Meinloh von Sevelingen (Mitte des 12. Jahrhunderts)


Dô ich dich loben hôrte,
dô hete ich dich gerne erkant.
durch dîne tugende manige
fuor ich ie welnde, unz ich dich vant.
daz ich dich nu gesehen hân,
daz enwirret dir niet.
er ist vil wol getiuret,
den du wilt, frowe, haben liep.
du bist der besten eine,
des muoz man dir von schulden jehen.
sô wol den dînen ougen!
diu kunnen swen si wellen
an vil güetelîchen sehen.


Dirn enbiutet sînen dienest
dem du bist, frouwe, als der lîp.
er heizt dir sagen zewâre,
du habest im elliu andriu wîp
benomen ûz sînem muote,
daz er gedanke niene hât.
nu tuoz durch dîne tugende
und enbiut im eteslîchen rât.
du hâst im nâch verkêret
beidiu sin unde leben:
er hât dur dînen willen
eine ganze fröide
gar umbe ein trûren gegeben.


Swer werden wîben dienen sol,
der sol semelîchen varn,
ob er sich wol ze rehte
gegen in künne bewarn,
sô muoz er under wîlen
senelîche swære tragen
verholne in dem herzen:
er ensol ez nieman sagen,
swer biderber dienet wîben,
die gebent alsus getânen solt.
ich wæne, unkiuschez herze
wirt mit ganzen triuwen
werden wîben niemer holt.


Ez mac niht heizen minne,
der lange wirbet umbe ein wîp.
die liute werdents inne,
und wirt zerfüeret dur nît.
unstætiu friuntschaft
machet wankelen muot.
wan sol ze hebe gâhen:
deist für die merkære guot;
dazs iemen werde inne
ê ir wille sî ergân.
sô sol man si triegen.
da ist gnuogen ane gelungen,
die daz selbe hânt getân.


Drîe tugende sint in dem Lande, swer der eine kan begân,
der sol stille swîgen und sol die merkære lån
reden, swaz in gevalle. ist er guot frowen trût,
sô mac er vil wol triuten, sweder er wil, stille und überlût.
der dâ wol hein kan, der hât der tugende allermeist.
er ist unnütze lebende, swer allez gesagen wil, daz er weiz.


Ich lebe stolzlîche,
in der werlte ist nieman baz.
ich trûre mit gedanken:
niemen kan erwenden daz,
ez tuo ein edeliu frouwe,
diu mir ist als der lîp.
ichn sach mit mînen ougen
nie baz gebâren ein wîp.
des ist si guot ze lobenne:
an ir ist anders wandels niht.
den tac den wil ich êren
iemer durch ir willen,
sô si mîn ouge ane siht.


Ich bin holt einer frouwen:
ich weiz vil wol umbe waz.
sît ich ir gunde dienen,
si geviel mir ie baz und ie baz.
ie lieber und ie lieber
sô ist si zallen zîten mir,
ie schœner und ie schœner:
vil wol gevallet si mir.
sist sælic zallen êren,
der besten tugende pfliget ir lîp.
sturbe ich nâch ir minne,
und wurde ich danne lebende,
sô wurbe ich aber umb daz wîp.


»Sô wê den merkæren!
die habent mîn übele gedâht:
si habent mich âne schulde
in eine grôze rede brâht.
si wænent mir in leiden,
sô si sô rûnent under in.
nu wizzen algelîche
daz ich sîn friundinne bin;
âne nâhe bî gelegen:
des hân ich weizgot niht getân,
stæchens ûz ir ougen,
mir râtent mîne sinne
an deheinen andern man.»


»Mir welten mîniu ougen
einen kindeschen man.
daz nîdent ander frouwen:
ich hân in anders niht getân,
wan ob ich hân gedienet
daz ich diu liebeste bin.
dar an wil ich kêren
mîn herze und allen den sin.
swelhiu sînen willen
hie bevor hât getân,
verlôs si in von schulden,
der wil ich nu niht wîzen,
sihe ichs unfrœlîchen stân.«


Ich sach boten des sumeres:
daz wâren bluomen alsô rôt.
weist du, schœne frouwe,
waz dir ein ritter enbôt?
verholne sînen dienest.
im wart liebers nie niet.
im trûret sîn herze
sît er nu jungest von dir schiet.
nu hœhe im sîn gemüete
gegen dirre sumerzît.
frô enwirt er nimmer,
ê er an dînem arme
sô rehte güetlîche gelît.


Die megede in dem lande,
swer der éiné gewan,
der sol stille swîgen,
und sol die merkære lân
reden swaz in gevalle:
sô ist er guot frowen trût,
sô mac er vil wol triuten
swier wil stille und über lût.
der dâ wól helen kan,
der hât der tugende aller meist.
er ist unnütze lebende,
der allez sacken wil daz er weiz.


»Ich hân vernomen ein mære,
mîn muot sol aber hôhe stân:
wan er ist komen ze lande,
von dem mîn trûren sol zergân.
mînes herzen leide
sî ein urlop gegeben.
mich heizent sîne tugende
daz ich vil stæter minne pflege,
ich lege mir in wol nâhe,
den selben kindeschen man.
sô wol mich sînes komenes!
wie wol er frowen dienen kan!«


Vil schœne unde biderbe,
dar zuo edel unde guot,
sô weiz ich eine frouwen:
der zimet wol allez daz si tuot.
ich rede ez umbe daz niht,
daz mirz diu Sælde habe gegeben
deich ie mit ir geredete
od nâhe bî sî gelegen;
wan daz mîn ougen sâhen
díe rehten wârheit.
sist edel und ist schœne,
in rehter mâzé gemeit.
ichn sach nie eine frouwen
diu ir lîp schôner künde hân.
durch daz wil ich mich flîzen,
swaz sie gebiutet,
daz daz allez sî getân.


Inhalt home