Deutsche Lyrik des späten Mittelalters

NEIDHART

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Sumer, dîner süezen weter müezen wir uns ânen

I Sumer, dîner süezen weter müezen wir uns ânen,
dirre kalte winter trûren unde senen gît.
Ich bin ungetrœstet von der lieben wolgetânen.
wie sol ich vertrîben dise langen swæren zît
Diu die heide selwet [] unde manege bluomen wolgetân?5
darzuo sint die vogele in dem walde des betwungen daz si ir singen müezen lân.

II Alsô hât diu guote mir daz herze mîn betwungen,
daz ich âne vröude muoz verswenden mîne tage.
Mich vervâhet niht daz ich ir lange hân gesungen.
ez ist alsô wæhe daz ich mêre stille dage.
Ine geloube niht daz si den mannen iemer werde holt.5
wir verliesen swaz wir dar gerûnen und gesingen, ich und jener Hiltebolt.

III Wer ist nu der geilest under tumben getelingen?
er und einer, nennet man den jungen Hilteger.
Die enkunde ich disen sumer nie von ir gedrungen,
sô der tanz gein âbent an der strâze gienc entwer.
Manegen twerhen blic den wurfen si mich mit den ougen an,5
swenne ich sunder mînes guoten willen eteswenne vür si beide muose gân.

IV Œdelîchen wart von in ûf mînen tratz gesprungen.
ir gewaltes bin ich vor in mînem schophe grâ.
Owê daz mich vil maneger hât von lieber stat gedrungen
beidiu von der guoten und ouch wîlen anderswâ.
Iedoch sô neic diu guote mir ein lützel über schiltes rant.5
gerne mugt ir hœren wie die dörper sint gekleidet: üppiclîch ist ir gewant.

V Enge röcke tragent si und smale schaperûne,
rote hüete, ringelohte schuohe, swarze hosen.
Engelmâr getet mir nie leide an Vriderûne
sô die zwêne tuont. ich nîde ir phellelîne phosen
Die si tragent: dâ sint inne wurzen heizent ingeber.5
Hiltebolt der gap der lieben einez bî dem tanze; daz gezuht ir Willeher.

VI Seit ich nu ze mæren wie siz under in geschuofen,
des enweiz ich niht: ich schier von dannen dâ zehant.
Manneglîch begunde lûte sînen vriunden ruofen.
einen hôrte ich schrien ›hilf, gevater Weregant!‹
Der was lîhte in noeten dô'r so lûte nâch der helfe schrê.5
Hilteholdes swester hôrte ich lûte schrîen eines ›wê mir mînes bruoder wê!‹

VII Wâ bî sol man mîn geplätze hinnen vür bekennen?
hie bevor bekande man ez ⌈wol bî⌉ Riuwental.
Dâ von solde man mich noch von allem rehte nennen ─
nust mir eigen unde lêhen dâ gemezzen smal.
Kint, ir heizet iu den singen der sîn nu gewaltic sî.5
ich bin sîn verstôzen âne schulde, mine vriunt, nu lâzet mich des namen vrî.

VIII Mîner vînde wille ist niht ze wol an mir ergangen.
wolde ez got, sîn mähte noch vil lîhte werden rât.
In dem lande ze Ôsterrîche wart ich wol enphangen
von dem edeln vürsten der mich nu behûset hât.
Hie ze Medeliche bin ich immer âne ir aller danc.5
mir ist leit daz ich von Eppen und von Gumpen ie ze Riuwental sô vil gesanc.

*

IX Ich hân des mînen herren hulde verlorn âne schulde.
dâ von so ist mîn herze mir jâmers unde trûrens vol.
Rîcher got, nu rihte mirz sô gar nâch dîner hulde,
vil manges werden vriundes daz ich mich sô ânen sol.
Des hân ich ze Beiern gelâzen allez daz ich ie gewan5
unde var dâ hin gein Ôsterrîche und wil [] dingen an den werden Ôsterman.

