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Julius Hart (1859-1930) - Gedichtzeilen

Julius Hart (1859-1930)

[Inhalt] [Anfänge] [Titel] [Zeilen]

Gedichtzeilen

  1. Einen Stern nur von deinem Himmel
  2. Gnade führ' mich empor!
  3. Aber ich will dringen zu dir,
  4. Ach, Sünde ist ein holdes Gesicht,
  5. All' Sonnenlicht und Sonnenglanz zieht trüb' aus meiner Seele fort.
  6. Allein Kämpfer, allein Sieger!
  7. Allein nur fällst du, und kein Lebendiger
  8. Allein – allein in endlosen Weiten.
  9. Allein, allein!
  10. Alles gab ich hin,
  11. Allgeliebt- Allliebende!
  12. Als Du hinschrittst durch die Gassen
  13. Als ein treuer Troubadour.
  14. Als fern im Ost der erste Blitz gezuckt,
  15. Als jagten flüchtige Reiter
  16. Als Sehnsucht in mir schwoll,
  17. Am Landweg kam in Wind der Staub gerollt,
  18. An deinen Busen nimm mein Haupt!
  19. An der Frauen weißem Busen,
  20. An der Kirche dunklem Thor.
  21. An Haus und Wand und an des Weg's Geleis'
  22. An verliebter Gluth,
  23. Antwort: Vom Elend wollen wir genesen.
  24. Auf dem Schlachtfeld der Gedanken
  25. Auf der Treppe knirscht
  26. Auf Gottesflügeln schweb' ich empor – wohin? wohin?
  27. Auf Herz und Sinne fallen
  28. Auf meinem Haupte ruht ...
  29. Auf Sonnenschwingen hebt sich empor mein Herz und Sinn,
  30. Auf Stirn' und Wang' der Krankheit brand'ges Mal.
  31. Auf, auf die Herzen, die am Thron ihr sitzt,
  32. Auf, auf die Herzen, die beim duft'gen Mahl
  33. Auf, auf die Herzen, laßt die Liebe ein!
  34. Auf, auf die Herzen, Thrän' um Thräne quillt
  35. Auf, auf ihr Herzen, die am Thron ihr sitzt!
  36. Aufqualmend vom Blute,
  37. Aug' in Auge gluthend,
  38. Aus dem Gerippe nackt herniedersteigen ...
  39. Aus den Nebeln dort
  40. Aus denen dein Mund uns spricht,
  41. Aus Nebeln und dunkler Finsterniß und durch der Qualen blutige Nacht,
  42. Aus wirren Träumen banger Erinnerung,
  43. Ausbreitest du die opfernden Hände,
  44. Auseinander wehen die Wolken, golden thut der Himmel sich auf.
  45. Ausgießen mein Blut und meine Thränen.
  46. Bade mich im Drachenblute,
  47. Bald blitzt es unter uns wie grauer Wasserschein,
  48. Bald braust es dumpf durch dunkle Brückenbogen,
  49. Bald duftend und flammenlockig
  50. Bebt mein Mund noch bang,
  51. Bedeckt den Leib mit blutigem Thau,
  52. Bei der Lampe fahlem Scheine,
  53. Berlin! Berlin! Die Menge drängt und wallt,
  54. Beschmutzt mit Lügen und falschen Schwüren,
  55. Biet' ich dir den letzten Gruß.
  56. Bis du mich gesegnet!
  57. Bis ihr Fenster leise klirrte,
  58. Bleicht im Morgenglanz,
  59. Blutend aus vielsüßen Wunden,
  60. Blüthen flattern und schweben im Winde und der sonnengeküßte Quell
  61. Bohren sich tausend Pfeile in meine Brust,
  62. Brach vor dir stammelnd in's Knie
  63. Braunglühendem Reich verträumt mit seinem Volke.
  64. Brüder wir, –
  65. Bunte jubelnde Menschenfluthen
  66. Da ich so vor ihrem Fenster,
  67. Da ich spähend alle Wege
  68. Da in Schmerzen erschauerte meine Seele,
  69. Da küßtest du zum ersten Mal verstohlen mein lichtblondes Haar.
  70. Da lag sein Haupt an meiner Brust, und wildes Sehnen in mir schwoll,
  71. Da mit Veilchen und mit Rosen
  72. Dachte nur an Deine Schönheit,
  73. Dampf wallt empor und Qualm, in schwarzen Schleiern
  74. Dampfende Opferschale,
  75. Dann Heinrich bist du fern und küß'st – ach, küß'st wohl einen schön'ren Mund.
  76. Dann send' ich in das Herz und Hirn die ganze Hölle dir zu Gast ...
  77. Dann sollte, wie bei wirbelndem Trommelklang,
  78. Dann würf ich Blut und Flammengluth wohl auf das Liebste, was du hast,
  79. Dann ziehe klingend die Liebe
  80. Das Angesicht, blaß wie ein Wintertag,
  81. Daß aufgehe aus dem feurigen Samen
  82. Das Auge tief, die Wange hohl und schmal,
  83. Das Banner dräut, wie Herzblut dunkelroth,
  84. Das Blut des Frühlings rinnt.
  85. Das die Sünde vergossen,
  86. Daß du mich geborn!
  87. Das Eisen dröhnt, das blanke Messer klirrt.
  88. Das Glück, die Lust eine höllische List,
  89. Das Haar gelöst auf braunen Nacken hängt,
  90. Das Haupt bestreut mit der Asche Grau,
  91. Daß höhnische Lippen murren:
  92. Daß ich in dir baden wollte
  93. Daß ich niedersteige
  94. Daß ich ohne dich vergehen muß, denn all' meine Liebe – das bist du!
  95. Daß ich sie ausgieße
  96. Daß mein Ich in Dir erstarb.
  97. Das sprühende blitzende Naß.
  98. Daß tausendfach munter hervorschießt
  99. Das uralte, herbe Lied vom Menschenschicksal:
  100. Das Wasser jach enteist,
  101. Daß, wo ein Tropfen fließt,
  102. Dein Antlitz blaß wie das fahle Licht, wie der scheidenden Sonne kalter Strahl,
  103. Dein Erkennen.
  104. Dein gedenk' ich, Jugendtraum!
  105. Dein Haupt, du, deren Namen nie mein Lied, mein Mund niemals bekennt,
  106. Dein himmlisches Angesicht?
  107. Deine Hand liegt auf meinem Herzen,
  108. Deine Küsse fallen auf mein Haupt,
  109. Deine Lippen gestreift in sel'gem Gelüst.
  110. Deine mächtigen Augen wirf in der Zukunft Nacht!
  111. Deine strahlenden Flügeln hebe zum Himmel auf,
  112. Deine trunkenen Küsse und die Lüge
  113. Deines Herzens.
  114. Deines Kleides seidnen Schimmer
