Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters

FRIEDRICH VON HAUSEN

An der genâden al mîn fröide stât

1 An der genâden al mîn fröide stât,
dâ enmac mir gewerren weder huote noch kîp.
mich enhilfet dienst noch mînre friunde rât,
und daz si mir ist liep alsam mîn selbes lîp.
mir erwendet ir hulde nieman wan ir melde,5
si tuot mir aleine den kumber, den ich muoz tragen.
warumbe solte ich danne von den merkæren klagen,
nu ich ir huote alsô lützel engelde?

2 Mangen herzen ist von der huote wê,
und jehent, ez sî in ein angeslîchiu nôt.
sô engerte daz mîne aller rîchheit niht mê,
wan müese ez si lîden unz an mînen tôt.
wer möhte hân grôze fröide âne kumber?5
nâch solher swære sô rang ich alle zît:
dône maht ich leider niht komen in den nît.
des hât gelücke vil getân an mir tumber.

3 Einer grôzen swære muoz ich leider ænic sîn,
die doch erfürhtet vil manic sælic man:
unbetwungen von huote sô ist daz herze mîn.
mir ist leit von ir, daz ich den fride ie gewan.
wande ich die nôt wolde iemer güetlîch lîden,5
het ich von schulden verdient den haz.
nit umbe ir minne daz tæt mir baz,
danne ich si beide sus muoz mîden.

Diu süezen wort diu habent mir getân

1 Diu süezen wort diu habent mir getân,
diu ir die besten algemeine
sprechent, daz ich nien kan
gedenken wan an si alterseine.
ander mîn angest der ist kleine,5
wan den ich von ir han.
got weiz wol, daz ich nie gewan
in al der werlte sô liebe enkeine.
des sol si mich geniezen lân.

2 Swes got an güete und an getât
noch ie dekeiner frowen gunde,
des gihe ich ime, daz er daz hât
an ir geworht, als er wol kunde.
waz danne? und arnez under stunden,
mîn herze es dicke hôhe stât.
noch möhte es allez werden rât,
wolden si die grôzen wunde
erbarmen, die si an mir begât.

3 Swaz got an frowen hât erhaben,
des enkan mir an ir nieman gemêren,
wan als ich ir muoz mîn angest sagen,
daz kan sie leider wol verkêren.
ein herte herze kan siz lêren,5
daz alsô lîhte mac vertragen
sô grôzez wüefen und klagen,
daz ich lîde umb ir hulde mit sêren,
daz ich niemer mac getragen.

Gelebt ich noch die lieben zît

1 Gelebt ich noch die lieben zît,
daz ich daz lant solte beschowen,
dar inne al mîn fröide lît
nu lange an einer schœnen frowen,
so gesæhe mîn lîp5
niemer weder man noch wîp
getrûren noch gewinnen rowen.
mich dûhte nu vil manigez guot,
da von ie swære was min muot.

2 Ich wânde ir ê vil verre sîn,
dâ ich nu vil nâhe wære
alrêrste hât daz herze mîn
von der frömde grôze swære.
ez tuot wol sîn triuwe schîn.5
wær ich iender umb den Rîn,
sô friesche ich lîhte ein ander mære,
des ich doch leider nie vernam,
sît daz ich über die berge kam.

3 Ich sage ir nu vil lange zît,
wie sêre si mîn herze twinget.
als ungeloubic ist ir lîp,
daz si der zwîvel dar ûf bringet,
daz si hât al seihen nît5
(den ze rehte ein sælic wîp
niemer rehte volbringet),
daz si dem ungelônet lât,
der si vor al der werlte hât.

4 Nieman sol mir daz verstân,
sine möhte mich vor eime jære
von sorgen wol erlœset hân,
ob ez der schœnen wille wære.
ouch half mir sêre ein lieber wân:5
swanne si min ougen sân,
daz was ein fröide für die swære,
alleine wil sis gelouben niet,
daz si min ouge gerne siet.

Wâfenâ, wie hat mich minne gelâzen

1 Wâfenâ, wie hat mich minne gelâzen!
diu mich betwanc, daz ich lie mîn gemüete
an solhen wân, der mich wol mac verwâzen,
ez ensî daz ich genieze ir güete,
von der ich bin5
alsô dicke âne sin.
mich dûhte ein gewin, und wolte diu guote
wizzen die nôt, diu wont in mînem muote.

2 Wâfenâ, waz habe ich getân sô ze unêren,
daz mir diu guote ir gruozes niht engunde?
sus kan si mir wol daz herze verkêren.
daz ich in der werlte bezzer wîp iender funde,
seht, dêst min wân.5
dâ für sô wil ichz hân,
und wil dienen mit triuwen der guoten,
diu mich dâ bliuwet vil sêre âne ruoten.

