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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 4405

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 4405

Ein Stöckchen heg' ich
Vor Sturm und Wind,
Im Zimmer pfleg' ich
Es warm und lind.

Es schmückt zum Lohne
Der Pfleg' und Müh'
Die Blüthenkrone
Mir spät und früh.

Die frischen Blätter
Sind mir ein Trost
Für's rauhe Wetter,
Das draußen tost.

Mit jedem Flöckchen
Freut mich der Schnee,
Denn meinem Stöckchen
Thut er nicht weh.

Ja, wär' es heiter
Und Sonnenschein,
Würd' es nicht weiter
Bedürfen mein.

Es würde wollen
Im Freien blühn,
Mir Dank nicht zollen
Für mein Bemühn.

Auch selbst nicht lieben
Würd' ich's allein,
Wenn Blumen trieben
An jedem Rain.

Doch nun gesellt uns
Ein gleich Gebot,
Zusammen hält uns
So Lieb' als Noth.

Winterleben 39

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