  115. Den Demantschmuck, das schimmernde Perlenband.
  116. Den die Geißel in rothe Wunden zerfetzt.
  117. Den ganzen Abend hat es schon gegrollt
  118. Den längst ich gestorben geglaubt.
  119. Den nackten, schweren Fuß kein Schuh umzwängt.
  120. Den Staub des Alltags.
  121. Denn alle Liebe, die du erschaust
  122. Denn blind von den Lüsten
  123. Denn deine Hand ist weich und zart, und meine ganz von Arbeit rauh.
  124. Denn thätest du's, denn thätest du's, dann wollt ich sprengen wohl mein Grab,
  125. Dennoch weiß ich's wohl,
  126. Der armen Dirne aus dem Volk, die dich so liebte, dir so gut.
  127. Der Baum ewiger Freude.
  128. Der Blitz fällt zuckend hin, auf erz'nem Wagen
  129. Der Dornen blutigen Bund.
  130. Der du dein schönes heiliges Antlitz
  131. Der Erde süßer Duft.
  132. Der erste Regen rauschte durch die Hecken.
  133. Der gewaltige brittische Herzenserschütt'rer.
  134. Der gold'ne Weizen kühnen Wollens.
  135. Der Gottesliebe
  136. Der Hase barg sich in dem Laub voll Schrecken,
  137. Der Hölle Nebel die Sinne umfloß,
  138. Der Lerchen Sang und der Sonnen Licht.
  139. Der Lüfte finstern Graus!
  140. Der Sommer glüht in dunkler Rosen Duft –
  141. Der Thränen schmerzliche Glut, ...
  142. Der Tod schleicht durch die wundenkranke, falsche, sündenverfallene Welt.
  143. Der Wagen rollt, der Wagen rollt, der dich auf ewig von mir trägt.
  144. Der Wahnsinn fiel in sein Gehirn mit heißer und versengender Gluth,
  145. Der Wahnsinn,
  146. Der wegfegt wie Lenzsturm
  147. Des Armen Kind lag an meiner Brust,
  148. Des Golds bedarf es nicht, o gebt nur Brod!
  149. Des grauenden Septembermorgens jagen
  150. Des Herzens Acker zerreißt du in wilde Furchen,
  151. Des Juden verachtete Tochter umschlang
  152. Des staubgeborenen
  153. Des Sturmes durch den Schloßhof, in dem Weiher
  154. Des Weibes, des Mannes Gluth
  155. Des Zuges Räder, und vom dumpfen Schall
  156. Dich berauschen an dir selber?
  157. Dich gekostet bis zum Grunde ...
  158. Dicht wie wetterschwarze Wolken
  159. Die bange Brust, das Aug' verderblich blitzt –
  160. Die bleiche Luft drückt schwer und liegt wie bleiern ...
  161. Die Bremse stöhnt laut unter starkem Griff ...
  162. Die Brücke, hei! dumpf braust der Zug hinüber.
  163. Die Dichtung, höll- und himmelheiß entfacht,
  164. Die Drossel ruft vom Lindenbaum, die Sonne kommt herauf mit Lust,
  165. Die Drossel ruft vom Lindenbaum, die Sonne steigt herauf mit Lust,
  166. Die dürren Zweige der Linde
  167. Die düst'ren Wolken schreiten
  168. Die Fenster auf! Dort drüben liegt Berlin!
  169. Die Glocken tönen und läuten
  170. Die Glocken tönen und läuten,
  171. Die Gluth der Gedanken.
  172. Die Liebe allein knüpft deine Seele aus den Banden der Sünde los.
  173. Die Liebe führt dich auf Adlerschwingen, führt dich zum Lichte leise und sacht.
  174. Die Lüfte brausen und mächtig
  175. Die Menschheit aus dem trägen Träumen schrecken,
  176. Die Nacht hindurch Geschrei und Schlachtruf schallt.
  177. Die nicht in Thränen geboren,
  178. Die Pest lag sterbend in meinem Schooß,
  179. Die Schauer der Zukunft.
  180. Die so rasch verdammt,
  181. Die Sonne steigt, die Sonne glüht ... still, armes Herz, die Glocke schlägt,
  182. Die Sonne steigt, die Stunde naht, und du gehst ewig von mir fort.
  183. Die starrenden Wege leer sein Odem kehrt.
  184. Die von dir reden und zeugen
  185. Die welken Blätter von den Straßen,
  186. Die Welt schaut ihrem Morgen entgegen sehnsuchtsvoll,
  187. Die Winde gleiten kühler hinab den dunklen Weg,
  188. Die Winde wallten die Straße hinab und fernher zitternd die Geige klang,
  189. Die Wipfel sausen und das Schilfrohr pfeift –
  190. Die Wolke flog gehüllt in dunkle Haube,
  191. Diente ich in deiner Liebe,
  192. Dir bring' ich mit jubelndem Munde
  193. Dir seitdem, daß ich dir sage,
  194. Dir tönt mein Lied, athmend
  195. Doch als der Morgen in Osten sich hob, – o wie grau und schwer und wie kalt der Tag,
  196. Doch denk daran, wie heiß um dich aus meinem Aug' die Thräne fließt ...
  197. Doch geh' hinfort, du darfst nicht länger bei mir Unselig-Armen sein.
  198. Doch hebt sich's auf vor meinem Geiste so schaurig und so düster klar.
  199. Doch ich! Doch ich! nein, wende nicht dein Antlitz einmal noch zurück,
  200. Doch im letzten Todesbeben,
  201. Doch längst vergang'ne Tage drängen sich dunkel zwischen dich und mich!
  202. Doch mich warf die glänzende Fluth zur Seite,
  203. Doch sage nie, küßt du voll Gluth den Mund und ihrer Augen Schein,
  204. Doch sieh im Osten glüht es auf, und Palmen wehen im Sonnenlicht,
  205. Doch wenn der Abend niederfällt, dann bist du, Heinrich, nicht mehr hier!
  206. Dort graut die Havel, und das Wasser schwallt,
  207. Dort in der Tiefe, und von Seufzern schwillt
  208. Drängen an tausend bitt're Lanzen,
  209. Drängen sie gegen mich heran,
  210. Draußen die Osternacht,
  211. Draußen tönt es durch die nassen
  212. Drein jagt der Sturm, daß Hang und Heide hallt,
  213. Drohend über das Land,
  214. Drum schlage die Augen empor, mein Liebling, die voll von bitt'ren Thränen steh'n,
  215. Du bist meine Sonne, du bist mein Tag und meiner Zukunft süßer Schein,
