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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 1192

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 1192

In Allahs Paradies, wie sein Profet verhieß,
Soll sproßen jede Frucht den Gläub'gen zum Ersprieß.

Doch in zwiefacher Art ist jede Frucht vorhanden,
Die eine, wie sie gern auf Erden hier sie fanden,

Die andere, wie sie auf Erden niemal sahn;
Mit beiden aber wird es also seyn gethan:

Die eine welche sie als langbekannte finden,
Läßt einen völlig unbekannten Schmack empfinden;

Die andre aber, die sie als ganz neu entdecken,
Wird ihnen ganz bekannt, nur etwas besser schmecken.

Das heißt: sie werden sich im Alten stets des Neuen
Und in dem Neuen dort des Alten ewig freuen.

Der Früchte denk' ich gern, so oft es mir behagt,
Am liebsten, wenn die Welt dergleichen mir versagt.

Wollt' auch bekannte Frucht nur immer Gott mir schenken,
An Allahs Paradies wollt' ich bei Gott nicht denken.

Der Datteln wollt' ich gern entbehren und der Pfirschen,
Hätt' ich das ganze Jahr nur Trauben oder Kirschen.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 4. X. 103

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