3 Waz mac daz sîn, daz diu werlt heizet minne,
und ez mir tuot sô wê zaller stunde
und ez mir nimt sô vil mîner sinne?
ine wânde niht, daz ez ieman erfunde.
getorste ich es jehen,5
daz ich ez hete gesehen,
dâ von mir ist geschehen alsô vil herzesêre,
sô wolte ich dar an gelouben iemer mêre.

4 Minne, got müeze mich an dir rechen!
wie vil du mînem herzen der fröide wendest!
und möhte ich dir dîn krumbez ouge ûz gestechen,
des het ich reht, wan du vil lützel endest
an mir solhe nôt,5
sô mir dîn lîp gebôt.
und wærest du tôt, sô dûhte ich mich rîche.
sus muoz ich von dir leben betwungenlîche.

Si wænent dem rôde entrunnen sîn

Si wænent dem tôde entrunnen sîn,
die gote erliegent sîne vart.
dêswar êst der geloube mîn,
daz si sich übel hânt bewart.
swer daz kriuze nam und niender vert,5
dem wirt doch ze jungeste schîn,
swanne im diu porte ist vor verspert,
die er tuot ûf den liuten sîn.

Si darf mich des zîhen niet

1 Si darf mich des zîhen niht,
mîn herze enhete si in pfliht.
des mohte si die wârheit an mir sehe
und wil sis jehen.
ich kom sîn dicke in sô grôze nôt,5
daz ich den liuten guoten morgen bôt
engegen der naht.
ich was sô verre an si verdâht,
daz ich mich underwîlent niht versan,
und swer mich gruozte, daz ich sîn niht vornan.10

2 Min herze unsanfte sînen strît
lât, den ez nu menge zît
hât wider daz aller beste wîp,
der ie mîn lîp
muoz dienen, swar ich iemer var.5
ich bin ir holt; swenne ich vor gote getar,
sô gedenke ich ir.
daz geruoche ouch er vergeben mir:
ob ich des sünde sule hân,
zwiu geschuof er si sô rehte wol getân?

10

3 Mit grôzen sorgen hât mîn lîp
gerungen allez umb ein wîp.
ich hete liep daz mir vil nâhe gie,
daz verlie mich nie.
an wîsheit kêrte ich mînen muot:5
daz was diu minne, diu noch mengem tuot
die selben klage.
darumbe ich niht an got verzage,
der kan den liuten helfen ûz der nôt.
nieman weiz, wie nâhe ime ist der tôt.10

4 Miner frowen was ich undertân,
diu âne lôn mînen dienst nan.
von der spriche ich niht wan allez guot,
wan daz ir muot
wider mich ze unmilte ist gewesen.5
vor aller nôt dô wânde ich sîn genesen,
dô sich verlie
min herze ûf genâde an sie,
der ich dâ leider funden niene hân.
nu wil ich dienen dem, der lônen kan.10

5 Ich kom von minne in kumber grôz,
des ich doch selten ie genôz.
swaz schaden ich dà von gewunnen hân,
sô gefriesch nie man,
daz ich ir iht spræche wan guot,5
noch mîn munt von frowen niemer getuot.
doch klage ich daz,
daz ich sô lange gotes vergaz,
und wil ez iemer vor allen dingen klagen
und im dâr nâch ein holdez herze tragen.10

Mîn herze und mîn lîp die wellent scheiden

1 Mîn herze und mîn lîp die wellent scheiden,
die mit ein ander wâren nu menige zît.
der lîp wil gerne vehten an die heiden,
iedoch dem herzen ein wîp sô nâhen lit
vor al der werlte. daz müet mich iemer sît,5
daz si ein ander niht volgent beide.
mir habent diu ougen vil getân ze leide.
got eine müeze scheiden noch den strît.

2 Sît ich dich, herze, niht wol mac erwenden,
dune wellest mich vil trûreclîchen lân,
sô bite ich got, daz er dich geruoche senden
an eine stat, dâ man dich wol welle enpfân.
owê! wie sol ez armen dir ergân?5
wie getorstest eine an solhe nôt ernenden?
wer sol dir dîne sorge helfen wenden
mit triuwen, als ich hân gctân?

3 Ich wânde ledic sîn von solcher swære,
dô ich daz kriuze in gotes êren nam.
ez wær ouch reht, daz ez alsô wære,
wan daz mîn stætekeit mir sîn verban.
ich solte sîn ze rehte ein lebendic man,5
ob ez den tumben willen sîn verbære.
nu sihe ich wol, daz im ist gar unmære,
wie ez mir sule an dem ende ergân.

