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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 257

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 257

Der Neid verzehrt sich selbst, sollt' er nichts andres können;
Die rechte Misgunst ist, sich selbst nichts Gutes gönnen.

Drei Neider sind in Streit, wer könn' am besten neiden,
Und ihre Streitigkeit sollt' also sich entscheiden.

Der eine sprach: Vernehmt, wie weit mein Neiden gehe:
Ich gönn' es keinem, daß im Traum ihm Gut's geschehe.

Der andre sprach: Du bist noch gar zu schwach ein Ritter;
Ich gönn' es keinem, daß ihm Gutes dank' ein Dritter.

Der dritte sprach: Ihr seid allbeide viel zu gut;
Ich gönn' es keinem, daß er selbst mir Gutes thut.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. IV. 38

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