*

X Der Nîthart hât uns hie verlâzen als diu krâ den stecken
diu dâ hinne fliuget unde sitzet ûf ein sât.
Ez sol ein man mit fremden frouwen niht ze vil gezecken
der der wâren schulde an der sînen niht vunden hât.
Er niez, sîn tegelîche spîse, der hât er dâ heime genuoc.5
lât Hildebolten mit gemache! ez was ein eichel die er [] in dem biutel truoc.

Owê dirre nôt!

I Owê dirre nôt!
wie hant sich verwandelôt
dise liehten sumertage!
von sô senelîcher klage
trûret manic herze daz in hôhem muote was.5
Deist aber elliu jâr
daz der winder offenbâr
uns beroubet âne wer
mit gewalticlîchem her.
er benimt uns vil der schœnen bluomen unde gras.10
Alsô hât ein wîp
mich beroubet gar der sinne,
an den triuwen, und ich si sô herzenlîchen minne.
wie wart ungenædic ie sô minniclîcher lip?

II Ich bin zweier schaden
von ir schulden überladen,
die mir alze swære sint.
ich bin tumber danne ein kint
daz ich hân gedienet âne lôn und âne danc.5
So ist daz der dritte schade:
sæhe si mich ûf dem rade,
si gespræche nimmer ach,
des si selbe mir verjach.
owê daz ir lop von mînem munde ie sus erklanc!10
Si tuot als der stein
der daz îsen an sich ziuhet;
von sîner grôzen kraft man in mit scheffen sêre vliuhet.
also ziuhet si mich zuo ir im gelîch enein.

III Wâ nu vriundes rât,
sît si niht genâden hât?
wie ich mit disem dinge tuo,
dâ bedorft ich râtes zuo.
rât ein iegelîch vriunt alsô diu rede wære sîn.5
Scheid ich nu von ir,
sît ich herzenlîche gir
nâch ir werden minne hân,
daz enist niht guot getân.
wê war umbe lieze ich nu den langen dienest mîn?10
Ich wil vürebaz
mîn gelücke noch versuochen,
ob dâ vrouwe Sælde mînes heiles welle ruochen.
mir hât hiuwer ein getelinc geniuwet mînen haz.

IV Daz ist Irenber,
vert von Botenbrunne her
durch sîn höfschen dâ her abe,
ein vil hiuzer dorfknabe.
guoter wîbe minne muoz im nimmer werden teil.5
Daz ist swinder vluoch.
ine kunde ez an ein buoch
nimmer halbez hân geschriben
daz er wunders hât getriben
hiuwer mit der lieben dâ die jungen wâren geil.10
Ob er sich ertobet
nâch ir minne und erwunne,
er ist ir ungewert. nu höfsch er hin gein Botenbrunne.
si hât mich und in und all unstæte man verlobet.

V Bræche si den eit,
lieze ir mîne sicherheit
von ir vriunden hôhe staben
daz ichs immer wolde haben
liep vor allem liebe hin dô liep ein ende hât.5
Mähte iz ir gezemen,
daz siz alsô wolde nemen
als ich ir geteilet hân,
sô hiet al mîn lieber wân
sich nâch mînem willen wol volendet. nune lât10
Jener Irenber
mir niht wol an ir gelingen.
jâne wil ich nimmer mêr wîbes lop gelingen,
ob si mich verzîhet und ir minne jenen wer.

*

VI Herze, dir ist ze gâch,
volgest du den ougen nâch.
dâ si ein schoene wîp ersehent,
sô verst in den sprüngen pfnehent
und gedenkest ›heiâ, her ich disen goldes grif!‹5
So ist dir lützel kunt
ob dîn lieber ougen funt
âne missewende sî.
der gedanke bist du frî.
wirt dîn wille ervollet, sô geriuwet dich der wif,10
Ist diu liebe gast
dâ diu schœne ist ingesinde.
erst iemer sælic der si beide an einem wîbe vinde.
solhes fundes mir an schœnem wîbe ie gebrast.

