Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters

HARTWIG VON RAUTE

Mir tuot ein sorge wê

1 Mir tuot ein sorge wê in minem muote,
die ich hin hein ze lieben friunden hân.
ob si dâ iender gedenken mîn ze guote,
als ich ir hie mit triuwen hân getân?
si solte mich dur got geniezen lân,5
daz ich ie bin gewesen in grôzer huote,
daz si iemer valsch kunne an mir verstân.

2 Swer wænet, daz mîn trûren habe ein ende,
der enweiz nitit, waz mir an mîme herzen lît:
ein kumber, den mir nieman kan erwenden,
ez tæte danne ir minneclîcher lîp.
die sorge hân ich leider âne strît,5
sine welle mir ir boten senden,
dem ich verwartet hân vor menger zît.

3 Swie mir der tôt vast ûf dem ruggen wære
unde dar zuo menic ungemach,
sô wart mîn wille nie, daz ich si verbære.
swie nâhen ich den tôt bî mir sach,
dâ menic man der sünden sîn verjach,5
dô was daz mîn allermeiste swære,
daz mir genâde nie von ir geschach.

4 Ich sihe wol, daz dem keiser und den wîben
mit ein ander nieman gedienen mac.
des wil ich in mit sælden lân belîben,
er hât mich hin zin versûmet manigen tac.

Als ich sihe daz beste wîp

Als ich sihe daz beste wîp,
wie kûme ich daz verbir,
daz ich niht umbevâhe ir reinen lîp
und twinge si ze mir.
ich stân dicke ze sprunge, als ich welle dar,5
sô si mir sô suoze vor gestêt.
næme sîn elliu werlt war,
sô mich der minnende unsin an gêt,
ich möhte sîn niht verlân,
der sprung wurde getân,10
trûwet ich bî ir einer hulde durch disen unsin bestân.

Inhalt home