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LYRIK Otto Erich Hartleben - Poetische Werke 98

Otto Erich Hartleben (1864-1905)

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Poetische Werke 98

Feuchtkalte Nebel in den stillen Straßen –
Frühmorgenschein – ob wir uns ganz vergaßen?

Ich fahre lautlos übers weiche Pflaster –
verfrühte Arbeit und verspätet Laster.

An jener Tür vorüber? – Faß dich: hier,
hier links, da schlug es ehmals. Pocht es dir?

Zertreten und zerfahren ist der Schnee:
Schmutz überdeckt die zugefrorne Spree.

Dort schläft die Jungfrau. Ihre Stirn ist rein.
Du sollst auf diesen Straßen tätig sein.

Vorbei! Vorbei! Schon wird der Morgen laut.
Feuchtkalte Nebel – doch es taut – es taut!

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OPERONE