*

VII Fürste Friderîch,
unde wær ez betelîch,
umb ein kleinez hiuselîn
darinne mîn silbers voller schrîn
wær behalten den ich hân von dîner milten gebe,5
Des wil ich dich biten.
dû vernimz mit guoten siten.
wan ich bin in dîme göu
maneges snœden underströu.
ich wil ez gedienen al die wîle sô ich lebe,10
Hie mit mîner hant,
hin ze gote mit mîner zungen:
wirt in frônekôre ein lobeliet von dir gesungen,
dâ von dû wirst in dem paradîse wîte erkant.

Owê, winter, waz du bringest

Owê, winter, waz du bringest
trüeber tage und wie du'z allez twingest
daz den sumer in freuden was.
Dû hâst vogelîn vil betwungen
dâ der walt ⌈was aller von⌉ besungen5
dar zuo bluomen unde [] gras.
Daz verklagte ich [] allez wol,
wolte mich diu vrouwe mîne
scheiden von dem seniclîchen pîne
den ich von ir schulden dol.10

II Si kan zouberliste tougen:
tac und naht gêt si mir vor den ougen
dem gelîch als [] ich si sehe.
In dem slâfe ist si mir nâhen.
wenn ich wæne, ich sol si umbefâhen5
und daz minniclîch geschehe,
Sô'st ez leider ein betroc
daz mich in dem slâfe triuget
und mir an sô liebem wâne liuget.
dâ von [] grâwet mir der loc.10

III Wâ nu friunt? hât ieman [] stüppe
daz mir wære guot für zouberlüppe
(daz wolt ich mit golde wegen)
Dâ mit ich mich möhte gefristen
vor sô ungefüegen zouberlisten?5
kan aber ieman einen segen
Der für zouber wære guot?
wolte ⌈ein wîser mich den⌉ lêren!
ich mac niender fuoz von ir gekêren,
sin verwende mir den muot.10

IV Wê, wer singet nu ze tanze
jungen meiden unter rôsenkranze,
Gôzpreht, aber an dîner stat?
Liutolt, Liupsun, Hiltolf, Utze,
Wîgolt, Wildunc, Rîchper, Rog und Tutze,5
iu'st gesagt an freuden mat.
Des keisers kumen ist iu ein hagel:
man tuot iuch des hâres âne
bî den ôren oberhalp dem spâne.
ir geuphân, ir lât den zagel.10

V Ein gebot ich sanfte lîde:
daz man Gozman umb und umbe snîde
sîn lancreidez falwes hâr.
Im und sînen tanzgesellen
hâr und kleider will man allez stellen5
nâch dem alten site gar
Als man bî künic Karel truoc.
swer sich des will widersetzen
den will man an lîbe und guote letzen
daz er sîn hât immer genuoc.10

VI Hirzber spricht und sîne friunde,
er und sîner muomen kint selbniunde
wellen von dem lande farn,
Darzuo hundert sîner mâgen.
lîp und guot daz wellen s' alle wâgen,5
zwâr si wellen daz bewarn
Daz si iht die êrsten sîn
dâ man mit die schuole stifte.
waz, ob si der schuole meister wifte
und sîn scharpfes schærelîn!10

VII Füeget iuch, arm unde [] rîche,
gein dem milten fürsten Friderîche!
der wil rihten dâ des pfat,
Er und ander fürsten alle,
der uns vor in allen wol gefalle5
an der wirde und an der tât.
Er kan rihten und getar.
swâ man schallen sol mit guote
dâ'st er unverzagt an miltem muote.
saget, wer hôher ⌈danne er var⌉.10

