Deutsche Lyrik des späten Mittelalters

NEIDHART

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Ine gesach die heide

I Ine gesach die heide
nie baz gestalt,
in liehter ougenweide
den grüenen walt.
an den beiden kiese wir den meien.5
ir mägde, ir sult iuch zweien,
gein dirre liehten sumerzît
in hôhem muote reien.

II Lop von mangen zungen
der meie hât.
die bluomen sint entsprungen
an manger stat,
dâ man ê deheine kunde vinden.5
geloubet stât diu linde:
sich hebt, als ir wol habt vernomen,
ein tanz von höfschen kinden.

III Die sint sorgen âne,
vil vröuden rîch.
ir mägede wolgetâne
und minneclîch,
zieret iuch wol, daz iu die Beier danken,5
die Swâbe und die Vranken!
ir brîset iuwer hemde wîz
mit sîden wol zen lanken!

IV ›Gein wem solt ich mich zâfen?‹
sô redete ein maget.
›die tumben sint entslâfen.
ich bin verzaget.
vreud und êre ist al der werlde unmære.5
die man sint wandelbære:
deheiner wirbet umbe ein wîp,
der er getiuwert wære.‹

V ›Die rede soltû behalten‹,
sprach ir gespil.
›mit vröuden sul wir alten:
der manne ist vil,
die noch gerne dienent guoten wîben.5
lât solhe rede belîben!
ez wirbet einer umbe mich,
der trûren kan vertrîben.‹

VI ›Den soltû mir zeigen,
wie er mir behage.
der gürtel sî dîn eigen,
den ich umbe trage.
sage mir sînen namen, der dich minne5
sô tougenlîcher sinne!
mir ist getroumet hînt von dir,
dîn muot der stê von hinne.‹

VII ›Den si alle nennent
von Riuwental
und sînen sanc erkennent
wol über al,
der ist mir holt. mit guote ich im des lône:5
durch sînen willen schône
sô wil ich brisen mînen lîp.
wol dan, man liutet nône!‹

Ich gesach den walt und al die heide

I Ich gesach den walt und al die heide
nie vor manigen zîten in sô liehter ougenweide.
die hât der meie vür gesant,
daz si künden in diu lant
sîne kunft den vruoten5
und al den hôchgemuoten.

II Allez, daz diu werlt nu hât beslozzen,
vreut sich sîner künfte wol: der habe wir ê genozzen.
nu sî uns allen willekomen!
manigem herzen ist benomen
leit und ungemüete.5
er kumt mit maniger blüete.

III Die nu sîne brieve hœren wellen
und sîn lop mit willen helfen in diu lant erschellen,
die losen der lieben nahtigal,
wan ir stimme nie erhal
alsô suoze mêre!5
der meie habe des êre!

IV Sprach ein maget: ›ich wil si gerne hœren,
im ze lobe den mînen lîp mit manigem sprunge enbœren.
ich hân erwelt mir einen sprunc:
swer den kan, der ist lange junc.
sô ich den hôhe springe,5
sô vreut sich mîn gedinge.‹

V Ir gespil si vrâgen dô begunde,
daz si ir seite, wer sô guote sprünge lêren kunde:
›ich erkande in gerne, und mähte ez sîn.‹
›entriuwen‹, sprach daz magedîn,
›er ist sîn unvermeldet,5
ir lobet in oder ir scheldet.‹

VI ›Ich mac wol dîn ungevüege schelten:
dû muost immer wider mich so gelfer worte engelten.
wir hieten beide baz gedaget.
hiute sî dir widersaget
dienest unde triuwe.5
dîn muot ist iteniuwe.‹

VII ›Sprichest dû, daz ich sî ungevüege?
ich weiz einen ritter, der mich an sîn bette trüege,
daz er mich niht enwürfe hin.
dû bist leider âne sin,
daz dû mich sô swachest,5
dir selben vient machest.‹

VIII Ir geselleschefte si sich schieden.
nieman kunde ir wehselrede volrecken an den lieden.
si wurden beide ein ander gram.
eine ich mir zu trûte nam,
die ich immer triute.5
daz nîdent ander liute.

IX Swer mich um die wolgetânen nîde,
dem wünsch ich, daz im geschehe, daz er unsanfte lîde.
gewinnet er immer herzenliep,
daz stel im der minnediep!
vriunt, nu sprechen âmen,5
daz wir sîn alle râmen.