  216. Du endlos tiefe Schmerzensnacht,
  217. Du endlos tiefe Schmerzensnacht, –
  218. Du Erzeugerin weltstürmender Thaten,
  219. Du Gebärerin großer Gedanken,
  220. Du gieß'st in unseren Busen den Schmerz,
  221. Du hast nicht Schuld, ich segne dich, ich hab' dich ja so sehr geliebt!
  222. Du hundertfältig' Leben, dein letzter Schrei verhallt.
  223. Du singst uns vor mit düst'rer Stimme
  224. Du suchst – du suchst die Welt in dieser Flut,
  225. Du süße, du schöne, du hohe
  226. Du wandelst ewig weiter durch Nacht und Tageslicht,
  227. Du weißt ja nicht, wie bitterweh mir all' deine heiße Liebe thut.
  228. Du, Heinrich, bist so klug und ich ein arm unwissend häßlich Ding.
  229. Du, mein Schild, Du, mein Streitbeil –
  230. Du, schau meiner Augen Feuchte,
  231. Du, Seele, bist aus jedem Tod noch auferwacht.
  232. Dumpf hinab den Gang.
  233. Dunkle Nebel der Nacht,
  234. Dunkles Räthsel – einzigwahre
  235. Durch die Lüfte, auf den Erdball,
  236. Durch die Nacht, durch die Nacht ich höre den Tritt,
  237. Durch meine Seele ergießt sich's
  238. Durch Wolken verdeckt,
  239. Durch's offene Fenster rankt sich
  240. Eben noch so reich
  241. Ei, was war mir alles Hassen,
  242. Eigne Kraft nur ist unser Schwert,
  243. Ein anderer rast dumpfrasselnd risch vorüber,
  244. Ein besserer Prometheus,
  245. Ein eherner Kelch mit Thränen angefüllt,
  246. Ein eherner Kelch vor euren Augen schwebt!
  247. Ein Feuerstrahl fährt prasselnd aus dem Wald,
  248. Ein Flammenheerd darunter – ein Vulkan,
  249. Ein Höllenreich und Schatten bleich vermodernd.
  250. Ein Höllenzug mit Winseln und mit Grinsen.
  251. Ein Mantel deckte uns, ein Becher labte uns –
  252. Ein Medusenhaupt,
  253. Ein Paradies, ein süßes Kanaan, –
  254. Ein toller Junker, geht's durch Teich und Binsen,
  255. Ein üppiger Blüthenschleier
  256. Eine dunkle Rose schwirrte ...
  257. Eine ganze Welt in Waffen,
  258. Eine Rose leuchtend entsprießt ...
  259. Eine Welt in Waffen wider mich,
  260. Einen einzigen Zweig blühenden Lorbeers.
  261. Einmal nur auf dem Balkone
  262. Einsam der Mond wandelt,
  263. Einsam nun und ganz alleine
  264. Einsam steh'n wir auf öder Wacht,
  265. Einsamkeit in deinen Dom,
  266. Einsamkeit!
  267. Einsamkeit, wie bebte ich einst vor dir,
  268. Einstmals, stand ich ganz verlassen
  269. Elend und schwach und krank und siech, wie Wasser stürzend von Fall zu Fall,
  270. Empor, empor durch den Dampf,
  271. Emporzutauchen aus der schwarzen Todesfluth.
  272. Engbrüst'ge Häuser, Fenster schmal und klein,
  273. Erflehe ich, dunkle Zukunft!
  274. Es brennt die Schlacht und Niemand wird dich schonen.
  275. Es drängt heran, es wogt die dunkle Fluth
  276. Es geht ein seltsam Weben und Athmen durch die Nacht,
  277. Es ist kein Gott!
  278. Es kommen die Nebel, die Wasser ziehn, und Finsternisse dräuen mit Macht,
  279. Es quillt wie Licht und Leben aus dunklem Schooß hervor,
  280. Es ringen sich Gestalten aus Nacht und Tod empor.
  281. Es webt und quillt in der Luft,
  282. Ewig tönt herber dumpfer Trommelklang ...
  283. Ewig tönt herber dumpfer Trommelklang.
  284. Ewig verschließen für uns dein Herz,
  285. Fabriken rauchgeschwärzt, im Wasserduft
  286. Fahler Morgenglanz,
  287. Falle mit fressendem Roste
  288. Feinde ringsum!
  289. Fern zieht ein Schäfer in des Sonnenbrand's
  290. Fernab fällt wie fortwandelnder Stürme Sausen
  291. Feuer gegen Feuer,
  292. Fiel in meine Seele
  293. Finster starrt mich an
  294. Finsternisse mit Macht.
  295. Flammenaugen – Feuerlocken –
  296. Fliege empor mein Geist,
  297. Fliege empor, mein Geist,
  298. Fliegt Schnee und knarrt das demantharte Eis.
  299. Fluch auf dich, du Welt,
  300. Flügel! Flügel!
  301. Fort und weg zu goldigspiegelnden Wassern,
  302. Frühlingsnächtige Stunden ...
  303. Frühlingsnächtiges Drängen!
  304. Führ' meine Seele, die durch alle Himmel und Zeiten und Räume kreist.
  305. Gefüllt mit den krystallreinen
  306. Geliebte, da dachte ich dein!
  307. Gerade mir zu Füßen fiel.
  308. Gestaltet sich's bunt und reich,
  309. Gieße du Feuer in meine Seele,
  310. Gießt durch duftende Rosenbüsche seine Wasser wolkenhell.
  311. Girrend käm' mir ins Gehege, –
  312. Glanz deiner Gnade und Huld.
  313. Glänzt Flamm' um Flamme, düster, trüb' und trüber,
  314. Glashallen über uns, rings Menschenwirr'n, ...
  315. Gleich dem Würger-Tod.
  316. Goldstrahlend, sonnenumgluthet
  317. Gottheit Du! – welch' wunderklare,
  318. Gras wuchert an dem stillen Ort, wo meine erste Liebe ruht.
  319. Graues Dämmerlicht,
  320. Greife nach dem Helm, dem blanken,
  321. Ha ... wie strömt's da auf mich nieder,
  322. Hab' gejauchzt und hab' gesungen,
  323. Hab' gelitten und gerungen
  324. Hab' von weichem Arm umschlungen
  325. Hagelwetter meiner Saaten,
  326. Hahi und Hussa, wie das jagt und tollt.
  327. Halt! Und »Berlin!« Hinaus aus engem Wagen!
  328. Hängt es am Boden.
  329. Hängt tief und steif die Wolke drüber hin,
  330. Hängt über Thurm und Dach der Wolkenschleier,
  331. Hast mein Herze schnöd verrathen,
  332. Heb' ich mich auf vom Lager
  333. Hebe ich träumend mein Haupt, –