VIII Lât ir iu diu mære briunen:
er wil selbe sticken unde [] ziunen,
vriden durch der Unger lant
Hin unz durch die Bulgarîe,
her wider ûz und durch die Romanîe5
mit gewalticlîcher hant,
Er und al die helde sîn,
Vlâchen, Zeckel, Tiutsch und Unger.
welt er dannoch mêre daz betwunger.
vride ein keiser umb den Rîn!10

Des sumers und des winders beider vîentschaft

I Des sumers und des winders beider vîentschaft
kan ze disen zîten niemen understân.
der winder der ist aber hiuwer mit sînen vriunden komen;
Er ist hie mit einer ungevüegen kraft.
erne hât dem walde loubes niht verlân5
und der heide ir bluomen und ir liehten schîn benomen.
Sîn unsenftikeit
ist ze schaden uns bereit.
ir sît in iuwer huote! er hât uns allen widerseit.

II Alsô hân ich mîner vrouwen widersaget.
si bedarf mîn niht ze dienestmanne jehen.
ich gediene ir williclîchen nimmer einen tac,
Sît si guoten vriunt in vîndes stricke jaget.
ich wil mir ein lange wernde vrône spehen5
diu mich hin ze gotes hulde wol bringen mac.
Die verliust si mir.
deste wirs getrûwe ich ir.
si sol wizzen daz ich ir ze vrouwen wol enbir.

III Ist daz niht ein wandel an der vrouwen mîn?
swer ir dienet, dem ist kranker lôn beschert.
si verleitet manigen daz er in dem drûhe lît.
Des muoz leider liebes lônes âne sîn
der ouch in ir dienest hin ze helle vert.5
er ist sælic swer sich von ir verret bî der zît,
Daz er ze mittem tage
sînen phenninc hie bejage,
den er umb die vesperzît verdienet mit im trage.

IV Swaz ich nu gesinge daz sint klageliet.
dâ envreut sich lützel leider iemen von.
ê dô sang ich daz den guoten liuten wol gezam.
Sît daz mich daz alter von der jugende schiet,
[] muoz ich dulden des ich ê was ungewon.5
niemen sol verzîhen sich, im geschehe vil lîhte alsam.
Wirt er als ich grâ,
sô ist missebieten dâ.
sô der wolf in daz alter kumt, sô rîtet in diu krâ.

V Ê dô kômen uns sô vreuden rîchiu jâr,
dô die hôchgemuoten wâren lobesam.
nu ist in allen landen niht wan trûren unde klagen.
Sît [] der ungevüege dörper Engelmâr
der vil lieben Vriderûne ir spiegel nam,5
dô begunde trûren vreude ûz al den landen jagen,
Daz si gar verswant.
mit der vreude wart versant
zuht und êre; disiu driu sît leider niemen vant.

VI Der mir hie bevor in mînem anger wuot
und dar inne rôsen ze einem kranze brach
und in hôher wîse sîniu wineliedel sanc,
Der beswârte nie sô sêre mir den muot
als ein dinc daz ich von Willekinde sach.5
der spranc wol den krumben reien an ir bende blanc.
Dô swanc er den vuoz,
des mîn vreude swinden muoz.
er und Gätzeman gewinnet nimmer mînen gruoz.

VII Er spranc winsterthalben an ir wîzen hant.
houbet unde hals gie im vil vaste entwer,
dem gelîche als der des lîbes niht gewalten mac.
Dô wart mir der œde krage alrêst bekant.
wê, wer brâhte in ie von Atzenbrucke her?5
dâ hât er gesungen vor vil manegen vîretac.
Des tuot er wol schîn,
er wil alsô tiuwer sîn
als der durch daz röckel trat der lieben vrouwen mîn.

