Albrecht von Johansdorf
(auch Albertus de Janestorf, Albert von Jahenstorf oder Der von Johansdorf)
(* vor 1180; † nach 1209)


Mîn êrste liebe der ich ie began,
diu selbe muoz an mir diu leste sîn.
an vröiden ich des dicke schaden hân.
iedoch sô râtet mir daz herze mîn,
solde ich mînnen mêr dan eine,
daz enwære mir niht guot:
sône mînnet ich deheine.
seht wie maneger ez doch tuot.

Ich wìl ir râten bî der sêle mîn,
durch keine liebe, niht wan durch daz reht.
waz möhte ir an ir tugenden bezzer sîn
dan obes ir umberede lieze sleht,
tæte an mir einvalteclîche,
als ich ir einvaltic bin.
an vröuden wirde ich niemer rîche,
es enwer ir beste sîn.

Ich wânde daz mîn kûme wære erbiten:
dar ûf het ich gedingen manege zît.
nu hât mich gar ir vriundes gruoz vermiten.
mîn bester trôst der wæn dâ nider gelît.
ich muoz alse wîlen vlêhen,
und noch harter, hulfe ez iht.
herre, wan ist daz mîn lêhen
daz mir niemer leit geschiht?


Ich hân dur got daz kriuze an mich genomen
und var dâ hin durch mîne missetât.
nu helfe er mir, ob ich her wider kome,
ein wîp diu grôzen kumber von mir hât,
daz ich si vinde an ir êren:
sô wert er mich der bete gar.
sül aber si ir leben verkêren,
sô gebe got, daz ich vervar.


Mích mac der tôt von ir mînnen wol scheiden;
anders nieman: des hân ich gesworn.
érn ist mîn vriunt niht, der mir si wil leiden,
wand ích zeiner vröide si hân erkorn.
swenne ich von schulden erarne ir zorn,
sô bín ich vervluochet vor gote als ein heiden.
si íst wol gemuot und ist víl wol geborn.
heileger got, wis genædic uns beiden!

Dô díu wolgetâne gesach an mîm kleide
daz kriuze, dô sprach diu guote, do ich gie,
»wíe wiltu nu geleisten diu beide,
várn über mer und iedoch wesen hie?«
si sprach . . . . . .
. . . . . . . . . .
. . . . . . . . . .

ê wás mir wê: dô geschach mîr nie sô leide.

Nu mîn herzevrowe, nu entrûre niht sêre:
dâz wil ich iemer zeim liebe haben.
wir suln várn dur des rîchen gotes êre
gerne ze helfe dem heilegen grabe.
swér daz bestrûchet, der mac wol besnaben:
dâne mac niemen gevallen ze sêre:
daz meine ich, die sêle werden gevage,
sô si mit schalle ze himele kêren.


Ich unde ein wîp, wir haben gestriten
nu vil manege zît.
ich hân von ir zorne vil erliten.
noch heldet si den strît.
nu wænet si dur daz ich var
daz ich si lâze frî.
got vor der helle niemer mich bewar,
ob daz mîn wille sî.
swie vil daz mer und ouch die starken ünde toben,
ichn wil si niemer tac verloben.
der donreslege möhte ab lîhte sîn
dâ si mich dur lieze.
nu sprechent wes si wider mich genieze.
si kumet mir niemer tac ûz den gedanken mîn.

Ob ich si iemer mêre gesehe,
desn weiz ich niht fûr wâr.
dâ bî geloube mir, swes ich ir jehe,
ez gêt von herzen gar.
ich mînne si vür alliu wîp
und swer ir des bî gote.
alle mîne sinne und ouch der lîp
daz stêt in ir gebote.
ine erwache nimer ezn sî mîn êrste segen
daz got ir êren müeze phlegen
und lâze ir lîp mit lobe hie gestên.
dar nâch êweclîche
gip ir, herre, vröude in dîme rîche.
daz ir geschehe, alsô müeze ouch mir ergên.


