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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 2828

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 2828

Die vier Namen

Vier Namen flecht' ich in den Sang,
Wie ich's vermag, auf's beste,
Daß man darauf mit Becherklang
Anstoßen kann beim Feste.
Ihr lieben Namen alle vier,
Ich hoffe doch, ihr werdet hier
Euch miteinander vertragen.

Der erste Nam', und das ist Arndt,
Der hat zu allen Zeiten
Vor'm fremden Wesen streng gewarnt,
Und ließ nie ab vom Streiten;
Er stellt' als unverdross'ner Scherg
Sich vor den welschen Venusberg,
Der wahre treue Eckart.

Der zweite Nam', und das ist Jahn,
Der unser Volksthum geschrieben,
Von dem, da es fraß Feuerszahn,
Die Ueberschriften uns blieben;
D'rauf hat er noch mit gutem Stift
Geschrieben eine Runenschrift
Der nordische Runenmeister.

Der dritte Nam' an dieser Statt
Das ist der begeisterte Görres,
Der auch ein Blatt beschrieben hat,
Ein grünendes, kein dörres;
Darauf mit dem Merkuriusstab
Er hoch und tiefe Deutung gab,
Der Himmelszeichendeuter.

Den vierten Namen nenn' ich stracks,
Und werde gern sein Preiser,
Das ist von Schenkendorf der Max,
Der sang von Reich und Kaiser:
Der ließ die Sehnsucht rufen so laut,
Daß Deutschland ihn, die verlass'ne Braut,
Nennt ihren Kaiserherold.

Das sind die Namen, deren Klang
Ich war bemüht auf's Beste
Zu flechten hier in meinen Sang,
Sie herzubringen zum Feste;
Und sind euch lieb, wie mir, die vier,
So stoßt die Becher an mit mir
Auf mein vierblätt'riges Kleeblatt.

Zeitgedichte 1813. 1815 40

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