geist ist darum nur gefangen
In Schranken, um darin zur Freiheit zu gelangen.

Ein Säugling ist der Geist, Natur ist seine Amme,
Sie nährt ihn, bis er fühlt, daß er von ihr nicht stamme.

Die dunkle Mutter will ihr Kind in Schlummer halten;
Von oben bricht ein Stral durch ihres Hauses Spalten.

Und wie der Schmetterling erwacht vom Puppentraum,
Schwingt der Gedanke frei sich über Zeit und Raum.

Wie, wann die Frucht ist reif, von selbst die Kapsel springt,
Und hin der Saame fliegt, von Himmelsluft beschwingt.

Wie der Brütmutter Huhn die Entenbrut entrann,
Und auf die Flut sich wagt, wo sie nicht folgen kann.


17

Verstand zu seinem Bau braucht manche Stütz' und Krücke,
Natur und Fantasie baut ganz aus Einem Stücke.

Die Stützen fehlen nicht, sie sind nur nicht zu sehn;
Und auf sich selber steht, was scheint auf Nichts zu stehn.

Was du begreifen kannst, siehst du in seiner Blöße;
Stets unbegreiflich ist die Schönheit und die Größe.


18

Ich streue Perlen aus, und Niemand achtet drauf;
Bald streu' ich keine mehr, dann lest ihr diese auf.

Wenn du erkennen kannst, wie vielfach ist das Eins,
Fällt mit der Vielheit ein die ganze Welt des Scheins.

Das Eins ist zweierlei, das Eine und das Zweite,
Die Zwei sind Eines mit sich selbst im Widerstreite.

Das eine Eins ist hier, das andre Eins ist dort,
Die tauschen unter sich den Namen und den Ort.

Blick' in den Spiegel und verdoppelt siehst du dich;
Blick weg, und auf in Eins löst sich das Doppel-Ich.

Im Spiegel ist dein Bild, du selber aber bist
Nur dessen Spiegelbild, der Aller Urbild ist.

Wenn in den Spiegel er mit Liebesblicken schaut,
Entsteht ein Weltbild, das, blickt er hinweg, zerthaut.

Drum preist die Liebe, die ihm stets den Spiegel hält,
Daß ihm, dem Einen, sich als zwei zu schaun gefällt!

Das Eins ist zweierlei, hier Einheit unentzweit,
Dort in der Zweiheit hergestellte Einigkeit.

Eins ist der Punkt, der Kreis das andre, und das dritte
Ist zwischen Kreis und Punkt die vieltheilbare Mitte.

Was ist der Kreis? Ein Punkt, der um sich selber kreist,
Und seinen Umfang wölbt, wie seinen Leib der Geist.

Zieh einen weitsten Kreis, und rück' ihn weit ins Ferne,
Sogleich erscheint er dir als Punkt, gleich jedem Sterne.

Setz' einen kleinsten Punkt, ob unsichtbar er wäre,
Brauch' ein Vergrößrungsglas, und er erwächst zur Sfäre.

Ins Wasser wirf den Stein, und sieh wie sich erweitern
Aus Kreisen Kreise, um im weitesten zu scheitern.

Eins ob der Kreis zerfloß, Eins ob er nie entstand,
Denn Eins ist Alles, wenn der Schein der Zweiheit schwand.

Die Zwei ist Zweifel, Zwist, ist Zwietracht, Zwiespalt, Zwitter;
Die Zwei ist Zwillingsfrucht am Zweige süß und bitter.

Wenn Zwietracht Eintracht wird, und Einfalt das Zwiefalte,
Dann wird der Schaden heil am alten Weltzwiespalte.


19

Wer Schranken denkend setzt, die wirklich nicht vorhanden,
Und dann hinweg sie denkt, der hat die Welt verstanden.

Alswie Geometrie in ihren Liniennetzen
Den Raum, so fängt sich selbst das Denken in Gesetzen.

Anschaulich macht man uns die Welt durch Ländercharten,
Nun müssen wir des Geists Sterncharten noch erwarten.

Indeß geht, auf Gefahr den Richtweg zu verlieren,
Der Geist durch sein Gebiet, wie wir durchs Feld spazieren.


20

Thu was du kannst, und laß das andre dem, der's kann
Zu jedem ganzen Werk gehört ein ganzer Mann.

Zwo Hälften machen zwar ein Ganzes, aber merk:
Aus halb und halb gethan entsteht kein ganzes Werk.

Wer halb und halb gesund, der mag nur krank sich nennen;
Und gar nicht kennen wir, was halb und halb wir kennen.

Wenn etwas Ganzes würd' aus noch so vielen Halben,
Ganz gut! es wimmelt jetzt von Halben allenthalben.

In jeder Halbheit wohnt ein Trieb zur Übertreibung;
Bei Übertreibung bleibt nicht aus die Unterbleibung.

Zuwenig und zuviel ist beides ein Verdruß;
So fehl ist überm Ziel wie unterm Ziel ein Schuß.

Zuwenig und zuviel ist gleichsehr unvollkommen;
Im Ernst ist und im Spiel das rechte Maß willkommen.


21

Gelobt sei jede Form, weich sei sie oder schroff;
Denn jede neue Form erzeuget neu den Stoff.

Der Geist, der einer ist und vielfach wird geboren,
Sucht neuen Leib, wann er am alten Lust verloren.

Er thut durch Ein Organ sich nur zur Hälfte kund,
Verschweigt die Hälfte, bis er findet andern Mund.

Was als Kristall er konnt', als Edelstein nicht sprühn,
Wird er einmal als Pflanz', als Blum' einmal ausblühn.


22

Das Echo, das du weckst, reizt dich, o Nachtigall,
Wie einen Dichter spornt des Beifalls Widerhall.

Was ist der Widerhall? Bist du es nicht allein?
Gib dir den Beifall selbst, und laß den tauben Stein.

Was hilfts! Es wächst die Kraft des Worts und seine Lust,
Wenn statt aus deiner du es sprichst aus Aller Brust.


