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LYRIK Friedrich Rückert - Poetische Werke 1117

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Poetische Werke 1117

Die Glaubenseiferer, gesendet aus dem Westen,
Um zu erschüttern hier uralte Glaubensvesten;

Gesegnet sei der Bau, der neue, den sie gründen,
Die Lehre, die sie auf den Straßen laut verkünden!

Nichts Neues sagen sie den eingeweihten Brahmen,
Die aus der Väter Mund ein Gleiches längst vernahmen;

Was jeder Vater sagt ins Ohr dem Sohne nur,
Wann diesem umgethan wird der Einweihung Schnur:

Mein Sohn, es ist ein Gott, ein einz'ger Gott allein,
Und alle Götter sind ein Bild nur und ein Schein.

Denselben einen Gott sollst du im Stillen ehren,
Doch das Geheimniß nie ans Licht des Tages kehren.

Des Volkes Aug' ist für das reine Licht nicht reif,
Und freut der Täuschung sich am bunten Farbenstreif.

Das ist das Licht, das wir im Innern allzeit hatten,
Das wirft nach außenhin die euch verhaßten Schatten.

Licht und Geheimnis wollt ihr kehren nun heraus;
Und geht nicht aus das Licht, geht das Geheimnis aus.

Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 4. X. 28

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