Swie gerne ich var, sô jâmert mich
wiez noch hie gestê.
ich weiz wol, ez verkêret allez sich.
diu sorge tuot mir wê.
die ich hie lâze wol gesunt,
dern vinde ich aller niht.
der leben sol, dem wirt manic wunder kunt,
daz alle tage geschiht.
wir haben in eime jâre der liute vil verlorn.
dâ bî sô merkent gotes zorn.
nu erkenne sich ein ieglich herze guot.
diu werlt ist unstæte.
ich meine die dâ mînnent valsche ræte:
den wirt ze jungest schîn wies an dem ende tuot.


Swer mînne mînneclîche treit
gar âne valschen muot,
des sünde wirt vor gote niht geseit.
si tiuret unde ist guot.
wan sol mîden bœsen kranc
und mînnen reiniu wîp.
tuo erz mit triuwen, sô hab iemer danc
sîn tugentlîcher lîp.
kunden si ze rehte beidiu sich bewarn,
für die wil ich ze helle varn.
die aber mit listen wellent sîn,
für die wil ich niht vallen.
ich meine die dâ mînnent âne gallen,
als ich mit triuwen tuon die lieben vrouwen mîn.


Swaz ich nu gesinge,
deist allez umbe niht: mir weiz sîn niemen danc;
ez wiget allez ringe.
dar ich hân gedienet, da ist mîn lôn vil kranc.
ez ist hiure an genâde unnæher danne vert
und wirt über ein jâr vil lîhte kleines lônes wert.

Wie der einez tæte,
des frâg ich, ob ez mit fuoge müge geschehen,
wære ez niht unstæte,
der zwein wîben wolte sîn fûr eigen jehen,
beidiu tougenlîche? sprechet, herre, wurre ez iht?
»wan sol ez den man erlouben und den vrouwen niht.«


Die hinnen varn, die sagen durch got
daz Iersalêm der reinen stat und ouch dem lande
helfe noch nie nœter wart.
diu klage wirt der tumben spot.
die sprechent alle »wære ez unserm herren ande,
er ræche ez ân ir aller vart.«
nu mugen si denken daz er leit den grimmen tôt.
der grôzen marter was im ouch vil gar unnôt,
wan daz in erbarmet unser val.
swen nu sîn kriuze und sîn grap niht wil erbarmen,
daz sint von ime die sælden armen.

Nu waz gelouben wil der hân,
und wer sol im ze helfe komen an sînem ende,
der gote wol hulfe und tuot es niht?
als ich mich versinnen kan,
ezn sî vil gar ein êhaft nôt diu in des wende,
ich wæne erz übele übersiht.
nu lât daz grap und ouch daz kriuze geruowet ligen:
die heiden wellent einer rede an uns gesigen,
daz gotes muoter niht ensî ein maget.
swem disiu rede niht nâhe an sîn herze vellet,
owê war hât sich der gesellet!

Mich habent die sorge ûf daz brâht
daz ich vil gerne kranken muot von mir vertrîbe.
des was mîn herze her niht frî.
ich gedenke manege naht
»waz sol ich wider got nu tuon, ob ich belîbe,
daz er mir genædic sî?«
sô weiz ich niht vil grôze schulde die ich habe,
niuwan eine, der enkume ich niemer abe;
alle sünde lieze ich wol wan die:
ich mînne ein wîp vor al der werlte in mînem muote.
got herre, daz vervâch ze guote.


Ich wil gesehen die ich von kinde
her gemînnet hân für alliu wîp.
und ist daz ich genâde vinde,
sô gesach ich nie sô guoten lîp.
ob ab ich ir wære
vil gar unmære,
so ist si doch diu tugende nie verlie.
vröude und sumer ist noch allez hie.

Ich hân alsô her gerungen
daz vil trûreclîche stuont mîn leben.
dicke hân ich »wê« gesungen,
dem wil ich vil schiere ein ende geben.
»wol mich« singe ich gerne,
swenn ichz gelerne.
des ist zît, wan ich gesanc sô nie.
vröude und sumer ist noch allez hie.