23

Wie ich dich kehren mag, du kehrst dich selber zu
Dem Licht, o Blütenzweig, mich selbst beschämest du.

Und jeder Sproß, verkehrt im Boden eingesenkt,
Hat bald das Unterste nach Oben umgelenkt.

Von innerm Drang gedrängt, von äußerm Zug gezogen,
Bleibt ihr dem Licht getreu, und bis zum Tod gewogen.

So haltet ihr das Licht, ihr dunkeln Trieb', in Ehren,
Und nur der lichte Geist kann ab zur Nacht sich kehren.

Doch kann auch er, indeß ihr bleibt an Wurzeln hangen,
Dem Lichte zugewandt, zum Lichte selbst gelangen.


24

Der Strom, einmal getrübt, muß fließen eine Weile,
Eh aus der innern Füll' er seinen Schaden heile.

Vom Sturm erschüttert, muß in Wolkendampf die Luft
Ausgähren, bis sie sich verklärt in reinen Duft.

So muß ein menschliches Gemüth auch erst ausschwanken,
Wenn es ein äußrer Stoß, ein innrer, macht' erkranken.

Leicht heilt die Wunde, die man deinem Leib geschlagen;
Die selbst dein Herz sich schlug, wird späte Narben tragen.

Doch wenn es grausam heißt, dem Freund die Wund' aufreißen;
Sich selber es zu thun, kann auch nicht menschlich heißen.

Viel lieber lindes Öl geuß, das du hast im Haus,
Auf deine Schmerzen und auf alle fremden aus.


25

Ich freue jeden Tag dem Abend mich entgegen,
Und jede Nacht im Traum mich auf den Morgensegen.

Ich freue still mich mit unungestümer Lust,
Nicht ungeduldig ist die Freud' in meiner Brust.

Ich freu' mich auf die Stund' und auf den Augenblick,
Auf groß und kleines, mein und anderer Geschick.

Vom Herbst den Winter durch freu' ich dem Lenz mich zu,
Und aus dem Sommer durch den Herbst zur Winterruh.

Ich freu' mich durch des Jahrs und durch des Lebens Zeit,
Und aus der Zeit hinaus mich in die Ewigkeit.


26

Ich bin der Leib nicht, der euch vor den Augen steht,
Ich bin des Liedes Ton, der euch zu Herzen geht.

Und wenn das Lied ergreift und heiligt euern Sinn,
So danket Gott dafür daß ichs geworden bin.


27

Unglücklich bist du nicht, wie unbeglückt du seist;
Das Schicksal nur beglückt, doch glücklich macht der Geist.

Denkst du, wie schön es wär', ob du ein Gut gewannst;
Denk auch, noch schöner ists, daß du's entbehren kannst.

Ob auszutheilen du nicht Schätze hast im Haus,
So theile, die du hast, die goldnen Lieder aus.

Ich gebe, was ich hab', und hab' um nur zu geben;
Zu geben samml' ich ein, dis Sammeln ist mein Leben.

Den König wollt' ich sehn, der in Freigebigkeit
Mit mir wetteiferte! wer, Fürsten, wagt den Streit?

Dazu aus Ost und West erheb' ich Geisteszehnten,
Zu lohnen königlich all meinen Kronbelehnten.

So zieht die Sonne wol das Wasser auf mit Stralen,
Und gibts der Welt zurück in Regenbogenschalen.


28

Die Kränze, die du siehst, sind lauter Trauerzeichen
Erblichner Freuden, die den Freuden nach erbleichen.

Für jede Lust, die starb, zum Denkmal einen Kranz
Hab' ich geflochten, und umkränzt bin ich nun ganz.

Hier hängt der Freundschaft Laub, und hier der Liebe Flitter,
Und hier das Vaterglück, gemäht vom dunklen Schnitter.

Hier welkt die Jugend, hier der Ruhm, und hier daneben
Ist eine Stelle noch für diesen Rest von Leben.

Wer nach mir übrig bleibt, wann ich geschieden bin,
Häng' einen letzten Kranz aus dunkeln Blumen hin.

Und wenn ein Gast besucht die leere Siedelei,
Ihr welken Kränze, sagt: So geht die Welt vorbei.


29

Freust du auf Künft'ges dich, so sieh doch zu, weswegen?
Ob du nur hier dich weg, ob dort dich freust entgegen?

Entgegen soll man sich dem Tode selber freun,
Doch übers Leben sich hinwegzuwünschen scheun.

Wie nüchtern, freudenleer, wie öd' ein Tag, worüber
Du nichts zu denken hast, als: Wär' auch er vorüber!


30

Ring an, den Himmel mit der Erde auszugleichen!
Wer das errungen hat, der trägt das Siegeszeichen.

'S ist keine Kunst, die Welt roh unter'n Fuß zu treten;
So zarte Blumen blühn auf diesen Gartenbeeten.

Es ist auch keine Kunst den Himmel für die Schwachen
Einladend, und dem Trotz die Hölle heiß zu machen.

Den Himmel zieh herab, die Erd' empor mit Brunst!
Nur dis, der Rede werth, ist Erdenhimmelskunst.


31

Dein Auge kann die Welt trüb' oder hell dir machen;
Wie du sie ansiehst, wird sie weinen oder lachen.

Dein äußres Auge kannst du schärfen selbst und üben;
O hüte dich vielmehr, dein inneres zu trüben!

Wenn rein dein innres schaut, das äußre mag erblinden,
Du wirst das helle Bild der Welt im Herzen finden.


32

Der Vater mit dem Sohn ist über Feld gegangen;
Sie können nachtverirrt die Heimat nicht erlangen.

Nach jedem Felsen blickt der Sohn, nach jedem Baum,
Wegweiser ihm zu seyn im weglos dunklen Raum.

Der Vater aber blickt indessen nach den Sternen,
Alsob der Erde Weg er woll' am Himmel lernen.

Die Felsen blieben stumm, die Bäume sagten nichts,
Die Sterne deuteten mit einem Streifen Lichts.

