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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 1681

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 1681

Des einen freu' ich mich, wenn rückwerts geht der Blick
Auf meines Lebens buntverworrenes Geschick,

Wo der Zusammenhang der Pfade zu entgehn
Dem Aug' und alles scheint in irrem Kreis zu drehn;

Des einen freu' ich mich, daß doch, statt zu ermatten,
Die Reise leichter stets, je weiter, gieng vonstatten;

Als sie die Federkraft, die schwindende, der Glieder
Ersetzt durch tragendes unsichtbares Gefieder;

Sodaß auf seiner Bahn der Geist mühloser strebt,
Der, wo er unten sonst gerungen, oben schwebt.

Wenn nun sich ein Gedank' aus jener Zeit erfrischt
In neuer Form, ist ihm was eignes beigemischt:

Das jugendliche Roth der Wangen hat er nicht,
Doch dafür einen Stral auf seinem Angesicht.

Ich könnte, wollt' ich abgethanes neuverrichten,
All mein Gedichtetes in höhern Stil umdichten.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 5. XIV. 92

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OPERONE