Wîze rôte rôsen, blâwe bluomen, grüene gras,
brûne gel und aber rôt, dar zuo des klêwes blat,
von dirre varwe wunder under einer linden was.
dar ûfe sungen vogele. daz was ein schœniu stat.
kurz gewahsen bî ein ander stuont ez schône.
noch gedinge ich, der ich vil gedienet hân,
daz si mir es lône.

Ez ist manic wîle daz ich niht von vröuden sanc,
unde enweiz och rehte niht wes ich mich vröuwen mac.
daz ich der guoten niht ensach, des dunket mich vil lanc.
doch fürhte ich, sine gewunne noch nie nâch mir langen tac.
ich sol ze mâze lachen unz ich ir genâde erkenne.
als ich danne bevinde wie ez allez stât,
dâ nâch lache ich denne.


Dâ gehœret manic stunde zuo
ê daz sich gesamene ir zweier muot.
dâ daz ende denne unsanfte tuo,
ich wæne des wol, daz ensî niht guot.
lange sî ez mir vil unbekant.
und werde ich iemen liep,
der sî sîner triuwe an mir gemant.

Der ich diene und iemer dienen wil,
diu sol mîne rede vil wol verstân.
spræche ich mêre, des wurd alze vil.
ich wil ez allez an ir güete lân.
ir genâden der bedarf ich wol.
und wil si, ich bin vrô;
und wil si, so ist mîn herze leides vol.


Wie sich mînne hebt daz weiz ich wol;
wie si ende nimt des weiz ich niht.
ist daz ich es inne werden sol
wîe dem herzen herzeliep geschiht,
sô bewar mich vor dem scheiden got,
daz wæn bitter ist.
disen kumber fürhte ich âne spot.

Swâ zwei herzeliep gefriundent sich
unde ir beider mînne ein triuwe wirt,
die sol niemen scheiden, dunket mich,
al die wîle unz si der tôt verbirt.
wær diu rede mîn, ich tæte alsô:
verlüre ich mînen friunt,
seht, sô wurde ich niemer mêre frô.


Sæhe ich ieman der jæhe er wære von ir komen,
wære ich dem vînt, ich wolte in grüezen.
allez daz ich ie gewan, het er mir daz genomen,
daz möhte er mir mit sînen mæren büezen.
swer si vor mir nennet,
der hât gar
mich ze friunde ein ganzez jâr,
het er mich joch verbrennet.


Got weiz wol, ich vergaz ir niet
sît ich von lande schiet.
ich engetorste ir nie gesingen disiu liet,
wær si vil reine niet und alles wandels frî.
si sol mir erlouben daz ich von ir tugenden spreche.
mich wundert, ist si mir doch niht ein wênic bî,
waz si an mir reche.


Der al der werlte fröude gît,
der trœste mîn gemüete.
mîn fröude an der vil schœnen lît
nâch der mîn herze wüetet.
scheide, frouwe, disen strît,
der in mînem herzen lît,
mit reines wîbes güete.

Du nim daz, frouwe, in dînen muot
und tuo genædeclîchen
gein mir. unsanfte mir daz tuot,
und sol ich von dir wîchen.
du lâ gein mir den dînen haz;
son mac mir niemer werden baz,
wan in dem himelrîche.

Und solde ich iemer daz geleben
daz ich si umbevienge,
sô mües mîn herze in fröiden sweben.
swenn daz alsô ergienge,
sô wurde ich von sorgen frî
(ir genâde stânt dâ bî),
ob si mir des verhienge.


Diu Sælde hât gekrœnet mich
gein der vil süezen mînne.
des muoz ich iemer êren dich,
vil werde küniginne.
swenne ich die vil schœnen hân,
son mac mir niemer missegân.
sist aller güete ein gimme.

Geprüevet hât ir rôter munt
daz ich muoz iemer mêre
mit fröiden leben zaller stunt,
swar ich des landes kêre.
alsô hât si gelônet mir.
gescheiden hât mich niht von ir
frou Zuht mit süezer lêre.