  334. Hei, wie der Nebeldunst vorüber schleift,
  335. Hei, wie hätten meine Schläge
  336. Heilige Lüfte wandeln und fließen um dein blaßes Angesicht.
  337. Heißer alle Herzen gluthen,
  338. Heißer alle Sinne bluten,
  339. Helles, kühles Morgenwasser du,
  340. Herb', groß, rauhathmend
  341. Herrin, tausend herrl'che Tage
  342. Heut' am Fenster noch erspäh'n?
  343. Hier im Busen, draußen im lärmenden Weltstrom,
  344. Hier lieg ich, blutig den Leib benetzt,
  345. Hier versink' ich im weiten Raum,
  346. Hin verworrener Lärm der Riesenweltstadt,
  347. Hindonnernd rollt der Zug! Es saust die Luft,
  348. Hinflute über das Land,
  349. Hinter schwerem Spanierweine,
  350. Hinunter, hinunter ihr Gleißenden,
  351. Hoch auf güldnem Himmelsthrone
  352. Hoch über des Tempels Zinnen schwebt sie stark auf mächtigem Flügelpaar,
  353. Horch Geigenton zu Tanz und üpp'gem Reigen!
  354. Horch, noch tönt sein Schritt
  355. Hörst nicht das Schlachtwort, das so blutig schrillt?
  356. Hört aus der Tiefe schmerzenbanges Schrein –
  357. Hört ihr es nicht? In meinem Ohre bang
  358. Hört ihr es nicht? In meinem Ohre bang
  359. Ich aber erkannte dich
  360. Ich bin ein schwaches Rohr –
  361. Ich bin eine zitternde Leuchte,
  362. Ich bin entbrannt in Liebe zu dir,
  363. Ich des Nachts ihr Fenster kränzte,
  364. Ich fühl's, ich fühl's im tiefsten Busen, nun darf ich nimmer von dir geh'n.
  365. Ich fühl's, ich fühl's im tiefsten Busen: Nun darf ich nimmer von dir geh'n!
  366. Ich glühe wie ein Schwert
  367. Ich hab' auf all' und ewige Zeit verloren die Liebe, verloren mein Glück!
  368. Ich hab' auf all' und ewige Zeit verloren die Liebe, verloren mein Glück.
  369. Ich kann nicht schauen, wie du weinst, du herzgeliebter theurer Mann.
  370. Ich küßte die Kranken vom Tode los.
  371. Ich lodre wie die Sonne,
  372. Ich schaue und höre – ich finde dich nicht!
  373. Ich segne dich für jedes Wort, für jeden Kuß von deinem Mund,
  374. Ich sehe die rothen Wunden
  375. Ich trinke von seinen Augen
  376. Ich verachte deine Thaten,
  377. Ich weiß es wohl, wie du dich stolz verzehrst nach Ruhm und Sonnenschein,–
  378. Ich weiß nur, wie elend das Dasein ist,
  379. Ich weiß, die Sünde faßte uns an,
  380. Ich weiß, die Sünde schläft und schlief
  381. Ich weiß, es ist der Sünde Fluch.
  382. Ich weiß, nur den Tag des jüngsten Gerichts.
  383. Ich wußt' es wohl, daß so es kam, Elend und Schande über mich,
  384. Ich wußt' es wohl, ich würde nie dir dienen treu und still als Frau, –
  385. Ich wußt' es wohl, ich wußt' es wohl vom ersten Anfang an, daß du –
  386. Ihr schwingt den silberstrahlenden Weinpokal.
  387. Im blauen Kinderauge tief;
  388. Im klopfenden Busen wach.
  389. In aufgebrochenen Schollen
  390. In beiden Händen
  391. In das weißlichschillernde Frühlingsgrün;
  392. In deinem Schooße lag Homers ehrwürdiges Haupt,
  393. In dem düstren Wirthshaus träum' ich
  394. In der Wüste suchte dich der Welterlöser,
  395. In die Adern des Frühlings verlodern,
  396. In die bebende Seele fällt mild eine Thräne aus Gottes Aug',
  397. In die heiße Nacht
  398. In die Stürme will er hinein.
  399. In die Welt nackt gestoßen
  400. In Dornen und in Stacheln eingehüllt.
  401. In dunklen Schaaren drängt es finster an,
  402. In dunkler Thränennacht,
  403. In dürres Laub,
  404. In Feuerlettern meine Dichtung schreiben,
  405. In Feuern lodert die Seele auf, auf flammendem Wagen fährt sie empor
  406. In fluchtzerrissene Reih'n.
  407. In heller Lenznacht in der Nachtigall
  408. In ihre Herzen hinein.
  409. In meine Seele gluthet das Gottesaug' hinein.
  410. In meinen Augen fluthet ein morgenheller Schein,
  411. In mürben Staub,
  412. In sausenden Feuern.
  413. In solchem Blumenhain,
  414. In Thränen erstirbt.
  415. In tiefer Nacht sah ich himmlisches Licht.
  416. In's Feuer, in's Feuer!
  417. Ins wilde Leben laß dich mächtig tragen!
  418. Ist Gemeinheit, Ekel,
  419. Ja, für deine Götterhallen
  420. Jasminduft ... weiß blüht der Flieder,
  421. Jeder Feind dem anderen,
  422. Jetzt so arm und leer,
  423. Kammern wichen Leid und Angst.
  424. Kämpfen um deine Liebe,
  425. Keimendes Rebengezweig.
  426. Klang's von dem Mund wie sehnsuchtsbange Klage? ...
  427. Komm' in Nacht und Sturm
  428. Komme in mein Herz
  429. Komme wie du willst,
  430. Kommt krachend hinterher der Donner angerollt,
  431. Konrad von Marburg, dein finst'res Wort
  432. Kranz der Höll' und Himmelsfahrten,
  433. Küsse die lodernde Stirne
  434. Küsse mich, Sturmesmund ...
  435. Lag weinend und warf ihre Schätze hin –
  436. Langsamer nun! Es glänzt in Aller Mienen!
  437. Laß der Brust mein Blut entwallen,
  438. Laß einmal noch mein blasses Haupt sich lehnen müd' an deine Brust.
  439. Laß einmal noch mein blasses Haupt sich lehnen müd' an deine Brust.
  440. Laß eintreten mich, Friedsuchenden,
  441. Laß für dich mich jubelnd sterben,
  442. Laß mich einmal ruhen
  443. Lauten und mit leisen Munden
  444. Lauter als Sturmgeist, schreit ein wildes Weh.
  445. Leb' wohl! Leb' wohl! Und mein Gebet führ' dich aus Nacht und Schmerzen hinaus!«
  446. Leiderfüllten Menschen,
  447. Leise ... leise aufgeschlossen,