Zur Heimat deuten sie; wohl dem, der traut den Sternen!
Den Weg der Erde kann man nur am Himmel lernen.


33

Kommst du in fremde Welt, so siehst du fremden Baum,
Fremd Antlitz, fremd Gethier, dich schreckt der fremde Raum.

Doch sieh den Boden an, er ist vom selben Steine,
Und sieh das Wasser auch, es ist vom selben Scheine.

Dann sieh zum Himmel auf, es sind dieselben Sterne;
Und so im fremden Raum dich heimisch finden lerne.

Die Sterne helfen dir, das Wasser und die Erde,
Daß unfremd Baum und Thier und auch der Mensch dir werde.

Befreundet wirst du leicht mit fremdester Natur,
Am längsten bleibt der Mensch dem Menschen fremde nur.

Und erst der Himmel muß erklären und die Erde
Dir deines Bruders ganz entfremdete Geberde.


34

Es ist ein heil'ger Brauch, im reinen Gartenraum
Bei deines Sohns Geburt zu pflanzen einen Baum.

So ähnlich ist der Trieb des Menschen und der Pflanze,
Und so verschieden auch, wie Blatt und Blatt am Kranze.

Das zarte Reis kann nur durch Jahresgunst gedeihn,
Und nur durch Himmelsgunst gedeiht ein Kind allein.

Der Baum, gepflanzt, erwächst dir ohne weitre Mühn;
Nicht sonder Sorge wirst du sehn den Sohn erblühn.

Wenn du ihn biegen willst, so biege fein den jungen;
Das ist vom Baum sowohl wie von dem Sohn gesungen.

Der Baum zu seiner Zeit trägt seine Frucht für dich;
Dein Sohn trägt seine Frucht, wenn er sie trägt, für sich.

Doch seine Frucht zu sehn, macht Freuden dich ersatten,
Und einst zufrieden schläfst du ein in seinem Schatten.


35

Des Herzens Pförtner ist des Mannes Angesicht,
Der den und den Empfang beim Herren dir verspricht.

Ein freundliches Gesicht wird Hoffnung dir erwecken,
Und ein unfreundliches zurück die Hoffnung schrecken.

Doch oft, wann du zum Herrn gelangt, hast du entdeckt,
Daß Hoffnung oder Furcht der Pförtner falsch erweckt.

Ein herzensholder Herr hat oft unholde Mienen
Zu Dienern, während auch unholdem holde dienen.

Drum laß ein Lächeln dir nicht zuviel Hoffnung wecken,
Und auch ein Schmollen laß nicht gleich zurück dich schrecken.

Ihr aber, Herzensherrn, sagt euern Dienern fein,
Daß sie nicht euerm Sinn umhüllen falschen Schein.

Warum soll Freundlichkeit vergebens Hoffnung wecken,
Und gar Unfreundlichkeit zurück die arme schrecken?

Die müden Hoffnungen, die oft so irre gehn,
O könnten sie das Ziel gleich recht am Eingang sehn!


36

Ein Weiser sprach: Ich hab' auf meines Lebens Bahn
Nie einem Menschen weh, nie einem wohl gethan.

Unweise fragten ihn: Was also thatest du?
Er sprach: Ich that nur mir, was ich fügt' andern zu.

Wohl that mir, was ich wohl gethan, und weh, was wehe;
Drum that ich keinem, was ich that daß mir's geschehe.


37

Ein König ward gefragt, was ihm das Liebste sei
An der erlangten Macht? Er sagte: Zweierlei:

Daß ich mit Wohlthat nun die, so mein Wohl beriethen,
Und meine Feinde kann mit Großmuth überbieten.


38

Ein mächt'ger König sprach: Mehr als im Überwinden
Konnt' ich erst meine Macht ganz im Verzeihn empfinden.

Der weise König sprach: Scheu dich, den zu beleidigen,
Den Niemand gegen dich, als Gott nur, kann vertheidigen.

Die Kränkung fremder Ehr' ist deiner Würd' Entweihung,
Denn den Gekränkten mußt du bitten um Verzeihung.

Wenn dich der Zorn befällt im Stehn, so setz dich nieder,
Und wenn im Sitzen, streck' aufs Lager aus die Glieder.

Laß seyn, was du nicht hörst! weil sichs von selbst versteht,
Daß, wer ins Antlitz lobt, auch hinterm Rücken schmäht.

Ein unbesonnen Wort, wo du es hörest sprechen,
Thu alsob du nicht hörst, so brauchst du's nicht zu rächen.

Derselbe sprach: Mein Reich liegt in der Sinne Schranken;
Ich richte nach der That, und nicht nach den Gedanken.


39

Dein Feind ist zweierlei, ein Feind der Böses that
An dir, und einer der's von dir erlitten hat.

Mußt du um Hilf' in Noth den einen von den beiden
Anrufen, sei's der that, nicht der es mußte leiden.

Denn jenem steht nun zu, daß gut er's wieder mache,
Doch dieser sinnet nur auf des Erlittnen Rache.


40

Wer einen Fehltritt that, verzeih ihm, lieber Mann!
Bedenk, auch einen Fuß hast du der straucheln kann.

Heil dem, der Demuth lernt nicht durch Demüthigungen,
Der ohne daß die Welt ihn zwang, sich hat bezwungen.

Den Niedern bläht Besitz, und Armuth macht ihn zahm,
Den Edeln macht sie stolz, und Reichthum demuthsam.

Ein schlechtes Schauspiel ists, wenn hoch die Niedern steigen,
Und ein erbärmliches, wenn sie zum Fall sich neigen.

Wer ohne sein Verdienst gestiegen ist, erhält
Durchs Steigen Achtung nicht, noch Mitleid wenn er fällt.

Der oberste der Plätz' ist schwankender als alle,
Und jeder strebt hinauf, nur daß herab er falle.

Wer seine Stellung kennt und dazu seine Kraft,
Und beiden wirkt gemäß, der wirkt untadelhaft.

