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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 1428

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 1428

Wenn du das Ziel nur kennst, und bist auf rechten Wegen,
Gleichviel ists wie du rennst den Weg dem Ziel entgegen.

Du magst zu Fuße gehn, du magst auch reiten, fahren,
Dein Ziel nur mußt du sehn, und deines Weges wahren.

Nur vorwerts, nie zurück! kein müßiges Bedenken!
Das Einzle muß das Glück, Gott muß das Ganze lenken.

Schmal ist der rechte Weg, doch ist er nicht so schmal,
Daß rechts und links zu gehn dir bliebe nicht die Wahl.

Auch eben ist der Weg, doch ist er nicht so eben,
Daß fortzukommen du den Fuß nicht müßest heben.

Drum geh rechts oder links, wie's in den Sinn dir kommt,
Und hebe so den Fuß im Takte wie es frommt.

Im Wege magst du dich nach einer Blume bücken,
Nicht biegen aus dem Weg, um Blumen nur zu pflücken.

Stets eilen mußt du dich, doch nie dich übereilen,
Nie weilen ohne Noth, doch gern wo's Noth thut, weilen.

Nie rückwerts, wie gesagt, nur vorwerts mußt du gehn,
Und denken; doch erlaubt ist dir ein Rückwertssehn.

Zum Vorwertskommen selbst mag das die Kraft dir stärken,
Wie weit du vorwerts schon gekommen bist, zu merken.

So schreitest du von Schritt zu Schritt mit fester Ferse,
Alswie ein Dichter rückt vom Verse fort zum Verse.

Der auch nicht säumen darf im steten Vorwertsdrang;
Und im Bewußtseyn geht, ein Gott lenk' ihm den Gang.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 5. XII. 62

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