  448. Leise ins stille Gemach,
  449. Leise noch sein Fuß,
  450. Leuchtend in den Lüften
  451. Leuchtend, schön und groß.
  452. Leuchtenden Wellen deiner Liebe.
  453. Licht! Licht! O säh ich nur ein Licht in dieser todesdüst'ren Nacht!
  454. Lichts in deinem hohen Saale, –
  455. Liebe füllt für dich mein Herz.
  456. Liebe! Rosige Briefchen ihr,
  457. Liebe, bett' ein Grab
  458. Liebe, du allein
  459. Liebeathmende Frauenantlitz
  460. Liebestraum, du Rosengarten –
  461. Liebestrunken folg' ich zitternd
  462. Liebeswunden ihm versetzt.
  463. Lieg' ich nun bei fahlem Lichte, ...
  464. Lieg' ich und weiß ich von Liebe nichts,
  465. Lockte der erste Maiensonntag
  466. Mächtig schwillt die Luft,
  467. Mahnte mich an deine Schönheit,
  468. Maimorgenwind lacht heimlich leis' und raunt im grünenden Spalier,
  469. Maria, du Königin – süßes Licht,
  470. Mein Arm, und ich küßte sie heiß und lang.
  471. Mein Unglück, Schmach und ew'gen Tod, – ach alles fügtest du mir zu!
  472. Meine Arme möcht' ich schlingen wohl und halten dich und küssen dich,
  473. Meine erste süße Jugendzeit, licht wie der Frühling im Blüthenschein,
  474. Meine Lippen lind.
  475. Meine Seele zittert in deinen Armen.
  476. Meine Zukunft du,
  477. Meiner Jugend Liebestraum!
  478. Meiner Seele schöne Fürstin, –
  479. Menschheit, du unwandelbare
  480. Mir bleibt nur Buße und bitt're Qual, meine Tage sinken in Dunkel und Graus,
  481. Mir in das blanke Glas ...
  482. Mit Beil und Hammer wogt es dumpf heran.
  483. Mit den Schatten deiner Todesnacht.
  484. Mit des Frühlings Rosenblut.
  485. Mit dir ringen, Hüft' an Hüfte,
  486. Mit glühendem Auge und brennendem Herzen
  487. Mit Rosenblüthen und Drosselschlag?
  488. Mondlicht ... Blüthenduft ... und drüben
  489. Müde, stumm und ganz verlassen
  490. Mühsal-Leidenden
  491. Mund und Seele mir.
  492. Mutter, Fluch auf dich,
  493. Nach anderem schöneren Sterne
  494. Nach dem Schwert und hartem Schilde, –
  495. Nachtwirren Wassern
  496. Nein, fluch' ihm nicht! Schwer fiel die Hand des Himmels auf sein schönes Haupt,
  497. Nein, geh' hinfort, und wende nicht dein Angesicht zu mir zurück,
  498. Nein, nein, dein Mund und Auge lügt: Es weiß dein Herz so gut wie ich,
  499. Neuer Lenz glüht mir im Blut.
  500. Nicht deinen Mund – nicht deinen Mund! ich ließe dich sonst nimmermehr.
  501. Nicht deinen Mund! Nicht deinen Mund! Ich ließe sonst dich nimmermehr.
  502. Nicht in der staubigen Flasche
  503. Nicht lassen von dir,
  504. Nicht lockt ihr mich wieder!
  505. Nichts als jammervollen Tod,
  506. Nichts als Leiden gewinn ich,
  507. Nieder auf blutigen Grund.
  508. Niedersah, ob nicht ein Bursche
  509. Niederzwingen will ich dich, Gott,
  510. Nimm mich auf, nimm mich auf,
  511. Noch ein Ruf und müdes Kinderlallen.
  512. Noch einmal laß mich deine Hand inbrünstig küssen heiß und schwer, –
  513. Noch einmal lass' mich deine Hand inbrünstig küssen heiß und schwer,
  514. Noch in deinem Schooß,
  515. Novemberwind! Novemberwind! Der Himmel so grau und die Wälder entlaubt,
  516. Nun hebe die Augen, mein Liebling du, die voll von bitt'ren Thränen steh'n,
  517. Nun ist's herauf, hinsaust die tolle Jagd
  518. Nun lacht heimlich Maimorgenwind und raunt im grünenden Spalier,
  519. Nun mische dich, Sonnenfeuer,
  520. Nun wardst du zur Freundin mir, Einsamkeit,
  521. Nun wie eine schöne Sage,
  522. Nun zeuch hinab, so stolz und selbstbewußt,
  523. Nun, da nächt'ge Zauber fluthen
  524. Nur allein trinken
  525. Nur aus der Liebe fließt Gnade und Leben! Und die Liebe ist Gott allein!«
  526. Nur Dampf und Rauch,
  527. Nur Seufzer hört's und leisen Schlag des Herzens, das im Tode bricht.
  528. Nur Thränen fühlt es, fallend schwer, Glühtropfen, auf sein Angesicht,
  529. O denk' zuweilen, wie mich Noth und Unglück packt so rauh und hart,
  530. O du Nacht, der Seele finstere Nacht,
  531. O du Nacht, der Seele finstere Nacht,
  532. O du Nacht, der Seele finstere Nacht,
  533. O frage mich nicht, wie's einst geschah, – o wende dich ab, sieh mich nicht an,
  534. O Geißel – o Buße – o Höllenglut!
  535. O Glanz, o furchtbar Leuchten, das meinen Geist umwallt,
  536. O lösche in Nacht und Schwele –
  537. O Madonna, soll ich nimmer
  538. O Süßer, Liebster zürne du, o zürn' nicht über solch ein Wort, –
  539. O süßes Wunderweben, was meinen Geist umwirbt,
  540. O wasche mit Feuerwellen
  541. O wie arm und elend, mein Liebling du, wie elend sind nun Beide wir.
  542. O wie schwer und bang' ward mir das Herz, und wie bitterweh thut doch dein Wort,
  543. O Winternacht! Der Sturmwind heulend fährt,
  544. O Winternacht! Durch Eis und fliegenden Schnee
  545. O, könnt' ich doch auf dieser Wolken Nacht
  546. Obwohl mein Herz doch alle Zeit für dich in Feuern der Liebe brennt.
  547. Oder in mein Hirn
  548. Parol' die Frag: Was für ein seltsam Wesen?
  549. Plötzlich Licht und Gluth mein Dasein,
  550. Regenüberströmten Gassen
  551. Reich an Jubel und an Klage,
  552. Reimen meine Liebe sang.
  553. Reißt ab das rothe Gold vom Sammtgewand,
  554. Reit' ich trotzig in die Schranken,
  555. Rette du dein Kind,
  556. Rings flüstert ein süßer Zauber,