Zum Selbstgefäll'gen sprich: Ich möchte lieber Allen,
Wie du dir selbst, als mir, wie ihnen du, gefallen.

Die Demuth ehre du, und zu der Demuth Ehren
Sei gegen Stolze stolz, um Demuth sie zu lehren.


41

Ein rechter Mann hat zwei Gesichter, die er hält
Das eine auf sein Haus, das andre auf die Welt.

Das freundliche Gesicht, das wendet er in's Haus,
Das ernste aber kehrt er in die Welt hinaus.


42

Den Thoren ists umsonst von einem Schaden heilen,
Denn seine Thorheit wird sogleich zum andern eilen.

Von einem Äußersten zum andern springt ein Thor;
Vom rechten schiebt der Aff' die Mütz' aufs linke Ohr.


43

Zum Milden sprach ein Freund: Du mußt die Mild' ablegen,
Die dich verarmen macht. Der Milde sprach dagegen:

Zur Milde hab' ich mich gewöhnt nach Gottes Bilde,
Und seine Mild' hat sich gewöhnt an meine Milde.

Ich fürchte, wenn ich nun ablegen sollte meine
Gewohnheit, möchte Gott ablegen mir die seine.


44

Von sichrer Meisterschaft ist Scherz ein sichres Zeichen;
Wie sich die Katze läßt zum Scherz die Maus entweichen.

Der Scherz ist ein Versuch, Ungleichheit gleichzustellen;
Drum scherzen ungestraft nur unter sich Gesellen.

Mit Kleinerm scherze nicht! er wird sich überheben;
Und nicht mit Größerem! er wird dir's nicht vergeben.

Der Scherz ist sicher, der den Ernst hat an der Hand,
In Schutz zu nehmen ihn vor blödem Misverstand.

Der Scherz ist sicher, nie die Achtung zu verscherzen,
Der ein Bewußtseyn trägt von höhrer Würd' im Herzen.

Sich wegzuwerfen mag ein Weilchen sich nicht schämen,
Wer sicher ist, sich selbst gleich wieder anzunehmen.

Wer mit den Schmerzen scherzt, der hat sich überwunden
Entweder, oder wird von ihnen nie gefunden.

Drum reimet Scherz auf Schmerz, und beides reimt auf Herz,
Weil Dichterherzen stets verwandeln Schmerz in Scherz.


45

Der Menschenrede werth ist nicht was Menschen thaten;
Mit der Natur und Gott soll sich mein Geist berathen.

Die Weisheit Indiens hat vergessen der Geschichte,
Daß sie allein von Gott, Natur und Geist berichte.

Und so ihr Schüler ich hab' auch, was ich besessen,
Gethan und thun gesehn, mit Gott in Gott vergessen;

Und weiß nur Eines noch, und weiß dis Eine ganz:
Gott ist die Geistersonn' und die Natur sein Glanz.


46

Nichts hast du schlecht gemacht, auch was du machtest schlecht,
Es half dir daß du nur was andres machtest recht.

Du hättest nur vielleicht dem Unverstand verschweigen
Das Eine sollen und allein das Andre zeigen.

Man sieht den Weg dich gehn, nicht blos am Ziel dich stehn,
Und immer lehrreich ist auch jenes anzusehn.


47

Die Rose taucht den Fuß in Wasser doch und Roth;
Was würzt ihr denn den Mund und macht die Wang' ihr roth?

An ihrem Fuße steht ein erdgeborner Schwamm,
Den giftig hat geschwellt der gern gesogne Schlamm.

Er trank den Schaum ihr weg, der Geist ist ihr geblieben,
Den sie zur Blüt' erschloß, von ihrer Art getrieben.

Sei du die Himmelsros' und nicht der Erdenpilz;
Saug Äther in dein Herz, nicht Gift in deine Milz.


48

Wol sein Erkenntniskreis ist jedem Geist bestimmt,
Doch unbestimmt, wieviel er in den Kreis aufnimmt.

Du kannst das Zimmer nicht, in dem du wohnst, erweitern,
Doch es nach deiner Lust ausschmücken und erheitern.

Ich blicke stets umher, was ich noch ohne Schaden
Der innern Einheit kann in meine Kreise laden.

Der engste Raum ist weit dem was kein Raum umkreist,
Und alle Geister sind zu Gaste gern beim Geist.


49

Wer den kennt, der allein gewirkt hat und gedacht,
Wird sich nicht rühmen daß er selbst ein Werk vollbracht.

Das Gute das du thust, das thut in dir der Gute,
Und nur das Böse kannst du thun aus eignem Muthe.

Das Bös' ist, daß du nicht gedenk des Guten bist;
Was sein gedenk du thust, muß gut seyn wie er ist.


50

Zieh deine Selbheit aus, und an die Göttlichkeit!
Die Selbheit ist so eng, die Göttlichkeit so weit.

Sei selbst! Er selber will, daß selbst du sollest seyn,
Daß du erkennest selbst, er sei dein Selbst allein.

Erinnre dich daran! du hast es nur vergessen.
Laß dich erinnern! stets erinnert er dich dessen.

Wenn du ihn hören willst in dir, mußt du nur schweigen;
So spricht er laut: Du warst, sollst seyn und bist mein eigen.


51

Den Geist an seinen Leib knüpft ein natürlich Band,
Das löst er nicht, wenn er sich jedem sonst entwand.

Er hat es nicht geknüpft, und soll es drum nicht lösen;
Verstricken soll er nur sich nicht darein zum Bösen.

Der Leib ist zwischen Geist und Welt zwar ein Verband,
Doch zwischen Geist und Welt auch eine Scheidewand.

Der Geist kann durch den Leib sich in den Weltschmutz tauchen,
Doch gegen ihre Flut ihn auch zum Damme brauchen.

Es fühlt ein reiner Geist, vom reinen Leib befangen,
Sich frei vom Dienst der Welt, allein in Gott gefangen.