4 Niemen darf mir wenden daz zunstæte,
ob ich die hazze, die ich dâ minnet ê.
swie vil ich si geflêhte oder gebæte,
sô tuot si rehte, als sis niht verstê.
mich dunket rehte, wie ir wort geliche gê,5
rehte als ez der sumer von Triere tæte.
ich wær ein gouch, ob ich ir tumpheit hæte
für guot. ez engeschiht mir niemer mê.

Min herze den gelouben hât

1 Min herze den gelouben hât,
solt ich oder iemer man beliben sîn
durch liebe oder durch der minnen rât,
sô wær ich noch alumbe den Rîn.
wan mir daz scheiden nahe gât,5
daz ich von lieben friunden mîn
hân getân. swiez doch darumbe ergât,
herre got, ûf die genâde dîn
sô wil ich dir bevelhen die,
die ich dur dînen willen lie.10

2 Ich gunde es guoten frowen niet,
daz iemer mê kœme der tac,
daz si den heten liep, der von uns schiet,
wan ez wær ir êren slac.
wie kunde in der gedienen iet,5
der gotes verte alsô erschrac?
dar zuo sende ich in disiu liet
und grüeze si, als ich beste mac.
gesæhe si mîn ouge niemer mê,
mir tæte doch ir laster wê.10

In mînem troume ich sach

In mînem troume ich sach
ein harte schœne wîp
die naht unz an den tac.
dô erwachete mîn lîp.
dô wart si leider mir benomen,5
daz ich enweiz, wâ si sî,
von der mir fröide solte komen.
daz tâten mir diu ougen mîn.
der wolte ich âne sîn.

Ich sihe wol, daz got wunder kan

1 Ich sihe wol, daz got wunder kan
von schœne würken ûz wîbe.
daz ist an ir wol schîn getân,
wan er vergaz niht an ir lîbe.
den kumber, den ich lîde,5
den wil ich gerne hân,
ze diu daz ich mit ir belîbe,
und al mîn wille sül ergân.
min vrowe sehe, waz si des tuo!
dâ stât dehein scheiden zuo.10

2 Si gedenke niht, daz ich sî der man,
der sie ze kurzen wîlen minne.
ich hân von kinde an si verlân
daz herze mîn und al die sinne.
ich wart an ir nie valsches inne,5
sît ich si sô liep gewan.
min herze ist ir ingesinde
und wil ouch stæte an ir bestân.
mîn vrowe sehe, waz si des tuo!
dâ stât dehein scheiden zuo.10

Lîhte ein unwîser man verwüete

1 Lîhte ein unwîser man verwüete
von sorgen, der ich menge hân.
swie ich mich noch dâ vor behüete,
sô hât got wol ze mir getân,
sît er mich niht wolte erlân,5
ich næme si in mîn gemüete.
joch engilte ich alze sêre ir güete
und ouch der schœne, die si hât.
lite ich dur got, daz si begât
an mir, der sêle wurde rât.10

2 Mich kunde nieman des erwenden,
ine welle ir wesen undertân
und wil mîn leben alsô verenden,
swie si habe ze mir getân.
sît ich des boten niht enhân,5
sô wil ich ir diu lieder senden.
muoz sich mîn lîp von ir ellenden,
mîn herze belîbet doch dâ.
daz suoche nieman anderswâ,
ez kunde ir fjerner komen ze nâ.10

Ich denke underwîlen

1 Ich denke underwîlen,
ob ich ir nâher wære,
waz ich ir wolte sagen.
daz kürzet mir die mîlen,
swenne ich mîne swære5
sô mit gedenken klage.
mich sehent mange tage
die liute in der gebærde,
als ich niht sorgen habe,
wan ich si alsô vertrage.10

2 Hete ich sô hôher minne
mich nie underwunden,
mîn möhte werden rât.
ich tet ez âne sinne;
des lîde ich ze allen stunden5
nôt, diu mir nâhe gât.
min stæte mir nu hât
daz herze alsô gebunden,
daz si ez niht scheiden lât
von ir, als ez nu stât.10

3 Ez ist ein grôze wunder,
die ich alre sêrste minne,
diu was mir ie gevê.
nu müeze solhen kumber
niemer man bevinden,5
der alsô nâhe gê.
erkennen wânde ich in ê,
nu hân ich in baz befunden:
mir was dâ heime wê
und hie wol drîstunt mê.10

4 Swie klein ez mich vervâhe,
sô vröwe ich mich doch sêre,
daz mir nieman kan
erwern, ich gedenke ir nâhe,
swar ich landes kêre.5
den trôst sol si mir lân.
wil siz für guot enpfân,
des fröwe ich mich iemer mêre
wan ich für alle man
ir ie was undertân.10

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