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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 24

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 24

Der Strom, einmal getrübt, muß fließen eine Weile,
Eh aus der innern Füll' er seinen Schaden heile.

Vom Sturm erschüttert, muß in Wolkendampf die Luft
Ausgähren, bis sie sich verklärt in reinen Duft.

So muß ein menschliches Gemüth auch erst ausschwanken,
Wenn es ein äußrer Stoß, ein innrer, macht' erkranken.

Leicht heilt die Wunde, die man deinem Leib geschlagen;
Die selbst dein Herz sich schlug, wird späte Narben tragen.

Doch wenn es grausam heißt, dem Freund die Wund' aufreißen;
Sich selber es zu thun, kann auch nicht menschlich heißen.

Viel lieber lindes Öl geuß, das du hast im Haus,
Auf deine Schmerzen und auf alle fremden aus.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. I. 24

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