Ich vant si âne huote
die vil mînneclîchen eine stân.
sâ dô sprach diu guote
»waz weit ir sô eine her gegân?«
»frouwe, ez ist alsô geschehen.«
»sagent, war umbe sint ir her? des sult ir mir verjehen.«

»Mînen senden kumber
klage ich iu, vil liebe frouwe mîn.«
»wê, waz sagent ir tumber?
ir mugent iuwer klage wol lâzen sîn.«
»frouwe, ichn mac ir niht enbern.«
»sô wil ich in tûsent jâren niemer iuch gewern.«

»Neinâ, küniginne!
daz mîn dienest sô iht sî verlorn!«
»ir sint âne sinne,
daz ir hriugent mich in selhen zorn.«
»frouwe, iur haz tuot mir den tôt.«
»wer hât iuch, vil lieber man, betwungen ûf die nôt?«

»Daz hât iuwer schœne
die ir hânt, vil mînneclîchez wîp.«
»iuwer süezen dœne
wolten krenken mînen stæten lîp.«
»frouwe, niene welle got.«
»werte ich iuch, des hetet ir êre; sô wær mîn der spot.«

»Lant mich noch geniezen
daz ich iu von herzen ie was holt.«
»iuch mac wol verdriezen
daz ir iuwer wortel gegen mir bolt.«
»dunket iuch mîn rede niht guot?«
»jâ hât si beswæret dicke mînen stæten muot.«

»Ich bin ouch vil stæte,
ob ir ruochent mir der wârheit jehen.«
»volgent mîner ræte,
lânt die bete diu niemer mac geschehen.«
»sol ich alsô sîn gewert?«
»got der wer iuch anderswâ des ir an mich dâ gert.«

»Sol mich dan mîn singen
und mîn dienest gegen iu niht vervân?«
»iu sol wol gelingen:
âne lôn sô sult ir niht bestân.«
»wie meinent ir daz, frouwe guot?«
«daz ir deste werder sint und dâ bî hôchgemuot.«


Guote liute, holt
die gâbe die got unser herre selbe gît,
der al der welte hât gewalt.
dienent sînen solt,
der den vil sældehaften dort behalten lît
mit vröuden iemer manecvalt.
lîdet eine wîle willeclîchen nôt
vür den iemermêre wernden tôt.
got hât iu beide sêle und lîp gegeben:
gebt ime des lîbes tôt; daz wirt der sêle ein iemerleben.

Lâ mich, Minne, vrî.
du solt mich eine wîle sunder liebe lân.
du hâst mir gar den sîn benomen.
komest du wider bî
als ich die reinen gotes vart volendet hân,
sô wis mir aber willekomen.
wilt ab dû ûz mînem herzen scheiden niht
(daz vil lîhte unwendic doch geschiht),
vüer ich dich dan mit mir in gotes lant,
sô sî er umbe halben lôn der guoten hie gemant.

»Owê« sprach ein wîp,
»wie vil mir doch von liebe leides ist beschert!
waz mir diu liebe leides tuot!
vröudelôser lîp,
wie wil du dich gebâren, swenne er hinnen vert,
dur den du wære ie hôchgemuot?
wie sol ich der werlde und mîner klage geleben?
dâ bedorfte ich râtes zuo gegeben.
kund ich mich beidenthalben nu bewarn,
des wart mir nie sô nôt. ez nâhet, er wil hinnen varn.«

Wol si sælic wîp
diu mit ir wîbes güete daz gemachen kan
daz man si vûeret über sê.
ir vil guoten lîp
den sol er loben, swer ie herzeliep gewan,
wand ir hie heime tuot sô wê,
swenne si gedenket stille an sîne nôt.
»lebt mîn herzeliep, od ist er tôt«
sprichet si, »sô müeze sîn der pflegen
dur den er süezer lîp sich dirre welte hât bewegen.«


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