  557. Rings quillt aus kühlem Garten
  558. Rings sah ich die Himmel leuchtend erblüh'n,
  559. Ringsum gluthend flammt.
  560. Rothe Lippen, vielgeküßte –
  561. Rothe Rosen ihr, –
  562. Röthlich glänzt der süße Flimmer
  563. Ruhig träumen die Gassen,
  564. Ruht mein Haupt im Schoße des Leides,
  565. Sag' nicht, daß du von mir gegangen, weil ich so schlecht und so gemein.
  566. Sagt, wie das Elend gar so fressen mag.
  567. Sanfte Citherklänge hüben,
  568. Sanftsegnend über die kranke Welt ausströmt der Liebe goldener Schein –
  569. Sang, ein blasser Troubadour.
  570. Sausen sie hinterdrein,
  571. Schatten vorübergleiten
  572. Schau dort hinaus! ... Die Luft durchquillt's wie Blut,
  573. Schau dort hinaus! Es flammt die Luft und glüht,
  574. Schau dort hinaus, der fahle Nebel sprüht,
  575. Schauernd vor dir barg ich mein Haupt
  576. Schaust du mich an, erschauert mir das Herz vor Angst und dunklem Weh,
  577. Scheu hat der Vogel sich ins Nest geduckt,
  578. Scheuchte die Himmel, die Liebe mir fort.
  579. Schlafmordend sollte mein Gesang
  580. Schlag der Nachtigall im Laubwerk ...
  581. Schlangenwirrumlaubt.
  582. Schönste, ewigjunge Blüthe,
  583. Schrak vor dir, wie die erste Blüthe
  584. Schreitet Gott dahin.
  585. Schrickt im Garten vor nachziehenden Winterfrösten.
  586. Schwarz über uns flattern die Wolken
  587. Schwer die Thüre fällt
  588. Schwertragend eine feuerglühende
  589. Schwinden nicht die dunklen Bogen?
  590. Seht ihr es nicht, das Zeichen, das sich hebt?
  591. Sei köstlicher Samen dem Boden,
  592. Seines Herzens Glocke hat ausgetönt, und sein Gebein ist längst verstaubt.
  593. Setzt sich fahle Noth zu mir,
  594. Seufzer der Sehnsucht beben in deinem Ohre sacht.
  595. Sich weiße Birken in die klare Luft,
  596. Sie fassen an meine Seele
  597. Sie läuten und rufen den Frühling
  598. Sieh', zischend stürzt der Champagner
  599. Siehe, die Welt steht wider uns auf mit Hohn und Lachen und kaltem Spott,
  600. Siehe, die Welt steht wider uns auf mit Hohn und Lachen und kaltem Spott,
  601. Silbern blitzt die feuchte Luft.
  602. Sind's nur die Schauer des Todes,
  603. Sind's wilde Schmerzen allein,
  604. Singende Mönche mit seidenen Bannern wallen.
  605. So dürstet uns're Seele heiß nach des Lebens Gluth,
  606. So schlecht war Niemand, verworfen nicht,
  607. So sinken die Menschen fahl dahin – die Sünde jubelt überall.
  608. So stürmen siegjubelnde Reiter
  609. So über den Welten
  610. So viel Leid erkorn –
  611. Soll meine Seele umfluthet
  612. Sommernacht umfängt mich wieder,
  613. Sommernächte, – trunkne Stunden,
  614. Sonnen mir im Herzen sprossen,
  615. Sonst logst du nie, ich weiß es wohl, sprachst niemals von dem gold'nen Ring,
  616. Stand und sah dich! – Wie durchflossen
  617. Ständchen brachte und in losen
  618. Stärker als Feuer brennt der kalte Frost.
  619. Starrt mein Angesicht.
  620. Sternenlicht – weinvolle Schale –
  621. Stets gepriesen sei dein Name! –
  622. Stöhnt der Morgenwind.
  623. Stöhnt, dröhnt und saust's im engen Eisenwagen ...
  624. Strahlendes Gewand.
  625. Streif mit deinem Mund
  626. Ström' über mich den hellen
  627. Suchst glühende Rosen, grüne Lorbeerkronen, ...
  628. Suchte dich heilige Liebe,
  629. Sühnt auch diese Gedanken mein tropfendes Blut?
  630. Sündigen Leibes
  631. Süß duftet und leise athmet
  632. Süße und geliebte Dame,
  633. Tauscht je die goldige Fülle seines Tages
  634. Tausend Pfeile sind gerichtet gegen mein Herz,
  635. Tausend Schwerter flammen wider mich;
  636. Thränennaß mein Blick,
  637. Tief liegt die Welt von Schatten bedeckt, und Thränen und Schmerzen umhüllen sie dicht,
  638. Tod und Schmach sich fort.
  639. Todesdurstig – liebesbleich!
  640. Tönt Erinnrung in mein Ohr.
  641. Tönt in mein Ohr deiner Stimme Klang und greift mit Dornen in mein Herz:
  642. Träf dein Liebeskuß
  643. Trage auf Adlers Flügeln mich gewaltig zu den Sternen hinauf,
  644. Trinke seinen heißen Duft.
  645. Trinkst die Lieb' aus andrem Kelche, – –
  646. Trock'ne die Thränen vom Auge dir ab, mit uns ist die Liebe, mit uns ist Gott.
  647. Trock'ne die Thränen vom Auge dir ab, mit uns ist die Liebe, mit uns ist Gott.
  648. Trug war's nicht, der mich verwirrte! ...
  649. Ueber die armen und elenden
  650. Ueber die Blumen, über die Palmen fliegen Engelschaaren empor,
  651. Ueber die Borde drängt sich
  652. Ueber die dürstende Erde,
  653. Ueber die Welten hinaus,
  654. Ueber mir nur Sternflammen
  655. Ueber uns wallt, dicht wie Bergnebel,
  656. Um die glühende Stirn weht's leise wie ein Frühlingsrosenhauch.
  657. Um Haupt und Leib mir wallen
  658. Umfloß mich noch, vor meinen Augen hoben
  659. Umlagern mein Zelt wie Raubthiere.
  660. Umqualmt vom Rauch der Schlacht,
  661. Und einen Strahl der Sonne bringe mir nieder,
  662. Und an den morgigen Thoren,
  663. Und auch du!
  664. Und aus dem Walde quillt es
  665. Und aus meiner Seele trüben
  666. Und bang geflüstert in dem dunklen Laube,
  667. Und besäß ich's noch,
  668. Und betend lag ich in göttlicher Ruh'
  669. Und binsenüberwachs'ne Wasserkolke,