Nu ist der küele winder gar zergangen

I ›Nu ist der küele winder gar zergangen,
diu naht ist kurz, der tac beginnet langen;
sich hebet ein wünneclîchiu zît,
diu al der werlde vreude gît.
baz gesungen nie die vogele ê noch sît.5

II Komen ist uns ein liehtiu ougenweide:
man siht der rôsen wunder ûf der heide;
die bluomen dringent durch daz gras.
wie schône ein wise getouwet was,
dâ mir mîn geselle zeinem kranze las.5

III Der walt hât sîner grise gar vergezzen;
der meie ist ûf ein grüenez zwî gesezzen:
er hât gewunnen loubes vil.
bint dir balde, trûtgespil,
dû weist wol, daz ich mit einem ritter wil.‹

IV Daz gehôrt der mägde muoter tougen;
si sprach: ›behalte hinne vür dîn lougen!
dîn wankelmuot ist offenbâr.
wint ein hüetel um dîn hâr!
dû muost ân die dînen wât, wilt an die schar.‹5

V ›Muoter mîn, wer gap iu daz ze lêhen,
daz ich iuch mîner wæte solde vlêhen?
dern gespunnet ir nie vadem.
lâzet ruowen solhen kradem!
wâ nu slüzzel? sliuz ûf balde mir daz gadem!‹5

VI Diu wât diu was in einem schrîn versperret,
daz wart bî einem staffel ûf gezerret.
diu alte ir leider nie gesach.
dô daz kint ir kisten brach,
dô gesweic ir zunge, daz si niht ensprach.5

VII Dar ûz nam si daz röckel alsô balde,
daz was gelegen in maneger kleinen valde.
ir gürtel was ein rieme smal.
in des hant von Riuwental
warf diu stolze maget ir gickelvêhen bal.5

VIII Diu alte diu begreif ein rocken grôzen.
si begunde ir tohter bliuwen unde stôzen.
›daz habe dir des von Riuwental!
ch ist im sîn überval.
nû var hin, daz hiute der tiuvel ûz dir kal!‹5

Uns wil ein sumer komen

I ›Uns wil ein sumer komen‹,
sprach ein maget, ›jâ hân ich den von Riuwental vernomen.
jâ wil ich in loben.
mîn herze spilt gein im vor vreuden, als ez welle toben.
ich hœr in dort singen vor den kinden.5
jâne wil ich nimmer des erwinden,
ich springe an sîner hende zuo der linden.‹

II Diu muoter rief ir nâch,
si sprach: ›tohter, volge mir, niht lâ dir wesen gâch!
weistû, wie geschach
dîner gespilen Jiuten vert, alsam ir eide jach?
der wuohs von sînem reien ûf ir wempel,5
und gewan ein kint, daz hiez si Lempel.
alsô lêrte er si den gimpelgempel.‹

III ›Muoter, lât ez sîn!
er sant mir ein rôsenschapel, daz her liehten schîn,
ûf daz houbet mîn,
und zwêne rôte golzen brâhte er her mir über Rîn,
die trage ich noch hiuwer an mînem beine.5
des er mich bat, daz weiz ich niuwan eine.
jâ volge ich iuwer ræte harte kleine.‹

IV Der muoter der wart leit,
daz diu tohter niht enhôrte, daz si ir vor geseit.
ez sprach diu stolze meit:
›ich hân im gelobt, des hât er mîniu sicherheit.
waz verliuse ich dâ mit mîner êren?5
jâne wil ich nimmer widerkêren,
er muoz mich sîne geile sprünge lêren.‹

V Diu muoter sprach: ›wol hin!
verstû übel oder wol, sich, daz ist dîn gewin.
dû hâst niht guoten sin.
wil dû mit im gein Riuwental, dâ bringet er dich hin.
alsô kan dich sîn treiros verkoufen:5
er beginnet dich slahen, stôzen, roufen,
und müezen doch zwô wiegen bî dir loufen.‹

Sô blôzen wir den anger ligen sâhen

I Sô ⌈blôzen wir den⌉ anger ligen sâhen,
end uns diu liebe zît begunde nâhen,
daz die bluomen drungen durch den klê.
aber als ê
ist diu heide mit rôsen umbevangen,5
den tuot der sumer wol, niht wê.

II Droschel, nahtigal die hœrt man singen,
von ir schalle berc und tal erklingen.
si vreunt sich gegen der lieben sumerzît,
diu uns gît
vreuden vil und liehter ougenweide.5
diu heide wünneclîchen lît.

