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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 1527

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 1527

Gewöhne Schönes dich zu sinnen und zu denken,
Und lerne jeden Sinn aufs Schöne hinzulenken,

Und strebe jeden Sinn ins Schöne einzusenken,
Und Schönes möge hold dir jede Stunde schenken,

In Schönes hüllen dich, dein Herz mit Schönem tränken,
Und mit dem Anblick nie dich des Unschönen kränken.

Wer mit entschlossnem Blick das Schöne liebt und sucht,
Vor dessen Auge nimmt das Häßliche die Flucht.

Der Götter höchste Gunst ist aber dem bewahrt,
Der im Unschönen selbst das Schöne nur gewahrt;

Sei's auch, Unschönes nur, das seyn will, zu vernichten,
Und Schönes an der Statt, das seyn sollt', aufzurichten.

Ein zartes Auge wird beleidigt vom Unschönen,
Alswie ein feines Ohr verletzt von falschen Tönen.

Feinzarter Sinn ist gut, nicht gut der zärtlich schwache;
Du härte deinen so daß es nicht stumpf ihn mache.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 5. XIII. 52

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