  670. Und bist du fern, ich will ja nicht, daß Thränen du um mich vergieß'st,
  671. Und braune Felsen schießen wirr vorüber,
  672. Und deine Hand ruhte auf Caesars Scheitel,
  673. Und deinem göttlichen Sein?
  674. Und den bleichen, friedlichen Mund,
  675. Und dennoch ist's von deinem Fleisch und dennoch lebt's von deinem Blut,
  676. Und dennoch sieht's dein Auge nie, das treu und zärtlich aus ihm ruht.
  677. Und dennoch, dennoch kam's, denn ach! ich liebte gar zu innig dich!
  678. Und der Traum zerrinnt ...
  679. Und die Luft so kalt, die Luft so schaurig! Stumm lag an meiner Brust dein Haupt.
  680. Und die Nachtigallen schluchzten süß, und die Elfen wiegten sich im Tanz.
  681. Und die Wasser rauschten träumend hinab den schattendüst'ren Waldesgang.
  682. Und dort die Fahn', schwarz wie der Würger Tod.
  683. Und durch die schauernden Lüfte
  684. Und durch die Wetter sah ich es glüh'n,
  685. Und eh's geboren, ertönt ihm schon des Vaters und der Mutter Fluch;
  686. Und ein Schrei voll wilder Qual aus tausend blassen Munden schrecklich bricht.
  687. Und er küßte mich ... und er küßte mich ... und mein Herz ward weit und mein Herz ward voll.
  688. Und er nahm mein Glück und ließ mir nichts zurück als Schande und bitt're Schmach.
  689. Und es jubelt mit hellem Munde durch die Lüfte ihr heiliger Chor:
  690. Und fällt hernieder jene Nacht, und lieg' ich blaß und leidenswund,
  691. Und fassen mein Gewand.
  692. Und Frost in mein Gehirn,
  693. Und fühle, wie sanft seine Rechte
  694. Und führst du einst ein Fräulein dir zur Hochzeit und zur Kirch' hinab,
  695. Und gesunden zu ewiger hoher Wunderfreude!
  696. Und greifen in mein Hirn,
  697. Und ich fühlte Gottes Kuß.
  698. Und ich hab' nichts mehr.
  699. Und ich hörte des Herzens dumpfen Schlag, wie Grabeslaut voll banger Qual.
  700. Und ich wandte, Dunkel im Herzen,
  701. Und im Spiegel dort
  702. Und immer und immer bei Nacht und Tag, und immer und immer in Lust und in Schmerz
  703. Und immer wieder ringt sich ein Tag aus jeder Nacht,
  704. Und in den fernen Wolken im Osten blitzt es auf,
  705. Und in den Lüften schwimmt's wie schwarzes Blut.
  706. Und in der Reichen helles Schloß, ich Arme, darf nicht mit hinein.
  707. Und in's Ohr nur tönt mir selten
  708. Und jach zum Himmel blitzen Flammenfluthen,
  709. Und keine Freude ist,
  710. Und küsse mich gesund!
  711. Und leise Stimmen flüstern am blühenden Geheg.
  712. Und Licht und Nebel in den langen Gassen – – –
  713. Und mein erster, mein erster Liebestraum hüllte mit Zaubern die Seele mir ein.
  714. Und mein Kopf so schwer, –
  715. Und meine arme Seele zittert, wenn ich in deine Augen seh'.
  716. Und mild wie ein Thautropfen
  717. Und mit dem Sturm durch alle Lande treiben.
  718. Und mit kecken Studiosen
  719. Und peitscht die Lüfte mit rothglüh'nden Ruthen.
  720. Und schaue des Heilands Augen,
  721. Und Schlachten sah er, Drang und blut'ge Wunden.
  722. Und schmerzzitternd stürzt mein Leib
  723. Und schmetterte Krankheit und Wahnsinn auf dein verfluchtes Haupt herab ...
  724. Und spotte du am Schenktisch nie, wie man am Schenktisch sonst wohl thut
  725. Und stammelte selig: »Die Liebe bist du«!
  726. Und strahlt nicht auch leuchtend im Frühling
  727. Und strömt ein Rosenduft.
  728. Und trage meine Waffen jauchzend der Welt entgegen.
  729. Und trank die süße heimliche Lust,
  730. Und treff' dich nie so harter Schmerz und furche deine Seele wund!
  731. Und über dich hinschreitend stumm und kalt,
  732. Und über mich kam's wie süßer Schlaf, wie ein todesschwerer bittrer Traum.
  733. Und um die Schläfe geflochten
  734. Und unter Kähnen wandeln müd' die Wogen.
  735. Und unter meinem Herzen quillt und regt es sich und athmet leis'.
  736. Und unverwundbar durch dich
  737. Und verstört mein Muth.
  738. Und vielleicht noch einen Schimmer der Morgenröthe,
  739. Und von den Blättern der Bibel
  740. Und von der Erde hebt sich ein sanfter Glanz hinauf.
  741. Und von mir fliehen deine Augen.
  742. Und von Rosen lind umweben,
  743. Und vor deinem Altar in Opferschalen
  744. Und vor mir sank die Welt dahin ... Es schwanden in Nebel Zeit und Raum
  745. Und was aus Staub geboren ist, und was gezeugt vom Weibe lebt,
  746. Und was ich wollte, Lieber du? Ich wollte nur, sei nicht betrübt,
  747. Und weggescheucht vom rothfunkelndem Wein
  748. Und wehende Wolken ...
  749. Und Welt auf Welt erhebt sich und Welt auf Welt zerbricht.
  750. Und wenn der Abend niederfällt, dann bist du, Heinrich nicht mehr hier.
  751. Und wenn der Abendnebel fällt,
  752. Und wenn der Wein im grünen Glase quillt, –
  753. Und wenn Du einst auch heimwärts kehrst, nie wieder schaut mein Auge dich.
  754. Und wenn sich zwei begegnen
  755. Unnahbar unendliche Gottheit,
  756. Unseligen Menschen,
  757. Unser Auge schaut dich nicht,
  758. Unter deinen Goldstandarten
  759. Unter den Menschenkindern,
  760. Unter Rosen mir!
  761. Verbirgst uns schmerzbeladenen,
  762. Vergebens glüht am Feuerheerd der Rost,
  763. Vergiß es nicht, daß ich aus Liebe zu dir so sehr unglücklich ward!
  764. Verlösche nicht mein Gestirn.
  765. Verlöschen im Schlamm der Lüste,