III Dô sprach ein maget: ›die wisen wellen touwen.
megt ir an dem sumer wunder schouwen?
die boume, die den winder stuonden val
âne zal,
die siht man aber in dem walde louben,5
dar under singent nahtigal.

IV Losâ, wie die vogele alle dœnent,
wie si den meien mit ir sange krœnent!
jâ, wæn ich, der winder ende hât.
Wîerât,
sprinc alsô, daz ich dirs immer danke!5
diu linde wol geloubet stât.

V Dâ sul wir uns wider hiuwer zweien.
vor dem walde ist rôsen vil geheien,
der wil ich ein kränzel wolgetân
ûfe hân,
swenne ich disen sumer an dem reien5
mit einem höfschen ritter gân.‹

VI ›Tohterlîn, lâ dich sîn niht gelangen!
wil dû die ritter an dem reien drangen,
die dir niht ze mâzen sulen sin,
tohterlîn,
dû wirst an dem schaden wol ervunden.5
der junge meier muotet [] dîn.‹

VII ›Nu gutzet mir der meier an die versen.
jâ trûwe ich [] stolzem ritter wol gehersen.
zwiu sol ein gebûwer mir ze man?
der enkan
mich nâch mînem willen niht getriuten.5
ich wæn, er mîn eine muoz gestân.‹

VIII ›Tohterlin, lâ dir in niht versmâhen!
dû wilt [] ze tumbe der ritter künde vâhen.
daz ist allen dînen vriunden leit.
sô manigen eit
den swüere dû, des wis du âne lougen.5
dîn muot dich allez von mir treit.‹

IX ›Muoter mîn, ir lâzet iuwer bâgen!
ich wil mîne vriunde durch in wâgen,
den ich minen willen nie verhal.
über al
müezen sîn diu liute werden inne:5
mîn muot der strebt gein Riuwental.‹

Der walt stuont aller grîse

I Der walt stuont aller grîse
vor snê und ouch vor îse.
der ist in liehter varwe gar.
nemt sîn war,
stolziu kint,5
und reiet dâ die bluomen sint.

II Ûf manegem grüenen rîse
hôrte ich süeze wîse
singen kleiniu vogelîn.
bluomen schîn
ich dâ vant.5
heide hât ir lieht gewant.

III Ich bin holt dem meien.
dar inne sach ich reien
mîn liep under der linden schat.
manic blat
ir dâ wac5
für den heizen sunnentac.

Heid anger und walt in fröuden stât

I Heid anger und walt in fröuden stât;
diu habent sich bereitet mit ir besten wât,
die in der meie hât genant.
sî wir alle
frô mit schalle!5
der sumer ist kumen in diu lant.

II Die nû vor grôzer huote megen,
die sulen balde ir bestez vîrtacgwant an legen,
lâzen sich dar inne ersehen!
wir suln schouwen
vor den ouwen5
maneger hande bluomen brehen.

III Swie Riuwental mîn eigen sî,
ich bin doch disen sumer aller sorgen frî,
sît der winter ist dâhin.
ich wil lêren
die jungen êren5
freude: dar nâch stêt mîn sin.

Ein altiu diu begunde springen

I Ein altiu diu begunde springen
hôhe alsam ein kitz enbor:
si wolde bluomen bringen.
›tohter, reich mir mîn gewant!
ich muoz an des knappen hant,5
der ist von Riuwental genant.
traranuretun traranurirunt und eie.‹

II ›Muoter, ir hüetet iuwer sinne!
er ist ein knappe sô gemuot,
er pfliget niht stæter minne.‹
›tohter, lât ir mich ân nôt!
ich weiz wol, waz er mir enbôt,5
nâch sîner minne sô bin ich tôt.
traranuretun traranurirunt und eie.‹

III Dô sprach es ein altiu in ir geile:
›trûtgespil, wol dan mit mir!
jâ ergât ez uns ze heile.
wir suln beide nâch bluomen gân.
war umbe solte ich hie bestân,
sît ich sô vil geverten hân?
traranuretun traranurirunt und eie.‹

Ez gruonet wol diu heide

I Ez gruonet wol diu heide,
mit grüenem loube stât der walt.
der winder kalt
twanc si sêre beide.
diu zît hât sich verwandelôt.5
min sendiu nôt
mant mich an die guoten, von der ich unsanfte scheide.

II Gegen der wandelunge
singent wol diu vogelîn
den vriunden mîn,
den ich gerne sunge,
des si mir alle sagten danc.5
ûf mînen sanc
ahtent hie die Walhe niht. sô wol dir, diutschiu zunge!