VIII Minne, wer gap dir sô rehte süezen namen,
daz er dir dâ bî niht guoter witze gap?
Minne, hôhe sinne solten dîn geleite sîn.
Ich muoz mich ze manegen stunden vür dich schamen.
dû verliusest dicke dînen riutelstap.5
daz dû swachen vriunden gîst dîn hærîn vingerlîn,
Des ist dîn êre kranc.
daz dû, vrouwe, habest undanc!
in dîn hærîn vingerlîn ein kneht den vinger dranc.

IX Daz siz niht dem ritter an den vinger stiez
dô ez in der niuwe und in der wirde was!
dannoch hete siz dem knehte wol vür vol gegeben.
Ich weiz rehte niht war umbe si daz liez.
lîhte was der kneht ir ougen spiegelglas.5
minne ist sô gewaltic dâ si hin beginnet streben;
minne ist sô gemuot,
der mit werk ír willen tuot,
daz si dâ hin minnet dâ ir êre ist unbehuot.

Meie, dîn liehter schîn

I Meie, dîn liehter schîn
und diu kleinen vogelîn
bringent vröuden vollen schrîn.
daz si willekomen sîn!
ich bin an den vröuden mîn5
mit der werlde kranc.
Alle tage ist mîn klage,
von der ich daz beste sage
und ir holdez herze trage,
daz ich der niht wol behage.10
von den schulden ich verzage,
daz mir nie gelanc,
Alsô noch genuogen an ir dienest ist gelungen,
die nâch guoter wîbe lône höveschlîchen rungen.
nu hân ich beidiu umbe sust gedienet und gesungen.15

II Lieben wân, den ich hân
gein der lieben wolgetân,
der ist immer unverlân
und enkan mich niht vervân.
sol diu guote mich vergân,5
sanfter wære ich tôt.
Ich was ie, swiez ergie,
sît daz ich ir künde vie,
in ir dienste, des si nie
selten mich geniezen lie,10
dort und etewenne hie,
swie si mir gebôt.
Sol ich dienen und des âne lôn von ir belîben,
so ist des übelen mêre danne des guoten an den wiben.
von dem gelouben möhte mich ein keiser niht vertrîben.15

IIIUngemach mir geschach,
do ich von êrste ein wîp ersach,
der man ie daz beste sprach
und ir guoter dinge jach,
diu ir kiusche nie zebrach5
und ir hövescheit.
Ist mîn hâr grisgevar,
daz kumt von ir schulden gar.
ir vil liehten ougen klâr
nement mîn vil kleine war,10
sô diu mînen blickent dar
âne kunterfeit.
Wolte si mit einem gên den mînen beiden zwieren!
minne diu gebiutet, daz diu ougen schamelieren,
die liebe zwischen wîben unde mannen underwieren.15

IV Hôchgemuot dar zuo fruot
ist an jungem manne guot.
der vor schanden ist behuot
und daz beste gerne tuot,
den begiuzet sælden fluot,5
minnent werdiu wîp.
Fürhte scham, wîbes nam
der enwirt dir nimmer gram.
ist er guoten wîben zam,
ist sîn zunge an schelten lam,10
so ist er aller tugende stam,
sælic sî sîn lîp!
Der daz lop behalte, der ist âne missewende.
aller sælden sælic muoz er sîn unz an sîn ende.
daz liet ich der werlde zeiner bezzerunge sende.15

Freut iuch, wolgemuoten kint

I Freut iuch, wolgemuoten kint.
uns wil des süezen meien wint
ergetzen der leide,
die der veige winter kalt uns hiure hat getân.
Freut iuch gegen der lieben zît.5
uns gruonet schône widerstrît
der walt und diu beide.
dicke liep nach leide kumet, gedenket an.
Ungemüete machet alt,
hôher muot kan jungen.10
des bin ich in ganzen fröuden worden balt.
des hât mich diu liebe diu guote betwungen.