  766. Vermodern mag solch ein Wein, ...
  767. Verträumtes Lied rauscht schwerer Waffenschall.
  768. Voll erhabenen Mitleids
  769. Vom blauen Monde bewacht.
  770. Vom Borne deiner Liebe,
  771. Vom Wolkenmantel dicht den Leib umschlagen.
  772. Von dem letzten Kuß
  773. Von den Schwingen tropft die Sonne, flammenregnend, leuchtend und klar.
  774. Von Gold und heißem Demantglanz umblitzt!
  775. Von lauten Schwärmen Krähenvolks umstoben,
  776. Von meinem Busen die Schuld,
  777. Von Millionen Feuerbränden lodernd, ...
  778. Von Seufzern schüttert deine Brust, als wollte sie zerspringen dir,
  779. Von strahlenden Aetherfeuern
  780. Von Westen kam ich und mein Geist entflog
  781. Von Westen kam ich und mein Geist umspann
  782. Von Westen kam ich, – schwerer Haideduft
  783. Vor meiner Seele steigt es auf – verflossen ist schon Jahr um Jahr,
  784. Voran und weit in dunkle Zukunftstunden ...
  785. Vorbei die Spiele, durch den Nebelschwall
  786. Vorbei, vorüber! und ein geller Pfiff!
  787. Vorüber wallen an mir Gestalten – –
  788. Waffengenosse, mit dem ich stets zusammenstand,
  789. Wallt zwischen dir und uns,
  790. Walten alle, jauchzenden Herzens,
  791. Wandle ich vor deiner Thür.
  792. Wandle wie Ihr leuchtende Himmelsseelen
  793. Wandte die Schritte denn ein jedes
  794. War's eine Thräne, die vom Aug' mir rann,
  795. Wär'st du doch todt, mein Kind, mein Kind, und lägst du stumm im Leichentuch! ...
  796. Was durch die Natur
  797. Was ich gehofft und heiß ersehnt, liegt wie ein wüstes Trümmerfeld,
  798. Was ich leide und ertrage,
  799. Was soll ich thun, was soll ich thun? Du führe mich sicher, ewiger Geist,
  800. Webt in meinen Tag
  801. Weckt mich der Schmerz zur Nachtzeit.
  802. Weh, meinen Busen preßt und sprengt's, ein Feuer lodert schwül und heiß,
  803. Weichmüthig rasch entschwund'ne Jugendtage,
  804. Weiß fliegt der Dampf, ... ein Knirschen an den Schienen!
  805. Weiße Stirn und blanke Brüste, –
  806. Weit über der Erde düsternde Nacht, und durch der Wolken schattendes Thor.
  807. Weit, weit die Haide, Hügel gelben Sand's,
  808. Welch' Spur willst du in diesen Fluten lassen?
  809. Welten sah ich aufgeschlossen,
  810. Wenn der Morgen mit blassem Munde mich küßt,
  811. Wenn sich neigt die blasse Stirne,
  812. Wer ist so rein, daß wider dich den ersten Stein er zornig hebt.
  813. Wider mich allein.
  814. Wie an dem Strand die wüste Woge hallt,
  815. Wie Banner in heißer Schlacht,
  816. Wie das Morgenroth,
  817. Wie die Mutter mit dem Sohne
  818. Wie die Nacht dem goldnen Tage,
  819. Wie die Nacht einst kam von Rosenduft berauscht und trunken von Mondesglanz,
  820. Wie die Nacht so finster des Finsteren Schritt, – –
  821. Wie die Sonne in Liebe die Blumen pflegt,
  822. Wie ein Blitzstrahl ausbrennend,
  823. Wie ein fernes Liebeslied.
  824. Wie ein Todesgruß!
  825. Wie ein Todesgruß.
  826. Wie ein von Gott gewobnes
  827. Wie eine kalte schöne Geliebte
  828. Wie einst der ersten Liebe dein Herz entgegenschwoll.
  829. Wie flieh' ich vor dir, qualvolle Nacht?
  830. Wie hab' ich die Welt inbrünstig gehegt,
  831. Wie hab' ich sonst deine Hände geküßt,
  832. Wie lodernder Rosenschein ...
  833. Wie Maienglockengeist.
  834. Wie Rossestampfen schallt es durch die Luft.
  835. Wie über sturmgejagten,
  836. Wie zum Gnadenbilde der Himmelsfürstin
  837. Wieder gäb' ich's dir,
  838. Wiegen und schwanken im Wind,
  839. Will ich kämpfen, will ich fallen
  840. Willst Du in Qualen uns lassen,
  841. Wir beide, Zweige am selben Baum,
  842. Wir wandeln in der Lebenswüste Noth,
  843. Wir waren lang zusammen nun, Heinrich! ich glaub, 's ist schon ein Jahr
  844. Wirbelt auf dunkler Staub,
  845. Wird mich noch ein Duft von Reben
  846. Wird Niemand deine schwache Hand erfassen?
  847. Wirst du versinken hier in dunklen Massen ...
  848. Wo bliebst du, mein sonnenleuchtender Tag,
  849. Wo der goldne Wein im Becher rann,
  850. Wo der Leib zerfällt
  851. Wo der Mann das Weib in Liebe umschloß.
  852. Wo die Krankheit den Leib mit Narben schlug,
  853. Wohl fühl' ich hier, wenn's mich bedrängt, und lieg' ich ohne Schlaf und Ruh',
  854. Wohl hob er mächtig sich, sein Flug war hoch,
  855. Wühlt dumpf die Flut, wie dunkle Winternacht
  856. Wund durch die dunkle Nacht.
  857. Wundenkrank und blaß vom Grame
  858. Zeige dich, mein Seelentraumbild,
  859. Zeit der Wonnen, Zeit der Lüste,
  860. Zerlumpte Haufen, wie vom Sturm verwirrt,
  861. Zersprüht die gold'ne Fluth ...
  862. Zerzauste Wolken, winddurchwühlter Wald
  863. Zogen mir drei Jahre hin.
  864. Zu End' ist die Verwandlung, wer Gott geschaut der stirbt!
  865. Zu heil'gem Kampf die Müden wecken.
  866. Zu meinen Füßen die Sünderin
  867. Zu so wenig Lust,
  868. Zum letzten Male denke dann, wie der Wind geht über ein fernes Grab.
  869. Zur hohen schönen Geliebten,
  870. Zusammen liegt hier Tod und Lebenslust,
  871. Zwingst du mich, im Staub zu knien ...
  872. »Berlin!« »Berlin!« Nun hoch die junge Stirn,
  873. »Lass' die Thränen und deine Schmerzen ausgieß' in der Liebe mitleidigen Schooß,
  874. »O wende von mir dein Auge ab und küsse mich nicht mit dieser Gluth,
OPERONE