III Wie gerne ich nu sande
der lieben einen boten dar
(nu nemt des war)
der daz dorf erkande,
dâ ich die seneden inne lie!5
jâ meine ich die,
von der ich den muot mit stæter liebe nie gewande.

IV Bote, nu var bereite
ze lieben vriunden über sê!
mir tuot vil wê
sendiu arebeite.
dû solt in allen von uns sagen,5
in kurzen tagen
sæhens uns mit vröuden dort wan durch des wâges breite.

V Sage der meisterinne
den willeclîchen dienest mîn!
si sol diu sîn,
die ich von herzen minne
vür alle vrouwen hinne vür.5
ê ich si verkür,
ê wold ich verkiesen deich der nimmer teil gewinne.

VI Vriunden und mâgen
sage, daz ich mich wol gehabe!
vil lieber knabe,
ob si dich des vrâgen,
wie'z umb uns pilgerîne stê,5
sô sage, wie wê
uns die Walhen haben getân. des muoz uns hie betrâgen.

VII Wirp ez endelîchen,
mit triuwen lâ dir wesen gâch!
ich kum dar nâch
schiere sicherlîchen,
so ich aller baldist immer mac.%
den lieben tac
lâze uns got geleben, daz wir hin heim ze lande strîchen!

VIII Ob sich der bote nu sûme,
sô wil ich selbe bote sîn
ze den vriunden mîn.
wir leben alle kûme,
daz her ist mêr danne halbez mort.5
hei wære ich dort!
bî der wolgetânen læge ich gerne an mînem rûme.

IX Solt ich mit ir nu alten,
ich het noch etelîchen dôn
ûf minne lôn
her mit mir behalten,
des tûsent herzen wurden geil.5
gewinne ich heil
gegen der wolgetânen, mîn gewerft sol heiles walten.

X Si reien oder tanzen,
si tuon vil manegen wîten schrit,
ich allez mit.
ê wir heime geswanzen
(ich sage iz bî den triuwen mîn),5
wir solden sîn
ze Œsterrîche. vor dem snite sô setzet man die pflanzen.

XI Er dunket mich ein narre,
swer disen ougest hie bestât.
ez wære mîn t,
liez er siech geharre
und vüer hin wider über sê,5
daz tuot niht wê.
nindert wære ein man baz dann dâ heime in sîner pfarre.

*

XII ›Ich wil gein Œsterrîche
an einer züllen swattgen hin.
war kom mîn sin,
daz ich so trunkenlîche
driu snelle ros vertoppelt hân?5
des muoz ich gân.
koufet ieman setele? ich gibe s'im sicherlîche.‹

Komen ist ein wünneclîcher meie

I Komen ist ein wünneclîcher meie.
des kunft envreut sich leider weder pfaffe noch der leie,
si vreut noch baz des keisers komen.
kumt er, als ich hân vernomen,
er stillet grôz geschreie.5

II Leit mit jâmer wont in Œsterlande.
jâ wurd er sîner sünden vrî, der disen kumber wande,
der möhte nimmer baz getuon.
hie vrumt niemen vride noch suon:
dâ ist sünde bî der schande.5

III ›Liebiu kint, nu vreut iuch des gedingen,
daz got mit sîner güete mange swære kan geringen!
uns kumt ein schœniu sumerzît,
diu nâch trûren vröude gît.
ich hœr diu vogelîn singen5

IV in dem walde sumerlîche wîse.
diu nahtigal diu singet uns die besten wol ze prîse,
ze lobe dem meien alle die naht.
manger leie ist ir gebraht,
ie lûter danne lîse.5

V Dâ bî lobent diu merlîn und die zîsel.
ûf, Hiltrât, Liukart, Jiutel, Berhtel, Gundrât, Geppe, Gîsel!
die zement wol an des reien schar.
Vrômuot sol mit samt in dar,
diu ist ir aller wîsel.‹5

VI Dô si den vil lieben trôst vernâmen,
dô brâhten si ir geleite. dô si ûf den anger quâmen,
dô wart der meie enpfangen wol.
herze wurden vröuden vol,
die mägden wol gezâmen.5

VII Randolt, Gunthart, Sîbant, Walfrit, Vrêne
die sprungen dâ den reien vor, ie einer, dannoch zwêne,
deist Diethôch, Uolant, und Iedunc
spranc dâ mangen geilen sprunc;
an des hant spranc Elêne.5

