Bernger von Horheim (Ende des 12. Jahrhunderts)


Nu enbeiz ich doch des trankes nie
dâ von Tristan in kumber kam:
noch herzeclîcher minne ich sie
dann er Îsalden, deist mîn wân.
daz habent diu ougen mîn getân,
daz leite mich daz ich dar gie
dâ mich diu minne alrêste vie,
der ich deheine mâze hân.
sô kumberlîche gelebte ich nie.
Êst wunder daz ich niht verzage,
sô lange ich ungetrœstet bin.
als ich ir mînen kumber klage,
daz gât ir leider lützel in.
daz hât mir mîne vröude hin.
doch flîze ich mich des alle tage
deich ir ein stætez herze trage.
nu wîse mich got an den sîn
deich noch getuo daz ir behage.
Swer nu deheine vröude hât,
der vingerzeige muoz ich sîn.
swes herze in ungebiten stât,
die selben vorhte die sint mîn,
daz si mir tuon ir nîden schîn.
doch singe ich, swiez dar umbe ergât
und klage daz si mich trûren lât.
herze, die schulde wâren dîn:
du gæbe mir an si den rât.


Mir íst alle zît als ich vliegende var
ób al der werlte und diu mîn alliu sî.
swar ich gedenke, vil wol sprung ich dar.
swie verre ez ist, wíl ich, sost mîrz nâhe bî.
starc unde snel, beidiu rîche unde frî
ist mir der muot: dur daz loufe ich sô balde:
mirn mac entrinnen kein tier in dem walde.
daz ist gar gelogen: ich bin swære als ein blî.
Ich mac von vröuden getoben âne strît:
mir ist von minne sô liebe geschehen.
swâ wær ein walt beidiu lanc unde wît,
mit schœnen boumen, den wolte ich erspehen;
dâ möhte man mich doch springende sehen.
mîn reht ist daz ich mich an vröuden twinge.
wes liuge ich gouch? ich enweiz waz ich singe.
mir wárt nie wirs, wíl ich der wârheite jehen.
Ich mache den merkæren truobenden muot.
ich hân verdienet ir nît und ir haz,
sît daz mîn vrouwe ist sô rîche unde guot.
ê was mir wê: nust mir sanfte unde baz.
ein herzeleit des ich niene vergaz
daz hân ich verlâzen und ist gar verwunden.
mîn vröude hât mich von sorgen enbunden:
mir wart nie baz, unde liuge ich iu daz.
Mir wil gelingen dâ mir nie gelanc,
an minne der süezen, daz wil ich iu sagen.
die merkære habent mengen gedanc:
swenne si mich nu niht mêr hœrent klagen
deheín herzesêr, daz tuot sí mir verjagen
. . . . . . . . . .
dés lôn ir got daz mîn trûren hât ende.
daz ist gar gelogen und ist dar doch lanc.


Mir ist von liebe vil leide geschehen.
lieze ichz darumbe, sô wære ich ze kranc.
dúrch daz send ích disiu lieder durch spehen
an eine stat dar daz herze mich twanc.
sît ich ir leider niht wol mac gesehen,
sô sol si merken durch got mînen sanc.
wil mir diu schœne der wârheite jehen,
sô was siz ie nâch der mîn herze ranc
unde iemer muoz, doch mir nie gelanc.
Mich hât daz herze und ein unwîser rât
ze verre verleitet an tumplîchen muot
dâ doch mîn dienest vil kleine vervât.
dér kumber hât mich vil dicke gemuot.
minne vil süeze beginnunge hât
und dünket an dém anevange guot,
dâ doch daz ende vil riuwic gestât,
als ez mir armen vil lîhte getuot.
wie solte ich von dér nôt mich haben behuot!
Si dárf des niht denken daz ích mînen muot
iemer bekêre an deheín ander wîp.
des selben hân ich mich her wol behuot,
sît ich ir gap beidiu herze unde lîp
ûf ir genâde. swie wê ez mir tuot,
dóch wil ich langer noch haben den strît.
ich hoffe des dâz mîn reht íht sî sô guot
daz si mír schier ein víl liebez ende gît
der grôzen swære, sô sis dünket zît.


Wíe solt ich armer der swære getriuwen
daz mir ze leide der künc wære tôt?
des muoz ich von ir daz ellende biuwen;
des werdent dâ nâch mîniu ougen vil rôt.
der mir ze Pülle die hervart gebôt,
der wil mich scheiden von liebe in die nôt
der ich gewinne vil michelen riuwen.
Ich wil bevelhen ir lîp und ir êre
gote und dâ nâch allen engelen sîn.
si sól wizzen, swár ich landes kêre,
daz ich ir bin unde muoz iemer sîn,
áls ich ê wás dô mich îr ougen schîn
brâhte alse verre ûz dem sinne mîn.
dô was mir wê unde nú michels mêre.
Nu muoz ich varn und doch bî ir belîben,
von der ich niemer gescheiden enmac.
si sól mir sîn vór allen anderen wîben
ime herzen beidiu naht unde tac.
als ich gedenke wiech ir wîlent pflac,
owê daz Pülle sô verre ie gelac!
daz wil mich leider von vröuden vertrîben.


Si frâgent mich war mir sî komen
mîn sanc des ich ie wîlent pflac.
si müejent sich: est unvernomen
war umbe ich nu niht singen mac.
noch wære mir ein kunst bereit,
wan daz mich ein sendez herzeleit
twinget daz ich swîgen muoz,
des mir unsanfte wirdet buoz.
Kunde ich klagen mîn herzeleit
gelîche als ez mir nâhe gât,
sô wolde ich sagen ûf mînen eit
daz nieman grœzern kumber hât
noch niene wart sô trûric man.
daz verswîge ich als ich wole kan
und klage ez den gedanken mîn;
die lâze ich mit unmüezic sîn.
Zer werlte ist wîp ein fröide grôz:
bî den sô muoz man hie genesen.
des mînen lîp noch nie verdrôz,
mîn herze deist in bî gewesen
(ich hete ie zer werlte muot)
und daz mîn munt in iemer sprichet guot.
die triuwe lât nu werden schîn:
belîbe ich, sô gedenket mîn.


Nu lange ich mit sange die zît hân gekündet:
swanne si vie, al zergie daz ich sanc.
ich hange an getwange. daz gît diu sich sündet;
wan si michs ie niht erlie, si getwanc
mich nâch ir diu mir betwinget den muot.
ich singe unde sunge, betwunge ich die guoten
daz mir ir güete baz tæte. sist guot.


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