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LYRIK Arno Holz - Poetische Werke 224

Arno Holz (1863-1929)

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Poetische Werke 224

Verblüht
die Kränze, die du gewunden,
verweht
die Lieder, die du gesungen,
und in deinen Haaren, in deinen schönen Haaren,
klebt nun die
Erde.

Tot, tot, tot . . .

Und deine Flügel, deine armen Flügel!
Unbarmherzig heruntergeschnitten
von den schimmernden Schultern — ah, weine nicht!
Weine nicht!
Hier! Hier! Zu mir sollst du dich setzen,
nächtlich, allnächtlich,
bis der Morgen
graut,
bis die Sonne
scheint,
und die Welt,
die kluge Welt, wieder gleichgültig über dein Grab rollt —

Horch!

Der Ahorn vor meinem Fenster rauscht,
der Thau tropft,
und mein Herz
schlägt.

Nacht, Nacht, Nacht . .

Phantasus 2 1. Heft 2

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