VIII Vrômuot ist ûz Ôsterrîche entrunnen.
wir mugen uns ir unt Vriderûnen spiegel wol verkunnen.
den spiegel solte wir verklagen,
Vrômuot ûf den handen tragen,
und dies uns wider gewunnen.5

Kint, bereitet iuch der sliten ûf daz îs

I Kint, bereitet iuch der sliten ûf daz îs.
jâ ist der leide windet kalt.
der hât uns der wunneclîchen bluomen vil benomen.
Manger grüenen linden stênt ir tolden grîs.
unbesungen ist der walt.5
daz ist allez von des rîfen ungenâden komen.
Muget ir schouwen, wie er hât die heide erzogen?
diu ist von sînen schulden val.
dar zuo sint die nahtigal
alle ir wec gevlogen.10

II Wol bedorfte ich mîner wîsen vriunde rât
umb ein dinc, als ich iu sage,
⌈daz si rieten, wâ diu kint,⌉ ir vreuden solten phlegen.
Megenwart der wîtder stuben eine hât.
ob ez iu allen wol behage,5
dar sul wir den gufenanz des vîretages legen.
Ez ist sîner tohter wille, kom wir dar.
ir sultz alle ein ander sagen.
einen tanz alumb den schragen
den brüevet Engelmâr.10

III Wer nâch Kunegunde gê, des wert enein!
der was ie nâch tanze wê;
ez wirt uns verwizzen, ist daz man ir niht enseit.
Gîsel, ginc nâch Jiuten hin und sage in zwein,
sprich, daz Älle mit in gê.5
ez ist zwischen mir und in ein starkiu sicherheit.
Kint, vergiz durch niemen Hädewîgen dâ,
bit si balde mit in gân.
einen site si sulen lân:
daz binden ûf die brâ.10

IV Ich rât allen guoten wîben über al,
die der mâze wellent sîn,
daz si hôchgemuoten mannen holdez herze tragen:
Ruck ez vorne hôher, hinden hin ze tal,
decke baz daz näckelîn!5
war zuo sol ein tehtier ân ein collier umbe den kragen?
Diu wîp sint sicher umbe daz houbet her gewesen,
sô daz in daz niemen brach.
swaz in anderswâ geschach,
des sint s' ouch genesen.10

V Frideliep bî Götelinde wolde gân,
des ⌈het Engelmâr gedâht.⌉
wil iuch niht verdriezen, ich sag iu daz ende gar.
Eberhart der meier muoste ez understân.
der wart zuo der suone brâht,5
anders wære ir beider hende ein ander in daz hâr.
Zwein vil œden ganzen gênt si vil gelîch
gein ein ander al den tac.
der des vorsingens phlac,
daz was Friderîch.10

VI Eppe der zuht Geppen Gumpen ab der hant,
des half im sîn drischelstap.
doch geschiet ez mit der riutel meister Adelber.
Daz was allez umb ein ei, daz Ruopreht vant
(jâ wæn imz der tievel gap),5
dâ mit drôt er im ze werfen allez jenenther.
Eppe der was beidiu zornic unde kal,
übellîchen sprach er ›tratz‹.
Ruopreht warf imz an den glatz,
daz ez ran hin ze tal.10

VII Hie envor dô stuont sô schône mir mîn hâr,
umbe und umbe gie der span.
des vergaz ich, sît man mich ein hûs besorgen hiez.
Salz und korn muoz ich koufen durch daz jâr.
wê, waz het ich im getân,5
der mich tumben ie von êrst in disen kumber stiez?
Mîne schulde wâren kleine wider in.
mîne vlüeche sint niht ze smal,
swanne ich dâ ze Riuwental
unberâten bin.10

Wie sol ich die bluomen überwinden

I Wie sol ich die bluomen überwinden
die sô gar verdorben sint?
die siht man nu nindert als mans in dem meien sach.
Ir vergezzet niht der grüenen linden
(wê, wâ tanzent nu diu kint?),5
diu was uns den sumer vür die heizen sunne ein dach;
Diu ist grüenes loubes worden âne.
des bin ich dem winder gram,
sît er uns die rôsen ab der heide nam,
die dâ stuonden hiuwer wolgetâne.10

II Mîne vriunde, râtet wie ich gebâre
umb ein wîp, diu wert sich mîn.
die begreif ich dâ si flahs ir meisterinne swanc.
Diu wert sich des êrsten vil undâre,
doch tet si ze jungist schîn5
daz si mir ze starke was und ich ir ze kranc.
Leider lützel half mich dâ min ringen.
doch versuocht ich sîn genuoc,
mangen ungevüegen buc den si mir sluoc.
si sprach: ›liupper, sitzet, lât mich swingen!‹10