52

Wer sich vorm Andern schämt, fühlt sich vor ihm gelähmt;
Doch sich gekräftigt fühlt, wer vor sich selbst sich schämt.

Wenn deinem Bilde leiht ein Maler schönern Schein,
Beschämt dich das Gefühl, daß du nicht so kannst seyn.

Doch wenn ins Schönre dich dein innrer Maler malt,
Spornt dichs, zu stralen selbst, wie jetzt dein Bild nur stralt.


53

Ein Wunder ist die Welt, das nie wird ausgewundert,
Das niederschlägt den Geist und wieder ihn ermuntert.

Daniederschlägt den Geist vorm ew'gen Stoff ein Bangen,
Und stets ermunterts ihn den Kampf neu anzufangen.

Ob du benennen willst das Viele, Einzle, Kleine?
Ob du erkennen willst das Große, Ganze, Eine?

Unendlichkeit ist dort und hier Unendlichkeit,
Und mit den beiden wagst du Endlicher den Streit!

Eh du am Boden ganz ein Gras hast durchbetrachtet,
Gieng eine Welt voll Glanz vorbei dir unbeachtet.

Und eh du Zweig und Blatt gezählt am Sternenbaum,
Blüht ungenossen ab ein Erdenfrühlingstraum.

Getrost! zwar du nicht bist, doch Gott ist überal;
Du siehst das ganze Licht in jedem Farbenstral.

Und Alles ist dem Geist ein würd'ges Element,
Was schürt die Andachtsglut, in der die Schöpfung brennt.


54

Der Geist des Menschen denkt nur durch den Gegensatz;
Drum ist der Gegensatz im Denkgedicht am Platz.

Auch im gefühlten Lied sind tiefe Gegensätze,
Anmuthig überhüllt vom fließenden Geschwätze.

Wo des Gefühles Flut an Felsen scharfgezackt
Der Leidenschaft sich bricht, sinds Gegensätze nackt.


55

So sprach Saraswati, des Brahma hohes Weib,
Als sie schuf Poesie zu Götterzeitvertreib:

Du sollst, geflügelt Kind, die Götter stets umschweben,
Denn schwunglos ohne dich im Himmel wär' ihr Leben.

Wenn dirs gelungen ist in Schlummer sie zu wiegen,
Vom Himmel darfst du dann zur Erde niederfliegen.

Den Menschen magst du dort vom Götterhaushalt plaudern,
Doch so daß sie's erfreut, nicht so daß sie erschaudern.

Und kehrst du heim, eh hier erwacht der sel'ge Chor,
Trag auf den Schwingen mit den Menschengeist empor.

Doch Eines sag' ich dir, wenn es dir soll gelingen,
Auf deinen Schwingen ihn zum Himmel herzubringen:

Du mußt den Menschengeist mit Gottgeheimnis kirren,
Doch ihn betäuben nicht, noch blenden und verwirren.

Laß ihm die Täuschung selbst als klare Wahrheit sehn,
Und was er nicht versteht, glaub' er doch zu verstehn.

Die Räthsel magst du ihm in Räthseln selber deuten,
Die unenträthselt auch sinnreich den Sinn erfreuten.

Sei wie der Himmel klar und tief in dunkle Ferne:
Lichtsterne beut dem Schaun, der Ahnung Nebelsterne!

Und wenns sein Aug' erträgt, sei ihm der Blick gewährt,
Der Nebelsterne selbst in Lichtgestirne klärt.

Doch wie Unendlichkeit dort das Erhabn' umzirkt,
Von schöner Endlichkeit sei dein Gebiet umwirkt.

Im Unermeßlichen wirst du das Maaß verlieren;
Das Kleine sollst du klein mit Kunst, nicht kleinlich, zieren.

Vor allem, liebes Kind, willst du dich filosofisch
Vernehmen lassen, sei's nur strenggereimt und strofisch.

Sonst reißt der Riesengeist dort der Filosofie
Ins Schrankenlose gleich dich, arme Poesie.

Meintwegen hüpfe selbst in Chori-Choliamben,
Nur flieh wie deinen Tod die ungereimten Jamben.

Den Göttern ein Verdruß, den Menschen kein Genuß,
Ist solch ein uferlos ergoßner Wörterfluß.

Anmuthig werden selbst alltägliche Sentenzen
Im Silbenwasserfall melodischer Kadenzen.


56

Wer in sich trägt bewußt des Wissens höchste Sfären
Darf, was er nicht versteht, für Unverstand erklären.

Was euch für Tiefsinn gilt, weil keinen Grund ihr seht,
Ist Untief' über die des Unsinns Springflut geht.


57

Doch keine Fratze gibts, die nicht als Schönheit preist
Hier ein verliebter Narr, dort ein verschrobner Geist.

Ein Wicht, der gar nichts kann als winseln, ächzen, stöhnen,
Lebt, wenn du ihm es glaubst, im Guten, Ganzen, Schönen!

Spinnweb'ges Ideal, Idee schwindsüchtig hohl,
Bist du Idalia? erbärmliches Idol!

Der Schönheit Göttin ist dem Schaum entboren zwar,
Doch ist sie nicht ein Schaum, und nicht ein Abschaum gar.

Wie auch geschmacklos ein Geschmack sei, so vertrackt
Ist keiner als der ward aus Feinheit abgeschmackt.

Zu hobeln ist der Plump', ein Dummer ist zu witzigen,
Doch nichts zu machen mehr ist aus dem Überspitzigen.


58

Dem Menschen kann nicht leicht ein größrer Spott geschehn,
Als, gibt ein Spiegel ihm verzerrt sich selbst zu sehn.

Das ist ein Buch, das dir in einem fremden Geist
Den eigenen, entstellt zur Geistesfratze, weist.


59

Zum Tod bereite sich, wer nicht mehr kann genesen;
Und was nicht weiter hält, mag auseinander wesen.

Wol ists ein Trost zu sehn, daß in Verwesung auch
Sich neues Leben regt, nur ists kein süßer Hauch.

