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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 249

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 249

Der heilige Palmenbund

Die beiden Palmen, die dort alternd stehn beisammen,
Sie danken nicht ihr Heil dem Grund aus dem sie stammen;

Sie danken es dem Hauch des Himmels, Poesie;
Sie stehn, weil einmal sprach ein Dichter scheidend hie:

Ihr beiden Palmen, gebt mir euern Abschiedsgruß,
Weil ich von allem, was mir lieb ist, scheiden muß.

Nie rastet das Geschick, zu scheiden und zu trennen
Auf Erden alle, die sich lieben und sich kennen.

Ihr aber bleibet ungeschieden mir, ihr beiden!
Doch wird das Unglück auch einst kommen, euch zu scheiden.

Der Dichter sprachs, und gieng den schweren Abschiedsgang,
Doch in den Lüften hier blieb seines Liedes Klang.

Es gieng von Ohr zu Ohr das Lied, von Mund zu Munde,
Und nie droht' Axt und Beil dem heil'gen Palmenbunde.

Da kam der König her auf seinem Siegeszug,
Die Palme stand im Weg dem Wagen, der ihn trug.

Des Beiles Schärfe war schon angelegt dem Fuß;
Der Fuhrmann aber sprach des Dichters Abschiedsgruß:

Ihr Palmen bleibet ungeschieden mir, ihr beiden!
Doch wird das Unglück auch schon kommen euch zu scheiden.

Das war der beiden Heil; der König rief: halt ein!
Ich will das Unglück, das sie scheiden soll, nicht seyn.

Dem Dichterworte mag zur Ehre sich bequemen
Mein Siegeswagen wol, den Umweg hier zu nehmen.

Ihr aber steht, bis euch Sturm oder Alter bricht!
Das mag das Unglück seyn, von dem der Dichter spricht.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. IV. 30

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