Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters

HERGER (SPERVOGEL)

Ich sage iu, lieben süne min

1 Ich sage iu, lieben süne min,
iu enwahset korn noch der wîn,
ich enkan iu niht gezeigen
diu lêhen noch diu eigen.
nu genâde iu got, der guote,5
und gehe iu sælde unde heil.
vil wol gelanc von Tenemarke Fruoten.

2 Mich riuwet Fruot über mer
und von Hûsen Walther,
Heinrich von Gebechenstein,
und von Stoufen was ir noch ein.
got genâde Wernharte,5
der ûf Steinsberc saz
und niht vor den êren versparte.

3 Wer sol ûf Steinsberc
würken Wernhartes were?
hei, wie er gap unde lêch!
des er dem biderben man verzêch,
des enmoht er niht gewinnen.5
daz was der wille. kom diu state,
si schieden sich ze jungest mit minnen.

4 Dû der guote Wernhart
an dise werlt geborn wart,
dô begunde er teilen al sîn guot.
dô gewan er Rüedegêres muot,
der saz ze Bechelære5
und pflac der marke mangen tac.
der wart von sîner frümekeit sô mære.

5 Steinsberc die tugende hât
daz ez sich nieman erben lât
wan ein, der ouch êren pfligt.
dem strîte hât ez an gesigt.
nu hât ez einen erben:5
der werden Oetingær stam
der wil im sinen namen niht verderben.

Er ist gewaltic unde starc

Er ist gewaltic unde starc
der ze wîhen naht geborn wart.
daz ist der heilige Krist,
jâ lobt in allez, daz dir ist,
niwan der tievel eine.5
dur sînen grôzen übermuot
sô wart im diu helle zeteile.

In der helle ist michel unrât

In der helle ist michel unrât.
swer dâ heimüete hât,
diu sunne schînet nie sô lieht,
der mâne hilfet in nieht
noch der liehte sterne.5
jâ müet in allez, daz er siht.
jâ wær er dâ ze himel alsô gerne.

In himelrich ein hûs stât

In himelrîch ein hûs stat,
ein guldîn wee dar in gât,
die siule die sint marmelîn,
die zieret unser trehtîn
mit edelem gesteine.5
dâ kumpt nieman in,
ern sî vor allen sünden alsô reine.

Swer gerne zuo der kirchen gât

Swer gerne zuo der kirchen gât
und âne nît dâ stât,
der mac wol frœlîchen leben.
dem wirt ze jungest gegeben
der engel gemeine.5
wol im, daz er ie geborn wart!
ze himel ist daz leben alsô reine.

Ich hân gedienet lange

Ich hân gedienet lange
leider einem manne,
der in der helle umbe gât.
der brüevet mîne missetât.
sîn lôn der ist bœse.5
hilf mir, heiliger geist,
daz ich mich von sîner vancnisse erlœse.

Mich hungerte harte

Mich hungerte harte.
ich steic in einen garten.
dâ was obez innen,
des moht ich niht gewinnen.
daz kom von unheile.5
dicke wegt ich den ast.
mir wart des obezes nie niht zeteile.

Swâ ein guot boum stât

Swâ ein guot boum stât
und zweier hande obez hât,
beide süez unde sûr,
sô sprichet ein sîn nâchgebûr:
»wir suln daz oben teilen.5
wirt ir einez drunder vûl,
ez bringet uns daz ander zeleide.«

Swel man ein guot wîp hât

Swel man ein guot wîp hât
unde zeiner ander gât,
der bezeichent daz swîn.
wie möht ez iemer erger sîn?
ez lât den lûtern brunnen5
und leit sich in den trüeben pfuol.
den site hât vil manic man gewunnen.

Ein man sol haben êre

Ein man sol haben êre
und sol iedoch der sêle
under wîlen wesen guot,
daz in dehein sîn übermuot
verleite niht ze verre,5
swenne er urloubes ger,
daz ez im an dem wege niht enwerre.

Korn sæt ein bûman

Korn sæt ein bûman,
dô enwolde ez niht ûf gân.
im erzornte daz.
ein ander jâr er sich vermaz,
daz erz ein egerde lieze.5
er solde ez im güetlîch geben,
der dem andern umb sînen dienst iht gehieze.

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