Der Moderschöpfung ab wend' eilig deine Blicke,
Daß rein des Lebens Bild dich Lebenden erquicke!


60

Vergeistigen die Welt ist geistiges Ergetzen,
Doch ein entsetzliches, sie nur durch Geist zersetzen.

Schad' um die schöne Welt, wenn sie hinweg nur thaut
Der Geist, und nicht daraus mir eine schönre baut;

Wie Wintersonnenstral Frostblumen nur zerthauen,

Doch Frühlingsblumen nicht kann wecken auf den Auen.


61

Ein ganzer Frühling wächst mit einmal aus der Erden;
Was Menschen wirken, kann nur Eins ums Andre werden.

Doch wer beim Wirken fest hält einen Gotteshauch,
Des Einzles wird zuletzt ein ganzer Frühling auch.


62

O fühle: was du hast, das hast du nur empfangen;
Und laß, wie dir es kam, es andern zugelangen.

Sei wie der Mond, der von der Sonn' entlehnt sein Licht,
Und leiht's der Erdennacht, für sich behält ers nicht.

Gott ist die Sonne, die läßt ewig Licht ausgehn,
Um hell die Welt, und sich hell in der Welt zu sehn.


63

Wie außer Athem, wem der Kopf brennt, kommt gelaufen
Und um zu löschen sich stürzt in den Wasserhaufen;

So komm' ein Lernender, deß Hirn Weltwirbelglut
Umschwindelt, auch gerannt zum Brunnen kühler Flut,

Zum weisen Lehrer, der ihn tief ins Wissen taucht,
Durch das auf ewig ihm der Brand der Welt verraucht.

Der Meister mitleidsvoll hilft treu den Kampf ihm kämpfen;
Denn stets begierig ist das Wasser Glut zu dämpfen.


64

Das heil'ge Feuer schür', ein ewiges Symbol
Des Feuers das die Welt durchfacht von Pol zu Pol;

Des Feuers, das die Welt durchwirkt von Sfär' in Sfäre,
Und ohne das die Sonn' ein kaltes Goldschild wäre;

Des Feuers jener Ess', an der der dunkle Schmied,
Stets fördernd neu Geschmeid, im Dienst des Lichtherrn, kniet:

Des Frühlings Blumenschmelz, gestirnter Nachtlazur,
Thier-Menschen-Geistgebild, sind dessen Funken nur.


65

Verein' mit Selbstvertraun Mistraun in deine Kraft;
Durch stetes Ringen wird der Schüler meisterhaft.

Daß du's noch nicht vollbracht, daß du es kannst vollbringen,
Daß du's vollbringen mußt, das macht es dich erringen.

Auflösen mußt du erst, doch Alles ist das nicht,
Den Glanz der Außenwelt in innerliches Licht.

Entfalten mußt du dann, und dieses ist der Kranz,
Das innerliche Licht in äußerlichen Glanz.

Du mußt die fremde Welt in deinen Busen fassen,
Um als die eigne dann sie schöner zu entlassen.

Das sagt dir der Poet, auch wenn du keiner bist,
Weil doch die Poesie ein Bild des Lebens ist.

Die Dichtkunst mögest du als Kunst des Lebens brauchen,
Um recht dich in die Welt, die Welt in dich zu tauchen.

Auf! wenn dein Bau dir selbst und andern schön soll deuchten,
So mische recht den Stoff des Trocknen und des Feuchten.

So mischet Blütenstaub die Bien' und Honigseim,
Und baut die Zelle, wie der Dichter seinen Reim.

Sieh, was das Trockne sei, und was das Feuchte, schau!
Das Wissen ist der Staub, und das Gemüth der Thau.


66

Die Ros' und Lilie, die im Gedichte blüht,
Ist die nicht die zu blühn auf unsrer Flur sich müht.

Auf unsrer Flur sich müht, und halb nur blüht vor Scham
Die Lilie, und halb die Rose nur vor Gram.

Auf unsrer Flur sich müht, und halb nur blüht vor Weh
Die ird'sche Herrlichkeit, die Ros' und Lilie.

Die Ros' und Lilie, die halb nur blüht vor Weh,
Ist Blut mit Flut gemischt, gemengt mit Feuer Schnee.

Die Ros' und Lilie, die im Gedichte blüht,
Ist reiner Glanz aus Gott und Duft aus dem Gemüth.


67

Ich habe nichts erdacht, nur manches ausgedeutet,
Gegraben keinen Schacht, nur manchen ausgebeutet.

Kann ich, wo ich gelernt, auch nicht den Lehrer nennen
Ich lernte doch, und muß als Schüler mich bekennen.

Und der es mich gelehrt, der wird gelernt es haben
Von seinem Lehrer, dem es andre Lehrer gaben.

Die Überliefrung ist, wenn auch die Namen schwanden
Der Überliefernden, vom Anfang her vorhanden.

Wer sagt mir nun, woher der erste selbst es nahm,
Von dem aus Hand zu Hand zu mir herab es kam?

So kommt der durst'ge Geist auf Wegen der Erfahrung
Durch Überliefrungswald um Quell der Offenbarung.


68

Die Überliefrung ist ein umgekehrter Fluß,
Der, wie er weiter fließt, sich weiter theilen muß.

Nicht Flüsse rinnen hier in einen Strom zusammen,
Die aus viel Bächen und aus noch mehr Quellen stammen;

Das Ganze war Ein Quell, der ward ein Doppelbach,
Aus welchem Flüss' und Ström' entstanden hundertfach.

Der Meister jeder Schul' und seiner Schüler Schwarm
Reißt von dem Mittelleib sich los als Seitenarm.

Der Arm wird selbst ein Leib, der sich in Glieder spaltet,
Ein Stamm, der sich in Ast und Zweig und Blatt entfaltet.

Ein Stromgeäder, das, wie es sich kraus verschlingt,
Nicht kennt den Mittelpunkt, aus dem, zu dem es dringt.