II Swaz ich bluomen ie gesach,
swaz ich rôsen ie gebrach
den sumer, den meien,
die sint ungelîch gevar den rôsen, die si truoc
In ir schœzel, der si mir5
gap ein krenzel. got lôn ir.
die het si geheien,
daz ich nie bekante mê rôsen alsô kluoc.
Rôsen ûz ir belgelîn
volle niht entlochen,10
der wart mir ein krenzel ûf daz houbet mîn.
daz het ê diu liebe vil dicke versprochen.

III Iemer müeze ich sîn ein diep,
sî mir niht ir krenzel liep.
si sol mirz gehalten
sô si aller beste kan, daz siz ieman gebe;
Wande ez mir sô rehte kumet5
als [] ez mir selben sî gefrumet.
der reif ist gespalten
nâch der wünschelruoten stân, geblüemet als ez lebe.
Wol gestricket sunder nît
ist ez ûf mîn houbet.10
wizzet, ob siz krenzel iemen fürbaz gît,
daz si mich entêret, der sinne beroubet.

IV Man solz tugentlîch verstân,
wie [] daz krenzel sî getân,
wie lieplîch gestricket:
keiner bluomen ist sô vil der brûnen dâ.
Nieman mirz verkêren sol.5
ez wart nie krenzel mê sô wol
ze fröuden geschicket.
swer daz krenzel tragen sol, der wirt niemer grâ.
Sælic sî daz engerlîn
dâ die bluomen springen.10
dâ mac ouch der reif vil wol gewahsen sîn.
si sol niemen lân wan mir eine gelingen.

V Swem von liebe liep geschiht,
swem diu liebe liebez giht,
swâ liebe geliebet,
dâ mac liebe liebes jehen. liep machet stolzen lîp,
Liebe machet wol gestalt,5
liep tuot in ganzen fröuden balt.
diu liebe verdiebet:
lieber muoter tohter liep, dem manne [] liebez wîp,
Lieben brüedern swestern liep
stelen kan diu liebe.10
liebe ist ganzer liebe ein lieber tougendiep.
liep daz wirt bî liebe durch liebe ze diebe.

Urlaub hab der winter

I Urlaub hab der winter
und dar zu der kalte sne!
uns kumpt ein sumer linder,
man siht anger und den kle
gar sumerlich gestellet.5
Ir ritter und ir frauwen,
ir sult auf des maien plan
den ersten viol schauwen,
der ist wunneclich getan.
die zeit hat sich gesellet.10
Ir sult den sumer grüßen
und alles sein ingesinde.
er kan den kumer püßen
und fert da her so linde.
So wil ich auf des maien plan15
den ersten viol suchen.
got geb, das es mir wol ergan!
der zeit wil ich geruchen,
seit si mir wol gevellet.

II Do ging ich hin und here,
unz das ich vant das plümelein.
do vergaß ich aller swere,
zuhant do wolt ich frölich sein,
vil laut begund ich singen.5
Wann auf die selben plumen
do gesturzt ich meinen hut,
das ich mich dorste rumen,
wann es dauchte mich so gut,
mir solte wol gelingen.10
Das sach ein vilzgepaure
hinder mir in einem tal.
es wart im seit zu saure,
das er treib so reichen schal.
Ich wän, der Ungelinke15
zucket auf den meinen hut
und sein pruder Hinke,
merdum er dar unter lut.
do begund mich sorgen zwingen.

III Do ging ich sunder taugen
auf die purk und redt also:
›die red ist one laugen,
ir sult alle wesen fro:
ich han den sumer funden.‹5
Die herzogin von Pairen
die furt ich an meiner hant,
mit pfeifen, vidlen, flairen
freude was uns wol bekant
al zu den selben stunden.10
Do sprach ich zu der feinen:
›kniet nider und hebt auf den hut,
ir lat den sumer scheinen,
wann das tunket uns so gut.‹
Die minnecliche raine15
die pot dar ir weiße hant.
si purt den hut allaine,
merdum si dar under vant.
mein freud die was verswunden.

