Der von Kürenberg (12. Jahrhundert)


Vil lieben friunt verkiesen, daz ist schedelîch.
swer sînen friunt behaltet, daz ist lobelîch.
die site wil ich minnen.
bite in, daz er mir holt sî, als er hie bivor was,
und man in, waz wir redeten, ich in ze jungest sach.


Wes manst du mich leides, mîn vil lieb ...?
unser zweier scheiden müeze ich geleben niet.
verliuse ich dîne minne,
sô lâze ich diu liute wol entstân,
daz mîn fröide ist dez minnist umb alle andere man.


Leit machet sorge vil liebe wunne.
eines hübschen ritters gewan ich künde.
daz mir den benomen hânt die merker und ir nît,
des mohte mir mîn herze nie frô werden sît.


Ich stuont mir nehtint spâte an einer zinne,
dô hôrt ich einen rîter vil wol singen
in Kürenberges wîse al ûz der menigîn.
er muoz mir diu lant rûmen, alder ich geniete mich sîn.


»Jô stuont ich nehtint spâte vor dînem bette.
dô getorst ich dich, frouwe, niwet wecken.«
»des gehazze got den dînen lîp!
jô enwas ich niht ein eber wilde«, sô sprach daz wîp.


Swenne ich stân aleine in mînem hemede,
und ich gedenke an dich, ritter edele,
sô erblüet sich mîn varwe, als rôse an dem dorne tuot,
und gwinnet daz herze vil manigen trûrigen muot.


Ez hât mir an dem herzen vil dicke wê getân
daz mich des geluste, des ich niht mohte hân
noch niemer mac gewinnen. daz ist schedelîch.
jône mein ich golt noch silber: ez ist den liuten gelîch.


Ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr.
dô ich in gezamete, als ich in wolte hân,
und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich ûf vil hôhe und flouc in anderiu lant.

Sît sach ich den valken schône fliegen.
er fuorte an sînem fuoze sîdîne riemen,
und was im sîn gevidere alrôt guldîn.
got sende sî zesamene, die gelieb wellen gerne sîn.


Ez gât mir vonme herzen, daz ich geweine:
ich und mîn geselle müezen uns scheiden.
daz machent lügenære. got der gebe in leit!
der uns zwei versuonde, vil wol des wær ich gemeit.


Wîp vil schœne, nu var du sam mir.
lieb unde leide teile ich sant dir.
die wîle unz ich daz leben hân bist du mir vil liep.
wan minnestu einen bœsen, des engan ich dir niet.


Nu brinc mir her vil balde mîn ros, mîn îsengwant,
wan ich muoz einer frouwen rûmen diu lant.
diu wil mich des betwingen daz ich ir holt sî.
si muoz der mîner minne iemer darbende sîn.


Der tunkel sterne, der birget sich,
als tuo du, frouwe schœne, du sehest mich;
sô lâ du dîniu ougen gên an einen andern man.
sôn weiz doch livzel ieman, wiez undr uns zwein ist getân.


Aller wîbe wunne, diu gêt noch megetîn.
als ich an sî gesende den lieben boten mîn,
jô wurbe ichz gerne selbe, wær ez ir schade niet.
in weiz wiech ir gevalle: mir wart nie wîp als liep.


Wip unde vederspil die werdent lîhte zam.
swer si ze rehte lucket, suochent si den man.
als warb ein schœne ritter umb eine frouwen guot.
als ich dar an gedenke, stêt wol hôhe mîn muot.


Inhalt home