Das wirre Stromgeflecht, wer schlingt es ein als Meer,
Und stellt im tiefen Sinn des Urquells Einheit her?

Denn wie's vom Herzen kommt, zum Herzen ist sein Streben;
Und daß der Blutlauf kreist, das ist des Leibes Leben.


69

Die Seligkeit ist nicht, nur selig selbst zu seyn,
Die Seligkeit ist nicht allein und nicht zu zweyn;

Die Seligkeit ist nicht zu vielen, nur zu allen;
Mir kann nur Seligkeit der ganzen Welt gefallen.

Wer selig wär' und müßt' unselig andre wissen,
Die eigne Seligkeit wär' ihm dadurch entrissen.

Und die Vergessenheit kann Seligkeit nicht seyn,
Vielmehr das Wissen ist die Seligkeit allein.

Drum kann die Seligkeit auf Erden nicht bestehn,
Weil hier die Seligen soviel Unsel'ge sehn.

Und der Gedanke nur gibt Seligkeit auf Erden,
Daß die Unseligen auch selig sollen werden.

Wer dieses weiß, der trägt mit Eifer bei sein Theil
Zum allgemeinen, wie zum eignen Seelenheil.

Gott aber weiß den Weg zu Aller Heil allein;
Drum ist nur selig Gott, in ihm nur kannst du's seyn.


70

Wenn du der Außenwelt verschließest deine Sinne,
Wirst du in dir das Welt- und Gottgeheimnis inne.

Nimm von der Welt nicht ein, was deinen Geist zerstreut,
Nur soviel daß daran dein Denken sich erneut.

Nur einen Schimmer läßt ins dunkle Zimmer streifen,
Wer in dem Strale will das ganze Licht begreifen.

Dann mach das Fenster auf, damit du auch erkennst,
Das Licht ist mehr noch als sein farbiges Gespenst.


71

Ich kam, ich weiß nicht wie, zu dieser Siedelei,
Vertrieben und entflohn, genöthiget und frei.

Wenn ich nicht gerne kam, will ich doch gerne bleiben,
Will, hergetrieben, mich von hier nicht lassen treiben.

Bin angewurzelt, angewachsen; reißt nicht aus
Die Pflanz' aus ihrem Grund, die Schneck' aus ihrem Haus!


72

Ich wüßte nicht, wem ich noch Blumen sollte bringen,
Dürft' ich sie nicht ums Grab geliebter Kinder schlingen.

Die Mutter wird schon ernst, die Brüder werden groß,
Und unveränderlich bleibt ihr nur Kinder bloß.

Ihr nehmt an jedem Tag mit immer gleicher Liebe
Die euch von Vaterhand gebrachten Frühlingstriebe.


73

Ich habe, seit, o Freund, die Götter uns verbanden,
Nie deine Weise so, wie meine du, verstanden.

Du bist nach deiner Art geübt, an sich zu denken,
Und ich, Gedanken nur in Bilder zu versenken.

Du hast mir nach und nach geholfen aus dem Traum,
Im innern auch zu schaun alswie im äußern Raum.

Und manches, was ich sonst gethan, weil ich gemußt,
Thu' ich mit höherem Genusse nun bewußt.


74

Kann jeder doch die Welt nur seinem Sinn anpassen;
Und was ich fassen soll, muß ich in Verse fassen.

Drum, ob an manchem Vers von mir du habest nichts,
So denk: Den hat für sich der Meister des Gedichts.

Hätt' ich den Vers, an dem du nichts hast, nicht gemacht,
Hätt' ich auch die, woran du viel hast, nicht erdacht.


75

Reich ist wol der Gehalt, allein die Form ist steif;
Weich war die grüne Saat, hier sind die Ähren reif. —

Drei Säle schritt ich durch, gebaut im Haus der Zeit,
Für Zukunft, Gegenwart, und für Vergangenheit.

Im Saal der Zukunft sah ich farbige Tapeten
Mit Bildern, die heraus ins Leben wollten treten.

Im Saal der Gegenwart sah ich nach allen Seiten
Die schon ins Leben eingetretnen Bilder schreiten.

Im der Vergangenheit geweihten Saale nun
Sah ich zu Stein erstarrt die Lebensformen ruhn.

Ich sprach: Die Malerei malt uns der Zukunft Flor,
Und die Bildhauerei stellt das Vergangne vor.

Es ist wol Poesie, die zwischen beiden Sfären
Uns die Gestalten soll der Gegenwart erklären.

Die ew'ge Gegenwart, was ist sie? die Natur:
Ein Schein Vergangenheit, ein Schein die Zukunft nur.

Von hier und dort der Schein schwebt um die Wirklichkeit,
Und immer tauscht den Platz Zukunft-Vergangenheit.

Das Gegenwärt'ge wird in Zukunft seyn vergangen,
Und das Vergangne hat als Künft'ges angefangen.

Eh das Vergangne war, war es als Zukunft schon;
Und Alles bleibt im Jetzt, wann Einst und Einst entflohn.


76

Des ganzen Menschen und des einzelnen Geschichte,
Zusammenfassen kannst du sie in drei Berichte:

Der Mensch, mit der Natur im Frieden, war ein Kind;
Das sind die Glücklichen, die es geblieben sind.

Der Mensch, mit der Natur im Kampfe, ward ein Mann,
Gewann, verlor, gewann, verlor, gewann, gewann.

Der Mensch mit der Natur Besiegung wird ein Greis,
Des neuen Friedens Kind; so kreist in sich der Kreis.


77

Aus jungen Augen sieh die Welt stets neu entfaltet;
Glaubs deinen alten nicht, sie sei mit dir gealtet.

Ein alter Vogel lernt nicht mehr; kommt her, ihr jungen,
Und singen lernt von uns, doch nicht wie wir gesungen;

Nein, immer besser zu! denn Alles muß auf Erden
Doch immer besser, auch der Sang der Vögel werden.

Und macht ihr's besser nicht, so denkt doch daß ihr's macht;
Wir haben ebendas zu unsrer Zeit gedacht.