IV Do sprach die herzoginne:
›her Neithart, das habt ir getan,
des ich mich wol versinne.
die smachait [] muß mir nahet gan
und mag eu wol gereuwen.‹5
Pei allen meinen tagen
geschah mir nie so großes lait,
das ich es dorste sagen.
zu freuden pin ich unberait,
mein laid das wil sich neuwen.10
So waffen über mich ummer!
ich wolte, das ich were tot.
nu muß ich leiden kummer,
ich kom nie in großer not.
Die wol getanen munde15
die muß ich von schulden klagen,
das ich mich von in wunde,
das laid sol ich armer tragen.
das habt auf meine treuwen.

V An einem lobentanze
ging Irrenper und Irrenfrid
mit irem rosenkranze.
Roswein, Goßwein und der Smid
die wurden faste singen5
Und der junge Lanze
und sein pruder Utzenger,
Fritzeper und Ranze,
jener platfuß: ›nu tret her,
lat neuwe sporen klingen!‹10
Ir warn zwen und dreißig,
die verlorn doch ir tenke pain.
einer der hieß Reißig,
wie ser er über den bühel grein:
›Verfluchet sei der sumer,15
den der Neithart erste vant!
nu müß wir leiden kumer.
das der veiol sei geschant!
nu mug wir nimmer springen.‹

Hörent, frauwen unde man

Proclamator:
Hörent, frauwen unde man,
ez kument her uf disen plan
jetzo an diser vart
ain herzogin und her Nithart,5
mit in vil schöner frauwen,
von den ir abentür sünd schauwen,
wie der vest ritter her Nithart
mit der herzegin verwetet hꜷt:
wer vinde daz erst blűmelin,10
der sol des ander bůl jarlang sin.
Loquatur ducissa:
Got grűz dich, edler Nithart.
von wann kumbst her an diser vart
oder wie stꜷt din geműt15
gen des liechten maien blűt?
wes wellen wir nu beginnen,
da von wir fräud gewinnen?
wann min geműt stꜷt also,
das ich wil mit dir wesen fro20
gen des liechten maien schin,
ich und die klꜷren megentin.
Respondeat Nithardus:
Genꜷd, liebiu frauwe min,
waz ir gebietent, daz sol sin,25
und wil mich des verpflichten,
daz ich wil fürbas dichten
daz best, daz ich mak,
bediu nacht unde tak.
durch alle schön frauwen gůt30
wil ich wesen hoch gemůt,
sůchen mit richem schall
wil ich blůmen und vial,
und vind ich dann daz blűmelin,
so műssent ir min bůl sin.35
Vadat Nithardus et ponat florem sub pilleo et redeat:
Ach, edliu frauwe minneclich,
an hohen fräuden bin ich rich,
wan ich an disen stunden
hꜷn ain viol blůmen funden,40
die süllent ir gꜷn schauwen,
ir und die edeln junkfrauwen.
Levato pileo dicit ducissa:
Ach wꜷfen, ümmer wꜷfen,
dar umb sol man dich strꜷfen,45
daz du nimmer liegest
und kain frauwen me betriegest.
du vaiger swacher man,
ez můs dir an daz leben gꜷn.
Respondeat Nithardus parum percussus:50
Ach, edliu frauwe hoch geborn,
lꜷnd ab gen mir den iuwern zorn
und lꜷd mich hꜷn iuwer huld!
ez ist geschehen ꜷn all min schuld.
ain gebur mirs hꜷt ze laid getꜷn,55
er můss ain bain ze pfand hie lꜷn.
Nithardus ad rusticos:
Sagt an, ir dorfknappen,
ir törpel und ir můstrappen,
waz hꜷnd ir an mir gerochen,60
daz ir den viol hꜷnt ab gebrochen
und mir mit iuwerm ungelimpf
zerstörent hꜷnt den minen schimpf?
ze pfant műst ir diu bain hie lꜷn
und uf den stelzen hain gꜷn.65

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