III Ich begunde mit der guoten schimphen,
alsô mich daz herze hiez.
lîse greif ich dort hin dâ diu wîp sô slündic sint.
Dicke zeigt si mir ir ungelimphen.
in dem tûsche si mich stiez5
mit der viuste gên den brüsten, daz ich wît ergint.
›Ir lât mich würken, leider witestecke!
iuwer lîp ist ungeseit.
vreischet ez mîn muome, jâ kiut si mir leit,
daz ich immer iht mit iu gezecke.‹10

IV Grôziu kraft diu was uns beiden tiuwer
von dem ringen daz wir dô
mit ein ander tâten umb ein dinC, des ist nu site.
Sehs birn brieten wir uns in dem viuwer.
der gap mir diu vrouwe zwô,5
vier die âz si selbe, dâ labt si daz herze mite.
Heten wir des obezes niht vunden,
ich wær in mîn ouge tôt.
och, zwiu leid ich armer alsô grôze nôt?
wes hân ich mich tumber underwunden?10

V Langiu mære lât iu kurzer machen,
swie ez umb allen spot ergê.
ich gesach nie jungez wîp sô grimmeclîch geslahen.
Ich muoz dick ir schimphes vil gelachen.
waz dar umbe? was mir wê,5
daz versuonde si ouch sît ûf einer derreblahen.
Bî ir muomen hûs under einem hecke
kom ich zir, des was si geil.
mînes guotes wart ir dâ daz beste teil
dâ liez ich der vrouwen Siuftenecke.10

Dise trüeben tage

I Dise trüeben tage
dar zuo leitlîchiu klage
hât mir vreude benomen
und allen hôhen muot.
War zuo sol mîn sanc,5
sît er nie sô erklanc,
daz in hete vernomen
ein schœniu vrouwe guot,
Der ich hân ⌈gedienet ûf⌉ genâde her vil lange
den sumer und den winder ie mit einem niuwen sange?10
nu verstât si mirz alrêrste zeinem anevange.

II Daz si des niht enstât,
daz ir minne mich hât
an den sinnen behert,
dâ sündet si sich an,
Si vil sælic wîp,5
sô verliuse ich den lîp,
ist si mir niht beschert.
owê, daz ich niht kan
Ir gelingen, dâ von si mir [] holdez herze trüege!
jâ bin ich in dem munde leider ninder sô gevüege.10
bezzer wære daz ich niuwes nimmer niht entslüege.

III Mir schadet Engelbolt
und der meier Manegolt
und ouch jener Durnkhart,
daz vierd ist Engelber,
Dar zuo Eberwîn5
und die zwêne brüeder sîn
(sô sô tœrsches nie wart),
Lûthêr und Adelger,
Die tanzent mit den meiden in dem geu verwendeclîchen.
si wellent ûf der strâze niemen einen fuoz entwîchen.10
hei, solt ich ir einem sîne stelzen dâ bestrîchen!

IV Er ist mir gevêch
daz in hiuwer verzêch
zorniclîchen ir hant
mîn vrouwe ûf einer dult.
Seht, daz was im leit,5
sînen vriunden er kleit
daz ichz het im erwant
und ez wær mîn schult,
›Wan er gie vil nâhen an ir sîten gar bedrungen.
er het uns an der wîle ein liet ze tanze vor gesungen.‹10
wol verstuont der dörper sich bî einem kleinen stungen.

V Seht, der ist ein teil
beidiu tumbe unde geil:
seht, dem gieng er gelîch.
ein schuoch was im gemal,
Dâ mit er mir trat5
nider al mîn wisemât.
aller vîrtegelîch
sweimet er vür Riuwental.
Oberthalp des dorfes strâze steig er über den anger,
durch mînen haz von stîge vaste10 nâch den bluomen sprang er,
in einer hôhen wîse sîniu wineliet diu sang er.

*

VI ›Der von Riuwental
prüevet tumplîchen schal.
ungenædiger drô
der trîbet er ze vil.
Sam mir Durinkhart,5
in geriuwet diu vart!
widerdröut er mir sô,
daz er bestrîchen wil
Mir die stelzen, sô muoz er sich zorndrucke nieten.
der keiner Otte kunde nie den widerslac verbieten.10
ich versuochte ez, kumt er her, ob in diu swert ihr schrieten.‹

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