Was ist die Ähnlichkeit, und was der Unterschied?
Wir sangen, und ihr singt, das neuste schönste Lied.


78

Die Jungen staun' ich an, die sich so jung geberden,
Als fürchteten sie nicht, noch hofftens, alt zu werden.

Wir aber wurden alt, und werden es, und sehn
Mit Gott auch dies Geschlecht von Jungen noch vergehn.

Was wollen sie, daß sich die einen so titanisch
Anstellen, andere geberden gar satanisch?

Die einen wollen vom gestürmten Himmel prallen,
Die andern sind der Höll' in ihrer Brust verfallen.


79

Was ist die Weite denn des Lebens und die Enge?
Weit machst du dir's allein, eng macht es dir die Menge.

Wer aus dem dunkeln Ich noch nicht hinaus gekommen,
Der fühlt sich eng in sich, dem mag die Weite frommen.

Doch aus dem Äußern wer gelangt zum hellen Ich,
Dem ist die Weite leer, der fühlt sich voll in sich.

Dich treibt verworrner Drang ins wirrende Gedränge;
Die Einheit nur ist viel, und wenig ist die Menge.

Die Einheit ist nicht viel, sie selber ist das All;
Die Meng' ist wenig nicht, nichts ist der ganze Schwall.

Das All und Eine hat ein Weiser im Allein;
Das Allgemeine selbst ist ohne All gemein.


80

Von beiden Welten wenn ich sollt' entbehren eine,
Die große draußen wärs, und nicht in mir die kleine.

Du wirst die Welt in dir nicht mehr die kleine nennen,
Wenn du das göttliche im Menschen wirst erkennen.

Klein ist und eng, was Zeit und Raum nennt seine Schranke,
Nur göttlich weit ist ein Gottfassender Gedanke.

Viel leichter macht der Mensch von jedem ird'schen Band
Sich los als von dem Zug nach einem höhern Land.

Der Sinnennahrung kannst du selber ehr entbehren,
Als des Gedankens, der den Gott in dir muß nähren.

Beglückt, wenn dir ein Hauch der Fantasie mit Kunst
Die beiden Welten schmelzt in Eine rein von Dunst.

Das Unsichtbare siehst du klar im Sichtbarn nur,
Und nichts im Sichtbarn als des Unsichtbaren Spur.

Umringt von einer Welt verkörperter Gedanken,
Empfindest schrankenlos du dich in Körperschranken.


81

Der Pflüger kehrt vom Grund das Unterste nach oben,
Und seine Gründlichkeit wird einst die Ernte loben.

Das Obere verstockt in Trocknis, und das Untere
In Feuchtnis; rüttl' es um, daß eins das andr' ermuntere.

Reg' ein Vermögen, Geist, stets mit dem andern an
Daß wechselnd jedes sei für jedes Glut und Span.


82

Es strömt ein Quell aus Gott, und strömt in Gott zurück,
Der Einstrom hohe Lust, der Ausstrom höchstes Glück.

Er strömet in dich ein durchs offne Thor der Sinnen,
Und strömet aus dadurch, und nimmt dich mit von hinnen.

Durchs Auge strömt er ein als Licht, daß er verkläre
Dein Innres, und entströmt verklärt als Freudenzähre.

Den Geist zu wecken, strömt er ein als Ton durchs Ohr,
Und strömt aus deinem Mund als Dankgebet hervor.

Einströmt er dem Geruch als Lenzduft, Sehnsuchtshauch,
Und strömt im Athem aus als Seufzeropferrauch.

Er strömt durch den Geschmack ins Mark und ins Gehirne,
Und als Gedanke tritt er leuchtend aus der Stirne.

Er strömt als irdischer Empfindungen Gewühle
Ins Herz, und aus der Brust als himmlische Gefühle.

Du fühlest: Was du bist, ist er in dir, nicht du;
Und strömst in dem Gefühl dich deinem Urquell zu.


83

Du bist, und bist auch nicht. Du bist, weil durch dich ist
Was ist; und bist nicht, weil du das, was ist, nicht bist.

Du bist das Seiende, und das Nichtseiende,
Seyngebende und von dem Seyn befreiende.

Du bist einfaches Licht, und siebenfache Farben
Sind Welten, die durch dich den Schein des Seyns erwarben.

Durchs Licht erscheinen sie, das Licht nicht sind die Farben,
Im Lichte sind sie dann, wann sie im Scheine starben.

Du bist einfacher Ton, die siebenfachen Saiten
Der Weltenleier sinds die dich mit dir entzweiten.

Du bist der Grundton, der in sieben Stralen träuft
Die Leiter nieder, und zurück zum Anfang läuft.

Du selber bist der Laut, und bist der Lautenschläger,
Und alle Schwingungen der Seele deine Träger.

Du bist des Morgens Hauch, du bist des Abends Luft,
Du bist des Frühlings Strauch, du bist des Herbstes Duft.

Du bists und bist es nicht, du bist wie Tag und Jahr,
Der Kreis, der in sich kreist, unwandel-wandelbar.

Das Räthsel staun' ich an, und will es lösen nicht,
Weil sich die Lösung in mein eignes Seyn verflicht.

Du, Wunderbarer, gabst mir Lust am Wunderbaren;
Mich, Ewigklarer, labst du mit dem Dämmerklaren.


84

Auf Erden gehest du, und bist der Erde Geist;
Die Erd' erkennt dich nicht, die dich mit Blüten preist.

Auf Sonnen stehest du, und bist der Sonne Geist;
Die Sonn' erkennt dich nicht, die dich mit Stralen preist.

Im Winde wehest du, und bist der Lüfte Geist;
Die Luft erkennt dich nicht, die dich mit Athmen preist.

Auf Wassern gehest du, und bist des Wassers Geist;
Das Wasser kennt dich nicht, das dich mit Rauschen preist.

Im Herzen stehest du, und bist der Liebe Geist;
Und dich erkennt das Herz, das dich mit Liebe preist.


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